Der Skandal des Reichtums 2017/2018

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Selig sind die Armen (die, die nicht mehr haben, als sie wirklich brauchen),
ihrer ist das Reich Gottes.

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr,
als dass ein Reicher ins Reich Gottes gelangt.

Jesus von Nazaret

 

In einer Welt, die nach den Spielregeln des Reiches Gottes eingerichtet ist,
in einer Welt, in der die Menschen weltverbunden leben,
steht jedem Menschen zur Verfügung, was er zum Leben braucht – nicht weniger, aber auch nicht mehr.
Es ist eine Welt, in der niemand mehr arm zu sein braucht und in der niemand mehr reich sein möchte.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 19. Oktober 2018

 

Im Dezember 1992 erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 17. Oktober zum Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut. Da nicht nur die Armut, sondern auch der Reichtum mit dem „Reich-Gottes“-Charakter der Welt unvereinbar ist, weil Reichtum und Weltverbundenheit einander ausschließen, begeht die Ökumenische Initiative Reich Gottes – jetzt! den 17. Oktober als „Tag für die Beseitigung sowohl der Armut als auch des Reichtums“.

 

Die Deutschen werden immer reicher – zumindest in der Summe: Im zweiten Quartal 2018 stieg das Geldvermögen der privaten Haushalte auf den Rekordwert von 5977 Milliarden Euro, wie die Deutsche Bundesbank am 17. Oktober 2018 in Frankfurt mitteilte, gut 80 Milliarden Euro mehr als in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres. Pro Haushalt wären dies durchschnittlich gut 900.000 Euro.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 12. Oktober 2018

 

Wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe;
wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.

Matthäus 13,12 und 25,29 („Matthäus-Effekt“; es handelt sich keinesfalls um ein authentisches Jesuswort)

 

Wie das „Manager Magazin“ am 4. Oktober 2018 berichtete, dürften die BMW-Eigner Susanne Klatten und Stefan Quandt mit einem geschätzten Vermögen von 34 Milliarden Euro die reichsten Deutschen sein. Den Geschwistern gehören 47 Prozent der Anteile an dem Autobauer; allein dafür erhielten sie im Mai 1,1 Milliarden Euro Dividende. Mit einem geschätzten Vermögen von 33 Milliarden Euro folgt laut „Manager Magazin“ knapp dahinter die Familie Reimann. Auf Platz drei der reichsten Deutschen sieht das Magazin Lidl-Gründer Dieter Schwarz mit einem geschätzten Vermögen von 25 Milliarden Euro.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 5. Oktober 2018

 

“Divitiae sunt ad legem naturae composita paupertas.”

Reichtum ist die nach dem Gesetz der Natur sich richtende Armut.

Lucius Annaeus Seneca (4 v. Chr.–65 n. Chr., römischer Philosoph und Schriftsteller), Epistulae morales 27,9, ein Zitat des griechischen Philosophen Epikur (341–270 v. Chr.)

Seneca akzeptiert die epikureische Neudefinition des Reichtums. Epikurs Auffassung, ein bescheidenes, genügsames Leben sei naturgemäß, deckt sich mit der stoischen Lehre, deren wichtigste Maxime darin besteht, secundum naturam vivere, naturgemäß zu leben. Im 4. Brief an Lucilius, in dem Seneca das Diktum Epikurs fast wortwörtlich schon einmal zitiert (4,10), fügt er ihm folgende Erläuterung an: „Weißt du aber, welche Grenzen uns jenes Naturgesetz zieht? Nicht hungern, nicht dürsten, nicht frieren. Um Hunger und Durst zu stillen, ist es nicht nötig, an hochmütigen Schwellen zu sitzen, nicht den überheblichen Blick oder gar eine verächtliche Herablassung zu ertragen. Nicht ist es nötig, Meere zu befahren, noch in den Krieg zu ziehen. Leicht zu beschaffen ist, was die Natur verlangt, und naheliegend. Für Überflüssiges schwitzt man; das ist es, was die Toga abnützt, was uns im Soldatenzelt zu altern zwingt, was uns zu fremden Ufern treibt; zur Hand ist, was genügt. Wer sich mit der Armut gut verträgt, ist reich.“ (4,10f., Übersetzung: Franz Loretto)

 

Die Vermögensungleichheit ist in Deutschland stärker ausgeprägt als in vielen anderen Industriestaaten. Hierzulande besitzt das vermögendste 1% mehr Nettovermögen als 88,2% der erwachsenen Bevölkerung. Oder anders gesagt: 67.000 Menschen haben mehr als knapp 59 Millionen Bundesbürger/-innen. Mit dieser Vermögenskonzentration nimmt Deutschland im Vergleich unter den industrialisierten Volkswirtschaften dieser Welt eine Position in der Spitzengruppe ein. Am stärksten sind die Vermögen in Schweden (96,2%), in den USA (95,5%) und Polen (92,3%) konzentriert. Die geringste Konzentration der Vermögen ist in Japan (56,4%), Belgien (61,6%) und Italien (68%) zu finden.

Aus dem am 28. September 2018 veröffentlichten „DGB-Verteilungsbericht 2018“

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Zum Börsenschluss am Freitag, 28. September 2018

 

Ich glaube nicht an die Macht,
die aus Reichtum und Privilegien erwächst,
noch an irgendeine bestehende Ordnung,
die Menschen versklavt.

Ich glaube, dass eine auf Gewalt und Ungerechtigkeit
gegründete Ordnung keine Ordnung ist.

Ich glaube an die Schönheit der Einfachheit,
an Liebe mit offenen Händen,
an Frieden auf Erden.

Aus dem Glaubensbekenntnis der Weltversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen im Jahr 1990 in Seoul (Südkorea) für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung

 

Laut der am 20. September 2018 veröffentlichten Studie „CEO pay landscape in Europe’s Top 100 companies“ des Beratungsunternehmens Willis Towers Watson, die die Vergütung der Vorstandsvorsitzenden in den führenden europäischen Unternehmen untersucht, lag die Vergütung der Chefs deutscher Top-Konzerne im Jahr 2017 mit 6,35 Millionen Euro im Median im europäischen Vergleich auf Rang 3. Am besten bezahlt werden die Schweizer Top-Manager (7,76 Millionen Euro), auf Platz zwei liegen die CEOs in Großbritannien mit 6,38 Millionen Euro.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 21. September 2018

 

Am 17. September 2011 besetzten Demonstranten den Zuccotti-Park in New York, nur wenige Blocks von der Wall Street und der Börse entfernt. Dies markiert den Beginn der Occupy-Bewegung („Occupy Wall Street”, Besetzt die Wall Street), einer Protestbewegung gegen die Macht der Banken und die soziale Ungleichheit. Ihr Motto ist der Slogan „We are the 99 percent“ (Wir sind die 99 Prozent). Ihre Forderung: Ein Prozent der Bevölkerung – die mächtigen Eliten – sollen nicht länger über Wohl und Wehe der übrigen 99 Prozent bestimmen.

Anlässlich des siebten Jahrestages dieses Ereignisses wurde am 17. September 2018 die acht Meter große Skulptur „Rose III“ der deutschen Künstlerin Isa Genzken, die aus bemaltem Stahl besteht, im Zuccotti Park direkt neben dem neuen World-Trade-Center-Komplex der Öffentlichkeit übergeben.

 

Knapp 1,5 Millionen Euro kostet das Luxus-Reisemobil Performance S des Herstellers Volkner – laut Messe das teuerste im Caravan Salon Düsseldorf (25. August – 2. September 2018) präsentierte Fahrzeug. Etwa 320.000 Euro wären für den dort ebenfalls gezeigten Luxusliner Morelo Palace locker zu machen. Daneben stand der Morelo Empire Liner, in dessen Sportgarage im Heck Platz ist für einen Porsche 911. Kostenpunkt: rund 591.230 Euro – ohne den Porsche.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 14. September 2018

 

Nichts leidet Mangel, keinem steht ein Übermaß zu.

Hildegard von Bingen (1098–1179, Benediktinerin, Äbtissin, Dichterin, Komponistin und eine bedeutende Universalgelehrte; 17. September: Gedenktag an Hildegard von Bingen)

 

Am 16. Juli 2018 veröffentlicht das Magazin „Forbes“ die Weltrangliste der 100 finanziell erfolgreichsten Prominenten der vergangenen zwölf Monate. Danach ist US-Boxer Floyd Mayweather mit einem geschätzten Jahresverdienst von 285 Millionen US-Dollar (rund 243 Millionen Euro) weltweit bestbezahlter Prominenter. Auf Platz zwei liegt der Hollywood-Star George Clooney mit 239 Millionen US-Dollar, auf Platz drei Reality-Star Kylie Jenner (166,5 Millionen US-Dollar). Zusammen kassierten die 100 Prominenten dem Magazin zufolge in den zwölf Monaten 6,3 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 22 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Elf Berühmtheiten verdienten jeweils mehr als 100 Millionen US-Dollar. „Forbes“ schätzte die Einnahmen der Prominenten von Juni 2017 bis zum 1. Juni dieses Jahres. Die Liste basiert auf Recherchen der Redakteure, Schätzungen und Gesprächen mit den Prominenten. Sie gilt als zuverlässiger Indikator.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 7. September 2018

 

There is thy gold – worse poison to men’s souls,
Doing more murder in this loathsome world
Than these poor compounds that thou mayst not sell.

Da, nimm dein Gold – mehr Gift für Menschenseelen
Und mörderischer auf der Ekelwelt
Als dein Gebräu, das du nicht handeln darfst.

William Shakespeare, Romeo und Julia, Fünfter Akt, 1. Szene (Übersetzung: Frank Günther)

 

Der US-amerikanische Hollywood-Star George Clooney ist laut dem US-Magazin „Forbes“ der derzeit bestverdienende Schauspieler weltweit. Nach Schätzungen des Magazins hat er von Juni 2017 bis Juni 2018 insgesamt 239 Millionen US-Dollar (etwa 207 Millionen Euro) eingenommen. Den zweiten Platz belegt der frühere Profi-Wrestler Dwayne „The Rock“ Johnson; er verdiente in diesem Zeitraum geschätzte 124 Millionen US-Dollar. Auf Rang drei liegt Robert Downey Jr. mit 81 Millionen Dollar. Zuvor hatte „Forbes“ mitgeteilt, dass Scarlett Johansson mit rund 40,5 Millionen US-Dollar die bestverdienende Schauspielerin gewesen sei.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 31. August 2018

 

– In den Städten wurden keine Wohnviertel einer (hoch-)herrschaftlichen Elite oder Reste von Palästen gefunden, einfach deshalb, weil es keine (hoch-)herrschaftliche Elite gab, die einen Sonderstatus in Anspruch nahm. Auch die Ausstattung der Gräber zeigt keine Trennung nach Reich und Arm. Lediglich die Verehrung von Gründerinnen von Sippen und Familienclanen wird sichtbar an symbolträchtige Beigaben in einigen Frauengräbern; 
– Archäologen fanden keine Schutzwälle um Siedlungen, weder um Dörfer noch um Städte, und keine einzige Grabungsschicht enthielt Hinweise auf Zerstörungen aufgrund von Feuer als Folge kriegerischer Auseinandersetzungen;
– Das Gemeinwohl hatte Leitfunktion. Der ausbalancierte Lebensstandard aller war die Leistung einer Kooperationsgesellschaft, in der ganz offensichtlich kommunale Interessen höher im Kurs standen als individualistische Aspirationen zur Mehrung privaten Reichtums. Einnahmen aus dem Handel wurden unter den an Herstellung und Handel Beteiligten aufgeteilt, Besitz war überwiegend kommunal. 

Aus dem Artikel „Von wegen dunkel! Plädoyer für eine nachhaltige Beschäftigung mit Alteuropa und der bis zu 8000 Jahre alten Donauzivilisation, die Grundwerte vorgelebt hat“ von Harald Haarmann und LaBGC in: Frankfurter Rundschau vom 10. Juli 2018

 

Das reichste ein Prozent der Weltbevölkerung ist auf dem besten Weg, bis 2030 bis zu zwei Drittel des Weltvermögens zu kontrollieren – so eine Analyse, die von der britischen Zeitung „The Guardian“ am 7. April 2018 vorgestellt wurde. Zugrunde liegt eine Hochrechnung der House of Commons-Bibliothek, des wissenschaftlichen Dienstes im britischen Parlament. Sie legt nahe, dass bei Fortsetzung des seit dem Finanzcrash 2008 beobachteten Trends das reichste ein Prozent der Weltbevölkerung bis 2030 etwa 64 Prozent des Weltvermögens halten werden. Seit 2008 wächst der Reichtum dieses einen reichsten Prozent jährlich um durchschnittlich sechs Prozent – viel schneller als der Reichtum der restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung (drei Prozent). Sollte der Trend anhalten, würden die ersten ein Prozent einen Reichtum von 305 Billionen US-Dollar ihr Eigen nennen gegenüber 140 Billionen US-Dollar heute.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 24. August 2018

 

Besser nicht genug als zu viel.

Aus Asien

 

John Ridding, Chef der Wirtschaftszeitung „Financial Times“, verdiente im vergangenen Jahr 2,55 Millionen Pfund, umgerechnet 2,9 Millionen Euro. Der FT-Redakteur und Gewerkschafter Steve Bird hatte Anfang August gemeinsam mit anderen Reportern des Blattes an die FT-Mitarbeiter geschrieben, Riddings Gehalt sei absurd hoch und dieser solle den Teil davon zurückgeben, der seinem Gehaltszuwachs von 2016 auf 2017 entspreche. 2016 hatte Ridding nach FT-Angaben 2,04 Millionen Pfund verdient.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 17. August 2018

 

Auch ich habe, als ich geboren war, Atem geholt aus der Luft, die allen gemeinsam ist, und bin gefallen auf die Erde, die alle in gleicher Weise trägt; und Weinen war wie bei allen mein erster Laut; (…) alle haben denselben Eingang in das Leben und auch den gleichen Ausgang.

Buch der Weisheit/Weisheit Salomos 7,3.6

 

Die Chefs der 100 größten börsennotierten Konzerne in Großbritannien haben einer Umfrage zufolge vergangenes Jahr im Durchschnitt fast ein Viertel mehr verdient. Der Zuwachs von 23 Prozent auf im Schnitt 5,7 Millionen Pfund (rund 6,4 Millionen Euro) Jahresgehalt übertraf damit bei weitem die allgemeine Gehaltserhöhung britischer Arbeiter von 2,5 Prozent. Allerdings verzerre ein massiver Gehaltssprung der beiden am höchsten bezahlten Firmenchefs auf der Insel das Bild. Ohne die beiden Spitzenverdiener habe der Zuwachs der britischen Bosse im Schnitt nur noch bei rund sechs Prozent gelegen, erläuterte das Institut. Jeff Fairburn, der der zweitgrößten britischen Baufirma Persimmon vorsteht, und Simon Peckham, Chef vom Sanierungsspezialisten Melrose Industries, kamen durch langfristige Bonuspläne demnach auf ein Jahresgehalt von 47,1 beziehungsweise 42,8 Millionen Pfund.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 10. August 2018

 

Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt.
Selig seid ihr, wenn ihr Unrecht spürt.

Erster und letzter Vers des Liedes „Selig seid ihr“ von Friedrich Karl Barth und Peter Horst (1979)

 

0,7 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung (= ca. 580.000 Personen) konnten laut einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 16. Juli 2018 im Jahr 2017 ihren Lebensunterhalt von den Erträgen ihres Vermögens bestreiten.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 3. August 2018

 

Wir leben in einer Welt, deren Regeln für die Superreichen gemacht sind.

Tobias Hauschild, Referent für Entwicklungsfinanzierung bei Oxfam Deutschland

 

Amazon-Chef Jeffrey „Jeff“ Bezos ist heute um 65 Milliarden Dollar reicher als vor einem Jahr. Bezos, der noch 16 Prozent an Amazon hält, ist nicht nur der reichste Mann der Welt. Sein Vermögen von derzeit knapp 150 Milliarden Dollar ist auch das größte, das die Forbes-500-Liste der Superreichen jemals notiert hat.

Die USA ist das Industrieland mit der höchsten Ungleichheit. In einer neuen Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stehen die Vereinigten Staaten bei allen Ungleichheitsindikatoren an der Spitze. So halten dort die reichsten zehn Prozent der Haushalte 79 Prozent des Gesamtvermögens – das reichste ein Prozent allein hat 42 Prozent. Die unteren 60 Prozent der Haushalte in den Staaten dagegen können lediglich zwei Prozent des Netto-Vermögens ihr eigen nennen. 

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Zum Börsenschluss am Freitag, 27. Juli 2018

 

„(…) jede konkrete konvivialistische Politik muss notwendig Folgendes berücksichtigen:

  • Das Gebot der Gerechtigkeit und der gemeinsamen Sozialität, was bedeutet, die schwindelerregenden Ungleichheiten zu beseitigen, die zwischen den Reichsten und dem Rest der Bevölkerung seit den 1970er Jahren explosionsartig zugenommen haben, und gleichzeitig – je nach den lokalen Umständen mehr oder weniger schnell – ein Mindesteinkommen sowie ein Höchsteinkommen einzuführen.
  • (…)“

Les Convivialistes, Das konvivialistische Manifest. Für eine neue Kunst des Zusammenlebens, Bielefeld 2014, S. 74f.

 

„2016 betrug der Anteil des Nationaleinkommens, der nur den oberen 10% der Einkommensbezieher zufließt (Einkommensanteile der Top 10%), 37% in Europa, 41% in China, 46% in Russland, 47% in USA / Kanada und rund 55% in Subsahara-Afrika, Brasilien und Indien. Im Nahen Osten, nach unseren Berechnungen die Region mit der weltweit höchsten Ungleichheit, erhalten die oberen 10% der Einkommensbezieher 61% des Gesamteinkommens.“

Aus dem jetzt auch auf Deutsch vorliegenden „World Inequality Report 2018“, dem Bericht zur weltweiten Ungleichheit 2018 (Kurzfassung)

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Zum Börsenschluss am Freitag, 20. Juli 2018

 

Der Schöpfungsmythos der Hopi, einer Gruppe der Pueblo-Indianer im nordöstlichen Arizona (USA), „handelt von einem bestimmten Land, das die Hopi am Anfang erhielten, und von den vier verschiedenen Welten, die sie erlebt haben. […] In der zweiten Welt […] trieben die Menschen Handel und Gewerbe, waren aber habgierig und wollten mehr, als sie brauchten. Der Untergang der zweiten Welt kam durch diese Habgier. Die Erdachse verschob sich, die Welt drehte sich sehr schnell und zerstörte dadurch die Landschaft. Als sie einen furchtbar kalten Teil des Weltraums durchlief, gefror alles zu Eis.“

Vine Deloria (1933–2005, indianisch-amerikanischer Rechts- und Politikwissenschaftler, Autor und Aktivist), in „Gott ist rot“, Lamuv Verlag, Göttingen 1996, S. 110f.

 

Ein Ärgernis ist für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), so der DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler bei der Vorstellung der Studie der DSW und der Technischen Universität München (TUM) am 12. Juli 2018 (vgl. zum 13. Juli 2018), die „oft allzu auskömmlichen“ Pensionsregelungen für Vorstände. Nach Berechnungen der DSW erhält Daimler-Chef Dieter Zetsche eine jährliche Pension von knapp 2,8 Millionen Euro (bei einem Ruhestandsalter von 60 Jahren). BASF-Chef Kurt Bock bekommt (ebenfalls beim Rentenalter von 60 Jahren) fast 1,2 Millionen Euro. Ähnlich ist es bei Bernd Scheifele von Heidelberg Cement (allerdings erst bei einem Rentenalter von 62 Jahren).

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Zum Börsenschluss am Freitag, 13. Juli 2018

 

Necessaria metitur utilitas: supervacua quo redigis?
Das Maß des Notwendigen bestimmt der Nutzen. Worauf (aber) reduzierst Du das Überflüssige?

Lucius Annaeus Seneca (4 v. Chr.–65 n.Chr., römischer Philosoph und Schriftsteller), epistulae morales 39,6

 

Laut der am 12. Juli 2018 vorgestellten jährlichen Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen Universität München (TUM) verdienten die Vorstände im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen im vergangenen Jahr durchschnittlich 3,558 Millionen Euro, das sind 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit fällt ihre Gehaltssteigerung deutlich höher aus als in den vergangenen drei Jahren. Die Bruttolöhne in Deutschland stiegen 2017 um 2,5 Prozent. Die Vorstände verdienten im Schnitt das 52-Fache ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr lag dieser Unterschied noch beim Faktor 50. Bestbezahlter Manager ist SAP-Chef Bill McDermott mit 12,9 Millionen Euro, gefolgt vom inzwischen abgelösten VW-Chef Matthias Müller, der 10,1 Millionen Euro erhielt. Auf Platz drei folgt Harald Krüger von BMW mit 8,4 Millionen Euro. Auch der vierte Platz geht an einen Automanager: Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche verdiente 7,8 Millionen Euro. Am Ende der Skala der 30 Dax-Unternehmen rangieren Martin Zielke von der Commerzbank mit 2,9 Millionen Euro und Reinhard Ploss von Infineon mit 2,6 Millionen Euro.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 6. Juli 2018

 

Die emanzipatorische Grundforderung der Befreiung des Menschen, weiblich wie männlich, und die soziale Gleichheit aller Menschen steht so lange auf der Tagesordnung, bis sie eingelöst ist.

Jutta Ditfurth (* 1951, deutsche Sozialwissenschaftlerin, Publizistin und Politikerin)

 

Nach Berechnungen des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (IMU) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung verdiente ein Dax-Vorstand 2017 im Mittel 71 Mal so viel wie die beschäftigten seines Unternehmens im Durchschnitt. Der Abstand hat sich zwischen 2014 und 2017 deutlich vergrößert und ist höher als in allen anderen zuvor untersuchten Jahren. Schaut man auf die einzelnen Unternehmen im Dax 30, reichte die Bandbreite der sogenannten Manager to Worker Pay Ratio 2017 vom 20-Fachen bis zum 159-Fachen – beides ebenfalls Höchststände. Die Vorstandsvorsitzenden im Dax haben im zurückliegenden Geschäftsjahr 2017 im Schnitt sogar das 97-Fache eines durchschnittlichen Beschäftigten in ihrem Unternehmen erhalten. Postchef Frank Appel führte mit dem 232-fachen Einkommen die Rangliste der Konzernchefs an, wie aus der am 5. Juli 2018 publizierten Studie hervorgeht.

Das IMU hat zum fünften Mal seit 2005 das Verhältnis der Vorstandsvergütungen zur Belegschaft für Dax-Konzerne errechnet. Im Jahr 2005 hatte ein Dax-Vorstand demnach im Durchschnitt noch 42-Mal so viel verdient wie ein Angestellter im Durchschnitt.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 29. Juni 2018

 

Um zweierlei bitte ich dich,
versag es mir nicht, bevor ich sterbe:
Falschheit und Lügenwort halt fern von mir;
gib mir weder Armut noch Reichtum.

Sprüche 30,7-8a

 

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am 21. Juni 2018 mitteilte, hatten im Jahr 2014 19.000 von allen in Deutschland erfassten Lohn- und Einkommensteuerpflichtigen Einkünfte von mindestens einer Million Euro. Das waren knapp 1600 Steuerpflichtige mehr als im Jahr zuvor; 2010 waren weniger als 15.000 gemeldet. Das Durchschnittseinkommen dieser Gruppe lag bei 2,7 Millionen Euro. Grundlage ist die Lohn- und Einkommenssteuerstatistik aus dem Jahr 2014. Wegen der langen Fristen zur Steuerveranlagung liegen die Angaben erst jetzt vor.

2014 wurden Einkommen ab 250.731 Euro (beziehungsweise 501.462 Euro bei gemeinsam veranlagten Personen) mit 45 Prozent besteuert. Dieser Reichensteuersatz kam bei 87.000 Steuerpflichtigen zum Tragen.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 22. Juni 2018

 

»Reich?« Radomeer kniff die Augen zusammen, wodurch seine Brauen einen doppelten Bogen bildeten. Streng blickte er über die Köpfe der Hechtreißer hinweg. »Wer irgendwann reich werden will, ist jetzt arm, und zwar arm an der Seele, und das, liebe Männer, sind wir doch nicht.« Er nahm einen kräftigen Schluck von seinem Bier. »Lasst mich euch so viel sagen: Gier ist eine Sünde. Sie passt nicht zu uns.«

Norman Ohler, Die Gleichung des Lebens. Roman, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2017, S. 38 (der Roman spielt im 18. Jahrhundert)

 

Das Vermögen der Dollar-Millionäre weltweit ist im vergangenen Jahr erstmals über die Marke von 70 Billionen Dollar gestiegen. Ihr Vermögen legte gegenüber 2016 insgesamt um 10,6 Prozent zu, wie aus einer am 18. Juni 2018 veröffentlichten Untersuchung des Beratungsunternehmens Capgemini hervorgeht. Zugleich wuchs der Club der Reichen. Weltweit gab es den Angaben zufolge 18,1 Millionen Menschen, die über ein anlagefähiges Vermögen von mehr als einer Million Dollar verfügten. Das waren 9,5 Prozent mehr als im Jahr 2016.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 15. Juni 2018

 

Trotz einiger Hoffnungsschimmer waren wir mit todbringenden Kräften konfrontiert, die die Weltordnung erschüttern und vielen Menschen Leid bringen. Wir mussten klar erkennen, dass die schockierende Anhäufung von Reichtum durch ein einziges globales Finanzsystem einige wenige Menschen sehr reich und sehr viele sehr arm macht. Dies ist die Grundursache für viele der derzeitigen Kriege und Konflikte, für die Umweltzerstörung und das Leid. Uns ist bewusst, dass die Menschen am Rand der Gesellschaft die schwerste Last tragen. Das weltweite imperiale System hat den Finanzmarkt zu einem Götzen unserer Zeit gemacht und die Kulturen der Vorherrschaft und der Diskriminierung gestärkt, die immer noch Millionen von Menschen gesellschaftlich marginalisieren und ausschließen und sie so verwundbar und anfällig für Ausbeutung machen.

Aus dem „Aufruf von Arusha“, den die Teilnehmenden der Konferenz für Weltmission und Evangelisation (CWME) des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Arusha (Tansania) am 13. März 2018, dem letzten Tag der Konferenz, verfasst und verkündet haben

 

Fünf der M-Dax-Unternehmensleiter erhielten im vergangenen Jahr ein Einzelgehalt von mehr als fünf Millionen Euro, wie aus einer Auswertung der Unternehmensberatung HKP hervorgeht, die der FAZ vorlag. Top-Verdiener im M-Dax mit einer Vergütung von 6,43 Millionen Euro war Marcelino Fernández Verdes, Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Baukonzerns Hochtief. Es folgen Matthias Zachert von Lanxess mit knapp 5,95 Millionen Euro, Armin Papperger von Rheinmeetall mit 5,59 Millionen Euro, Gordon Riske von Kion mit 5,45 Millionen Euro und Patrick Thomas von Covestro mit 5,41 Millionen Euro.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 8. Juni 2018

 

Omnia sunt communia (Alles gehört allen), und sollten eynem jeden nach seyner notdurft ausgeteylt werden.

Vermächtnis Thomas Müntzers, formuliert 1525 unter der Folter auf der Wasserburg in dem nordthüringischen Städtchen Heldrungen

 

Die 19-jährigen Enkel des Unternehmers Friedrich Flick, die der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Zwillinge Victoria-Katharina und Karl Friedrich, sind die jüngsten Milliardäre, die es auf den von der Agentur Bloomberg geführten Index der reichsten Menschen weltweit geschafft haben. 1,8 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) soll jeder von ihnen besitzen.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 1. Juni 2018

 

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam (sed erant illis omnia communia). Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Äcker oder Häuser besaß, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.

Apostelgeschichte 4,32.34f.

 

Der Aufsichtsratschef von SAP, Hasso Plattner, verteidigte auf der Hauptversammlung des Walldorfer Softwarekonzerns am 17. Mai 2018 die Bezüge von Vorstandschef Bill McDermott und seiner Kollegen. „Die Vorstandsvergütung muss mit Blick auf unsere globalen Konkurrenten international wettbewerbsfähig sein“, sagte er. Für 2017 weist der Geschäftsbericht knapp 13,2 Millionen Euro für McDermott aus.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 25. Mai 2018

 

Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam (et habebant omnia communia). Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte.

Apostelgeschichte 2,44-45

 

Der Besitzer der spanischen Modekette Zara hat letztes Jahr eine Dividende von 1,3 Milliarden Euro eingestrichen. Der Mindestlohn der Näherinnen in den Textilfabriken in Dhaka beträgt 89 Euro im Monat. Das absolute Existenzminimum für eine vierköpfige Familie in Dhaka beträgt aber 292 Euro.

medico international, Jubiläums-Rundschreiben 01/2018, S. 13

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Zum Börsenschluss am Freitag, 18. Mai 2018

 

Martin Luther King sagte: „Der Bogen des moralischen Universums ist lang, aber er neigt sich zur Gerechtigkeit.“ Wenn wir davon ausgehen, dass wir in der menschlichen Vorgeschichte in bemerkenswert gleichen Gemeinschaften gelebt und in dieser, wie manche sagen, „ursprünglichen Überflussgesellschaft“ ein stetiges – oder nachhaltiges – Leben geführt haben, können wir uns die Geschichte mit einigem Recht als einen Bogen vorstellen, der sich zu den eigentlich menschlichen Grundprinzipien von Gerechtigkeit und Gleichheit zurückbiegt, die wir bis heute in jedem normalen gesellschaftlichen Zusammenwirken als gute Umgangsformen betrachten. Auf allen Stufen des Wegs zu einer Gesellschaft der Gleichen brauchen wir Menschen, die sagen, was sie denken, die sich für die Sache einsetzen, die organisieren und kämpfen.

Richard Wilkinson und Kate Pickett in „Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind“, 20102, S. 302f.

 

In einem der reichsten Länder der Erde geht es ungleich zu. Die Reichen setzen sich ab, die Armen sind abgehängt. Der Film „Ungleichland – Wie aus Reichtum Macht wird“ bereist das „Ungleichland“ Deutschland und liefert anschaulich Zahlen und Hintergründe. (Autoren: Julia Friedrichs und Andreas Spinrath)

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Zum Börsenschluss am Freitag, 11. Mai 2018

 

prima autem pars est aequitatis aequalitas.
Die Grundvoraussetzung aber der Gerechtigkeit ist die Gleichheit.

Lucius Annaeus Seneca (4 v. Chr.–65 n.Chr., römischer Philosoph und Schriftsteller), epistulae morales 30,11

 

Die Ungleichheit innerhalb der Weltregionen variiert erheblich. 2016 betrug der Anteil des Nationaleinkommens, der nur den oberen zehn  Prozent der Einkommensbezieher zufließt, 37 Prozent in Europa, 41 Prozent in China, 46 Prozent in Russland, 47 Prozentin USA / Kanada und rund 55 Prozent in Subsahara-Afrika, Brasilien und Indien. Im Nahen Osten, nach unseren Berechnungen die Region mit der weltweit höchsten Ungleichheit, erhalten die oberen 10 Prozent der Einkommensbezieher 61 Prozent des Gesamteinkommens. In Deutschland bekommen heute die zehn Prozent Spitzenverdiener 40 Prozent des Gesamteinkommens. Diese Entwicklung geht „Hand in Hand mit dem Wachstum des Niedriglohnsektors“.

Aus dem am 17. Dezember 2017 in Paris veröffentlichten ersten „Word Inequality Report“ (Bericht zur weltweiten Ungleichheit)

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Zum Börsenschluss am Freitag, 4. Mai 2018

 

Kapital unser,
das Du bist im Westen,
amortisiert werde Deine Investition.
Dein Profit komme.
Deine Kurse steigen – wie in Wallstreet,
also auch in Europa.
Unser täglich Umsatz gib uns heute
und verlängere uns unsere Kredite,
wie wir sie stunden unsern Gläubigern.
Und führe uns nicht in Konkurs,
sondern erlöse uns von den Gewerkschaften.
Denn dein ist die halbe Welt
und die Macht
und der Reichtum
seit zweitausend Jahren.
Mammon.

SDS Hamburg (1968)

 

Der reichste Mensch der Welt ist noch viel reicher geworden: Mit dem starken Kursanstieg der Amazon-Aktie in der Nacht auf den 27. April 2018 ist das Vermögen von Amazon-Chef Jeffrey „Jeff“ Bezos nach Schätzungen des Bloomberg Billionaires Index um zwölf Milliarden auf 134 Milliarden Dollar (111 Milliarden Euro) gestiegen.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 27. April 2018

 

A true revolution of values will soon look uneasily on the glaring contrast of poverty and wealth. With righteous indignation, it will look across the seas and see individual capitalists of the West investing huge sums of money in Asia, Africa, and South America, only to take the profits out with no concern for the social betterment of the countries, and say, „This is not just.“

Eine echte Revolution der Werte wird den schreienden Gegensatz von Armut und Reichtum sehr bald mit großer Unruhe betrachten. Sie wird nach Übersee blicken und mit gerechter Empörung darauf hinweisen, dass einzelne Kapitalisten des Westens riesige Geldbeträge in Asien, Afrika und Lateinamerika investieren, nur um zu verdienen und ohne Interesse an sozialen Fortschritten in jenen Ländern, und sie wird ausrufen: „Das ist ungerecht.“

Aus der Rede, die Martin Luther King am 4. April 1967, genau ein Jahr vor seiner Ermordung, in der New Yorker Riverside Church gehalten hat („Riverside-Rede“)

 

In Europa gibt es bei Banken und Vermögensverwaltern einer Studie zufolge knapp 4600 Spitzenverdiener mit einem Gehalt von einer Million Euro oder mehr. Mehr als drei Viertel der Einkommensmillionäre arbeiten in Großbritannien, wie der Thomson-Reuters-Tochter IFR zufolge aus einer am 10. April 2018 vorgelegten Studie der EU-Bankenaufsicht EBA für das Jahr 2016 hervorgeht. Wegen der Wechselkursschwankungen des britischen Pfund zum Euro sei die Zahl zwar im Vergleich zum vorangegangenen Jahr zurückgegangen. Auf längere Sicht zeigt der Trend aber nach oben – trotz aller Bemühungen von Politikern und Behörden, die Entlohnung in der Finanzbranche zu dämpfen. So legte die Zahl der Einkommensmillionäre binnen sechs Jahren um ein Drittel zu. Während sich in Großbritannien mit dem dominierenden Finanzzentrum London 3529 Spitzenverdiener in der Branche tummeln, sind es in Deutschland auf Platz zwei gerade noch 253.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 20. April 2018

 

Wir müssen ein neues System schaffen, das die Harmonie mit der Natur und zwischen den Menschen wiederherstellt. Gleichgewicht mit der Natur kann es nur geben, wenn es Gleichheit zwischen den Menschen gibt.

Aus der Erklärung der Weltkonferenz über den Klimawandel und die Rechte der Mutter Erde vom 20. bis 22. April 2010 in Cochabamba (Bolivien)

 

Wie aus einer am 17. April 2018 vorgestellten Untersuchung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), der privaten FOM Hochschule in Essen und der Research-Plattform „Dividenden-Adel“ hervorgeht, überweisen Deutschlands Aktiengesellschaften ihren Aktionären in diesem Jahr in der Summe so viel Geld wie nie zuvor. Die Dividende der rund 600 untersuchten Unternehmen steigt im Vergleich zum Vorjahr um 11,6 Prozent auf den Rekordwert von insgesamt 52,6 Milliarden Euro. Der Löwenanteil mit zusammengerechnet rund 35,8 Milliarden Euro (plus 11,5 Prozent) stammt erneut von den 30 Dax-Konzernen. Die 50 mittelgroßen Unternehmen im MDax schütten mit insgesamt rund 9,5 Milliarden Euro gut acht Prozent mehr aus als 2017. Im SDax sind es 46 Prozent, im TecDAX 4,3 Prozent mehr.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 13. April 2018

 

„Divitiae sunt ad legem naturae composita paupertas.“
„Reichtum ist die nach dem Gesetz der Natur sich richtende Armut.“

Lucius Annaeus Seneca (4 v. Chr.–65 n.Chr., römischer Philosoph und Schriftsteller), Epistulae morales 27,9, ein Zitat des griechischen Philosophen Epikur (341–270 v.Chr.)

Seneca akzeptiert die epikureische Neudefinition des Reichtums. Epikurs Auffassung, ein bescheidenes, genügsames Leben sei naturgemäß, deckt sich mit der stoischen Lehre, deren wichtigste Maxime darin besteht, secundum naturam vivere, naturgemäß zu leben. Im 4. Brief an Lucilius, in dem Seneca das Diktum Epikurs fast wortwörtlich schon einmal zitiert (4,10), fügt er ihm folgende Erläuterung an: „Weißt du aber, welche Grenzen uns jenes Naturgesetz zieht? Nicht hungern, nicht dürsten, nicht frieren. Um Hunger und Durst zu stillen, ist es nicht nötig, an hochmütigen Schwellen zu sitzen, nicht den überheblichen Blick oder gar eine verächtliche Herablassung zu ertragen. Nicht es nötig, Meere zu befahren, noch in den Krieg zu ziehen. Leicht zu beschaffen ist, was die Natur verlangt, und naheliegend. Für Überflüssiges schwitzt man; das ist es, was die Toga abnützt, was uns im Soldatenzelt zu altern zwingt, was uns zu fremden Ufern treibt; zur Hand ist, was genügt. Wer sich mit der Armut gut verträgt, ist reich.“ (4,10f.)

 

60 Millionen Euro bekommt die Eigentümerfamilie des Duisburger Mischkonzern Haniel für das vergangene Jahr. Das teilte das Unternehmen am 11. April 2018 mit. Das 1756 gegründete Unternehmen alimentiert knapp 700 Familienmitglieder, die rund um den Erdball verstreut sind. Rein rechnerisch erhält also jedes Familienmitglied ein Geldgeschenk von mehr als 85.000 Euro für das vergangene Jahr. Der durchschnittliche Bruttolohn der arbeitenden Bevölkerung beträgt hierzulande 3400 Euro monatlich.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 6. April 2018

 

Der Glaube, dass Wissenschaft und Technologie die Erde vor den Folgen des Klimawandels bewahren wird, ist irreführend. Nichts wird unsere Kinder und Kindeskinder vor einer irdischen Hölle retten. Es sei denn: Wir organisieren den Widerstand gegen die Gier des globalen Kapitalismus.

Josef Weizenbaum (1923–2008, deutsch-US-amerikanischer Informatiker sowie Wissenschafts- und Gesellschaftskritiker)

 

Die große Mehrzahl der Dax-Konzerne schüttet in diesem Jahr so viel Geld an ihre Aktionäre aus wie nie zuvor: Bei 20 Unternehmen liegt die Dividende auf Rekordniveau, wie aus einer Studie des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY (Ernst & Young) hervorgeht. Insgesamt zahlen die 30 Dax-Konzerne 36,1 Milliarden Euro aus – 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

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Zum Börsenschluss am Donnerstag, 29. März 2018

 

Zweitausend Jahre sind es fast,
seit du die Welt verlassen hast,
du Opferlamm des Lebens!
Du gabst den Armen ihren Gott.
Du littest durch der Reichen Spott.
Du tatest es vergebens!

Du sahst Gewalt und Polizei.
Du wolltest alle Menschen frei
und Frieden auf der Erde.
Du wusstest, wie das Elend tut,
und wolltest alle Menschen gut,
damit es schöner werde!

Du warst ein Revolutionär
und machtest dir das Leben schwer
mit Schiebern und Gelehrten.
Du hast die Freiheit stets beschützt
und doch den Menschen nichts genützt.
Du kamst an die Verkehrten!

Du kämpftest tapfer gegen sie
und gegen Staat und Industrie
und die gesamte Meute.
Bis man an dir, weil nichts verfing,
Justizmord, kurzerhand, beging.
Es war genau wie heute.

Die Menschen wurden nicht gescheit.
Am wenigsten die Christenheit,
trotz allem Händefalten.
Du hattest sie vergeblich lieb.
Du starbst umsonst. Und alles blieb
beim Alten.

Erich Kästner (1899-1974, deutscher Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Verfasser von Texten für das Kabarett)

 

Durchschnittlich 7,4 Millionen Euro erhielten die Vorstandsvorsitzenden der 28 größten deutschen, im Leitindex Dax notierten Firmen im vergangenen Geschäftsjahr (alleine die Vergütung des Commerzbank-Chefs Martin Zielke ist noch nicht publik; bei der Münchner Rück fand Mitte 2017 ein Chefwechsel statt, wodurch es keine vergleichbaren Jahreswerte gibt). „Das ist ein Rekordjahr. Noch nie hat es eine so hohe durchschnittliche Vorstandsvergütung gegeben“, sagt Michael Kramarsch, Managing Partner bei der Unternehmensberatung HKP, die die Gehälter ausgewertet hat.

Absoluter Spitzenverdiener war, wie schon im Vorjahr, der Chef des Walldorfer Softwareriesen SAP, Bill McDermott. Er erhielt für 2017 21,1 Millionen Euro (38 Prozent mehr als im Vorjahr) – ein Betrag, der in Deutschland zuvor noch niemals an einen Dax-Vorstandschef ausgezahlt worden ist.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 23. März 2018

 

„Alle Reichtümer stammen aus Ungerechtigkeit,
und ohne dass jemand verloren hat, kann der andere nicht finden.“

Hieronymus (347-420 n. Chr., Gelehrter und Theologe der alten Kirche)

 

Die Mitglieder des VW-Konzernvorstands kassierten für das abgelaufene Geschäftsjahr insgesamt rund 50,3 Millionen Euro. Spitzenverdiener unter den zehn obersten VW-Führungskräften mit unter dem Strich mehr als 10,1 Millionen Euro  – ein Plus von fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – ist Vorstandschef Matthias Müller.

Allianz-Chef Oliver Bäte kam im Jahr 2017 auf eine Vergütung von insgesamt gut 5,9 Millionen Euro, wie aus dem am 9. März 2018 veröffentlichten Geschäftsbericht der Versicherung hervorgeht.

Ex-Bahnchef Rüdiger Grube hat Medien zufolge nach seinem Abgang beim bundeseigenen Konzern im vergangenen Jahr eine Abfindung von rund 2,3 Millionen Euro erhalten.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 16. März 2018

 

„Der Luxus der wenigen ist das Elend der vielen.“

Abgewandelter Slogan der Blockupy-Bewegung

 

Das kroatische Unternehmen Rimac stellt auf dem Genfer Automobilsalon den Elektro-Sportler „C-Two“ vor. Er soll in einer Serie von 150 Exemplaren gebaut werden und dürfte knapp über eine Million Euro kosten. Porsche präsentiert den 911 GT3 RS zum Preis von rund 200.000 Euro, Ferrari den 488 Pista zum Preis von rund 240.000 Euro. Der 922.250 Euro teure Zweisitzer von McLaren, dessen Stückzahl auf 500 limitiert ist, war schon vor seiner öffentlichen Premiere auf der Messe ausverkauft.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 9. März 2018

 

Reichtum und Armut sind gleichmäßig verkehrte Zustände; sie gehören nicht in einen geordneten Staat, sie sind mit dem Bürger- und Völkerfrieden unvereinbar.

Silvio Gesell (17. März 1862 – 11. März 1930, deutscher Kaufmann, Finanztheoretiker, Sozialreformer und Begründer der Freiwirtschaftslehre), Die Natürliche Wirtschaftsordnung (1920)

 

Laut der kürzlich veröffentlichten aktuellen „Forbes“-Liste ist Amazon-Gründer Jeff Bezos ist nicht nur der reichste Mensch der Welt; er ist auch der Erste, der diese Liste mit einem Vermögen von mehr als 100 Milliarden Dollar anführt. Dem US-Wirtschaftsmagazin zufolge beträgt es 112 Milliarden Dollar (91 Milliarden Euro). Bezos’ Vermögen soll sich in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt haben. Grund ist der Höhenflug der Aktie seiner Firma; Bezos ist nicht nur der Gründer und Chef, sondern mit einem Anteil von gut 16 Prozent auch der größte Aktionär von Amazon. Die Aktien von Bezos‘ Online-Konzern stiegen in den vergangenen zwölf Monaten um 59 Prozent, was sein Vermögen um 39,2 Milliarden Dollar steigerte – der größte Vermögenszuwachs seit 1987, dem Jahr, in dem erstmals die „Forbes“-Rangliste veröffentlicht wurde.

Den zweiten Platz belegt Microsoft-Gründer Bill Gates mit einem geschätzten Vermögen von 90 Milliarden Dollar. Auf Platz drei liegt US-Investor Warren Buffett mit 84 Milliarden Dollar. Es folgen Bernhard Arnault, Chef des Luxuskonzerns LVMH, mit 72 Milliarden Dollar und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit 71 Milliarden Dollar.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 2. März 2018

 

In einer wahrhaften Gesellschaft darf es weder Reiche noch Arme geben. Ungleichheit und Unterdrückung sind gleichbedeutend. Unglück und Sklaverei kommen von der Ungleichheit und diese vom Eigentum. Das Eigentum ist also die schlimmste Geißel der Gesellschaft.

François Noël Babeuf (1760–1797, Journalist und ein linksrevolutionärer französischer Agitator während der ersten französischen Revolution)

 

Der Chef des Snapchat-Betreibers Snap, Evan Spiegel, hat für das vergangene Jahr eine Vergütung von 637,8 Millionen Dollar (518,5 Millionen Euro) erhalten, wie das Unternehmen am 22. Februar 2018 in einer Pflichtmitteilung bekanntgab. Es ist die dritthöchste jemals an einen Firmenchef gezahlte Summe.

46,5 Milliarden Euro und damit gut neun Prozent mehr als im Vorjahr werden die großen deutschen Konzerne nach Berechnungen der DZ Bank in diesem Jahr an ihre Anteilseigner ausschütten. Diese am 23. Februar 2018 veröffentlichte Zahl bezieht sich auf die 110 Unternehmen, die in Dax, MDax und TecDax notiert sind. Die Analysten der DZ Bank gehen davon aus, dass allein bei den 30 Unternehmen im Leitindex Dax die Ausschüttungen für das Geschäftsjahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 12,5 Prozent auf 36,1 Milliarden Euro steigen werden.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 23. Februar 2018

 

Überall dort, wo es Privateigentum gibt und als Maßstab für alles nur das Geld gilt, gibt es keine Gerechtigkeit.

Thomas Morus, Utopia (1516)

 

Die beiden Großaktionäre von BMW, Stefan Quandt und Susanne Klatten, haben das Erbe ihrer Mutter unter sich aufgeteilt. Zweieinhalb Jahre nach dem Tod von Johanna Quandt kommt Stefan Quandt damit allein auf eine Sperrminorität von 25,8 Prozent an dem Münchner Automobilbauer, wie aus mehreren Stimmrechtsmitteilungen vom 20. Februar 2018 hervorgeht, seine Schwester Susanne Klatten auf 20,9 Prozent. Die Quandts gehören mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 30 Milliarden Euro zu den reichsten Familien Deutschlands. Allein das BMW-Aktienpaket von Stefan Quandt ist 13,4 Milliarden Euro wert, das seiner Schwester 10,9 Milliarden.

 

Das Berliner „Museum des Kapitalismus“ eröffnet heute erstmals eine Dauerausstellung am festen Standort. In der 150 Quadratmeter großen interaktiven Schau in der Köpenickerstraße 172 in Berlin-Kreuzberg können Besucher erfahren und ausprobieren, wie Wirtschaft und Gesellschaft im Kapitalismus funktionieren, wie die Ausstellungsmacher ankündigten.

 

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Zum Börsenschluss am Freitag, 16. Februar 2018

 

WIR KÖNNEN UNS DIE REICHEN NICHT MEHR LEISTEN –

ein Statement aus dem Publikum beim Stadtgespräch der Frankfurter Rundschau am 8. Februar 2018 im Haus am Dom

 

Die Vergütung von Daimler-Chef Dieter Zetsche ist im Jahr 2017 um eine Million auf 8,6 Millionen Euro gestiegen, wie aus dem am 13. Februar 2018 veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht. Damit dürfte er im vergangenen Jahr erneut zu den Spitzenverdienern der Dax-Vorstandschefs gehört haben (die meisten anderen Dax-Konzerne haben noch keinen Vergütungsbericht für 2017 veröffentlicht). Tatsächlich sind Zetsche einschließlich der Zahlungen aus den fälligen Bonusprogrammen vergangener Jahre 13 Millionen Euro zugeflossen.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 9. Februar 2018

 

Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die Säcke unverdrossen zur Mühle getragen hatte, dessen Kräfte aber nun zu Ende gingen, sodass er zur Arbeit immer untauglicher ward. Da dachte der Herr daran, ihn aus dem Futter zu schaffen, aber der Esel merkte, dass kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen: dort, meinte er, könnte er ja Stadtmusikant werden.
Als er ein Weilchen fortgegangen war, fand er einen Jagdhund auf dem Wege liegen, der jappte wie einer, der sich müde gelaufen hat. „Nun, was jappst du so, Packan?“ fragte der Esel. „Ach“, sagte der Hund, „weil ich alt bin und jeden Tag schwächer werde, auch auf der Jagd nicht mehr fort kann, hat mich mein Herr wollen totschlagen, da hab ich Reißaus genommen; aber womit soll ich nun mein Brot verdienen?“ „Weißt du was“, sprach der Esel, „ich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant, geh mit und lass dich auch bei der Musik annehmen. Ich spiele die Laute, und du schlägst die Pauken“. Der Hund war’s zufrieden, und sie gingen weiter.
Es dauerte nicht lange, so saß da eine Katze an dem Weg und machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. „Nun, was ist dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer?“ sprach der Esel. „Wer kann da lustig sein, wenn´s einem an den Kragen geht“, antwortete die Katze, „weil ich nun zu Jahren komme, meine Zähne stumpf werden und ich lieber hinter dem Ofen sitze und spinne als nach Mäusen herumjage, hat mich meine Frau ersäufen wollen; ich habe mich zwar noch fortgemacht, aber nun ist guter Rat teuer: wo soll ich hin?“ „Geh mit uns nach Bremen, du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, da kannst du ein Stadtmusikant werden.“ Die Katze hielt das für gut und ging mit.
Darauf kamen die drei Landesflüchtigen an einem Hof vorbei, da saß auf dem Tor der Haushahn und schrie aus Leibeskräften. „Du schreist einem durch Mark und Bein“, sprach der Esel, „was hast du vor?“ „Da hab ich gut Wetter prophezeit“, sprach der Hahn, „weil unserer lieben Frauen Tag ist, wo sie dem Christkindlein die Hemden gewaschen hat und sie trocknen will; aber weil morgen zum Sonntag Gäste kommen, so hat die Hausfrau doch kein Erbarmen und hat der Köchin gesagt, sie wollte mich morgen in der Suppe essen, und da soll ich mir heut Abend den Kopf abschneiden lassen. Nun schrei ich aus vollem Hals, solang ich noch kann.“ „Ei was, du Rotkopf“, sagte der Esel, „zieh lieber mit uns fort, etwas Besseres als den Tod findest du überall; du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so muss es eine Art haben.“ Der Hahn ließ sich den Vorschlag gefallen, und sie gingen alle viere zusammen fort.
Sie konnten aber die Stadt Bremen in einem Tag nicht erreichen und kamen abends in den Wald, wo sie übernachten wollten. Der Esel und der Hund legten sich unter einen großen Baum, die Katze und der Hahn machten sich in die Äste, der Hahn aber flog bis in die Spitze, wo es am sichersten für ihn war. Ehe er einschlief, sah er sich noch einmal nach allen vier Winden um, da däuchte ihn, er sähe in der Ferne ein Fünkchen brennen, und rief seinen Gesellen zu, es müsste nicht gar weit ein Haus sein, denn es scheine ein Licht. Sprach der Esel: „So müssen wir uns aufmachen und noch hingehen, denn hier ist die Herberge schlecht.“ Der Hund meinte, ein paar Knochen und etwas Fleisch dran täten ihm auch gut. Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das Licht war, und sahen es bald heller schimmern, und es ward immer größer, bis sie vor ein hell erleuchtetes Räuberhaus kamen.
Der Esel, als der größte, näherte sich dem Fenster und schaute hinein. „Was siehst du, Grauschimmel?“ fragte der Hahn. „Was ich sehe?“ antwortete der Esel. „Einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und Trinken, und Räuber sitzen daran und lassen´s sich wohl sein.“ „Das wäre was für uns“, sprach der Hahn. „Ja, ja, ach, wären wir da!“ sagte der Esel. Da ratschlagten die Tiere, wie sie es anfangen müssten, um die Räuber hinauszujagen, und fanden endlich ein Mittel. Der Esel musste sich mit den Vorderfüßen auf das Fenster stellen, der Hund auf des Esels Rücken springen, die Katze auf den Hund klettern, und endlich flog der Hahn hinauf und setzte sich der Katze auf den Kopf.
Wie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen insgesamt an, ihre Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und der Hahn krähte; dann stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, dass die Scheiben klirrten. Die Räuber fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die Höhe, meinten nicht anders, als ein Gespenst käme herein, und flohen in größter Furcht in den Wald hinaus.
Nun setzten sich die vier Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem vorlieb, was übriggeblieben war, und aßen, als wenn sie vier Wochen hungern sollten. Wie die vier Spielleute fertig waren, löschten sie das Licht aus und suchten sich eine neue Schlafstätte, jeder nach seiner Natur und Bequemlichkeit. Der Esel legte sich auf den Mist, der Hund hinter die Türe, die Katze auf den Herd bei die warme Asche, und der Hahn setzte sich auf den Hahnenbalken; und weil sie müde waren von ihrem langen Weg, schliefen sie auch bald ein.
Als Mitternacht vorbei war und die Räuber von weitem sahen, dass kein Licht mehr im Haus brannte, auch alles ruhig schien, sprach der Hauptmann: „Wir hätten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen lassen“, und hieß einen hingehen und das Haus untersuchen. Der Abgeschickte fand alles still, ging in die Küche, ein Licht anzuzünden, und weil er die glühenden, feurigen Augen der Katze für lebendige Kohlen ansah, hielt er ein Schwefelhölzchen daran, dass es Feuer fangen sollte. Aber die Katze verstand keinen Spaß, sprang ihm ins Gesicht, spie und kratzte. Da erschrak er gewaltig, lief und wollte zur Hintertüre hinaus, aber der Hund, der da lag, sprang auf und biss ihn ins Bein; und als er über den Hof an dem Miste vorbeirannte, gab ihm der Esel noch einen tüchtigen Schlag mit dem Hinterfuß: der Hahn aber, der vom Lärmen aus dem Schlaf geweckt und munter geworden war, rief vom Balken herab: „Kikeriki!“
Da lief der Räuber, was er konnte, zu seinem Hauptmann zurück und sprach: „Ach, in dem Haus sitzt eine gräuliche Hexe, die hat mich angehaucht und mit ihren langen Fingern mir das Gesicht zerkratzt; und vor der Türe steht ein Mann mit einem Messer, der hat mich ins Bein gestochen; und auf dem Hof liegt ein schwarzes Ungetüm, das hat mit einer Holzkeule auf mich losgeschlagen; und oben auf dem Dache, da sitzt der Richter, der rief: „Bring mir den Schelm her“. Da machte ich, dass ich fortkam.“
Von nun an getrauten sich die Räuber nicht weiter in das Haus, den vier Bremer Stadtmusikanten gefiel’s aber so wohl darin, dass sie nicht wieder heraus wollten. Und der das zuletzt erzählt hat, dem ist der Mund noch warm.

 

Im diesem Jahr will die Deutsche Bank etwa eine Milliarde Euro als Bonuszahlung an ihre Mitarbeiter und Manager ausschütten. Spartenchef Marcus Schenck rechtfertigt dies mit dem Wettbewerb, in dem die Bank stehe.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 2. Februar 2018

 

Wir werden die Grenzen des Eigentumsrechts festsetzen [Nous définirons la propriété.]. Wir werden beweisen, dass Grund und Boden nicht einzelnen, sondern allen gehört.
Wir werden beweisen, dass alles, was sich jemand mehr davon aneignet als er zu seiner Ernährung braucht, Diebstahl an der Gesellschaft ist. Wir werden beweisen, dass das angebliche Veräußerungsrecht ein infames, volksmörderisches Verbrechen darstellt.
Wir werden beweisen, dass das Erbrecht der Familie ein nicht minder großer Gräuel ist; dass es alle Mitglieder der Gesellschaft voneinander isoliert und aus jedem Haushalt eine kleine Republik macht, die gezwungen ist, gegen die große Republik zu konspirieren und die Ungleichheit zu verewigen.
Wir werden beweisen, dass alles, was ein Glied des Gesellschaftskörpers weniger besitzt, als es zur Befriedigung seiner verschiedenen Bedürfnisse immer braucht, einen Raub an seinem natürlichen persönlichen Eigentum darstellt, begangen von denen, welche die gemeinschaftlichen Güter an sich reißen.
Dass ähnlicherweise alles, was ein Glied des Gesellschaftskörpers mehr besitzt, als es zur Befriedigung seiner verschiedenen Bedürfnisse immer braucht, Ergebnis einer Beraubung anderer Gesellschaftsglieder ist, die eine mehr oder minder große Zahl von Menschen um ihren rechtmäßigen Anteil an den gemeinschaftlichen Gütern gebracht haben. Dass auch die scharfsinnigsten Einwendungen an diesen unabänderlichen Wahrheiten nichts ändern können.

Aus dem von Gracchus Babeuf verfassten „Manifest der Plebejer“ vom 30. November 1795, einem Aufruf, der in Babeufs Zeitschrift Der Volkstribun Nr. 35 erschien. Er wurde dort als „Abriss des großen Manifests, das verkündet werden soll, um die tatsächliche Gleichheit wieder einzuführen“, bezeichnet.

 

Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vom 23. Januar 2018 ist die Ungleichheit in Deutschland noch wesentlich drastischer, als die offiziellen Zahlen nahelegen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland die 45 reichsten Haushalte so viel besitzen wie die gesamte ärmere Hälfte der Bevölkerung zusammen. Beide Gruppen kamen im Jahr 2014 jeweils auf insgesamt 214 Milliarden Euro Vermögen. Im Vergleich zu den offiziellen Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) erhöht sich die Vermögensungleichheit in Deutschland dadurch drastisch: Die reichsten fünf Prozent besaßen demnach im Jahr 2014 mit 51,1 Prozent mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens – nach EZB-Zahlen besaß diese kleine Gruppe nur 31,5 Prozent. Das oberste Prozent der deutschen Haushalte verfügt über ein Drittel des Vermögens (statt 23,6 Prozent) und das oberste Promille über 17,4 Prozent (statt 6,3 Prozent). Die reichsten 0,001 Prozent – das sind lediglich 400 Haushalte – besaßen demnach 4,7 Prozent, also doppelt so viel wie die etwa 20 Millionen Haushalte, die die ärmere Hälfte Deutschlands bilden.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 26. Januar 2018

 

Es ist Zeit, dass das mit Füßen getretene und gemeuchelte Volk großartiger, feierlicher, allgemeiner als es je getan, seinen Willen kundgibt, auf dass nicht nur die Symptome, die Begleiterscheinungen des Elends, sondern die Wirklichkeit, das Elend selbst, ausgerottet werden. Möge das Volk sein Manifest erlassen! Möge es in demselben bestimmen, wie es die Demokratie verstanden wissen will und wie sie in Übereinstimmung mit den wahren Grundsätzen wirklich sein soll. Möge es darin aufzeigen, dass die Demokratie solchen, die zu viel haben, Verpflichtung ist, diejenigen, die nicht genug haben, mit allem, was ihnen fehlt, zu versehen! Dass der Mangel an Mitteln bei den letzteren nur in dem besteht, was die anderen ihnen gestohlen haben. Gesetzmäßig gestohlen, wenn man will; d.h. mit Hilfe von Räubergesetzen, die, in den neuesten wie in den ältesten Zeiten, unter allen Regierungen jeden Diebstahl genehmigt haben; mit Hilfe von Gesetzen, nach denen ich gezwungen bin, nur um leben zu können, jeden Tag die Möbel aus meiner Wohnung wegzuschaffen und den Dieben, die jene Gesetze beschützen, auch den letzten Lumpen zuzutragen, der mich bedeckt. Möge das Volk erklären, dass es die Herausgabe alles Gestohlenen verlangt, alles dessen, was die Reichen den Armen schändlicherweise weggenommen haben!

Die ersten Sätze des von Gracchus Babeuf verfassten „Manifests der Plebejer“ vom 30. November 1795, ein Aufruf, der in Babeufs Zeitschrift Der Volkstribun Nr. 35 erschien. Er wurde dort als „Abriss des großen Manifests, das verkündet werden soll, um die tatsächliche Gleichheit wieder einzuführen“, bezeichnet.

 

Das reichste Prozent der Weltbevölkerung besitzt über die Hälfte des globalen Vermögens – mehr als die übrigen 99 Prozent zusammengenommen, heißt es in dem neuen Bericht der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam zur Polarisierung der weltweiten Einkommen und Vermögen, den Oxfam jährlich vor dem Weltwirtschaftsforum von Davos (WEF) veröffentlicht. Im Jahr 2002 lag der Anteil am Gesamtvermögen des reichsten Prozents noch bei 43 Prozent. Das Vermögen konzentriere sich also in immer weniger Händen. Oxfam untermauert seine These mit diesem Vergleich: In vier Tagen verdiene der Vorstandsvorsitzende eines globalen Modekonzerns so viel Geld wie eine Näherin in Bangladesch in ihrem ganzen Leben. Die Zahl der Milliardäre ist dem Bericht zufolge weltweit im Jahr 2017 so stark gestiegen wie nie zuvor – auf den Rekordwert von 2043 Superreichen. Alle zwei Tage sei ein neuer Milliardär dazugekommen. 

„Natürlich besitzen wenige Reiche mehr als ganz viele nicht reiche Menschen. Das ist so. (…) Es wird kein armer Deutscher reicher, wenn ich weniger habe.“ (Hasso Plattner, SAP-Gründer, zur Oxfam-Studie über soziale Ungleichheit)

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Zum Börsenschluss am Freitag, 19. Januar 2018

 

Quis sit divitiarum modus quaeris?
primus habere quod necesse est,
proximus quod sat est.

Was ist des Reichtums Maß, fragst du?
Das erste, besitzen, was notwendig ist,
das nächste, was genug ist.

Lucius Annaeus Seneca (4 v.Chr.–65 n.Chr., römischer Philosoph und Schriftsteller), aus dem ersten Brief an Lucilius

 

Mercedes stellt auf der aktuellen Detroit Auto Show die neue G-Klasse vor: den auf 99 Exemplare limitierten Mercedes-Maybach G 650 Landaulet zum Preis von je einer halben Million Euro, den auf weltweit lediglich 65 Exemplare limitierten AMG G 65 zu einem Einstandspreis von rund 310.000 Euro und die je Sondermodelltyp mit 463 Stück vorrätigen G 350d, G 350d Professional und G 500 zu Preisen ab 103.000 Euro.
Auf der Stuttgarter Freizeitmesse CMT präsentierte der Premium-Hersteller Carthago das Reisemobil „Liner-for-two 53“, für den mit einem Startpreis ab rund 130.000 Euro gerechnet wird.

Der neue Range Rover PHV der Jaguar-Schwester Land Rover kostet mindestens 120.400 Euro, die Edelversion „Autobiography“ mindestens 136.100 Euro, mit verlängertem Radstand 140.900 Euro.

 

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Zum Börsenschluss am Freitag, 12. Januar 2018

 

In einer wahrhaften Gesellschaft darf es weder Reiche noch Arme geben. Ungleichheit und Unterdrückung sind gleichbedeutend. Unglück und Sklaverei kommen von der Ungleichheit und diese vom Eigentum. Das Eigentum ist also die schlimmste Geißel der Gesellschaft.“

François Noël Babeuf (1760–1797, Journalist und ein linksrevolutionärer französischer Agitator während der ersten französischen Revolution)

 

11,884 Billionen Euro beträgt das Nettoprivatvermögen in Deutschland. Ein Prozent davon die Superreichen – besitzt ein Drittel davon: 4,048 Billionen Euro. Pro Sekunde nimmt das Vermögen der Reichsten um 3662 Euro zu. (Quelle: www.vermoegenssteuerjetzt.de, abgerufen am 12. Januar 2018)

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Zum Börsenschluss am Freitag, 5. Januar 2018

 

Die Verkehrung und Verwechslung aller menschlichen und natürlichen Qualitäten, die Verbrüderung der Unmöglichkeiten – die göttliche Kraft – des Geldes liegt in seinem Wesen als dem entfremdeten, entäußernden und sich veräußernden Gattungswesen der Menschen. Es ist das entäußerte Vermögen der Menschheit.

Karl Marx (5. Mai 1818 – 14. März 1883, deutscher Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker, politischer Journalist, Protagonist der Arbeiterbewegung sowie Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und der Religion), Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844)

 

Am Donnerstag, den 4.Januar 2018, wurde in Großbritannien der „Fat Cat Thursday“ ausgerufen. „Fat Cat Day“, „Tag der fetten Katze“, wird der Tag genannt, an welchem ein Topmanager brutto so viel verdient hat wie ein durchschnittlicher Arbeitnehmer im ganzen Jahr (als „Fat Cat“ werden im Angelsächsischen schwerreiche Menschen bezeichnet). Am 4. Januar war es wieder so weit: Die Vorstände der großen britischen Aktiengesellschaften hatten bereits bis zu diesem Tag so viel verdient wie der britische Normalarbeitnehmer im ganzen Jahr.

Näherungsweise und unwissenschaftlich lässt sich der „Fat Cat Day“ auch für Deutschland berechnen, wenn man die Durchschnittswerte zugrunde legt. Ein normaler Vorstand eines der 30 DAX-Konzerne verdient nach Berechnungen des Aktionärsschützervereins DSW im Schnitt 3,4 Millionen Euro im Jahr. Das durchschnittliche Bruttoeinkommen für eine Vollzeitstelle in Deutschland liegt bei rund 42.500 Euro. Damit hat bei uns ein Durchschnittsvorstand nach rund 4,56 Tagen im neuen Jahr, also bis zur Mittagspause am Freitag, den 5. Januar, so viel verdient wie ein Vollzeitarbeitnehmer im gesamten Jahr.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 29. Dezember 2017

 

Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag

Zweitausend Jahre sind es fast,
seit du die Welt verlassen hast,
du Opferlamm des Lebens!
Du gabst den Armen ihren Gott.
Du littest durch der Reichen Spott.
Du tatest es vergebens!

Du sahst Gewalt und Polizei.
Du wolltest alle Menschen frei
und Frieden auf der Erde.
Du wusstest, wie das Elend tut,
und wolltest alle Menschen gut,
damit es schöner werde!

Du warst ein Revolutionär
und machtest dir das Leben schwer
mit Schiebern und Gelehrten.
Du hast die Freiheit stets beschützt
und doch den Menschen nichts genützt.
Du kamst an die Verkehrten!

Du kämpftest tapfer gegen sie
und gegen Staat und Industrie
und die gesamte Meute.
Bis man an dir, weil nichts verfing,
Justizmord, kurzerhand, beging.
Es war genau wie heute.

Die Menschen wurden nicht gescheit.
Am wenigsten die Christenheit,
trotz allem Händefalten.
Du hattest sie vergeblich lieb.
Du starbst umsonst. Und alles blieb
beim Alten.

Erich Kästner (1899-1974, deutscher Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Verfasser von Texten für das Kabarett)

 

Laut einem Bericht des südafrikanischen Instituts New World Wealth ist die Zahl der Millionäre in Afrika zwischen 2010 und 2016 von 100.000 auf über 140.000 gestiegen. Ihr geschätztes Vermögen soll im vergangenen Jahr zusammen 800 Milliarden Dollar betragen haben – doppelt so viel wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Nigerias. Das Beratungsunternehmen Capgemini geht sogar davon aus, dass ihr Gesamtvermögen seit 2008 um fast 80 Prozent auf heute 1500 Milliarden Dollar gestiegen ist. Der gewaltige Zahlenunterschied erklärt sich daraus, dass diese Herren, wenn es darum geht, Herkunft und Höhe ihres Reichtums anzugeben, nicht gerade zu Transparenz neigen.
Auch die Anzahl der Milliardäre ist gestiegen. Laut dem US-Wirtschaftsmagazin Forbes sind es 25, die Zeitschrift Ventures spricht sogar von 55. Damit liegt Afrika im weltweiten Vergleich zwar noch weit hinter anderen Privatvermögen, doch dafür steigt die Anzahl der Superreichen hier außerordentlich schnell.

(Aus: Olivier Piot, Zuallererst Afrikaner. Die neuen Milliardäre zwischen Nouakchott und Kapstadt, in: Le Monde diplomatique, November 2017, S. 16f.)

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Zum Börsenschluss am Freitag, 22. Dezember 2017

 

Heilige Nacht

So war der Herr Jesus geboren
Im Stall bei der kalten Nacht.
Die Armen, die haben gefroren,
Den Reichen war’s warm gemacht.

Sein Vater ist Schreiner gewesen,
Die Mutter war eine Magd.
Sie haben kein Geld nicht besessen,
Sie haben sich wohl geplagt.

Kein Wirt hat ins Haus sie genommen;
Sie waren von Herzen froh,
Daß sie noch in Stall sind gekommen.
Sie legten das Kind auf Stroh.

Die Engel, die haben gesungen,
Daß wohl ein Wunder geschehn.
Da kamen die Hirten gesprungen
Und haben es angesehn.

Die Hirten, die will es erbarmen,
Wie elend das Kindlein sei.
Es ist eine G’schicht’ für die Armen,
Kein Reicher war nicht dabei.

Ludwig Thoma (1867-1921, bayerischer Schriftsteller)

 

Laut dem ersten „Weltreport über Ungleichheit“, der von dem französischen Ökonomen Thomas Piketty in Kooperation mit mehr als 100 Wirtschaftswissenschaftlern erarbeitet und am 14. Dezember 2017 auf dem Portal „wid.world“ veröffentlicht wurde, ist die Einkommensungleichheit in Deutschland so groß wie vor 100 Jahren. Auf die obersten zehn Prozent der deutschen Haushalte entfallen 40 Prozent aller Löhne – wie zuletzt 1913. Die untere Hälfte der Verdiener erhält dagegen nur 17 Prozent.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 15. Dezember 2017

 

„Gleichheit ist Glück“

Titel eines  im Jahr 2009 im Tolkemitt Verlag, Berlin, in deutscher Übersetzung erschienenen Buches von Richard Wilkinson und Kate Pickett (die englische Originalausgabe erschien 2009 unter dem Titel „The Spirit Level. Why More Equal Societies Almost Always Do Better“ bei Allen Lane, London); der Untertitel der deutschen Ausgabe lautet: „Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind“.

 

Laut dem ersten „Weltreport über Ungleichheit“, der von dem französischen Ökonomen Thomas Piketty in Kooperation mit mehr als 100 Wirtschaftswissenschaftlern erarbeitet und am 14. Dezember 2017 auf dem Portal „wid.world“ veröffentlicht wurde, nimmt die Ungleichheit der Einkommensverteilung weltweit stark zu: Seit 1980 hat das reichste Prozent der Weltbevölkerung seine Einkünfte mehr als verdoppelt. Am geringsten ist das Gefälle laut den Forschern in Europa. Dort verfügten 2016 die oberen zehn Prozent über 37 Prozent des nationalen Einkommens, in Nordamerika waren es 47 Prozent, im Nahen Osten den Angaben zufolge sogar 61 Prozent. Weltweit entfallen auf die obersten zehn Prozent der Bevölkerung 40 Prozent der weltweiten Vermögenswerte. Ausgewertet wurden unter anderem Einkommensteuerdaten.

 

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Zum Börsenschluss am Freitag, 8. Dezember 2017

 

In einem Staate, der nicht in den schwersten Krankheitszustand verfallen soll (…), soll sich ebenso wenig bei einer Anzahl von Mitgliedern eine krasse Armut finden als ein krasser Reichtum; denn jedes davon erzeugt das andere.

Platon (428/427-348/347 v. Chr., antiker griechischer Philosoph), Nomoi (Gesetze), Fünftes Buch

 

680.000 Euro kostet die Edition 1 des exklusiven Reisemobils Magellano, von dem Michael Ebner im unterfränkischen Wülfershausen in der Rhön vier bis fünf Exemplare im Jahr herstellen lässt, eine 10,60 Meter lange und 2,50 Meter breite „Landyacht“ mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 18 Tonnen. Prunkstück der Luxusvilla auf Rädern ist das Schlafzimmer mit dem 1,80×2.00 Meter großen Doppelbett, einem 40-Zoll-Fernseher sowie Sky-Receiver, Blueray-Player und Bose-Soundanlage. „Wir haben nicht den Ehrgeiz, Marktführer im Luxussegment zu werden“, sagt Ebner, träumt allerdings von einer „kleinen, aber feinen europäischen Community von Eignern, die auch außerhalb der Reisevorhaben miteinander in Verbindung stehen“. (Quelle: Frankfurter Rundschau vom 11. November 2017)

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Zum Börsenschluss am Freitag, 1. Dezember 2017

 

Wenn alle Dinge in den Städten Gemeingut wären, wären auch Herren und Jedermann gemein. Wenn niemand die Interessen seiner Nachbarn verletzte, wenn ein jeder für das gemeinsame Wohl arbeitete, würde es nicht Kampf und Zwietracht geben (…) Tretet herzu und helft alle Ungleichheiten zu zerstören, durch die die ganze Welt in Trümmern liegt.

Aus der „Reformatio Sigismundi“ (ab 1476 in immer neuen Auflagen gedruckt; eine der verbreitetsten Flugschriften der deutschen Bauernkriege und des Reformationszeitalters)

 

Das Vermögen von Amazon-Gründer Jeff Bezos hat nach Berechnungen des Finanzdienstes Bloomberg Ende November 2017 100 Milliarden Dollar erreicht. Seit Oktober ist Bezos die Nummer 1 unter den Superreichen, nachdem seine Beteiligung an dem Online-Versandhändler aufgewertet wurde. Alleine die Wertsteigerung von Amazon in Folge der hohen „Black Friday“-Umsätze machte ihn zumindest auf dem Papier rund zehn Milliarden Dollar reicher. Bloomberg schätzt die Vermögen auf Basis öffentlich verfügbarer Informationen über Firmenanteile und Transaktionen.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 24. November 2017

 

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr,
als dass ein Reicher ins Reich Gottes gelangt.

Jesus von Nazaret (Markus 10,25)

 

Für 450.312.500 Dollar (das sind etwa 383,6 Millionen Euro) ist am 16. November 2017 das Gemälde „Salvator mundi“ (Heiland der Welt) von Leonardo da Vinci bei Christie’s in New York versteigert worden. Wer die Rekordsumme bezahlen wird und dafür ein von vielen in Anlehnung an das wohl bekannteste Da Vinci-Bild als „männliche Mona Lisa“ gefeierte Werk bekommt, gibt das Auktionshaus nicht bekannt.

Hauptgeldgeber des am 17. November 2017 in Washington eröffneten 500 Millionen US-Dollar teuren Bibelmuseums ist die Unternehmerfamilie Green aus Oklahoma. Das Familienvermögen von Steve Green wir auf rund fünf Milliarden US-Dollar geschätzt.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 17. November 2017

 

  • Wir verzichten ein für alle Mal darauf, als Reiche zu erscheinen wie auch wirklich reich zu sein, insbesondere in unserer Amtskleidung (teure Stoffe, auffallende Farben) und in unseren Amtsinsignien, die nicht aus kostbarem Metall – weder Gold noch Silber – gemacht sein dürfen, sondern wahrhaft und wirklich dem Evangelium entsprechen müssen (vgl. Mk 6,9; Mt 10,9; Apg 3,6).
  • Wir werden weder Immobilien oder Mobiliar besitzen noch mit eigenem Namen über Bankkonten verfügen und alles, was an Besitz notwendig sein sollte, auf den Namen der Diözese bzw. der sozialen oder caritativen Werke überschreiben (vgl. Mt 6,19-21; Lk 12,33-34).
  • Wir werden uns bemühen, so zu leben, wie die Menschen um uns her üblicherweise leben, im Hinblick auf Wohnung, Essen, Verkehrsmittel und allem, was sich daraus ergibt (vgl. Mt 5,3; 6,33-34; 8,20).

Die ersten drei Verpflichtungen des sogenannten Katakombenpakts „Für eine dienende und arme Kirche“, den 40 Bischöfe der römisch-katholischen Kirche am 16. November 1965, drei Wochen vor dem Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils, in den Domitilla-Katakomben außerhalb Roms beschlossen.

 

„Ich habe, Gott sei Dank, nie so einseitig spekuliert, dass alles ins Wanken gekommen ist.“

Anselm Grün, Benediktiner-Pater und Erfolgsautor, der die Aktiendepots seines Klosters Münsterschwarzach managt (zitiert aus „Handelsblatt“ vom 10. November 2017)

 

 

Während die 30 Prozent der Bevölkerung mit den geringsten Vermögenswerten allenfalls einige Wochen von ihren Besitztümern zehren könnten, wären die reichsten zehn Prozent mindestens 13 Jahre lang dazu imstande. Den obersten fünf Prozent gelänge dies sogar über mehr als 21 Jahre hinweg. Dies geht aus einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervor, die am 14. November 2017 in Berlin vorgestellt wurde.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 10. November 2017

 

Martinus hatte eine rohgezimmerte Zelle, ebenso auch viele seiner Brüder. Manche hatten den Fels des überhängenden Berges ausgehöhlt und sich so eine Wohnstätte geschaffen. Es waren ihrer gegen achtzig Jünger. Diese suchten sich nach dem Vorbild des heiligen Meisters zu bilden. Keiner besaß dort Eigentum, alles war Gemeingut. (Nemo ibi quicquam proprium habebat, omnia in medium conferebantur.) Keiner durfte etwas kaufen oder verkaufen, wie dies bei den Mönchen vielfach üblich ist.

Sulpicius Severus, Vita sancti Martini (Das Leben des heiligen Martin), 10,4-6

Gedenktag: 11. November

 

Laut einer Pressemitteilung des Netzwerks Steuergerechtigkeit vom 2. November 2017 haben Reiche in den Offshore-Zentren ein Vermögen zwischen 21 und 32 Billionen Dollar angehäuft. Das ist mehr als dreimal so viel wie das gesamte Vermögen in Deutschland.

 

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Zum Börsenschluss am Freitag, 3. November 2017

 

Es schickt sich nicht, dass einer aufgrund der Arbeit des anderen müßiggehe, reich sei und gut lebe, während ein anderer übel lebt, wie jetzt der verkehrte Missbrauch ist. Denn Sankt Paulus sagt: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Es ist niemandem von Gott verordnet, von den Gütern der anderen zu leben.“

Martin Luther (1483 – 1546, zentrale Persönlichkeit der Reformation)

 

Der Club der Milliardäre ist im Jahr 2016 größer und reicher geworden. Angetrieben unter anderem von steigenden Immobilienpreisen kletterte das Vermögen der reichsten Menschen der Welt insgesamt um 17 Prozent auf den Rekordwert von sechs Billionen Dollar 5,09 Billionen Euro), wie eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und der Schweizer Bank UBS ergab. Die Zahl der Milliardäre erhöhte sich um zehn Prozent auf 1542. Pro Kopf macht das durchschnittlich 3,9 Milliarden Dollar. Dafür müsste ein deutscher Durchschnittsarbeitnehmer 177.000 Jahre arbeiten – und alles sparen natürlich. Zum ersten Mal in der Geschichte gab es in Asien mehr Milliardäre (637) als in den USA (563). In Europa stagnierte der Club der Superrechen mit 342 Mitgliedern nahezu. Die meisten Milliardäre gab es laut der Untersuchung in Deutschland (117); es folgen Großbritannien (55), Italien (42), Frankreich (39) und die Schweiz (35).

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Zum Börsenschluss am Freitag, 27. Oktober 2017

 

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!“ Aber wie gelangen wir zu den Tätigkeitswörtern?

Stanisław Jerzy Lec (1909-1966, polnischer Schriftsteller)

 

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron beabsichtigt, die Vermögenssteuer, „impôts de la solidarité sur la fortune“ (ISF) genannt, abzuschaffen, die bei Beträgen über 1,3 Millionen Euro anfällt. Medien rechnen vor, dass Bernard Arnault – dank seines Luxusgüterkonzerns LVMH seit Jahren der reichste Franzose – in diesem Fall nicht mehr 223, sondern nur noch 64 Millionen Euro an Steuern zahlen müsse…

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Beispiele für das Jahr 2016/2017 finden Sie hier.


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