26. Kalenderwoche (22.–28. Juni 2020)

 

Sommer  Buchenwälder  Wüste  Kakteen  Heuschrecken  Sägerochen  Gehen

 

 

Montag

Sommer

 

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.

Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide;
Narzissus und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an
als Salomonis Seide.

Die Lerche schwingt sich in die Luft,
das Täublein fliegt aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder;
die hochbegabte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder.

Paul Gerhardt (1607–1676, evangelisch-lutherischer Theologe, gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter)

In 365 Tagen läuft die Erde einmal um die Sonne. Da die Erdachse um 23,5 Grad geneigt ist, fällt das Sonnenlicht im Verlauf des Jahres mit unterschiedlichem Winkel auf die Erde. Dadurch entstehen die Jahreszeiten.

 

Dienstag

Buchenwälder

 

Sie sind so etwas wie die Ureinwohner Europas: Ohne menschliches Eingreifen würden Buchen große Bereiche des Kontinents bedecken. Während Buchenwälder vor 6500 Jahren 40 Prozent Europas bedeckten, sind die Buchenurwälder in den Karpaten die letzten Überreste der ursprünglichen Bewaldung; es sind Wälder, die vom Menschen über Jahrhunderte unberührt geblieben sind und zu den größten Naturschätzen unseres Kontinents gehören. Die deutschen Tiefland-Buchenwälder sind wesentlich jünger.

Buchenwaldgebiete beherbergen eine große Artenvielfalt. Mit einem hohen Anteil an alten Bäumen, stehendem sowie liegendem Totholz und natürlichen Höhlen bieten sie einen idealen Lebensraum für Höhlenbrüter, Fledermäuse und viele andere Lebewesen, die hier Brutplatz und Unterschlupf finden. Ein wesentlicher Teil der Artenvielfalt kommt erst in den späten Altersphasen des Buchenwaldes zur ganzen Entfaltung.

Das Welterbekomitee der Unesco hat am 25. Juni 2011 entschieden, die „Alten Buchenwälder Deutschlands“ (den Grumsiner Forst in Brandenburg, den Nationalpark Kellerwald-Edersee in Hessen, den Nationalpark Jasmund auf Rügen, den Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern sowie den Nationalpark Hainich in Thüringen) als Erweiterung der bereits seit 2007 zum Weltnaturerbe zählenden „Buchenurwälder der Karpaten“ (Slowakische Republik, Ukraine) in die Welterbeliste aufzunehmen. Der Nationalpark Hainich ist mit 130 Quadratkilometern das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands.

 

Mittwoch

Wüste – Lebensraum der Extreme

 

Die Erde ist nicht nur ein Wasser-, sondern auch ein Wüstenplanet. Ein Fünftel ihrer Landfläche wird von Sand-, Stein- oder Eiswüsten bedeckt. Mit 14 Millionen Quadratkilometern ist die Antarktis mit Abstand die größte Wüste der Erde, es folgt mit neun Millionen Quadratkilometern die Sahara. Teile der Atacama-Wüste in Südamerika sind am trockensten – hier fällt noch nicht einmal 0,1 Millimeter Regen pro Jahr, mancherorts ist seit Jahrhunderten kein Tropfen gefallen.

Natürliche Wüsten prägen in manchen Regionen der Welt seit Jahrtausenden das Gesicht der Landschaft. Diese Ökosysteme entstehen überall dort, wo im Jahr weniger als 200 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fallen und Wind und Sonne das wenige Wasser rasch verdunsten lässt. In Wüsten bedeckt die Vegetation weniger als fünf Prozent der Oberfläche. Es gibt heiße Dünen und eisige Hochebenen; einige Wüsten dehnen sich durch den Klimawandel aus, andere schrumpfen durch menschliche Besiedlung. All diese Veränderungen haben wiederum Folgen für den Rest der Welt. Doch wenn man erst selbst durch die Endlosigkeit einer Wüste wandert, scheinen sämtliche düsteren Prognosen weit entfernt. Das mag der Trost sein, nach dem Reisende suchen. „Die Wüste erscheint ihren Bewohnern unvergänglich“, schrieb der Tuareg-Philosoph Mano Dayak, „und wer diese Landschaft liebt, kann an dem Gefühl der Unsterblichkeit teilhaben.“ (National Geographic, Juni 2008, 148)

Die zum größten Teil in Saudi-Arabien liegende Rub Al Khali ist die größte zusammenhängende Sandwüste der Erde. Die fast menschenleere Wüste bedeckt das südliche Drittel der Arabischen Halbinsel. Sie misst 780.000 Quadratkilometer, eine Fläche eineinhalb Mal so groß wie Spanien, und besteht weitestgehend aus Dünen, die bis zu 300 Meter hoch sein können. Die Temperaturen reichen von nachts 0 bis 60 Grad tagsüber. „Rub Al Khali“ heißt übersetzt so viel wie „Leeres Viertel“.

  • Gerald Mansberger, Markus Eisl, Wüsten. Lebensraum der Extreme. Bildband mit Texten, Verlag eoVision, Salzburg 2019

 

Donnerstag

Kakteen

 

Das natürliche Vorkommen der Kakteen ist, mit Ausnahme der Rhipsalis baccifera, der am weitesten verbreiteten Kakteenart, auf den amerikanischen Kontinent beschränkt. Dort erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet vom südlichen Kanada bis nach Patagonien in Argentinien und Chile. Die größte Dichte an Kakteenvorkommen findet man in den Gebieten um den nördlichen (Mexiko) und südlichen Wendekreis (Argentinien/Bolivien). In der Chihuahua-Wüste in den USA und Mexiko kommt etwa ein Viertel aller weltweit bekannten 1500 Kakteenarten vor. Kakteen besiedeln die verschiedensten Lebensräume, von Tiefebenen bis zu Hochgebirgen, von tropischen Regenwäldern über Steppen und Halbwüste bis zu Trockenwüsten. Allen Lebensräumen ist gemein, dass das zum Überleben notwendige Wasser nicht ganzjährig, sondern nur saisonal zur Verfügung steht.

Kakteen wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu Modepflanzen, der Kreis der Liebhaber wuchs ständig. Die Nachfrage wurde durch den Import der Kakteen vom heimatlichen Standort gedeckt, weil die Anzucht aus Samen als zu langwierig und damit zu wenig gewinnbringend betrachtet wurde. Somit sind viele Kakteenarten vom Aussterben bedroht, weil sie auch ihrer natürlichen Umgebung entfernt werden, um als Sammlerstücke oder Zierrat in Gewächshäuser und Wohnzimmern zu landen.

 

Freitag

Heuschrecken

 

Der Ausdruck „Heuschrecke“ ist schon althochdeutsch als hewiscrecko belegt und geht auf das althochdeutsche Verb schrecken „(auf)springen“ zurück. Das Sprungvermögen als auffallendste Eigenschaft steht auch bei anderen Bezeichnungen wie Springschrecken, Springhahn, Grashüpfer, Heuhüpfer oder Heugümper Pate. Heuschrecken kommen weltweit in allen terrestrischen Lebensräumen, mit wenigen Arten auch im Süßwasser, vor. Weltweit sind 27.500 Heuschreckenarten bekannt, vermutlich gibt es aber deutlich mehr. Von den 1082 Heuschreckenarten in Europa sind nach Expertenangaben 25,7 Prozent gefährdet. Viele Arten haben ein äußerst kleines Verbreitungsgebiet; jede Veränderung der Landnutzung kann schnell zum Aussterben von Arten führen. In Deutschland leben nur 80 Heuschreckenarten; die mit etwa fünf Zentimetern größte Heuschreckenart in Deutschland ist das Große Grüne Heupferd. Weil der Lebensraum der Tiere dramatisch schrumpft, werden die Populationen immer kleiner; aufgrund der Klimaveränderung breiten sich zwar wärmeliebende Arten von Süden kommend in Deutschland aus, sodass das Orchester der Heuschrecken zwar vielfältiger, aber dennoch kleiner geworden ist.

Einzigartig im Reich der Insekten sind die artspezifischen Lautäußerungen vieler Heuschrecken. Mit der Vielfalt ihrer „Gesänge“, die von einzelnen Silben über einfache Verse bis zu komplexen mehrteiligen Strophen reichen, übertreffen Heuschrecken selbst die Singzikaden bei weitem. Während Langfühlerheuschrecken dazu ihre Vorderflügel aneinander reiben, streichen Feldheuschrecken ihre Hinterschienen am Vorderflügel. Letztere sind dabei wahre Meister im „Musizieren“, indem sie ganze Strophen in charakteristischer Abfolge erzeugen. Manche Ödlandheuschrecken erzeugen beim Auffliegen mit ihren Flügeln ein laut schnarrendes Geräusch. Dabei zeigen sie die überaus bunten und auffälligen Hinterflügel. Knarrheuschrecken erzeugen dagegen durch ein Aneinanderreiben ihrer Kiefer sehr leise Knirsch- und Knacklaute. Die zarten, kleinen Eichenschrecken schließlich trommeln mit ihren Hinterfüßen auf eine Unterlage, wobei je nach Art dieser Unterlage auch für den Menschen hörbare Geräusche entstehen können.

 

Samstag

Sägerochen

 

Sägerochen, oft auch Sägefische genannt, sind Rochen, die einen eher gestreckten haiähnlichen Körper haben. Ihr auffallendstes Merkmal ist die Säge, ein knorpeliger, seitlich mit Zähnen besetzter Auswuchs des Kopfes, der mehr als 25 Prozent der Gesamtlänge der Fische ausmachen kann. Die Säge dient dem Beutefang. Dazu schwimmen die Tiere in Fischschwärme und schlagen dann mit der Säge hin und her, um nachher die verletzten Opfer zu fressen. Weiterhin wird sie benutzt, um in schlammigem Boden nach Weich- und Krebstieren zu wühlen. Die Säge dient auch als Sinnesorgan für elektromagnetische Signale, um Beutetiere aufzuspüren.

Weibchen der Art Pristis pectinata, einer großen Rochenart, können sich ohne Paarung fortpflanzen. Das hätten Erbgutanalysen der Tiere in einem Mündungsgebiet in Florida gezeigt, berichteten US-Forscher im Juni 2015 Fachmagazin Current Biology. Es sei das erste Mal, dass bei wild lebenden Wirbeltieren per Jungfernzeugung entstandener Nachwuchs bei einer Art gefunden wurde, die sich normalerweise sexuell vermehrt. Die Forscher hatten untersuchen wollen, wie sehr sich in der ausgedünnten Population inzwischen eng verwandte Tiere paaren. Dabei stießen sie auf ein überraschendes Ergebnis: Gut drei Prozent der 190 untersuchten Sägefische waren durch Jungfernzeugung entstanden. Bei dieser sogenannten Parthenogenese wachsen die Nachkommen aus unbefruchteten Eizellen heran, ein männlicher Geschlechtspartner wird nicht benötigt. Möglicherweise werde dieser Reproduktionsweg vor allem in sehr kleinen oder schwindenden Beständen genutzt.

Pristis pectinata lebt in subtropischen und tropischen Gewässern in der Nähe der Küsten und in Flussmündungen. Der haiähnliche Körper der Rochen ist vorn abgeflacht, die lange Schnauze mit Dutzenden Zähnen an den Seiten macht etwa ein Viertel der gut fünf Meter Gesamtlänge aus. Die Tiere fressen Muscheln, Krebse und Fische – um sie aufzustöbern, wühlen sie oft mit der langen Schnauze im Boden. Wie alle Sägerochenarten steht Pristis pectinata auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Arten. Die Tiere verenden häufig als Beifang – vor allem, weil sie sich mit der Schnauze in den Netzen verheddern. Zudem werden die Sägen als Trophäen gesammelt und in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. Schätzungen zufolge ist die weltweite Population mittlerweile auf ein bis fünf Prozent der Bestandszahlen von 1900 geschrumpft. Mit dem Ausweichen auf Parthenogenese könne die Art ihr Aussterben vielleicht etwas hinauszögern, betonen die Wissenschaftler. Verhindern lasse sich ein mögliches Aus für die Sägerochen damit nicht.

 

Sonntag

Gehen

 

Beobachte Dich.
Schaue gut hin.
Bist du bewusst, während du gehst?
Oder ist das Gehen bloß ein mechanischer Prozess,
etwas Roboterhaftes ?
Du wirst überrascht den Unterschied feststellen.
Versuche einmal,
bewusst ein paar Schritte zu gehen,
und du wirst den Unterschied erkennen
und die Schönheit,
die Freude und die Entspannung
beim bewussten Gehen spüren.
Dein ganzer Körper ist im Einklang mit der Existenz.
Bewusstheit schlägt eine Brücke
zwischen dir und der Existenz.
Unbewusstheit schließt dich in dir selbst ein.

Osho (1931–1990, indischer Philosoph)

 

 


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