Zum 30. Juni 2014

Mein Leben lang werde ich diesen Anblick nicht vergessen. Die Menschen hielten Kerzen in den Händen, schützten die Flammen gegen den Wind. Dafür benötigt man beide Hände, weshalb die Option für die Kerze gleichzusetzen ist mit der Option für die Gewaltlosigkeit. Wenn die Demonstranten mit den Polizisten zusammengestoßen wären, dann wäre es wie bei jeder Revolution gewesen. Aber genau das geschah nicht. Die vielen Tausend Menschen liefen langsam los. Trotz eines Rests von Angst hatten sie in der Kirche, beim Gebet Hoffnung geschöpft. ‚Keine Gewalt‘ wurde auf der Straße konsequent praktiziert!“ (Christian Führer über das von ihm gestaltete Friedensgebet am 9. Oktober 1989 in der Nikolaikirche in Leipzig, das zu der die Wende entscheidenden Montagsdemonstration in Leipzig, dem Kerndatum der friedlichen „Revolution der Kerzen und Gebete“ in der DDR geführt hatte; zitiert aus: Der Tag der Entscheidung, in: Chrismon Nr. 10/2009, 14-19.18).

Literatur:

  • Christian Führer, Und wir sind dabei gewesen. Die Revolution, die aus der Kirche kam. Unter Mitarbeit von Anne Ascher und Patricia Holland-Moritz, List Taschenbuch, Berlin 2010

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