26. Kalenderwoche (27. Juni – 3. Juli 2022)

 

Sommer Buchenwälder Nimba-Berge Rotbuche Heuschrecken Sägerochen Gehen

 

 

Montag

Sommer

 

Die Jahreszeiten sind der geheime Motor allen Lebens auf der Erde. Seit Ende der Eiszeit prägen sie den Rhythmus der Natur. Menschen, Tiere und Pflanzen richten sich nach ihnen.

 

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.

Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide;
Narzissus und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an
als Salomonis Seide.

Die Lerche schwingt sich in die Luft,
das Täublein fliegt aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder;
die hochbegabte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder.

Paul Gerhardt (1607–1676, evangelisch-lutherischer Theologe, gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter)

In 365 Tagen läuft die Erde einmal um die Sonne. Da die Erdachse um 23,5 Grad geneigt ist, fällt das Sonnenlicht im Verlauf des Jahres mit unterschiedlichem Winkel auf die Erde. Dadurch entstehen die Jahreszeiten.

 

Dienstag

Buchenwälder

 

Sie sind so etwas wie die Ureinwohner Europas: Ohne menschliches Eingreifen würden Buchen große Bereiche des Kontinents bedecken. Während Buchenwälder vor 6500 Jahren 40 Prozent Europas bedeckten, sind die Buchenurwälder in den Karpaten die letzten Überreste der ursprünglichen Bewaldung; es sind Wälder, die vom Menschen über Jahrhunderte unberührt geblieben sind und zu den größten Naturschätzen unseres Kontinents gehören. Die deutschen Tiefland-Buchenwälder sind wesentlich jünger.

Buchenwaldgebiete beherbergen eine große Artenvielfalt. Mit einem hohen Anteil an alten Bäumen, stehendem sowie liegendem Totholz und natürlichen Höhlen bieten sie einen idealen Lebensraum für Höhlenbrüter, Fledermäuse und viele andere Lebewesen, die hier Brutplatz und Unterschlupf finden. Ein wesentlicher Teil der Artenvielfalt kommt erst in den späten Altersphasen des Buchenwaldes zur ganzen Entfaltung.

Das Welterbekomitee der Unesco hat am 25. Juni 2011 entschieden, die „Alten Buchenwälder Deutschlands“ (den Grumsiner Forst in Brandenburg, den Nationalpark Kellerwald-Edersee in Hessen, den Nationalpark Jasmund auf Rügen, den Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern sowie den Nationalpark Hainich in Thüringen) als Erweiterung der bereits seit 2007 zum Weltnaturerbe zählenden „Buchenurwälder der Karpaten“ (Slowakische Republik, Ukraine) in die Welterbeliste aufzunehmen. Der Nationalpark Hainich ist mit 130 Quadratkilometern das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands.

25. Juni: Tag der Buchenwälder

 

Mittwoch

Naturschutzgebiet Nimba-Berge

 

Das Naturschutzgebiet Nimba-Berge liegt im Dreiländereck von Guinea, Liberia und der Elfenbeinküste in den Nimbabergen um den Mont Richard-Molard und ist etwa 17.740 Hektar groß. Die Vegetation besteht neben primärem Regenwald aus hochgelegenen Grasflächen und Savannen. Außer dem bedrohten Zwergflusspferd kommen hier auch viele Affenarten, Büffel und Ducker vor. Das von dichtem hochgelegenem guineischem Wald bewachsene Gebiet ist Teil eines der reichhaltigsten und am stärksten gefährdeten Ökosysteme der Welt. Der Berg ist von einer großen topographischen Mannigfaltigkeit und von geologischem und biologischem Interesse mit seiner Vielfältigkeit an Habitaten infolge des Zusammenspiels von Wald und Grasland, den Unterschieden der Substrate, der Höhe, dem Mikroklima und den daraus folgenden Vegetationstypen. Er besitzt eine besonders reichhaltige Flora und Fauna.

Die auf dem Gebiet von Guinea gelegenen Teile des Naturschutzgebietes wurden 1980 zum Weltnaturerbe erklärt, die auf dem Staatsgebiet der Elfenbeinküste befindlichen im darauffolgenden Jahr. Seit 1992 steht es auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes.

 

Donnerstag

Rotbuche – „Mutter des Waldes“

 

Die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist ein in weiten Teilen Europas heimischer Laubbaum aus der Gattung der Buchen. In der Umgangssprache wird sie gewöhnlich als Buche bezeichnet. Da die Rotbuche die einzige in Mitteleuropa heimische Buchenart ist, wird der Zusatz zur Artbezeichnung meist weggelassen. Der Namensteil „Rot“ bezieht sich auf die leicht rötliche Färbung des Holzes.

Die Rotbuche bildet reichhaltig Laub: Im Jahresdurchschnitt wirft sie 900 Gramm je Quadratmeter Waldboden ab, das sind rund neun Tonnen je Hektar Buchenwald. Unter günstigen Umständen bildet sich so durch Regenwürmer, Pilze und andere Zersetzer am Erdboden viel Humus – nicht umsonst wird die Rotbuche deshalb die „Mutter des Waldes“ genannt. Eine große Buche bildet etwa fünf Kilogramm Sauerstoff pro Tag, bindet sechs Kilogramm Kohlendioxid und erneuert 20 Kubikmeter Luft. Eine etwa 80-jährige Buche verdunstet über ihre 800.000 Blätter an einem Tag mehrere hundert Liter Wasser. Der bis zu 40 Meter hohe Baum kann ein Alter von etwa 300 Jahren erreichen. Die Rotbuche bietet einen Lebensraum für mehrere Tausend Arten, darunter Käfer und Larven oder Spechte.

Mit einem Anteil von rund 16 Prozent ist die Rotbuche der häufigste Laubbaum in den Wäldern Deutschlands. Ohne Eingriffe des Menschen würden Buchenwälder etwa zwei Drittel der Landfläche Deutschlands bedecken, heute stehen sie nur noch auf sieben Prozent ihres ursprünglichen Areals (Deutschland liegt im Zentrum ihrer natürlichen Verbreitung).

 

Freitag

Heuschrecken

 

Der Ausdruck „Heuschrecke“ ist schon althochdeutsch als hewiscrecko belegt und geht auf das althochdeutsche Verb schrecken „(auf)springen“ zurück. Das Sprungvermögen als auffallendste Eigenschaft steht auch bei anderen Bezeichnungen wie Springschrecken, Springhahn, Grashüpfer, Heuhüpfer oder Heugümper Pate. Heuschrecken kommen weltweit in allen terrestrischen Lebensräumen, mit wenigen Arten auch im Süßwasser, vor. Weltweit sind 27.500 Heuschreckenarten bekannt, vermutlich gibt es aber deutlich mehr. Von den 1082 Heuschreckenarten in Europa sind nach Expertenangaben 25,7 Prozent gefährdet. Viele Arten haben ein äußerst kleines Verbreitungsgebiet; jede Veränderung der Landnutzung kann schnell zum Aussterben von Arten führen. In Deutschland leben nur 80 Heuschreckenarten; die mit etwa fünf Zentimetern größte Heuschreckenart in Deutschland ist das Große Grüne Heupferd. Weil der Lebensraum der Tiere dramatisch schrumpft, werden die Populationen immer kleiner; aufgrund der Klimaveränderung breiten sich zwar wärmeliebende Arten von Süden kommend in Deutschland aus, sodass das Orchester der Heuschrecken zwar vielfältiger, aber dennoch kleiner geworden ist.

Einzigartig im Reich der Insekten sind die artspezifischen Lautäußerungen vieler Heuschrecken. Mit der Vielfalt ihrer „Gesänge“, die von einzelnen Silben über einfache Verse bis zu komplexen mehrteiligen Strophen reichen, übertreffen Heuschrecken selbst die Singzikaden bei weitem. Während Langfühlerheuschrecken dazu ihre Vorderflügel aneinander reiben, streichen Feldheuschrecken ihre Hinterschienen am Vorderflügel. Letztere sind dabei wahre Meister im „Musizieren“, indem sie ganze Strophen in charakteristischer Abfolge erzeugen. Manche Ödlandheuschrecken erzeugen beim Auffliegen mit ihren Flügeln ein laut schnarrendes Geräusch. Dabei zeigen sie die überaus bunten und auffälligen Hinterflügel. Knarrheuschrecken erzeugen dagegen durch ein Aneinanderreiben ihrer Kiefer sehr leise Knirsch- und Knacklaute. Die zarten, kleinen Eichenschrecken schließlich trommeln mit ihren Hinterfüßen auf eine Unterlage, wobei je nach Art dieser Unterlage auch für den Menschen hörbare Geräusche entstehen können.

 

Samstag

Sägerochen

 

Sägerochen, oft auch Sägefische genannt, sind Rochen, die einen eher gestreckten haiähnlichen Körper haben. Ihr auffallendstes Merkmal ist die Säge, ein knorpeliger, seitlich mit Zähnen besetzter Auswuchs des Kopfes, der mehr als 25 Prozent der Gesamtlänge der Fische ausmachen kann. Die Säge dient dem Beutefang. Dazu schwimmen die Tiere in Fischschwärme und schlagen dann mit der Säge hin und her, um nachher die verletzten Opfer zu fressen. Weiterhin wird sie benutzt, um in schlammigem Boden nach Weich- und Krebstieren zu wühlen. Die Säge dient auch als Sinnesorgan für elektromagnetische Signale, um Beutetiere aufzuspüren.

Weibchen der Art Pristis pectinata, einer großen Rochenart, können sich ohne Paarung fortpflanzen. Das hätten Erbgutanalysen der Tiere in einem Mündungsgebiet in Florida gezeigt, berichteten US-Forscher im Juni 2015 Fachmagazin Current Biology. Es sei das erste Mal, dass bei wild lebenden Wirbeltieren per Jungfernzeugung entstandener Nachwuchs bei einer Art gefunden wurde, die sich normalerweise sexuell vermehrt. Die Forscher hatten untersuchen wollen, wie sehr sich in der ausgedünnten Population inzwischen eng verwandte Tiere paaren. Dabei stießen sie auf ein überraschendes Ergebnis: Gut drei Prozent der 190 untersuchten Sägefische waren durch Jungfernzeugung entstanden. Bei dieser sogenannten Parthenogenese wachsen die Nachkommen aus unbefruchteten Eizellen heran, ein männlicher Geschlechtspartner wird nicht benötigt. Möglicherweise werde dieser Reproduktionsweg vor allem in sehr kleinen oder schwindenden Beständen genutzt.

Pristis pectinata lebt in subtropischen und tropischen Gewässern in der Nähe der Küsten und in Flussmündungen. Der haiähnliche Körper der Rochen ist vorn abgeflacht, die lange Schnauze mit Dutzenden Zähnen an den Seiten macht etwa ein Viertel der gut fünf Meter Gesamtlänge aus. Die Tiere fressen Muscheln, Krebse und Fische – um sie aufzustöbern, wühlen sie oft mit der langen Schnauze im Boden. Wie alle Sägerochenarten steht Pristis pectinata auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Arten. Die Tiere verenden häufig als Beifang – vor allem, weil sie sich mit der Schnauze in den Netzen verheddern. Zudem werden die Sägen als Trophäen gesammelt und in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. Schätzungen zufolge ist die weltweite Population mittlerweile auf ein bis fünf Prozent der Bestandszahlen von 1900 geschrumpft. Mit dem Ausweichen auf Parthenogenese könne die Art ihr Aussterben vielleicht etwas hinauszögern, betonen die Wissenschaftler. Verhindern lasse sich ein mögliches Aus für die Sägerochen damit nicht.

 

Sonntag

Gehen

 

Das Gehen ist die natürlichste Arte der Fortbewegung. Wir alle gehen. 22 Prozent ihrer Wege gehen die Menschen in Deutschland zu Fuß.

Gleichwohl hat der Fußverkehr keine starke Lobby. Der FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland ist die einzige größere reine Fußgängerlobbyorganisation in Deutschland.

Beobachte Dich.
Schaue gut hin.
Bist du bewusst, während du gehst?
Oder ist das Gehen bloß ein mechanischer Prozess,
etwas Roboterhaftes ?
Du wirst überrascht den Unterschied feststellen.
Versuche einmal,
bewusst ein paar Schritte zu gehen,
und du wirst den Unterschied erkennen
und die Schönheit,
die Freude und die Entspannung
beim bewussten Gehen spüren.
Dein ganzer Körper ist im Einklang mit der Existenz.
Bewusstheit schlägt eine Brücke
zwischen dir und der Existenz.
Unbewusstheit schließt dich in dir selbst ein.

Osho (1931–1990, indischer Philosoph)


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