Zum 30. Juni 1522

Der Philosoph und Jurist Johannes Reuchlin ist einer der führenden Vertreter des deutschen Humanismus und Wegbereiter der christlichen Erforschung der hebräischen Literatur. Im Jahr 1510 stellte er sich mit einem wissenschaftlichen Gutachten gegen die von den Kölner Dominikanern und der theologischen Fakultät geplante Vernichtung jüdischer Literatur im großen Stil und mit kaiserlicher Genehmigung. Seinem Gutachten, dem die meisten Denker der Zeit zustimmen, folgte eine langjährige, erbitterte Auseinandersetzung, in deren Folge der Wissenschaftler vor die Inquisition gebracht und zum Schweigen verurteilt wurde. In den sogenannten Dunkelmännerbriefen (1515/1517) gipfelte die geistige Auseinandersetzung um den Einfluss jüdischer Literatur auf den christlichen Glauben.


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