Tod / Endlichkeit

Und wie ist es mit dem Tod, dem „größten Feind“? Wir werden uns auch an dieser „Front“ um eine Entfeindung kümmern müssen. Im Gegensatz zu den alten Träumen von der Unsterblichkeit und noch entschiedener im Gegensatz zu den neuen Träumen von der unendlichen Verlängerung des Lebens sollten Christen die Endlichkeit der Menschen als Zeitgenossenschaft zu allen endlichen Wesen in einem endlichen Gesamtsystem nicht nur seufzend akzeptieren, sondern beherzt begrüßen. Endlichkeit ist nicht nur eine anthropologische, sondern auch eine kosmische Gegebenheit, darum müssen sich an ihr die ethischen Fragen nach dem Maß des Machbaren und Wünschbaren ausrichten. Die Begrenztheit unseres Erdenraumes zieht die Begrenztheit unserer Lebenszeit nach sich. Damit aber erhält die Spanne, die uns zugemessen ist, einen besonderen Wert. Darum sollten wir uns darum mühen, dass die Lebenszeit für möglichst viele Menschen möglichst erfüllt, sinnvoll und schöpferisch verlaufen kann. Der unzeitige, gewaltsame Tod (als Folge von Hunger, Vertreibung, Krieg, Folter) bleibt eine Provokation, mit der wir uns nicht abfinden können. Aber es gibt auch den willkommenen Tod, wenn wir „lebenssatt“ sind. Erde zu Erde, Asche zu Asche, Sternenstaub zu Sternenstaub. Auch das ist Heimkehr. Wir bleiben geborgen.

Geiko Müller-Fahrenholz, Heimat Erde. Christliche Spiritualität unter endzeitlichen Lebensbedingungen, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2013, S. 119


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