7. Kalenderwoche (14.–20. Februar 2022)

 

Gravitations-wellen Kohlenstoff-Kreislauf Everglades
Schneeglöckchen
Regenwurm Schuppentiere Sprachenvielfalt

 

 

Montag

Gravitationswellen – die Sprache der Sterne (das Universum erzählt sein Geheimnis)

 

Das All schwingt im Takt explodierender Sterne und verschmelzender Schwarzer Löcher. Forscher haben das Gravitationswellen-Echo solcher Ereignisse aufgefangen. Eine Gravitationswelle ist eine Welle in der Raumzeit. Albert Einstein zufolge entstehen die Wellen immer, wenn große Objekte, etwa bei Supernova-Explosionen oder beim Verschmelzen Schwarzer Löcher, beschleunigt werden. Mit Lichtgeschwindigkeit breiten sie sich aus und stauchen und strecken den Raum. Gravitationswellen bringen die Raumzeit selbst zum Schwingen und sind umso stärker, je größer die beschleunigte Masse ist. Die Wellen sind aber auch bei extrem großen Massen immer noch so klein, dass sie erst 100 Jahre nach Einsteins Vorhersage mit empfindlichen modernen Instrumenten nachgewiesen werden konnten.

Am 11. Februar 2016 berichteten Forscher des Observatoriums Ligo in den USA über die erste erfolgreiche direkte Messung von Gravitationswellen am 14. September 2015, die durch die Kollision zweier Schwarzer Löcher, rund 1,3 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt, hervorgerufen wurden. Die Messung ist ein Meilenstein in der Geschichte der Astronomie. Nichts lenkt Gravitationswellen ab. Man kann damit tief ins Innerste kosmischer Objekte blicken. „Seit tausenden von Jahren schauen wir ins Universum. Doch 99 Prozent davon sind dunkel, diese Ereignisse kann man nur hören. Bisher waren wir taub, jetzt haben wir einen Sinn hinzubekommen“, erklärt Karsten Danzmann, Direktor des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik in Hannover.

Schon im Dezember 2015 schlug das Observatorium erneut an: Zwei Schwarze Löcher kreisten immer enger umeinander und verschmolzen schließlich zu einem einzigen Schwarzen Loch mit 21 Sonnenmassen. Dabei wurde die Masse einer ganzen Sonne in Form von Gravitationswellen-Energie ins All ausgestrahlt. Die Analyse dieses Ereignisses stellten die Forscher im Juni 2016 vor.

Nachdem in zwei weiteren Fällen Gravitationswellen von verschmelzenden Schwarzen Löchern registriert worden waren, wurde am 16. Oktober 2017 bei zwei zeitgleichen Pressekonferenzen bekanntgegeben, dass Teleskope der Europäischen Südsternwarte (ESO) im sichtbaren Licht eine Quelle von Gravitationswellen vermessen und somit erstmals ein optisches Signal dieser Phänomene erhalten haben; zudem vermuten die Wissenschaftler der  Europäischen Südsternwarte, dass die Gravitationswellen in diesem Fall durch die Verschmelzung von zwei Neutronensternen entstanden sind.

Mittwoch, 16. Februar 2022, 17:56:30 Uhr: Vollmond

Frühmorgens taucht im Februar tief im Südosten die Venus auf und steht Mitte des Monats in ihrem größten Glanz. An den letzten Februarmorgen wandert die abnehmende Mondsichel an Mars und Venus vorüber. Am 26. Februar nähert sie sich den beiden, die fast genau übereinanderstehen, von rechts auf gut anderthalb Handbreit Abstand an, sodass Mond, Venus und Mars ein sehr spitzes Dreieck bilden. Am 27. Februar befindet sich die Mondsichel unter den zwei Planeten, fast auf einer Linie.

 

Dienstag

Der globale Kohlenstoff-Kreislauf – wie die Erde atmet

 

Die jahreszeitliche Veränderung der Kohlendioxid-Konzentration der Atmosphäre, die „Atmung der Erde“, hängt maßgeblich mit den Pflanzen zusammen: Nachdem die Kohlendioxid-Werte am Ende des Winters ihr Maximum erreicht haben, entziehen sie der Atmosphäre im Sommer durch Photosynthese massiv Kohlendioxid. Im Winter wird es dann wieder freigesetzt. So geht es Jahr für Jahr: Kohlendioxid wird freigesetzt, von Pflanzen, Böden und Ozeanen eingelagert und wieder an die Atmosphäre abgegeben.

Forscher untersuchen dieses faszinierende Phänomen seit Jahrzehnten. Eisbohrkerne zeigen, dass sich das System in den letzten 10.000 Jahren kaum verändert hat. Der Kohlenstoff-Kreislauf ist extrem ausbalanciert. Selbst in der Kleinen Eiszeit (16. bis 19. Jahrhundert) waren die Abweichungen gering. Doch inzwischen stört vor allem der Mensch das fein austarierte Gleichgewicht des Planeten: Er belastet die Atmosphäre Jahr für Jahr mit rund 40 Milliarden Tonnen CO2 aus fossilen Brennstoffen, die Konzentration des Treibhausgases CO2 steigt in beispiellosem Tempo. Insgesamt wurden seit Beginn der Industrialisierung ca. 635 Gigatonnen Kohlenstoff (entspricht ca. 2300 Gigatonnen CO2) durch fossile Energieträger freigesetzt, von denen etwa knapp die Hälfte in der Atmosphäre verblieb und jeweils gut ein Viertel von Ozeanen und Landökosystemen aufgenommen wurde.

 

Mittwoch

Everglades

 

Die Everglades an der südlichsten Spitze des US-Staates Florida sind ein einzigartiges Ökosystem: 6000 Quadratkilometer Fluss- und Graslandschaft, ein riesiger Mangrovenwald. Das Wasser, oft nur einen halben Meter tief, bietet ein einmaliges Refugium etwa für Florida-Panther, Krokodile, Alligatoren und 68 gefährdete Tierarten, darunter die Manati-Seekühe; gerade etwas mehr als 3000 der molligen Tiere werden noch in Floridas Gewässern gezählt. Zwei Millionen Wattvögel bevölkerten einst den „River of Grass“; nun sind 1,8 Millionen verschwunden. Der Park beherbergt die einzigen wildlebenden Flamingos in den USA. Daneben gibt es an Vögeln noch eine Reihe Watvögel sowie Ibisse, Pelikane, Kormorane und Störche. In den Everglades leben auch Waschbären, Schwarzbären, Schlangen, Alligatoren, Spitzkrokodile, Seekühe, Spinnenarten, Pumas, einige Schildkröten und weitere Tierarten. Die Everglades sind die einzige Region auf der Erde, in der sowohl Alligatoren als auch Krokodile leben. Insgesamt sind 350 verschiedene Vogel-, 300 Süß- und Salzwasserfisch-, 40 Säugetier- und 50 Reptilarten nachgewiesen.

Seit 1979 gehören die Everglades zum Weltnaturerbe der Unesco.

Mittwoch, 16. Februar 2022, 17:56:30 Uhr: Vollmond

 

Donnerstag

Schneeglöckchen – weißes Gold

 

Als eine der ersten Pflanzen schiebt das Schneeglöckchen mutig seine Blätter durch die letzte frostige Schneedecke. Auch wenn das noch nicht das Ende des Winters bedeutet, so stimmen doch die zarten und eleganten Blüten Gartenfreunde auf den Vorfrühling ein. Auch für Insekten ist es eine wertvolle Nahrungsquelle.

Indes: es ist nicht leicht, sich als kleines Schneeglöckchen durch eine dicke Decke aus gefrorenem Wasser zu schieben. Das Zwiebelgewächs hilft sich dabei mit einem Trick: Es produziert sogenannte Biowärme. Die Triebe erwärmen sich auf acht bis zehn Grad. Das reicht, um (leichten) Schnee drumherum schmelzen zu lassen. Der Lohn für den Energieaufwand: Sie sind eine der ersten Blütenpflanzen am „Befruchtermarkt“.

Milchblume, Hübsches Februar-Mädchen, Lichtmess-Glöckchen, Marienkerzen, Weißglatze, Schnee-Durchstecher, Weiße Jungfrau – es gibt viele liebevolle Namen, die die Menschen dem Frühlingsboten verpasst haben. Das Schneeglöckchen gehört zu den Amaryllisgewächsen. Der botanische Name Galanthus wird von den griechischen Wörtern „gála“ für Milch und „ánthos“ für Blüte abgeleitet. Ihr grüner Fleck ist ein sogenanntes Saftmal, das den Insekten zur Orientierung dient.

(Simone Augustin und Gerhard Lauchs in: Nürnberger Nachrichten vom 5./6.2.2011)

 

Freitag

Regenwurm – unverzichtbarer Bodeningenieur; Bodentiere


Regenwürmer können in bestimmten Bereichen einen Anteil von bis zu 90 Prozent der Biomasse der gesamten Bodenfauna ausmachen, wobei die Wurmdichte bis zu 2000 Individuen pro Quadratmeter erreichen kann. Indem sie organische Reste fressen und als wertvollen Humus wieder ausscheiden, nehmen sie als Destruenten eine zentrale Stellung beim Abbau organischer Substanzen ein. Die Rückführung organischen Materials in den Boden ist eine wesentliche Grundlage für das Funktionieren eines Ökosystems. Durch ihre Wühltätigkeit wird der Boden gelockert und kann so mehr Wasser aufnehmen, er wird besser durchlüftet und durchmischt. Ein derart bearbeiteter Boden ist auf natürliche Weise fruchtbarer, besser vor Erosion geschützt und kann Hochwasser zurückhalten. Die lufthaltigen Gänge der Regenwürmer sorgen dafür, dass aerobe Bakterien mit genügend Sauerstoff versorgt werden und sich abgestorbene Pflanzenteile besser zersetzen. Weltweit waren 2008 etwa 670 Arten der Regenwürmer (der Familie Lumbricidae) bekannt. Zusätzlich wird aber eine unbekannte Anzahl morphologisch nicht unterscheidbarer Kryptospezies vermutet.

Laut der 2016 um einen Band zu Bodenlebewesen erweiterten, vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geführten Roten Liste bestandsgefährdeter Tiere in Deutschland sind hierzulande 47 verschiedene Regenwurmarten nachgewiesen. Die bekannteste ist der Lumbricus terrestris, der Gemeine Regenwurm. Zwei Arten – Aporrectodea smaragdina und Octodrilus argoviensis – wurden erstmalig in der Bundesrepublik nachgewiesen. Zwei der 47 Regenwurmarten gelten als im Bestand gefährdet, 14 Arten sind aufgrund extremer Seltenheit gegenüber Bedrohungen wie Versiegelung, intensiver Landwirtschaft oder globalem Klimawandel besonders anfällig und bei drei Arten war ein negativer langfristiger Trend zu beobachten. Die gute Nachricht: Über die Hälfte der gegliederten Würmer sind nach bisherigem Kenntnisstand als ungefährdet anzusehen.

„Ist der menschliche Rasewahn pandemisch geworden, hält er sich für Fortschritt. Sein Preis: Allerwärts plattgewalzter Humus in Form von Asphaltierungen und Betonierungen.
Neben den Plattwalzungen bohrt unverdrossen Seine Majestät Lumbricus terrestris, der Regenwurm, Höhlengänge ins Erdreich, damit dieses weiterhin leben, das heißt atmen und Wasser trinken kann. Wer sagt da noch, das verstehe sich doch von selbst?“
(Kurt Marti, Heilige Vergänglichkeit. Spätsätze, Radius Verlag, Stuttgart 2010, S. 43)

Der Bioland Landesverband Bayern verleiht jedes Jahr symbolisch den „Goldenen Regenwurm„, eine Auszeichnung für „Landwirte, die sich um die Förderung des Bodens und der Bodenfruchtbarkeit verdient gemacht haben“. –

Dominierender Teil der Lebensgemeinschaft im Boden sind die nur wenige Millimeter langen Fadenwürmer. Diese auch Nematoden genannten Tiere sind die weltweit häufigsten Tiere der Erde: Ein Forscherteam hat errechnet, dass auf jeden Menschen der Erde geschätzt 57 Milliarden Fadenwürmer kommen. Sie brächten ein Gewicht von 300 Millionen Tonnen auf die Waage – 80 Prozent der menschlichen Weltbevölkerung.

In einer am 25. Oktober 2019 in der Zeitschrift Science veröffentlichten Studie haben Forscher auf die eminente Bedeutung der unterirdischen Artenvielfalt aufmerksam gemacht und unter anderem eine Verbreitungskarte der Regenwürmer erstellt.

Bodentiere sind unersetzbar. Sie halten den Motor des Energiesystems des Bodes in Gang, indem sie abgestorbene Pflanzen zersetzen und die enthaltenen Nährstoffe recyclen.

Sowohl durch die Klimaveränderung als auch durch eine zu intensive Bewirtschaftung nimmt die Biomasse der Bodentiere kontinuierlich ab. Der Verlust lässt sich durchaus mit dem Insektensterben vergleichen. Allerdings findet er bislang nur wenig Beachtung, weil er verborgen im Erdreich stattfindet und nicht vor aller Augen.

15. Februar: Tag des Regenwurms

 

Samstag

Schuppentiere

 

Die skurril aussehenden Säugetiere mit Schuppenhaut sind etwa so groß wie eine Hauskatze. Einzigartig unter den Säugetieren ist ihre Körperbedeckung mit großen, überlappenden Hornschuppen. Im Bedrohungsfall können sie sich zu einer Kugel einrollen. Schuppentiere leben je nach Art am Boden oder auf Bäumen, meist sind sie nachtaktiv, ihre genaue Lebensweise ist aber nur unzureichend erforscht. Sie ernähren sich vor allem von Ameisen, wofür sie keine Zähne brauchen. Dafür pflegen sie kleine Steine zu essen, die die Insekten im Magen zerreiben.
Die Familie umfasst drei Gattungen mit acht Arten, von denen vier in Ost-, Süd- und Südostasien und vier in Afrika südlich der Sahara leben. Schuppentiere bevorzugen sowohl Wälder als auch teils offene Landschaften in Tieflagen und mittleren Gebirgshöhen. Aufgrund ihrer Lebensweise haben Schuppentiere einen positiven ökologischen Nutzen, indem sie die Größe und Ausbreitung von Ameisen- und Termitenpopulationen regulieren, was auch dem Menschen zugutekommt. Allerdings unterliegen die Schuppentiere einem starken Jagddruck seitens des Menschen. Die traditionelle Chinesische Medizin schreibt ihren Schuppen heilende Kräfte zu. Trotz der bereits bestehenden Handelsverbote in Asien ging der Bestand dort im vergangenen Jahrzehnt um rund 80 Prozent zurück. Händler weichen nun auf die afrikanischen der acht Arten aus. Alle acht Schuppentierarten stehen auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Man geht von drastischen Bestandsrückgängen von bis zu 90 Prozent in den nächsten drei Schuppentier-Generationen (etwa 21 Jahre) bei allen acht Schuppentierarten aus. Das Pangolin in Afrika gehört zu den am meisten geschmuggelten Spezies der Erde. Tierschützern zufolge sollen jährlich mehr als 2,5 Millionen Exemplare dieser Schuppentiere illegal gehandelt werden. Allein 2019 sollen 97 Tonnen der rund acht Zentimeter langen Schutzplättchen der Pangoline von Afrika in den Fernen Osten verfrachtet worden sein, vor allem nach China und Vietnam.

20. Februar: Weltschuppentiertag

 

Sonntag

Sprachenvielfalt

 

Vor schätzungsweise 100.000 Jahren entwickelten sich die unterschiedlichsten Sprachen und Dialekte beim Menschen im Lauf der Evolution aus biologischen, kulturellen und geografischen Gegebenheiten – also vor allem aufgrund des Lebensraums und der Vermischung mit anderen menschlichen Gruppen.

Die Sprache einer Gemeinschaft ist wesentlich zum Verständnis ihrer kulturellen Traditionen. Sprache ist Träger von indigenem Wissen. Stirbt eine Sprache aus, geht damit auch das Erbe der Gemeinschaft verloren, die ihr Wissen über Generationen zumeist mündlich bewahrt und weitergegeben hat. Die Anerkennung und Wertschätzung der Muttersprache eines Kindes (Sprache und Intonation nimmt es bereits im Mutterleib auf) ist die Grundlage einer erfolgreichen Sprachförderung.

Etwa 6000 Sprachen gibt es derzeit weltweit. Unesco, die Wissenschaftsorganisation der Vereinten Nationen, schätzt, dass bis zum Ende des 21. Jahrhunderts nur noch die Hälfte, vielleicht aber auch nur noch zehn Prozent von ihnen existieren werden. Laut dem Unesco-Weltatlas der bedrohten Sprachen sind 2.471 Sprachen gefährdet. 646 Sprachen sind akut vom Aussterben bedroht, weil Kinder sie nicht mehr als ihre Muttersprache erlernen. 576 Sprachen werden nur noch von der Generation der Großeltern gesprochen.

21. Februar: Internationaler Tag der Muttersprache


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