50. Kalenderwoche (7.–13. Dezember 2020)

 

Geminiden
Karst
 Tongariro-Nationalpark Lotosblume
Bärtierchen Roter Thun Seufzen

 

 

Montag

Geminiden

 

Vom 5. bis 15. Dezember flammen die Geminiden auf. Sie gelten als der stärkste Sternschnuppenregen des Jahres. Ihre größte Aktivität entfalten sie in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember, wo um Mitternacht stündlich bis zu 120 Sternschnuppen und teilweise helle Boliden aufleuchten. Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Sternschnuppenregen der Geminiden beobachtet. Das Sternbild Zwillinge (Lateinisch gemini) stand deshalb Pate, weil die Dezembersternschnuppen aus genau dieser Richtung zu fallen scheinen. Tatsächlich entstammen sie einer Staubwolke, die ein Asteroid mit dem Namen Phaeton hinterließ und welche der Erde auf ihrer Bahn um die Sonne jedes Jahr um die gleiche Zeit durchquert. Dabei treten die Staubpartikel in die Erdatmosphäre ein, in der sie dann die als Sternschuppen bekannten Leuchtphänomene erzeugen. Der Schwarm der Geminiden bringt oft besonders viele und helle Sternschnuppen hervor.

Im Vergleich zu anderen Sternschnuppenströmen weisen die Geminiden einige Besonderheiten auf. So ziehen die Meteore des Stroms deutlich langsamer über den Himmel als die Perseiden, die im Sommer zu beobachten sind (vgl. 32. Kalenderwoche). Sie treten mit einer Geschwindigkeit von etwa 35 Kilometern pro Sekunde in die Erdatmosphäre ein und sind dadurch leichter zu entdecken als die schnelleren Sommersternschnuppen. Als weitere Eigentümlichkeit der Geminiden gilt, dass in den Stunden des Sternschnuppenmaximums zunächst die lichtschwächeren und erst am Ende die hellsten Meteore aufleuchten.

 

Dienstag

Karst

 

Karst ist eine Geländeformation aus wasserlöslichen Gesteinen – meist Kalkstein, aber auch Gips und Salzstein –, die durch Regen und CO2 verwittern, sodass mit der Zeit Höhlen und bizarr geformte Landschaften mit Dolinen, Türmen oder Kegeln entstehen. Karste sind nicht einfach Ablagerungen toter Steine. Sie sind aktiv, ähneln einer Lunge mit vielen Lungenbläschen: Sie nehmen Regenwasser und Kohlendioxid auf, speichern einen Teil und geben einen Teil wieder ab, was wiederum zur weiteren Verkarstung beiträgt. Pro Jahr nehmen die Karstgebiete der Welt 0,41 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und geben im Verkarstungsprozess 0,3 Milliarden Tonnen ab. Sie speichern also jährlich 0,11 Milliarden Tonnen, was ihre Bedeutung für den globalen Kohlenstoffkreislauf ausmacht. Die Gesteine verändern ihre chemische Zusammensetzung und ihre Struktur in einem andauernden Prozess. Es bilden sich Höhlen, die den Wasserkreislauf regulieren, Quellen versorgen und Flüsse speisen. Wissenschaftler warnen vor einem Eingriff in Karste vor allem im Hinblick auf die Gefährdung der Wasserversorgung, aber auch auf andere Folgen wie Überschwemmungen und Dürren.

Quelle: Anett Keller und Marianne Klute, Dreckiger Zement. Der Fall Indonesien, in: Le Monde diplomatique vom 13. Oktober 2016

 

Mittwoch

Tongariro-Nationalpark

 

Der neuseeländische Tongariro-Nationalpark im Zentrum der Nordinsel hat eine besondere Geschichte: Als der Maori-Häuptling Te Heu Heu Tukino im Jahr 1887 erkannte, dass sein Land von Weißen besiedelt und die Natur gefährdet war, schenkte er im Namen seines Stammes am 23. September 1887 den Kern des heutigen Nationalparks, bestehend aus den Gipfeln des Tongariro, Ngauruhoe und Teilen des Ruapeh und dem Land dazwischen, der britischen Krone und den neuseeländischen Bürgern mit der Bedingung, dieses Gebiet zum Nationalpark zu machen. „He kura kainga e hokia; he kura tangata e kore e hokia“ – „Der Schatz der Natur überdauert alle Zeiten, die Werte der Menschen aber sind vergänglich.“ Mit diesen Worten des weisen Häuptlings entstand der erste Nationalpark Neuseelands.

Der Tongariro-Nationalpark ist der viertälteste Nationalpark weltweit. Im heutigen Umfang umfasst er eine Fläche von ungefähr 795,98 Quadratkilometern. Im Zentrum des Parks befinden sich drei aktive Vulkanberge: der Tongariro (1968 m), der Ngauruhoe (2291 m) und der Ruapehu (2797 m). Auf dem Gebiet des Nationalparks befinden sich mehrere Kultstätten der Māori, die die Vulkane als heilig verehren.

Im Januar 1991 hat die Unesco den Tongariro-Nationalpark zum Weltnaturerbe erklärt. Zwei Jahre später erfolge auch die Ernennung zum Unesco-Weltkulturerbe. Zur Begründung hieß es, der Tongariro-Nationalpark sei direkt und fühlbar mit Ereignissen, gelebten Traditionen, Ideen und Überzeugungen von globaler Bedeutung verbunden, repräsentativ für die Kultur der Ngati Tuwharetoa, anfällig gegenüber irreversiblen Veränderungen, ein Repräsentant der Interaktion menschlicher Werte und kultureller Ideen über verschiedene Epochen hinweg, ein Ort, an dem bedeutende geologische und geomorphische Prozesse stattfinden sowie außergewöhnlicher Schönheit der Natur und hervorragender natürlicher Phänomene und ein Ort, der Werte von herausragender Bedeutung aus wissenschaftlicher und natur- beziehungsweise denkmalschützerischer Sicht enthält.

 

Donnerstag

Lotosblume

 

Die Lotosblume, auch Lotos oder Lotus genannt, ist die einzige Gattung der Pflanzenfamilie der Lotosgewächse. Sie enthält nur zwei Arten: Die Indische und die Amerikanische Lotosblume. Das Besondere an den Blättern des Lotos ist, dass sie flüssigkeitsabweisend sind, sodass beispielsweise Wasser einfach abperlt. Dadurch bleiben die Blätter stets sauber; es können sich keine Pilze oder andere Organismen auf ihnen ausbreiten, die der Pflanze schaden könnten. Diese Fähigkeit ließ den Lotos in weiten Teilen Asiens zum Sinnbild für Reinheit, Liebe, Weisheit und spirituelle Erleuchtung und zum Sinnbild des Absoluten werden. Das Symbol findet sich sowohl im Hinduismus als auch im Buddhismus, wo die Erleuchteten, insbesondere Siddhartha Gautama, regelmäßig auf einer geöffneten Lotosblüte oder einem Lotosthron stehend oder sitzend dargestellt werden.

 

Freitag

Bärtierchen

 

Bärtierchen, mikroskopisch kleine wirbellose Tiere, auch Tardigraden („Langsame Geher“) genannt (tardus = langsam, gradi = schreiten), weil sie sich langsam, tastend fortbewegen, leben fast überall: im Hochgebirge, in der Tiefsee, in der Antarktis und den Tropen. Sie haben die faszinierende Fähigkeit, einzutrocknen oder zu gefrieren, ohne dabei Schaden zu nehmen. Einem enzymgesteuerten Stoffwechsel ist das eigentlich nicht möglich. Was kann eine Zelle in die Lage versetzen, völlig auszutrocknen oder zu gefrieren, ohne dabei abzusterben? Biologen, Zoologen, Genforscher und Chemiker versuchen seit langem, den kuriosen Überlebens-Mechanismus zu entschlüsseln; bislang ist aber der große Durchbruch ausgeblieben. Die Tardigraden sind evolutionstechnisch betrachtet sehr alte Lebewesen. Neuere Untersuchungen von Mikrofossilien wiesen Tiere aus dem Kambrium nach, die den Tardigraden sehr ähnlich waren.

Amerikanische Forscher haben kürzlich festgestellt, dass Bärtierchen weit mehr fremde DNA in ihrem Genom tragen, als von jedem anderen Tier bekannt ist. Fast ein Sechstel stammt von Bakterien, Pflanzen, Pilzen oder Archaeen.

 

Samstag

Roter Thun

 

Durch die Weltmeere schwimmt kein prächtigerer Fisch als der Rote Thun (Thunnus thynnus), auch Großer Thun, Nordatlantischer Thun oder Blauflossen-Thunfisch genannt. Er wird mehr als dreieinhalb Meter lang, wiegt an die 700 Kilogramm und kann 30 Jahre alt werden. Dank seiner exquisiten Stromlinienform schießt er mit bis zu 40 Stundenkilometern durchs Wasser und kann fast einen Kilometer tief tauchen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fischen hat er einen Warmblüterkreislauf und durchstreift die Meere von der Arktis bis in die Tropen. Früher wanderten die Großen Thunfische zu Millionen durch Atlantik und Mittelmeer. Ihr Fleisch war für die Menschen so wichtig, dass sie sein Bild an Höhlenwände malten und auf Münzen prägten. Heute ist der Rote Thun massiv überfischt und steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten der Weltnaturschutzorganisation (IUCN). 85 Prozent des im Mittelmeer gefangenen Thunfisches wird nach Japan exportiert und dort häufig zu Sushi verarbeitet. Nach neueren wissenschaftlichen Studien gibt es heute im Mittelmeer und im Ostatlantik nur noch etwa sechs Prozent der ursprünglich vorhandenen Bestände. Der Filmemacher Mark S. Hall behandelt die Überfischung des Blauflossenthunfisches in dem 2011 produzierten Dokumentarfilm „Sushi – The Global Catch“.

 

Sonntag

Seufzen

 

Seufzen nennt man das geräuschvolle Ausatmen eines Menschen, das manchmal mit einem kehligen Knacklaut verbunden ist. Ein Seufzer wird meist nach einer belastenden Situation ausgestoßen und hat häufig eine befreiende Wirkung.

Besonders häufig – nämlich alle 50 bis 100 Atemzüge – machen Babys einen tiefen Seufzer. Das hilft ihnen, einen regelmäßigen Atemrhythmus zu entwickeln. Die tiefen Atemzüge dienen dem Atemkontrollzentrum im Gehirn als eine Art „Reset-Schalter“. Dieser unterbricht den Rhythmus, wenn die Atemzüge zu langsam und zu gleichförmig werden. So entsteht ein stabiler Rhythmus, der trotzdem noch variabel genug ist, um kurzfristig auf Veränderungen im Sauerstoffbedarf reagieren zu können.


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