Einführung

Heilige Welt, heilende Welt

 

Thema der Reich-Gottes-Botschaft Jesu ist die Welt, die Welt, in der wir leben, die Welt, in die wir eingebunden sind. Dass wir nicht getrennt von der Welt, nicht weltentfremdet, sondern weltverbunden leben, darauf wollte Jesus hinaus. Seine Reich-Gottes-Worte und -Gleichnisse erwecken den Eindruck, dass seine Intention gerade darin bestand, die Menschen wieder in einem Zusammenhang zu beheimaten, in ihn hineinzuziehen, dem sie von Haus aus, einfach durch ihre Existenz als Menschen angehören – wie ein Kind (wer die Welt nicht als Reich Gottes annimmt, der „kommt nicht hinein“, Markus 10,14f.). Dass wir diese Weltverbundenheit als etwas Heiliges, ja Göttliches empfinden, darauf kam es ihm an: „Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch“ (Lukas 17,21).

Bild dafür und gleichzeitig Realisierung sind seine Tischgemeinschaften. Fern jeder Exklusivität verbindet der „Welt-Tisch“, an dem das Mahl stattfindet, letztlich mit allen Menschen dieser Erde. Darüber hinaus ist das gemeinsame Essen und Trinken Ausdruck unserer Weltverbundenheit in einem ganz umfassenden Sinn: der Kommunikation mit Pflanzen und Tieren, letztlich mit allen Elementen, mit all dem, was die Welt ausmacht und uns ihren Reich-Gottes-Charakter eröffnet. Also gerade die Tischgemeinschaften machen die Welt als Reich Gottes erfahrbar: es ist eine heilige, eine uns immer wieder heilende Welt, in der wir leben.

Wenn es also „schon bereit“ ist (Lukas 14,17), das Reich Gottes, mitten unter uns, wenn wir mitten in ihm existieren und von dieser Weltverbundenheit leben, dann betreffen uns ihre Verletzungen natürlich ganz unmittelbar und höchstpersönlich. Die Verletzung, die der Welt zugefügt wird, ist letztlich auch unser eigener Schmerz. Es ist kein fremdes Leid, das wir wahrnehmen, kein „Missstand“, kein „Umweltproblem“, kein außerhalb von uns selbst registriertes Übel. Wer die Welt als Reich Gottes wahrnimmt, liebt, in ihr und mit ihr lebt, wem sie Ausdruck des Göttlichen selber ist, dem gehen ihre Verletzungen unter die Haut und ans Herz, der möchte helfen und heilen.

Wir stehen der Welt nicht gegenüber, sondern sind durch tausend Fäden mit ihr verknüpft. Wer entdeckt oder wiederentdeckt, dass seine Verbundenheit mit der Welt, dass der Reich-Gottes-Bezug seiner ganzen Existenz das Leben überhaupt ausmacht, es selber heiligt und ihm Tiefe gibt, wird anders mit der Welt umgehen, ihre Heilung wird ihm zu einem existentiellen Anliegen werden. Seine Lebensweise wird diesem Mit-der-Welt-verbunden-Sein, diesem „Im-Reich-Gottes-Existieren“ Ausdruck geben. Sofort und unmittelbar ergibt sich aus dieser Weltverbundenheit ein einfacher Lebensstil. Und umgekehrt: Nur soviel zu haben, wie man braucht, bedeutet Glück, ja Seligkeit. Die Armen, und das heißt hier die, die einfach leben, preist Jesus selig; ihnen spricht er das Reich Gottes direkt zu (Lukas 6,21b), die Reichen, die, die mehr besitzen, als sie brauchen, können es prinzipiell nicht erfahren (Markus 10,25). –

So werden auf dieser Seite Woche für Woche, möglichst unter Berücksichtigung der Termine internationaler Tage oder entsprechender anderer Daten, die vielleicht schlimmsten Verletzungen der Welt benannt. Zu Beginn wird die jeweilige Thematik in den eben skizzierten grundsätzlichen Zusammenhang gerückt, es folgen grundsätzliche Informationen, sodann Beispiele für ein sich der entsprechenden „Verletzung“ widmendes heilendes Engagement. Ein letzter Punkt weist schließlich darauf hin, dass die Realisierung unserer Weltverbundenheit bzw. eine „Reich-Gottes-Spiritualität“ dem verletzenden Handeln selbst den Boden entziehen, aber vielleicht auch die stärksten und nachhaltigsten Kräfte zur Heilung der Welt freisetzen würde. Die Seiten werden kontinuierlich überarbeitet und aktualisiert.

Claus Petersen

 


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