33. Kalenderwoche (15.–21. August 2022)

 

Uranus Flüsse Raucher
Pollia-Beeren Käfer Chamäleon Muße

 

 

Montag

Uranus

 

Um diesen lichtschwachen, weil sonnenfernen Planeten zu sehen, ist ein Fernglas oder Teleskop nötig. Unter extrem guten Sichtverhältnissen kann man Uranus auch mit bloßem Auge erkennen. Uranus war im Altertum und Mittelalter unbekannt. Erst ist März 1781 wurde der siebte Planet unseres Sonnensystems von Wilhelm Herschel im Sternbild Zwillinge entdeckt. Uranus ist neunzehnmal weiter von der Sonne entfernt als die Erde. Knapp 85 Jahre ist der Planet unterwegs, um sie einmal zu umrunden. Eine dichte Atmosphäre aus Wasserstoff, Helium, Methan und Ammoniak umschließt den Uranus-Globus, dessen Durchmesser den der Erde um das Vierfache übertrifft. Der größtmögliche Abstand der Erde zum Uranus beträgt 2844 Millionen Kilometer. Sein reflektiertes Sonnenlicht ist dann zwei Stunden und 38 Minuten zu uns unterwegs. Fünf große und fast zwei Dutzend winzige Monde begleiten Uranus auf seinem Weg um die Sonne. 1977 wurde ein Ringsystem entdeckt, das die Uranus-Kugel umspannt.

 

Dienstag

Flüsse – Arterien der Natur, Lebensadern unseres Planeten

 

Fließgewässer sind die Lebensadern unserer Landschaft. Neben ihren Funktionen in der Kulturlandschaft sind Bäche und Flüsse als Ökosysteme besonders interessant. Die ständige Bewegung und Veränderung durch das fließende Wasser schaffen Nischen für spezialisierte Pflanzen- und Tierarten. Der naturbelassene Fluss bildet mit den bei Hochwasser überschwemmten Auen eine ökologische Einheit. Die damit einhergehende Vielfalt der Lebensräume begünstigt das Vorkommen hochspezialisierter Pflanzen- und Tiergesellschaften, die über Nahrungsnetze untereinander verbunden sind. Unter natürlichen Bedingungen bilden Flüsse mit ihren Auen die artenreichsten Ökosysteme Mitteleuropas. (Quelle: Umweltbundesamt)

Alle zwei Jahre wird von den NaturFreunden Deutschlands e.V. (NFD) und dem Deutschen Angelfischerverband die Flusslandschaft des Jahres ausgeschrieben. Damit soll auf die ökologische, ökonomische und soziokulturelle Bedeutung der Flüsse und der sie umgebenden Landschaft aufmerksam gemacht, Maßnahmen zur Erhaltung, zum Schutz und zur Renaturierung von Flusslandschaften und ihrer Lebensgemeinschaften initiiert, das Wiedererreichen einer hohen Durchgängigkeit unterstützt und naturnahe Wander- und Erholungsgebiete gefördert werden. Flusslandschaft der Jahre 2020 bis 2023 ist die Weiße Elster.

„He thought his happiness was complete when, as he meandered aimlessly along, suddenly he stood by the edge of a full-fed river. Never in his life had he seen a river before – this sleek, sinuous, full-bodied animal, chasing and chuckling, gripping things with a gurgle and leaving them with a laugh, to fling itself on fresh playmates that shook themselves free, and were caught and held again. All was a-shake and a-shiver – glints and gleams and sparkles, rustle and swirl, chatter and bubble. The Mole was bewitched, entranced, fascinated. By the side of the river he trotted as one trots, when very small, by the side of a man who holds one spell-bound by exciting stories; and when tired at last, he sat on the bank, while the river still chattered on to him, a babbling procession of the best stories in the world, sent from the heart of the earth to be told at last to the insatiable sea.“ (Kenneth Grahame, The Wind in the Willows, 1908)

 

Mittwoch

Raucher

 

Schwarze Raucher und Weiße Raucher gehören zu den weltweit um die 600 hydrothermalen Quellen, eines von vielen Ökosystemen in der Tiefsee. Sie stoßen bis zu 287 Grad heiße Flüssigkeit aus, in der verschiedene Stoffe gelöst sind, die durch die Vermischung mit dem kälteren Umgebungswasser eine Wolke bilden, sodass der Eindruck einer Rauchwolke entsteht, die aus dem röhren- oder kegelförmigen mineralisches Gebilde quillt. Während die Flüssigkeiten in vielen Regionen dunkel sind und die Quellen deshalb Schwarze Raucher genannt werden, sind sie anderswo, beispielsweise mit Golf von Kalifornien, transparent (Weiße Raucher). Raucher entstehen überwiegend dort, wo Kontinentalplatten auseinanderstreben. In diese Zonen dringt mit Mineralien vermischtes Meerwasser bis zum heißen Basalt und Magma, wird dort erhitzt und wieder als heißes Quellwasser in das kalte Meerwasser ausgestoßen.

Überraschenderweise lebt im Umkreis dieser heißen Quellen eine Lebensgemeinschaft mit einer Vielzahl verschiedener Mikroorganismen und Tieren, zum Teil in engster Symbiose. Dieses Ökosystem wurde erst 1977 in einer Tiefe von ca. 2400 Metern entdeckt. Inzwischen wurden diese lichtunabhängigen Lebensgemeinschaften überall in der Welt im Umkreis heißer Tiefseequellen beobachtet. Das heiße, mineralhaltige Thermalwasser versorgt primitive Lebewesen mit Energie und Nährstoffen. Um sie herum haben sich autarke Biotope voller Bakterien entwickelt. Diese leben in völliger Dunkelheit unter anderem von der Oxidation von Schwefelwasserstoff. Die extremen Umweltbedingungen, wie sie in den hydrothermalen Feldern der Tiefsee in der Nähe der Raucher herrschen, lassen an die Verhältnisse in der frühen Erdgeschichte denken, in denen Evolutionsbiologen den Ursprung des irdischen Lebens sehen. Felder hydrothermaler Tiefseequellen sind nur ungefähr 20 Jahre aktiv. Dann verstopfen die ausgefällten Mineralien die Röhren und Spalten, und die Quellen versiegen. Damit stirbt auch die Fauna in der nun für sie lebensfeindlich gewordenen Umgebung. Wie die Lebewesen an neue Felder hydrothermaler Quellen kommen, ist bisher nicht erforscht.

Im April 2010 haben Forscher in der Karibik die weltweit tiefsten bekannten Unterwasser-Geysire entdeckt. Die heißen Quellen liegen knapp 5000 Meter unter der Wasseroberfläche in einem Tiefseegraben vor den Kaimaninseln. Sie schleudern Fontänen von extrem heißem, kupferreichem Wasser über einen Kilometer hoch ins umgebende Meerwasser – mehr als vier Mal so hoch wie bei allen bisher bekannten Quellen dieser Art. Der Fund dieses weltweit tiefsten Hydrothermal-Systems deute darauf hin, dass solche heißen Quellen in Tiefseegräben und anderen Spreizungszonen der Erdkruste häufiger sein könnten als bisher angenommen, berichteten die Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“.

 

Donnerstag

Pollia-Beeren – schillerndstes Blau der Natur

 

Die blauen Beeren der afrikanischen Tropenpflanze Pollia condensata sind einzigartig: Kein bisher bekanntes biologisches Material schillert so intensiv wie sie. Das hat ein internationales Forscherteam bei näherer Untersuchung dieser Beeren festgestellt. Selbst wenn die Pollia-Früchte schon Jahrzehnte eingetrocknet sind, erstrahlen sie noch in unverändert intensivem metallischem Blau, durchsetzt von rötlichen und grünlichen Reflexen. Jede Zelle erzeuge dabei eine leicht andere Farbnuance, so etwas kenne man von keinem anderen Organismus in der Natur, konstatierten die Wissenschaftler im Jahr 2012 im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Ursache dieses Farbenspiels seien keine Farbstoffe, sondern winzige, in mehreren Schichten angeordnete Zellulosefasern in der Zellwand der Beeren. Sie brechen und reflektieren das Licht auf spezielle Weise und erzeugen so den Farbeindruck. „Die Pollia-Beeren haben die stärkste Reflektivität, die man jemals bei einem biologischen Organismus gefunden hat“, schreiben Silvia Vignolini von der University of Cambridge in England und ihre Kollegen. Die Beerenhülle werfe immerhin ein Drittel so viel Licht zurück wie ein silberner Spiegel, erzeuge dabei aber den blauen Farbeindruck.

 

Freitag

Käfer – „lebende Juwelen“

 

In einer schier unendlichen Fülle von Farben und Formen haben sich die Käfer (Coleoptera) über die ganze Welt verbreitet. Mit über 350.000 Arten in etwa 20 Überfamilien und 166 Familien sind sie die weltweit größte Ordnung aus der Klasse der Insekten – noch immer werden jährlich hunderte neue Arten beschrieben. In Mitteleuropa kommen rund 8.000 Arten vor. In Deutschland wurden bislang mehr als 6.500 verschiedene Käfer entdeckt. Dass Käfer in einer ungeheuren Vielfalt auftreten, ist bereits ein Indiz dafür, dass sie sich an praktisch alle Lebensräume der Erde angepasst haben. Es gibt, abgesehen vom ewigen Eis der Antarktis, kein Gebiet, das sie nicht besiedelt haben, und mit Ausnahme der Ozeane keinen Lebensraum, der nicht von Käfern bewohnt wird.

Afrikanische Mistkäfer der Gattung Scarabaeus satyrus nutzen den Himmel als Kompass. Sie orientieren sich an Sonne, Mond und polarisiertem Licht. Jetzt haben schwedische und südafrikanische Biologen eine weitere, im ganzen Tierreich bisher einzigartige Fähigkeit dieser Insekten nachgewiesen: In klaren mondlosen Nächten dient ihnen das Band der Milchstraße dazu, eine eingeschlagene Richtung beizubehalten, wenn sie ihre Dungkugel wegrollen, berichten die Forscher im Fachblatt „Current Biology“ (2013). Bei bedecktem Himmel dagegen irren die Tiere orientierungslos umher.

 

Samstag

Chamäleon

 

Der Farbwechsel von Chamäleons fasziniert die Menschen: Wollen die Reptilien um einen Partner werben, einen Rivalen einschüchtern oder sich vor einem Jäger tarnen, nehmen sie eine andere Farbe an. Wie ihnen das gelingt, haben Forscher nun erstmals aufgedeckt. Nicht Pigmente, sondern Nanokristalle stecken demnach hinter dem Faszinosum. Bei den meisten anderen Tieren, die ihre Farbe ändern können, sorgen Veränderungen der Konzentration des Pigments Melanin für hellere oder dunklere Farben. Forscher gingen lange davon aus, dies sei auch beim männlichen Chamäleon der Fall. Die Analyse der Chamäleon-Haut offenbarte hingegen spezialisierte Hautzellen, sogenannte Iridophoren. In den Iridophor-Schichten stecken durchsichtige Nanokristalle, die das Licht reflektieren. Sie sind in Kristallgittern angeordnet. Diese Gitter können verändert werden, wodurch das Licht anders gebrochen wird und die Haut eine andere Farbe annimmt. Chamäleons ändern ihre Farbe auf diese Weise, um etwa mit Artgenossen zu kommunizieren, reagieren so aber auch auf Lichtunterschiede. Diese winzigen Strukturen in den Hautschichten der Tiere ähneln denen, die die Farben auf Schmetterlingsflügeln hervorbringen, berichten die Wissenschaftler im Fachjournal „Nature Communications“ vom März 2015. Sie entdeckten auch, dass die Chamäleons über eine zweite Schicht an Iridophoren verfügen, in der größere Kristalle ohne Muster liegen. Diese reflektieren Infrarotstrahlen aus Sonnenlicht. Sie sind also ein intelligenter Hitzeschild. „Die Anordnung von Iridophoren in zwei übereinander liegenden Schichten ist eine evolutionäre Neuerung“, schreiben die Forscher. Sie erlaube den Reptilien nicht nur, zwischen einem Tarnmantel und einem spektakulären Erscheinungsbild zu wechseln, sondern stelle auch einen passiven Hitzeschutz dar.

Forscher an der Zoologischen Staatsammlung München fanden heraus, dass Chamäleons nicht nur ihre Farbe wechseln: Mindestens acht der zwölf Chamäleon-Gattungen leuchten unter UV-Licht blau. Die Forscher vermuten, dass dies als Signal zur Erkennung von Artgenossen dient und die Farbensprache ergänzt. Blaue Farbe sei im Wald selten und gut erkennbar. „Dass Knochen unter UV-Licht leuchten, ist schon lange bekannt, aber dass Tiere dieses Phänomen nutzen, um selbst zu fluoreszieren, hat uns sehr überrascht“, sagte Frank Glaw, Kurator für Reptilien an der Zoologischen Staatssammlung. Fluoreszenz bei Tieren kennt die Forschung bisher vor allem von Meeresorganismen. Bei auf dem Land lebenden Wirbeltieren gelte diese Eigenschaft als selten.

So sonderbar wie vieles am Chamäleon sind auch seine Augen. Es kann mit ihnen zum Beispiel gleichzeitig in zwei verschiedene Richtungen sehen, wenn es seine beiden Augen unabhängig voneinander bewegt. Diese große Flexibilität ermöglicht ihm einen vollständigen Rundumblick.

Madagaskar ist die Heimat von beinahe der Hälfte aller bekannten 217 Chamäleonarten. Jedoch ist ihr Lebensraum auch auf unvergleichliche Weise bedroht und der weitaus größte Teil des Primärregenwaldes ist bereits zerstört. Im Jahr 2020 hat eine Expedition der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) im Nordwesten Madagaskars das über 100 Jahre verschollene farbenprächtige Voeltzkow-Chamäleon (Furcifer voeltzkowi) wieder aufgespürt. Die Wissenschaftler vermuten, dass es wie eine ähnliche Art nur wenige Monate während der Regenzeit am Leben ist.

Das Chapman-Zwergchamäleon galt bereits als möglicherweise ausgestorben. Doch Forscher haben bei einer Expedition im Jahr 2016 im bergigen Süden von Malawi, dem einzigen Lebensraum der Art, noch Exemplare aufgespürt. Weil der Waldbestand in der Region dramatisch schrumpft, ist die Zukunft der Art jedoch ungewiss.

 

Sonntag

Muße

 

Mit Muße bezeichnet man die Zeit, die eine Person nach eigenem Wunsch nutzen kann. Nicht alle Freizeit ist gleichzeitig auch Muße, da viele Freizeitaktivitäten indirekt von Fremdinteressen bestimmt werden. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes (althochdeutsch „muoza“, mittelhochdeutsch „muoze“) war „Gelegenheit“, „Möglichkeit“. (Quelle: Wikipedia)

Der Mensch, der nicht mehr ruht bzw. ruhen kann, verliert den Zugang zum Geheimnis und zur Weite seines Lebens. Die Zeit der Ruhe, der Muße, des Innehaltens ist deshalb nicht verlorene, sondern gewonnene Zeit. Im Abstand von Leistung gewinnen wir jene unverzichtbare Ressource, die wir uns nicht erarbeiten, sondern nur schenken lassen können und die offensichtlich nur der ruhigen Seele beschert wird.
„Gedenke des Sabbats“ (Exodus 20,8), so heißt die dritte von den zehn Weisungen der jüdisch christlichen Tradition. Das Christentum hat daraus ein Gebot gemacht: „du sollst den Feiertag heiligen“. Aber indem aus einem Angebot ein Gebot wurde, ist die Grundidee des Sabbats entstellt worden. Denn es geht bei dieser Weisung nicht darum, dass der Mensch am Sabbat oder am Sonntag etwas tun soll – die Sonntagspflicht erfüllen –, sondern dass er etwas lassen soll oder darf. Dorothee Sölle hat Exodus 20,8 für unsere Zeit mit „du sollst dich unterbrechen“ genial übersetzt. (Quelle: Homepage der „Akademie der Muße“)

„Ich definiere Muße als eine nicht determinierte, nicht verplante Zeit, die man im Hier und Jetzt verbringt – und das kann, muss aber nicht faulenzend sein. Es kann aber auch Zeit sein, die man mit Dingen verbringt, ganz bewusst, die einem gerade in diesem Moment Spaß machen. Die Lust oder das Bedürfnis darauf muss in dem Moment entstehen, es sollte nicht vorher geplant sein. Muße ist für mich einfach mal Innehalten. Im Altertum nannte es Horaz die Zeit, die fern von Geschäften ist. Ich muss in der Lage sein, wirklich einmal nur den Augenblick zu spüren. Kostbar ist nur die Zeit, die nicht schon verplant ist – denn die steht mir frei zur Verfügung.“ (Aus einem Gespräch mit Couch und Autor Nikolaus Birkl)

Wissenschaftler der Universität Freiburg erforschen die gesellschaftliche Bedeutung von Muße. Ziel ist, das Thema wissenschaftlich zu beleuchten und die Öffentlichkeit zu informieren. Hierfür soll in Baden-Baden ein Museum (mit dem Namen „Mußeum“) entstehen, das sich der Muße widmet.


RSS