35. Kalenderwoche (24.–30. August 2020)

 

Vredefort-Krater  Streuobstwiesen Bodélé-Niederung
Tropische Baumarten  Weißstorch Hyänen Seufzen

 

 

Montag

Vredefort-Krater

 

Der Vredefort-Krater in Südafrika ist der größte Asteroideneinschlagskrater, der je auf unserem Planeten entdeckt wurde. Vor über zwei Milliarden Jahren verwickelte ein gigantischer Himmelskörper die Erde in ihre wohl größte Kollision. Der Einschlag hat mit großer Wahrscheinlichkeit der Evolution eine neue Richtung gegeben. Zurück ließ der vermutlich zehn Kilometer messende Asteroid ein Loch mit einem Durchmesser von 190 Kilometern. Der Einschlag ist das Ereignis in der Erdgeschichte, das die meiste Energie freisetzte.

Der Vredefort-Krater ist allerdings nicht mehr der älteste bekannte Einschlagskrater. Wie Forscher im Februar 2020 im Fachblatt „Nature Communications“ berichten, ist dies jetzt der Yarrabubba-Krater in Australien, der vor 2,229 Milliarden Jahren durch den Aufprall eines Asteroiden entstanden ist.

Bereits in der Abenddämmerung leuchtet im Südosten der Riesenplanet Jupiter auf. Kurz darauf sieht man auch den Ringplaneten Saturn, der deutlich lichtschwächer ist und ein wenig östlich von Jupiter erkannt werden kann. Jupiter und Saturn sind die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems. Venus ist Glanzpunkt am Morgenhimmel. Dieser hellste aller Planeten geht um halb drei Uhr morgens am Osthimmel auf.

 

Dienstag

Streuobstwiesen – gefährdete Kostbarkeiten

 

Der Begriff Streuobstwiese ist erst seit den 1970er Jahren bekannt als Abgrenzung zu den intensiv bewirtschafteten Niederstammkulturen des Erwerbsobstbaus. Der Name geht auf die unregelmäßige Anordnung verschiedener hochstämmiger Obstbäume in der Landschaft zurück. Bei dieser traditionellen Form des Obstbaus wachsen verschiedene Obstbaumarten locker verteilt, aber auch in Reihen auf Wiesen bzw. entlang von Wegen, als markante Einzelbäume oder als Obstbaumgürtel um die Dörfer. Typische Merkmale sind großkronige, hochstämmige Bäume unterschiedlicher Altersstruktur sowie die Unternutzung als Mähwiese oder Weide

Auf Initiative des Verbandes der Gartenbauvereine in Deutschland (VGiD) hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit den Referenten der Bundesländer eine vom VGiD vorgeschlagene Definition des Begriffs Streuobstanbau abgestimmt. Auf dieser Grundlage wurde im Jahr 2008 folgende Definition verabschiedet: „Streuobstanbau ist eine Form des extensiven Obstbaus, bei dem großteils starkwüchsige, hochstämmige und großkronige Obstbäume in weiträumigen Abständen stehen. Charakteristisch für Streuobstbestände ist die regelmäßige Unternutzung als Dauergrünland. Daneben gibt es Streuobstäcker mit ackerbaulicher oder gärtnerischer Unternutzung, Streuobstalleen sowie sonstige linienförmige Anpflanzungen. Häufig sind Streuobstbestände aus Obstbäumen verschiedener Arten und Sorten, Alters- und Größenklassen zusammengesetzt, sie sollten eine Mindestflächengröße von 0,15 ha umfassen. Im Unterschied zu modernen Dichtpflanzungen mit geschlossenen einheitlichen Pflanzungen ist in Streuobstbeständen stets der Einzelbaum erkennbar.“ Der Einsatz synthetischer Pestizide ist unüblich. Auf den bundesweiten Treffen der Streuobst-Aufpreisvermarkter wurde daher erstmals 1996 und wiederholt 2001, 2007 und 2014 das Kriterium des Verzichts auf Pestizide in die Definition von Streuobst aufgenommen. Brockhaus übernahm dies 2004 in die lexikalische Definition „Hochstamm-Obstbau ohne Einsatz synthetischer Behandlungsmittel“.

Für viele selten gewordene Tiere und Pflanzen sind Streuobstbestände wahre Paradiese. Mehr als 1000 Käfer, Schmetterlinge und Fliegen kann hier ein einziger Apfelbaum beherbergen. In den bunt blühenden Wiesen sind es dank des Verzichts auf Spritzmittel und Mineraldünger sowie der seltenen Mahd mindestens 5000 bis 6000 verschiedene Arten. Die einmalige Mischung aus „Baum“ und „Wiese“ ermöglicht es Tierarten des Waldes und der Wiesen, in Streuobstbeständen gleichzeitig vorzukommen. Allen voran profitieren davon Vogelarten, die auf Nisthöhlen und auf Insekten als Nahrungsgrundlage angewiesen sind. Mehr als 40 verschiedene Vogelarten können es in einer Streuobstwiese sein. Für Wiedehopf und Ortolan, Steinkauz und Wendehals, Bechsteinfledermaus und Abendsegler ebenso wie für Orchideen- und Enzianarten, Misteln und Baumflechten wurden die Wiesen vielfach zu unersetzlichen Refugien.

Der Streuobstanbau hatte im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine große kulturelle, soziale, landschaftsprägende und ökologische Bedeutung.

 

Mittwoch

Bodélé-Niederung

 

An etwa hundert Tagen im Jahr toben Sandstürme über der trockenen Bodélé-Niederung am südlichen Rand der Sahara. Abermillionen Algenschalen und Minerale bedecken das Becken eines ausgetrockneten Sees, der einst die Ausmaße der Großen Seen Nordamerikas besaß. Dieses Wüstengebiet im Tschad mit seinen rasant wandernden Sicheldünen gilt als größte natürliche Staubquelle der Welt. Mit den Stürmen gelangen wichtige Nährstoffe wie Eisen und Phosphor in die Atmosphäre und wirken als bedeutende Düngerlieferanten für Westafrika, die Kapverdischen Inseln und auch die Plankton-Vorkommen im Atlantik. Wie britische Forscher im Jahr 2010 in der Fachzeitschrift „Geophysical Research Letters“ berichteten, gelangen die Nährstoffe sogar bis nach Südamerika.

 

Donnerstag

Fische betätigen sich als Landschaftsgärtner

 

Die Samen einiger tropischer Baumarten werden fast nur von Fischen verbreitet. Die Tiere dringen zu Hochwasserzeiten in überflutete Waldgebiete ein, fressen die Früchte der Bäume und scheiden die Samen an anderer Stelle wieder aus. Große Fische befördern dabei die meisten Samen und schwimmen auch am weitesten, doch gerade die großen Exemplare werden stark befischt. Das haben Mauro Galetti von der Universität Sao Paulo und seine Kollegen herausgefunden. Fischerei in den Tropen dezimiere daher nicht nur die Fischbestände, sondern kann auch negative Auswirkungen auf den Erhalt von Baumarten haben. Die Samen der meisten Bäume werden durch Primaten, Nagetiere oder Vögel verbreitet.

 

Freitag

Weißstorch

 

Weißstörche sind etwa 80 bis 100 Zentimeter lang und haben eine Flügelspannweite von etwa 200 bis 220 Zentimeter. Bis auf die schwarzen Schwungfedern ist das Federkleid rein weiß. Schnabel und Beine sind rötlich. Weißstörche haben ein Gewicht von etwa 2,5 bis 4,5 Kilogramm. Da die Stimme des Weißstorchs nur schwach ausgeprägt ist, verständigt er sich durch Klappern mit dem Schnabel. Deshalb wird er auch Klapperstorch genannt. Geklappert wird zur Begrüßung des Partners am Nest und zur Verteidigung gegen Nestkonkurrenten. Auch sein Balzritual geht mit ausgiebigem gemeinsamem Schnabelklappern einher.

Kein anderes wildlebendes Tier ist dem Menschen als Hoffnungsträger und Glücksbringer so verbunden wie der Weißstorch. Er ist die bekannteste von weltweit 19 Storchenarten. Seine Nahrung findet er bevorzugt in feuchten und frisch gemähten Wiesen. Ursprünglich ein Baumbrüter, begann der Weißstorch irgendwann damit, seine Nester auf Dächer und Türme zu bauen. Keine andere Vogelart hat sich als sogenannter Kulturfolger dem Menschen so eng angeschlossen.

Im August macht sich Unruhe unter den Störchen breit: Die Jungstörche unternehmen immer weitere Ausflüge in die Umgebung des Nestes. Kurze Zeit später haben sich Eltern und Jungvögel unabhängig voneinander auf den langen Weg nach Afrika begeben: Störche starten von Ende Juli bis Mitte September gen Süden.

 

Samstag

Die Hyänen von Harar

 

In Harar, der sagenumwobenen Stadt im Osten Äthiopiens, lässt sich ein einmaliger Fall von friedlicher Koexistenz zwischen Mensch und Tier beobachten. Jeden Abend füttert der „Hyena Man“ Yussuf Mumeh Saleh vor den Toren der Stadt ein Rudel Tüpfelhyänen. Für ihn sind die Raubtiere, vor denen anderenorts die Menschen Angst haben, Teil seiner Familie geworden. Die Stadt Harar hat bereits vor über hundert Jahren mit den Hyänen einen Pakt geschlossen, der bis heute gilt: Die Tiere werden gefüttert und greifen dafür keine Menschen an. In anderen Kulturkreisen haben Hyänen einen schlechten Ruf – in Harar streifen sie ungehindert durch die Straßen, ohne dass dies die Bewohner beunruhigt. Für sie sind die natürlichen Müllentsorger keine gefährlichen Raubtiere oder widerlichen Aasfresser, sondern gehören zum Alltag. Man schreibt ihnen sogar magische und hellseherische Fähigkeiten zu. Wie kam es zu dieser engen Beziehung zwischen Wildtieren und Menschen? Die westliche Gesellschaft hat sich weiter denn je von der Natur entfernt, Mensch und Tier müssen den Preis dafür zahlen. Wie lässt sich dieser Bruch rückgängig machen? Kann der Mensch sich in ein Ökosystem integrieren, ohne es gänzlich zu vereinnahmen? Yussuf Mumeh zeigt, dass der Mensch dem Tier mit Respekt begegnen und einen Dialog mit ihm aufbauen kann. Wie seine Vorfahren hat er eine intuitive Verbindung zur Natur und nutzt kognitive Fähigkeiten der Hyänen, die von der Wissenschaft erst in jüngster Zeit erkannt wurden. (Aus der Ankündigung der Sendung „Die Hyänen von Harar“ auf Arte)

 

Sonntag

Seufzen

 

Seufzen nennt man das geräuschvolle Ausatmen eines Menschen, das manchmal mit einem kehligen Knacklaut verbunden ist. Ein Seufzer wird meist nach einer belastenden Situation ausgestoßen und hat häufig eine befreiende Wirkung. Manche bezeichnen es scherzhaft als „Stuhlgang der Seele“. Dem Seufzen geht meist ein tiefes Einatmen voraus.

Durch Seufzen bringen wir allerdings nicht nur Emotionen zum Ausdruck, sondern wir seufzen auch etwa alle fünf Minuten unbewusst, wodurch die Lungenbläschen mit Luft gebläht werden und so wieder am Gasaustausch teilnehmen können. Bei normaler Atmung würden sie mit der Zeit in zunehmender Zahl in sich zusammenfallen. Somit hilft uns Seufzen also, die Funktionsfähigkeit unserer Lunge aufrechtzuerhalten.

Besonders häufig – nämlich alle 50 bis 100 Atemzüge – machen Babys einen tiefen Seufzer. Das hilft ihnen, einen regelmäßigen Atemrhythmus zu entwickeln. Die tiefen Atemzüge dienen dem Atemkontrollzentrum im Gehirn als eine Art „Reset-Schalter“. Dieser unterbricht den Rhythmus, wenn die Atemzüge zu langsam und zu gleichförmig werden. So entsteht ein stabiler Rhythmus, der trotzdem noch variabel genug ist, um kurzfristig auf Veränderungen im Sauerstoffbedarf reagieren zu können.


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