53. Kalenderwoche (28. Dezember 2020 – 3. Januar 2021)

Unsere eine und einzige Erde
Eis
 Galiläa Marcgravia evenia
Insekten Schneeleopard Menschenzeit

 

 

Montag

Unsere eine und einzige Erde

 

Die Wahrscheinlichkeit, in einem weiteren Sonnensystem ähnlich günstige Bedingungen zur Höherentwicklung von Leben zu finden wie auf der Erde, geht gegen Null. So hat die Erde zum Beispiel einen großen Mond, der mit seiner Anziehungskraft ihre Rotationsachse stabilisiert, wodurch das Klima über lange Zeiten relativ konstant geblieben ist – eine Bedingung für die Entstehung intelligenter Wesen. Sie hat zudem die nötige Masse, um eine Atmosphäre zu halten, und ein stabiles Magnetfeld, das die Erdoberfläche vor der kosmischen Strahlung schützt. Darüber hinaus ist der Riesenplanet Jupiter so günstig positioniert, dass er die Erde vor allzu häufigen Kometeneinschlägen bewahrt. Und schließlich hat unser Planet auch die richtige Entfernung zur Sonne, um flüssiges Wasser und damit Leben zu ermöglichen.

Peter D. Ward, Donald Brownlee, Unsere einsame Erde. Warum komplexes Leben im Universum unwahrscheinlich ist, Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg, 2001; Rainer Kayser, Ist da jemand?, in: GEOkompakt Nr. 6, 2006, 123

Mittwoch, 30. Dezember 2020, 04:28:18 Uhr: Vollmond

 

Dienstag

Eis

 

Als Eis wird im Allgemeinen gefrorenes Wasser bezeichnet, welches – neben flüssigem Wasser und Wasserdampf – dessen dritten möglichen Aggregatzustand darstellt. Es bildet sich im Allgemeinen bei null Grad Celsius und zählt als natürlich vorkommender kristalliner Festkörper mit einer definierten chemischen Zusammensetzung zu den Mineralen. In reiner Form besteht Eis aus farblosen, transparenten Kristallen. Eisblöcke enthalten jedoch meist viele feine Luftbläschen, die während der Erstarrung der Eiskristalle eingeschlossen werden und erscheinen daher durch vielfache Lichtbrechung weiß.

„Die Erinnerung ist, auch Jahre später noch, mächtig. An eine einsam verbrachte Nacht in Grönland, der Zeltplatz war nicht weit weg, aber weit genug, und der Daunenschlafsack lockte nicht wie Eis und Meer. Es war still und gleichzeitig nicht still, denn das Eis bewegt sich immer: mit einem Knacken, Knuspern, Knirschen, zartem Rieseln. Und manchmal einem Grollen wie von Donner. Das Meer war dunkelgrau in der kurzen grönländischen Sommernacht, der Wind kalt, Regenwolken türmten sich, aber immer wieder sickerte Licht hindurch und erreichte die Wasserfläche. Da konnte diese für Momente dem Eis Konkurrenz machen. Das Eis aber leuchtet immer. Es schimmert selbst in der Dunkelheit, als wären winzige Lämpchen tief in ihm eingeschlossen. Das Eis ist so schön, dass man stiller wird als still, ein gerade noch atmendes Nichts.“ Es ist eine „Landschaft, in der man – wenigstens für eine Stunde, besser für eine Nacht – ganz allein sein muss“. (Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau vom 17.8.2007)

 

Mittwoch

Galiläa

 

(…) dort oben im Norden, unweit des Sees Genezareth (…). Die Hügel, die Wiesen, die Boote auf dem See, die Rückzugsorte und Aussichtspunkte. Jeden Morgen der weite Blick; jeden Morgen die Sonne, die den Dunst über dem Wasser in kostbarstes Silbergold tauchte. Nichts zu hören als das Plätschern der Wellen und ein paar Vogelstimmen, nichts zu sehen als das Grün der Landschaft, die den See umgibt: uralte Olivenbäume mit silbrigen Blättern, Weizen, noch grün auf den Halmen, kleine blutrote Anemonen am Wegrand. Bilder der Fülle und des Friedens, in denen sich spiegelt, was Jesus vom Reich Gottes erzählt hat. (…)

Aus dem Beitrag von Pfarrerin Barbara Hauck im Sonntagsblatt. Evangelische Wochenzeitung für Bayern Nr. 13 vom 28. März 2010

30. Dezember 2020, 04:28:18 Uhr: Vollmond

 

Donnerstag

Marcgravia evenia

 

Die tropische Pflanze Marcgravia evenia lockt ihre Bestäuber mit einem zur Reflektor-Schüssel umfunktionierten, senkrecht stehenden Blatt an. Denn die Bestäuber sind per Echo-Ortung navigierende Fledermäuse. Sie werden von den starken Schallechos des „Schüsselblatts“ angezogen. Diese ungewöhnliche Anpassung einer Pflanze an die Lebensweise ihrer Bestäubertiere hat ein deutsch-britisches Forscherteam entdeckt. „Von der ausgefeilten Echo-Ortung profitieren beide, Pflanze und Fledermaus“, erläutert der Mitautor der Studie, Marc Holderied von der School of Biological Sciences in Bristol. „Einerseits erhöht es den Erfolg der Nahrungssuche für Nektar fressende Fledermäuse“, sagt Holderied. Blumenfledermäuse statten in den Tropen jede Nacht Hunderten von Gewächsen einen Besuch ab, um ihren Energiebedarf zu decken. „Andererseits ist Marcgravia evenia ein seltenes Gewächs und daher auf sehr mobile Bestäuber angewiesen.“ Die Pflanze nimmt für ihren Akustik-Trick sogar Nachteile in Kauf. Die ungewöhnliche Form und Ausrichtung ihrer Hochblätter senke ihren Energiegewinn durch Photosynthese, schreiben die Autoren der Studie. „Doch dieser Aufwand gleicht sich aus, zum Vorteil einer effizienteren Anziehung von Bestäubern“, argumentieren Simon und seine Kollegen. Die Biologen sind überzeugt, dass weitere Pflanzen auf ähnliche Lockmanöver setzen.

 

Freitag

Insekten – kleine Riesen

 

Insekten sind die artenreichste Klasse der Gliederfüßer und zugleich die mit absoluter Mehrheit auch artenreichste Klasse der Tiere überhaupt. Beinahe eine Million Insektenarten sind bisher wissenschaftlich beschrieben worden. Damit sind mehr als 60 Prozent aller beschriebenen Tierarten Insekten. Nach verschiedenen Hochrechnungen rechnet man allerdings mit einem Vielfachen, wobei vor allem in den tropischen Regenwäldern noch Millionen unentdeckter Arten vermutet werden. Allein in Deutschland leben 33.000 Insektenarten. Näher untersucht sich davon bislang erst 7444 Arten. Mit Ausnahme der Ozeane sind Insekten in fast allen Lebensräumen und Gebieten der Erde zu finden. Dabei existiert die größte Artenvielfalt in den tropischen Gebieten, während in Extremlebensräumen wie den Polargebieten, den Hochgebirgen und den küstennahen Meeresgebieten nur sehr wenige, aber hochangepasste Insektenarten leben.

Aufgrund ihrer Vielfalt haben Insekten heute beinahe jede ihrer Größe angemessene ökologische Nische realisiert. Dabei spielt eine große Anzahl der Arten eine bedeutende Rolle bei der Remineralisierung organischer Stoffe im Boden, in der Bodenstreu, im Totholz und in anderen organischen Strukturen. Eine Reihe von Arten lebt als Nektar- und Pollensammler und spielt dabei eine wichtige Rolle bei der Pflanzenbestäubung. Weltweit werden fast 90 Prozent aller Blütenpflanzen und 75 Prozent aller wichtigen Nutzpflanzen von Insekten bestäubt. Eine Besonderheit innerhalb der Insekten stellen verschiedene Arten von staatenbildenden Insekten dar. Diese Form des Zusammenlebens hat sich mehrfach unabhängig voneinander bei den Termiten und verschiedenen Hautflüglern (Ameisen, Bienen, Wespen) entwickelt. Bei diesen Tieren kommt es zum Aufbau eines Insektenstaates, in dem die Einzeltiere bestimmte Rollen innerhalb der Gesellschaft übernehmen.

Zum Insekt des Jahres 2020 hat das „Senckenberg Deutsche Entomologische Institut“ im brandenburgischen Müncheberg den Schwarzblauen Ölkäfer gekürt.

Das Insektensterben ist ein ganz gravierendes, bisher stark unterschätztes Problem. Unter anderem Käfer, Falter, Bienen, Libellen, Heuschrecken und Wanzen sind betroffen. Ich schätze, dass die Masse der Insekten insgesamt seit den 1980er Jahren um mindestens ein Drittel abgenommen hat. Langzeit-Untersuchungen des Naturschutzbundes (NABU) in Nordrhein-Westfalen haben gezeigt, dass dort die Fluginsekten im letzten Vierteljahrhundert in manchen Gebieten sogar um bis zu 80 Prozent zurückgegangen sind. Die Entwicklung der Artenvielfalt bei Tagfaltern habe ich selbst untersucht. Sie sinkt seit über 100 Jahren spürbar ab, besonders dramatisch aber in den letzten 30 Jahren. Auch gibt es sehr viel weniger Nachtfalter. (…) Hauptgrund ist die Industrialisierung der Landwirtschaft – und hierbei der massenhafte Einsatz von Insektiziden sowie die Überdüngung der Böden durch Kunstdünger, Gülle und Ammoniak-Emissionen aus der Viehhaltung. Hinzu kommen die Stickstoff-Verbindungen, die aus Auto-Auspuffen und Schornsteinen stammen. Die bunten Blumenwiesen, die ich aus meiner Jugend kenne, gibt es fast nicht mehr. Sie wachsen nämlich nur auf mageren Böden, und die findet man kaum noch. Unsere Landschaft hat sich von Blüten entleert, und das ist eine Katastrophe für die Insekten, die von ihnen leben. Auch der Klimawandel setzt den Insekten zu. (Thomas Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg, in einem Interview mit Joachim Wille in: Franfurter Rundschau vom 21.6.2016)

Literatur:

  • Wandlungskünstler. Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten. Texte: Veronika Straaß und Claus-Peter Lieckfeld / Fotos: Oliver Meckes und Nicole Ottawa, Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2018
  • Insektenatlas

 

Samstag

Schneeleopard – das Phantom der Berge

 

Die fünftgrößte Großkatze, der Schneeleopard, misst von den Barthaaren bis zur Schwanzspitze rund 2,30 Meter und ist damit kleiner und auch leichter als der Leopard. Seine kürzere Schnauze und Unterschiede im Schädelbau haben dazu geführt, ihn als eine eigene Gattung zu beschreiben. Auch sein dichtes, gräulich bis braun geflecktes Fell, das vom buschigen Schwanz sogar bis unter die Pranken reicht, ist außergewöhnlich.

Die bislang wenig erforschten Raubkatzen bewohnen Bergregionen in Zentralasien, die in der der Regel mindestens 3000 Meter über dem Meeresspiegel liegen, und zwar in folgenden zwölf Ländern: Afghanistan, Bhutan, China, Indien, Kasachstan, Kirgistan, die Mongolei, Nepal, Pakistan, Russland, Tadschikistan und Usbekistan. Ein einzelner der meist als Einzelgänger lebenden Schneeleoparden hat Schätzungen zufolge ein Jagdgebiet von bis zu 25 Quadratkilometern. Nur zur jahreszeitlich festgelegten Paarungszeit – ein für Großkatzen einmaliges Phänomen – kommen sie zwischen Januar und März zusammen. Schätzungen gehen von insgesamt 3500 bis 7000 wild lebenden Individuen aus, die sich auf eine Fläche von 1,8 Millionen Quadratkilometern verteilen.

Mitte Januar 2017 trafen sich zum zweiten Mal Minister und hochrangige Regierungsvertreter der zwölf Länder des Verbreitungsgebiets des Schneeleoparden, um über konkrete Maßnahmen zu ihrem Schutz zu beraten. Das Treffen in Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, ist Teil des Globalen Programms zum Schutz des Schneeleoparden und seines Lebensraums (Global Snow Leopard and Ecosystem Protection Program, GSLEP).

 

Sonntag

Menschenzeit

 

Das Alter der Erde beträgt nach aktueller Auffassung rund 4,5 Milliarden Jahre. Stellt man sich diese ungeheure Zeitspanne auf einen einzigen Tag verkürzt vor, so beginnt das Leben um 4 Uhr morgens mit dem Auftreten der ersten Einzeller. Die nächsten 16 Stunden passiert dann so gut wie gar nichts; erst um halb neun abends, wenn der Tag schon zur Neige geht, erscheinen die ersten Meerespflanzen. An Land wachsen Pflanzen erst eineinhalb Stunden später, nämlich gegen 22 Uhr; und kurz darauf sind die ersten Landtiere zu sehen. Nach einer zehnminütigen Phase wärmeren Wetters fliegen die ersten Insekten umher; anschließend gegen 23 Uhr und damit nicht lange vor Mitternacht – bevölkert sich die Erde mit riesigen Dinosauriern, die rund 40 Minuten bleiben und dann wieder verschwinden. Um 20 Minuten vor 24 Uhr beginnt die Zeit der Säugetiere, und ganz zum Schluss – 77 Sekunden vor Tagesablauf – erscheinen endlich auch wir Menschen auf der Bildfläche.


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