46. Kalenderwoche (9.–15. November 2020)

 

Polarlicht Gullfoss
Okavangodelta Schlehdorn
Papageitaucher Die Tierwelt Madagaskars
Beziehung

 

 

Montag

Polarlicht

 

Zu den schönsten und eindrucksvollsten Himmelserscheinungen gehört das Polarlicht (als Nordlicht am Nordpol wissenschaftlich Aurora borealis, als Südlicht am Südpol Aurora australis). Das Naturphänomen entsteht durch Explosionen auf der Sonne: Elektrisch geladene Sonnenpartikel, die sich zum Sonnensturm formen und nach rund 18 Stunden die Erdatmosphäre erreichen, werden entlang der Magnetfeldlinien zu den Polen gelenkt und treffen auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre. Dort regen sie Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle zum Leuchten an. Ihr grünes Licht wirbelt wie ein magischer Flammentanz durch die schwarze Nacht. Das Nordlicht-Oval erstreckt sich über Kanada, Alaska, den nördlichsten Teil Sibiriens, Südgrönland, Island und Nordnorwegen, -schweden und -finnland; in Nächten nach starken Explosionen dehnt es sich aus, im Winter 2015/2016 bis nach Bayern.

Zwischen Oktober und März besteht die beste Gelegenheit, diese außergewöhnliche Erscheinung häufig und klar zu sehen. Das Polarlicht zeigt sich in vier Phasen. Durch die Bewegung in der Atmosphäre werden zunächst Atmosphärenpartikel aktiviert. Dabei zeigen sich leichte weiß-grau-grünliche Schleier am Himmel. Wenn die Sonnenpartikel die Erdatmosphäre erreichen und auf der Tagseite eindringen, wird die Farbe intensiver, die Lichter sind als Bänder zu sehen. Am stärksten sind die Nordlichter in der dritten Phase zu sehen, wenn die Sonnenpartikel auf der Nachtseite in die Erdatmosphäre hineingeschleudert werden. Für zehn bis 15 Minuten tanzen die Nordlichter dann am Himmel, ehe das Licht langsam über Schleier und Bänder verschwindet.

„Das erste Mal Polarlicht zu sehen, ist unheimlich – und ergreifend. Wie ein zitterndes Chiffontuch zieht es über den nachtblauen Himmel, grün, hellgrün, leicht gelbe Schattierungen, immer in Bewegung. Kleine Blitze funken dazwischen, verlieren sich hinter den dunklen Felsen, bäumen sich zu neuen Kaskaden auf. Ein Schauspiel voller Höhepunkte… Es erscheint so unzuverlässig wie eine Diva, gibt sich glamourös, verschwindet so schnell, wie es gekommen ist. Es ist wunderschön. Und leider nicht annähernd zu beschreiben.“ Im Juli 2012 haben Forscher herausgefunden, dass Polarlichter auch weit hörbar knallen können.

 

Dienstag

Gullfoss (Goldener Wasserfall)

 

Der Gullfoss (isl. gull = „Gold“, foss = „Wasserfall“) ist einer der schönsten Wasserfälle der Welt und eines der Wahrzeichen Islands. Der Gletscherfluss Hvítá donnert hier mit seinen gewaltigen, beeindruckenden Wassermassen über Steinstufen in eine tiefe Basaltschlucht. Der Wasserfall besteht aus zwei Stufen, von denen die erste elf Meter und die zweite 21 Meter Höhe besitzt. Diese beiden Kaskaden stehen etwa rechtwinklig zueinander. Seinen Namen „Goldener Wasserfall“ hat der Gullfoss von dem Sprühnebel, der ihn bei besonderer Sonneneinstrahlung wie ein Goldregen umgibt.

Dass es diesen Wasserfall noch gibt, ist dem Einsatz von Sigríður Tómasdóttir vom nahegelegenen Hof Brattholt zu verdanken, die um 1920 gegen den Bau eines Elektrizitätswerks am Wasserfall anging. Eine englische Gesellschaft hatte den Wasserfall gepachtet, um einen Staudamm zu errichten und Elektrizität zu erzeugen. Nach jahrelangem Rechtsstreit mit Hilfe des Rechtsanwalts und späteren Präsidenten von Island, Sveinn Björnsson, als alle Anstrengungen hoffnungslos erschienen und Sigríður mit dem Freitod in den Fluten drohte, konnte der Vertrag schließlich aufgrund einer zu spät gezahlten Pacht aufgelöst werden und ging schließlich zurück an den isländischen Staat. Ein Projekt von 1977, das 2444 Gigawattstunden Strom pro Jahr hätte liefern sollen und drei Viertel der Wassermenge abgezweigt hätte, wurde ebenfalls abgelehnt. Seit 1979 steht der Wasserfall unter Naturschutz.

 

Mittwoch

Okavangodelta

 

Das Okavangodelta ist das im Nordwesten Botswanas gelegene Binnendelta des Okavangos. Es wird im Süden durch die Kunyere- und Thamalakane-Spalte begrenzt, die als hydrologische Barriere quer zum Okavango verlaufen, und eine südliche Fortsetzung des Afrikanischen Grabenbruchs. Der Okavango fächert sich dabei auf und versickert im Sand der Kalahariwüste bzw. verdunstet zu großen Teilen. Dabei bildet er mit über 20.000 Quadratkilometern eines der größten und tierreichsten Feuchtgebiete Afrikas.

Die Größe des Deltas und die Besonderheit, dass der Wasserstand im Delta genau dann seinen Höhepunkt erreicht, wenn im Umland Trockenzeit herrscht, haben zur Folge, dass sich im Umfeld des Okavangodeltas eine extrem vielseitige und dichte Tierwelt angesiedelt hat. Bisher wurden 71 Fischarten, 33 Amphibienarten, 64 Arten von Reptilien, 444 Vogelarten und 122 Säugetierarten identifiziert. Der seltene Braunkehlreiher kommt fast nur im Okavangodelta vor. Viele Arten, die vom Wasser abhängen, wandern während der Trockenzeit, wenn das Delta seinen Höchststand hat, verstärkt vom Umland ins Delta ein, darunter zum Beispiel Elefanten, Büffel, Gnus. Der Tierreichtum hat auch eine hohe Populationsdichte von Raubtieren, darunter Afrikanische Wildhunde, Hyänen, Löwen, Leoparden und anderer Raubkatzen zur Folge. Die Sumpf- und Wasserflächen sind außerdem die Heimat Hunderter zum Teil sehr seltener Vogelarten.

Seit 2014 gehört das Okavangodelta zum Unesco-Weltnaturerbe.

  • Dreiteilige Dokumentationsreihe „Okawango – Fluss der Träume“ (Österreich 2019)

Das weltweit größte Flussdelta ist das Mekongdelta im Südwesten von Vietnam. Es ist durch Sedimentation anstelle einer Meeresbucht entstanden und wächst heute immer noch jährlich um etwa 80 Meter. Es umschließt eine Fläche von ungefähr 39.000 Quadratkilometern.

 

Donnerstag

Schlehdorn

 

Spätherbst, die Pflanzenpracht verblasst. Doch genau hinschauen lohnt sich, zum Beispiel bei den schönen und nützlichen Schlehen.
Der sonst recht unauffällige Schlehdorn hatte im Frühjahr, meist für nur wenige Tage, seinen großen Auftritt: Die dunklen, noch unbelaubten Zweige umhüllten sich mit einem strahlend weißen Schleier aus zart duftenden Blüten, um Fliegen, Schwebfliegen, Bienen- und Käferarten sowie verschiedene Falter einzuladen. Diesem Blütenzauber kann sich auch der Mensch kaum entziehen. „Schlehenzeit“ ist für viele Vogel- und Säugerarten jedoch jetzt, vom Herbst bis in den Winter, wenn die blauschwarz bereiften kugeligen Steinfrüchte signalisieren: Hier gibt es noch immer Nahrung.
Mit seinen dornenbesetzten, stark verästelten Zweigen und seinen Wurzelsprossen kann der zwei bis drei Meter hohe Schlehdorn schier undurchdringliche Dickichte bilden. Das macht ihn zum wertvollen Schutzgehölz für Vögel und andere Tiere.

 

Freitag

Papageitaucher

 

Der Papageitaucher ist eine Vogelart aus der Familie der Alkenvögel und brütet in Erdhöhlen an und auf Klippen oder an deren Fuß im nördlichen Atlantik sowie im westlichen Nordpolarmeer. Bis 1830 war die Art noch Brutvogel auf Helgoland. Derzeit gibt es auf Helgoland wieder vermehrt Sommerbeobachtungen, aber bislang noch keine Brutversuche.

Die Papageitaucher sind im Brutkleid durch ihre dreieckigen, seitlich abgeflachten, bunten rot-blau-gelben Schnäbel, durch ihre gedrungene, dickköpfige Gestalt und durch ihr schwarz-weißes Gefieder und die leuchtend orange-roten Füße unverwechselbar. Im Ruhekleid ist der Schnabel zwar etwas kleiner, aber immer noch als Papageitaucherschnabel erkennbar. Der Papageitaucher kann 60 bis 70 Meter tief tauchen und schraubt sich regelrecht nach unten, indem er seine kleinen Flügel wie Propeller einsetzt. Schwimmhäute zwischen den Zehen machen aus seinen Füßen außerdem gute Steuerpaddel. Papageitaucher fliegen bis zu 88 Stundenkilometer schnell und schlagen 400-mal in der Minute mit den Flügeln.

 

Samstag

Die Tierwelt Madagaskars

 

Meeresströmungen sind der Schlüssel für die Artenvielfalt Madagaskars. Sie gilt weltweit als einzigartig. Nirgendwo leben so viele Tierarten, die an keinem Ort sonst vorkommen: vom merkwürdigen Fingertier über Streifentenreks, die an unsere Igel erinnern, bis zum kleinsten Chamäleon der Erde, das auf einer Streichholzschachtel Platz findet. Viele von ihnen gelangten vor etwa 50 Millionen Jahren von Afrika aus über das Meer auf die Insel: Sie schwammen oder kamen mit einer Art Floß. Dabei halfen ihnen die damals noch günstigen Meeresströmungen, berichteten Forscher im Fachmagazin PNAS. Als sich vor etwa 20 Millionen Jahren die Strömungen veränderten, gelangten nur noch Tiere, die fliegen konnten, nach Madagaskar. Die meisten Arten, selbst Amphibien, seien vorher per Floß gekommen, wahrscheinlich auf einer Art Pflanzenmatte.

Die Insel gilt als das Reich der Lemuren, eine Teilordnung der Primaten. Lemuren kommen ausschließlich auf Madagaskar und kleineren Inseln in der Nähe vor. Der größte, der Indri, lebt ausschließlich in den Regenwäldern im Osten der Insel. Rund 100 Arten sind bekannt. Anders als die meisten Primaten fressen sie hauptsächlich Blätter statt Früchte. Der Grund für die besonderen Fressgewohnheiten der Lemuren könnte der relativ niedrige Proteingehalt des dortigen Obstes sein, vermuten Forscher im Fachblatt „Scientific Reports“ vom 31. Oktober 2017. Laut dem am 9. Juli 2020 von der Weltnaturschutzunion IUCN vorgelegten Update für die Internationale Rote Liste der bedrohten Arten sind von den insgesamt noch 107 existierenden Lemurenarten 103 gefährdet; 33 Arten stehen kurz vor dem Aussterben.

 

 

Sonntag

Beziehung

 

Wahrnehmung und Wertschätzung, darum geht es in jeder Beziehung.
Wir Menschen wollen sehen und gesehen werden. Nichtbeachtung tötet eine Beziehung. Deswegen ist es wichtig, dass wir einander wahrnehmen, aber auch, dass wir uns als Person zu erkennen geben.
Wir brauchen Echo, brauchen Resonanz. Die Erfahrung, dass sich andere auf uns einschwingen können. Dass sie uns nicht nur sachlich, vom Kopf her, verstehen, sondern dass sie mitempfinden und mitfühlen.


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