34. Kalenderwoche (17.–23. August 2020)

 

Blitz und Donner Auwälder Yosemite-Nationalpark
Heide  Fledermäuse Tiefsee-Lebewesen Weinen

 

 

Montag

Blitz und Donner

 

Mit bis zu zehn Milliarden Kilowatt – das ist die 7000-fache Leistung eines Kernkraftwerks – setzt ein Blitz eine unvorstellbar hohe Energie frei, die allerdings nur wenige Millionstel Sekunden anhält. Dadurch wird die Luft in dem nur einige Zentimeter breiten Blitzkanal schlagartig auf etwa 30.000 Grad erhitzt – die sechsfache Temperatur der Sonnenoberfläche. Sie dehnt sich dadurch explosionsartig aus, und die so erzeugte Druckwelle hören wir als Donner.

Blitz und Donner entstehen gleichzeitig, aber das Licht ist viel schneller als der Schall. Zählt man also die Sekunden zwischen dem Aufleuchten eines Blitzes und dem Hören des Donners und multipliziert sie mit der Schallgeschwindigkeit von 330 Metern pro Sekunde, weiß man, wie viele Meter das Gewitter entfernt ist.

Als Kugelblitz bezeichnet man eine seltene kugelförmige Leuchterscheinung meist nahe oder während eines Gewitters und vorwiegend in Bodennähe.

Evolutionsforscher vermuten, dass Blitzeinschläge in die „Ursuppe“ der unbelebten Materie die ersten organischen Moleküle entstehen ließen.

Nicht nur in gewöhnlichen Wasserwolken entstehen Blitze, sondern auch bei Vulkanausbrüchen. Wie sie entstehen, ist noch recht unklar. Forscher vermuten, dass das vom Vulkan während der Explosion ausgestoßene Material stark elektrisch geladen ist. Blitze könnten aber auch von Eruptionswolken ausgehen. Durch Zusammenstöße mit aus dem Vulkan geschleuderten Partikeln laden sie sich womöglich zusätzlich auf – ähnlich wie dies in einem Gewitter geschieht, wenn in der Wolke Eiskristalle aufeinanderprallen.

Bereits in der Abenddämmerung leuchtet im Südosten der Riesenplanet Jupiter auf. Kurz darauf sieht man auch den Ringplaneten Saturn, der deutlich lichtschwächer ist und ein wenig östlich von Jupiter erkannt werden kann. Jupiter und Saturn sind die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems. Venus ist Glanzpunkt am Morgenhimmel. Dieser hellste aller Planeten geht um halb drei Uhr morgens am Osthimmel auf.

 

Dienstag

Auwälder – der Dschungel Europas

 

Auwälder sind der Dschungel Europas. In kaum einem anderen Waldtyp ist die Vielfalt der Pflanzen und Tiere so groß wie in den Überschwemmungszonen von Flüssen und Bächen. Jeden Tag verändern sich die Wasserspiegel im Fluss und in der Aue, ständig verändert das strömende Wasser auf vielfältige Weise die Landschaft. Die Aue atmet mit dem Fluss. Je nachdem, wo und wie lange das Wasser in Teilen der Aue verbleibt, entsteht ein kleinräumiges und dynamisches Mosaik unterschiedlicher Biotope. Auf die Unsicherheit des Lebensraums Aue müssen seine Bewohner eingestellt sein. Doch wer sich dem Wechselspiel des Wassers anpasst, profitiert von den Nährstoffen, die der Fluss in die Aue trägt. Die Wüchsigkeit und Vielfalt der Auwälder symbolisieren die Gunst dieses Lebensraumes.

Viele Auwälder wurden abgeholzt und zu Weideland umgewandelt. Der Wunsch, die Flussläufe zu regulieren und möglichst ganzjährig schiffbar zu machen, hat, vor allem in Mitteleuropa, nur noch Reste des ursprünglichen Auwaldvorkommens übriggelassen. Seitdem die häufigeren und schwereren Flusshochwasser in das Licht der Öffentlichkeit rücken und auf eine Fehlentwicklung im Wasserbau deuten, ist eine Umkehr im Gange: Man renaturiert vor allem kleinere Flussläufe und Flussabschnitte (zum Beispiel Isar, Nationalpark Donau-Auen, ein 9.300 Hektar großer Nationalpark, der sich von Wien bis zur Mündung der March in Niederösterreich an der Staatsgrenze zur Slowakei erstreckt und eine der größten weitgehend intakten Aulandschaften Mitteleuropas darstellt).

Der Nationalpark Unteres Odertal ist Deutschlands einziger Auennationalpark.

 

Mittwoch

Yosemite-Nationalpark

 

Der Yosemite-Nationalpark ist der älteste Nationalpark der USA. Er liegt rund 240 Kilometer östlich von San Francisco in den Bergen der Sierra Nevada, die sich über 500 Kilometer Länge und über 100 Kilometer Breite durch den Osten Kaliforniens zieht. Mit einer Ausdehnung von 3081 Quadratkilometern und einer Höhenlage zwischen 609 und 3962 Metern umfasst der Park eines der schönsten Bergtäler der Welt. Fast senkrecht aufragende, rund 1000 Meter hohe Granitwände steigen beidseitig des Tales empor, neun tosende Wasserfälle stürzen in das Tal. Fünf davon sind mehr als 300 Meter hoch. Das Wasser des Yosemite Falls fällt über 800 Meter in mehreren Stufen, bevor es auf die Felsen prallt, was ihn zum höchsten Wasserfall in Amerika und zum vierthöchsten der Welt macht. Von Gletschern rundgeschliffene Felsdome und Mammutbaumwälder, blumenübersäte Bergwiesen, schneebedeckte Gipfel und kristallklare Seen runden das vielseitige Gesicht des Tales ab. Die erheblichen Höhenunterschiede des Parks bieten vielen verschiedenen Pflanzen- und Tierarten hervorragende Lebensbedingungen. So haben Rotwild, Schwarzbären, Kojoten und zahlreiche Nagetiere in den niedrigen Regionen ihr Zuhause. 80 Säugetier- und fast 250 Vogelarten sind bekannt. Von den 7000 in Kalifornien beheimateten Pflanzenarten sind etwa 50 Prozent in der Sierra Nevada zu finden, wobei mehr als 20 Prozent innerhalb der Parkfläche angesiedelt sind. Für mehr als 160 seltene Pflanzenarten bietet der Park den passenden Lebensraum, mit wenig lokaler geologischer Formation und einzigartigen Böden, die bezeichnend sind für die eingeschränkten räumlichen Verhältnisse, denen sich diese Pflanzen anpassen müssen.

Im Jahr 1984 wurde der Yosemite-Nationalpark zum Unesco-Weltnaturerbe erklärt.

 

Donnerstag

Heide

 

Heide ist die Bezeichnung für einen Landschaftstyp. Typische Pflanzen sind Heidekrautgewächse, Wacholder und Kiefern. Das blühende Heidekraut als Leitpflanze verwandelt einmal im Jahr, von Sommer bis Herbst, die weite, baumlose Heidelandschaft in einen lilafarbenen Teppich. Mit wenigen Ausnahmen sind die meisten Heidegebiete der Erde anthropogen geformte Kulturlandschaften, die nur dann Fortbestand haben, wenn spezielle Nutzungsarten oder Pflegemaßnahmen (Beweidung, Entkusseln u.a.) die natürliche Sukzession hemmen.

„Die fünfte Jahreszeit“ werden die Wochen zwischen Anfang August und Ende September zwischen Hamburg, Bremen und Hannover gern genannt, wenn die Lüneburger Heide in Niedersachsen, die größten zusammenhängenden Heideflächen Europas und eine der bekanntesten Heidelandschaften, in voller Blüte steht (nach einer alten Bauernregel blüht die Heide vom 8. August bis zum 8. September). Es sind Bilder wie gemalt: eine von Birken, Kiefern und den typischen Wacholderbüschen durchsetzte, sanft hügelige lila Landschaft, durch die sich die Wanderwege als sandig-weiße Lebensadern schlängeln. Vom Zauber dieser Landschaft war schon zu Beginn des vorigen Jahrhunderts der Egestorfer Pastor Bode so beeindruckt, dass er sich ganz besonders für diese Jahrtausende alte Kulturlandschaft engagierte.

Größtes Heidegebiet in Deutschland ist das gut hundert Quadratkilometer große Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes Wittstock (auch „Bombodrom“) in der Wittstock-Ruppiner Heide im Nordwesten des Landes Brandenburg.

 

Freitag

Fledermäuse – Akrobaten der Nacht

 

Fledermäuse sind nachtaktive, insektenfressende Säugetiere (die einzigen Säuger, die aktiv fliegen können), die sich auf hochspezialisierte Weise in der Dunkelheit mittels Ultraschall orientieren und ihre Beute (Insekten) mit einem Echolotsystem jagen. Sie „sehen“ mit den Ohren. Die Ultraschallwellen werden von den Fledermäusen durch den Mund bzw. die Nase gebündelt (Schallkeule ähnlich Taschenlampe) ausgestoßen, ihre Frequenzen liegen zwischen 9 und 200 Kilohertz. Da wir nur bis etwa 16 Kilohertz (junge Menschen bis 20 Kilohertz) hören können, fallen uns selbst die sehr lauten Rufe (bis zu 120 dB = Presslufthammer) nicht auf. Die Fledermaus kann im Gegensatz zu uns mit ihrem feinen Hörsinn sogar noch das Echo ihrer Rufe hören. Dieses nutzt sie zum Gewinn von Informationen über ihre Umgebung und mögliche Beutetiere. Das bedeutet für die Fledermaus, dass sie nur dann etwas wahrnimmt, wenn sie vorher gerufen hat. Die Fledermaus kann mittels dieser Methode sehr genaue Informationen z.B. über die Entfernung eines Objektes erhalten, sie muss sich nur den Zeitpunkt des Rufes merken und auf ein Echo warten. Der Zeitunterschied ergibt dann die Entfernung, beispielsweise bedeutet eine Sekunde Laufzeit des Schalls eine Entfernung von etwa 170 Metern (Schall-Geschwindigkeit in Luft beträgt etwa 340 Meter die Sekunde). Jedoch würde der Ruf der Fledermaus bei solchen Entfernungen schon kein Echo mehr zurückwerfen. Für die Fledermaus ist nur die nächste Umgebung (einer bis wenige Meter) interessant. Neben der Entfernungsangabe liefert das Echo auch Informationen über Beschaffenheit, Größe und Form des Objekts. Weil die Fledermäuse rufen müssen, um zu sehen, befinden sie sich sehr häufig im „Dunkeln“. So ist es möglich, dass eine Fledermaus mehr als die Hälfte der Nacht nicht ortet. Wie sie sich mit diesem System dennoch gut orientieren kann und größere Wegstrecken oder Gebiete kennt, ist noch nicht geklärt.

Evolutionär sind Fledermäuse eine sehr alte Gruppe – nach heutigem Stand sollen sie sich vor mehr als 50 Millionen Jahren vom Entwicklungsstamm der anderen Säugetierarten abgespalten haben. Nach dem Menschen sind sie die zweitweit verbreitetste Tierart auf der Erde. Alle 25 in Deutschland lebenden Fledermausarten sind streng geschützt.

Der Windkraft-Ausbau auch auf Waldflächen bringt die heimischen Fledermausarten zunehmend in Gefahr. Zu diesem Schluss kommt eine am 7. Februar 2017 veröffentlichte Studie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Nach Schätzungen des Leibnitz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung kommen jährlich rund 250.000 Fledermäuse an Windkraftanlagen in Deutschland um.

  • Ingrid Kaipf, Fledermaus ganz nah. Die Geschichte eines Nachtjägers, BLV Verlag, München 2019

Immer am letzten Samstag im August findet die European Batnight statt. Ausgerufen wird sie von Eurobats, dem in Bonn angesiedelten Sekretariat des „Abkommens zum Erhalt der Europäischen Fledermauspopulationen“. In Deutschland liegt die Organisation beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V.

 

Samstag

Tiefsee-Lebewesen

 

Nacht für Nacht steigen Milliarden von Tiefsee-Lebewesen wie Quallen, Kalmare, Krebse, Laternenfische und biolumineszente Arten in den tropischen Gewässern des Pazifischen Ozeans zur Nahrungssuche an die Oberfläche. Sie kommen aus den Tiefen des Ozeans herauf, um sich von Plankton zu ernähren. Das Dunkel der Nacht bietet ihnen Schutz vor tagaktiven Fressfeinden. Erst am Morgen tauchen sie wieder in die Tiefsee hinab. Ihr Auf und Ab ist das weltweit größte Phänomen einer beweglichen Biomasse.

Der Nautilus hat 500 Millionen Jahre lang jede evolutionäre Katastrophe überlebt, jetzt ist er vom Aussterben bedroht. Das faustgroße Meerestier ist im Jahr 2016 zum ersten Mal unter internationalen Schutz gestellt worden. Das lebende Fossil ist älter als die Dinosaurier und hat sich seit Urzeiten kaum weiterentwickelt. In einer Tiefe von etwa 400 Metern, wohin kein Tageslicht dringt, verschlief er sozusagen die Evolution. Nur nachts kommt er an die Oberfläche. Anders als seine urzeitlichen Verwandten jagt der bis heute überlebende Nautilus seine Beute nicht aktiv, sondern ist darauf angewiesen, dass sich Garnelen in die Nähe seiner Tentakel wagen. Er pflanzt sich nur langsam fort.

Einige Tiefseekraken brüten ihre Eier auf Manganknollen am Boden des Pazifischen Ozeans aus. Das könnte den Tieren zum Verhängnis werden, denn Mangan und andere in den Knollen vorhandene Stoffe werden für die Industrie immer wichtiger, wie ein deutsch-amerikanisches Biologen-Team im Dezember 2016 im Fachmagazin „Current Biology“ schreibt. Die Metalle würden in Handys und Computern verwendet. In einer Tiefe von mehr als 4000 Metern heften die Tierchen ihre Eier an Stängel bestimmter abgestorbener Schwämme, die an Manganknollen wachsen, und brüten sie dort jahrelang aus. Ohne die Knollen finden die Kraken dort keinen Laichplatz.

Eines der stärksten Außenskelette, die je entdeckt wurden, gehört einer kleinen Tiefseeschnecke. Der dreischichtige, außen mit winzigen Eisenpartikeln geschützte Aufbau des Gehäuses der Schuppenfußschnecke (Crysomallon squamiferum) ist bisher noch nirgendwo sonst bekannt. Die äußere Schicht basiert auf Eisensulfidpartikeln; die mittlere ähnelt der proteinreichen Schalenhaut anderer Schneckenarten; die innere Schicht besteht vor allem aus Aragonit, einem Kalziumkarbonat. Diese Dreifachpanzerung schützt sie optimal vor Krebsen, die versuchen, das Gehäuse mit ihren kräftigen Scheren zu knacken. Selbst wenn der Krebs die Schnecke tagelang in die Zange nimmt — das Gehäuse hält. Die Schuppenfußschnecke trotzt in etwa 2.400 Meter Tiefe am Grund des Indischen Ozeans äußerst widrigen Bedingungen: gewaltigem Wasserdruck, hohem Säuregehalt, wechselnden Temperaturen und kochend heißem Wasser, das aus hydrothermalen Schloten schießt. Die darin gelösten Stoffe bilden die Grundlage eigener Ökosysteme auf chemischer Basis, die ohne Sonnenlicht auskommen.

 

Sonntag

Weinen

 

Als archetypische Ausdrucksform wird das Weinen von allen Menschen verstanden, da es in Kombination mit der dazugehörigen Mimik den Beteiligten eine eindeutige Zuordnung des Verhaltens ermöglicht. Das Weinen kann auch Ausdruck ausgeprägter Freude (Freudentränen) sein oder eine Reaktion auf heftiges Lachen. Häufiger jedoch ist Weinen Ausdruck von Schmerz, Trauer, Hilflosigkeit, Angst oder des Gefühls tiefer Kränkung und Ungerechtigkeit.

Warum Menschen weinen, ist in der Forschung umstritten. Seit sich Charles Darwin, als einer der ersten, dieses Themas annahm, werden vorrangig zwei theoretische Sichtweisen kontrovers diskutiert, die sich jedoch nicht unbedingt ausschließen müssen: das Weinen als Form der Kommunikation und sozialen Interaktion, also des Sozialverhaltens, und das Weinen als Schutzreaktion des Körpers und der Psyche, die dem Stress- und Spannungsabbau oder allgemeiner der besseren Verarbeitung besonders emotionaler Eindrücke dient. (Quelle: Wikipedia)

Weinen hat eine reinigende, beruhigende Wirkung. Anstatt den Weinenden zu stoppen, ist es hilfreicher, ihm Verständnis entgegenzubringen, dem Weinenden zu zeigen, dass seine Gefühle in Ordnung sind. So fühlt er sich in seinem Schmerz angenommen und getröstet. –

Wenn Babys weinen, sollten Eltern sie umgehend beruhigen. Das sei eine ihrer Hauptaufgaben im ersten Lebensjahr der Kinder, sagte die Münchner Psychologin Fabienne Becker-Stoll am 2. Juni 2014 dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Osnabrück. Jahrzehntelang sei in Deutschland propagiert worden, Babys müssten auch mal schreien, damit sie lernten abzuwarten und nicht verwöhnt würden. „Aus den Erkenntnissen der Hirnforschung und der Bindungsforschung der vergangenen Jahre wissen wir: Das ist falsch. Man kann Kinder in diesem Alter nicht verwöhnen.“


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