47. Kalenderwoche (16.–22. November 2020)

 

Kosmische Strahlung
Nebel
Elgygytgyn-See Vogelbeere
Schlangen Schuppentiere Tod/Endlichkeit

 

 

Montag

Kosmische Strahlung

 

Als Kosmische Strahlung bezeichnet man den Teilchenhagel, der ununterbrochen auf die Erdatmosphäre prasselt. Die Teilchen bestehen vorwiegend aus Protonen, daneben aus Elektronen und vollständig ionisierten Atomen. Auf die äußere Erdatmosphäre treffen zirka 1000 Teilchen pro Quadratmeter und Sekunde. Durch Wechselwirkung mit den Gasmolekülen entstehen Teilchenschauer mit einer hohen Anzahl von Sekundärteilchen, von denen aber nur ein geringer Teil die Erdoberfläche erreicht.

Die Quellen der schnellen Teilchen sind noch weitgehend unerforscht. Unter anderem sendet die Sonne unentwegt kosmische Teilchen aus, den Sonnenwind. Die am 22. September 2017 im Fachblatt Science veröffentlichte Analyse der Messdaten des Pierre-Auger-Observatoriums in Argentinien zeigt, dass die energiereichsten Teilchen der Kosmischen Strahlung nicht aus der Milchstraße, sondern aus benachbarten Galaxien stammen. Allerdings können die Forscher bisher nur eine an Galaxien besonders reiche Region des Weltalls als Ursprung verantwortlich machen, nicht einzelne Objekte.

Das Magnetfeld der Erde bildet einen Schutzschild gegen kosmische Strahlung. Würde es schwächer werden, wären die Erde und seine Bewohner diesen gefährlichen Teilchen aus dem All ausgeliefert – denn ähnlich wie Röntgenstrahlung in hohen Dosen schädigt kosmische Strahlung Zellen. Das Erdmagnetfeld ist also die Bedingung dafür, dass auf einem Planeten Leben entstehen kann. Da die kosmische Strahlung Veränderungen im Erbgut bewirken kann, betrachten Biologen sie aber auch als einen wichtigen Motor für die Evolution; ohne sie hätte die Natur wohl kaum die heute zu beobachtende Artenvielfalt hervorgebracht.

 

Dienstag

Nebel

 

Das Wort Nebel hat griechische und lateinische Wurzeln und bedeutet nichts anderes als „Wolke“. Dabei sind in der Nähe des Erdbodens Wassertröpfchen ganz fein in der Luft verteilt. Von Nebel spricht man, wenn die Sichtweite geringer als ein Kilometer ist. Beträgt die Sichtweite mehr als einen, aber weniger als vier Kilometer, herrscht Dunst. Nebel oder Dunst sind tatsächlich nichts anderes als eine Wolke, die Bodenkontakt hat. Im Gebirge können Wolken, die einen Hang berühren, zu Nebel werden; man spricht dann von „aufliegender Bewölkung“.

Nebel entsteht, wenn mit Wasserdampf gesättigte Luft abkühlt. Dann kommt es zur sogenannten Kondensation. Das heißt, die in der Luft vorhandene Feuchtigkeit schließt sich zu immer größeren Tröpfchen zusammen, bis wir sie schließlich sehen können und sich diese als Feuchtigkeit auf Gegenständen niederschlagen. Darum entwickelt sich Nebel oft am Abend oder in der Nacht, wenn sich warme und feuchte, bodennahe Luft abkühlt. Nebel tritt deshalb besonders im Herbst auf, weil die Luft nach und nach immer kühler wird und die aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdboden dann Nebel bildet. Weil kühle Luft nach unten sinkt, entsteht Nebel meist zunächst in Senken und Tälern sowie dicht über dem Boden. Wenn Nebel örtlich nur in einem sehr kleinen Bereich entsteht, spricht man auch von einer Nebelbank.

 

Mittwoch

Elgygytgyn-See – arktisches Klimaarchiv

 

Der Elgygytgyn-See (der „Weiße See“) ist ein See in Ostsibirien. Er hat einen Durchmesser von etwa zwölf Kilometern und ist 169 Meter tief. Sein Name bezieht sich auf die lange Eisbedeckung: Der See ist neun Monate im Jahr mit Eis bedeckt. Lediglich von Mitte Juli bis Oktober ist er eisfrei.

Der Elgygytgyn-See ermöglicht der Wissenschaft eine einzigartige Zeitreise in die Klima-Geschichte unserer Erde. Vor 3,6 Millionen Jahren schlug hier ein riesiger Meteorit auf. Er schuf einen 18 Kilometer breiten Krater, der heute den 169 Meter tiefen See beherbergt. Von November bis Juni ist er zugefroren. Von der Eisfläche aus sind dann Bohrungen möglich. Vermutlich ist in dem See die arktische Klimageschichte der letzten 3,6 Millionen Jahre gespeichert. Seismische Untersuchungen zeigten, dass der Kraterboden mit einer etwa 350 Meter dicken Sedimentschicht bedeckt ist. Diese Ablagerungen wurden während keiner der vergangenen Eiszeiten durch Gletscher abgeschürft. Als „Klimaspeicher“ wurden sie also nicht „überschrieben“, denn seit der Vereisung der Nordhemisphäre waren sie sozusagen tiefgefroren.

Eine weitere Besonderheit des Elgygytgyn-Sees sind seine Fischarten. Zwei davon, Salvethymus svetovidovi und Salvelinus elgyticus, sind endemisch, kommen also nur in diesem See vor. Die dritte natürlich vorkommende Art ist Salvelinus boganidae oder ein enger Verwandter. Sämtliche Fische im See gehören zu den Lachsfischen.

 

Donnerstag

Vogelbeere

 

Die Vogelbeere, gemeinsprachlich häufiger die Eberesche oder der Vogelbeerbaum, leuchtet ganz besonders im herbstlichen Farbenspiel: Ihre großen Dolden mit korallenfarbenen Früchten zieren Gärten und Waldränder. Doch die Vogelbeere ist nicht nur schön. Sie ist auch ökologisch eine besonders wertvolle Baumart. Im Gegensatz zu Birke und Ahorn, die ihre Samen durch den Wind verbreiten lassen, hat sich die Vogelbeere auf die Verbreitung insbesondere durch Vögel spezialisiert. Farbsignale spielen für Vögel eine große Rolle. Deshalb lockt die Vogelbeere mit knalligen, orange-gelben Farben. So entsteht zwischen dem Baum und den Vögeln eine ökologische Beziehung zum gegenseitigen Nutzen. Die Vögel bekommen mit dem Fruchtfleisch Nahrung und verbreiten im Gegenzug die Samen der Eberesche, wie die Vogelbeere auch genannt wird.

Unter allen einheimischen Bäumen und Sträuchern lockt das Gewächs aus der Gattung der Mehlbeeren die höchste Anzahl an fruchtfressenden Vogelarten an: 63 verschiedene Vogelarten lädt sie mehr oder weniger häufig an ihren Tisch. Für eine Gruppe von Singvögeln spielt die farbenprächtige Baumart aber eine besonders wichtige Rolle in der Ernährung. Dies sind insbesondere die Drosselarten wie Amsel, Singdrossel und Wacholderdrossel. Diesem Umstand verdankt sie auch ihren volkstümlichen Namen „Drosselbeere“. Aber auch Rotkehlchen, Star und Mönchsgrasmücke fressen regelmäßig die nahrhaften Früchte. Als Wintergast ist der Seidenschwanz als Beerenfresser besonders auf ausreichend Ebereschen angewiesen.

 

Freitag

Schlangen

 

Schlangen sind entwicklungsgeschichtlich sehr alte Tiere, die nahezu alle Lebensräume der Erde erobert haben. Über 140 Millionen Jahre haben sie ohne Glieder überlebt. Warum Schlangen keine Gliedmaßen haben und wie sie sich dennoch über einen so langen Zeitraum erfolgreich behaupten konnten, ist bis heute nicht geklärt. Verschiedene Formen der Anpassung und eine ganze Reihe besonderer Sinnesorgane haben die Voraussetzungen für die weltweite Verbreitung der Reptilien geschaffen. Eine Schlange hat keine äußeren Ohren. Aber wenn sie ihren Kopf auf den Boden legt, kann sie ein Beutetier „hören“, das sich mehrere Kilometer weit entfernt aufhält. Die Bewegungen des Tieres erzeugen Vibrationen im Boden, welche die Schlange über den Unterkiefer wahrnimmt. Diese Schallwellen werden im Innenohr wie bei anderen Wirbeltieren in Nervenimpulse übersetzt und ans Gehirn weitergeleitet. Die typisch gespaltene Zunge dient dazu, Duftmoleküle aus der Luft einzufangen und zum Riechorgan im Gaumendach zu befördern, zu dem sogenannten Jacobson’schen Organ. Auf diese Weise „erschnuppern“ Schlangen ihre Beutetiere. Das Riechorgan spielt aber auch bei der Partnersuche eine wichtige Rolle, denn auch Sexualhormone werden über den Geruchssinn wahrgenommen.

Schlangen gibt es fast auf der ganzen Welt, außer in sehr kalten Regionen wie der Arktis, der Antarktis und in Gebieten wie zum Beispiel Teilen Sibiriens oder Alaskas, in denen der Boden das ganze Jahr über gefroren ist.

In Deutschland gibt es nicht nur sechs, sondern sieben Schlangenarten – das wurde offiziell am 7. August 2017 bekannt gegeben. Genetische Untersuchungen von mehr als 1.600 Schlangen haben gezeigt, dass die Barren-Ringelnatter keine Unterart der Ringelnatter ist, sondern eine eigene Art. Sie trägt im Gegensatz zur Ringelnatter barrenartige, schwarze Streifen und kann stattliche 1,90 Meter lang werden. In Deutschland ist sie hauptsächlich westlich des Rheins zu finden. Wie die Ringelnatter ist auch die Barren-Ringelnatter ungiftig. Neben der Barren-Ringelnatter und der Ringelnatter leben in Deutschland noch die (jeweils ungiftige) Schlingnatter, die Würfelnatter und die Äskulapnatter sowie die giftige Kreuzotter und die ebenfalls giftige Aspisviper, die in Deutschland wahrscheinlich nur in einem einzigen Tal im Schwarzwald vorkommt.

 

Samstag

Schuppentiere

 

Die skurril aussehenden Säugetiere mit Schuppenhaut sind etwa so groß wie eine Hauskatze. Einzigartig unter den Säugetieren ist ihre Körperbedeckung mit großen, überlappenden Hornschuppen. Im Bedrohungsfall können sie sich zu einer Kugel einrollen. Schuppentiere leben je nach Art am Boden oder auf Bäumen, meist sind sie nachtaktiv, ihre genaue Lebensweise ist aber nur unzureichend erforscht. Sie ernähren sich vor allem von Ameisen, wofür sie keine Zähne brauchen. Dafür pflegen sie kleine Steine zu essen, die die Insekten im Magen zerreiben.
Die Familie umfasst drei Gattungen mit acht Arten, von denen vier in Ost-, Süd- und Südostasien und vier in Afrika südlich der Sahara leben. Schuppentiere bevorzugen sowohl Wälder als auch teils offene Landschaften in Tieflagen und mittleren Gebirgshöhen. Aufgrund ihrer Lebensweise haben Schuppentiere einen positiven ökologischen Nutzen, indem sie die Größe und Ausbreitung von Ameisen- und Termitenpopulationen regulieren, was auch dem Menschen zugutekommt. Allerdings unterliegen die Schuppentiere einem starken Jagddruck seitens des Menschen. Die traditionelle Chinesische Medizin schreibt ihren Schuppen heilende Kräfte zu. Trotz der bereits bestehenden Handelsverbote in Asien ging der Bestand dort im vergangenen Jahrzehnt um rund 80 Prozent zurück. Händler weichen nun auf die afrikanischen der acht Arten aus. Alle acht Schuppentierarten stehen auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Man geht von drastischen Bestandsrückgängen von bis zu 90 Prozent in den nächsten drei Schuppentier-Generationen (etwa 21 Jahre) bei allen acht Schuppentierarten aus. Das Pangolin in Afrika gehört zu den am meisten geschmuggelten Spezies der Erde. Tierschützern zufolge sollen jährlich mehr als 2,5 Millionen Exemplare dieser Schuppentiere illegal gehandelt werden. Allein 2019 sollen 97 Tonnen der rund acht Zentimeter langen Schutzplättchen der Pangoline von Afrika in den Fernen Osten verfrachtet worden sein, vor allem nach China und Vietnam.

 

Sonntag

Tod/Endlichkeit

 

Und wie ist es mit dem Tod, dem „größten Feind“? Wir werden uns auch an dieser „Front“ um eine Entfeindung kümmern müssen. Im Gegensatz zu den alten Träumen von der Unsterblichkeit und noch entschiedener im Gegensatz zu den neuen Träumen von der unendlichen Verlängerung des Lebens sollten Christen die Endlichkeit der Menschen als Zeitgenossenschaft zu allen endlichen Wesen in einem endlichen Gesamtsystem nicht nur seufzend akzeptieren, sondern beherzt begrüßen. Endlichkeit ist nicht nur eine anthropologische, sondern auch eine kosmische Gegebenheit, darum müssen sich an ihr die ethischen Fragen nach dem Maß des Machbaren und Wünschbaren ausrichten. Die Begrenztheit unseres Erdenraumes zieht die Begrenztheit unserer Lebenszeit nach sich. Damit aber erhält die Spanne, die uns zugemessen ist, einen besonderen Wert. Darum sollten wir uns darum mühen, dass die Lebenszeit für möglichst viele Menschen möglichst erfüllt, sinnvoll und schöpferisch verlaufen kann. Der unzeitige, gewaltsame Tod (als Folge von Hunger, Vertreibung, Krieg, Folter) bleibt eine Provokation, mit der wir uns nicht abfinden können. Aber es gibt auch den willkommenen Tod, wenn wir „lebenssatt“ sind. Erde zu Erde, Asche zu Asche, Sternenstaub zu Sternenstaub. Auch das ist Heimkehr. Wir bleiben geborgen.

Geiko Müller-Fahrenholz, Heimat Erde. Christliche Spiritualität unter endzeitlichen Lebensbedingungen, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2013, Seite 119


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