42. Kalenderwoche (18.–24. Oktober 2021)

16. Oktober: Welternährungstag

 

Hunger und Mangelernährung

 

Die alte Frage, was die Welt
Im Innersten zusammenhält
Verblasst, erlischt, die neue heißt:
Was sie auseinanderreißt

Die Einheit ist gegeben schon
Alle existieren leiblich
Die Welt wird aber aufgeteilt
Zurück bleibt hungrig oder satt

Nahrungsmittel, Ernte, Essen
Sind bestimmt für Mund und Magen
Geben Energie zum Leben
Nicht für Rohstofffonds von Banken

Wetten auf den Preis von Mais
Der Gewinn kann riesig sein
Verschwunden der Bezug zum Hunger
Und vom Leben abgetrennt

Die Maus läuft an der Bank vorbei
Das Kind stirbt dort in Niger
Das Weltgetriebe rührt das nicht
Die Börse kommt nicht vor Gericht

Ins Meer von Leben eingefügt
Ist die eine Welt zu spüren
Kein Teil ist von ihr abzuschnüren
Es reicht für alle, es genügt.

Hans Bischlager

(jetzt veröffentlicht in: Hans Bischlager, Entschieden wird im Untergrund. Politische Gedichte, Hamburg 2017, Seite 42f.) 

 

„Der Mehlkrug soll nie zu Ende gehen,
und das Ölgefäß nie leer werden.“
(1. Könige 17,14, die vermutlich älteste und ursprünglich eigenständige Tradition in der Elia-Erzählung 1. Könige 17,7–16)

„Hörte den Hunger schrein: Wo gibt’s was? Sah / Sehr feiste Finger deuten nach oben. / Da sagt‘ ich: Seht ihr, es ist etwas da!“ (Aus: Bertolt Brecht, Ballade von der Billigung der Welt, 1932)

„Hunger ist die schlimmste Form von Gewalt.“ (Mahatma Gandhi)

„Wofür streiten sich die Katholiken (…) mit den Kommunisten darüber, ob die Seele sterblich oder unsterblich ist, anstatt sich einig zu werden: Der Hunger ist sterblich!“ (Camilo Torres)

„Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der ihm und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen eingeschlossen, sowie das Recht auf Sicherheit bei Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Tod des Ehegatten, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände.“ (Art. 25, Abs. 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen)

„Ernährungssicherheit ist dann gegeben, wenn alle Menschen zu jeder Zeit physischen und ökonomischen Zugang zu ausreichender, gesunder und ausgewogener Nahrung haben, um ihre energetischen Bedürfnisse und ihre geschmacklichen Vorlieben zu befriedigen, sodass sie ein gesundes und aktives Leben führen können.“ (Welternährungsgipfel 1996 in Rom)

„Im Grunde liegt die Wurzel des Problems von Hunger und Mangelernährung nicht in einem Mangel an Nahrungsmitteln, sondern im mangelnden Zugang großer Teile der Weltbevölkerung zu den verfügbaren Nahrungsmitteln, der unter anderem auf Armut zurückzuführen ist.“ (UN-Ausschuss für wirtschaftliche soziale und kulturelle Rechte am 12. Mai 1999 zum Recht auf angemessene Nahrung)

„Noch nie in der Menschheitsgeschichte hat es eine Hungersnot in einer Demokratie gegeben.“ (Amartya Sen, indischer Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph, Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften)

„Hunger ist das größte lösbare Problem der Welt“, sagt die Hilfsorganisation Deutsche Welthungerhilfe.

 

INFORMATIONEN

 

Laut der Welthungerhilfe stirbt weltweit alle zehn Sekunden ein Kind unter fünf Jahren durch Mangelernährung. Insgesamt sind schätzungsweise 149,2 Millionen Kinder chronisch unterernährt oder ausgezehrt.

Dem am 4. Mai 2022 veröffentlichten „Global Report on Food Crises“ des globalen Netzwerks gegen Ernährungskrisen – einem internationales Bündnis der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen – zufolge waren im Jahr 2021 etwa 193 Millionen Menschen in 53 Ländern oder Gebieten von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Das entspricht einem Anstieg um fast 40 Millionen Menschen gegenüber den Rekordzahlen von 2020. Im Bericht wird dargelegt, dass Konflikte weiterhin die Hauptursache von Ernährungsunsicherheit sind.

Die Zahl der weltweit vom Hunger bedrohten Menschen hat sich nach Angaben der UNO deutlich erhöht: Waren zu Beginn des Jahres 2021 42 Millionen Menschen vom Hunger bedroht, so sind es nunmehr 45 Millionen, wie das UN-Welternährungsprogramm (WFP) am 8. November 2021 in Rom mitteilte.

Wie aus dem am 12. Juli 2021 vorgelegten Welternährungsbericht der Vereinten Nationen hervorgeht, waren im Jahr 2020 weltweit 811 Millionen Menschen unterernährt, das heißt etwa ein Zehntel der globalen Bevölkerung. Am stärksten nahm der Hunger in Afrika zu: Dort lag die Rate der Unterernährung bei 21 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie in jeder anderen Weltregion. Der Anteil der Menschen, die sich nicht das ganze Jahr hindurch angemessen ernähren konnten, ist so stark gestiegen wie in den fünf vorhergehenden Jahren zusammen: Betroffen waren 2,3 Milliarden Menschen, fast ein Drittel der Weltbevölkerung.

Die Zahl der lebensbedrohlich hungernden Menschen auf der Welt ist im Jahr 2020 erneut gestiegen. Vor allem die Corona-Pandemie habe neben Klimawandel und Kriegen zu einer dramatischen Verschärfung der Situation geführt, heißt es im Jahresbericht 2020 der Welthungerhilfe, der am 30. Juni 2021 veröffentlicht wurde. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen hungerten 690 Millionen Menschen, für 155 Millionen Menschen in 55 Ländern ist die Situation nach Schätzung der Welthungerhilfe lebensbedrohlich.
Laut dem Bericht ist der Hunger in Asien am stärksten verbreitet, 381 Millionen Menschen sind betroffen. Auf dem afrikanischen Kontinent sei die Hungersituation mit 250 Millionen Menschen ebenfalls alarmierend. Insbesondere in Ostafrika sei die Situation dramatisch, hier seien ein Fünftel der Bevölkerung unterernährt (19,1 Prozent). In Lateinamerika belaufe sich die Zahl auf 48 Millionen Menschen.

Laut einer am 23. Juni 2021 veröffentlichten Untersuchung der britischen Organisation „Save the Children“ steigt erstmals seit Jahrzehnten die Zahl der hungernden und mangelernährten Kindern wieder weltweit. Derzeit drohten mehr als 5,7 Millionen Kinder unter fünf Jahren zu verhungern. Weitere 13 Millionen Mädchen und Jungen unter 18 Jahren hätten deutlich zu wenig zu essen.

Gleichwohl ist Hunger keine Folge des Mangels an Nahrungsmitteln, sondern eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit. Der UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte stellt 1999 zum Menschenrecht auf Nahrung klar: „Im Grunde liegt die Wurzel des Problems von Hunger und Mangelernährung nicht in einem Mangel an Nahrungsmitteln, sondern im mangelnden Zugang großer Teile der Weltbevölkerung zu den verfügbaren Nahrungsmitteln, der unter anderem auf Armut zurückzuführen ist.“
„Unabhängige, meist kleinbäuerliche Produzentinnen und Produzenten sowie in der Landwirtschaft abhängig Beschäftigte machen heute mehr als die Hälfte aller Hungernden aus. Eine Schlüsselfrage ist deshalb nicht, wie die Produktion zu steigern ist, sondern wie die Lebensverhältnisse der Ärmsten, auch durch die Landwirtschaft, verbessert werden können, sodass sie Zugang zu Einkommen und angemessener Ernährung haben.“ (Konzernatlas. Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie, 2017, S. 32)

Rund 200 Millionen Kinder weltweit sind laut einem Bericht, den das UN-Kinderhilfswerks Unicef am 15. Oktober 2019 in New York vorstellte, aufgrund von zu wenig oder falscher Ernährung krank. Weltweit seien 149 Millionen Kinder in ihrer Entwicklung gehemmt oder zu klein für ihr Alter, 50 Millionen Kinder schwach oder zu dünn für ihre Größe, 340 Millionen Kinder bekämen nicht ausreichend Vitamine oder Nährstoffe und 40 Millionen Kinder seien übergewichtig.

Laut dem am 14. Oktober 2021 in Berlin vorgestellten Welthunger-Index 2021 hungern weltweit etwa 811 Millionen Menschen und 41 Millionen leben am Rande einer Hungersnot. Besonders dramatisch ist die Lage in Somalia, Jemen, Afghanistan, Madagaskar und dem Südsudan. Der neue Welthunger-Index untersucht die Ernährungslage in 128 Ländern und bestätigt die deutlichen Rückschritte bei der Hungerbekämpfung. Seit 2006 wird der Index jährlich vom IFPRI, der Welthungerhilfe mit Sitz in Bonn sowie der irischen Organisation Concern Worldwide veröffentlicht. Der WHI ist umfassender angelegt ist als beispielsweise die Hunger-Definition der FAO; während diese den Hunger lediglich an der Kalorienaufnahme festmacht, setzt sich der WHI aus drei gleichwertigen Indikationen zusammen: Betrachtet wird der Anteil der unterernährten Menschen, der Anteil der unterernährten Kinder unter fünf Jahren und die Sterblichkeitsrate von unter Fünfjährigen.

Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt und die Menschenrechtsorganisation FIAN legen zum Welternährungstag das „Jahrbuch zum Recht auf Nahrung“ vor. Darin beleuchten sie die Ursachen von Umweltzerstörung, Hunger und Ausbeutung und stellen Handlungsalternativen vor. Das Jahrbuch 2020 ist am 15. Oktober 2020 erschienen. Es fordert eine grundsätzliche Umgestaltung der Art und Weise, wie Lebensmittel produziert, verteilt und konsumiert werden, aber auch, wie wir uns kollektiv gegen die Ausbeutung der Natur wehren. Notwendig sei eine viel engere Zusammenarbeit der Bewegungen für Klimagerechtigkeit, Ernährungssouveränität und Menschenrechte. Konkrete Forderungen, wie diese Umgestaltung aussehen kann, haben beide Organisation mit dem Papier „Welternährung 2030. 11 Schritte für eine Zukunft ohne Hunger“ vorgelegt.

Weltweit gehen nach einem im Oktober 2019 veröffentlichten Bericht der Vereinten Nationen (UN) 14 Prozent der Lebensmittel verloren, bevor sie überhaupt im Handel landen. Gründe für die Verluste seien falsche Erntezeit, klimatische Bedingungen, falsche Erntetechniken, schlechte Lagerung und schlechter Transport.

Eine Milliarde Menschen leiden unter sogenanntem verborgenem Hunger (hidden hunger). Sie wird zwar satt, nimmt aber mit dem Essen zu wenig Nährstoffe auf und ist daher wenig leistungsfähig und anfällig für Krankheiten. Diesen Menschen fehlen wichtige Nährstoffe wie Vitamin A, Jod und Eisen. Der Mangel an Vitaminen und Spurenelementen beeinträchtigt die geistige und körperliche Entwicklung vor allem bei Kindern.

Nach einer globalen Studie, an der 53 Forscher aus 15 Ländern mitgewirkt haben, könnte die Erwärmung des Klimas dazu führen, dass es künftig noch mehr Hunger in der Welt gibt: Denn jedes zusätzliche Grad Celsius verringert die Produktion von Weizen im Schnitt um sechs Prozent – weltweit wären das Ertragseinbußen in Höhe von jährlich 42 Millionen Tonnen Getreide. (Frankfurter Rundschau vom 14. Januar 2015)

Laut einer im Jahr 2017 in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlichten Studie einer Gruppe von Wissenschaftlern der Welternährungsorganisation FAO, der Universtäten Aberdeen, Klagenfurt und Zürich unter Federführung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), könnte Bio-Landbau alle Menschen satt machen. Selbst neun Milliarden Menschen (prognostiziert für 2050) könnten damit ernährt werden, ohne mehr Land für den Anbau zu brauchen – vorausgesetzt, dass weniger tierische Produkte gegessen, weniger Nahrungsmittel weggeworfen und in der Tierhaltung weniger Kraftfutter wie Getreide und Soja (und dafür mehr Gras) verfüttert würden.

„Nur 47 Prozent der Weltgetreideproduktion dienen als Nahrung. Rund ein Drittel des Getreides auf der Welt wird zu Tierfutter und etwa ein Sechstel zu Agrosprit verarbeitet, also an Autos verfüttert.“ (Frankfurter Rundschau vom 18. und 24. November 2014)

Über 40 Prozent der weltweiten Getreideproduktion dient als Viehfutter und steht somit nicht für die direkte menschliche Ernährung zur Verfügung. Über ein Drittel aller Feldfrüchte weltweit landet in den Mägen von Nutztieren – allein eine Milliarde Tonnen Soja und Mais jährlich. (Fleischatlas. Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel, 2021, S. 16) „Etwa 70 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche – Grasland als Weiden sowie Äcker für den Anbau von mehr Futter – werden für die Viehzucht genutzt. (…). Inzwischen werden rund 40 Prozent des Ackerlandes auf der Welt zur Futtermittelproduktion genutzt.“ (Ebd. S. 22)

Die sechs Pflanzen mit den größten Flächenzuwächsen der letzten 20 Jahre sind Mais, Palmöl, Soja, Zuckerrohr, Raps und Cassava. Ihre weltweite Anbaufläche ist seit dem Jahr 2000 um 51,1 Prozent oder 145 Millionen Hektar gewachsen. Sie alle dienen in erster Linie als Futtermittel, Energiepflanzen, für die Bioplastik-Produktion und andere industrielle Nutzungen. Die globale Ackerfläche von Mais ist von 137 Millionen Hektar auf 197 Millionen Hektar regelrecht explodiert. Mit einem Zuwachs von 60 Millionen Hektar – also der fünffachen Ackerfläche Deutschlands! – ist Mais weltweit am stärksten expandiert. Jedoch werden gerade einmal 15 Prozent der globalen Maisernte für die direkte Ernährung verwendet. Während also die Anbauflächen für Tierfutter, Biosprit oder Bioplastik stark gewachsen ist, stagnieren die Flächen für Grundnahrungsmittel. Die Entwicklung der letzten 20 Jahre zeigt letztendlich, dass die Ernährung der Hungernden nicht im Fokus der dominanten Agrarproduzenten – Staaten wie Konzernen – liegt.

Das Wertpapier-Geschäft mit Agrarrohstoffen steht zumindest im Verdacht, Preise für Nahrung zu treiben und Hunger zu verursachen. Deutsche Finanzinstitute hatten nach Berechnungen der Hilfsorganisation Oxfam 2012 rund elf Milliarden Euro in Spekulationsgeschäften mit Agrarrohstoffen stecken. 10,4 Milliarden Euro entfielen auf Allianz und Deutsche Bank, die mit der Verwaltung dieser Fonds 102 Millionen Euro verdienten.
Einer am 28. April 2017 veröffentlichten Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zufolge haben starke Preissteigerungen für Weizen in den vergangenen vier Jahrzehnten ihre Ursachen in Wetterextremen und in der Handelspolitik gehabt. Dagegen hätten sich weder Spekulationen auf den Rohstoffmärkten noch die Nutzung von Landflächen für die Produktion von Biosprit entscheidend auf Weizenpreise ausgewirkt.

Der Schlüssel im Kampf gegen Hunger und Mangelernährung liegt in der ländlichen Entwicklung. Rund 80 Prozent der weltweiten Nahrungsmittel werden von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen produziert. Paradoxerweise sind aber auch die Hälfte der weltweit Hungernden Kleinbauern und Kleinbäuerinnen – vor allem, weil sie seit Jahrzehnten von Regierungen weltweit vernachlässigt wurden. Die Kleinbauernfamilien könnten sich selbst ausreichend ernähren, wenn sie das notwendige Wissen, eine intakte Infrastruktur und faire Handelsbedingungen hätten. Sie könnten sogar die städtische Bevölkerung mit gesunden Produkten aus der Region versorgen.
Eine ökologische Landwirtschaft, die auf dem Erhalt der Böden, der Artenvielfalt, dem eigenen Saatgut, alten Kulturpflanzen und auf sozialem Zusammenhalt basiert, kann die Welt nachhaltig mit gesunden Nahrungsmitteln versorgen.

Literatur:

  • Handbuch Welternährung, Bonn 2011, Bundeszentrale für politische Bildung, Bestellnummer: 1153
  • Jean Feyder: Mordshunger. Wer profitiert vom Elend der armen Länder?, Verlag Westend, Frankfurt 2010
  • Welternährung. Global denken – lokal säen. Politische Ökologie Nr. 128, Oekom Verlag, März 2012
  • Jean Ziegler [ehemaliger UN-Sonderbeauftragter für das Recht auf Nahrung], Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt. C. Bertelsmann Verlag 2012
  • Harald Schumacher, Die Hungermacher. Fischer-Verlag, 2013
  • Martín Caparrós, Der Hunger. »Wie zum Teufel können wir weiterleben, obwohl wir wissen, dass diese Dinge geschehen?« Aus dem Spanischen von Sabine Giersberg und Hanna Grzimek, Suhrkamp Verlag, Berlin 2015
  • Felix zu Löwenstein, Es ist genug da. Für alle. Wenn wir den Hunger bekämpfen, nicht die Natur, Verlagsgruppe Droemer Knaur, München 2015
  • Manfred Heuser, Zeitbombe Welthunger. Massengräber, Exodus oder Marshallplan, Tectum Verlag, Baden-Baden 2017
  • Vandana Shiva, Wer ernährt die Welt wirklich? Das Versagen der Agrarindustrie und die notwendige Wende zur Agrarökologie, Neue Erde Verlag, Saarbrücken 2021
  • ARMUT MACHT HUNGER. Fakten zur globalen Ernährung 2021, Heinrich-Böll-Stiftung

Film:

  • Valentin Thurn, 10 Milliarden – wie werden wir alle satt? (2015)

 

ENGAGEMENT

 

  • Am 24. November 1961 wird das Welternährungsprogramm (World Food Programme, WFP) der Vereinten Nationen mit Sitz in Rom gegründet, die größte humanitäre Organisation der Welt und für die weltweite UN-Nahrungsmittelhilfe zuständig.
  • Die 158 Staaten, die den Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte von 1966 ratifiziert haben, sind zur Beachtung des Rechts auf Nahrung verpflichtet. Es verpflichtet sie, keine Maßnahmen zu ergreifen, die zu Hunger führen, und ihre eigene Politik und ihre Haushaltsmittel auf die besonders Betroffenen zu konzentrieren.
  • Erstes Ziel der am 25. September 2015 beschlossenen UN-Agenda für eine nachhaltige Entwicklung ist es, dass bis zum Jahr 2030 niemand auf der Welt mehr hungern muss. Außerdem soll die Qualität der Ernährung verbessert, der Zugang zu Nahrungsmitteln gesichert und eine nachhaltige Landwirtschaft gefördert werden.
  • Mit großer Mehrheit hat der 3. Ausschuss der UN-Vollversammlung am 19.November 2018 die Erklärung über die „Rechte von Kleinbauern und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten“, angenommen. Bei der Abstimmung in New York votierten 119 Staaten dafür, sieben Länder dagegen, 49 Nationen enthielten sich – darunter auch Deutschland und weite Teile der EU. Die Deklaration muss nun noch formal im Plenum der Vollversammlung ratifiziert werden.
  • Am 22. November 2004 haben alle 187 Mitgliedsstaaten der Welternährungsorganisation (FAO) die „Freiwilligen Leitlinien zur Umsetzung des Rechts auf Nahrung“ verabschiedet und sich damit zur Orientierung an den Grundprinzipien dieses Rechts bekannt.
  • Da Bäuerinnen und Bauern und andere Menschen, die auf dem Lande leben und arbeiten wie Fischer, Hirten oder Landarbeiter den größten Teil der weltweiten Nahrungsmittel erzeugen, gleichwohl unter Armut, Hunger, Ausgrenzung und kultureller Verachtung leiden, richtete der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen eine zwischenstaatliche Arbeitsgruppe ein, um eine Erklärung zu ihrem Schutz vorzubereiten. La Via Campesina, das weltweite Netzwerk von Bäuerinnen und Bauern, ist federführend daran beteiligt. Im Mai 2017 wird nach mehrjähriger Arbeit die letzte Verhandlungsrunde tagen. Im März 2017 fand in Schwäbisch Hall der erste „Global Peasants‘ Right Congress“ mit 400 Teilnehmern aus 50 Ländern statt, um die Situation und die Forderungen internationaler Kleinbäuerinnen und Kleinbauern verstärkt sichtbar zu machen und den Prozess voranzubringen.
  • Wenn weltweit ein Viertel weniger Nahrungsmittel verdürben oder im Abfall landeten, könnten die 870 Millionen hungernden Menschen ausreichend ernährt werden. Mit dieser Erkenntnis hat die Welternährungsorganisation (FAO) im August 2013 in Bangkok eine Initiative gegen den Hunger gestartet.
  • Die Weltbank will dafür sorgen, dass der Anteil der extremen Armen in der Welt bis 2030 auf unter drei Prozent sinkt. Das kündigte Weltbankpräsident Jim Yong Kim im März 2013 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an. Zurzeit liegt der Anteil der Menschen, die mit weniger als 1,25 US-Dollar am Tag auskommen müssen, bei rund 20 Prozent. Kim kündigte an, die Weltbank wolle ihre Arbeit auf den Prüfstand stellen und sich Jahr für Jahr an der Zielvorgabe messen lassen.
  • Welthungerhilfe, größte Nichtregierungsorganisation Europas; traditionell veranstaltet sie rund um den Welternährungstag eine „Woche der Welthungerhilfe“.
  • Brot für die Welt.
  • Misereor.
  • Food First Informations- und Aktions-Netzwerk (Fian) setzt sich dafür ein, dass Menschen frei von Hunger leben und sich ausreichend ernähren können; Motto: „Mit Menschenrechten gegen den Hunger“.
  • INKOTA-netzwerk e.V.
  • Oxfam Deutschland, die Welthungerhilfe, Misereor, Attac, Campact, WEED und das Südwind-Institut fordern die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, die Nahrungsmittelspekulation zu stoppen. Daraus resultieren bereits die erste Erfolge: So sind in Deutschland bislang die Commerzbank, mehrere Landesbanken sowie die Deka Bank der Sparkassen und die DZ Bank aus der Agrar-Spekulation ausgestiegen, nicht jedoch die Allianz und die Deutsche Bank; im Oktober 2013 teilte Oxfam mit, dass jetzt auch die BayernLB auf Nahrungsmittelspekulation verzichten will, das letzte öffentliche Finanzinstitut in Deutschland, das solche Fonds anbot. Im Februar 2017 lehnte eine Mehrheit von Christdemokraten, Liberalen und Rechtskonservativen im EU-Parlament strengere Regeln für Nahrungsmittelspekulationen ab. Sozialdemokraten, Grüne und Linke hatten einen Antrag auf Beschränkungen eingebracht. Doch die absolute Mehrheit, die nötig gewesen wäre, um den Vorschlag der EU-Kommission ändern zu lassen, wurde verfehlt. Oxfam kritisierte die Entscheidung scharf.
  • Germanwatch.
  • Das 1975 gegründete Internationale Forschungsinstitut für Agrar- und Ernährungspolitik (IFPRI) entwickelt Lösungsansätze, um in Entwicklungsländern die Ernährung der Menschen zu verbessern.
  • Anlässlich des Welternährungstages erscheint jährlich das Jahrbuch zum Recht auf Nahrung (Right to Food and Nutrition Watch), der das Handeln stattlicher Akteure im Zusammenhang mit dem Recht auf Nahrung und Ernährung überprüft. Herausgeber sind das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt, die Menschenrechtsorganisation Fian International und die Interchurch Organization for Development Cooperation in den Niederlanden – gemeinsam mit weiteren zwölf zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Die Ökumenische Initiative Reich Gottes – jetzt! erinnert an die Botschaft Jesu von der Gegenwart des Reiches Gottes, von der Heiligkeit der Welt, in die wir eingebunden sind. Diese Weltverbundenheit befreit unmittelbar zu einem Lebensstil der Einfachheit, des Genug, des „Soviel du brauchst“.


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