32. Kalenderwoche (3.–9. August 2020)

 

Perseiden  Meersalz Verdonschlucht
 Blumenuhr Eisvogel  Meeresschildkröten Zivilcourage

 

 

Montag

Perseiden

 

Wenn Kleinkörper aus dem Kosmos die Bahn der Erde kreuzen (oftmals nicht größer als ein Sandkorn) und in die Lufthülle der Erde eindringen bzw. wenn die Erde eine Kometenflugbahn durchquert wie jedes Jahr im August und dabei winzige, wenige Millimeter große Staubkörner, die der Komet auf seiner Bahn um die Sonne hinterlässt, in die Erdatmosphäre eindringen und dort verglühen, kommt es (in einer Entfernung von 80 bis 100 Kilometern) zu Lichterscheinungen am Nachthimmel. Die größeren unter ihnen werden Feuerkugeln (Boliden) genannt, die kleinen, lichtschwachen heißen Sternschnuppen. Sie bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von rund 215.000 Kilometer in der Stunde.

Die Sternschnuppen im August gehören zum Perseusstrom, dem reichsten Meteorlieferanten des Jahres. Die Perseiden treten jährlich vom 17. Juli bis 24. August auf, das Maximum erreichen sie immer um den 12. August herum. Ihren Namen verdanken sie dem Sternbild Perseus, aus dem sie zu strömen scheinen. Als schönster und reichster Strom des Jahres bescheren uns die Perseiden normalerweise bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde. In manchen Jahren kann man sogar 150 bis 200 Sternschnuppen pro Stunde am Nachthimmel erblicken. Die Sternschnuppen des Perseiden-Stroms entstehen, wenn sich die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne durch die Staubspur bewegt, die der Komet 109P/Swift-Tuttle hinterlassen hat. Die beste Beobachtungszeit liegt zwischen 23 Uhr und 4 Uhr morgens.

Neben den Perseiden kann man in den Monaten Juli und August auch noch die südlichen Delta-Aquariden, die Piscis-Austriniden und die Alpha-Capricorniden beobachten – jeweils benannt nach den Sternbildern, aus denen sie zu strömen scheinen. Alle diese Meteorschauer sind deutlich schwächer als die Perseiden, sorgen jedoch dafür, dass man in jenen Monaten immer wieder die Chance hat, Sternschnuppen zu entdecken.

Montag, 3. August 2020, 17:58:48 Uhr: Vollmond

Bereits in der Abenddämmerung leuchtet im Südosten der Riesenplanet Jupiter auf. Kurz darauf sieht man auch den Ringplaneten Saturn, der deutlich lichtschwächer ist und ein wenig östlich von Jupiter erkannt werden kann. Jupiter und Saturn sind die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems. Venus ist Glanzpunkt am Morgenhimmel. Dieser hellste aller Planeten geht um halb drei Uhr morgens am Osthimmel auf.

 

 

Dienstag

Meersalz

 

Insgesamt enthält das Meerwasser im Schnitt 35 Gramm anorganisches Material pro Kilogramm Wasser, 27 Gramm davon ist Natriumchlorid, also unser Kochsalz. Ursprünglich waren die Meere allerdings gar nicht salzig. Das Meersalz wurde vielmehr im Lauf der Erdgeschichte aus der Landmasse gewaschen. Immer wenn es regnet, versickert Wasser in der Erde. Wenn es in die Tiefe dringt, löst es aus den Bodenschichten die Salze heraus. Irgendwann tritt das Wasser wieder an die Oberfläche, an Flussquellen zum Beispiel. Der Fluss führt die gelösten Salze auf dem Weg ins Meer mit sich und wäscht aus dem Flussbett immer weitere Mineralien. Auch in Süßwasser sind daher immer geringe Mengen Salz enthalten. Es gibt noch andere Salzstreuer, die das Meer würzen: Unterwasservulkane. Sogenannte Schwarze Raucher transportieren aus dem Erdinneren ständig neue Lava und mit ihm Salze auf den Meeresboden. Verdunstet das Meerwasser, bleibt das Salz zurück.

Die Ozeane enthalten so viel Salz, dass man das gesamte Festland damit 150 Meter dick zustreuen könnte. Allein die Flüsse transportieren jährlich 2,75 Milliarden Tonnen Salz ins Meer. Doch viel salziger wird es trotzdem nicht, denn es gibt Prozesse, die dem Meer wieder Salz entziehen. Zum Beispiel bläst die Gischt Meerwasser an Land, und Korallen, Muscheln und Mikroorganismen wie Kieselalgen brauchen Salz zum Leben und lagern es unter anderem in ihren Schalen ein. Seit etwa 700 Millionen Jahren ist der Salzgehalt im Meer etwa gleich.

 

Mittwoch

Verdonschlucht – der Grand Canyon Frankreichs

 

Die Schlucht von Verdon in der französischen Provence gehört zu den größten Schluchten Europas – und zu den schönsten. Durch den etwa 21 Kilometer langen und bis zu 700 Meter tiefen Canyon fließt der türkisfarbene Fluss Verdon. Der Verdon, der in den französischen Seealpen auf rund 2500 Metern Höhe entspringt, mündet gut 160 Kilometer weiter in die Durance. Auf seinem Weg zwischen Castellane und dem Lac de Sainte-Croix hat der wilde Alpenfluss auf rund 21 Kilometern nicht nur eine der gewaltigsten Schluchten Europas geschaffen, sondern auch eine Landschaft, die 1997 Nationalpark wurde. Der französische Hydrogeologe Édouard-Alfred Martel stieg erstmals im Sommer 1905 in die Tiefe. Die mehrtägige Expedition war schwierig und gefährlich. Martel gilt als Vater der modernen Höhlenforschung. Seine Expedition durch die Wilde Schlucht von Verdon hat er 1928 in einem Buch beschrieben: „Wir sind am Ende unserer Kräfte und staunen nur noch. Ein Höhlendach am rechten Ufer, eine wahre Grotte des Styx, scheint den Verdon zu verschlucken. Hier ist das Weiterkommen unmöglich.“

Seit dem 7. Mai 1990 ist die Verdonschlucht offizielles Naturschutzgebiet.

 

Donnerstag

Blumenuhr

 

Die Blüten vieler Pflanzen sind jeden Tag nur zu ganz bestimmten Zeiten geöffnet. Unterschiedliche Blühzeiten bedeuten eine bessere Rund-um-die-Uhr-Versorgung der bestäubenden Insekten. So müssen nicht alle auf einmal auf Futtersuche gehen und sich gegenseitig Konkurrenz machen. Außerdem sparen die Pflanzen Energie, indem sie sich nur dann öffnen, wenn auch „ihre“ Insekten unterwegs sind.

Göttinger Forscher konnten nachweisen, dass Insekten dabei als Taktgeber eine sehr wichtige Rolle spielen. Ihre Experimente zeigen, dass sich die Blüten einiger Pflanzen nur dann zu der üblichen Uhrzeit schließen, wenn sie vorher von Bienen oder anderen Bestäubern besucht wurden. Bei manchen Wiesenblumen ist das schon mittags der Fall. Fehlen die Insekten, bleiben die Blüten bis zum Abend offen. „Unsere Ergebnisse zeigen zum ersten Mal, dass die Bestäubung das schnelle Schließen der Blüten auf der Ebene einer ganzen Pflanzengemeinschaft beeinflusst“, schrieben die Forscher im Jahr 2011 in der Fachzeitschrift „Ecology Letters“. Wegen dieser engen Verflechtung von Pflanzen und ihren Bestäuberinsekten könne sich auch der aktuell beobachtete Rückgang der Bienen deutlich auswirken, sagen die Forscher. Er führe zum verspäteten Schließen von Blüten und bringe damit das gesamte, feinabgestimmte Nahrungsnetz einer Wiese durcheinander.

Verdeutlicht wird durch die Blumenuhr die Koevolution zwischen den Blütenpflanzen und ihren tierischen Bestäubern. Durch die unterschiedlichen Blühzeiten wird gesichert, dass 24 Stunden Nektar und Pollen für die Bestäuber bereitstehen. Durch die verteilten Blühzeiten wird einerseits die Futtersuche für alle bestäubenden Tiere möglich, anderseits die Bestäubung der Blütenpflanzen gesichert. Allgemein gilt, dass abends und nachts weniger Blüten blühen als tagsüber. Gerade die Spät- und Frühblüher erschließen sich neue Bestäuber. So kann die Entwicklung der Nachtblüher und Nachtschmetterlinge als Koevolution gesehen werden.

 

Freitag

Eisvogel – „fliegender Edelstein“

 

Ob der Name des Eisvogels tatsächlich mit Eis zu tun hat oder die eisblauen Rückenfedern Pate standen, ist strittig. Manche Deutungen leiten den Namen vom althochdeutschen „eisan“ für „schillern“ oder „glänzen“ ab. Jedenfalls ist er derart prächtig gefiedert, dass man ihn eher in tropischen Urwäldern als an europäischen Bächen vermuten würde. Eisvögel leben nur dort, wo die Umwelt noch intakt ist. Und das ist leider immer seltener der Fall. Dementsprechend gibt es nur noch maximal 8000 Brutpaare in Deutschland.

Die in unserer heimischen Tierwelt einmalige Farbenpracht seines Gefieders fesselt unseren Blick, wenn der elegante Jäger unter schrillen „tjiih“-Rufen dicht über die Wasseroberfläche gleitet oder in rasantem Sturzflug von seiner Ansitzwarte ins Wasser schießt. In solchen Situationen entfaltet der „fliegende Edelstein“, wie er gern betitelt wird, seine volle Schönheit, glänzt – im wahrsten Sinne des Wortes – mit einer schillernden Vielfalt von Türkis-, Blau- und Rosttönen, wie wir sie sonst nur von tropischen Vögeln kennen. (Aus: Vogelschutz 4/08)

 

Samstag

Meeresschildkröten – „Gärtner der Meere“

 

An der Pazifikküste von Costa Rica findet jedes Jahr zwischen August und Oktober ein weltweit einmaliges Schauspiel statt: Während dieser Zeit gehen in nur wenigen Nächten bis zu 100.000 Meeresschildkröten an Land, um ihre Eier abzulegen. Am Ende der Saison liegen etwa zehn Millionen Eier im Sand, die insgesamt rund 300 Tonnen wiegen. Viele kleine Meeresschildkröten sind es, die in einer einzigen Nacht gleichzeitig aus ihrem Ei schlüpfen. Doch nur ein Junges von tausend, so schätzt man, wird zu einer ausgewachsenen Meeresschildkröte heranreifen. Eines der größten Phänomene der Tierwelt ist, dass die Weibchen 20 oder 30 Jahre später, nachdem sie womöglich durch alle Meere gezogen sind, an genau den Strand, an dem sie einst geschlüpft sind, zurückkehren, um ihrerseits ihre Eier abzulegen. Welch innerer Kompass diese Rückkehr an den Heimatstrand steuert, ist noch immer nicht erforscht.

Meeresschildkröten halten das ökologische Gleichgewicht aufrecht. Sie fressen etwa Algen und Seegras und ermöglichen so kleinen tropischen Fischen, sich in dem sauberen Wasser vermehrt fortzupflanzen. Auch Quallen stehen bei manchen Arten auf dem Speiseplan, was wiederum die Zahl der gefährlichen Nesseltiere eindämmt. Die Meeresschildkröten halten das Meer sauber und machen damit das Wasser klar. Liebevoll werden die gepanzerten Reptilien als „Gärtner der Meere“ bezeichnet. Die Tiere bevölkern seit über 250 Millionen Jahren die Ozeane und legen dabei den Strömungen folgend weite Strecken zurück.

Nach einer im September 2017 im Journal Science Advances veröffentlichten Studie haben viele der jahrzehntelangen Schutzbemühungen weltweit dazu geführt, dass die Zahl der Meeresschildkröten in vielen Gebieten wieder steigt. Noch stehen allerdings sechs der sieben Meeresschildkröten-Arten als gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN. Für die siebte Art, die Wallriffschildkröte, gibt es laut IUCN nicht genügend Daten zur Einstufung.

 

Sonntag

Zivilcourage

 

Zivilcourage, wörtlich Bürgermut, setzt sich aus den beiden Wörtern zivil (lateinisch civilis, 1. bürgerlich – nicht militärisch, 2. anständig, annehmbar) und courage (französisch „Mut“) zusammen. Der Begriff Zivilcourage wird Otto von Bismarck als Wortschöpfung zugeschrieben. 1864 soll er, wie Robert von Keudell 1901 in seinen Erinnerungen schreibt, aus Enttäuschung über einen Verwandten, der ihn im Reichstag nicht unterstützt hat, gesagt haben: „Mut auf dem Schlachtfelde ist bei uns Gemeingut, aber Sie werden nicht selten finden, dass es ganz achtbaren Leuten an Zivilcourage fehlt.“ Nachgewiesen wird der Begriff erstmals 1835 in Frankreich als „courage civil“, Mut des Einzelnen zum eigenen Urteil, später als „courage civique“, staatsbürgerlicher Mut. Der deutsche Begriff Zivilcourage umfasst beides. In vielen anderen Sprachen kommt der Begriff nicht vor. So hat John F. Kennedy seine Studie über Persönlichkeiten der US-amerikanischen Geschichte, die sich durch Zivilcourage ausgezeichnet hatten, „On the Courage“ genannt. Das Wort Zivilcourage stand ihm im Englischen nicht zur Verfügung.

Bei Zivilcourage denken wahrscheinlich die meisten an bedrohliche Situationen wie Schlägereien, Belästigungen usw. Das liegt sicher daran, dass solche Fälle besonders spektakulär und oft genug auch besonders entsetzlich sind, wenn wieder einmal niemand bereit war zu helfen. Aber Zivilcourage fängt schon viel früher und im Kleinen an, nämlich immer dann, wenn man etwas nicht gerecht oder falsch findet, man etwas dagegen tun will und dies vor anderen (öffentlich) tun muss, dabei das Gefühl hat, im Nachteil oder unterlegen zu sein, und der Erfolg des Einsatzes eher unsicher ist und eher Nachteile als Vorteile zu erwarten sind.


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