Schlangen

Schlangen sind entwicklungsgeschichtlich sehr alte Tiere, die nahezu alle Lebensräume der Erde erobert haben. Über 140 Millionen Jahre haben sie ohne Glieder überlebt. Warum Schlangen keine Gliedmaßen haben und wie sie sich dennoch über einen so langen Zeitraum erfolgreich behaupten konnten, ist bis heute nicht geklärt. Verschiedene Formen der Anpassung und eine ganze Reihe besonderer Sinnesorgane haben die Voraussetzungen für die weltweite Verbreitung der Reptilien geschaffen. Eine Schlange hat keine äußeren Ohren. Aber wenn sie ihren Kopf auf den Boden legt, kann sie ein Beutetier „hören“, das sich mehrere Kilometer weit entfernt aufhält. Die Bewegungen des Tieres erzeugen Vibrationen im Boden, welche die Schlange über den Unterkiefer wahrnimmt. Diese Schallwellen werden im Innenohr wie bei anderen Wirbeltieren in Nervenimpulse übersetzt und ans Gehirn weitergeleitet. Die typisch gespaltene Zunge dient dazu, Duftmoleküle aus der Luft einzufangen und zum Riechorgan im Gaumendach zu befördern, zu dem sogenannten Jacobson’schen Organ. Auf diese Weise „erschnuppern“ Schlangen ihre Beutetiere. Das Riechorgan spielt aber auch bei der Partnersuche eine wichtige Rolle, denn auch Sexualhormone werden über den Geruchssinn wahrgenommen.

Schlangen gibt es fast auf der ganzen Welt, außer in sehr kalten Regionen wie der Arktis, der Antarktis und in Gebieten wie zum Beispiel Teilen Sibiriens oder Alaskas, in denen der Boden das ganze Jahr über gefroren ist.

In Deutschland gibt es nicht nur sechs, sondern sieben Schlangenarten – das wurde offiziell am 7. August 2017 bekannt gegeben. Genetische Untersuchungen von mehr als 1.600 Schlangen haben gezeigt, dass die Barren-Ringelnatter keine Unterart der Ringelnatter ist, sondern eine eigene Art. Sie trägt im Gegensatz zur Ringelnatter barrenartige, schwarze Streifen und kann stattliche 1,90 Meter lang werden. In Deutschland ist sie hauptsächlich westlich des Rheins zu finden. Wie die Ringelnatter ist auch die Barren-Ringelnatter ungiftig. Neben der Barren-Ringelnatter und der Ringelnatter leben in Deutschland noch die (jeweils ungiftige) Schlingnatter, die Würfelnatter und die Äskulapnatter sowie die giftige Kreuzotter und die ebenfalls giftige Aspisviper, die in Deutschland wahrscheinlich nur in einem einzigen Tal im Schwarzwald vorkommt.

Laut der am 17. August 2021 veröffentlichten, vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gemeinsam mit dem Rote-Liste-Zentrum (RLZ) erstellten neuen Roten Listen der Amphibien und Reptilien sind unter den Reptilien u.a. die an Fließgewässer gebundene Würfelnatter sowie die Kreuzotter besonders gefährdet, die unterschiedliche sonnenexponierte Offenland-Lebensräume, wie zum Beispiel Sandheiden oder Blockhalden, besiedelt.

Seit 2006 gibt die AG Feldherpetologie und Artenschutz der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT e. V.)  im Wechsel ein „Reptil beziehungsweise einen Lurch des Jahres“ bekannt. Mit dieser Wahl soll auf die Gefährdung der einheimischen Kriechtiere hingewiesen und für deren Schutz geworben werden. Lurch des Jahres 2023 ist der Kleine Wasserfrosch.


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