33. Kalenderwoche (10.–16. August 2020)

 

Uranus  Flüsse Amazonien
Phytoplankton  Käfer Chamäleon Muße

 

 

Montag

Uranus

 

Um diesen lichtschwachen, weil sonnenfernen Planeten zu sehen, ist ein Fernglas oder Teleskop nötig. Unter extrem guten Sichtverhältnissen kann man Uranus auch mit bloßem Auge erkennen. Uranus war im Altertum und Mittelalter unbekannt. Erst ist März 1781 wurde der siebte Planet unseres Sonnensystems von Wilhelm Herschel im Sternbild Zwillinge entdeckt. Uranus ist neunzehnmal weiter von der Sonne entfernt als die Erde. Knapp 85 Jahre ist der Planet unterwegs, um sie einmal zu umrunden. Eine dichte Atmosphäre aus Wasserstoff, Helium, Methan und Ammoniak umschließt den Uranus-Globus, dessen Durchmesser den der Erde um das Vierfache übertrifft. Der größtmögliche Abstand der Erde zum Uranus beträgt 2844 Millionen Kilometer. Sein reflektiertes Sonnenlicht ist dann zwei Stunden und 38 Minuten zu uns unterwegs. Fünf große und fast zwei Dutzend winzige Monde begleiten Uranus auf seinem Weg um die Sonne. 1977 wurde ein Ringsystem entdeckt, das die Uranus-Kugel umspannt.

Bereits in der Abenddämmerung leuchtet im Südosten der Riesenplanet Jupiter auf. Kurz darauf sieht man auch den Ringplaneten Saturn, der deutlich lichtschwächer ist und ein wenig östlich von Jupiter erkannt werden kann. Jupiter und Saturn sind die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems. Venus ist Glanzpunkt am Morgenhimmel. Dieser hellste aller Planeten geht um halb drei Uhr morgens am Osthimmel auf.

 

Dienstag

Flüsse – Lebensadern unseres Planeten

 

Fließgewässer sind die Lebensadern unserer Landschaft. Neben ihren Funktionen in der Kulturlandschaft sind Bäche und Flüsse als Ökosysteme besonders interessant. Die ständige Bewegung und Veränderung durch das fließende Wasser schaffen Nischen für spezialisierte Pflanzen- und Tierarten. Der naturbelassene Fluss bildet mit den bei Hochwasser überschwemmten Auen eine ökologische Einheit. Die damit einhergehende Vielfalt der Lebensräume begünstigt das Vorkommen hochspezialisierter Pflanzen- und Tiergesellschaften, die über Nahrungsnetze untereinander verbunden sind. Unter natürlichen Bedingungen bilden Flüsse mit ihren Auen die artenreichsten Ökosysteme Mitteleuropas. (Quelle: Umweltbundesamt)

„He thought his happiness was complete when, as he meandered aimlessly along, suddenly he stood by the edge of a full-fed river. Never in his life had he seen a river before – this sleek, sinuous, full-bodied animal, chasing and chuckling, gripping things with a gurgle and leaving them with a laugh, to fling itself on fresh playmates that shook themselves free, and were caught and held again. All was a-shake and a-shiver – glints and gleams and sparkles, rustle and swirl, chatter and bubble. The Mole was bewitched, entranced, fascinated. By the side of the river he trotted as one trots, when very small, by the side of a man who holds one spell-bound by exciting stories; and when tired at last, he sat on the bank, while the river still chattered on to him, a babbling procession of the best stories in the world, sent from the heart of the earth to be told at last to the insatiable sea.“ (Kenneth Grahame, The Wind in the Willows, 1908)

 

Mittwoch

Amazonien

 

Das Amazonasbecken oder Amazonien, das Einzugsgebiet der Flüsse Amazonas, Rio Anapu und Rio Tocantins, bedeckt fast die gesamte nördliche Hälfte von Südamerika und ist eine der wichtigsten Öko-Regionen der Erde. Es beherbergt den größten zusammenhängenden Regenwald der Erde – er erstreckt sich auf rund 110 Millionen Hektar (= anderthalbmal die Fläche der Europäischen Union) – und mit mehr als 100.000 Kilometern Länge gleichzeitig das größte Flusssystem. In den Flüssen des Amazonasbioms schwimmen mehr als 3000 Fischarten. Rund ein Zehntel aller auf dem Planeten vorkommenden Tier- und Pflanzenarten haben hier ihr Zuhause. Experten gehen von fünf bis zehn Millionen Arten aus. In den vergangenen Jahren wurde im Schnitt alle drei Tage eine neue Art entdeckt, Insekten und Mikroorganismen nicht eingerechnet. Im Amazonas-Regenwald findet rund ein Viertel des Kohlenstoff-Austauschs zwischen Atmosphäre und Biosphäre statt. Derzeit verdunstet der Wald noch 20 Billionen Liter Wasser am Tag, das ist mehr, als der Amazonas in den Atlantik spült.

„Amazonien ist eine Makro-Region. Die große Lunge des Planeten. Amazonien hat eine das Klima regulierende Funktion für die gesamte Erde. Wenn die ehedem riesigen Regenwälder Amazoniens nicht mehr sind, wenn die aus kurzsichtiger Profitgier betriebene Abholzung weitergeht, hat dies Folgen, die nicht an den Grenzen Brasiliens haltmachen werden. Amazonien ist mit rund sieben Millionen Quadratkilometern ein riesiger Raum. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es dort rund sechs Millionen Quadratkilometer Regenwald. In den letzten fünfzig Jahren wurden davon rund vierzig Prozent vernichtet, vor allem um Weiden und Anbauflächen für die Großlandwirtschaft zu gewinnen. Die Dynamik der Waldzerstörung hält an, sie konnte nicht gestoppt werden. Im größten Flusswassersystem der Erde sind mehr als sechzig Dämme und Kraftwerke in Planung. Sie werden den Amazonas und viele Zuflüsse zu toten Gewässern machen. Die Kultur der Flussfischer und -bauern droht unterzugehen. Die Gier nach Bodenschätzen wie Gold und Bauxit vergiftet das Flusssystem. Und der Wald fällt rein profitorientierten Holzkonzernen zum Opfer.“ (Aus einem Gespräch mit Bischof Erwin Kräutler in der Zeitschrift Publik-Forum Nr. 12 vom 26. Juni 2015. Erwin Kräutler leitet die Prälatur Xingú in Brasilien, das flächengrößte Bistum der Erde, und ist Sekretär der Bischöflichen Kommission Brasilien für Amazonien. Sein Einsatz für die Ureinwohner und für den Regenwald Amazoniens wurde mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt.)

  • Martin Specht, Amazonas. Gefahr für die grüne Lunge der Welt, Verlag Ch. Links Verlag, Berlin 2020

 

Donnerstag

Phytoplankton

 

Phytoplankton oder auch „pflanzliches Plankton“ sind einzellige Pflanzen, die in den Oberflächengewässern der Ozeane leben. Die meisten von ihnen lassen sich mit den Ozeanströmungen treiben. Sie sind winzig und doch unersetzlich für ein funktionierendes Ökosystem. Phytoplankton ist die unterste Stufe der Nahrungskette und eine direkte oder indirekte Nahrungsquelle für fast alle Meerestiere. Aber auch für das Klima spielen die Einzeller eine ebenso wichtige Rolle wie der Wald oder Wiesen- und Weidelandschaften. Es wird geschätzt, dass Phytoplankton für die Produktion von 50 bis 80 Prozent des Sauerstoffs in der Atmosphäre verantwortlich ist. Zudem ist es ein wichtiges Instrument gegen die Klimaveränderung, weil es große Mengen des Klimagases Kohlendioxid im Meer bindet. Man schätzt, dass sich jährlich 45 bis 50 Milliarden Tonnen Kohlenstoff des Kohlendioxids in Phytoplankton umwandeln. Etwa 15 Prozent oder acht Milliarden Tonnen des assimilierten Kohlenstoffes des entstehenden Phytoplanktons sinken in die Tiefe. Ohne das Phytoplankton der Meere läge die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre vermutlich statt bei 365 ppm bei 565 ppm. Aus dem Phytoplankton, das in der Tiefsee unter hohem Druck steht, entsteht nach vielen Jahrtausenden schließlich Erdöl oder Erdgas. Und diese Abermilliarden winziger Schwebeteilchen im Wasser sind es auch, die für die schöne türkise Farbe des Meeres sorgen.

 

Freitag

Käfer – „lebende Juwelen“

 

In einer schier unendlichen Fülle von Farben und Formen haben sich die Käfer (Coleoptera) über die ganze Welt verbreitet. Mit über 350.000 Arten in etwa 20 Überfamilien und 166 Familien sind sie die weltweit größte Ordnung aus der Klasse der Insekten – noch immer werden jährlich hunderte neue Arten beschrieben. In Mitteleuropa kommen rund 8000 Arten vor. Dass Käfer in einer ungeheuren Vielfalt auftreten, ist bereits ein Indiz dafür, dass sie sich an praktisch alle Lebensräume der Erde angepasst haben. Es gibt, abgesehen vom ewigen Eis der Antarktis, kein Gebiet, das sie nicht besiedelt haben, und mit Ausnahme der Ozeane keinen Lebensraum, der nicht von Käfern bewohnt wird.

Afrikanische Mistkäfer der Gattung Scarabaeus satyrus nutzen den Himmel als Kompass. Sie orientieren sich an Sonne, Mond und polarisiertem Licht. Jetzt haben schwedische und südafrikanische Biologen eine weitere, im ganzen Tierreich bisher einzigartige Fähigkeit dieser Insekten nachgewiesen: In klaren mondlosen Nächten dient ihnen das Band der Milchstraße dazu, eine eingeschlagene Richtung beizubehalten, wenn sie ihre Dungkugel wegrollen, berichten die Forscher im Fachblatt „Current Biology“ (2013). Bei bedecktem Himmel dagegen irren die Tiere orientierungslos umher.

 

Samstag

Chamäleon

 

Der Farbwechsel von Chamäleons fasziniert die Menschen: Wollen die Reptilien um einen Partner werben, einen Rivalen einschüchtern oder sich vor einem Jäger tarnen, nehmen sie eine andere Farbe an. Wie ihnen das gelingt, haben Forscher nun erstmals aufgedeckt. Nicht Pigmente, sondern Nanokristalle stecken demnach hinter dem Faszinosum. Bei den meisten anderen Tieren, die ihre Farbe ändern können, sorgen Veränderungen der Konzentration des Pigments Melanin für hellere oder dunklere Farben. Forscher gingen lange davon aus, dies sei auch beim männlichen Chamäleon der Fall. Die Analyse der Chamäleon-Haut offenbarte hingegen spezialisierte Hautzellen, sogenannte Iridophoren. In den Iridophor-Schichten stecken durchsichtige Nanokristalle, die das Licht reflektieren. Sie sind in Kristallgittern angeordnet. Diese Gitter können verändert werden, wodurch das Licht anders gebrochen wird und die Haut eine andere Farbe annimmt. Chamäleons ändern ihre Farbe auf diese Weise, um etwa mit Artgenossen zu kommunizieren, reagieren so aber auch auf Lichtunterschiede. Diese winzigen Strukturen in den Hautschichten der Tiere ähneln denen, die die Farben auf Schmetterlingsflügeln hervorbringen, berichten die Wissenschaftler im Fachjournal „Nature Communications“ vom März 2015. Sie entdeckten auch, dass die Chamäleons über eine zweite Schicht an Iridophoren verfügen, in der größere Kristalle ohne Muster liegen. Diese reflektieren Infrarotstrahlen aus Sonnenlicht. Sie sind also ein intelligenter Hitzeschild. „Die Anordnung von Iridophoren in zwei übereinander liegenden Schichten ist eine evolutionäre Neuerung“, schreiben die Forscher. Sie erlaube den Reptilien nicht nur, zwischen einem Tarnmantel und einem spektakulären Erscheinungsbild zu wechseln, sondern stelle auch einen passiven Hitzeschutz dar.

Forscher an der Zoologischen Staatsammlung München fanden heraus, dass Chamäleons nicht nur ihre Farbe wechseln: Mindestens acht der zwölf Chamäleon-Gattungen leuchten unter UV-Licht blau. Die Forscher vermuten, dass dies als Signal zur Erkennung von Artgenossen dient und die Farbensprache ergänzt. Blaue Farbe sei im Wald selten und gut erkennbar. „Dass Knochen unter UV-Licht leuchten, ist schon lange bekannt, aber dass Tiere dieses Phänomen nutzen, um selbst zu fluoreszieren, hat uns sehr überrascht“, sagte Frank Glaw, Kurator für Reptilien an der Zoologischen Staatssammlung. Fluoreszenz bei Tieren kennt die Forschung bisher vor allem von Meeresorganismen. Bei auf dem Land lebenden Wirbeltieren gelte diese Eigenschaft als selten.

So sonderbar wie vieles am Chamäleon sind auch seine Augen. Es kann mit ihnen zum Beispiel gleichzeitig in zwei verschiedene Richtungen sehen, wenn es seine beiden Augen unabhängig voneinander bewegt. Diese große Flexibilität ermöglicht ihm einen vollständigen Rundumblick.

Madagaskar ist die Heimat von beinahe der Hälfte aller bekannten 217 Chamäleonarten. Jedoch ist ihr Lebensraum auch auf unvergleichliche Weise bedroht und der weitaus größte Teil des Primärregenwaldes ist bereits zerstört. Im Jahr 2020 hat eine Expedition der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) im Nordwesten Madagaskars das über 100 Jahre verschollene farbenprächtige Voeltzkow-Chamäleon (Furcifer voeltzkowi) wieder aufgespürt. Die Wissenschaftler vermuten, dass es wie eine ähnliche Art nur wenige Monate während der Regenzeit am Leben ist.

 

Sonntag

Muße

 

Mit Muße bezeichnet man die Zeit, die eine Person nach eigenem Wunsch nutzen kann. Nicht alle Freizeit ist gleichzeitig auch Muße, da viele Freizeitaktivitäten indirekt von Fremdinteressen bestimmt werden. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes (althochdeutsch „muoza“, mittelhochdeutsch „muoze“) war „Gelegenheit“, „Möglichkeit“. (Quelle: Wikipedia)

Der Mensch, der nicht mehr ruht bzw. ruhen kann, verliert den Zugang zum Geheimnis und zur Weite seines Lebens. Die Zeit der Ruhe, der Muße, des Innehaltens ist deshalb nicht verlorene, sondern gewonnene Zeit. Im Abstand von Leistung gewinnen wir jene unverzichtbare Ressource, die wir uns nicht erarbeiten, sondern nur schenken lassen können und die offensichtlich nur der ruhigen Seele beschert wird.
„Gedenke des Sabbats“ (Exodus 20,8), so heißt die dritte von den zehn Weisungen der jüdisch christlichen Tradition. Das Christentum hat daraus ein Gebot gemacht: „du sollst den Feiertag heiligen“. Aber indem aus einem Angebot ein Gebot wurde, ist die Grundidee des Sabbats entstellt worden. Denn es geht bei dieser Weisung nicht darum, dass der Mensch am Sabbat oder am Sonntag etwas tun soll – die Sonntagspflicht erfüllen –, sondern dass er etwas lassen soll oder darf. Dorothee Sölle hat Exodus 20,8 für unsere Zeit mit „du sollst dich unterbrechen“ genial übersetzt. (Quelle: Homepage der „Akademie der Muße“)

„Ich definiere Muße als eine nicht determinierte, nicht verplante Zeit, die man im Hier und Jetzt verbringt – und das kann, muss aber nicht faulenzend sein. Es kann aber auch Zeit sein, die man mit Dingen verbringt, ganz bewusst, die einem gerade in diesem Moment Spaß machen. Die Lust oder das Bedürfnis darauf muss in dem Moment entstehen, es sollte nicht vorher geplant sein. Muße ist für mich einfach mal Innehalten. Im Altertum nannte es Horaz die Zeit, die fern von Geschäften ist. Ich muss in der Lage sein, wirklich einmal nur den Augenblick zu spüren. Kostbar ist nur die Zeit, die nicht schon verplant ist – denn die steht mir frei zur Verfügung.“ (Aus einem Gespräch mit Couch und Autor Nikolaus Birkl)

Wissenschaftler der Universität Freiburg erforschen die gesellschaftliche Bedeutung von Muße. Ziel ist, das Thema wissenschaftlich zu beleuchten und die Öffentlichkeit zu informieren. Hierfür soll in Baden-Baden ein Museum (mit dem Namen „Mußeum“) entstehen, das sich der Muße widmet.


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