6. Kalenderwoche (7.–13. Februar 2022)

 

Venus Seegraswiesen Himalaya Dinoflagellaten Biber Koalas Liebe

 

 

Montag

Venus

 

Venus, unserer innerer Nachbarplanet, ist nur 70 Prozent soweit wie die Erde von der Sonne entfernt. Er ist der Planet, der uns am nächsten kommen kann. Nach Sonne und Mond ist er das hellste Gestirn am irdischen Firmament. Es leuchtet so intensiv in einem weißen Licht, dass Gegenstände in dunkler Nacht im Venuslicht sogar Schatten werfen. Die Venus umrundet die Sonne einmal in siebeneinhalb Monaten. Mit einem Durchmesser von 12.104 Kilometern ist sie fast genauso groß wie die Erde (12.756 Kilometer). Durch ihre engere Bahn läuft sie etwas schneller um die Sonne: ein Jahr dauert knapp 225 Erdentage. Anders als die Erde dreht sich Venus jedoch entgegen der Umlaufrichtung um sich selbst. Dadurch dauert ein Sonnentag auf der Venus knapp 117 Erdentage. Auf ihr herrschen Temperaturen von bis zu 500 Grad Celsius. Die dichte Atmosphäre besteht fast gänzlich aus Kohlendioxid, die Wolken im Wesentlichen aus Schwefelsäure-Tröpfchen.

Der Venusglobus wird von einer dichten Wolkendecke eingehüllt, die einen Großteil des Sonnenlichts reflektiert – daher erscheint Venus so gleißend. Selbst in großen Teleskopen kann man die feste Oberfläche der Venus nicht sehen. Der Planet wurde erst mit Hilfe künstlicher Venussatelliten entschleiert, die mit wolkendurchdringenden Radarstrahlen die Oberfläche abtasteten.

Frühmorgens taucht im Februar tief im Südosten die Venus auf und steht Mitte des Monats in ihrem größten Glanz. An den letzten Februarmorgen wandert die abnehmende Mondsichel an Mars und Venus vorüber. Am 26. Februar nähert sie sich den beiden, die fast genau übereinanderstehen, von rechts auf gut anderthalb Handbreit Abstand an, sodass Mond, Venus und Mars ein sehr spitzes Dreieck bilden. Am 27. Februar befindet sich die Mondsichel unter den zwei Planeten, fast auf einer Linie.

 

Dienstag

Seegraswiesen

 

Seegraswiesen sind eine Pflanzengesellschaft auf Sandböden im Meer- oder Wattbereich. Diese Ökosysteme existieren vornehmlich in Küstenbereichen überwiegend unter Wasser und bilden dort ausgedehnte Wiesen. Sie säumen fast auf der ganzen Welt die flachen Küstenregionen, kommen von der Wasseroberfläche bis zu einer Tiefe von 40 Metern vor und schützen die Küsten vor Abtragung.

Die Seegräser leben in diesen Wiesen in Gemeinschaften mit anderen Pflanzen und Tieren. Ihre Blätter bieten stabile, harte Oberflächen. Sie tragen oft große Populationen von Algen, aber auch von Kleintieren, die in den weichen Sedimenten nicht leben könnten. Mit diesem Bewuchs stellen sie für pflanzenfressende Fische und andere schwimmende Organismen eine wichtige Nahrungsquelle dar. Seegräser bilden die Grundlage für ein Ökosystem, das zahlreichen Tieren, darunter auch bedrohten Arten wie Meeresschildkröten und Seepferdchen, ein Zuhause ist. Von vielen Fischarten werden Seegraswiesen als „Kinderstube“ genutzt. Beispielsweise heften Hornhechte und Heringe ihre Eier an die Halme des Seegrases. Die dichten Blättermatten der „Wiese“ schützen die Jungfische vor Fressfeinden. Andere Tiere legen ihre Gänge in der Nähe der Wurzelsysteme der Seegräser an. Dies schützt sie vor räuberischen Feinden, und sie können hier leichter graben. Im Herbst besuchen Ringelgänse und Pfeifenten auf dem Vogelzug die Seegraswiesen, um sich von den Blättern und den Wurzeln des Seegrases zu ernähren. Watvögel ernähren sich von Schnecken und anderen Kleintieren der Wiese. Seegraswiesen versorgen die Erde mit großen Mengen Sauerstoff in Quadratmeter Seegras produziert bis zu 15 Liter am Tag. Sie nehmen Millionen Tonnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf, setzen aber auch Treibhausgase frei, vor allem Methan.

Das Neptungras (Posidonia oceanica) bildet im Mittelmeer ausgedehnte Unterwasserwiesen, die bis zu 50.000 Quadratkilometer bedecken. Jede fünfte Mittelmeerart benötigt Neptungras als Lebensraum. Dieses einzigartige, nur im Mittelmeer vorkommende und dort das am meisten verbreitete Seegras könnte jedoch schon Mitte dieses Jahrhunderts infolge der Klimaveränderung verschwunden sein, denn die sehr langsam wachsenden Algenfelder reagieren extrem sensibel auf die Erwärmung des Meeres. „Die Todesrate des Neptungrases verdreifacht sind, wenn die maximalen Wassertemperaturen um nur drei Grad ansteigen“, warnten Forscher im Jahr 2012 im Fachmagazin „Nature Climate Change“. Selbst bei relativ optimistischen Prognosen werde 2050 der Punkt erreicht sein, an dem die Seegraswiesen des Mittelmeers aussterben. Weil diese Unterwasserwiesen bis zu 42 Prozent der CO2 Emissionen der gesamten Mittelmeerländer speichern, ginge auch die wichtige Funktion als Kohlenstoffsenke mit dem Verschwinden der Neptungraswiesen verloren. Weitere Informationen finden Sie hier und hier.

Forscher der University of Western Australia und der Flinders University in Adelaide berichteten am 1. Juni 2022 im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B“ von ihrer Entdeckung eines Seegrasteppichs der Seegras-Art Posidonia australis, der sich auf einer Länge von 180 Kilometern vor der Westküste des Landes erstreckt und mindestens 4500 Jahre alt ist. Vermutlich handelt es sich die um die größte Pflanze der Welt.

 

Mittwoch

Himalaya – „Dach der Welt“, „Dritter Pol der Erde“, „Wasserturm Asiens“

 

Der Himalaya ist das größte Gebirge der Erde. Das Hochgebirgssystem zwischen dem indischen Subkontinent im Süden und dem Tibetischen Hochland im Norden erstreckt sich auf einer Länge von rund 3000 Kilometern von Pakistan bis Myanmar und erreicht eine maximale Breite von 350 Kilometern. Im Himalaya befinden sich zehn der vierzehn Berge der Erde, deren Gipfel mehr als 8000 Meter hoch sind, darunter der Mount Everest, mit 8848 Metern der höchste Berg der Erde.

Der Great-Himalayan-Nationalpark (deutsch: Großer Himalaya-Nationalpark) ist ein Schutzgebiet im westlichen Himalaya im Norden Indiens. Er umfasst in erster Linie Gebirgslebensräume und bedeckt etwa 754 Quadratkilometer. In den höchsten Bergregionen kommen Schneeleoparden, Braunbären, Blauschafe, Himalaya-Tahre und Moschustiere vor. In den etwas tieferen Lagen meist unterhalb von 2000 bis 3000 Meter leben Gorale, Seraus, Muntjaks, Leoparden, Kragenbären und Rhesusaffen. Insgesamt wurden bisher 31 Säugetierarten und 181 Vogelarten im Park nachgewiesen. 2014 wurde er als Unesco-Weltnaturerbe anerkannt.

Die Hindukusch-Himalaya-Region ist eine der schnee- und eisreichsten Gegenden der Welt, nur übertroffen von der Arktis und Antarktis. Man spricht daher auch vom „dritten Pol“ der Erde.

Praktisch alle Länder rund um das Gebirgsmassiv sind sehr trocken und auf das Wasser aus dem Himalaya angewiesen, der auch „Wasserturm Asiens“ genannt wird. Im Himalaya entspringen drei große Flüsse, die nach Südasien fließen Brahmaputra, Ganges und Indus. Vom Tibetanischen Plateau kommen fünf wichtige Ströme, die nach China und Südostasien fließen Gelber Fluss, Irrawaddy, Jangtse, Mekong und Saluen.

 

Donnerstag

Dinoflagellaten

 

Dinoflagellaten bezeichnet eine große, vielfältige und ziemlich exzentrische Art von Lebewesen, die vorwiegend aus Einzellern besteht. Weltweit werden heute rund tausend Arten in 120 Gattungen unterschieden, die zum größten Teil im Meer leben und dabei einen Hauptteil des Phytoplanktons bilden. Zusammen mit den Kieselalgen sind die Dinoflagellaten die Hauptprimärproduzenten organischer Stoffe im Meer, bilden dort also zusammen mit den Kieselalgen den Hauptteil der Basis der Nahrungspyramide. In Hochgebirgsseen können sie bis zu 50 Prozent der Biomasse ausmachen.

Unter dem Mikroskop kann ein Dinoflagellat aussehen wie eine kleine braune Kugel oder auch wie ein sehr kompliziertes Gebilde aus Windungen und Stacheln – das hängt von der Spezies ab. Viele Dinoflagellaten können schwimmen, und zwar durch zwei peitschenähnliche Ausformungen, die Flagellen bzw. Geißeln genannt werden, eine für den Antrieb und eine zum Lenken. Einige Dinoflagellaten haben Augen; andere geben Licht ab. Dinoflagellaten sind weder Pflanzen noch Tiere: Einige gewinnen – wie Pflanzen – Energie aus Sonnenlicht, andere wiederum gehen wie Tiere auf die Jagd und ernähren sich von anderen Organismen. Manche machen sogar beides. Kurz gesagt: Dinoflagellaten sind zwar klein, aber sie gehören zu den vielseitigsten und außergewöhnlichsten Organismen der Erde.

 

Freitag

Biber – Baumeister und Hausmeister der Natur

 

Der Biber, Europas größtes Nagetier, ist ein Baumeister der Natur. Fauna und Flora profitieren schnell und deutlich von der Auenrevitalisierung und Strukturbereicherung, die durch die Tätigkeiten der Biber in Gang gesetzt wird. Biber sind nicht nur ausschlaggebend für die Artenvielfalt an Gewässern („Baumeister“), sondern erhalten diese auch durch fortgesetzte Umgestaltung der selbst geschaffenen Gewässer- und Auenstrukturen („Hausmeister“). Die stärksten Effekte ergaben sich dort, wo Biber zur Sicherstellung eines ausreichenden Wasserstandes Dämme anlegen, die über den eigentlichen Wasserkörper hinaus Flächen überstauen. Dies ist besonders bei Fließgewässern geringer Wassertiefe der Fall. Deshalb sorgen Biber auch für Wasserrückhaltung und Grundwasseranreicherung und tragen somit lokal zum Hochwasserrückhalt und zur Vernässung in zunehmenden Trockenzeiten bei.

Biber schaffen in ihren Revieren wie keine zweite Tierart den Lebensraum für viele andere Tiere und Pflanzen. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung durch den Diplom-Biologen Ulrich Meßlinger im Auftrag der Regierung von Mittelfranken und des Bundes Naturschutz (2010). Die Studie bezieht sich auf insgesamt zehn größere Areale in den Kreisen Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen. Es zeigt sich, dass mehr als 70 Tier- und Pflanzenarten von den Aktivitäten des Bibers profitieren, insbesondere von der Auenrevitalisierung. Anspruchsvolle Tierarten wie die Wasserralle, der Eisvogel, die Grüne Keiljungfer, die Elritze (eine Fischart), der Grasfrosch oder die Schwarze Heidelibelle entwickeln sich in den Biberrevieren prächtig.

Die Rückkehr der Biber ist eine der größten Erfolgsgeschichten der Natur in Europa. Lange Zeit gejagt und nahezu ausgerottet, leben heute wieder mehr als 35.000 Biber allein in Deutschland und rund 12.000 in Frankreich. In ganz Europa schätzt man sie auf über 600.000 Tiere. In Deutschland war der Biber über viele Jahrzehnte beinahe ausgestorben. Nur knapp 200 Tiere hatten entlang der Elbe überlebt. Dem Einsatz engagierter Tierschützer ist es zu verdanken, dass sich ihr Bestand erholt hat.

 

Samstag

Koalas

 

Koalas gelten – neben Kängurus – als die berühmtesten Tiere Australiens. Oft werden sie auch Koalabären genannt. Trotz der Ähnlichkeit mit den Bären sind Koalas aber Beuteltiere (Bären sind Säugetiere) und gehören zur wissenschaftlichen Gattung der Beutelsäuger (Metatheria).

Koalas sind Baumbewohner und überwiegend nachtaktiv. Um Energie zu sparen, schlafen sie bis zu 20 Stunden am Tag und damit noch länger als die Faultiere. In ihrer wachen Zeit fressen sie 600 bis 800 Gramm Eukalyptusblätter täglich. Das Eukalyptusgrün ist sehr reich an harten Fasern. Deshalb braucht es viel Zeit, die Blätter zu verdauen. Dabei hilft den Koalas ihr bis zu zwei Meter langer Blinddarm, in dem Abermillionen von Bakterien die Zellwände der Eukalyptusblätter aufspalten. Selbst zum Trinken muss der Koala nicht vom Baum steigen: Das in den Blättern enthaltene Wasser genügt. Sein geringer Wasserbedarf brachte dem Beutelbären auch den Namen ein: „Koala“ bedeutet bei den Ureinwohnern Australiens „kein Wasser“. Nährwert liefern die Blätter nur wenig, obendrein enthalten sie Giftstoffe, die im Körper abgebaut werden müssen. Vor den Giftstoffen schützt sie eine Häufung spezieller Detox-Gene in ihrem Erbgut, schlussfolgern Forscher, nachdem sie erstmals das Erbgut der Koalas entschlüsselt haben. Das Team um Katherine Belov von der australischen Universität Sydney berichtete darüber am 2. Juli 2018 im Fachmagazin Nature Genetics.

Koalas leben ausschließlich an der Ostküste Australiens. Vor der Ankunft der europäischen Siedler in Australien im Jahr 1788 lebten Millionen Koalas in den Eukalyptuswäldern der Ostküste und im Südosten Südaustraliens. Durch den Handel mit den Fellen wurden die Bestände jedoch dramatisch reduziert. Erst als die Praxis Anfang 1900 in New South Wales, South Australia und Victoria schließlich verboten wurde, ging es langsam wieder bergauf. In Queensland wurde die Jagd sogar erst 1927 gestoppt.
Einer am 20. September 2021 veröffentlichten Studie Australian Koala Foundation (AKF) zufolge ist die Zahl der australischen Beutelsäugerrapide allein in den vergangenen drei Jahren um 30 Prozent geschrumpft. In vielen Landesteilen seien Koalas bereits ausgestorben, hieß es. Der Stiftung zufolge leben heute schätzungsweise noch zwischen etwa 32.000 und 58.000 Koalas auf dem fünften Kontinent. 2018 waren es noch zwischen 46.000 und 82.000. Die verheerenden Buschfeuer im Sommer 2019/2020 hätten erheblich zur Dezimierung der Eukalyptus-Esser beigetragen, sagte die AKF-Vorsitzende Deborah Tabart. Der WWF hatte im Dezember 2020 mitgeteilt, dass wahrscheinlich mehr als 60.000 Koalas bei den Bränden getötet, verletzt, vertrieben oder traumatisiert worden seien. Allerdings sei dies nicht der einzige Grund für den Rückgang: Auch Dürren, Hitzewellen und Wassermangel bedrohten die Tiere, so Tabart. Vor allem die Rodung von Flächen für Landwirtschaft, Wohnungen und Bergbau sei „tödlich“ für die nur in Australien beheimateten Koalas, sagte die Expertin. Im Februar 2022 wurde der Gefährdungsstatus der Beuteltiere in den Bundesstaaten New South Wales und Queensland sowie im Australian Capital Territory mit der Hauptstadt Canberra von der Regierung offiziell von „gefährdet“ auf „stark gefährdet“ erhöht.

 

Sonntag

Liebe

 

Nötiger als Brot

Dass zwei sich herzlich lieben,
gibt erst der Welt den Sinn,
macht sie erst rund und richtig
bis an die Sterne hin.

Dass zwei sich herzlich lieben,
ist nötiger als Brot,
ist nötiger als Leben
und spottet aller Not.

Dass zwei sich herzlich lieben,
ist aller Welt Beginn,
macht sie erst rund und richtig
bis an die Sterne hin.

Hermann Claudius (1878–1980, deutscher Lyriker und Erzähler)

14. Februar: Tag der Liebenden (Valentinstag)


RSS