Zum Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung

Der Internationale Tag der Kriegsdienstverweigerung wurde erstmals am 15. Mai 1982 als Aktionstag für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung begangen. Alljährlich beschließt die in London ansässige internationale pazifistische Organisation War Resisters’ International (WRI) einen Schwerpunkt.

 

Zitate:

Das Mittel zur Abschaffung des Krieges besteht darin, dass die Menschen, die den Krieg nicht brauchen, die eine Teilnahme am Krieg als Sünde betrachten, nicht mehr in den Krieg ziehen. (…) Allein die aufgeklärten Friedensfreunde denken nicht daran, dieses Mittel vorzuschlagen, ganz im Gegenteil, sie können es nicht ertragen, wenn es auch nur erwähnt wird, und so oft man davon spricht, tun sie, als würden sie es nicht verstehen. Es heißt: Missverständnisse zwischen den Regierungen würden durch Gerichtshöfe oder ein Schiedsgericht bereinigt. Aber die Regierungen wollen ja gar keine Bereinigung der Missverständnisse; im Gegenteil, die Regierungen erfinden Missverständnisse, wenn es keine gibt, denn nur Missverständnisse mit anderen Regierungen liefern ihnen einen Vorwand, die Armee zu unterhalten, auf der ihre Macht beruht. (…) Die Regierungen können und müssen die Kriegsdienstverweigerer fürchten und fürchten sie auch, denn jede Verweigerung erschüttert die Wirksamkeit der Lüge, mit der die Regierungen die Bevölkerung täuschen; die Kriegsdienstverweigerer dagegen haben nicht den geringsten Grund, eine Regierung zu fürchten, die von ihnen Verbrechen fordert.

Leo Tolstoi (1828–1910, russischer Schriftsteller)

 

Man lacht über die Militärdienst-Verweigerer! Nach meiner Meinung sind sie das allerwertvollste Symptom der Zeit, auch wenn der einzelne sonderbare Gründe angibt für sein Tun. Jetzt aber ist man schon so weit, dass eine ernsthafte Motion im Gange ist, man solle denen, die aus sittlichen Gründen den Dienst verweigern, Gelegenheit schaffen, ihren Dienst in ziviler Arbeit abzuleisten. Vielleicht wird das nicht durchgehen, heut noch nicht, aber kommen wird es absolut sicher, und vielleicht kommt dann auch eine Zeit, wo auf drei Soldaten zehn Zivildiensttuende kommen werden, wo man ganz natürlich das Kriegshandwerk, soweit es noch existiert, den geborenen Raufbolden und Sauhunden überlässt. Aber alles das wäre nie gekommen, wenn nicht zuerst eine Anzahl Menschen den Mut gehabt hätte, einem starken Gefühl zulieb gegen die Allgemeinheit zu protestieren und den Dienst zu verweigern.

Hermann Hesse (1877–1962, Schriftsteller, Dichter und Maler), aus einem Brief vom 3. Januar 1917


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