43. Kalenderwoche (21.–27. Oktober 2019)

17. Oktober: Internationaler Tag für die Beseitigung der Armut
Im Oktober erscheint jedes Jahr das „Manager Magazin Spezial“ mit einem großen Sonderteil über die 500 reichsten Deutschen

REICHTUM, ARMUT, UNGLEICHHEIT

Es soll kein Armer unter euch sein. (5. Mose 15,4a)

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Reich Gottes gelangt. (Markus 10,25)

Selig sind die Armen (= die, die nicht mehr haben, als sie wirklich brauchen). Ihrer ist das Reich Gottes. (Matthäus 5,3 = Lukas 6,21b)

Die Vertragsstaaten erkennen das Recht jedes Kindes auf einen seiner körperlichen, geistigen, seelischen, sittlichen und sozialen Entwicklung angemessenen Lebensstandard an. (Artikel 27 Absatz 1 der UN-Kinderrechtskonvention vom 20. November 1989)

„Nicht nur Armut, auch Reichtum muss ein Thema der politischen Debatte sein.“ (Aus: „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit. Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland“ von 1997 [Ziffer 24]).

„Wer reich ist, steckt im Vergleich zum Normalbürger in völlig anderen Zusammenhängen. Es gibt Sorgen, die ein Reicher einfach nicht kennt. Vor allem kann er sich jederzeit seine Wünsche erfüllen, das heißt es gibt fast keine Grenzen für ihn. Auch auf andere muss er kaum Rücksicht nehmen, weil die Menschen sich nach ihm oder ihr zu richten haben. Man kann rücksichtslos und asozial seine Ziele verfolgen und sich zumindest einbilden, auf niemanden angewiesen zu sein. Das ist strukturell pervers.“ (Aus: „Bordzeitung“ zur Sonderausstellung Reichtum – mehr als genug vom 6. Juli bis 10. November 2013 im Deutschen Hygiene-Museum Dresden)

Besser nicht genug als zuviel. (Aus Asien)

„Ein Haus, das Menschen zu Bettlern macht, muss umgebaut werden.“ (Martin Luther King)

„Imagine no possessions“. (John Lennon)

 

INFORMATIONEN

 

REICHTUM

 

Definition

Laut relativer Reichtumsdefinition gilt als Einkommensreicher, dessen Äquivalenzeinkommen ( = das Einkommen eines Haushalts bezogen auf die zu ihm gehörenden Personen) mindestens 200 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Im Jahr 2012 lag die Grenze bei einem Ein-Personen-Haushalt  bei 2.900 Euro Nettoeinkommen (Einkommen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben) im Monat. Eine Familie mit zwei Kindern gilt demnach als reich, wenn ihr monatliches Haushaltseinkommen mehr als rund 7500 Euro beträgt. Laut der OECD-Skala wären für alle weiteren zum Haushalt gehörenden Personen, die 15 Jahre oder älter sind, der Faktor 0,5  und für Kinder unter 15 Jahren der Faktor 0,3 des Nettoeinkommens in Anschlag zu bringen, das heißt die Einkommensgrenze zum Reichtum würde sich entsprechend nach oben verschieben.
Vermögensreichtum
beginnt nach der Definition der Banken bei den „High Net Worth Individuals“ (HNWI), die über mehr als eine Million US-Dollar (= ca. 750.000 Euro) Kapital verfügen, ohne selbst genutzte Immobilien oder wertvolle Gebrauchsgegenstände. Es folgen die „Ultra High Net Worth Indiviuals“ mit mehr als 30, dann die „Superreichen“ mit mehr als 300 Millionen und schließlich die Milliardäre.

Laut dem „World Wealth Report 2018“ der Unternehmensberatung Capgemini gibt es nach Addition der Reichen aller 71 untersuchten Länder heute weltweit 15,4 Millionen Dollarmillionäre. Das sind fünf Prozent mehr als 2014, als es 14,6 Millionen waren. Fast im Gleichschritt mit der Zahl der Millionäre wuchs erneut deren Vermögen. Es erhöhte sich weltweit um vier Prozent auf 58,7 Billionen Dollar (52 Billionen Euro). Seit 1996 hat es sich damit vervierfacht. In Europa stieg die Zahl der Millionäre um 4,8 Prozent auf 4,2 Millionen; knapp 30 Prozent davon entfallen auf Deutschland. Die Studie berücksichtigt Menschen, die mehr als eine Million Dollar (derzeit rund 747.000 Euro) Finanzvermögen haben – Werte wie etwa selbst genutzte Immobilen, Luxusautos oder Kunstschätze bleiben außen vor. – Nur 0,1 bis 0,5 Prozent der Deutschen haben sehr hohe Einkommen, die sich vor allem aus Kapitalanlagen speisen, sich also quasi anstrengungslos vermehren. Unter http://www.vermoegensteuerjetzt.de/topic/17.reichtumsuhr.html kann die aktuelle Höhe des privaten Geldvermögens in Deutschland abgefragt werden. Im Augenblick nimmt es pro Sekunde um 6440 Euro zu.

Die Dollar-Milliardäre rund um den Globus werden immer mehr und immer reicher. Die Vermögen der reichsten Menschen der Welt kletterten im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent auf die Rekordsumme von 8,9 Billionen Dollar. Das geht aus Berechnungen der Beratungsgesellschaft PwC und der Schweizer Großbank UBS hervor, die am 26. Oktober 2018 veröffentlicht wurden. Dieses gewaltige Vermögen verteilt sich demnach auf 2158 Männer und Frauen, die damit im Schnitt auf ein Vermögen von 4,1 Milliarden Dollar kommen. Im Vorjahr lag die weltweite Zahl der Milliardäre auf der inzwischen erweiterten Datenbasis bei 1979. Auch in Deutschland ist die Zahl der Milliardäre binnen Jahresfrist weiter gewachsen: von 117 auf 123.

Die Zahl der Menschen in Deutschland, die Einkommen von mehr als einer Million Euro im Jahr versteuern, ist bis 2014 auf 17.192 gestiegen. Sie liegt damit doppelt so hoch wie im Jahr 2004. Das geht aus Angaben der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Pascal Meiser hervor, wie die Frankfurter Rundschau am 23. Oktober 2018 berichtete. Generell zeigt die Statistik, dass die Reichen in Deutschland immer reicher werden und die Kluft zu den Menschen mit niedrigen Einkommen wächst. Die zehn Prozent mit den höchsten Einkommen in Deutschland verfügten im Jahr 2015 über 23,4 Prozent, die zehn Prozent mit den geringsten Einkommen hingegen nur über 3,3 Prozent der gesamten Einkommen. Die Angaben beziehen sich auf die Lohn- und Einkommenssteuerstatistik des Statistischen Bundesamts. Neuere Zahlen sind nicht verfügbar.

Der Skandal des Reichtums: An jedem Freitag, dem letzten Börsenhandelstag der Woche, finden Sie hier weitere Informationen zur Thematik.

 

Reich – ohne Arbeit

 

46,3 Milliarden Euro – diese nie dagewesene Summe verteilen die 640 an der Börse notierten deutschen Aktiengesellschaften laut der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) in diesem Jahr an ihre Aktionäre. Allein die 30 Dax-Konzerne schütten mit 31,7 Milliarden Euro so viel Geld an ihre Anteilseigner aus wie nie zuvor; damit überträfen die Konzerne den bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 2015 um sieben Prozent, teilte die Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) am 20. März 2017 mit. Die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten, die 46,7 Prozent der BMW-Stammaktien besitzen, erhalten eine Dividende von 1,074 Milliarden Euro – 93 Millionen mehr als im Vorjahr.

Wie das Statistische Bundesamt am 23. August 2017 mitteilte, haben Erbschaften und Schenkungen in Deutschland mit einem Gesamtwert von 108,8 Milliarden Euro wieder einen Höchststand erreicht. Die von den Statistikern genannten Zahlen dürften aber nur einen kleineren Teil des gesamten übertragenen Vermögens ausmachen, da das Bundesamt nur die steuerlich veranlagten Fälle ausweist. Über den größten Teil der Erbfälle ist wegen der hohen Freibeträge nichts bekannt. Schenkungen an gemeinnützige Organisationen, Kirchen oder Parteien sind von der Statistik nicht erfasst. Nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) liegen die realen Übertragungen pro Jahr zwischen 250 und 400 Milliarden Euro.

 

ARMUT

 

Definition

Wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen muss, gilt als relativ arm. Grundlage für die Berechnung ist laut Statischem Bundesamt das sogenannte Medianeinkommen, also des Wertes, der in der Mitte der Rangliste steht. In Deutschland liegt dieser Wert derzeit für eine alleinlebende Person bei 979 Euro im Monat.
Dieser relativen Armut stellt die Unesco die absolute Armut gegenüber. Davon betroffen sind Menschen, die weniger als einen US-Dollar (0,74 Euro) pro Tag verdienen. Grundlegende Bedürfnisse wie Nahrung, Kleidung und Unterkunft werden für sie zum Problem.
Für das Deutsche Institut für Armutsbekämpfung gibt es aber auch noch eine gefühlte Armut. Dabei geht es um Menschen, die sich aufgrund von gefühlter Ausgrenzung und Diskriminierung als arm betrachten.

Armut ist in allen Teilen der Welt weit verbreitet. Nach dem am 24. Juli 2014 in Tokio vorgestellten jährlichen Bericht des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) müssen 1,2 Milliarden Menschen weltweit in extremer Armut ihren Lebensunterhalt mit 1,25 US-Dollar (rund 0,92 Euro) täglich oder weniger bestreiten – das ist die von der Weltbank festgelegte Bemessungsgrenze für extreme Armut (die Grenze beruht auf Berechnungen des Jahres 2005; nach neuen Berechnungen der Weltbank gilt jemand als extrem arm, wenn er weniger als 1,90 Dollar oder weniger am Tag zur Verfügung hat – die Zahl dieser besonders armen Menschen werde bis Ende 2015 auf 702 Millionen Menschen oder 9,6 Prozent der Weltbevölkerung zurückgehen, so die Weltbank). Das bedeutet, dass jeder vierte Mensch in extremer Einkommensarmut lebt. Zöge man als Maßstab nicht die 1,25 Dollar pro Tag heran, sondern die Befriedigung von Grundbedürfnissen, so könnte die globale Armut allerdings 30 Prozent höher liegen als von der Weltbank veranschlagt. Bei Zugrundelegung der 2-US-Dollar-Grenze, einer Richtgröße für „allgemeine Armut“, beträgt die Zahl der weltweit in Armut lebenden Menschen 2,6 Milliarden.
Neueste Studien, die im Jahr 2017 bei den Vereinten Nationen in New York präsentiert wurden, zeigen einen besorgniserregenden Trend: Zwar hat weltweit die Zahl der Menschen, die in Armut leben, abgenommen, aber die Zahl derjenigen, die am extremsten unter Armut leiden, ist unverändert. Dies betrifft eine riesige Gruppe von Menschen, die mit 67 US-Cent am Tage auskommen müssen.

Etwa ein Sechstel der Bevölkerung der USA gilt nach offiziellen Schätzungen als arm. Dabei ist die Schwelle durch die Regierung ohnehin sehr niedrig angesetzt: Lediglich wer weniger als 9000 Euro im Jahr verdient, wird in der Statistik berücksichtigt, bei einer vierköpfigen Familie liegt die Grenze bei 18.000 Euro.

In Russland leben nach Angaben des staatlichen Statistikamtes Rosstat inzwischen (Mai 2016) 22,7 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze (15,7 Prozent der Bevölkerung). Ende 2015 waren es 14,4 Millionen. Als arm gelten in Russland Menschen mit einem monatlichen Einkommen von weniger als 9622 Rubel (157 Euro).

Die Statistiker unterscheiden drei Formen von Armut: erstens die Einkommensarmut, die vorliegt, wenn jemand weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichteten mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung erzielt (bei einem Ein-Personen-Haushalt entsprach dies im Jahr 2015 1033 Euro im Monat. Leben Menschen nicht alleine in einem Haushalt, wird der Wert gewichtet berechnet. Das bedeutet, dass beispielsweise eine Familie, bestehend aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren, wie folgt berechnet wird: 1 [Erwachsener] plus 0,5 [Erwachsene] plus 0,3 [Kind] plus 0,3 [Kind] mal 1033 Euro = 2169 Euro), zweitens die „erhebliche materielle Entbehrung“ und drittens die sehr geringe Erwerbsbeteiligung. Nimmt man alle drei Kriterien zusammen, waren im Jahr 2015 in Deutschland 16,1 Millionen Menschen, also ein Fünftel der Bevölkerung, arm und sozial ausgegrenzt. Dieser Anteil ist seit 2008 nahezu unverändert.

Seit 2001 verabschiedet die Bundesregierung alle vier Jahre den Bericht „Lebenslagen in Deutschland“. Am 12. April 2017 hat das Bundeskabinett den Fünften Armuts- und Reichtumsbericht (5. ARB) beschlossen.

Unter dem Titel „Armut stört“ hat die Nationale Armutskonferenz am 17. Oktober 2018, anlässlich des Internationalen Tags für die Beseitigung der Armut, den dritten Schattenbericht zur Armut in Deutschland veröffentlicht.

Aus dem am 4. Juli 2017 unter dem Titel „Jetzt handeln – Ungleichheit bekämpfen“ veröffentlichten DGB Verteilungsbericht 2017 geht hervor, dass der Anteil der Bevölkerung, der mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zurechtkommen muss, seit 1998 um fast die Hälfte von 10,5 auf 15,7 Prozent angestiegen ist.

Laut dem am 23. Februar 2016 veröffentlichten Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes lebten 2015 in Deutschland 12,9 Millionen Menschen unterhalb der statistischen Armutsschwelle. Der Anteil armer Menschen an der Gesamtbevölkerung wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Punkte auf 15,7 Prozent. 2005 hatte die Armutsquote noch bei 14,7 Prozent gelegen.

Die Armutsquote in Deutschland hat laut einer Datenauswertung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung im Jahr 2017 mit 15,8 Prozent der Bevölkerung einen neuen Höchststand erreicht (0,1 Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor). Die Armutsschwelle liegt bei 60 Prozent des mittleren Einkommens. Im Jahr 2016 lag sie für einen Single-Haushalt netto bei 969 Euro, für eine vierköpfige Familie mit zwei kleinen Kindern bei 2035 Euro.

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, erhielten zum Jahresende 2015 in Deutschland knapp acht Millionen Menschen soziale Mindestsicherungsleistungen, das entspricht einem Anteil von 9,7 Prozent der Bevölkerung. Gut 5,9 Millionen Menschen und damit 73,1 Prozent aller Hilfsempfänger erhielten Hartz-IV-Leistungen. Grundsicherung im Alter und Sozialhilfe erhielten gut eine Million Menschen, rund 975.000 Menschen erhielten Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.
Maßgeblich für die Ermittlung der Hartz-IV-Sätze der Erwachsenen ist das Ausgabeverhalten der einkommensschwächsten 15 Prozent, für Kinder und Jugendliche sind die unteren 20 Prozent Maßstab. Unberücksichtigt bleiben dabei Hartz-IV-Haushalte, um Zirkelschlüsse zu vermeiden.
Etwa 40 Prozent der Leistungsberechtigten in Deutschland, also ungefähr vier Millionen Menschen, gehören zur Gruppe der „verdeckt Armen„. Zu verdeckter Armut kommt es, wenn Menschen, denen soziale Mindestsicherungsleistungen zustehen, ihren Anspruch nicht wahrnehmen, etwa weil sie sich schämen oder nicht genau wissen, was ihnen zusteht.
Nach dem am 23. Februar 2016 veröffentlichten Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes sind 84 Prozent der Arbeitslosen arm, umgekehrt sind 57,6 Prozent der Armen arbeitslos.
Der Mindestlohn erreicht nur in wenigen Ländern 60 Prozent des mittleren Einkommens (in Deutschland lediglich 48 Prozent), schützt also nur selten vor relativer Armut.
Armut bedeutet in Deutschland, einem der reichsten Länder der Erde, nicht nur Verzicht auf Konsumgüter, auf Annehmlichkeiten und auf gesellschaftliche Teilhabe; häufig geht sie auch mit physischem und psychischem Leid einher, mit höheren Erkrankungsraten bis zu einer signifikant geringeren Lebenserwartung. Laut einer Mitteilung des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom 15. März 2017 haben Männer und Frauen mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze im Vergleich zu den hohen Einkommensbeziehern eine um elf beziehungsweise acht Jahre geringere Lebenserwartung.

Fast die Hälfte aller Menschen in Armut weltweit sind Kinder und Jugendliche – rund 570 Millionen Kinder müssen sogar von weniger als 1,25 Dollar am Tag leben und wachsen somit in extremer Armut auf, erklärte das Kinderhilfswerk Unicef am 22. September 2015 in Köln.

Wie die EU-Statistikbehörde Eurostat mitteilte, war im Jahr 2015 in der Europäischen Union durchschnittlich jedes vierte Kind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, 26,9 Prozent der Bevölkerung im Alter zwischen 0 und 17 Jahren. In Rumänien lag die Quote mit 46,8 Prozent am höchsten. Es folgen Bulgarien mit 43,7 Prozent und Griechenland mit 37,8 Prozent. In Deutschland lag der Anteil bei 18,5 Prozent.

Die Kinderarmut in Deutschland ist laut einer Datenauswertung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung von 20,2 Prozent im Jahr 2016 auf 20,4 Prozent im Jahr 2017 gestiegen.
Nach der neuesten statistischen Auswertung der Bundesagentur für Arbeit (BA) war im Jahr 2017 knapp jedes siebte Kind unter 18 Jahren in Deutschland auf Hartz IV angewiesen; noch 2012 war es nur jedes achte. Bei den unter Dreijährigen lebte im Juni 2017 sogar jedes sechste Kind in einer Familie, die Grundsicherung bezog.
Laut einer in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit erstellten, am 23. Oktober 2017 veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung lebt mehr als jedes fünfte Kind in Deutschland länger als fünf Jahre in armen Verhältnissen.
Dem am 18. April 2017 veröffentlichten Kinderarmutsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge lebte im Jahr 2015 fast jeder fünfte Minderjährige in Deutschland in Armut. Die Quote kletterte nach WSI-Angaben gegenüber 2014 um 0,7 Punkte auf 19,7 Prozent. In absoluten Zahlen entspricht das einem Anstieg um 77.000 auf 2,547 Millionen. Laut einer aktuellen Erhebung des WSI ist die Kinderarmut im Jahr 2016 auf 20,3 Prozent oder etwa 2,7 Millionen Kinder weiter angewachsen.
Kinder aus armen Familien sind einer am 2. März 2015 in Berlin vorgestellten Untersuchung des Robert-Koch-Institutes zufolge öfter krank als ihre bessergestellten Altersgenossen. Der Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen aus Familien mit einem niedrigen sozialen Status sei bei etwa jedem Zehnten „mittelmäßig bis sehr schlecht“, bei Gleichaltrigen aus der mittleren und hohen Statusgruppe treffe dies nur auf sechs bis drei Prozent zu. Das Risiko für psychische Auffälligkeiten bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien sei bis zu dreimal größer als bei anderen Elternhäusern.
Bis Dezember 2016 ist die Zahl der unter 18-Jährigen, die in Familien aufwachsen, die Hartz IV beziehen, auf rund 1,6 Millionen gestiegen. Ein Jahr zuvor waren es noch rund 1,54 Millionen, im Dezember 2013 lag die Zahl unter 1,5 Millionen. Das geht aus Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) für die Linksfraktion im Bundestag hervor.

Die Altersarmut ist auch im Jahr 2015 weiter gestiegen: Laut Statistischem Bundesamt waren Ende 2015 mehr als 536.000 Menschen über 65 Jahren auf Grundsicherung im Alter angewiesen. Das waren fast 24.000 mehr als im Dezember des Vorjahres und so viele wie noch nie zuvor. Die Grundsicherung liegt auf dem Niveau von Hartz IV. Konkret heißt das: Wer als Alleinstehender weniger als 1033 Euro netto im Monat zur Verfügung hat, ist arm.
Aus aktuellen Daten des Europäischen Statistikamts Eurostat geht hervor, dass immer mehr Menschen in Deutschland Armut und soziale Ausgrenzung drohen. Waren 2010 noch 4,9 Millionen Menschen über 55 Jahren betroffen, stieg deren Zahl seither kontinuierlich auf  5,7 Millionen im Jahr 2015, das sind 20,8 Prozent aller Menschen im Alter von 55 und älter; 2006 waren es noch 18,2 Prozent. EU-weit liegt der Anteil mit 20,7 Prozent leicht unter dem in Deutschland.
Laut einer am 1. Dezember 2015 veröffentlichten Erhebung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegt fast jeder zehnte Rentnerhaushalt in Deutschland bei weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens.
Nach dem am 23. Februar 2016 veröffentlichten Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes lag der Anteil einkommensarmer Rentnerhaushalte im Jahr 2014 mit 15,6 Prozent erstmals über dem Durchschnitt (15,4 Prozent = 512.000 Rentnerinnen und Rentner). Der Wohlfahrtsverband berücksichtigt nicht nur diejenigen Rentner, die auf Grundsicherung angewiesen sind; als „arm“ gelten ihm alle Menschen, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte zur Verfügung haben.
Die im Jahr 2017 veröffentlichte Studie „Entwicklung der Altersarmut bis 2036“ der Bertelsmann-Stiftung geht davon aus, dass 2036 20,2 Prozent der über 67-Jährigen von Altersarmut betroffen sind.
Laut einem Bericht der „Welt am Sonntag“ vom 16. Juni 2018 leben bis zu einer halben Million Rentner in verdeckter Armut. Sie bezögen keine Sozialhilfe vom Staat, obwohl sie unterhalb der Armutsgrenze von 750 Euro pro Monat lebten, meldete die Zeitung unter Bezug auf Schätzungen der Verteilungsforscherin Irene Becker. Dem Bericht zufolge trifft dies auf mindestens 184.000, aber bis zu 494.000 Personen zu. Dabei handele es sich vor allem um Erwerbsminderungsrentner, die womöglich aus Scham oder Unwissenheit keine Grundsicherung beantragten.

 

Arm – trotz Arbeit

 

Laut einer Mitteilung der Internationalen Arbeitsorganisation vom August 2016 leben junge Menschen in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern selbst dann unterhalb der UN-Armutsgrenze, wenn sie Jobs haben. In diesen Ländern müssten derzeit 156 Millionen arbeitende junge Menschen mit weniger als 3,10 US-Dollar am Tag auskommen.

Die Zahl berufstätiger Menschen in Deutschland, die trotz ihrer Arbeit unter die Armutsschwelle fallen, hat sich zwischen 2004 und 2014 mehr als verdoppelt. Dies geht aus einer am 6. Juli 2017 veröffentlichten Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Danach lag der Anteil der 18- bis 64-Jährigen erwerbstätigen Inländer, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hatten (für einen Einpersonenhaushalt liegt die Schwelle derzeit bei rund 11.800 Euro netto im Jahr) und damit als arm gelten, noch bei 4,8 Prozent. Zehn Jahre darauf waren es 9,6 Prozent. Die absoluten Zahlen fallen noch deutlicher aus, weil die Zahl der Erwerbstätigen von 39,3 auf 42,6 Millionen stieg. Daraus ergeben sich für 2004 knapp 1,9 Millionen arbeitende Arme, für 2014 fast 4,1 Millionen.

 

UNGLEICHHEIT

 

Die globale Ungleichheit ist aktuell so groß wie 1820. Die OECD hält das für eine der besorgniserregendsten Entwicklungen der letzten 200 Jahre.
Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hat sich die Ungleichheit weltweit in den letzten dreißig Jahren vergrößert, obwohl die Weltwirtschaft wächst und wächst und wächst und die Produktion unaufhörlich zunimmt. Die reichsten 20 Prozent der Bevölkerung verfügen über 70 Prozent des globalen Reichtums. Und die Konzentration setzt sich fort. Denn: Je mehr jemand hat, desto schneller wächst sein Reichtum. So steigerten die obersten zehn Prozent der Bevölkerung ihren Wohlstand stärker als die restlichen 90 Prozent. Noch schneller aber wuchsen die Einkommen des obersten Prozents – und noch schneller die Einkommen der obersten 0,1 Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig hatten 75 bis 80 Prozent der Weltbevölkerung keinen Zugang zu elementarem sozialen Schutz. Außerdem hat sich insgesamt die Einkommensverteilung spürbar zugunsten von Kapitalerträgen und Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit verschoben. Bereits jetzt ist das Einkommen der 1125 Milliardäre dreimal so hoch wie das der halben Weltbevölkerung, also von 3,5 Milliarden Menschen.
In Regionen mit hoher Ungleichheit haben Menschen im Schnitt eine geringere Lebenserwartung und sind kränker als solche in relativ egalitären Ländern.

In Paris wurde am 14. Dezember 2017 der erste „World Inequality Report“ veröffentlicht, Ergebnis eines international einzigartigen Projekts zur Erfassung der Ungleichheit von Einkommen und Vermögen weltweit. Der Bericht zeigt, dass die Ungleichheit der Einkommen weltweit unterschiedlich stark ausgeprägt ist, jedoch in den meisten Weltregionen zugenommen hat. Die Kurzfassung des „Berichts zur weltweiten Ungleichheit 2018“ finden Sie hier.

Die acht reichsten Männer der Welt besaßen im vergangenen Jahr zusammengenommen 426 Milliarden Dollar und damit mehr Vermögen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Diese Hälfte besteht derzeit aus 3,6 Milliarden Menschen mit insgesamt 409 Milliarden Dollar Vermögen. Das geht aus dem am 16. Januar 2017 veröffentlichten Bericht „An Economy for the 99 Percent“ (Eine Wirtschaft für die 99 Prozent) hervor, den die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos vorstellte. In der Bundesrepublik besitzen die 36 reichsten Milliardäre so viel wie die ärmere Hälfte der Deutschen zusammen.

Der Ökonom Thomas Piketty hat im Januar 2017 mit seinem Mitarbeiter Lucas Chancel ein „Observatorium für globale Ungleichheiten“ gestartet: Aushängeschild und Ausgangspunkt der Internetseite wid.world ist eine Weltkarte, die auf einen Blick die Ungleichheiten in den einzelnen Ländern festhält. Von dort aus gelangt man in die nationalen Statistiken. Ziel ist es zum einen, dem einzelnen Bürger einen raschen, interaktiven Zugriff auf alle verfügbaren Informationen zum Thema Ungleichheit zu bieten. Zum anderen sollen hier internationale und nationale Verantwortliche Entscheidungshilfen finden, um strukturelle Ungleichheit abzubauen.

In kaum einer anderen entwickelten Volkswirtschaft sind Einkommen und Vermögen so ungleich verteilt wie in Deutschland. Das reichste eine Prozent der Bevölkerung hält über 24 Prozent des Gesamtvermögens, 70 Prozent der übrigen Bevölkerung besitzen zusammen gerade einmal neun Prozent, heißt es in dem am 29. Februar 2016 veröffentlichten Verteilungsbericht 2016 des DGB.
Seit 2001 verabschiedet die Bundesregierung alle vier Jahre den Bericht „Lebenslagen in Deutschland“. „Konnte das oberste Prozent der Einkommensverteilung im Jahr 1995 rund 9 Prozent der Einkommen (…) auf sich vereinen, so stieg dieser Anteil bis 2008 auf rund 13 Prozent. Dabei stieg das Durchschnittseinkommen dieser Gruppe von rund 250.000 Euro auf rund 430.000 Euro. (…) Der Anteil der Bevölkerung, der über mindestens das Doppelte bzw. Dreifache des mittleren Einkommens verfügt, liegt bei allen Datenquellen zwar höher als in den 90er Jahren, aber seit Jahren relativ stabil bei 7 bis 8 bzw. bei 2 Prozent.“ (Aus dem am 12. April 2017 vom Bundeskabinett beschlossenen Fünften Armuts- und Reichtumsbericht; Kurzfassung)
Laut dem am 21. Mai 2015 veröffentlichten Sozialbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist das Vermögen in Deutschland stärker konzentriert als in vielen anderen Ländern: Die reichsten zehn Prozent der Deutschen besitzen sechzig Prozent der Nettohaushaltsvermögen; im OECD-Schnitt halten die zehn Prozent der Reichsten lediglich fünfzig Prozent der Vermögen.
Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vom 23. Januar 2018 ist die Ungleichheit in Deutschland noch wesentlich drastischer, als die offiziellen Zahlen nahelegen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland die 45 reichsten Haushalte so viel besitzen wie die gesamte ärmere Hälfte der Bevölkerung zusammen. Beide Gruppen kamen im Jahr 2014 jeweils auf insgesamt 214 Milliarden Euro Vermögen. Im Vergleich zu den offiziellen Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) erhöht sich die Vermögensungleichheit in Deutschland dadurch drastisch: Die reichsten fünf Prozent besaßen demnach im Jahr 2014 mit 51,1 Prozent mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens – nach EZB-Zahlen besaß diese kleine Gruppe nur 31,5 Prozent. Das oberste Prozent der deutschen Haushalte verfügt über ein Drittel des Vermögens (statt 23,6 Prozent) und das oberste Promille über 17,4 Prozent (statt 6,3 Prozent). Die reichsten 0,001 Prozent – das sind lediglich 400 Haushalte – besaßen demnach 4,7 Prozent, also doppelt so viel wie die etwa 20 Millionen Haushalte, die die ärmere Hälfte Deutschlands bilden.

Weder arm noch reich wäre in Deutschland ein Ein-Personen-Haushalt, dem nicht weniger als 979 Euro (60 Prozent des mittleren Einkommens) und nicht mehr als 2.900 Euro Nettoeinkommen (Einkommen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben) im Monat zur Verfügung steht. Laut der OECD-Skala wären für alle weiteren zum Haushalt gehörenden Personen, die 15 Jahre oder älter sind, der Faktor 0,5  und für Kinder unter 15 Jahren der Faktor 0,3 des Nettoeinkommens in Anschlag zu bringen, das heißt die Einkommensgrenzen zur Armut und zum Reichtum würden sich entsprechend nach unten bzw. oben verschieben.

 

Literatur:

  • Richard Wilkinson und Kate Pickett, Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind. Aus dem Englischen von Edgar Peinelt und Klaus Binder, Tolkemitt Verlag bei Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2010
  • Robert & Edward Skidelsky, Wie viel ist genug? Vom Wachstumswahn zu einer Ökonomie des guten Lebens. Aus dem Englischen von Ursel Schäfer und Thomas Pfeiffer, Verlag Antje Kunstmann, München 2013
  • Hans-Ulrich Wehler, Die neue Umverteilung. Soziale Ungleichheit in Deutschland, Verlag C. H. Beck, München 2013
  • Stefan Selke, Schamland. Die Armut mitten unter uns, Econ-Verlag, Berlin 2013
  • Jens Berger, Wem gehört Deutschland? Westend Verlag, Frankfurt am Main 2014
  • Dennis Gastmann, Geschlossene Gesellschaft. Ein Reichtumsbericht, Rowohlt Verlag, Berlin 2014
  • Kampf um die Armut. Von echten Nöten und neoliberalen Mythen, herausgegeben von Ulrich Schneider, Westend Verlag, Frankfurt am Main 2015
  • Christoph Butterwegge, Hartz IV und die Folgen. Auf dem Weg in eine andere Republik? Verlag Beltz Juventa, Weinheim 2015 (2. Auflage )
  • Marcel Fratzscher, Verteilungskampf. Warum Deutschland immer ungleicher wird. Carl Hanser Verlag, München 2015
  • Christoph Butterwege, Armut. Papyrossa Verlag, Köln 2016 (2., aktualisierte Auflage 2017)
  • Hans-Jürgen Jakobs, Wem gehört die Welt? Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus, Knaus Verlag, München 2016
  • Georg Cremer, Armut in Deutschland. Wer ist arm? Was läuft schief? Wie können wir handeln?, Verlag C.H.Beck, München 2016
  • Franz Segbers, Wie Armut in Deutschland Menschenrechte verletzt, Publik-Forum Verlagsgesellschaft, Oberursel 2016
  • Ulrich Schneider, Kein Wohlstand für alle!? Wie sich Deutschland selber zerlegt und was wir dagegen tun können, Westend Verlag, Frankfurt am Main 2017
  • Per Molander, Die Anatomie der Ungleichheit. Woher sie kommt und wie wir sie beherrschen können, Westend Verlag, Frankfurt am Main 2017
  • Andrew Sayer, Warum wir uns die Reichen nicht leisten können, Verlag C.H.Beck, München 2017
  • Facundo Alvaredo, Lucas Chancel, Thomas Piketty, Emmanuel Saez, Gabriel Zucman, Die weltweite Ungleichheit. Der World Inequality Report 2018, Verlag C.H.Beck, München 2018
  • Michael Hartmann, Die Abgehobenen. Wie die Eliten die Demokratie gefährden, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2018

Film:

 

Reichtum, Armut, Ungleichheit aus Sicht der Kinder

„Vor allem Armut ist aus Sicht der Kinder die Hauptursache für Ungerechtigkeit“, sagt Sabine Andresen, Professorin für Sozialpädagogik und Familienforschung an der Frankfurter Goethe-Universität in einem Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. „Kinder aus armen Familien erfahren die Ungerechtigkeit besonders stark, sie fühlen sich benachteiligt, ihr Wohlbefinden ist eingeschränkt, weil ihre gesellschaftliche Teilhabe begrenzt ist und sie Mangelerfahrungen ausgesetzt sind. (…) Die Verantwortung dafür, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht, liegt aus ihrer Sicht bei den Wohlhabenden“, betont Andresen. Insgesamt sei bei Kindern eine große Ablehnung gegenüber Ungleichheit zu verzeichnen – sowohl wenn es um die eigene Person geht als auch bei anderen Menschen. (Frankfurter Rundschau vom 8./9.11.2014)

 

ENGAGEMENT

 

  • Am 25. September 2015 beschlossen die Vereinten Nationen 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs). Das erste Ziel lautet: „End poverty in all its forms everywhere“. Beim Millenniumsgipfel am 23. September 2000 hatten sich die Mitgliedsstaaten auf acht Millenniums-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDG) geeinigt. An erster Stelle stand das Ziel, „bis zum Jahr 2015 den Anteil der Weltbevölkerung, dessen Einkommen weniger als 1 Dollar pro Tag beträgt, und den Anteil der Menschen, die Hunger leiden, zu halbieren“. Dieses Ziel wurde überall in der Welt außer in Afrika erreicht. Während 1990 die Hälfte der Bevölkerung der Entwicklungsländer von weniger als 1,25 Dollar am Tag leben musste, sind er 2015 nur noch 14 Prozent. Ein kritischer Blick ist jedoch angebracht: Direkt nach der Millenniumserklärung im Jahr 2000 wurde der für dieses Jahr festgelegte Basiswert der globalen Armutszahlen durch die Millennium-Entwicklungsziele um zehn Jahre auf 1990 zurückdatiert. So konnten kurzerhand die umfangreichen Erfolge Chinas und Ostasiens bei der Armutsbekämpfung eingerechnet werden, auch wenn diese nicht nur zeitlich, sondern auch politisch-ökonomisch nichts mit der westlichen Entwicklungsagenda zu tun hatten. 2008 wurde dann die Grenze extremer Armut von einem US Dollar auf 1,25 US Dollar am Tag angehoben. Dadurch schossen die absoluten Armutszahlen zwar um 430 Millionen Menschen in die Höhe, doch auch die Verbesserungen erschienen größer: 121 Millionen Menschen wurden über Nacht zusätzlich aus der Armut gehoben und flossen in die Erfolgsgeschichte der MDGs ein. Vgl. Roman Herre, Gewiefte Armutszähler, Frankfurter Rundschau vom 10.3.2016.
  • Die Nationale Armutskonferenz (nak) ist im Herbst 1991 als deutsche Sektion des Europäischen Armutsnetzwerks (European AntiPoverty Network-EAPN) gegründet worden. Sie setzt sich für eine aktive Politik der Armutsbekämpfung ein. Unter dem Motto „Armut ist falsch verteilter Reichtum“ unterstützt dieses Bündnis von Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften und Selbsthilfeorganisationen Betroffene bundesweit und setzt sich u.a. für gerechte Wohlstandsverteilung, Bildungsgerechtigkeit, Mindestlöhne und bezahlbaren Wohnraum ein. Alle drei Jahre veröffentlicht die Nationale Armutskonferenz  ihren „Schattenbericht“.
  • 13 Verbände, Initiativen und Vereine  haben sich im Bündnis Kindergrundsicherung zusammengeschlossen. Es fordert unter anderem die Einführung einer Kindergrundsicherung in Höhe von 573 Euro im Monat für jedes Kind, die mit steigendem Familieneinkommen sinkt.
  • Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, stellte am 29. Mai 2012 die Vergleichsstudie Reiche Länder – Arme Kinder vor.

Die Ökumenische Initiative Reich Gottes – jetzt! erinnert an die Botschaft Jesu von der Gegenwart des Reiches Gottes, von der Heiligkeit der Welt, in die wir eingebunden sind. Diese Weltverbundenheit befreit unmittelbar zu einem Lebensstil der Einfachheit, des Genug, des „Soviel du brauchst“.

 


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