42. Kalenderwoche (14.–20. Oktober 2019)

16. Oktober: Welternährungstag

HUNGER UND MANGELERNÄHRUNG

Die alte Frage, was die Welt
Im Innersten zusammenhält
Verblasst, erlischt, die neue heißt:
Was sie auseinanderreißt

Die Einheit ist gegeben schon
Alle existieren leiblich
Die Welt wird aber aufgeteilt
Zurück bleibt hungrig oder satt

Nahrungsmittel, Ernte, Essen
Sind bestimmt für Mund und Magen
Geben Energie zum Leben
Nicht für Rohstofffonds von Banken

Wetten auf den Preis von Mais
Der Gewinn kann riesig sein
Verschwunden der Bezug zum Hunger
Und vom Leben abgetrennt

Die Maus läuft an der Bank vorbei
Das Kind stirbt dort in Niger
Das Weltgetriebe rührt das nicht
Die Börse kommt nicht vor Gericht

Ins Meer von Leben eingefügt
Ist die eine Welt zu spüren
Kein Teil ist von ihr abzuschnüren
Es reicht für alle, es genügt.

Hans Bischlager

(jetzt veröffentlicht in: Hans Bischlager, Entschieden wird im Untergrund. Politische Gedichte, Verlag tredition GmbH, Hamburg 2017, Seite 42f.) 

_______________________________

„Der Mehlkrug soll nie zu Ende gehen,
und das Ölgefäß nie leer werden.“
(1. Könige 17,14*, die vermutlich älteste und ursprünglich eigenständige Tradition in der Elia-Erzählung 1. Könige 17,7–16)

„Hunger ist die schlimmste Form von Gewalt.“ (Mahatma Gandhi)

„Wofür streiten sich die Katholiken (…) mit den Kommunisten darüber, ob die Seele sterblich oder unsterblich ist, anstatt sich einig zu werden: Der Hunger ist sterblich!“ (Camilo Torres)

„Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der ihm und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen eingeschlossen, sowie das Recht auf Sicherheit bei Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Tod des Ehegatten, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.“ (Art. 25, Abs. 1 der  Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen)

„Ernährungssicherheit ist dann gegeben, wenn alle Menschen zu jeder Zeit physischen und ökonomischen Zugang zu ausreichender, gesunder und ausgewogener Nahrung haben, um ihre energetischen Bedürfnisse und ihre geschmacklichen Vorlieben zu befriedigen, sodass sie ein gesundes und aktives Leben führen können.“ (Welternährungsgipfel 1996 in Rom)

„Noch nie in der Menschheitsgeschichte hat es eine Hungersnot in einer Demokratie gegeben.“ (Amartya Sen, indischer Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph, Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften)

„Hunger ist das größte lösbare Problem der Welt“, sagt die Hilfsorganisation Deutsche Welthungerhilfe.

 

INFORMATIONEN

 

Alle 3,6 Sekunden verhungert ein Mensch; die große Mehrzahl sind Kinder unter fünf Jahren. Jeder neunte Mensch geht hungrig schlafen. Jedes vierte Kind auf dieser Erde ist unterernährt und hat allein deswegen keine Chance auf eine körperliche und geistige Entwicklung wie bessergestellte Jungen und Mädchen. Jedes Jahr sterben neun Millionen Menschen an Hunger, mehr als an Aids, Malaria und Tuberkulose zusammen.

Gleichwohl ist Hunger keine Folge des Mangels an Nahrungsmitteln, sondern eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit. Der UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte stellt 1999 zum Menschenrecht auf Nahrung klar: „Im Grunde liegt die Wurzel des Problems von Hunger und Mangelernährung nicht in einem Mangel an Nahrungsmitteln, sondern im mangelnden Zugang großer Teile der Weltbevölkerung zu den verfügbaren Nahrungsmitteln.“
„Unabhängige, meist kleinbäuerliche Produzentinnen und Produzenten sowie in der Landwirtschaft abhängig Beschäftigte machen heute mehr als die Hälfte aller Hungernden aus. Eine Schlüsselfrage ist deshalb nicht, wie die Produktion zu steigern ist, sondern wie die Lebensverhältnisse der Ärmsten, auch durch die Landwirtschaft, verbessert werden können, sodass sie Zugang zu Einkommen und angemessener Ernährung haben.“ (Konzernatlas. Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie, 2017, S. 32)

Die Zahl der Hungernden steigt weiter an. Laut dem am 11. September 2018 veröffentlichten UN-Ernährungsbericht 2018 (offiziell „Bericht zur Lage der Ernährungssicherheit“) litten 2017 weltweit rund 821 Millionen Menschen Hunger, also jeder neunte Erdenbewohner. Die Lage verschlimmere sich in den meisten Regionen Afrikas sowie in Südamerika, heißt es in dem Bericht. Vor allem die Versorgungslage in Venezuela sei dramatisch. Aber auch militärische Konflikte wie im Jemen und in Syrien seien für den Anstieg der Hungernden verantwortlich. So seien im Jemen 35 Prozent der Bevölkerung unterernährt. Die Uno betont, dass neben Konflikten und Wirtschaftskrisen auch Klimaveränderungen stark zum Anstieg der Hungerleidenden beitragen. In Ländern, die extremes Klima erlebten – etwa mehr Dürreperioden oder unregelmäßige Regenzeiten – sei die Zahl und der Anteil unterernährter Menschen deutlich höher. Kinder sind laut dem UN-Bericht besonders stark von Unterentwicklung betroffen: Weltweit sind 22 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren, das sind insgesamt 151 Millionen Kinder, aufgrund von Mangelernährung zu klein für ihr Alter. – 14 Prozent der Kinder in Griechenland sind unterernährt, doppelt so viele wie vor Beginn der Krise, heißt es in einer Studie des Amsterdamer Transnational-Instituts.

Im weltweiten Kampf gegen den Hunger bleiben die großen Erfolge weiter aus. Zu diesem Ergebnis kommt der Welthunger-Index (WHI) 2018, der die Ernährungssituation in 119 Staaten darstellt. Noch immer seien die Hungerwerte in 51 Ländern der Erde ernst oder sehr ernst. Der Bericht mache außerdem deutlich, dass Hunger sowohl Ursache als auch Folge von Flucht und Vertreibung sei, sagte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann. In Ländern mit bewaffneten Konflikten trete der Hunger doppelt so häufig auf wie im Rest der Welt. Angesichts von 68 Millionen Flüchtlingen – „so viele wie nie zuvor“ – gebe es großen Handlungsbedarf. Trotz der Verbesserungen bei der Hungerbekämpfung seit dem Jahr 2000 bezweifeln die Experten, dass das Entwicklungsziel der UN erreicht werden kann, den weltweiten Hunger bis zum Jahr 2030 zu beenden. Dies sei nur mit verstärkten Anstrengungen und innovativen Ansätzen möglich. Der Welthunger-Index analysiert die Zusammenhänge zwischen Hunger, Flucht und Vertreibung und wird von Experten vom International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington ermittelt. Seit 2006 wird der Index jährlich vom IFPRI, der Welthungerhilfe mit Sitz in Bonn sowie der irischen Organisation Concern Worldwide veröffentlicht. Der WHI ist umfassender angelegt ist als beispielsweise die Hunger-Definition der FAO; während diese den Hunger lediglich an der Kalorienaufnahme festmacht, setzt sich der WHI aus drei gleichwertigen Indikationen zusammen: Betrachtet wird der Anteil der unterernährten Menschen, der Anteil der unterernährten Kinder unter fünf Jahren und die Sterblichkeitsrate von unter Fünfjährigen.

Das erste Mal seit sechs Jahren mussten die UN Ende Februar 2017 in mehreren Distrikten des Südsudan eine Hungersnot ausrufen. Nach der Definition der UN herrscht dann eine Hungersnot, wenn täglich zwei von 10.000 Menschen wegen Unterernährung sterben und 20 Prozent der Bevölkerung Mangelerscheinungen aufweisen.

Eine Milliarde Menschen leiden unter sogenanntem verborgenen Hunger (hidden hunger). Sie wird zwar satt, nimmt aber mit dem Essen zu wenig Nährstoffe auf und ist daher wenig leistungsfähig und anfällig für Krankheiten. Diesen Menschen fehlen wichtige Nährstoffe wie Vitamin A, Jod und Eisen. Der Mangel an Vitaminen und Spurenelementen beeinträchtigt die geistige und körperliche Entwicklung vor allem bei Kindern.

Der WeltRisikoBericht 2015, der jedes Jahr vom Bündnis Entwicklung Hilft, einem Zusammenschluss von sieben Hilfsorganisationen, herausgegeben wird, widmet sich dem Thema Ernährungssicherheit.

Jeder zwölfte Mensch ist ein mangelernährter Mann oder Junge, jeder fünfte eine mangelernährte Frau oder ein Mädchen. Brot für die Welt setzt sich mit dem Thema Mangelernährung auseinander und hat aus Anlass des Welternährungstages am 16. Oktober 2015 den Report Frauen hungern anders – Geschlechtergerechtigkeit hilft gegen Stillen Hunger veröffentlicht.

Nach einer globalen Studie, an der 53 Forscher aus 15 Ländern mitgewirkt haben, könnte die Erwärmung des Klimas dazu führen, dass es künftig noch mehr Hunger in der Welt gibt: Denn jedes zusätzliche Grad Celsius verringert die Produktion von Weizen im Schnitt um sechs Prozent – weltweit wären das Ertragseinbußen in Höhe von jährlich 42 Millionen Tonnen Getreide. (Frankfurter Rundschau vom 14.1.2015)

Laut einer im Jahr 2017 in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlichten Studie einer Gruppe von Wissenschaftlern der Welternährungsorganisation FAO, der Universtäten Aberdeen, Klagenfurt und Zürich unter Federführung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), könnte Bio-Landbau alle Menschen satt machen. Selbst neuen Milliarden Menschen (prognostiziert für 2050) könnten damit ernährt werden, ohne mehr Land für den Anbau zu brauchen – vorausgesetzt, dass weniger tierische Produkte gegessen, weniger Nahrungsmittel weggeworfen und in der Tierhaltung weniger Kraftfutter wie Getreide und Soja (und dafür mehr Gras) verfüttert würden.

„Nur 47 Prozent der Weltgetreideproduktion dienen als Nahrung. Rund ein Drittel des Getreides auf der Welt wird zu Tierfutter und etwa ein Sechstel zu Agrosprit verarbeitet, also an Autos verfüttert.“ (Frankfurter Rundschau vom 18. und 24.11.2014)

Über 40 Prozent der weltweiten Getreideproduktion dient als Viehfutter und steht somit nicht für die direkte menschliche Ernährung zur Verfügung. Rund 33 Prozent der weltweiten Anbauflächen (ca. 1,4 Milliarden Hektar)  werden für die Produktion von Tierfutter verwendet. In der Europäischen Union liegt diese Zahl noch höher: Hier landen 60 Prozent des angebauten Getreides in den Trögen (Bodenatlas. Daten und Fakten über Acker, Fläche und Erde, 2015, S. 22). Der UN-Weltagrarbericht schätzt, dass die Nutztierhaltung heute 70 Prozent der globalen Äcker und Weiden beansprucht (Fleischatlas. Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel, 2014, S. 27). Allein für Europa werden pro Jahr in Südamerika im Durchschnitt 13 Millionen Hektar Anbaufläche für Tierfutter, vor allem für Soja benötigt – eine Fläche so groß wie Österreich und die Schweiz zusammen. Die Deutschen benötigen eine Fläche wie die Österreichs, um ihren Fleischhunger zu stillen, pro Kopf 1000 Quadratmeter. So wächst rein rechnerisch in Brasilien, einem Land, in dem weiter Hunger herrscht, auf 1,7 Millionen Hektar Land Soja, das zur Lebensmittelproduktion nach Deutschland importiert wird. – 3,61 Quadratmeter Land gehen beispielsweise für jeden Hamburger drauf, 2,26 Quadratmeter für die Rostbratwurst.

Das Wertpapier-Geschäft mit Agrarrohstoffen steht zumindest im Verdacht, Preise für Nahrung zu treiben und Hunger zu verursachen. Deutsche Finanzinstitute hatten nach Berechnungen der Hilfsorganisation Oxfam 2012 rund elf Milliarden Euro in Spekulationsgeschäften mit Agrarrohstoffen stecken. 10,4 Milliarden Euro entfielen auf Allianz und Deutsche Bank, die mit der Verwaltung dieser Fonds 102 Millionen Euro verdienten.
Einer am 28. April 2017 veröffentlichten Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zufolge haben starke Preissteigerungen für Weizen in den vergangenen vier Jahrzehnten ihre Ursachen in Wetterextremen und in der Handelspolitik gehabt. Dagegen hätten sich weder Spekulationen auf den Rohstoffmärkten noch die Nutzung von Landflächen für die Produktion von Biosprit entscheidend auf Weizenpreise ausgewirkt.

Der Schlüssel im Kampf gegen Hunger und Mangelernährung liegt in der ländlichen Entwicklung. Rund 70 Prozent der weltweiten Nahrungsmittel werden von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen produziert. Gleichzeitig sind sie die weltweit am stärksten von Hunger betroffene Bevölkerungsgruppe. 70 bis 80 Prozent aller Hungernden leben auf dem Land. Die Kleinbauernfamilien könnten sich selbst ausreichend ernähren, wenn sie das notwendige Wissen, eine intakte Infrastruktur und faire Handelsbedingungen hätten. Sie könnten sogar die städtische Bevölkerung mit gesunden Produkten aus der Region versorgen.
Eine ökologische Landwirtschaft, die auf dem Erhalt der Böden, der Artenvielfalt, dem eigenen Saatgut, alten Kulturpflanzen und auf sozialem Zusammenhalt basiert, kann die Welt nachhaltig mit gesunden Nahrungsmitteln versorgen.

Literatur:

  • Handbuch Welternährung, Bonn 2011, Bundeszentrale für politische Bildung, Bestellnummer: 1153
  • Jean Feyder: Mordshunger. Wer profitiert vom Elend der armen Länder?, Verlag Westend, Frankfurt 2010
  • Welternährung. Global denken – lokal säen. Politische Ökologie Nr. 128, Oekom Verlag, März 2012
  • Jean Ziegler [ehemaliger UN-Sonderbeauftragter für das Recht auf Nahrung], Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt. C. Bertelsmann Verlag 2012
  • Harald Schumacher, Die Hungermacher. Fischer-Verlag, 2013
  • Martín Caparrós, Der Hunger. Aus dem Spanischen von Sabine Giersberg und Hanna Grzimek, Suhrkamp Verlag, Berlin 2015
  • Felix zu Löwenstein, Es ist genug da. Für alle. Wenn wir den Hunger bekämpfen, nicht die Natur, Verlagsgruppe Droemer Knaur, München 2015
  • Manfred Heuser, Zeitbombe Welthunger. Massengräber, Exodus oder Marshallplan, Tectum Verlag, Baden-Baden 2017

Film:

  • Valentin Thurn, 10 Milliarden – wie werden wir alle satt? (2015)

 

ENGAGEMENT

 

  • Am 24. November 1961 wird das Welternährungsprogramm (World Food Programme, WFP) der Vereinten Nationen mit Sitz in Rom gegründet, die größte humanitäre Organisation der Welt und für die weltweite UN-Nahrungsmittelhilfe zuständig.
  • Die 158 Staaten, die den Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte von 1966 ratifiziert haben, sind zur Beachtung des Rechts auf Nahrung verpflichtet. Es verpflichtet sie, keine Maßnahmen zu ergreifen, die zu Hunger führen, und ihre eigene Politik und ihre Haushaltsmittel auf die besonders Betroffenen zu konzentrieren.
  • Erstes Ziel der am 25. September 2015 beschlossenen UN-Agenda für eine nachhaltige Entwicklung ist es, dass bis zum Jahr 2030 niemand auf der Welt mehr hungern muss. Außerdem soll die Qualität der Ernährung verbessert, der Zugang zu Nahrungsmitteln gesichert und eine nachhaltige Landwirtschaft gefördert werden.
  • Mit großer Mehrheit hat der 3. Ausschuss der UN-Vollversammlung am 19.November 2018 die Erklärung über die „Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten“, angenommen. Bei der Abstimmung in New York votierten 119 Staaten dafür, sieben Länder dagegen, 49 Nationen enthielten sich – darunter auch Deutschland und weite Teile der EU. Die Deklaration muss nun noch formal im Plenum der Vollversammlung ratifiziert werden.
  • Am 22. November 2004 haben alle 187 Mitgliedsstaaten der Welternährungsorganisation (FAO) die „Freiwilligen Leitlinien zur Umsetzung des Rechts auf Nahrung“ verabschiedet und sich damit zur Orientierung an den Grundprinzipien dieses Rechts bekannt.
  • Da Bäuerinen und Bauern und andere Menschen, die auf dem Lande leben und arbeiten wie Fischer, Hirten oder Landarbeiter den größten Teil der weltweiten Nahrungsmittel erzeugen, gleichwohl unter Armut, Hunger, Ausgrenzung und kultureller Verachtung leiden, richtete der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen eine zwischenstaatliche Arbeitsgruppe ein, um eine Erklärung zu ihrem Schutz vorzubereiten. La Via Campesina, das weltweite Netzwerk von Bäuerinnen und Bauern, ist federführend daran beteiligt. Im Mai 2017 wird nach mehrjähriger Arbeit die letzte Verhandlungsrunde tagen. Im März 2017 fand in Schwäbisch Hall der erste „Global Peasants‘ Right Congress“ mit 400 Teilnehmern aus 50 Ländern statt, um die Situation und die Forderungen internationaler Kleinbäuerinnen und Kleinbauern verstärkt sichtbar zu machen und den Prozess voranzubringen.
  • Wenn weltweit ein Viertel weniger Nahrungsmittel verdürben oder im Abfall landeten, könnten die 870 Millionen hungernden Menschen ausreichend ernährt werden. Mit dieser Erkenntnis hat die Welternährungsorganisation (FAO) im August 2013 in Bangkok eine Initiative gegen den Hunger gestartet.
  • Die Weltbank will dafür sorgen, dass der Anteil der extremen Armen in der Welt bis 2030 auf unter drei Prozent sinkt. Das kündigte Weltbankpräsident Jim Yong Kim im März 2013 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an. Zurzeit liegt der Anteil der Menschen, die mit weniger als 1,25 US-Dollar am Tag auskommen müssen, bei rund 20 Prozent. Kim kündigte an, die Weltbank wolle ihre Arbeit auf den Prüfstand stellen und sich Jahr für Jahr an der Zielvorgabe messen lassen.
  • Welthungerhilfe, größte Nichtregierungsorganisation Europas; traditionell veranstaltet sie rund um den Welternährungstag eine „Woche der Welthungerhilfe“.
  • Brot für die Welt.
  • Misereor.
  • Food First Informations- und Aktions-Netzwerk (Fian) setzt sich dafür ein, dass Menschen frei von Hunger leben und sich ausreichend ernähren können; Motto: „Mit Menschenrechten gegen den Hunger“.
  • Oxfam Deutschland, die Welthungerhilfe, Misereor, Attac, Campact, WEED und das Südwind-Institut fordern die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, die Nahrungsmittelspekulation zu stoppen. Daraus resultieren bereits die erste Erfolge: So sind in Deutschland bislang die Commerzbank, mehrere Landesbanken sowie die Deka Bank der Sparkassen und die DZ Bank aus der Agrar-Spekulation ausgestiegen, nicht jedoch die Allianz und die Deutsche Bank; im Oktober 2013 teilte Oxfam mit, dass jetzt auch die BayernLB auf Nahrungsmittelspekulation verzichten will, das letzte öffentliche Finanzinstitut in Deutschland, das solche Fonds anbot. Im Februar 2017 lehnte eine Mehrheit von Christdemokraten, Liberalen und Rechtskonservativen im EU-Parlament strengere Regeln für Nahrungsmittelspekulationen ab. Sozialdemokraten, Grüne und Linke hatten einen Antrag auf Beschränkungen eingebracht. Doch die absolute Mehrheit, die nötig gewesen wäre, um den Vorschlag der EU-Kommission ändern zu lassen, wurde verfehlt. Oxfam kritisierte die Entscheidung scharf.
  • Germanwatch.
  • Das 1975 gegründete Internationale Forschungsinstitut für Agrar- und Ernährungspolitik (IFPRI) entwickelt Lösungsansätze, um in Entwicklungsländern die Ernährung der Menschen zu verbessern.
  • Anlässlich des Welternährungstages erscheint jährlich das Jahrbuch zum Recht auf Nahrung (Right to Food and Nutrition Watch), der das Handeln stattlicher Akteure im Zusammenhang mit dem Recht auf Nahrung und Ernährung überprüft. Herausgeber sind das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt, die Menschenrechtsorganisation Fian International und die Interchurch Organization for Development Cooperation in den Niederlanden – gemeinsam mit weiteren zwölf zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Die Ökumenische Initiative Reich Gottes – jetzt! erinnert an die Botschaft Jesu von der Gegenwart des Reiches Gottes, von der Heiligkeit der Welt, in die wir eingebunden sind. Diese Weltverbundenheit befreit unmittelbar zu einem Lebensstil der Einfachheit, des Genug, des „Soviel du brauchst“.


RSS