53. Kalenderwoche

 

Rücksichtsloser Rohstoffabbau

 

Rohstoff

Der kalte Geist erfand den Roh-Stoff
Man sprach einmal von Boden-Schätzen
Wir schätzen jetzt das Endprodukt

Der Rohstoff tritt nicht in Erscheinung

Doch auf dem Weg zum Endprodukt
Lässt er Verwüstung hinter sich
Verseuchtes Meer, zerstörtes Land
Konflikt, Gewalt und Krankheit, Tod

Was da in der Erde liegt
Hat noch keinen Fluch in sich
Zum Monster wird es erst gemacht
Was Menschengeist sich ausgedacht

Er umgibt sich dicht mit Waren
Der reiche Teil der Spezies Mensch
Will so dem Dasein Glanz verleihen
Verbraucht die Stoffe ohne Maß

Der Konzern, gewinngetrieben
Kann sich keine Grenzen setzen
In Leib und Leben steckt das Maß
Bedarf, Bedürfnis und Genuss

Aus gleichem Stoff und selbst Natur
Der Erde ist der Leib verwandt
Verletzlich wie die zarten Glieder
Ist auch die raue Haut der Erde

Hans Bischlager (jetzt veröffentlicht in: Hans Bischlager, Entschieden wird im Untergrund. Politische Gedichte,  Hamburg 2017, Seite 10f.)

 

„The company gets the gold, the community gets the shaft“ – die Firma erhält das Gold, die Allgemeinheit die Grube (Paul Robinson, Bergbauexperte des Southwest Research and Information Center (SRIC) in Albuquerque/New Mexico, zu den durch den Bergbau geschädigten und dringend sanierungsbedürftigen Landschaften; zitiert aus: Uran-Atlas, Seite 28)

 

Informationen

 

Bergbau ist der älteste Eingriff des Menschen in die Erde, um sich ihre Schätze anzueignen.

Jahr für Jahr werden weltweit mehr abiotische, also nicht aus oder von Lebewesen stammende Rohstoffe aus der Natur entnommen. Zu ihnen gehören fossile Energieträger, Erze und sonstige mineralische Rohstoffe, Baumineralien wie Sand, Kies, Steine sowie Industriemineralien wie Quarzsand, Kalisalze. Sie werden zu Rohmaterial aufbereitet und verarbeitet, um den stetig steigenden Bedarf der Weltwirtschaft zu stillen. Dieser Trend verschärft globale Umweltprobleme wie den Klimawandel, die Bodendegradation oder den zunehmenden Verlust an biologischer Vielfalt vor allem in ökologisch sensiblen Gebieten.

Dem unter dem Titel „Gesunde Umwelt, Gutes Leben für alle“ am 13. März 2019 in Kenias Hauptstadt Nairobi vorgestellten aktuellen 6. Report „Global Environment Outlook“ (GEO-6) des UN-Umweltprogramms (Unep) zufolge werden aktuell weltweit jährlich rund 92 Milliarden Tonnen an natürlichen Ressourcen verbraucht. Das entspricht einer Verdreifachung in den letzten 50 Jahren. Rohstoffgewinnung und -verarbeitung seien für die Hälfte der Treibhausgasemissionen und mehr als 90 Prozent des Verlusts an biologischer Vielfalt verantwortlich.

Seit den 1970er Jahren nimmt der Ressourcenverbrauch stark zu. In den vier Jahrzehnten bis 2010 stieg er von 22 auf 70 Milliarden Tonnen. Besonders ausgeprägt zeigt die Kurve seit 2000 nach oben. Hauptgrund ist der Wirtschaftsboom in Schwellenländern wie China, Brasilien und Südafrika. Gibt es keine Trendwende, wird sich der Verbrauch bis 2050 gegenüber heute fast verdreifachen, wie ein am 20. Juli 2016 veröffentlichter Report des UN-Umweltprogramms Unep zeigt. Pro Jahr müssten dann 180 Milliarden Tonnen Material aus und von der Erde geholt werden, um den Bedarf der dann voraussichtlich rund zehn Milliarden Menschen an Lebensmitteln, Energie, Wohnraum und Mobilität zu decken – pro Kopf wären das rund 18 Tonnen. Unep warnt vor den Folgen eines solchen Raubbaus: verschärfter Klimawandel, steigende Luftverschmutzung, schwindende Artenvielfalt und Konflikte um Rohstoffe.

Der vom italienischen Experten Ugo Bardi verfasste Bericht des Club of Rome zur Ressourcen-Problematik aus dem Jahr 2013 zeigt, dass viele der Rohstoffe im Erdmantel zwar noch in großer Menge vorhanden sind, deren Konzentration in den abgebauten Erzen aber ständig abnimmt; in der Folge wüchsen die Umweltschäden und der Energieaufwand pro Kilo gewonnenem Metall und anderen Ressourcen steil an (Ugo Bardi, Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen. Ein Bericht an den Club of Rome, Oekom-Verlag, München 2013).

Die UN schätzt, dass mehr als 40 Prozent aller weltweiten Konflikte in den letzten 60 Jahren mit dem Abbau und Handel von Rohstoffen verbunden waren. Mit jedem neuen Abbaugebiet steigen Konflikte und irreversible Umweltzerstörung.
Laut UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR wird ein Drittel aller Menschenrechtsverletzungen im Rohstoffsektor begangen.

Im November 2018 veröffentlichte das Umweltbundesamt (UBA) den zweiten Bericht über die Nutzung natürlicher Ressourcen in Deutschland. In einer Pressemitteilung vom 19. Februar 2019 fordert das UBA strengere Umweltstandards für den Rohstoff-Abbau im globalen Süden. Deutschland solle zusammen mit der Europäischen Union auf international verbindliche Umwelt- und Sicherheitsstandards entlang der Lieferkette vom Bergwerk bis zur Aufbereitung der Rohstoffe drängen. Laut UBA ist Deutschland einer der größten Rohstoff-Importeure der Welt: der fünftgrößte Nachfrager bei Aluminium, Blei, Kupfer und Zinn und bei Stahl der sechstgrößte (Zahlen für 2017).

Hinsichtlich unternehmerischer Ausbeutung im Ausland belegt Deutschland einen Spitzenrang. Das ergeben aktuelle Untersuchungen der Universität Maastricht. Besonders bedenklich sei der Import von Rohstoffen für die Automobil- und Chemieindustrie. Deren Produktion finde unter „menschenrechtlich problematischen Bedingungen“ statt. So werde beispielsweise in Peru Wasser verseucht, um Kupfer für deutsche Autos zu gewinnen, in Uganda finden Landvertreibungen statt, im Sudan werden ganze Dörfer geflutet. An solchen und ähnlichen Fällen seien deutsche Unternehmen direkt oder indirekt beteiligt. (Publik-Forum Nr. 11 vom 5. Juni 2015)

Für die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen im Bergbausektor im Globalen Süden sind nicht nur Importeure von Mineralien und Fertigprodukten in Deutschland mitverantwortlich. Auch Banken und Versicherungen profitieren, wenn sie in Bergbauunternehmen investieren und bei rücksichtslosen Praktiken wegsehen. Die Aktionszeitung der Christlichen Initiative Romero (CIR) BrennPunkt Banken und Bergbau – Finanztreibstoff für rücksichtslose Rohstoffgeschäfte zeigt anhand konkreter Fälle auf, wie das Geschäft der Banken mit den Bergbauriesen funktioniert und warum Investitionen in Rohstoff-Fonds vermieden werden sollten. Außerdem werden alternative Banken vorgestellt, die nachhaltige Standards für ihre Geschäfte definiert haben.

Sand und Kies sind nach Luft und Wasser die am meisten genutzten Ressourcen der Erde. Sie machen bis zu 85 Prozent der abgebauten Rohstoffe aus. Für Bauwirtschaft, Aufschüttungen und Industrie werden global pro Jahr nach Schätzungen des Reports „Sand, knapper als man denkt“ des UN-Umweltprogramms UNEP von 2014 etwa 40 Milliarden Tonnen Sand und Kies benutzt, „doppelt so viel wie Flüsse der ganzen Welt jährlich Richtung Meer schwemmen“. Weiter heißt es in dem Bericht: „Im Jahr 2012 wurden nach unseren Schätzungen knapp 30 Milliarden Tonnen Bausand für die Herstellung von Beton eingesetzt. Das war genug Material, um rund um den Äquator eine 27 Meter hohe und 27 Meter breite Mauer zu bauen.“ In Deutschland pendelte sich die Sandnachfrage zuletzt bei etwa 238 Millionen Tonnen ein. Im Schnitt verbraucht jeder Deutsche pro Jahr unglaubliche 2,9 Tonnen Sand. Etwa 80 Prozent davon stecken in den Häusern, Straßen und Brücken, die wir nutzen. Das alles scheint zunächst nicht weiter schlimm zu sein, schließlich gibt es genug davon. Doch Sand ist nicht gleich Sand. Ungeeignet zur Betonherstellung ist etwa Wüstensand ganz im Gegensatz zu Sand aus dem Meer, aus Flussbetten und Kiesgruben. Nach Schätzungen des UN-Umweltprogramms UNEP schwinden weltweit zwischen 75 und 95 Prozent aller Strände. „Sand entsteht als Resultat natürlicher Prozesse von einigen Hunderten oder sogar Millionen Jahren Dauer. Folglich ist er kein erneuerbarer Rohstoff, jedenfalls nicht nach menschlichen Zeitdimensionen. Da alle drei geschilderten Nutzungsarten [in der Bauindustrie, als Ausgangsstoff für die Gewinnung strategischer Mineralien, beim Fracking] gigantische Sandmengen erfordern, finden die Abbaumaßnahmen rund um die Uhr und ganzjährig statt. So verschwinden Sanddünen oder Sandsteinhügel, die über die Jahrtausende entstanden sind, innerhalb von wenigen Jahrzehnten.“ (Aus: Kiran Pereira, Aus Sand. Ein Rohstoff wird knapp, in: Le Monde diplomatique vom September 2014) Welche sozialen und ökologischen Folgen der Raubbau für Mensch, Tiere und Umwelt hat und mit welchen Mitteln Wirtschaft und Politik vorgehen, zeigt der Dokumentarfilm „Sand – Die neue Umweltzeitbombe“ des französischen Regisseurs Denis Delastrec (2013).
Einer am 7. Mai 2019 veröffentlichten Studie des UN-Umweltprogramms (Unep) zufolge hat der weltweite Bauboom die Nachfrage nach Sand und Kies in 20 Jahren verdreifacht. Mit 40 bis 50 Milliarden Tonnen im Jahr ist Sand gemessen am Volumen nach Wasser inzwischen der größte gehandelte Rohstoff der Welt. In 20 Jahren, so die Prognose, werde sich die Nachfrage nach Sand und Kies verdreifacht haben. Vor allem für die Umwelt sei der unregulierte Abbau gefährlich, warnte Unep. „Flüsse, Deltas und Küsten werden ausgewaschen, Sand-Mafias blühen, und der Bedarf steigt.“

Weitere Literatur:

Aus 5000 Bohrquellen und 7000 Kilometern Rohrleitungen werden im Nigerdelta pro Tag mehr als zwei Millionen Fass Öl gefördert. Beteiligte Unternehmen sind Shell, Chevron, ExxonMobil und Total, die teils in Joint Ventures mit dem nigerianischen Staat agieren. Durch Pipelines bzw. durch die Erdölförderung wird die Umwelt enorm verschmutzt. Im Jahr 2013 führten die genannten Missstände zur „Nominierung“ des Deltas unter den „Top 10 der am stärksten verseuchten Gebiete der Erde“ durch das Blacksmith Institute. Wie Amnesty International und das Zentrum für Umwelt, Menschenrechte und Entwicklung (CEHRD) in einem am 3. November 2015 veröffentlichten Bericht mitteilten, habe der Mineralöl-Gigant Shell die Öffentlichkeit vorsätzlich mit der Behauptung getäuscht, vier stark verschmutzte Gebiete im nigerianischen Nigerdelta gesäubert zu haben; die Kontaminierung im größten Ölfördergebiet Afrikas sei noch immer mit bloßem Auge zu sehen.
Am 18. Dezember 2015 hat ein niederländisches Berufungsgericht in einer weitreichenden Entscheidung Schadenersatzklagen gegen den Ölkonzern Royal Dutch Shell wegen Umweltverschmutzungen durch Erdöllecks bei seiner nigerianischen Tochter zugelassen. Eine niedrigere Instanz hatte 2013 geurteilt, dass die Shell-Mutter nicht für Öllecks ihrer nigerianischen Tochtergesellschaft Shell Petroleum Development Company of Nigeria zur Verantwortung gezogen werden könne. Ausgangspunkt des Rechtsstreits ist eine Klage von vier nigerianischen Bauern und Fischern, die von dem Multi die Säuberung von vier stark durch Öl verschmutzten Dörfern im Nigerdelta, Schutz vor möglichen künftigen Ölverseuchungen und Entschädigungen fordern. Unterstützt werden die vier Kläger von der Umweltgruppe Friends of the Earth. Das Verfahren wird nun im kommenden Jahr fortgesetzt. Shell hatte Sabotage als Grund für die Öllecks angegeben. Nach nigerianischem Recht wäre das Unternehmen damit nicht schadenersatzpflichtig. Das Gericht in Den Haag erklärte nun, es sei zu früh, Sabotage als Grund für die Lecks anzunehmen.

Weltweit wird heute (2016) jährlich dreimal so viel Zement hergestellt wie im Jahr 2001. Das liegt vor allem an der massiven Bautätigkeit in China, wo die Hälfte (2,36 von 4,6 Milliarden Tonnen) der global produzierten Zementmenge verbraucht wird. Grundstoffe für die Herstellung von Zement sind Kalkstein und Lehm beziehungsweise Mergel, die mit Sand und Eisenerz bei 1450 Grad gesintert und dann mit weiteren Materialien wie Sand, Asche oder Gips zu Zement vermahlen werden. Der Rohstoff für Zement ist nicht leicht und billig zu haben. Um ihn zu gewinnen, müssen Berge abgetragen, Dörfer umgesiedelt und deren Bewohner beschäftigt und besänftigt werden. (Quelle: Anett Keller und Marianne Klute, Dreckiger Zement. Der Fall Indonesien, in: Le Monde diplomatique, Oktober 2016)

Gold boomt global. Ein Drittel des gesamten bisher freigelegten Edelmetalls wurde in den vergangenen 20 Jahren geschürft, im Schnitt 2600 Tonnen im Jahr. Dafür wurden weltweit riesige Landstriche zerstört und wichtige Wasserreservoire mit Chemikalien vergiftet.
Die katholische Friedensbewegung Pax Christi weist mit dem Film „Wenn Gold Gewalt und Elend schafft“ auf die katastrophale Lage der Menschenrechte beim Goldabbau im Kongo hin. Die Umweltorganisation WWF warnt in einer Mitteilung vom 28. Mai 2020 vor „giftigem Gold“.

Ende 2012 hat die Nichtregierungsorganisation Fian die Bergbaustudie „Schwarze Löcher in der Unternehmensverantwortung. Deutschlands Steinkohleimporte aus Kolumbien und die Folgen für die Menschenrechte“ veröffentlicht.

Kein Land der Welt fördert mehr Braunkohle als Deutschland. Die Folgensind katastrophal: „Seit Jahrzehnten fallen an den drei großen deutschen Abbaugebieten im Rheinland bei Köln, in der Lausitz bei Cottbus und im Mitteldeutschen Revier zwischen Leipzig und Halle immer wieder ganze Dörfer der Braunkohle zum Opfer. Mehr als 300 sind seit Beginn des 20. Jahrhunderts verschluckt worden, rund 110 000 Menschen mussten bislang ihre Häuser, Höfe, Arbeitsstätten, ihre Kirchen, Vereinsheime und Felder, ihre über Jahrzehnte vertraute Heimat, aufgeben. Im Abbaugebiet bei Cottbus ist auch die sorbische Minderheit betroffen. Riesige Löcher entstanden, im rheinischen Abbaugebiet Garzweiler könnte eine Fläche der Größe von Paris verschwinden. Inzwischen ist ein Gebiet, das fast viermal so groß ist wie der Bodensee, unmittelbar von dem Abbau betroffen. Eine Rückkehr der Menschen ist unmöglich, denn nach dem Abbau finden die früheren Bewohner bis zu 450 Meter tiefe Gruben vor, die bis an den Horizont reichen, oder, nach der Renaturierung, oft versauerte Seen ohne Leben. Es ist ein Drama.“ (Aus: Markus Dobstadt, Vergiftete Atmosphäre, in: Publik-Forum 14/2015, 13-15.13)

Durch den Abbau der Ölsandfelder in der westkanadischen Provinz Alberta wurden weite Naturlandschaften in eine gigantische Wüste aus Schlamm verwandelt.

In den Bauteilen herkömmlicher Autos stecken schon heute rund 25 Kilogramm Kupfer. Bei Elektro-Autos erhöht sich der Verbrauch vor allem wegen der Kupfer-Wicklungen im Motor. Bei einem Antrieb mit 45 Kilowatt (rund 61 PS) sind es laut Fraunhofer-Institut ISI 45 Kilogramm. Für jedes Kilogramm Kupfer, das aus den natürlichen Erzlagerstätten gewonnen wird, werden rund 350 Kilogramm Natur extrahiert und verändert. Vgl. dazu die im Januar 2017 erschienene Studie der Freien Universität Berlin (FU) Deutsche Kupferimporte: Menschenrechtsverletzungen, Unternehmensverantwortung und Transparenz entlang der Lieferkette von Melanie Müller.

Der Report „Das weiße Gold – Umwelt- und Sozialkonflikte um den Zukunftsrohstoff Lithium“, den Brot für die Welt am 13. November 2018 veröffentlicht hat, zeigt, welche Folgen der steigende Lithiumbedarf für die Menschen am anderen Ende der Wertschöpfungskette hat.

Zugunsten der Öl- und Gasförderung opfert Bolivien immer mehr Naturschutzreservate. Präsident Evo Morales hatte im Mai verkündet, dass Firmen ab sofort auch in Nationalparks nach Öl und Gas suchen dürfen. Alle bisher noch unter Schutz stehenden Gebiete sind damit freigegeben. Selbst die Ureinwohner, die bisher angehört wurden, müssen dem nun nicht mehr zustimmen. Internationalen Organisationen, die das zu verhindern suchen, droht Morales mit Rauswurf. Die Bolivianer seien keine Wald- und Parkwächter, zu denen die entwickelten Staaten sie machen wollten. Noch vor fünf Jahren hatte Morales einen internationalen Klimagerichtshof gefordert, der Nationen und Unternehmen verurteilen sollte, die »dem Planeten Erde schaden«. Nun treibt er die Vergabe von Konzessionen zur Ausbeutung von Bodenschätzen an private Firmen voran. Auch europäische Unternehmen wie der französische Konzern Total und die spanische Firma Repsol profitieren davon. (Aus: Publik-Forum 13/2015)

Am 5. November 2015 bricht eine rote Lawine aus toxischem Schlamm durch den Fundão-Damm des Minenunternehmens Samarco im Südosten von Brasilien. 55 Millionen Kubikmeter der tödlichen Masse bahnen sich ihren Weg durch die Landschaft des Bundesstaates Minas Gerais und fließen in den Rio Doce, der im nahegelegenen Espinhaço-Gebirge entspringt. Etwa zwei Wochen später wird das Gemisch aus Arsen, Quecksilber, Blei und anderen hochgiftigen Chemikalien den Atlantik ­erreichen. Auf dem Weg dorthin wird es 19 Menschen sowie zahllose Tiere und Pflanzen in den Tod gerissen, ganze Dörfer begraben haben. Der „süße Fluss“ verwandelt sich infolge dieser wohl größten Umweltkatastrophe Brasiliens in ein rotes, totes Gewässer. (Quelle: Nicoló Lanfranchi, Langsamer Tod am süßen Fluss. Die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens hat das Leben der indigenen Krenak für immer verändert, in: Amnesty Journal 10-11/2017)

Detaillierte Informationen über die katastrophalen Folgen der Gewinnung von Uranerz bietet der Uranatlas. Daten und Fakten über den Rohstoff des Atomzeitalters, 2019
Informationen über den weltweiten Uranabbau finden sie hier. Siehe auch: 17. KW (Nuklearenergie)

Zum Tiefseebergbau vgl. „Ausbeutung und Verwüstung der Weltmeere“ (20. KW)

Zur Initiative von Ecuadors Staatspräsident Rafael Correa zum Schutz des Yasuní-Naturparks vgl. „Schädigung und Zerstörung der Wälder“ (12. KW).

 

Literatur:

Film:

  • „Dirty Gold War“ (2015), Regie: Daniel Schweizer

 

Engagement

 

  • Am 14. Januar 1998 trat das Antarktische Umweltschutz-Protokoll („Weltpark Antarktis“) tritt in Kraft – ein Meilenstein für den globalen Umweltschutz: Die Antarktis ist nun für 50 Jahre vor der Ausbeutung ihrer mineralischen Rohstoffe geschützt.
  • Fast vier Jahre nach der politischen Ankündigung trat am 8. Juni 2017 die Konfliktmineralien-Regulierung der EU in Kraft. Erstmals wird somit in Europa die unternehmerische Sorgfaltspflicht im Rohstoffsektor gesetzlich verankert. Das bedeutet, dass europäische Unternehmen verpflichtet werden, Verantwortung für ihre Rohstofflieferketten zu übernehmen und Maßnahmen zu ergreifen, die eine Konfliktfinanzierung oder Menschenrechtsverletzungen unterbinden. In einer Pressemitteilung begrüßt ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisation die Verordnung, kritisiert jedoch, dass sie nur die vier Rohstoffe Zinn, Wolfram, Tantal und Gold betrifft (nicht jedoch Metalle wie Kobalt und Lithium, die für die Elektromobilität noch unverzichtbar sind), bei vielen Unternehmen nicht greift und die Berichterstattung erst ab 2021 verpflichtend ist. Die Revision der EU-Verordnung und damit die Möglichkeit für Anpassungen besteht erst wieder Mitte der 2020er Jahre. Eine erste Bilanz der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch vom 7. Juni 2018 fällt durchwachsen aus.
  • Unter dem Titel „Verantwortung übernehmen – Nachhaltigkeit in der Rohstoffwirtschaft fördern“ fand vom 10. bis 11. November 2015 in Berlin die erste Internationale Rohstoffkonferenz der Bundesregierung statt.
  • Am 29. März 2017 verabschiedete das Parlament von El Salvador ein Anti-Bergbaugesetz. Es verbietet nicht nur den Abbau von Metallen, sondern auch schon Erkundungen dazu und gilt für den Tage- und Untertagebau sowie für den Einsatz der Chemikalien Zyanid und Quecksilber, die im Goldbergbau verwendet werden.
  • Aus Sorge um das Überleben eines kleinen Stammes hat das indische Umweltministerium die Ausbeutung eines Bauxitvorkommens im Osten des Landes untersagt. Der britische Konzern Vedanta habe die erforderliche Erlaubnis zum Abbau des Erzes im Teilstaat Orissa nicht bekommen, teilte das Ministerium am 24. August 2010 in Neu-Delhi mit. Vedanta wollte das Bauxit auf dem Berg Niyamgiri abbauen, den der Stamm der Dongria Kondh als den Sitz ihres Erntegotts Niyam Raja verehren. Die Dongria Kondh zählen rund 8.000 Menschen.
  • Der Bischof der Region Santa Rosa in Guatemala, Bernabé de Jesús Sagastume Lemus, leistet Widerstand gegen die Zerstörung der Böden und Quellen durch Bergbaukonzerne. Kanadische und US-amerikanische Bergbaufirmen konzentrieren sich auf das kleine zentralamerikanische Land. Insgesamt 345 Bergbaukonzessionen wurden vergeben, für 592 weitere liegen Anträge vor. Bereits im Jahr 2012 hat er die „Diözesane Kommission für den Erhalt der Natur“, kurz Codidena, gegründet (vgl. Knut Hankel, Giftiges Silber, in: Publik-Forum Nr. 23 vom 4.12.2015).
  • Ziel des im September 2015 gegründeten Zentrums für nachhaltige Landschaftsentwicklung, eine Kooperation des Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam, des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin und der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU), in Cottbus ist es, Möglichkeiten auszuloten, wie die Bergbau-Folgelandschaften in der Lausitz dauerhaft saniert werden.
  • Der AK Rohstoffe, ein Netzwerk deutscher Nichtregierungsorganisationen, die sich für Menschenrechte, soziale Standards und Umweltschutz einsetzen, trifft sich seit 2008 regelmäßig und diskutiert angesichts der negativen Auswirkungen des Rohstoffabbaus über Ansätze einer zukunftsfähigen Rohstoffpolitik. In seinem Positionspapier „Für eine demokratische und global gerechte Rohstoffpolitik“ hat er seine Forderungen erläutert und präzisiert.
  • Am 17. März 2015 wurde die Europaweite Kampagne Stop Mad Mining für verantwortlichen Rohstoffabbau gestartet. Elf europäische und eine salvadorianische Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisation möchten in den nächsten drei Jahren europaweit dafür sensibilisieren, dass viel zu viele Rohstoffe verbraucht und unter ausbeuterischen Bedingungen abgebaut werden, und Druck auf politische Entscheidungsträger/-innen ausüben.
  • Die Initiative for Responsible Mining Assurance (IRMA) nimmt sich der Auswirkungen des industriellen Bergbaus auf Mensch und Umwelt an, indem sie einen rechtlich unverbindlichen Standard entwickelt, der Umwelt-, Sozial-, und Governanceaspekte im industriellen Bergbau und der daran anschließenden Verarbeitungsindustrie aufgreift und Verhaltensregeln und Grenzwerte setzt, um die Leistungen des industriellen Bergbaus im Bereich Umwelt und Soziales zu verbessern. Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern ist die lokale Bevölkerung oft direkt von den Umwelt- und Sozialauswirkungen des Bergbaus betroffen, ohne dass es zu adäquaten Kompensationsmaßnahmen kommt.
  • Im März 2021 trat erstmals ein Zusammenschluss globaler Unternehmen mit der Forderung eines Moratoriums für den Tiefseebergbau an die Öffentlichkeit.
  • Öko-Institut. In seinem im Mai 2017 veröffentlichten Abschlussbericht „Deutschland 2049 – Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Rohstoffwirtschaft“ legt das Öko-Institut den Plan für eine Rohstoff-Wende vor, um die ökologischen und sozialen Folgen unseres Konsums zu mindern.
  • Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Deutscher Naturschutzring e.V. (DNR) und das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) setzen sich für eine strikte Ressourcenwende ein.
  • Christliche Initiative Romero e.V.
  • Südwind. Institut für Ökonomie und Ökumene.
  • INKOTA-netzwerk e.V.
  • Das katholische Hilfswerk Misereor lenkt mit der am 14. November 2013 veröffentlichten Studie Menschenrechtliche Probleme im peruanischen Rohstoffsektor und die deutsche Mitverantwortung die Aufmerksamkeit auch auf die Mitverantwortung der deutschen Politik und hiesiger Firmen.
  • Ziel der Kampagne „Bergwerk Peru – Reichtum geht, Armut bleibt“ ist es, die Auswirkungen des Bergbaus auf Mensch und Umwelt in Peru in die deutsche Öffentlichkeit zu tragen.
  • Anlässlich der Aktionärsversammlung der Deutschen Bank veröffentlichten Facing Finance und Misereor am 17. Mai 2017 gemeinsam mit dem lateinamerikanischen Netzwerk Red Sombra Observadores de Glencore eine Studie mit dem Titel „Fragwürdige Unternehmenstätigkeiten des Schweizer Bergbauriesen Glencore und die Verantwortung deutscher Banken„. Der Studie zufolge stellten deutsche Banken seit 2013 fast acht Milliarden Euro für den Schweizer Rohstoffkonzern Glencore bereit, obwohl dem Unternehmen in zahlreichen Fällen gravierende Verstöße gegen soziale und ökologische Standards vorgeworfen werden.
  • Die Umwelt- und Entwicklungsorganisationen Germanwatch und Misereor präsentierten am 21. Juni 2017 die Studie „Globale Energiewirtschaft und Menschenrechte – Deutsche Unternehmen und Politik auf dem Prüfstand„. Sie belegt große Defizite bei deutschen Unternehmen der Energiebranche bzw. dringenden Handlungsbedarf für Unternehmen und Politik.
  • Bewusste Kaufentscheidungen minimieren den Rohstoffabbau. Es soll hier nicht der tatsächlich notwendige Konsum in Frage gestellt werden, sondern der übermäßige. Für uns alle gilt es, darauf zu achten, dass nicht mehr Rohstoffe verbraucht werden als unbedingt nötig und als unser Planet zu geben vermag und jeder seinen Konsum so nachhaltig wie möglich gestaltet.“ (Aus: BrennPunkt. Rohstoffe auf Kosten von Mensch und Natur? – Stop Mad Mining! Aktionszeitung der Christlichen Initiative Romero, 2015)
  • PowerShift – Verein für eine ökologisch-solidarische Energie- & Weltwirtschaft e.V. setzt sich für eine ökologische und gerechte globale Energie-, Klima-, Rohstoff-, Handels- und Wirtschaftspolitik ein.
  • Anlässlich der internationalen Tiefseebergbaukonferenz des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) am 13. Dezember 2016 fordert Umweltverbände den Stopp von Tiefseebergbau.