Zum 7. Februar 1965

Der Vorfall ereignete sich an einem trüben Herbsttag im Jahre 1946. Viola Desmond fuhr durch die kanadische Kleinstadt New Glasgow, als ihr Auto liegen blieb. Ersatzteile sollten erst am nächsten Tag eintreffen, also musste die junge Unternehmerin spontan über Nacht bleiben. Sie entschloss sich, den freien Abend mit einem Kinobesuch zu überbrücken. Desmond kaufte sich ein Ticket und machte es sich auf einem Sitz im Parkett bequem. Auf einmal tauchte ein Aufseher auf und wies sie zurecht. Plätze im Parkett seien für Weiße reserviert, für Farbige wie sie sei dagegen der Balkon vorgesehen. Geschockt über die offensichtliche Diskriminierung weigerte sich Desmond, ihren Sitz zu räumen. Daraufhin wurde sie von der Polizei abgeführt und verhaftet. Desmond, Inhaberin eines Friseursalons, landete über Nacht in einem Gefängnis. Niemand klärte sie über ihre Rechte auf, auch ein Anwalt war nicht zur Hand. Später wurde die damals 32-jährige Desmond angeklagt und zu einer Geldstrafe verurteilt – nur weil sie im Kino auf dem „falschen“ Platz saß. Hinterher versuchte Desmond, ihre Strafe anzufechten, doch die Gerichte lehnten das ab.

Vor acht Jahren wurde sie posthum rehabilitiert, der Staat entschuldigte sich bei der Familie, und ihr Name wurde offiziell aus dem Strafregister gestrichen. Es war zum ersten Mal, dass in Kanada ein Mensch nach seinem Tod begnadigt wurde.

Jetzt hat die Regierung von Premierminister Justin Trudeau die kanadische Bürgerrechtlerin, die enormen Mut bewiesen hat, neun Jahre, bevor Rosa Parks in Alabama mit einer ähnlichen Aktion die Bürgerrechtsbewegung in den USA mitauslöste, indem sie sich weigerte, ihren Platz im Bus für einen Weißen zu räumen, auf die Vorderseite des 10-Dollar-Scheins gesetzt. Zum Weltfrauentag am 8. März 2018 wurde die neue Banknote in Halifax offiziell vorgestellt. Zum ersten Mal wird damit eine Person mit schwarzer Hautfarbe in Kanada auf einem Geldschein zu sehen sein. Auf der Rückseite des Scheins, der zum Jahresende verbreitet werden soll, ist dazu passend das kanadische Menschenrechtsmuseum in Winnipeg abgebildet.


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