43. Kalenderwoche (25.–31. Oktober 2021)

 

17. Oktober: Internationaler Tag für die Beseitigung der Armut
14. November 2021: Katholischer Welttag der Armen
Im Oktober erscheint jedes Jahr das „Manager Magazin Spezial“ mit einem großen Sonderteil über die 500 reichsten Deutschen

 

Reichtum, Armut, Ungleichheit

 

Es sollte überhaupt kein Armer unter euch sein. (5. Mose 15,4a)

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Reich Gottes gelangt. (Markus 10,25)

Selig sind die Armen (= die, die nicht mehr haben, als sie wirklich brauchen). Ihrer ist das Reich Gottes. (Matthäus 5,3 = Lukas 6,21b)

„Die Armut aus der Welt zu schaffen, ist unsere Aufgabe – gerade auch die der Christen.“ (Otto Umfrid, 1857–1920, Pfarrer und Pazifist)

Die Vertragsstaaten erkennen das Recht jedes Kindes auf einen seiner körperlichen, geistigen, seelischen, sittlichen und sozialen Entwicklung angemessenen Lebensstandard an. (Artikel 27 Absatz 1 der UN-Kinderrechtskonvention vom 20. November 1989)

„Nicht nur Armut, auch Reichtum muss ein Thema der politischen Debatte sein.“ (Aus: „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit. Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland“ von 1997 [Ziffer 24]).

„Wer reich ist, steckt im Vergleich zum Normalbürger in völlig anderen Zusammenhängen. Es gibt Sorgen, die ein Reicher einfach nicht kennt. Vor allem kann er sich jederzeit seine Wünsche erfüllen, das heißt es gibt fast keine Grenzen für ihn. Auch auf andere muss er kaum Rücksicht nehmen, weil die Menschen sich nach ihm oder ihr zu richten haben. Man kann rücksichtslos und asozial seine Ziele verfolgen und sich zumindest einbilden, auf niemanden angewiesen zu sein. Das ist strukturell pervers.“ (Aus: „Bordzeitung“ zur Sonderausstellung Reichtum – mehr als genug vom 6. Juli bis 10. November 2013 im Deutschen Hygiene-Museum Dresden)

Besser nicht genug als zuviel. (Aus Asien)

„Ein Haus, das Menschen zu Bettlern macht, muss umgebaut werden.“ (Martin Luther King)

„Imagine no possessions“. (John Lennon)

„Ungleichheit wird nicht abgebaut werden, wenn sie nicht auch von denen kritisiert wird, die von ihr profitieren.“ (Carolin Emcke, Ja heißt ja und … Ein Monolog, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2019, S. 59)

Thomas Müntzer zog des Hass der Reichen und Mächtigen auf sich, „weil er so entschlossen die Kraft des Zeichens = empfunden hatte“. (Éric Vuillard, Der Krieg der Armen. Aus dem Französischen von Nicola Denis, Berlin 2020, S. 63)

 

INFORMATIONEN

 

REICHTUM

 

Definition

Laut relativer Reichtumsdefinition gilt als Einkommensreicher, dessen Äquivalenzeinkommen (= das Einkommen eines Haushalts bezogen auf die zu ihm gehörenden Personen) mindestens 200 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Im Jahr 2012 lag die Grenze bei einem Ein-Personen-Haushalt bei 2.900 Euro Nettoeinkommen (Einkommen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben) im Monat. Eine Familie mit zwei Kindern gilt demnach als reich, wenn ihr monatliches Haushaltseinkommen mehr als rund 7500 Euro beträgt. Laut der OECD-Skala wären für alle weiteren zum Haushalt gehörenden Personen, die 15 Jahre oder älter sind, der Faktor 0,5 und für Kinder unter 15 Jahren der Faktor 0,3 des Nettoeinkommens in Anschlag zu bringen, das heißt die Einkommensgrenze zum Reichtum würde sich entsprechend nach oben verschieben. Zur Gruppe der „sehr Wohlhabenden“ gehören diejenigen, die mindestens das Dreifache des mittleren Einkommens verdienen (im Jahr 2020: ab 60.000 Euro im Jahr oder 5.000 Euro im Monat).
Vermögensreichtum
beginnt nach der Definition der Banken bei den „High Net Worth Individuals“ (HNWI), die über mehr als eine Million US-Dollar (= ca. 750.000 Euro) Kapital verfügen, ohne selbst genutzte Immobilien oder wertvolle Gebrauchsgegenstände. Es folgen die „Ultra High Net Worth Indiviuals“ mit mehr als 30, dann die „Superreichen“ mit mehr als 300 Millionen und schließlich die Milliardäre.

Das Vermögen der US-Investors Warren Buffet ist laut dem US-Magazin „Forbes“ am 10. März 2021 auf 100,3 Milliarden US-Dollar (84 Milliarden Euro) gestiegen und liegt damit erstmals über der 100-Milliarden-Dollar-Marke. Damit ist Buffet jetzt der fünftreichste Mensch der Welt. An erster Stelle steht Amazon-Chef Jeff Bezos (derzeit rund 180 Milliarden Dollar), es folgen Tesla-Chef Elon Musk (rund 165 Milliarden), Bernard Arnault und seine Familie vom Luxusgüterkonzern LVMH (159 Milliarden) sowie Microsoft-Gründer Bill Gates (125 Milliarden).

Laut der am 7. Oktober 2020 veröffentlichten Milliardärs-Studie der Schweizer Großbank UBS ist das Vermögen der Dollar-Milliardäre auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Ende Juli 2020 besaßen die 2189 weltweit gezählten Milliardäre zusammen 10,2 Billionen Dollar. Umgerechnet sind das 8,7 Billionen Euro. Gut ein Drittel des Milliardärsvermögens entfällt auf die USA. Danach folgen China und Deutschland. Hier kommen die 119 Milliardäre auf ein Gesamtvermögen von 595 Milliarden Dollar. In Deutschland stieg das Nettovermögen der Superreichen, dessen Mitglieder mindestens 30 Millionen Dollar besitzen, von 500,9 Milliarden Dollar (Stand: März 2019) auf 594,9 Milliarden Dollar (Stand: Juli 2020). Die Zahl der Superreichen hierzulande wuchs seitdem von 114 auf 119.

Wie aus dem am 9. Juli 2020 veröffentlichten „World Wealth Report“ des Beratungsunternehmens Capgemini hervorgeht, stieg das Vermögen der Dollar-Millionäre im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 8,6 Prozent auf insgesamt 74 Billionen US-Dollar (65,58 Billionen Euro). Zugleich wächst die Zahl der Dollar-Millionäre immer weiter an: Im vergangenen Jahr verfügten 19,6 Millionen Menschen über ein anlagefähiges Vermögen von mehr als einer Million Dollar – 8,8 Prozent mehr als im Jahr 2018. – In Deutschland stieg die Zahl der vermögenden Privatanleger laut Capgemini um 8,6 Prozent auf 1,466 Millionen. Ihr Vermögen legte um 8,8 Prozent auf rund 5,48 Billionen Dollar zu. Deutschland zählt damit weiterhin zu den Ländern mit den meisten Dollar-Millionären. An der Spitze stehen die USA, gefolgt von Japan, Deutschland und China. In diesen Ländern leben nahezu 62 Prozent der Vermögenden weltweit.

Wie das „Manager Magazin“ am 30. September 2020 mitteilte, sind die Mitglieder der Unternehmerfamilie Reimann mit einem geschätzten Vermögen von 32 Milliarden Euro die reichsten Deutschen. Auf Platz zwei der Rangliste der reichsten Deutschen steht der Lidl-Gründer Dieter Schwarz mit einem Vermögen von 30 Milliarden Euro. Mit einem Vermögen von 25 Milliarden Euro belegen die Geschwister Susanne Klatten und Stefan Quandt Platz drei; sie besitzen fast die Hälfte der BMW-Aktien.

Nach Zählung des Forbes-Magazins gab es im Jahr 2020 weltweit 2.095 Menschen mit einem Vermögen von mindestens einer Milliarde US-Dollar.

Laut einer am 14. Juli 2020 veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) besitzt etwa 1,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland, also etwa jeder 70. Erwachsene, ein individuelles Nettovermögen, also das Bruttovermögen abzüglich der Schulden, von mindestens einer Million Euro. Die Studie erfasst das Vermögen von Personen ab 17 Jahren in Deutschland. Dazu zählen unter anderem Immobilienbesitz, Betriebsvermögen, Sparguthaben, Aktien, Ansprüche aus Lebens- und privaten Rentenversicherungen, wertvolle Sammlungen.

Die Zahl der Menschen in Deutschland, die Einkommen von mehr als einer Million Euro im Jahr versteuern, ist bis 2014 auf 17.192 gestiegen. Sie liegt damit doppelt so hoch wie im Jahr 2004. Das geht aus Angaben der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Pascal Meiser hervor, wie die Frankfurter Rundschau am 23. Oktober 2018 berichtete. Generell zeigt die Statistik, dass die Reichen in Deutschland immer reicher werden und die Kluft zu den Menschen mit niedrigen Einkommen wächst. Die zehn Prozent mit den höchsten Einkommen in Deutschland verfügten im Jahr 2015 über 23,4 Prozent, die zehn Prozent mit den geringsten Einkommen hingegen nur über 3,3 Prozent der gesamten Einkommen. Die Angaben beziehen sich auf die Lohn- und Einkommenssteuerstatistik des Statistischen Bundesamts. Neuere Zahlen sind nicht verfügbar.

Laut einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 27. Mai 2020 hatten im Jahr 2016 knapp 22.900 aller in Deutschland erfassten Lohn- und Einkommensteuerpflichtigen Einkünfte von mindestens einer Million Euro – knapp 1.700 Steuerpflichtige mehr als 2015. Das Durchschnittseinkommen dieser Gruppe betrug 2,7 Millionen Euro.

Nur 0,1 bis 0,5 Prozent der Deutschen haben sehr hohe Einkommen, die sich vor allem aus Kapitalanlagen speisen, sich also quasi anstrengungslos vermehren. Unter http://www.vermoegensteuerjetzt.de/topic/17.reichtumsuhr.html kann die aktuelle Höhe des privaten Geldvermögens in Deutschland abgefragt werden.

 

Reich – ohne Arbeit

 

Laut der von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am 10. April 2019 veröffentlichten Dividendenstudie 2019 schütten die deutschen Aktiengesellschaften im Jahr 2019 die Rekordsumme von mehr als 57 Milliarden Euro aus, 6,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Quandt-Erbin Susanne Klatten hat im Jahr 2018 für ihre Beteiligung am Autobauer BMW mindestens 504 Millionen Euro Dividende bekommen, Bruder Stefan Quandt mindestens 622 Millionen Euro.

Wie das Statistische Bundesamt am 23. August 2017 mitteilte, haben Erbschaften und Schenkungen in Deutschland mit einem Gesamtwert von 108,8 Milliarden Euro wieder einen Höchststand erreicht. Die von den Statistikern genannten Zahlen dürften aber nur einen kleineren Teil des gesamten übertragenen Vermögens ausmachen, da das Bundesamt nur die steuerlich veranlagten Fälle ausweist. Über den größten Teil der Erbfälle ist wegen der hohen Freibeträge nichts bekannt. Schenkungen an gemeinnützige Organisationen, Kirchen oder Parteien sind von der Statistik nicht erfasst. Nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) liegen die realen Übertragungen pro Jahr zwischen 250 und 400 Milliarden Euro.

 

ARMUT

 

Definition

Nach EU-Definition gilt als relativ arm, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens der Gesamtbevölkerung auskommen muss. In Deutschland lag dieser Wert im Jahr 2018 für eine alleinlebende Person bei 1035 Euro im Monat.

Dieser relativen Armut stellt die Unesco die absolute Armut gegenüber. Davon betroffen sind Menschen, die weniger als 5,50 US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben. Grundlegende Bedürfnisse wie Nahrung, Kleidung und Unterkunft werden für sie zum Problem.
Für das Deutsche Institut für Armutsbekämpfung gibt es aber auch noch eine gefühlte Armut. Dabei geht es um Menschen, die sich aufgrund von gefühlter Ausgrenzung und Diskriminierung als arm betrachten.

Armut ist in allen Teilen der Welt weit verbreitet. Nach dem am 24. Juli 2014 in Tokio vorgestellten jährlichen Bericht des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) müssen 1,2 Milliarden Menschen weltweit in extremer Armut ihren Lebensunterhalt mit 1,25 US-Dollar (rund 0,92 Euro) täglich oder weniger bestreiten – das ist die von der Weltbank festgelegte Bemessungsgrenze für extreme Armut (die Grenze beruht auf Berechnungen des Jahres 2005; nach neuen Berechnungen der Weltbank gilt jemand als extrem arm, wenn er weniger als 1,90 Dollar oder weniger am Tag zur Verfügung hat – die Zahl dieser besonders armen Menschen werde bis Ende 2015 auf 702 Millionen Menschen oder 9,6 Prozent der Weltbevölkerung zurückgehen, so die Weltbank). Das bedeutet, dass jeder vierte Mensch in extremer Einkommensarmut lebt. Zöge man als Maßstab nicht die 1,25 Dollar pro Tag heran, sondern die Befriedigung von Grundbedürfnissen, so könnte die globale Armut allerdings 30 Prozent höher liegen als von der Weltbank veranschlagt. Bei Zugrundelegung der 2-US-Dollar-Grenze, einer Richtgröße für „allgemeine Armut“, beträgt die Zahl der weltweit in Armut lebenden Menschen 2,6 Milliarden.
Neueste Studien, die im Jahr 2017 bei den Vereinten Nationen in New York präsentiert wurden, zeigen einen besorgniserregenden Trend: Zwar hat weltweit die Zahl der Menschen, die in Armut leben, abgenommen, aber die Zahl derjenigen, die am extremsten unter Armut leiden, ist unverändert. Dies betrifft eine riesige Gruppe von Menschen, die mit 67 US-Cent am Tage auskommen müssen.

Etwa ein Sechstel der Bevölkerung der USA gilt nach offiziellen Schätzungen als arm. Dabei ist die Schwelle durch die Regierung ohnehin sehr niedrig angesetzt: Lediglich wer weniger als 9000 Euro im Jahr verdient, wird in der Statistik berücksichtigt, bei einer vierköpfigen Familie liegt die Grenze bei 18.000 Euro. Die Hilfsorganisation „Feeding America“ schätzt, dass 2020 in den Vereinigten Staaten mehr als 50 Millionen Menschen von Armut betroffen sind, darunter etwa 17 Millionen Kinder.

In Russland leben nach Angaben des staatlichen Statistikamtes Rosstat inzwischen (Mai 2016) 22,7 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze (15,7 Prozent der Bevölkerung). Ende 2015 waren es 14,4 Millionen. Als arm gelten in Russland Menschen mit einem monatlichen Einkommen von weniger als 9622 Rubel (157 Euro).

In der Europäischen Union waren im Jahr 2018 – dies sind die aktuellsten Daten, die bei Eurostat verfügbar sind – 86 Millionen Menschen von Armut betroffen. Das sind 17,1 Prozent der Bevölkerung und damit jede sechste Person. Im Vorjahr lag die entsprechende Quote noch bei 16,9 Prozent. Menschen gelten als armutsgefährdet, wenn sie weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung in ihrem Land zur Verfügung haben.

Die Statistiker unterscheiden drei Formen von Armut: erstens die Einkommensarmut, die vorliegt, wenn jemand weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichteten mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung erzielt (bei einem Ein-Personen-Haushalt entsprach dies im Jahr 2018 1035 Euro im Monat. Leben Menschen nicht alleine in einem Haushalt, wird der Wert gewichtet berechnet. Das bedeutet, dass beispielsweise eine Familie, bestehend aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren, wie folgt berechnet wird: 1 [Erwachsener] plus 0,5 [Erwachsene] plus 0,3 [Kind] plus 0,3 [Kind] mal 1035 Euro = 2174 Euro), zweitens die „erhebliche materielle Entbehrung“ und drittens die sehr geringe Erwerbsbeteiligung.

Laut einer Mitteilung des Statistischen Bundeamtes vom 10. März 2021 lebte im Jahr 2018 in Deutschland fast jede/-r Sechste (15,8 Prozent) unterhalb der Armutsrisikoschwelle. Diese lag 2018 bei 1.040 Euro monatlich für einen Ein-Personen-Haushalt. Bei einem Ein-Elternhaushalt mit einem Kind (unter 14 Jahre) bei rund 1.352 Euro. Der Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr (17,3 Prozent) leicht gesunken, das Armutsrisiko liegt aber deutlich über dem Niveau Ende der 1990er-Jahre (knapp elf Prozent).

Laut dem am 20. November 2020 veröffentlichten Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes hat die Armutsquote in Deutschland mit 15,9 Prozent (rechnerisch 13,2 Millionen Menschen) einen neuen Rekord und den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung erreicht.

Seit 2001 verabschiedet die Bundesregierung alle vier Jahre den Bericht „Lebenslagen in Deutschland“. Am 12. April 2017 hat das Bundeskabinett den Fünften Armuts- und Reichtumsbericht (5. ARB) beschlossen.

Unter dem Titel „Armut stört“ hat die Nationale Armutskonferenz am 17. Oktober 2018, anlässlich des Internationalen Tags für die Beseitigung der Armut, den dritten Schattenbericht zur Armut in Deutschland veröffentlicht.

Aus dem am 4. Juli 2017 unter dem Titel „Jetzt handeln – Ungleichheit bekämpfen“ veröffentlichten DGB Verteilungsbericht 2017 geht hervor, dass der Anteil der Bevölkerung, der mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zurechtkommen muss, seit 1998 um fast die Hälfte von 10,5 auf 15,7 Prozent angestiegen ist.

Laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 25. Oktober 2019 erhielten zum Jahresende 2018 erhielten rund 7,2 Millionen Menschen in Deutschland Leistungen der sozialen Mindestsicherung, was einem Anteil von 8,7 Prozent an der Gesamtbevölkerung entspricht. Zur sozialen Mindestsicherung zählen zum Beispiel Hartz IV oder die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung.

Etwa 40 Prozent der Leistungsberechtigten in Deutschland, also ungefähr vier Millionen Menschen, gehören zur Gruppe der „verdeckt Armen„. Zu verdeckter Armut kommt es, wenn Menschen, denen soziale Mindestsicherungsleistungen zustehen, ihren Anspruch nicht wahrnehmen, etwa weil sie sich schämen oder nicht genau wissen, was ihnen zusteht.
Nach dem am 23. Februar 2016 veröffentlichten Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes sind 84 Prozent der Arbeitslosen arm, umgekehrt sind 57,6 Prozent der Armen arbeitslos.
Der Mindestlohn erreicht nur in wenigen Ländern 60 Prozent des mittleren Einkommens (in Deutschland lediglich 48 Prozent), schützt also nur selten vor relativer Armut. Laut einer am 2. Juli 2020 veröffentlichten Studie der Bertelmann-Stiftung waren im Jahr 2018 bundesweit 7,7 Millionen Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor (= ein Drittel weniger als der mittlere Bruttolohn, im Jahr 2018 lag die Schwelle bei 11,40 Euro pro Stunde) beschäftigt , das sind knapp 22 Prozent aller abhängig Beschäftigten.
Armut bedeutet in Deutschland, einem der reichsten Länder der Erde, nicht nur Verzicht auf Konsumgüter, auf Annehmlichkeiten und auf gesellschaftliche Teilhabe; häufig geht sie auch mit physischem und psychischem Leid einher, mit höheren Erkrankungsraten bis zu einer signifikant geringeren Lebenserwartung. Laut einer Mitteilung des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom 15. März 2017 haben Männer und Frauen mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze im Vergleich zu den hohen Einkommensbeziehern eine um elf beziehungsweise acht Jahre geringere Lebenserwartung.
Bei einer EU-Erhebung haben 30,3 Prozent der Arbeitslosen in Deutschland angegeben, nicht genug Geld zu haben, um jeden zweiten Tag vollwertig zu essen. Wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ am 30. Januar 2019 berichtet, sehen sich in Deutschland insgesamt 5,14 Millionen Menschen ab 16 Jahren von dem Problem betroffen. Die Zahlen stammen aus der EU-Datenbank SILC, die das Statistische Bundesamt auf Anfrage der Linken-Fraktion ausgewertet hat, und beruhen auf der Selbsteinschätzung der befragten Haushalte. Die aktuellsten Daten beziehen sich auf das Jahr 2017. 2014 lag der Anteil der Erwerbslosen, denen Geld für regelmäßige vollwertige Mahlzeiten fehlte, bei gut 33 Prozent.

Derzeit sind weltweit durchschnittlich nur 35 Prozent der Kinder sozial abgesichert, heißt es in einem am 6. Februar 2019 in Genf vom UN-Kinderhilfswerk Unicef und der Internationalen Arbeitsorganisation (Ilo) veröffentlichten Bericht zur sozialen Sicherheit von Kindern. Der Bericht weist darauf hin, dass jedes fünfte Kind weltweit in extremer Armut lebe mit weniger als 1,70 Euro pro Tag und fast die Hälfte der Kinder in „moderater“ Armut  mit umgerechnet 2,70 Euro pro Tag.

Wie aus einem Bericht von Unicef und der Hilfsorganisation Save the Children hervorgeht, der am 17. Oktober 2020 veröffentlicht wurde, hat die Coronavirus-Pandemie 150 Millionen Kinder zusätzlich in die Armut gestürzt. Seit Ausbruch der Pandemie sei die Zahl der in Ländern mit geringen oder mittleren Durchschnittseinkommen in Armut lebenden Kinder um 15 Prozent auf etwa 1,2 Milliarden gestiegen.

In der gesamten Europäischen Union war Ende 2017 rund jedes fünfte Kind von Armut bedroht. Der Anteil der unter-16-Jährigen unter der offiziellen Armutsgefährdungsschwelle lag im Jahr 2017 laut Eurostat EU-weit bei 19,7 Prozent.

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, war im Jahr 2019 in Deutschland nahezu jedes siebte Kind (15,0 Prozent, 2,1 Millionen unter 18-Jährige) von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht.
Laut einer am 6. Februar 2020 veröffentlichten Mitteilung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) waren im Jahr 2019, wie aus Daten der Bundesagentur für Arbeit hervorgehe, 1,51 Millionen Kinder auf Hatz-IV-Leistungen angewiesen.
Laut einer in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit erstellten, am 23. Oktober 2017 veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung lebt mehr als jedes fünfte Kind in Deutschland länger als fünf Jahre in armen Verhältnissen.
Kinder aus armen Familien sind einer am 2. März 2015 in Berlin vorgestellten Untersuchung des Robert-Koch-Institutes zufolge öfter krank als ihre bessergestellten Altersgenossen. Der Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen aus Familien mit einem niedrigen sozialen Status sei bei etwa jedem Zehnten „mittelmäßig bis sehr schlecht“, bei Gleichaltrigen aus der mittleren und hohen Statusgruppe treffe dies nur auf sechs bis drei Prozent zu. Das Risiko für psychische Auffälligkeiten bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien sei bis zu dreimal größer als bei anderen Elternhäusern.

Die Altersarmut in Deutschland steigt weiter an: Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am 30. September 2020 mitteilte, stieg der Anteil der über 64-Jährigen, die gemessen am Bundesmedian armutsgefährdet sind, in den vergangenen 15 Jahren um 4,7 Prozentpunkte auf 15,7 Prozent im Jahr 2019. In keiner anderen Altersgruppe war der Anstieg seit dem Jahr 2005 so groß. Insgesamt stieg die Armutsgefährdungsquote im selben Zeitraum um 1,2 Prozentpunkte auf 15,9 Prozent. Der Anteil der Personen im Rentenalter, die Grundsicherung erhielten, stieg von 1,7 Prozent zum Jahresende 2003 auf 3,2 Prozent im Dezember 2019. Laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 14. April 2021 erhielten 564.110 Personen im Dezember 2020 Grundsicherung im Alter.

Laut einer Datenabfrage der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann (Linke) beim Europäischen Statistikamt Eurostat, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt, waren im Jahr 2018 in Deutschland 3,1 Millionen Menschen ab 65 Jahren von Armut bedroht. Das waren 18,2 Prozent aller Menschen im Alter von 65 Jahren und älter, das heißt fast jeder fünfte ältere Mensch. Im Jahr 2006 waren es noch 1,9 Millionen Menschen, deren Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle lag. Das ist ein Anstieg um 62 Prozent. Auch im Vergleich zum Jahr 2017 hat es laut den Daten einen Anstieg gegeben. Damals sind es 2,8 Millionen armutsgefährdete Menschen gewesen, die Armutsgefährdungsquote lag bei 17 Prozent. Als armutsgefährdet galt ein Alleinstehender in Deutschland im Jahr 2018 laut Eurostat, wenn er über maximal 13.628 Euro verfügte.
Die im Jahr 2017 veröffentlichte Studie „Entwicklung der Altersarmut bis 2036“ der Bertelsmann-Stiftung geht davon aus, dass 2036 20,2 Prozent der über 67-Jährigen von Altersarmut betroffen sind.
Laut einem Bericht der „Welt am Sonntag“ vom 16. Juni 2018 leben bis zu einer halben Million Rentner in verdeckter Armut. Sie bezögen keine Sozialhilfe vom Staat, obwohl sie unterhalb der Armutsgrenze von 750 Euro pro Monat lebten, meldete die Zeitung unter Bezug auf Schätzungen der Verteilungsforscherin Irene Becker. Dem Bericht zufolge trifft dies auf mindestens 184.000, aber bis zu 494.000 Personen zu. Dabei handele es sich vor allem um Erwerbsminderungsrentner, die womöglich aus Scham oder Unwissenheit keine Grundsicherung beantragten.
Laut dem am 12. Dezember 2019 veröffentlichten Armutsberichts des Paritätischen Wohlfahrtsverbands ist die Armut von Rentner*innen in den letzten zehn Jahren um 33 Prozent und damit so stark wie bei keiner anderen Gruppe angestiegen.

 

Arm – trotz Arbeit

 

Laut einer Mitteilung der Internationalen Arbeitsorganisation vom August 2016 leben junge Menschen in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern selbst dann unterhalb der UN-Armutsgrenze, wenn sie Jobs haben. In diesen Ländern müssten derzeit 156 Millionen arbeitende junge Menschen mit weniger als 3,10 US-Dollar am Tag auskommen.

Die Zahl berufstätiger Menschen in Deutschland, die trotz ihrer Arbeit unter die Armutsschwelle fallen, hat sich zwischen 2004 und 2014 mehr als verdoppelt. Dies geht aus einer am 6. Juli 2017 veröffentlichten Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Danach lag der Anteil der 18- bis 64-Jährigen erwerbstätigen Inländer, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hatten (für einen Einpersonenhaushalt liegt die Schwelle derzeit bei rund 11.800 Euro netto im Jahr) und damit als arm gelten, noch bei 4,8 Prozent. Zehn Jahre darauf waren es 9,6 Prozent. Die absoluten Zahlen fallen noch deutlicher aus, weil die Zahl der Erwerbstätigen von 39,3 auf 42,6 Millionen stieg. Daraus ergeben sich für 2004 knapp 1,9 Millionen arbeitende Arme, für 2014 fast 4,1 Millionen.

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am 28. Januar 2021 mitteilte, waren 8,0 Prozent der Erwerbstätigen ab 18 Jahren im Jahr 2019 in Deutschland armutsgefährdet. Rund 3,1 Millionen Menschen mussten also trotz Arbeit mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der Gesamtbevölkerung auskommen. Die Armutsgefährdung von Erwerbstätigen ging damit im Vergleich zum Jahr 2018 um gut einen Prozentpunkt zurück: Damals hatte sie 9,1 Prozent betragen. Der Rückgang fiel deutlicher aus als im Durchschnitt der EU-27: Hier sank der Anteil von 9,3 Prozent auf 9,0 Prozent. Insgesamt waren Erwerbstätige hierzulande also etwas seltener armutsgefährdet als im EU-Durchschnitt. In Rumänien waren Erwerbstätige mit einem Anteil von 15,7 Prozent EU-weit am häufigsten von Armut bedroht, in Finnland (2,9 Prozent) am seltensten.

 

UNGLEICHHEIT

 

Die globale Ungleichheit ist aktuell so groß wie 1820. Die OECD hält das für eine der besorgniserregendsten Entwicklungen der letzten 200 Jahre.
Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hat sich die Ungleichheit weltweit in den letzten dreißig Jahren vergrößert, obwohl die Weltwirtschaft wächst und wächst und wächst und die Produktion unaufhörlich zunimmt. Die reichsten 20 Prozent der Bevölkerung verfügen über 70 Prozent des globalen Reichtums. Und die Konzentration setzt sich fort. Denn: Je mehr jemand hat, desto schneller wächst sein Reichtum. So steigerten die obersten zehn Prozent der Bevölkerung ihren Wohlstand stärker als die restlichen 90 Prozent. Noch schneller aber wuchsen die Einkommen des obersten Prozents – und noch schneller die Einkommen der obersten 0,1 Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig hatten 75 bis 80 Prozent der Weltbevölkerung keinen Zugang zu elementarem sozialem Schutz. Außerdem hat sich insgesamt die Einkommensverteilung spürbar zugunsten von Kapitalerträgen und Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit verschoben. Bereits jetzt ist das Einkommen der 1125 Milliardäre dreimal so hoch wie das der halben Weltbevölkerung, also von 3,5 Milliarden Menschen.
In Regionen mit hoher Ungleichheit haben Menschen im Schnitt eine geringere Lebenserwartung und sind kränker als solche in relativ egalitären Ländern.

In Paris wurde am 14. Dezember 2017 der erste „World Inequality Report“ veröffentlicht, Ergebnis eines international einzigartigen Projekts zur Erfassung der Ungleichheit von Einkommen und Vermögen weltweit. Der Bericht zeigt, dass die Ungleichheit der Einkommen weltweit unterschiedlich stark ausgeprägt ist, jedoch in den meisten Weltregionen zugenommen hat. Die Kurzfassung des „Berichts zur weltweiten Ungleichheit 2018“ finden Sie hier.

Die acht reichsten Männer der Welt besaßen im vergangenen Jahr zusammengenommen 426 Milliarden Dollar und damit mehr Vermögen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Diese Hälfte besteht derzeit aus 3,6 Milliarden Menschen mit insgesamt 409 Milliarden Dollar Vermögen. Das geht aus dem am 16. Januar 2017 veröffentlichten Bericht „An Economy for the 99 Percent“ (Eine Wirtschaft für die 99 Prozent) hervor, den die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos vorstellte. In der Bundesrepublik besitzen die 36 reichsten Milliardäre so viel wie die ärmere Hälfte der Deutschen zusammen.

Der Ökonom Thomas Piketty hat im Januar 2017 mit seinem Mitarbeiter Lucas Chancel ein „Observatorium für globale Ungleichheiten“ gestartet: Aushängeschild und Ausgangspunkt der Internetseite wid.world ist eine Weltkarte, die auf einen Blick die Ungleichheiten in den einzelnen Ländern festhält. Von dort aus gelangt man in die nationalen Statistiken. Ziel ist es zum einen, dem einzelnen Bürger einen raschen, interaktiven Zugriff auf alle verfügbaren Informationen zum Thema Ungleichheit zu bieten. Zum anderen sollen hier internationale und nationale Verantwortliche Entscheidungshilfen finden, um strukturelle Ungleichheit abzubauen.

Die Ungleichheit bei den Einkommen in Deutschland hat nach einer am 7. Oktober 2019 veröffentlichten Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung einen neuen Höchststand erreicht. „Immer mehr Einkommen konzentriert sich bei den sehr Reichen“, heißt es in der Studie. Denn die hohen Einkommensgruppen profitierten von den sprudelnden Kapital- und Unternehmenseinkommen. Dagegen seien die 40 Prozent der Haushalte mit den geringsten Einkommen weiter zurückgefallen – auch im Vergleich zur gesellschaftlichen Mitte, die von der guten Arbeitsmarktlage und spürbaren Lohnsteigerungen profitiert habe. Die Zahl der Haushalte, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben und deshalb nach gängiger wissenschaftlicher Definition als arm gelten, sei zwischen 2010 und 2016 von 14,2 auf 16,7 Prozent gewachsen.

Laut einer am 14. Juli 2020 veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind die Vermögen in Deutschland ungleicher verteilt als bislang angenommen. Die neuen Berechnungen und die Hinzunahme öffentlich zugänglicher Reichenlisten ergaben, dass die oberen zehn Prozent der Bevölkerung gut zwei Drittel des Nettovermögens besitzen (zuvor war man von knapp 59 Prozent ausgegangen). „Allein das reichste Prozent der Bevölkerung vereint rund 35 (statt knapp 22 Prozent) des Vermögens auf sich“, heißt es in der Studie. Die Studie erfasst das Vermögen von Personen ab 17 Jahren in Deutschland. Dazu zählen unter anderem Immobilienbesitz, Betriebsvermögen, Sparguthaben, Aktien, Ansprüche aus Lebens- und privaten Rentenversicherungen, wertvolle Sammlungen.

Weder arm noch reich wäre in Deutschland ein Ein-Personen-Haushalt, dem nicht weniger als 979 Euro (60 Prozent des mittleren Einkommens) und nicht mehr als 3.200 Euro (200 Prozent des mittleren Einkommens) Nettoeinkommen (Einkommen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben) im Monat zur Verfügung steht. Laut der OECD-Skala wären für alle weiteren zum Haushalt gehörenden Personen, die 15 Jahre oder älter sind, der Faktor 0,5  und für Kinder unter 15 Jahren der Faktor 0,3 des Nettoeinkommens in Anschlag zu bringen, das heißt die Einkommensgrenzen zur Armut und zum Reichtum würden sich entsprechend nach unten bzw. oben verschieben.

 

Literatur:

  • Werner Biermann, Arno Klönne, Kapital-Verbrechen. Zur Kriminalgeschichte des Kapitalismus, Papy Rossa Verlag, Köln 2005
  • Richard Wilkinson und Kate Pickett, Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind. Aus dem Englischen von Edgar Peinelt und Klaus Binder, Tolkemitt Verlag bei Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2010
  • Christoph Fleischmann, Gewinn in alle Ewigkeit. Kapitalismus als Religion, Rotpunktverlag, Zürich 2010
  • Gustav A. Horn, Des Reichtums fette Beute. Wie die Ungleichheit unser Land ruiniert, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2011
  • Joseph Stieglitz, Der Preis der Ungleichheit. Wie die Spaltung der Gesellschaft unsere Zukunft bedroht. Aus dem amerikanischen Englisch von Thorsten Schmidt, Siedler Verlag, München 2012
  • Walter Wüllenweber, Die Asozialen. Wie Ober- und Unterschicht unser Land ruinieren und wer davon profitiert, Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2012
  • Robert & Edward Skidelsky, Wie viel ist genug? Vom Wachstumswahn zu einer Ökonomie des guten Lebens. Aus dem Englischen von Ursel Schäfer und Thomas Pfeiffer, Verlag Antje Kunstmann, München 2013
  • Hans-Ulrich Wehler, Die neue Umverteilung. Soziale Ungleichheit in Deutschland, Verlag C.H.Beck, München 2013
  • Stefan Selke, Schamland. Die Armut mitten unter uns, Econ-Verlag, Berlin 2013
  • Ulrike Hermann, Der Sieg des Kapitals. Wie Reichtum in die Welt kam: Die Geschichte von Wachstum, Geld und Krisen, Westend Verlag, Frankfurt am Main 2013
  • Thomas Piketty, Das Kapital im 21. Jahrhundert, Verlag C.H.Beck, München 2014
  • Jens Berger, Wem gehört Deutschland? Westend Verlag, Frankfurt am Main 2014
  • Dennis Gastmann, Geschlossene Gesellschaft. Ein Reichtumsbericht, Rowohlt Verlag, Berlin 2014
  • Kampf um die Armut. Von echten Nöten und neoliberalen Mythen, herausgegeben von Ulrich Schneider, Westend Verlag, Frankfurt am Main 2015
  • Christoph Butterwegge, Hartz IV und die Folgen. Auf dem Weg in eine andere Republik? Verlag Beltz Juventa, Weinheim 2015 (2. Auflage)
  • Marcel Fratzscher, Verteilungskampf. Warum Deutschland immer ungleicher wird. Carl Hanser Verlag, München 2015
  • Christoph Butterwege, Armut. Papyrossa Verlag, Köln 2016 (2., aktualisierte Auflage 2017)
  • Hans-Jürgen Jakobs, Wem gehört die Welt? Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus, Knaus Verlag, München 2016
  • Georg Cremer, Armut in Deutschland. Wer ist arm? Was läuft schief? Wie können wir handeln?, Verlag C.H.Beck, München 2016
  • Franz Segbers, Wie Armut in Deutschland Menschenrechte verletzt, Publik-Forum Verlagsgesellschaft, Oberursel 2016
  • Ulrike Herrmann, Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung. Die Krise der heutigen Ökonomie oder Was wir von Smith, Marx und Keynes lernen können, Westend Verlag, Frankfurt am Mai 2016
  • Ulrich Schneider, Kein Wohlstand für alle!? Wie sich Deutschland selber zerlegt und was wir dagegen tun können, Westend Verlag, Frankfurt am Main 2017
  • Joseph Stieglitz, Reich und Arm. Die wachsende Ungleichheit in unserer Gesellschaft. Aus dem amerikanischen Englisch von Thorsten Schmidt, Pantheon Verlag, München 2017
  • Per Molander, Die Anatomie der Ungleichheit. Woher sie kommt und wie wir sie beherrschen können, Westend Verlag, Frankfurt am Main 2017
  • Andrew Sayer, Warum wir uns die Reichen nicht leisten können, Verlag C.H.Beck, München 2017
  • Facundo Alvaredo, Lucas Chancel, Thomas Piketty, Emmanuel Saez, Gabriel Zucman, Die weltweite Ungleichheit. Der World Inequality Report 2018, Verlag C.H.Beck, München 2018
  • Michael Hartmann, Die Abgehobenen. Wie die Eliten die Demokratie gefährden, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2018
  • Christoph Butterwegge, Die zerrissene Republik. Wirtschaftliche, soziale und politische Ungleichheit in Deutschland, Verlag Beltz Juventa, Weinheim 2019
  • Thomas Piketty, Kapital und Ideologie, Verlag C.H.Beck, München 2020
  • Dierk Hirschel, Das Gift der Ungleichheit. Wie wir die Gesellschaft vor einem sozial und ökologisch zerstörerischen Kapitalismus schützen können, Verlag J.H.W.Dietz, Bonn 2020
  • Christoph Butterwegge, Ungleichheit in der Klassengesellschaft, PapyRossa Verlag, Köln 2020

Film:

 

Reichtum, Armut, Ungleichheit aus Sicht der Kinder

„Vor allem Armut ist aus Sicht der Kinder die Hauptursache für Ungerechtigkeit“, sagt Sabine Andresen, Professorin für Sozialpädagogik und Familienforschung an der Frankfurter Goethe-Universität in einem Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. „Kinder aus armen Familien erfahren die Ungerechtigkeit besonders stark, sie fühlen sich benachteiligt, ihr Wohlbefinden ist eingeschränkt, weil ihre gesellschaftliche Teilhabe begrenzt ist und sie Mangelerfahrungen ausgesetzt sind. (…) Die Verantwortung dafür, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht, liegt aus ihrer Sicht bei den Wohlhabenden“, betont Andresen. Insgesamt sei bei Kindern eine große Ablehnung gegenüber Ungleichheit zu verzeichnen – sowohl wenn es um die eigene Person geht als auch bei anderen Menschen. (Frankfurter Rundschau vom 8./9.11.2014)

 

ENGAGEMENT

 

  • Am 25. September 2015 beschlossen die Vereinten Nationen 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs). Das erste Ziel lautet: „End poverty in all its forms everywhere“. Beim Millenniumsgipfel am 23. September 2000 hatten sich die Mitgliedsstaaten auf acht Millenniums-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDG) geeinigt. An erster Stelle stand das Ziel, „bis zum Jahr 2015 den Anteil der Weltbevölkerung, dessen Einkommen weniger als 1 Dollar pro Tag beträgt, und den Anteil der Menschen, die Hunger leiden, zu halbieren“. Dieses Ziel wurde überall in der Welt außer in Afrika erreicht. Während 1990 die Hälfte der Bevölkerung der Entwicklungsländer von weniger als 1,25 Dollar am Tag leben musste, sind er 2015 nur noch 14 Prozent. Ein kritischer Blick ist jedoch angebracht: Direkt nach der Millenniumserklärung im Jahr 2000 wurde der für dieses Jahr festgelegte Basiswert der globalen Armutszahlen durch die Millennium-Entwicklungsziele um zehn Jahre auf 1990 zurückdatiert. So konnten kurzerhand die umfangreichen Erfolge Chinas und Ostasiens bei der Armutsbekämpfung eingerechnet werden, auch wenn diese nicht nur zeitlich, sondern auch politisch-ökonomisch nichts mit der westlichen Entwicklungsagenda zu tun hatten. 2008 wurde dann die Grenze extremer Armut von einem US Dollar auf 1,25 US-Dollar am Tag angehoben. Dadurch schossen die absoluten Armutszahlen zwar um 430 Millionen Menschen in die Höhe, doch auch die Verbesserungen erschienen größer: 121 Millionen Menschen wurden über Nacht zusätzlich aus der Armut gehoben und flossen in die Erfolgsgeschichte der MDGs ein. Vgl. Roman Herre, Gewiefte Armutszähler, Frankfurter Rundschau vom 10.3.2016.
  • Die Nationale Armutskonferenz (nak) ist im Herbst 1991 als deutsche Sektion des Europäischen Armutsnetzwerks (European AntiPoverty Network-EAPN) gegründet worden. Sie setzt sich für eine aktive Politik der Armutsbekämpfung ein. Unter dem Motto „Armut ist falsch verteilter Reichtum“ unterstützt dieses Bündnis von Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften und Selbsthilfeorganisationen Betroffene bundesweit und setzt sich u.a. für gerechte Wohlstandsverteilung, Bildungsgerechtigkeit, Mindestlöhne und bezahlbaren Wohnraum ein. Alle drei Jahre veröffentlicht die Nationale Armutskonferenz  ihren „Schattenbericht“.
  • Der Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“ engagiert sich seit 1997 mit verschiedenen Hilfsprojekten für arme und notleidende Menschen.
  • 13 Verbände, Initiativen und Vereine haben sich im Bündnis Kindergrundsicherung zusammengeschlossen. Es fordert unter anderem die Einführung einer Kindergrundsicherung in Höhe von 573 Euro im Monat für jedes Kind, die mit steigendem Familieneinkommen sinkt.
  • Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, stellte am 29. Mai 2012 die Vergleichsstudie Reiche Länder – Arme Kinder vor.

Die Ökumenische Initiative Reich Gottes – jetzt! erinnert an die Botschaft Jesu von der Gegenwart des Reiches Gottes, von der Heiligkeit der Welt, in die wir eingebunden sind. Diese Weltverbundenheit befreit unmittelbar zu einem Lebensstil der Einfachheit, des Genug, des „Soviel du brauchst“.

 


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