25. Kalenderwoche (20.–26. Juni 2022)

 

Der „Gesang der Erde“ Tümpel Serengeti Fleischfressende Pflanzen
Tierwanderungen Albatrosse Schlaf

 

 

Montag

Der „Gesang der Erde“

 

Permanent treiben meterhohe Wellen über die Ozeane. Treffen die Wassermassen auf die Küsten der Kontinente, setzen sie den Erdball in Schwingungen und es entsteht ein tieffrequentes, für das menschliche Ohr nicht hörbares Brummen. Die wichtigste Quelle für diese Töne zwischen einem Hundertstel und zehn Hertz konnten amerikanische Geowissenschaftler mit einem Netzwerk aus empfindlichen Mikrofonen ausmachen. Wie sie im Juli 2009 in der Fachzeitschrift „Geophysical Research Letters“ berichten, hat das Brummen vor allem an der Pazifikküste von Nordamerika seinen Ursprung.

„Weil sich Stürme generell von West nach Ost bewegen, wächst die langperiodische Schwellenergie entlang den Ostküsten der Ozeanbecken an“, sagt Peter D. Bromirski, Ozeanograph an der University of California, San Diego. Zusammen mit seinem Kollegen Peter Gerstoft analysierte er das sonore Brummen der Erde, das mit einem weiten Netzwerk aus Infraschallsensoren aufgezeichnet werden konnte. Lange Ozeanwellen mit Perioden zwischen 120 und 400 Sekunden übertragen ihre Energie auf den festen Erdkörper, sobald sie flachere Küstengewässer erreichen. Über nicht-lineare Prozesse entstehen Infragravitationswellen mit noch größeren Wellenlängen. Ein Teil ihrer Energie koppelt vom Wasser in die festen Gesteine ein, und der global nachweisbare „Gesang der Erde“ im Infraschall-Bereich erklingt.

Seit über zehn Jahren wird das Erdbrummen von Geowissenschaftlern genauer untersucht. Nach vielen widersprüchlichen Theorien gilt mittlerweile der Ursprung in langen Ozeanwellen, die auf die Küste treffen, als gesichert. Während der Wintermonate auf der Nordhalbkugel ist das Brummen besonders stark ausgeprägt, da im Nordpazifik schwere Stürme toben. Während der Sommermonate nimmt dagegen der Brummton zu, wenn im Südatlantik und im südlichen Indischen Ozean das Wetter außergewöhnlich schlecht und der Seegang besonders hoch ist.

Dienstag, 21. Juni 2022, 11:13 Uhr MESZ (Mitteleuropäische Sommerzeit): Sommersonnenwende = der Moment, an dem die Sonne senkrecht über dem nördlichen Wendekreis steht; dieses Ereignis, das überall auf der Welt auf denselben Moment fällt, markiert auf der Nordhalbkugel der Erde den astronomischen Sommeranfang. Der 21. Juni ist der einzige Tag im Jahr, an dem die Sonne innerhalb des gesamten nördlichen Polarkreises nicht untergeht. Je näher man dem Nordpol kommt, desto mehr Nächte mit der sogenannten Mitternachtssone gibt es um das Datum herum.

21. Juni: Internationaler Tag zur Feier der Sonnenwende

 

Dienstag

Tümpel

 

Tümpel und Weiher sind wichtige Teile unserer Natur- und Kulturlandschaft. Man findet sie dort, wo das Grundwasser hoch ansteht oder wasserstauende Schichten das Gestein im Untergrund durchziehen.

Obwohl Tümpel zeitweise austrocknen können, bieten sie vielen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum: Plankton und Algen bilden die Grundlage der Nahrungskette, eine Vielzahl verschiedener Insekten, wie zum Beispiel Libellen, Eintagsfliegen und Taumelkäfer, durchlaufen im und am Wasser ihre Entwicklung von der Larve zum fertigen Insekt. Erdkröten und Grasfrösche legen im Frühjahr dort ihren Laich ab. Viele Insektenlarven graben sich im schlammigen Grund des Tümpels ein und überstehen so die kalte Jahreszeit.

Im Wasser und am Ufer siedeln sich Binsen, Wasser-Knöterich, Froschlöffel, Rohrkolben, Wasser-Schwertlilie und andere feuchtliebende Pflanzen an. An ihren Stängeln kriechen die reifen Libellenlarven aus dem Wasser empor. Dort schlüpfen die fertigen Insekten. An sonnigen Sommertagen kann man dann prächtig gefärbte Mosaikjungfern (Großlibellen) umherschwirren sehen.

Dienstag, 21. Juni 2022, 11:13 Uhr MESZ (Mitteleuropäische Sommerzeit): Sommersonnenwende = der Moment, an dem die Sonne senkrecht über dem nördlichen Wendekreis steht; dieses Ereignis, das überall auf der Welt auf denselben Moment fällt, markiert auf der Nordhalbkugel der Erde den astronomischen Sommeranfang. Der 21. Juni ist der einzige Tag im Jahr, an dem die Sonne innerhalb des gesamten nördlichen Polarkreises nicht untergeht. Je näher man dem Nordpol kommt, desto mehr Nächte mit der sogenannten Mitternachtssone gibt es um das Datum herum.

 

Mittwoch

Serengeti

 

Die Serengeti ist eine baumarme Savanne, die sich vom Norden Tansanias, östlich des Victoriasees, bis in den Süden Kenias erstreckt und eine Fläche von etwa 30.000 Quadratkilometern bedeckt. Das Wort Serengeti ist vom Begriff „Siringitu“ abgeleitet, der aus der Massai-Sprache stammt und „endloses Land“ bzw. „endlose Ebene“ bedeutet.

Als 1958 Bernhard Grzimek, damals Zoodirektor in Frankfurt am Main, und sein Sohn Michael nach Tansania kamen, waren sie überwältigt von der Schönheit dieser baumarmen Savanne. Ihr am 25. Juni 1959 während der Filmfestspiele in Berlin uraufgeführter Film „Serengeti darf nicht sterben“ mit dem dringlichen Appell, sie zu bewahren, machte die Serengeti weltweit zu einem Symbol für den Naturschutz. Die berühmte Tierdokumentation war wohl maßgeblicher Grund dafür, dass das komplette Ökosystem im Norden Tansanias unter Schutz gestellt wurde. Damalige Pläne, die Fläche des Parks mehr als zu halbieren, wurden nach dem Erfolg des Films aufgegeben.

Der Serengeti-Nationalpark in Tansania ist der Inbegriff afrikanischer Savanne und eine echte Ikone des Naturschutzes. Er ist eines der letzten intakten Wildnisgebiete mit einer völlig intakten Natur. Dort leben noch die typischen afrikanischen Großtiere wie Löwen, Leoparden, Büffel und Elefanten. Diese Artenvielfalt war früher in vielen Regionen Afrikas zu finden, bevor der Mensch den Kontinent in großem Stil verändert hat. Daher ist die Serengeti auch ein Fenster in die Vergangenheit. Zudem ist das Gebiet Schauplatz der größten Huftierwanderung der Erde. Jahr für Jahr wandern mit dem Wechsel der Regen- und Trockenzeiten Hunderttausende Weißbartgnus, Steppenzebras und Antilopen von der Serengeti in die angrenzende Masai Mara in Kenia. Ihnen folgen Löwen, Hyänen und Schakale. Seit Jahrmillionen. Sie folgen den Regenfällen, die frisches Gras wachsen lassen. Die riesigen Herden halten das Gras in den Ebenen kurz und düngen sie mit Tonnen von Kot.

Der Serengeti-Nationalpark, der mit seinen 14.763 Quadratkilometern zu den größten und sicherlich auch den bekanntesten Nationalparks der Welt gehört, ist seit 1981 Teil des Weltnaturerbes der Unesco.

 

Donnerstag

Fleischfressende Pflanzen

 

Als fleischfressende Pflanzen, auch Karnivoren oder Insektivoren, bezeichnet man Pflanzen, die mittels umgewandelter Blätter meist Einzeller oder Gliedertiere, aber auch größere Beutetiere bis hin zu Fröschen fangen und verdauen und so ihre Versorgung mit Mineralstoffen, vor allem Stickstoff, an extremen Standorten wie Mooren oder blanken Felsen verbessern. (Wikipedia)

Mit Ausnahme der Antarktis kommen sie in allen Kontinenten vor, dort allerdings fast ausnahmslos an sonnigen oder zumindest sehr hellen Standorten und auf feuchten Böden. Eine ausreichende Versorgung mit Licht und Wasser ist unabdingbar, weil die Fangblätter sehr viel schlechter zur Photosynthese geeignet sind als normale Laubblätter.

Ein Viertel der rund 860 fleischfressenden Pflanzenarten weltweit sind laut einer im Dezember 2020 in der Fachzeitschrift „Global Ecology and Conservation“ erschienenen Studie, die ein Forscherteam um den Münchner Botaniker Andreas Fleischmann erstellt hat, in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

 

Freitag

Tierwanderungen

 

Das fantastische Spektakel der Tierwanderungen ist eines der größten Naturwunder der Erde. Die Aussicht auf bessere Nahrungsgründe lockt Tiere über Berge, durch Steppen und Ozeane. Bis zu 10.000 Arten beteiligen sich weltweit an dem großen Treck. Jedes Jahr nehmen überall auf dem Globus Tiere Strapazen auf sich, um ihr eigenes Leben und den Fortbestand ihrer Art zu sichern, eine abenteuerliche Reise voller Entbehrungen und Gefahren. Gemeinsam legen sie riesige Strecken zurück. Ob Monarchfalter, die in ihre Überwinterungsgebiete nach Mexiko ziehen, Gabelböcke, die im Frühjahr in die Rocky Mountains wandern, Elefanten, die in der Trockenzeit die Wasserlöcher Malis suchen, oder Zugvögel, die am Mississippi ihre Reserven wieder auffüllen – jede dieser Wanderungen ist einzigartig und zählt zu den großen Wundern der Natur.

Höhepunkt der „Großen Migration“ (circa 1,5 Millionen Gnus, 500.000 Gazellen und 400.000 Zebras ziehen jedes Jahr in einem ununterbrochenen Kreislauf durch die Serengeti in Tansania und den Naturpark Masai Mara in Kenia) ist eines der faszinierendsten Naturschauspiele der Welt, wenn Hunderttausende von Gnus an der Grenze zwischen Kenia und Tansania in halsbrecherischer Hast den Mara-Fluss überqueren.

Am 17. März 2020 ging das Beobachtungssystem „Icarus“ in Betrieb (der Name steht für „International Cooperation for Animal Research Using Space“). Mit ihm sollen die Wanderungen der verschiedenen Tierarten künftig von der Internationalen Raumstation ISS aus erfasst werden. Die durch „Icarus“ gewonnenen Informationen sollen in erster Linie der Verhaltensforschung dienen und dafür genutzt werden, Tiere künftig besser vor Bedrohungen zu schützen.

Bis zu zehn Millionen der in Afrika beheimateten Palmenflughunde, große Fledermäuse mit einer Flügelspannweite von bis zu 80 Zentimetern und eine Schlüsselart für den Forstbestand in Afrika, kommen jährlich zwischen Oktober und Dezember aus Nachbarländern wie der Demokratischen Republik Kongo und Malawi und auch aus weiterer Entfernung bis hin zum Südsudan in den Kasanka-Nationalpark in Sambia. Das Ereignis gilt als größte Migration von Säugetieren weltweit. Der den Nationalpark umgebende, für die Futtersuche der Flughunde entscheidende Wald ist zum Teil schon verschwunden und von weiterer Abholzung bedroht.

Am 23. Juni 1979 wurde das Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals, CMS) in Bonn abschließend verhandelt und unterzeichnet (Bonner Konvention). Es ist das erste Abkommen, das einen gemeinsamen Schutz erarbeitet für „die Gesamtpopulation oder eine geographisch abgegrenzte Teilpopulation jeder Art oder jedes niedrigeren Taxon wild lebender Tiere, von denen ein bedeutender Anteil zyklisch und vorhersehbar eine oder mehrere nationale Zuständigkeitsgrenzen überquert“.

 

Samstag

Albatrosse

 

Die Albatrosse sind eine Gruppe von großen bis sehr großen Seevögeln mit sehr langen und schmalen Flügeln. Albatrosse können Flügelspannweiten von über 3,5 Metern erreichen und übertreffen damit jede andere lebende Vogelart. Auch die kleinsten Vertreter der Familie haben noch Spannweiten von zwei Metern. Mit einem Gewicht von bis zu zwölf Kilogramm gehören Albatrosse zu den schwersten flugfähigen Vögeln überhaupt.

Der Körper des Albatros bildet einen gespannten Bogen, der, nur vom Wind getrieben, durch den Himmel schnellt. Albatroseltern fliegen mitunter bis zu 15.000 Kilometer weit, um ihrem Küken eine einzige Mahlzeit zu liefern. Sie können mehrere hundert Kilometer gleiten, ohne einmal mit den Flügeln zu schlagen. Ein Albatros überquert Ozeane und umrundet den Erdball. Und bis zum Alter von 50 Jahren hat er mindestens sechs Millionen Kilometer zurückgelegt.

 

Sonntag

Schlaf

 

Wie die meisten anderen Lebewesen brauchen auch wir Menschen die Dunkelheit. Der regelmäßige Wechsel von Wachsein und Schlafen – unser täglicher Lebensrhythmus – ist nichts anderes als der hormonelle Ausdruck der regelmäßig wechselnden Lichtverhältnisse auf der Erde. Dieser Rhythmus ist für unser biologisches Dasein von grundlegender Bedeutung. Ihn ändern zu wollen würde einer Manipulation der Schwerkraft gleichkommen. Neugeborene schlafen in den ersten Lebensmonaten 18 Stunden am Tag. Erwachsene benötigen laut der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) im Durchschnitt sieben bis acht Stunden Schlaf, um erholt zu sein. Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: „Verschlafe die eine Hälfte des Lebens, dann erlebst du die andere Hälfte doppelt.“

Der Schlaf verläuft in Zyklen, in denen sich REM-Schlaf und Non-REM-Schlaf abwechseln. Die Abkürzung REM steht für „rapid eye movement“ (schnelle Augenbewegung). Häufig träumen wir in dieser Phase. Damit wir uns dabei nicht verletzen, ist die Muskulatur quasi abgeschaltet. Non-REM-Schlaf schenkt erholsamen Tiefschlaf. Das Herz schlägt langsamer, die Körpertemperatur sinkt. Die Hirnanhangdrüse schüttet Wachstumshormone aus, die die Regeneration unterstützen. Schlaf spielt auch eine wichtige Rolle bei der Verknüpfung von Nervenzellen im Gehirn. Neu Gelerntes verfestigt sich, weniger Relevantes wird gelöscht. Die Forschung zeigt auch, dass im Schlaf schädliche Stoffwechselprodukte wie Eiweißreste aus dem Gehirn abtransportiert werden.

„Schlaf ist eine der wenigen verbliebenen Erfahrungen, in denen wir uns, ob bewusst oder nicht, der Fürsorge anderer überlassen. So einsam und privat er erscheinen mag, er ist nicht abgetrennt von einem zwischenmenschlichen Gefüge des Vertrauens und Unterstützens, mögen auch viele dieser Bindungen noch so sehr beschädigt sein. Er ist eine periodische Befreiung von der Individuation – eine nächtliche Auflösung des losen Gewirrs oberflächlicher Subjektivitäten, die man bei Tage bekleiden und organisieren muss. In der Entpersonalisierung des Schlafs bewohnt der Schlafende eine gemeinsame Welt, in einem allgemein geteilten Rückzug aus der fatalen Sinnlosigkeit und Vergeudung des Rund-um-die-Uhr-Betriebs. (…) Schlaf ist eine Form der Zeit, die uns zu etwas anderem hinführt als zu den Dingen, die wir besitzen oder begehren sollen.“ (Jonathan Crary, 24/7. Schlaflos im Spätkapitalismus. Aus dem Englischen von Thomas Laugstien, Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2014, S. 104f.)

21. Juni: Tag des Schlafes


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