30. Kalenderwoche (20.–26. Juli 2020)

 

Regenbogen  Höhlen  Lechuguilla-Höhle
 Brennnesseln  Idas-Bläuling Nashörner Demut

 

 

Montag

Regenbogen

 

Der Regenbogen ist ein Phänomen der atmosphärischen Optik, das als kreisbogenförmiges Lichtband mit allen Spektralfarben in einem charakteristischen Farbverlauf wahrgenommen wird. Er entsteht durch das Wechselspiel annähernd kugelförmiger Wassertropfen mit dem Sonnenlicht. Dieses wird bei Ein- und Austritt aus den Tropfen wellenlängenabhängig gebrochen und an der rückwärtigen inneren Oberfläche richtungsabhängig reflektiert. Eine extrem seltene Variante des Regenbogens ist der Mondregenbogen, der beim Zusammenspiel von Wassertröpfchen mit Mondlicht unter günstigen Bedingungen zu sehen ist. (Quelle: Wikipedia)

Laut dem Wissenschaftler Isaac Newton (1642–1727) hat der Regenbogen sieben Farben: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Violett. In Wirklichkeit sind das nur die Hauptfarben, und tatsächlich gibt es zahlreiche Farbnuancen dazwischen. Manche behaupten, es gebe nur sechs Hauptfarben, und Newton habe die siebte, Indigo, hinzugefügt, um seine Ergebnisse „wissenschaftlicher“ zu machen (die Sieben wurde als „wissenschaftliche“ Zahl betrachtet).

Der Regenbogen ist ein Symbol für Einklang mit der Natur und für Harmonie.

 

Dienstag

Höhlen

 

Höhlen, natürlich entstandene unterirdische Hohlräume, die groß genug sind, um von Menschen betreten zu werden, bilden sich durch geologische Prozesse. Von einem Höhlensystem spricht man im Zusammenhang mit längeren Höhlen, bei denen man einen Hauptgang und einige Nebengänge unterscheiden kann.

In den Gewässern rund um die Bahamas existiert das dichteste Höhlensystem der Welt. Frösche, Fledermäuse, Krebse, Eidechsen und Krabben finden hier einen optimalen Lebensraum.

Die Malcham-Höhle unter dem Berg Sodom am Toten Meer in Israel ist mit einer Gesamtlänge von gut zehn Kilometern die längste bekannte Salzhöhle der Welt. Salzhöhlen sind selten. Sie entstehen nur in sehr trockenen Regionen, in denen Salzschichten bis an die Erdoberfläche gedrückt werden, etwa durch Bewegungen in der Erdkruste.

Die Entdeckung der Langsamkeit. Atmen Sie tief und bewusst ein und aus. Lesen Sie die folgenden Zeilen in aller Ruhe. Denn darum geht es. Lassen Sie sich Zeit. So wie die Stalaktiten und Stalagmiten der Carlsberg Caverns. Ihre Entstehung innerhalb der Höhle begann vor 500.000 Jahren. Pro hundert Jahre wachsen die Tropfsteine vielleicht zwei Zentimeter aufeinander zu. Ein nach menschlichen Maßstäben äußerst langsamer Prozess, der die wunderbarsten Formationen hervorbringt. Ist das langweilig? Wahrscheinlich. Aber schön. (Aus: Publik-Forum Nr. 4/2012, S.2)

 

Mittwoch

Lechuguilla-Höhle

 

Die erst 1986 entdeckte Lechuguilla-Höhle, eine Tropfsteinhöhle im Carlsbad-Caverns-Nationalpark in New Mexico im Süden der USA, ist die wohl tiefste und schönste Höhle der Erde. Mit einer Ausdehnung von 205 Kilometern Länge ist sie die siebtlängste vermessene Höhle der Welt und mit einer Tiefe von 489 Metern die tiefste Höhle im Kernland der Vereinigten Staaten. Die Ost-West-Ausdehnung der Höhle beträgt 3270 Meter. Die Atemgeschwindigkeit der Höhle von bis zu 80 km/h (bei vorbeiziehenden Hochdruckgebieten saugen große Höhlen Luft an, bei Tiefdruckgebieten blasen diese Luft aus) lässt aber auf eine weitaus größere Ausdehnung schließen. Die Höhle beherbergt bizarre, weltweit einzigartige Tropfsteinformationen. Um dieses Naturphänomen nicht zu gefährden, wird die genaue Lage der Höhle geheim gehalten und der Zugang streng reglementiert.

 

Donnerstag

Brennnesseln – Schmetterlingsweide

 

Viele Tiere sind auf die Blätter der Brennnessel als Nahrung angewiesen. Die Raupen von rund 50 heimischen Schmetterlingsarten nutzen sie zum Fressen. Dazu gehören etwa das Tagpfauenauge, das Landkärtchen und der Kleine Fuchs. Trotzdem scheinen sich diese Schmetterlingsarten kaum gegenseitig Konkurrenz zu machen, denn sie bevorzugen jeweils andere Wuchsorte der Brennnessel oder sind relativ selten. Auf fast jeder Brennnessel sind Fraßspuren einzelner Insekten zu sehen. Dabei müssen diese eine Strategie entwickelt haben, mit der sie die Brennhaare umgehen. Sie fressen sich um die Haare herum und bevorzugen dabei die Wege entlang der Blattnerven und den Blatträndern, da sich dort keine Brennhaare befinden. Vorteilhaft für die Insekten: Das Gift dringt nicht aus der Spitze, wenn das Haar unten an der Wurzel angefressen wird. Die erwachsenen Schmetterlinge wiederum ernähren sich von Nektar, den sie mit ihrem Rüssel aus den Blüten der Brennnesseln saugen.

Brennnesseln finden sich fast überall auf der Welt. Nur die Antarktis ist ausgespart. Bei uns kommen insgesamt vier Arten vor: die Große Brennnessel und die Kleine Brennnessel, nur selten auch die Röhricht-Brennnessel sowie die Pillen-Brennnessel. Alle gelten als Zeigerpflanzen für einen stickstoffreichen Boden.

 

Freitag

Idas-Bläuling

 

Der Idas-Bläuling, auch Ginster-Bläuling genannt, ist ein Tagfalter aus der Familie der Bläulinge, der von Europa über den Mittleren Osten bis das Innere Asiens und in Nordamerika weit verbreitet ist. Er gehört zur Gruppe der Silberfleck-Bläulinge, die sich durch metallische Flecken auf der Hinterflügelunterseite auszeichnen.

„Bläulinge haben unterschiedliche und teils extrem komplexe Strategien im Zusammenleben mit ihren ursprünglich gefährlichsten Feinden, den Ameisen, entwickelt. So legen die Weibchen des Idas-Bläulings nur dort Eier ab, wo ‚ihre‘ Ameisen, ausschließlich Formica-Arten, sehr häufig sind. Diese als sehr aggressiv geltenden Ameisen bilden auf Kiesbänken von Wildflüssen riesige Kolonieverbände und beherrschen hier ganze Regionen. Die Raupen des Idas-Bläulings sind regelmäßig von diesen Ameisen besetzt, ohne jedoch von ihnen angegriffen oder erbeutet zu werden. Grund für diese friedliche Koexistenz sind Duftstoffe, die die Schmetterlingsraupen aus einer Vielzahl von Drüsen abgeben. Diese Duftstoffe wirken auf die Ameisen, deren Zusammenleben wesentlich durch spezifische Pheromone geregelt wird, als ‚Befriedigungssubstanzen‘. Zusätzlich spendiert die Raupe den Ameisen aus einer großen Drüse ein sehr begehrtes zuckerhaltiges Sekret. Als Gegenleistung schützen die Ameisen gleichsam als eine Art Leibwache die Raupe sehr wirkungsvoll vor Feinden. Die Wirkung dieses lebenden Schutzschildes kann die Raupe noch verstärken, indem sie hin und wieder aus zwei ausstülpbaren weißlichen Gebilden, den sog. Tentakeln, das Alarmpheromon der Ameisen abgibt. Dadurch werden die Ameisen zu einem Herumrennen um die Raupe (‚excited runs‘) angeregt, was offensichtlich Feinde besonders abschreckt. Im Laufe der Evolution hat sich der Idas-Bläuling so eng mit seinen ehemaligen Todfeinden verbrüdert, dass er ohne sie gar nicht mehr leben kann. Die Myrmekophilie, d.h. Freundschaft zu Ameisen, gilt als ein besonders faszinierendes Ergebnis der Evolution.“ (Eberhard Pfeuffer in: Vogelschutz 3/2006, 12)

 

Samstag

Nashörner

 

Die Nashörner oder auch Rhinozerosse bilden eine Familie der Unpaarhufer mit heute noch fünf lebenden Arten. Sie sind durch einen kräftigen Körper und kurze Gliedmaßen mit drei Zehen sowie einen großen Kopf charakterisiert, der bei allen heute lebenden Vertretern eine markante Bildung, bestehend aus einem oder zwei – für die Familie namengebenden – Hörnern, trägt. Die Familie stellt eine der vielfältigsten und erfolgreichsten in der Geschichte der Säugetiere dar und war während ihrer vor nahezu 50 Millionen Jahren beginnenden Entwicklungsgeschichte über weite Teile Eurasiens, Afrikas und Nordamerikas verbreitet. Überlebt haben die heute noch bestehenden Nashornarten Breitmaul- und Spitzmaulnashorn im Afrika südlich der Sahara sowie Panzer-, Java- und Sumatra-Nashorn im süd- bis südöstlichen Asien.

Das britisch-australische Künsterduo „Gillie and Marc“ will mit einer Skulptur auf das Schicksal der letzten drei Nördlichen Breitmaulnashörner aufmerksam machen: Seit Anfang 2018 stehen der im kenianischen Wildtierreservat Ol Pejeta lebende Bulle Sudan und die beiden Weibchen Najin und Fatu aufeinandergetürmt als fünf Meter hoher Bronzeabguss in New York; Nachtrag: Am 19. März 2018 musste der Bulle Sudan eingeschläfert werden.

Beim Nördlichen Breitmaulnashorn handelt es sich um eine so genannte Schlüsseltierart: Bevor die Tiere vom Aussterben bedroht waren, zogen sie in großer Zahl durch Ost- und Zentralafrika, wo sie die Samen Hunderter Pflanzenarten verteilten. Vögel ernährten sich von den Parasiten in ihrer Haut, Antilopen nutzten die Schneisen, welche die Nashörner durch den Dschungel schlugen.

Während der Vertreter der größten Art, das Breitmaulnashorn, bis zu 3500 Kilogramm wiegen kann, ist das Sumatra-Nashorn mit einer Schulterhöhe von 100 bis 150 Zentimetern und einem Gewicht von „nur“ 600 bis 950 Kilogramm die kleinste und urtümlichste der fünf Nashornarten. Sumatra-Nashörner existieren seit 20 Millionen Jahren und sind die engsten Verwandten der eiszeitlichen Wollnashörner: Als einzige Nashornart ist es mit einer Behaarung, einem rostbraunen Haarkleid, ausgestattet. Die Nashornart lebt weitgehend einzelgängerisch in tropischen Regenwäldern, ernährt sich von weicher Pflanzenkost und für seine umfangreiche Lautkommunikation bekannt.
Das Sumatra-Nashorn zählt zu den am meisten bedrohten Tierarten überhaupt. Einst waren diese Tiere von Assam in Nordostindien über Indochina bis auf die malaiische Halbinsel und die Großen Sundainseln verbreitet. Bis vor kurzem war ihr Lebensraum auf wenige kleine, isolierte Gebiete auf Borneo und Sumatra geschrumpft. Am 23. November 2019 ist das letzte Sumatra-Nashorn in Malaysia auf Borneo eines natürlichen Todes gestorben, wie die Umweltstiftung WWF am 24. November 2019 mitteilte. Damit ist die Art in Malaysia ausgestorben. Letzte Hoffnung ist jetzt Indonesien. Derzeit  streifen nach WWF-Schätzungen nicht einmal mehr 80 Tiere, verteilt auf neun isolierte Populationen, durch die Regenwälder auf Sumatra.

Mit einem Meter dreißig Schulterhöhe und 500 bis 600 Kilogramm Gewicht können Sabah-Nashörner, eine Unterart des Sumatra-Nashorns, den Titel „Kleinstes Nashorn der Welt“ beanspruchen. Die Weibchen, wie Petra Kretzschmar vom Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin herausfand, singen. „Das Tier badete in einem Schlammloch und sang dabei ununterbrochen vor sich hin“, schildert die Biologin die ungewöhnliche Darbietung. Minutenlang hingen auf- und absteigende Töne in der Luft, die an Walgesänge erinnerten. Für wen sie singen, ist bislang unbekannt. „Vielleicht dient er der Verständigung zwischen Mutter und Kind“, vermutet Petra Kretzschmar. Dafür spricht, dass bisher nur Weibchen durch entsprechendes Liedgut aufgefallen sind. Nach bisherigen Schätzungen anhand von Trittspuren trotten nur noch etwa 50 Exemplare des bedrohten Tiers in den Tieflandregenwäldern des malaysischen Bundesstaates Sabah im Norden Borneos. Der Rest ihres einst viel größeren Lebensraums musste den allgegenwärtigen Ölpalmenplantagen weichen.

Zwei Drittel der auf dem indischen Subkontent beheimateten vom Aussterben bedrohten einhörnigen Nashörner bzw. Panzernashörner leben in dem 845 Quadratkilometer umfassenden Nationalpark Kaziranga im Bundesstaat Assam in Indien. Ihre Zahl ist jetzt um zwölf Tiere gestiegen – von 2401 auf 2413.

Derzeit leben in Afrika noch etwa 25.000 Nashörner in freier Wildbahn, rund 20.000 davon in Südafrika. Wie die Welttierschutzunion (IUCN) am 19. März 2020 berichtete, wuchs die Population des Spitzmaulnashorns in Afrika in der Wildnis zwischen 2012 und 2018 von geschätzten 4845 auf 5630 Exemplare. Die Unterart Südwestliches Spitzmaulnashorn hat sich so weit erholt, dass die IUCN sie von „gefährdet“ auf die Kategorie „potenziell gefährdet“ herabstufte. Die Zahl der Breitmaulnashörner ist zwischen 2012 und 2017 um 15 Prozent auf 18.000 gesunken. Das nördliche Breitmaulnashorn sei womöglich in der Wildnis bereits ausgestorben.

 

Sonntag

Demut

 

Demut meint das Respektieren von Grenzen, das Achten von Grenzen. Die Grenze, die jedem Menschen gesetzt ist, ausnahmslos, ist der Tod. Wenn wir mit einer lebensbedrohlichen Krankheit konfrontiert sind, dann müssen wir uns mit dieser Grenze auseinandersetzen. Es gibt Fortschrittsgläubige, die sehen den Tod als eine Art Krankheit an, die eines Tages von der Medizin geheilt und besiegt sein wird. Das wird nie der Fall sein. Den Tod, das Ende unseres Lebens als leibhaftige Menschen, müssen wir respektieren und annehmen, in Demut. Und Menschen, die das getan haben, gezwungenermaßen durch Krankheit und Schicksalsschläge, sagen, dass das ihr Leben vertieft und bereichert hat. Nach Hader und Zorn, Zögern und Zaudern, diese Grenze des Todes anzunehmen gibt dem Leben Sinn und Frieden, sagen Menschen, die das erfahren haben.

Demut hat für mich viel mit „Ehrfurcht vor dem Leben“ zu tun. Albert Schweitzer hat damit seine Sicht einer Lebenshaltung benannt, die das Leben achtet und fördert. „Ehrfurcht vor dem Leben“ achtet das Leben in mir und um mich, erweist ihm Respekt und Zuwendung. „Demut ist die Fähigkeit, auch zu den kleinsten Dingen des Lebens emporzusehen“, hat Albert Schweitzer geschrieben. Ich verstehe das so, dass der Blick der Demut das Wunder des Lebens auch in den kleinen Dingen des Lebens – in einem Grashalm, einer Ameise, einer Wolke – wahrnimmt und – staunt. Demut meint das Staunen, das Staunen wie die Kinder, über die Schöpfung, über die Schöpferkraft Gottes, die unsere Intelligenz bei weitem übersteigt. Demut staunt über die überbordende Vielfalt der Natur, der Formen und Farben, in der eine Intelligenz zum Ausdruck kommt, die wir nur bewundern können. Diese Art von Demut haben viele große Naturforscher zum Ausdruck gebracht.

Auszug aus der Predigt von Pfarrer Dr. Ludwig Frambach, die er am 14. Juni 2015 in der Reihe „Mit der Seele hören“ über das Thema „Von der Demut“ gehalten hat; den vollständigen Text finden Sie hier.


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