18. Kalenderwoche (27. April – 3. Mai 2020)

1. Mai: Tag der Arbeit
7. Oktober: Welttag für menschenwürdige Arbeit

 

Arbeitslosigkeit, schlechte Arbeit

 

Die Industrie, Geschäfts- und Bankenwelt
Das System hat seine eignen Regeln
Ein Block für sich mit Übermacht
Es gilt: Der Mensch ist für die Wirtschaft da

Dafür geeignet ist er nicht so sehr
Leib-haftig, Organismus noch
Auch Müdigkeit und Schwäche
Sie konnten nicht beseitigt werden

Die zwei Welten harmonieren nicht
Dumpinglohn und Leistungsdruck
Für Rechner und Maschinen: ja
Für Kreislauf, Atem, Leben: nein

Mit Kopf und Hand gestalten
Der Antrieb kommt von innen
Sein Selbst zum Ausdruck bringen
Das könnte Leben sein

Hans Bischlager

(jetzt veröffentlicht in: Hans Bischlager, Entschieden wird im Untergrund. Politische Gedichte, Verlag tredition GmbH, Hamburg 2017, Seite 45)

 

„Und Jahwe Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“ (1. Mose 2,15)

„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht worden, und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“ (Markus 2,27)

„Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erbauung gesetzlich geschützt.“ (Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland)

1. Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.
2. Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
3. Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.
4. Jeder hat das Recht, zum Schutze seiner Interessen Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten.
(Artikel 23 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948)

„Der arbeitende Mensch führt das historische Projekt der Menschheit aus. Theologisch gesprochen ist der Arbeiter das lebendige Symbol für den unablässig weitergehenden Prozess der Schöpfung. Entfremdung durch entfremdete Arbeit ist deshalb ein Angriff auf die Schöpfung selbst; Entfremdung verneint die Bestimmung des Menschen. Einem Menschen die Möglichkeit zu lebensnotwendiger und erfüllter Arbeit zu nehmen heißt, ihm seine Gottesebenbildlichkeit zu bestreiten. Menschen, denen man keine menschenwürdige Arbeit gibt, behandelt man als austauschbare Schräubchen im Räderwerk des Produktionsprozesses, die es nicht verdienen, am Schöpfungsprozess, der in Arbeit, Praxis und Selbstbetätigung zur Entfaltung kommt, Anteil zu haben. Wenn wir aus der Praxis der Selbstverwirklichung, die wir ‚Arbeit‘ nennen, und der Hingabe, die wir ‚Liebe‘ nennen, eine Ware machen, so trennen wir uns vom Ursprung des Lebens.“ (Dorothee Sölle, lieben und arbeiten. Eine Theologie der Schöpfung, Kreuz Verlag, Stuttgart 1985, 2. Auflage, S. 95)

Für das afrikanische Bewusstsein wird man gerade, indem man Gutes tut, zum vollwertigen Menschen. Durch das Wirken für andere erlangst du eine Seele. Je selbstischer, je selbstbezogener du bist, desto weniger bist du dir deiner Gemeinschaft bewusst, desto toter ist deine Seele. Dies kommt im Wortschatz einer der Eingeborenensprachen Südafrikas zum Ausdruck. Im Setswana gibt es zwei Wörter für „Arbeit“: Das eine lautet bereka, das sich von werk aus dem Afrikaans herleitet. Es heißt soviel wie „möglichst wenig Arbeit für möglichst viel Geld“. Das Wort dira hingegen ist ein vorkolonialer Begriff, der sich auf Arbeit bezieht, von der alle profitieren, Arbeiten, die die Gemeinschaft und ihre Ganzheit ernähren und stützen – zum Beispiel pflanzen, ernten, kochen, säen. (Antjie Krog, Afrikas Menschlichkeit. „Ich spreche und halte dein Herz, damit du verstehst, was ich dir sage“, in: Lettre International 83/2008, 122-125. 124)

„…jede konkrete konvivialistische Politik muss notwendig Folgendes berücksichtigen: (…) Die zwingende Pflicht, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen und jedem Einzelnen eine anerkannte Funktion und Rolle in gemeinschaftsdienlichen Tätigkeiten zu bieten.“ (Les Convivialistes, Das konvivialistische Manifest. Für eine neue Kunst des Zusammenlebens, Bielefeld 2014, 74ff.)

„Meine Arbeit wäre“ – im Kommunismus – freie Lebensäußerung, daher Genuß des Lebens. Unter der Voraussetzung des Privateigentums ist sie Lebensentäußrung, denn ich arbeite, um zu leben, um mir ein Mittel des Lebens zu verschaffen.“ (Karl Marx, MEW 40, 463)

Wir werden beweisen, […] dass Überlegenheit der Talente und des Fleißes nur ein Märchen, ein blendender Betrug ist, der zu allen Zeiten den Komplotten der Verschwörer gegen die Gleichheit einen Schein von Rechtfertigung verschafft hat.
Dass die Unterschiede des Wertes und des Verdienstes am Produkt der Arbeit der Menschen nur auf der Ansicht beruhen, die einige von ihnen darüber gehegt und zum Sieg verholfen haben. Dass zweifellos zu Unrecht auf Grund dieser Ansicht der Arbeitstag dessen, der eine Uhr macht, zwanzigmal höher geschätzt wird als der Arbeitstag dessen, der Furchen zieht.
Dass jedoch nur dank dieser falschen Schätzung der Verdienst des Uhrmachers diesen befähigt, das Erbteil von zwanzig Arbeitern an der Pflugschar zu erwerben, die er auf derartige Weise enteignet hat. Dass alle Proletarier nur zu solchen geworden sind infolge des gleichen Schwindels in der Anwendung von Vergleichsmaßstäben, die alle ausschließlich auf dem Unterschied des Wertes beruhen, der den Sachen bloß auf Geheiß jener Ansicht beigemessen wird. Dass es widersinnig und ungerecht ist, eine größere Belohnung für denjenigen zu verlangen, dessen Arbeit einen höheren Grad von Intelligenz, mehr Fleiß und geistige Anstrengung erfordert; dass diese keineswegs die Kapazität seines Magens vergrößern.
Dass kein Grund angeführt werden kann zur Rechtfertigung einer Belohnung, welche die Befriedigung des individuellen Bedarfs übersteigt.
Dass der Wert der Intelligenz ebenfalls nur eine Sache der persönlichen Ansicht und dass es vielleicht noch zu untersuchen ist, ob der Wert der natürlichen, rein physischen Kraft ihm nicht ganz gleichkommt. Dass es die Intelligenten gewesen sind, welche den Schöpfungen ihrer Gehirntätigkeit einen so hohen Preis gegeben haben und dass, wenn es die Starken gewesen wären, die ihrerseits die Dinge geregelt, sie ohne Zweifel festgestellt hätten, dass das Verdienst der Arme dem des Kopfes gleichkommt und dass die Anstrengungen des ganzen Körpers wohl die des einen wiederkäuenden Teiles aufwiegen.
Dass, wenn man diese Ausgleichung nicht annimmt, man den mehr intelligenten und betriebsamen Menschen eine Wuchervollmacht ausstellt, einen Rechtstitel zur straflosen Beraubung derjenigen, die es weniger sind.
(Aus dem von Gracchus Babeuf verfassten „Manifest der Plebejer“ vom 30. November 1795, einem Aufruf, der in Babeufs Zeitschrift
Der Volkstribun Nr. 35 erschien. Er wurde dort als „Abriss des großen Manifests, das verkündet werden soll, um die tatsächliche Gleichheit wieder einzuführen“, bezeichnet.)

Wie anders wäre es auf Erden, wenn alle Berufe als schätzenswert betrachtet würden! Es könnte sich jeder als unentbehrlich fühlen, jeder dürfte seine Arbeit in ehrlicher Begeisterung und in stolzer Kompetenz ausüben, und die Vernetzung zwischen den Berufen und Kompetenzen wäre lebendig, weil jeder seine für die Gesellschaft wichtige Rolle spielte, seinen nützlichen Platz im Ganzen hätte, ohne sich als weniger wichtig und erfolgreich zu betrachten, weil er Müllarbeiter ist und nicht Architekt. (Erwin Wagenhofer, Sabine Kriechbaum, André Stern, Alphabet. Angst oder Liebe, Ecowin Verlag, Salzburg 2013, S. 117)

Den Text der Beispielerzählung Jesu von den Arbeitern im Weinberg sowie Erläuterungen dazu finden Sie hier.

„Mein Beruf ist, Wundern auf die Welt zu helfen.“ (Beruf: Hebamme)
„Mein Beruf ist, die Begabung statt die Behinderung zu sehen.“ (Beruf: Arbeit mit behinderten Menschen)
„Mein Beruf ist, die Würde des Menschen zu pflegen.“ (Beruf: Altenpflege)
Quelle: LebensWert Arbeit. Kunstausstellung zum Spannungsfeld von Arbeitsleben und Menschenwürde. 5. Mai bis 21. Oktober 2018, Museum am Dom, Trier 2018, Katalog S. 66)

Stellen wir uns eine Welt vor, in der überall die gleichen Arbeits- und Menschenrechte verbindlich gelten. Derart verbindlich, dass ihre Einhaltung in jedem Land und auch länderübergreifend vor Gerichten eingeklagt werden kann. Mit einem intentionalen Gerichtshof für Menschenrechte, der ein robustes Mandat hat, die Einhaltung der Menschen- und Arbeitsreche wirksam zu überwachen. Stellen wir uns weiter vor, dass dieser gesetzlich verankerte Katalog von Menschen- und Arbeitsrechten Vorrang vor Investitionsschutz und sonstigen „Bedürfnissen“ ökonomischer Organisationsformen hat.
Arbeiten für Hungerlöhne und unter menschenunwürdigen Bedingungen, ausbeuterische Arbeitsbedingungen, die zu veritablen Katastrophen führen, Zerstörung von Lebensräumen aus reiner Profitgier, von der Märkte Gnaden geduldete – oder gewünschte? – korrupte diktatorische Regierungen, verzweifelte Versuche, Unternehmen über Einsicht und Konsumdruck und die Hoffnung auf Einsicht zu einem verantwortungsvolleren Verhalten entlang ihrer Produktionsabläufe und Lieferketten zu bewegen: Das alles hätte ein Ende und wäre nicht mehr notwendig, weil es eine weltumspannende gesetzliche Regelung gäbe. (Mit diesen Worten umreißt Thomas Nagel in seinem Artikel „Ein grosser Wurf am Scheideweg“ in der Zeitschrift EineWelt 2/2019, S.30–33, das Ziel des derzeit verhandelten UN-Abkommens für Wirtschaft und Menschenrechte [siehe unten unter „Engagement“])

 

INFORMATIONEN

 

In ihrem jüngsten Bericht vom 20. Januar 2020 zählt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) für das Jahr 2019 weltweit 188 Millionen Erwerbslose.

Nach den Daten des europäischen Statistikamtes Eurostat waren im September 2019 EU-weit insgesamt 15,6 Millionen Menschen erwerbslos. Der EU-Durchschnitt lag bei 6,3 Prozent. Aktuelle Daten zur Arbeitslosigkeit in den EU-Ländern finden Sie hier.

Aktuelle Daten zur offiziell gemeldeten Arbeitslosigkeit und zur Unterbeschäftigung in Deutschland finden Sie hier. Unter dem Begriff Unterbeschäftigung werden – anders als bei der offiziellen Arbeitslosenzahl – die offiziell Arbeitslosen sowie Gruppen von Menschen zusammengefasst, die im Grunde arbeitslos sind und auch Arbeitslosengeld erhalten, im Augenblick aber krankgemeldet sind, gegenwärtig eine Fortbildung absolvieren, über 58 Jahre alt und schwer vermittelbar sind, ferner Ein-Euro-Jobber, die bei kommunalen Einrichtungen tätig sind, um ihr Arbeitslosengeld aufzustocken.
„Zählt man dazu noch die Unterbeschäftigten, die gerne Vollzeit arbeiten würden, und die, die es wegen Aussichtslosigkeit aufgegeben haben, noch nach Arbeit zu suchen, die stille Reserve, dann sind es rund 7,5 Millionen Arbeitslose in Deutschland. Und die Arbeitslosenquote liegt nicht bei 5,7, sondern realiter bei gut 15 Prozent.“ (Heinz-J. Bontrup, Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Westfälischen Hochschule, in: Frankfurter Rundschau vom 9. Januar 2018)
Nachdem die Zahl der Langzeitarbeitslosen, also der Menschen, die ein Jahr oder länger ohne Arbeit sind, von 2009 bis 2015 beinahe konstant bei knapp über einer Million verharrt hatte, waren es im Jahr 2017 im Jahresdurchschnitt 900.700. Etwa 600.000 Menschen sind bereits länger als sechs Jahre auf Hartz IV angewiesen (Stand Juli 2018). Im September 2018 galten 789.000 Menschen als langzeitarbeitslos und somit erstmals weniger als 800.000 Menschen.

Schwerbehinderte in Deutschland unverändert häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als Menschen ohne Behinderung, heißt es in einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes ( DGB), die zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember 2018 erscheint. Demnach lag die Arbeitslosigkeit bei Schwerbehinderten im Jahr 2017 bei 11,7 Prozent, im Schnitt der Bevölkerung dagegen bei 7,2 Prozent. „Der Abstand zwischen beiden Gruppen ist seit 2009 gewachsen“, heißt es weiter. „2009 betrug er 4,1 Prozentpunkte, 2017 4,5 Prozentpunkte.“ Den Angaben zufolge ist die Zahl der schwerbehinderten Arbeitslosen zuletzt „nur leicht“ gesunken. Laut Studie lag sie 2009 bei 168.096, 2017 bei 162.373.

In Deutschland gilt als arbeitsfähig, wer wenigstens drei Stunden am Tag arbeiten kann.

Wie das Statistische Bundesamt am 21. Oktober 2020 mittteilte, arbeitete im Frühjahr 2018 gut jede und jeder fünfte abhängig Beschäftigte (21 Prozent) in Deutschland im Niedriglohnsektor. Damit wurden rund acht Millionen Jobs unterhalb der Niedriglohnschwelle (11,05 Euro brutto je Stunde) entlohnt.

Einer am 24. Juni 2019 veröffentlichten Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge verharrt die Zahl der atypischen Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland weiterhin auf hohem Niveau und betraf im Jahr 2017 noch immer gut ein Fünftel aller Arbeitnehmer. Im Jahr 2018 waren laut einer Mitteilung des Statistischen Bundeamtes vom 28. August 2019 7.509.000 Menschen atypisch beschäftigt, das sind 20,1 Prozent aller Beschäftigten.

Die Zahl der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter in Deutschland ist im Zeitraum von 2007 bis 2017 um 43 Prozent gestiegen. Wie aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, waren Ende 2017 1.031.589 Menschen in dieser Beschäftigungsform tätig. Das waren 39.000 mehr als Ende 2016 und ein neuer Höchststand. Ende 2007 hatte die Zahl der Leiharbeiter bei 721.345 gelegen.

Überlange Arbeitszeiten: In Deutschland arbeiteten im Jahr 2015 abhängig Vollzeitbeschäftigte durchschnittlich 43,5 Stunden pro Woche, also knapp fünf Stunden mehr als vertraglich vereinbart. Das geht aus dem ersten Arbeitszeitreport hervor, den die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), eine Ressortforschungseinrichtung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, 2016 vorgelegt hat.

Nach dem Bericht „Qualität der Arbeit 2015“ des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat sich der Anteil der Menschen, die regelmäßig zwischen 18 und 23 Uhr einer Berufstätigkeit nachgehen, von 1992 bis 2014 von 14,9 auf 25,7 Prozent annähernd verdoppelt. Die Erwerbstätigkeit an Samstagen nahm im gleichen Zeitraum um fast ein Drittel auf nunmehr 26 Prozent zu. Sonntagsarbeit ist für 14 Prozent gang und gäbe, 1992 traf dies auf erst zehn Prozent zu. Nachtarbeit stieg dagegen vergleichsweise „nur“ um ein Fünftel auf 8,6 Prozent im Jahr 2014 an. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) arbeiteten 2016 in Deutschland rund sieben Prozent der Beschäftigten in Wechselschicht mit Nachtarbeit oder dauerhaft nachts. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) bestätigte im Jahr 2019 auf Basis neuer Studien ihre Einschätzung aus dem Jahr 2007, dass Nachtarbeit wahrscheinlich krebserregend ist. Grund ist wahrscheinlich ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus.

Knapp jeder Sechste arbeitet 2016 im Schichtdienst: Binnen 20 Jahren ist die Zahl der Schichtarbeiter von 3,8 auf 5,6 Millionen gestiegen. Aus einer im November 2013 veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht hervor, dass sich die Zahl der über 50-jährigen Schichtarbeiter im vergangenen Jahrzehnt auf rund 1,3 Millionen mehr als verdoppelt hat. Dies berge vielfältige Gefahren für die Gesundheit.
Insbesondere Arbeitsbedingungen, die in den Tag- und-Nacht-Rhythmus eingreifen oder körperlich belastend sind, können das Selbstmordrisiko um fast das Dreifache erhöhen; das haben Forscher des Helmholtz-Zentrums München und der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Klinikums rechts der Isar herausgefunden. Die Wissenschaftler hatten für ihre Studie, die am August 2014 veröffentlicht worden ist, auf die Daten von 7000 Menschen zurückgegriffen. In der Vergangenheit hatten Studien bereits gezeigt, dass ungünstige Arbeitsbedingungen das Entstehen von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen fördern können. Der Zusammenhang mit dem Suizidrisiko war indes nicht bekannt. Laut einer im US-Fachmagazin „Occupational and Environmental Medicine“ im Jahr 2014 veröffentlichten Studie verringert jahrelange Schicht- und Nachtarbeit auch die Gedächtnisleistung. Bei Menschen, die mehr als zehn Jahre unregelmäßigen Arbeitszeiten ausgesetzt waren, nähmen die kognitiven Fähigkeiten deutlich schneller ab als bei anderen Berufstätigen.

Vor allem männliche Erwerbstätige leiden auffallend häufig unter psychischen Erkrankungen, wenn sie einer atypischen Beschäftigung nachgehen. Den Zusammenhang zwischen seelischer Belastung und der Art des Beschäftigungsverhältnisses belegt die Techniker Krankenkasse in ihrem Gesundheitsreport 2013, für den Daten von 3,9 Millionen Mitgliedern ausgewertet wurden.

Fast jeder zweite Arbeitnehmer leidet stark unter Zeit- und Termindruck am Arbeitsplatz. Viele Arbeitnehmer klagen über starke Erschöpfungszustände, psychische Erkrankungen haben seit dem Jahr 1998 um achtzig Prozent zugenommen. Solche Symptome finden sich beileibe nicht nur in prekären Beschäftigungsverhältnissen, sondern sind fast selbst schon zum »Normalarbeitsverhältnis« geworden. (Publik-Forum Nr. 5/2013)

Deutschland hat einen stark fragmentierten Arbeitsmarkt: Während die einen Arbeitnehmer gut verdienen und finanziell bestens abgesichert sind, leben andere mit Hungerlöhnen und Unsicherheit.

Unterschiedliche Quoten für die Erwerbslosigkeit: Die Arbeitslosenzahlen werden unterschiedlich erhoben. Während nach der ILO-Definition arbeitslos nur ist, wer gänzlich ohne Arbeit war, erfasst die Arbeitsmarktstatistik nach dem deutschen Sozialgesetzbuch (SGB) auch Personen als arbeitslos, die nur eine geringfügige Beschäftigung ausüben. Die ILO-Erwerbsstatistik verfolgt somit einen eher ökonomischen Ansatz, die deutsche Statistik nimmt hingegen eine stärker sozialpolitische Perspektive ein.

Wie aus einer am 9. Oktober 2020 veröffentlichten Erhebung des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, fühlten sich im Jahr 2019 in Deutschland knapp 4,4 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 74 Jahren unterbeschäftigt. Sie wünschten sich eine Arbeit oder eine Erhöhung ihrer Arbeitszeit.

Asylsuchende und Geduldete dürfen in Deutschland in den ersten drei Monaten gar nicht arbeiten. Frühestens drei Monate, nachdem ein Flüchtling in Deutschland Asyl beantragt hat – er verfügt dann bereits über eine sogenannte Aufenthaltsgestattung – kann die jeweilige Ausländerbehörde eine Beschäftigungsaufnahme erlauben. Die Bundesagentur für Arbeit muss allerdings zustimmen. Vorrang haben dabei stets Deutsche oder andere EU-Bürger. Erst nach 15 Monaten gilt diese Einschränkung nicht mehr.

Literatur:

  • Joachim Bauer, Arbeit. Warum sie uns glücklich oder krank macht, Heyne Verlag, München 2015

Weltweit sterben nach Zahlen der ILO jedes Jahr 2,3 Millionen Menschen durch arbeitsbedingte Krankheiten und Arbeitsunfälle. Hinzu kommen Tag für Tag rund 860.000 Verletzungen durch Arbeitsunfälle. „Viele Menschen haben nur die Wahl zwischen Armut und lebensgefährlicher Arbeit“, sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder in Frankfurt. In Deutschland ist es im Jahr 2019 zu 455 tödlichen Unfällen bei der Arbeit gekommen. Dies geht aus einem Bericht der Bundesregierung über den Stand von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit hervor. Insgesamt gab es 949.309 meldepflichtige Arbeitsunfälle.

666.000 Menschen sterben weltweit an berufsbedingten Krebserkrankungen. Das entspricht einem Todesfall alle 47 Sekunden. Die Unsichtbarkeit der Karzinogene, die lange Latenzzeit bis zum Auftreten von Folgeerscheinungen und mangelnde Aufklärung führten noch immer zu solch erschütternd hohen Zahlen von vermeidbaren Todesfällen und Neuerkrankungen, mahnt die Institution of Occupational Safety and Health (IOSH). Sie hat nun die Kampagne No Time to Lose (Keine Zeit zu verlieren) gestartet und fordert die Zusammenarbeit von Politik und Arbeitgebern, „um den berufsbedingten Krebs zu besiegen“. (Frankfurter Rundschau vom 4.11.2014)

Global gesehen ist der zuvor deutliche Abbau der prekären Arbeitsverhältnisse bereits seit dem Jahr 2012 zum Stillstand gekommen. Es werden nicht genügend hochwertige Arbeitsplätze geschaffen, obwohl die Wirtschaft wächst. Dabei befinden sich noch immer 42 Prozent aller Arbeiter (1,4 Milliarden) in prekärer Beschäftigung, mehr als 300 Millionen Beschäftigte in Schwellen- und Entwicklungsländern in extremer Armut, und die Bekämpfung dieser Armut macht laut ILO kaum noch Fortschritte.

Oxfams Supermarkt-Check analysiert und bewertet die Geschäftspolitik von 16 Supermärkten in Deutschland, Großbritannien, den USA und den Niederlanden in Bezug auf ihren Umgang mit Menschenrechten. Dabei werden die Themen Transparenz, Arbeitnehmerrechte, der Umgang mit Kleinbäuer*innen und Frauenrechte unter die Lupe genommen. Das Ergebnis des Supermarkt-Checks 2020: Lidl, Rewe und Aldi haben sich zwar verbessert, doch noch immer erreicht kein deutscher Supermarkt mehr als ein Drittel der möglichen Punkte. Die Folgen: Die Menschen, die für unsere vollen Einkaufsregale sorgen, erhalten selbst Hungerlöhne, die nicht zum Leben reichen.

Der Mindestlohn im Textilbereich in Bangladesch ist mehrfach erhöht worden. Heute (2019) liegt er bei umgerechnet 84 Euro im Monat; vor fünf Jahren waren es noch 47 Euro.
Kambodscha hat den Mindestlohn für Textilbeschäftigte zwischen 2014 und 2019 von 60 auf mittlerweile 182 Dollar angehoben, doch kann von einem existenzsichernden Einkommen deshalb noch lange nicht die Rede sein.
In Pakistan, Indien, Sri Lanka und Vietnam liegen die Mindestlöhne in der Textilbranche zwischen 53 und 60 Euro im Monat (2017). Dem im Juni 2019 von der der Christlichen Initiative Romero (CIR) veröffentlichten Dossier „Fast Fashion. Eine Bilanz in drei Teilen“ zufolge erhalten manche der Textilarbeiterinnen und -arbeiter in Sri Lanka nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn von umgerechnet 79 Euro, obwohl selbst der nicht zum Leben reichen würde: Laut der Asia Floor Wage Alliance müsste ein existenzsichernder Lohn in Sri Lanka 296 Euro betragen. Mit umgerechnet 128 Euro im Schnitt verdienen die Arbeiterinnen und Arbeiter weniger als die Hälfte.
Weil die Löhne in asiatischen Ländern steigen, wandert die Textilindustrie nach Afrika. In Äthiopien bekommt eine einfache Näherin etwa einen Euro am Tag.

Der gesetzliche Mindestlohn in den Maquilas (Bekleidungsfabriken, die halbfertige Ware für die Exportindustrie produzieren) in Mittelamerika deckt nicht einmal den Grundbedarf einer Durchschnittsfamilie: Honduras: 272 US-Dollar (31 %), Guatemala: 331 US-Dollar (42 %), El Salvador: 211 US-Dollar (38 %), Nicaragua: 157 US-Dollar (35 %); Quelle: presente. Bulletin der christlichen Initiative Romero 4/2016.
Myanmars Regierung führt erstmals einen Mindestlohn ein. Alle Arbeiter in dem südostasiatischen Land sollen ab 1. September 2015 mindestens 3600 Kyat (2,50 Euro) „für einen normalen Acht-Stunden-Tag“ erhalten, wie die Staatszeitung “Global New Light of Myanmar“ am 29.8.2015 meldete. Der Mindestlohn gilt demnach in allen Branchen. Ausnahmen gibt es lediglich für Betriebe mit weniger als 15 Angestellten. Zuletzt hatte es in Myanmar vermehrt Proteste für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen gegeben. Vor allem Arbeiter der wachsenden Textilindustrie gingen auf die Straße. Im Frühjahr 2017 protestierten zahlreiche Angestellte der Textilproduktion gegen die niedrigen Löhne: Statt 3600 Kyat sollen künftig 5600 Kyat (etwa 3,86 Euro) gezahlt werden.

Die Christliche Initiative Romero (CIR) zieht in dem im Juni 2019 erschienenen Dossier „Fast Fashion. Eine Bilanz in drei Teilen“ eine ausführliche Bilanz über die ökologischen und sozialen Folgen der Fast-Fashion-Industrie und beleuchtet besonders die Verantwortung der Marken.

In dem am 7. Dezember 2018 veröffentlichten Toys Report 2018 enthüllen die investigative Recherche der Arbeitsrechtsorganisationen China Labor Watch (CLW) und die Christliche Initiative Romero (CIR) erneut menschenunwürdige Bedingungen in der chinesischen Spielzeugindustrie. Die von Uwe Kleinert von der Werkstatt Ökonomie erstellte Studie CSR-Maßnahmen deutscher Spielzeugunternehmen vom Oktober 2018 gibt einen Überblick über die CSR-Maßnahmen deutscher Spielzeugfirmen, insbesondere sofern sie in China produzieren (lassen); CSR steht für Corporate Social Responsibility (Soziale Unternehmensverantwortung).

Unter dem Titel „Eiskönigin im Sweatshop“ wurde am 20. November 2019 der Toys Report 2019 zu den Arbeitsbedingungen in der chinesischen Spielzeugindustrie veröffentlicht. Verdeckte Ermittler*innen der Arbeitsrechtsorganisation China Labor Watch haben im Auftrag der Christlichen Initiative Romero (CIR) als Fließband-Arbeiter*innen in chinesischen Spielzeugfabriken gravierende Arbeitsrechtsverletzungen festgestellt. Zu den Auftraggebern der fünf in gefährlichen Einsätzen untersuchten Fabriken gehören die internationalen Konzerne Disney, Hasbro, Mattel und Lego.

Nach Angaben der Allianz für einen asiatischen Grundlohn (AFWA) werden derzeit 285 Euro im Monat zur Existenzsicherung eines Arbeiters bzw. einer Arbeiterin plus Familie berechnet (Quelle: presente. Bulletin der Christlichen Initiative Romero 1/2015).

Laut Südwind-Institut leben rund fünf Millionen Produzenten weltweit vom Kakaoanbau, die meisten in Westafrika. Das Cocoa Barometer 2015 beziffert das Einkommen aus Kakao pro Kopf und Tag in der Elfenbeinküste auf 0,50 US-Dollar und in Ghana auf 0,84 US-Dollar. Laut Weltbank liegt die Armutsgrenze bei 1,90 US-Dollar. Das Haushaltseinkommen eines ivorischen Kakaofarmers liegt bei durchschnittlich 2707 US-Dollar im Jahr. Um die Grundbedürfnisse einer Familie – etwa Bildung, Essen, Kleidung, öffentliche Transportmittel, ärztliche Versorgung – befriedigen zu können, wären eigentlich 7318 US-Dollar notwendig, so Fairtrade International.

Die Hilfsorganisation Oxfam wirft den großen deutschen Lebensmittel-Handelsketten vor, Bananen und Ananas von Plantagen zu beziehen, auf denen massiv gegen Menschenrechte verstoßen werde. Arbeiter seien dort hochgiftigen Pestiziden schutzlos ausgeliefert, Gewerkschafter würden unterdrückt und bedroht sowie Mindestlöhne unterschritten, teilte Oxfam in seiner am 31. Mai 2016 veröffentlichten Studie mit dem Titel „Süße Früchte, bittere Wahrheit“ mit.

Die am 10. Oktober 2017 veröffentliche Studie „Billig verkauft – teuer bezahlt“ der Menschenrechtsorganisation Oxfam informiert über katastrophale Arbeitsbedingungen auf Traubenplantagen in Südafrika und zeigt die Mitverantwortung deutscher Supermärkte auf.

Laut der europäischen Kampagne für faire Schokolade liegt das durchschnittliche Einkommen eines westafrikanischen Kakaobauern im Schnitt bei 0,78 US-Dollar pro Tag. Die Weltbank definiert Menschen, die extrem arm sind, mit einem täglichen Einkommen von etwa 1,9 US-Dollar.

Wie eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul (Südkorea) am 18. August 2015 mitteilte, haben sich Süd- und Nordkorea nach monatelangem Streit auf die Anhebung des Mindestlohns für Zehntausende nordkoreanische Arbeiter im gemeinsamen Industriekomplex Kaesong geeinigt: 73,87 Dollar im Monat. Mehr als 50.000 Nordkoreaner arbeiten in Kaesong an der Grenze für Firmen aus dem Süden.

Das Internationale Katholische Missionswerk Missio dokumentiert mit der am 26. Juni 2015 vorgestellten Studie Der Krieg, die Frauen und unsere Handys die menschenunwürdige Situation im Ost-Kongo.

Über Menschenrechtsverletzungen auf Teeplantagen im indischen Darjeeling berichtet die im Juli 2019 veröffentlichte Studie „Edle Tees für Hungerlöhne“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Wie aus der am 10. Oktober 2019 veröffentlichten Oxfam-Studie „Schwarzer Tee, weiße Weste. Menschenrechtsverletzungen auf Teeplantagen in Assam und die Verantwortung deutscher Unternehmen“ hervorgeht, leiden Arbeiter*innen auf Teeplantagen unter Hungerlöhnen und katastrophalen Arbeitsbedingungen. Davon profitieren deutsche Supermärkte und Teeunternehmen, die gut 86 Prozent des Verbraucherpreises für Tee bekommen, während nur 1,4 Prozent für die Arbeiter*innen in Indien übrigbleibt.

Amnesty International hat die Arbeitsbedingungen auf Palmöl-Plantagen des Agrarkonzerns Wilmar, des weltweit größten Palmöl-Produzenten, in Indonesien untersucht. Für ihren am 30. November 2016 veröffentlichten Bericht „The great palm oil scandal. Labour abuses behind big brand names“ hat Amnesty International nach eigenen Angaben von 120 Arbeiterinnen und Arbeitern, die auf Palmplantagen von zwei Wilmar-Tochterunternehmen und drei Lieferanten des Unternehmens arbeiten, erfahren dass Kinder schwerste körperliche Arbeit verrichten, Arbeiter sich mit dem eingesetzten Pflanzenschutzmittel vergiften, Überstunden bei Androhung von Lohnkürzungen erzwungen werden, die Beschäftigen unter Mindestlohnniveau bezahlt werden und nicht zu erreichende Ziele erfüllen müssen.

Die 2018 erschienene Studie Ausgepresst – Hinter den Kulissen der Saftindustrie der Christlichen Initiative Romero e.V. (CIR) zeigt, wie der Orangensaft in die Regale hiesiger Supermärkte und Discounter kommt – angefangen beim Anbau der Frucht bis zum Marketing des Safts. Forschungsergebnisse aus Brasilien und Europa beleuchten Probleme, die die Lebensmittelhändler gerne verbergen würden: Abhängigkeit und Ausbeutung.

Unter dem Titel „Zwei Paar Schuhe? Indonesische Lederschuhproduktion und Arbeitsrechte“ veröffentlichten die Organisationen Südwind und Inkota am 1. März 2017 eine Studie über die Arbeitsbedingungen im Land mit der viertgrößten Schuhproduktion der Welt.

Deutsche Krabben werden zum Pulen per Kühllaster nach Marokko geschickt (und zurück), weil die Frauen dort nur 6 Euro pro Tag verdienen.

Der Bergbau ist weltweit der Wirtschaftszweig mit den meisten gemeldeten Menschenrechtsverletzungen. Minenbetreiber und Behörden verstoßen oft gegen Umwelt- und Sozialstandards, vertreiben lokale Bewohner von ihrem Grund und Boden, kriminalisieren und unterdrücken Proteste gegen Rohstoffprojekte. Vgl. dazu auch 53. KW: Rücksichtsloser Rohstoffabbau.

In Bangladesch, Pakistan und Indien sind in den ersten drei Monaten des Jahres 2018 drei Viertel aller verschrotteten Schiffe weltweit zerlegt worden. Auf den Schiffsfriedhöfen wird oft ohne jegliche Schutzkleidung und andere Sicherheitsvorkehrungen gearbeitet. Regelmäßig gibt es dabei Tote, mindestens ein Dutzend zum Jahresanfang, wie die Organisation Shipbreaking Platform gezählt hat. Während sich die Arbeiter zu Hungerlöhnen abrackern, verdienen die Schrottbarone gut an dem Geschäft. Sie bezahlen den Reedereien zweistellige Millionenbeträge für jedes Schiff, das sie abwracken dürfen, denn das Metall ist wertvoll und wird mit hohen Profitraten weiterverkauft.

Es gibt bisher kein rechtliches Instrument, mit dem multinationale Unternehmen bei Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten zur Verantwortung gezogen werden können.

Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) veröffentlicht jedes Jahr einen Report zur Verletzung von Gewerkschafts- und Arbeitnehmerrechten weltweit. Seit einigen Jahren enthält dieser „Global Rights Index“ auch eine Liste der zehn „schlimmsten Länder für erwerbstätige Menschen“.

Der Fairness-Check, ein Projekt der im Mai 2000 gegründeten Fairness-Stiftung überprüft Firmen daraufhin, ob Fairness tatsächlich ernst gemeint oder nur eine Phrase, eine Werbemasche ist. Unfaire und faire Akteure werden mit Farben gekennzeichnet.

 

Literatur:

  • Adrian Peter, Die Fleisch-Mafia. Kriminelle Geschäfte mit Fleisch und Menschen, Econ Verlag, Berlin 2006
  • Pun Ngai u.a.: iSlaves. Ausbeutung und Widerstand in Chinas Faxconn-Fabriken. Herausgegeben und übersetzt von Ralf Ruckus, Mandelbaum Verlag, Wien 2013
  • Evi Hartmann, Wie viele Sklaven halten Sie? Über Globalisierung und Moral, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2016
  • Caspar Dohmen, Profitgier ohne Grenzen. Wenn Arbeit nichts mehr wert ist und Menschenrechte auf der Strecke bleiben, Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2016
  • Thomas Fritz, Menschenrechte als uneingelöstes Versprechen.Nachhaltigkeit, Arbeits- und Sozialstandards in EU-Handelsabkommen, Berlin 2017
  • Zhang Lu, Arbeitskämpfe in Chinas Autofabriken. Herausgegeben und übersetzt von Ralf Ruckus, Verlag Mandelbaum, Wien 2018
  • Gilles Reckinger, Bittere Orangen. Ein neues Gesicht der Sklaverei in Europa, Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2018
  • David Graeber, Bullshit-Jobs. Vom wahren Sinn der Arbeit, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2018 (3. Auflage)

Film:

  • Andrew Morgan, „The True Cost – Der Preis der Mode“; Filmstart in Deutschland, Österreich und der Schweiz: 21. Januar 2016
  • Rahul Jain, „Machines“. Dokumentarfilm. Indien, Deutschland, Finnland, 2016
  • Max Ophüls, „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“; Kinostart: 22. Oktober 2020

Zum Thema Kinderarbeit siehe hier.

 

ENGAGEMENT

 

  • Internationale Arbeitsorganisation (ILO), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Hauptsitz in Genf und zuständig für die Formulierung und Durchsetzung internationaler Arbeits- und Sozialstandards. Die weltweit geltenden Mindeststandards sollen die Rechte bei der Arbeit und damit menschenwürdige Arbeit für alle Menschen auf der Welt sicherstellen.
  • Der UN-Menschenrechtsrat hat in seiner Resolution 17/4 vom 16. Juni 2011 die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte verabschiedet, ein globaler Standard zur Verhütung und Behebung von Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Wirtschaftstätigkeit. Die Leitprinzipien basieren auf drei Säulen: der Pflicht des Staates, Menschenrechte zu schützen, der Verantwortung von Unternehmen, diese Rechte zu achten, und dem notwendigen Zugang Betroffener zu Rechtsmitteln.
  • Auf Initiative von Ecuador und Südafrika hat der UN-Menschenrechtsrat am 26. Juni 2014 mehrheitlich dafür gestimmt, in einer „Offenen zwischenstaatlichen Arbeitsgruppe“ ein internationales Abkommen („Treaty on business and human rights“) zu erarbeiten, das für die Vertragsparteien verbindlich ist, klare Regeln für transnationale Unternehmen schafft und den Betroffenen Klagemöglichkeiten eröffnet. Es würde auch zu gleichen Bedingungen im internationalen Wettbewerb führen. Richtschnur sind dabei UN-Leitlinien für Wirtschaft und Menschenrechte. Die europäischen Staaten, Japan, die USA und Kanada haben gegen die Einrichtung der zwischenstaatlichen Arbeitsgruppe gestimmt und ihre erste Sitzung boykottiert. Bei der zweiten Sitzung im Oktober 2016 nahmen die EU und ihre Mitgliedsstaaten zwar teil, bleiben in der Sache aber weiterhin skeptisch. Die Bundesregierung hat entschieden, sich nicht direkt an den UN-Gesprächen für ein Menschenrechtsabkommen zu beteiligen. Inzwischen hat sich eine internationale Koalition von über 1000 Gruppen, sozialen Bewegungen und Nichtregierungsorganisationen für die Umsetzung von UN-Treaty gebildet („Treaty Alliance„), um die Regierungen unter Druck zu setzen. In der „Treaty Alliance Deutschland“ machen sich 27 Nichtregierungsorganisationen für einen völkerrechtlichen Vertrag stark. Die von Global Policy Forum, Brot für die Welt und Misereor erstellte und am 12. November 2019 veröffentlichte Studie „Sorgfältig verwässert: Wie die Wirtschaftsverbände versuchen, ein Lieferkettengesetz zu verhindern“ zeigt auf, wie massiv Arbeitgeberverbände und Unternehmen versuchen, gesetzliche Menschenrechts-Vorhaben abzuwehren.
  • Fast vier Jahre nach der politischen Ankündigung trat am 8. Juni 2017 die Konfliktmineralien-Regulierung der EU in Kraft. Erstmals wird somit in Europa die unternehmerische Sorgfaltspflicht im Rohstoffsektor gesetzlich verankert. Das bedeutet, dass europäische Unternehmen verpflichtet werden, Verantwortung für ihre Rohstofflieferketten zu übernehmen und Maßnahmen zu ergreifen, die eine Konfliktfinanzierung oder Menschenrechtsverletzungen unterbinden.
  • Nationale Aktionspläne (NAP) zur Umsetzung der UN-Leitlinien für Wirtschaft und Menschenrechte haben bereits mehr als 20 Staaten verabschiedet (Stand September 2018). Die Bundesregierung hat am 21. Dezember 2016 einen „Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte“ (NAP) beschlossen, der auf gesetzliche Regelungen verzichtet und auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Unternehmen setzt. Selbst für Firmen im öffentlichen Eigentum, bei der Außenwirtschaftsförderung und der Subventionsvergabe bleiben Sorgfaltspflichten unverbindlich. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD dann vereinbart, „gesetzlich tätig zu werden“, wenn bis 2020 nicht mindestens die Hälfte aller deutschen Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern „Elemente menschenrechtlicher Sorgfalt in ihre Unternehmensprozesse integriert haben“. Am 29. Juli 2019 startete das Auswärtige Amt dazu eine erste schriftliche Befragung von 1800 deutschen Unternehmen. Nachdem auch eine zweite Umfrage unter 7300 betroffenen großen Firmen im Jahr 2020 ergab, dass deutsche Unternehmen die Erwartungen der Bundesregierung bei weitem nicht erfüllen, wird eine gesetzliche Regelung zur Einhaltung der Standards wahrscheinlicher. Die am 21. Juni 2017 von Germanwatch und Misereor präsentierte Studie „Globale Energiewirtschaft und Menschenrechte – Deutsche Unternehmen und Politik auf dem Prüfstand“ zeigt den Handlungsbedarf für die deutsche Politik, aber auch für die Unternehmen aus Deutschland deutlich auf. Die Nichtregierungsorganisationen Brot für die Welt, Fian, Germanwatch, Misereor, Urgewald, Terre des Hommes, Forum Menschenrechte und das CorA-Netzwerk für Unternehmensverantwortung haben im August 2018 einen „Schattenbericht“ zur menschenrechtlichen Sorgfalt von Konzernen vorgelegt. Am 11. September 2019, dem siebten Jahrestag der verheerenden Brandkatastrophe in der Textilfabrik Ali Enterprises in Karatschi (Pakistan), die fast ausschließlich für den Textildiscounter KIK arbeitete und bei der 254 Menschen bei lebendigem Leib verbrannten, startete die bundesweite Initiative Lieferkettengesetz – ein breites, zivilgesellschaftliches Bündnis aus Menschenrechts-, Entwicklungs- und Umweltorganisationen, Gewerkschaften und Kirchen. Ziel ist es, dass deutsche Unternehmen gesetzlich zur Einhaltung von Menschenrechts- und Umweltstandards verpflichtet werden. Das Bündnis hat eine Petition gestartet, um die Bundesregierung zum Handeln zu bewegen.
  • Am 26. Mai 2015 wurde in Großbritannien das Gesetz gegen moderne Sklaverei (Modern Slavery Act 2015) verabschiedet, dessen Bestimmungen schrittweise in Kraft gesetzt werden. Als erstes Gesetz seiner Art in Europa hat es die umfassende Bekämpfung von Sklaverei und Menschenhandel im 21. Jahrhundert zum Ziel.  Auch Unternehmen werden vom Modern Slavery Act erfasst: seit dem 29. Oktober 2015 sind Unternehmen, die zumindest einen Teil ihrer Tätigkeit in Großbritannien ausüben und deren weltweiter Umsatz 36 Millionen Pfund übersteigt, verpflichtet, jedes Jahr auf der Homepage zu erklären, was das Unternehmen sowohl intern als auch in Bezug auf Lieferanten unternimmt, um sicher zu stellen, dass keine Sklaverei und Menschenhandel im Unternehmen sowie entlang ihrer Lieferkette existieren.
  • Die französische Nationalversammlung hat am 21. Februar 2017 ein ambitioniertes Gesetz zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht von Firmen verabschiedet. Es droht mit Strafen in Millionenhöhe, wenn Menschenrechte in den Lieferketten missachtet werden. Frankreich ist damit das erste Land weltweit, das Unternehmen gesetzlich zur Achtung der Menschenrechte und Umwelt, und zwar auch in ihren Tochterunternehmen und Lieferketten, verpflichtet. Betroffen sind Firmen, die in Frankreich 5000 Mitarbeiter beschäftigen oder im In- und Ausland zusammen 10.000. Nichtregierungsorganisationen sprechen von einem Meilenstein für den Menschenrechtsschutz.
  • Am 14. Mai 2019 verabschiedete der niederländische Senat in einer als historisch gewerteten Abstimmung ein Gesetz zu unternehmerischen Sorgfaltspflichten im Kampf gegen Kinderarbeit. Es verpflichtet Unternehmen, die Produkte an niederländische Konsument*innen verkaufen, zur Prüfung von Kinderarbeitsrisiken in ihren Lieferketten. Bei einem begründeten Verdacht hat das betreffende Unternehmen in einem Aktionsplan darzulegen, wie es dem Problem beikommen will.
  • Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB).
  • Gewerkschaften, zum Beispiel die acht Mitgliedsgewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes.
  • Ziel des am 16. Oktober 2014 von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) initiierten Bündnisses für Nachhaltige Textilien ist es, die sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedingungen entlang der gesamten Lieferkette des Textil- und Bekleidungssektors zu verbessern. Informationen über die neuesten Entwicklungen finden Sie hier.
  • Fair Labor Association (FLA).
  • Das Netzwerk I Shop Fair bietet eine Plattform, um sich über Missstände zu informieren und über Aktionen und Alternativen auszutauschen. Das Netzwerk wird von der Europäischen Union unterstützt und besteht aus fünf Partnerorganisationen aus Malta, Polen, Deutschland und Österreich; in Deutschland wird es durch die Christliche Initiative Romero (CIR) und den Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) vertreten.
  • Die Fair Wear Foundation (FWF), eine unabhängige Multistakeholder-Initiative, arbeitet mit Bekleidungsunternehmen zusammen, um die Bedingungen für Beschäftigte in der Bekleidungsindustrie zu verbessern. Das Entscheidende der FWF ist, dass sie die gesamte Lieferkette der Konfektionierung in den Blick nimmt.
  • Die Clean Clothes Campaign (Kampagne für Saubere Kleidung) ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich für Rechte der Arbeiter und eine Verbesserung von Arbeitsbedingungen in der internationalen Textil- und Bekleidungsindustrie und in der Sportartikelindustrie einsetzt.
  • Am 23. Juni 2020 ging der Fashion Checker der internationalen Kampagne für Saubere Kleidung online. Er deckt auf, ob Textilarbeiter*innen einen existenzsichernden Lohn erhalten, und bringt Details über die Lieferketten der größten Modemarken der Welt ans Licht, darunter Zalando, H&M, Primark, adidas und Hugo Boss.
  • Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch veröffentlichte am 20. April 2017 in Berlin die zusammen mit anderen Organisationen erstellte Studie „Follow the Thread“ (Folge dem Faden). Sie beklagt die weiterhin mangelnde Transparenz bei den Lieferketten von Modelabels; immer noch seien viele Textilfirmen nicht bereit offenzulegen, mit welchen Subunternehmen sie zusammenarbeiten und wo sie ihre Textilien herstellen lassen.
  • Der Global Organic Textile Standard (GOTS) setzt sich für eine ökologische und sozial verantwortliche Textilproduktion ein. Im Jahr 2006 wurde das GOTS-Siegel (Global Organic Textile Standard) eingeführt, das eine umweltschonende und sozial verantwortliche Herstellung von Textilien gewährleistet, angefangen von der Gewinnung der biologisch erzeugten Rohstoffe über eine umwelt- und sozialverantwortliche Fertigung bis hin zur transparenten Kennzeichnung, und damit dem Verbraucher eine glaubwürdige Qualitätssicherheit bietet. Der Marktanteil ist allerdings äußerst gering: Das Bundesumweltamt bezifferte den Anteil der Textilien mit dem Gots-Siegel in seiner Untersuchung „Grüne Produkte 2017“ auf 0,05 Prozent. Im Jahr 2018 rangierte Deutschland mit 500 Unternehmen, die nach Gots-Kriterien produzieren, auf dem vierten Platz hinter Indien (1973), Bangladesch (689) und der Türkei (519).
  • Das Suchportal „Fair Fashion Finder“ hilft, Geschäfte und Marken zu finden, die Kleidung aus fair produzierter Baumwolle anbieten. Es gibt nicht nur über die ökologischen, sondern auch über die sozialen Produktionsbedingungen der angebotenen Kleidungsstücke, Bettwäsche oder Taschen Auskunft. Es kann nach Postleitzahlen oder nach Modelabels gesucht werden.
  • Die Initiative Fashion Changers informiert über öko-faire Mode und engagiert sich für einen Wandel der Textilindustrie.
  • Die Christliche Initiative Romero (CIR) engagiert sich seit 1981 für die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten in den globalen Lieferketten unserer Konsumgüter; das Grüne Mode Online Portal bietet einen Überblick im Dschungel der Siegel, Zertifikate und alternativen Modeunternehmen.
  • Seit dem 9. September 2019 sind in Deutschland Textilien mit dem Siegel „Grüner Knopf“ im Handel, dem ersten staatlichen Siegel für Textilien.
  • Aktion „fair spielt“. Für faire Regeln in der Spielzeugproduktion.
  • Am 14. Juli 2020 wird in Nürnberg die Fair Toys Organisation (FTO) gegründet. „Die Mitgliedsunternehmen der Fair Toys Organisation verpflichten sich, die sozialen und ökologischen Bedingungen an ihren Produktionsstandorten kontinuierlich zu verbessern. Mittelfristig bietet die Organisation mit einem eigenen Siegel eine Orientierung für Konsument*innen beim Einkauf“, heißt es in der Pressemitteilung der Organisation vom 8. Juli 2020.
  • Das Internationale Katholische Missionswerk Missio fordert von den Mobilfunkunternehmen „saubere Handys“.
  • Inkota Netzwerk e.V.
  • Mit der Kampagne „Change your Shoes“ (Wechsle deine Schuhe) will das Inkota-Netzwerk mit 17 weiteren Partnern in Europa und Asien auf die Missstände in der globalen Leder- und Schuhproduktion hinweisen und eine grundlegende Verbesserung der sozialen und ökologischen Bedingungen sowie mehr Transparenz für die Verbraucher einfordern. Fair produzierte Schuhe gibt es von der Marke Veja.
  • Am 12. Juni 2013, dem Internationalen Tag gegen Kinderarbeit, startete die Europäische Kampagne „Make Chocolate Fair!“, eine internationale Initiative, die sich aus mehreren Organisationen in 16 europäischen Ländern zusammensetzt. Inkota ist eine von vier Hauptträgerorganisationen und übernimmt die Koordination der Kampagne in Deutschland.
  • Die internationale Kampagne „Make Fruit Fair!“ setzt sich für die Umsetzung von Sozial- und Umweltstandards im Handel mit tropischen Früchten ein.
  • „Kaufe ein Telefon und sei Teil einer Bewegung“, lautet der Slogan des im Jahr 2013 gegründeten niederländischen Sozialunternehmens Fairphone, das Smartphones herstellt. Es legt die Herkunft der Elektronik offen und setzt auf faire und sozialverträgliche Handels- und Produktionsbedingungen. Dazu zählen die Beschaffung von konfliktfreiem Zinn und Tantal aus der Demokratische Republik Kongo, die Finanzierung eines Sozialfonds, der von den Arbeitnehmern des Produktionspartners in China verwaltet wird, sowie ein Elektroschrott-Recyclingprogramms in Ghana. Das honorierten immerhin rund 60.000 Verbraucher (die Hälfte davon aus Deutschland), indem sie 325 Euro für Entwicklung und Fertigung des Fairphone 1 bezahlten. Beim Fairphone 2 sollen auch die konfliktträchtigen Rohstoffe Gold, Zinn und Wolfram nachhaltig abgebaut werden. Vgl. auch: Emmanuel Raoul, Smart & schmutzig. Ein fair produziertes Handy gibt es nicht, in: Le Monde diplomatique vom März 2016. Am 27. August 2019 wurde in Berlin das Fairphone 3 vorgestellt. Es kostet 450 Euro. Die deutsche Alternative Shift gibt es seit 2014. In einem im Februar 2018 erschienenen Hintergrundpapier verglich Germanwatch je ein Smartphone-Modell der Marktführer Apple und Samsung mit denen von Fairphone und Shift.
  • Der Verein NagerIT bietet eine fair produzierte Computermaus an.
  • Unterstützung des Fairen Handels: Die Produkte werden mit einem Preisaufschlag verkauft, wobei die Mehreinnahmen dazu genutzt werden, die Arbeitsbedingungen der Produzenten zu verbessern. Wie das Forum Fairer Handel am 17. Juli 2019 in Berlin mitteilte, ist der Umsatz mit fair gehandelten Produkten in Deutschland im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr um rund 15 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro gestiegen. Seit 2010 hat sich der entsprechende Umsatz mehr als verfünffacht. Im Durchschnitt gaben die Verbraucher*innen in Deutschland pro Kopf 20,50 Euro für faire Lebensmittel und Handwerksprodukte aus. Der Anteil am Gesamthandel verharrt aber weiterhin auf dem sehr niedrigen Niveau von etwa einem Prozent. – Wie der Verein TransFair im Mai 2020 mitteilte, knackten Fairtrade-Umsätze im Jahr 2019 erstmals die 2-Milliarden-Euro-Marke: Allein für Produkte mit dem Fairtrade-Siegel gaben Verbraucher 2,04 Milliarden Euro aus, das entspricht 25 Euro pro Kopf und einem Wachstum von 26 Prozent. Laut Forum Fairer Handel (FFH) gaben Verbraucher*innen in Deutschland im Geschäftsjahr 2019 1,85 Milliarden Euro für Produkte aus Fairem Handel aus – ein Zuwachs von neun Prozent gegenüber 2018. Im Durchschnitt waren das 22,23 Euro pro Kopf. Innerhalb der letzten sieben Jahre habe sich somit der Umsatz im Fairen Handel fast verdreifacht. – 600 Städte in Deutschland setzen sich mittlerweile für fairen Handel ein und dürfen sich deshalb Fairtrade-Town nennen (Stand: Juni 2019). – Die Studie „Verändert der Faire Handel die Gesellschaft?„, die zum Auftakt der Grünen Woche im Januar 2018 in Berlin an Bundesentwicklungsminister Gerd Müller übergeben wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass der Faire Handel nicht nur dazu beiträgt, die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Afrika, Asien und Lateinamerika zu verbessern, sondern auch zu einem veränderten Bewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland geführt hat. Weitere Informationen zum Fairen Handel finden Sie hier.
  • Über hundert Aktivisten aus ganz Deutschland haben im April 2017 in Frankfurt das Netzwerk Gerechter Welthandel gestartet.
  • Die im Jahr 2006 gegründete kirchlich-gewerkschaftliche Allianz für den freien Sonntag versteht sich als politisch unparteilicher Zusammenschluss im Engagement für den arbeitsfreien Sonntag. Die Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen sind im Ladenöffnungsgesetz je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. In Berlin sind beispielsweise acht verkaufsoffene Sonn- und Feiertag pro Jahr vorgesehen plus zwei weitere Tage, an denen die Geschäfte aus besonderem Anlass öffnen dürfen. In Baden-Württemberg sind es nur drei Sonn- und Feiertage insgesamt. Der Sonntag als „Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“ (Art. 140 GG) ist eine soziale Errungenschaft der Arbeiterbewegung, die unter neoliberalem Druck steht. Der 3. März ist Internationaler Tag des freien Sonntags.

Die Ökumenische Initiative Reich Gottes – jetzt! erinnert an die Botschaft Jesu von der Gegenwart des Reiches Gottes, von der Heiligkeit der Welt, in die wir eingebunden sind. Diese Weltverbundenheit befreit unmittelbar zu einem Lebensstil der Einfachheit, des Genug, des „Soviel du brauchst“.


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