4. Kalenderwoche (20.–26. Januar 2020)

 

Milchstraße  Gletscher  Ilulissat-Eisfjord  Moose  Eulen  Krokodile  Lernen

 

 

Montag

Die Milchstraße – unsere kosmische Heimat

 

Die Milchstraße, unsere kosmische Heimat, hat einen Durchmesser von ca. 100.000 Lichtjahren (ein Lichtjahr = 9,46 Billionen Kilometer) und ist zwischen 3000 und 16.000 Lichtjahren dick. Sie besteht aus 200 bis 300 Milliarden Sternen (und ist doch nur eine von Milliarden Galaxien in den unendlichen Weiten des Universums). Bislang haben die Astronomen nur ein unvollständiges Bild vom Aufbau unseres Milchstraßensystems. Sie gehen von einer flachen, diskusartigen Scheibe mit zwei Hauptspiralarmen und einigen kleineren Zwischenarmen aus, deren Zahl allerdings nicht bekannt ist. Die Sonne liegt etwa 26.000 Lichtjahre von ihrem Zentrum entfernt im Orion-Arm, der Abzweigung eines von mehreren Spiralarmen.

Unsere Milchstraße flattert wie eine Flagge im Wind. Sie rotiert also nicht nur, sondern bewegt sich auch senkrecht zur Fläche der galaktischen Scheibe. Kräfte, deren genauer Ursprung noch unklar ist, stoßen diese Bewegungen aus unterschiedlichen Richtungen an. Astronomen vermuten, dass kleinere Galaxien, die quer durch die Milchstraße fliegen, ein Grund dafür sein könnten.

Die Milchstraße hat die Form einer verbogenen Spirale. Das zeigt eine detaillierte dreidimensionale Karte unserer Heimatgalaxie. In den Außenbezirken der Milchstraße ist die galaktische Scheibe nämlich auf einer Seite nach oben gebogen und auf der anderen Seite nach unten. Zu diesem Schluss kommt ein chinesisch-australisches Forscherteam um Chen Xiaodian von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking, das seine Erkenntnisse am 4. Februar 2019 im Fachmagazin „Nature Astronomy“ vorgestellt hat.

 

Dienstag

Gletscher

 

Schnee ist der Ursprung und das Lebenselixier jedes Gletschers. Damit ein Gletscher entsteht, muss in einer Region mehr Schnee fallen als abtauen kann. Wenn auf einer Fläche Schnee im Sommer liegenbleibt und dann weiterer Schnee fällt, so drücken die oberen Schichten die darunter liegenden zusammen und pressen sie zu Eis.

Gletscher speichern 70 Prozent des Süßwassers der Welt und sind nach den Ozeanen die größten Wasserspeicher der Erde. Sie bedecken in den Polargebieten große Teile der Landflächen. Gletscher sind bedeutende Wasserzulieferer für viele Flusssysteme und haben entscheidenden Einfluss auf das Weltklima. In vielen Regionen sind die Bewohner auf das Eis aus den Gletschern angewiesen: Sie benötigen es als Trinkwasser, für ihre Felder und zur Energiegewinnung.

Der geballten Kraft eines Gletschers kann sich nichts widersetzen. Die Kraft, mit der er von den höchsten Gipfeln der Berge ins Tal vordringt, ist einzigartig in der Natur. Doch so mächtig er auch ist, er hat einen Feind: die Temperatur. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist nahezu weltweit ein deutlicher Rückgang der Gletscher zu beobachten. Laut neuester Berechnungen haben die Gletscher weltweit zwischen 1961 und 2016 9629 Milliarden Tonnen an Eis eingebüßt.

Der Große Aletschgletscher in der Schweiz ist der flächenmäßig größte und längste Gletscher der Alpen. Der riesige Eisfluss erstreckt sich über 23 Kilometer von seinen Ursprüngen in der Jungfrau-Region (4000 Meter über dem Meeresspiegel) bis 2500 Meter tiefer ins Wallis. Am 13. Dezember 2001 wurde das Gebiet des Gletschers zusammen mit dem Aletschwald und den umliegenden Regionen zum Unesco-Weltnaturerbe erklärt.

In Deutschland gibt es heute nur noch fünf Gletscher. Sie befinden sich rund um die Zugspitze und bei Berchtesgaden. Der größte ist der Nördliche Schneeferner, der südlich des Zugspitzgipfels gelegen ist. Allein in den vergangenen 20 Jahren hat er ein Drittel seiner Fläche verloren. Vor 200 Jahren war noch das ganze Hochplateau der Zugspitze vergletschert.

Zur faszinierenden Lebensweise des Gletscherflohs (Desoria saltans, zeitweise auch Isotoma saltans), dessen Überleben durch das Abschmelzen der Gletscher in Gefahr ist, der aber auch zum Symbol der Katastrophe wird, vgl. diesen Artikel von Manfred Niekisch in der der Frankfurter Rundschau vom 31. August/1. September 2019.

 

Mittwoch

Ilulissat-Eisfjord

 

Die 40 Kilometer lange und sieben Kilometer breite Förde 250 Kilometer nördlich des Polarkreises an der Westküste Grönlands ist mit Eisbergen aller erdenklichen Formen und Größen gefüllt, ein „unfassbares Naturschauspiel“, wie Kai Sørensen, der Vizedirektor des Geologischen Instituts in Kopenhagen, es beschreibt. Nirgends sonst auf der Welt findet sich eine so große Ansammlung von Eisriesen auf derart engem Raum. Schuld an dieser einzigartigen Eisberg-Kinderstube ist der Gletscher Sermeq Kujalleq. Er gilt als einer der aktivsten Gletscher der Welt, der bis 40 Meter fließt – am Tag! Dabei brechen wuchtige Eismassen ab, die unter lautem Donner ins Meer klatschen. Die größten von ihnen treiben als riesige Eisberge langsam zum Ausgang des Fjords.

Während der Gletscher in den Jahren 1950 bis 1999 stabil blieb, hat sich die Gletscherzunge in den Jahren 2001 bis 2007 um etwa zehn Kilometer zurückgezogen.

Aufgrund seiner gewaltigen Ausmaße und seiner großen Bedeutung für die Gletscherforschung wurde der Ilulissat-Eisfjord im Jahr 2004 zum Unesco-Weltnaturerbe erklärt.

 

Donnerstag

Moose

 

Moose sind grüne Landpflanzen, die sich mit Sporen vermehren, so wie es Farne, Flechten und Pilze tun. Jeder hat diese schon einmal gesehen, im Wald, in Pflasterritzen oder auf seinem Mülltonnenhäuschen. Die meisten Menschen machen sich aber nie die Mühe, sie einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Viele bemühen sich lieber Stunde um Stunde, die als unordentlich angesehenen Gewächse mit Hochdruck zu entfernen. Dabei haben die kleinen Pflanzen viel zu bieten. 1159 verschiedene Arten, alle mit unterschiedlichen Wuchsformen, Verzweigungen, Zelltypen – ein Feuerwerk an Formen und Farben eröffnet sich einem Interessierten, wenn er nur einmal mit der Lupe oder dem Mikroskop „genauer hinschaut“. (Vogelschutz 1/08)

Entgegen der landläufigen Meinung haben die weltweit rund 34.000 Moosarten keine Wurzeln. Moose sind an ihre Umgebungsfeuchtigkeit angepasst und nutzen unter anderem ihre Oberfläche zum Wassertransport. Da Moose nicht wie höhere Pflanzen eine Epidermis und eine Cuticula besitzen, trocknen die meisten Arten außerordentlich leicht aus. Besonders viele Moose (von der Masse her) gibt es deshalb an feuchten und schattigen Orten. Umgekehrt müssen wegen dieses fehlenden Schutzes fast alle Moose auch eine völlige Austrocknung überleben. Dies wiederum befähigt sie, selbst nackte, der Sonne ausgesetzte Felsflächen zu besiedeln. Einige Moose vertragen Temperaturen von bis zu 70 Grad Celsius und können jahrelang in ausgetrocknetem Zustand überleben. Sobald es regnet oder sie aus einem anderen Grund feucht werden, entfalten sich innerhalb von Sekunden ihre Blätter und aus einem unansehnlichen, schwärzlichen, spröden Etwas wird ein saftiges grünes Moospolster. Es gibt einige Moosarten, die sogar in Wüsten überleben. In Wäldern und Mooren können größere Moosvorkommen erhebliche Mengen an Wasser speichern und wirken auf diese Weise ausgleichend auf den Wasserhaushalt. Die Torfmoose können so große Mengen an Wasser speichern, dass hierdurch Hochmoore entstehen, also Feuchtgebiete, die sich sogar noch über die umliegenden Gegenden erheben.

Pflanzen begannen vor rund 450 Millionen Jahren das Land zu besiedeln. Neben Farnen und Flechten gehören Moose zu den ältesten Pflanzenarten auf der Erde. Nach heutiger Auffassung haben sie sich vor etwa 400 bis 450 Millionen Jahren aus Grünalgen der Gezeitenzone entwickelt. Manche Moose und Farne wiesen vor 350 Millionen Jahren bereits deutliche Ähnlichkeiten mit heutigen Arten auf. Es gilt als entwicklungsgeschichtliche Schlüsselinnovation, dass es sich bei Moosen und Farnen um Embryophyten handelt, dass also eine Generation die andere Generation auf sich trägt und ernährt.

 

Freitag

Eulen – die nächtlichen Herrscher der Lüfte

 

Eulen sind weltweit mit Ausnahme der Antarktis sowie einzelner Inseln verbreitet. Sie besiedeln fast alle Arten von Lebensräumen, von den trockenen und feuchten Urwäldern über Savannen, Sumpfgebieten und Wäldern bis hin zur Tundra. Dabei leben die meisten Arten in den tropischen und subtropischen Lebensräumen Südamerikas und Asiens. Das nördlichste Verbreitungsgebiet weist die Schnee-Eule auf, die in der Tundra Nordsibiriens, Nordkanadas und sogar an den Küsten Grönlands anzutreffen ist. Die meisten Arten sind nachtaktiv und haben zahlreiche Anpassungen an ihre nächtliche Aktivität entwickelt.

Die Schleiereule gehört zu den weltweit am weitesten verbreiteten Eulen: Sie lebt auf fünf Kontinenten. Schleiereulen haben das typische Aussehen der Eulen: Die Augen auf ihrem runden Kopf blicken nach vorne und sitzen nicht wie bei anderen Vögeln seitlich am Kopf. Sie sind von allen anderen Eulen durch ihre typische, herzförmige, weiße Zeichnung im Gesicht, dem sogenannten Gesichtsschleier, zu unterscheiden.

Der Waldkauz ist die häufigste Eule Deutschlands. Fast jeder hat seinen einprägsamen Ruf schon einmal gehört. Bei seinem typischen markanten „Hu-hu-huuuuu“ denken viele an den Ruf eines Uhus, doch es handelt sich fast immer um den Ruf des Waldkauzes. Von September bis November sowie im zeitigen Frühjahr ist der Reviergesang des Männchens weithin hörbar. Der Waldkauz ist „Vogel des Jahres 2017“.

Mit einer Größe von bis zu 70 Zentimetern ist der Uhu die größte Eulenart Europas. Der Uhu ist einer der Hauptfeinde des Waldkauzes.

Der Steinkauz lebte in der bäuerlichen Kulturlandschaft Mitteleuropas bevorzugt als Gebäudebrüter seit Jahrhunderten in direkter Nachbarschaft zum Menschen, daher auch sein Name. Aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft und dem damit verbundenen Lebensraumverlust ist sein Bestand stark zurückgegangen.

Der Sperlingskauz ist die kleinste heimische Eulenart. Er kommt in Nadel- und Mischwäldern vor, die ihm sowohl Deckung als auch ausreichend viele Spechthöhlen als Brutplätze bieten.

 

Samstag

Krokodile

Seit mehr als 200 Millionen Jahren bevölkern Krokodile die Erde. Heute werden etwa 25 Arten unterschieden, die sich auf acht bis neun Gattungen in den drei Familien der Echten Krokodile, der Alligatoren und der Gaviale verteilen.

Bei Krokodilen legt nicht ein Chromosom fest, welches Geschlecht ein Tier hat, sondern die Temperatur im Nest. Von 28 bis 32 Grad Celsius entwickelt sich weiblicher Nachwuchs. Wenn es wärmer wird, schlüpfen Männchen. Manche Krokodilarten vergraben ihre Eier in unterschiedlicher Tiefe im Sand, andere bauen ein Nest aus Pflanzen, deren Verrotten Wärme erzeugt.

Kurz vor dem Schlüpfen geben junge Krokodile Töne von sich, die in menschlichen Ohren wie „Umph! Umph!“ klingen. Diese richten sich sowohl an die noch nicht geschlüpften Geschwister im gleichen Nest als auch an die Mütter, wie französische Biologen nachweisen konnten. Zum einen bewirken die Rufe, dass alle etwa zur gleichen Zeit schlüpfen. Zum anderen fordern sie die Mutter auf, die Eier aus dem Sand auszugraben und die Jungen zu beschützen. Beides trägt dazu bei, die Überlebenschancen des Nachwuchses zu vergrößern, schreiben die Forscher im Fachblatt „Current Biology“ (Bd. 18, Nr. 12).

Das Leistenkrokodil, auch Salzwasserkrokodil oder Saltie genannt, ist das größte heute lebende Krokodil. Die Riesenechsen können eine Länge von bis zu acht Metern erreichen und werden oft über 100 Jahre alt. Australische Forscher entdeckten, dass Leistenkrokodile an Land auf günstige Strömung warten und sich dann tausende Kilometer weit mitnehmen lassen.

 

Sonntag

Lernen

 

Kinder sind von Natur aus Lerngenies. Sie sind neugierig und lernen beinahe wie von selbst – vorausgesetzt sie wachsen in einer Umgebung auf, die sie dazu anregt und in der sie sich sicher fühlen. Dazu zählen vor allem Bezugspersonen, die sich für sie und ihre Lernforschritte auch wirklich interessieren. Ohne solche persönliche Zuwendung kein Lernen. Darin sind sich Neurobiologen, Entwicklungspsychologen und Bildungsforscher einig. Lernen kommt durch Liebe – das klingt altmodisch, ist aber wissenschaftlich belegt. Und zugleich brisant: Denn ein Drittel der deutschen Kinder bekommt nicht mehr das, was sie eigentlich bräuchten.

„Aus biologischer Sicht heißt Lernen nichts anderes, als lebendig zu bleiben. Wer nichts mehr lernen kann, ist tot. Das gilt nicht nur für uns Menschen, das gilt für alles, was lebt.“ (Gerald Hüther, Hirnforscher und Neurobiologe; vgl. Gerald Hüther, Mit Freude lernen – ein Leben lang, Göttingen 2016)

 


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