21. Kalenderwoche (23.–29. Mai 2022)

 

Mars Dünen Vatnjökull-Nationalpark Wiesenschaumkraut Lebensraum Korallenriff II Papageien Spielen

 

 

Montag

Mars – der Rote Planet

 

Der Mars ist, von der Sonne aus gesehen, der vierte Planet im Sonnensystem und der äußere Nachbar der Erde. Er ist der erdähnlichste Planet. Sein Durchmesser ist mit knapp 6800 Kilometer etwa halb so groß wie der Erddurchmesser, sein Volumen beträgt gut ein Siebentel der Erde. Damit ist der Mars nach dem Merkur der zweitkleinste Planet des Sonnensystems. Mit einer durchschnittlichen Entfernung von 228 Millionen Kilometern ist er rund eineinhalb Mal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde. Wegen seiner orange- bis blutroten Farbe wurde er nach dem römischen Kriegsgott Mars benannt und wird oft auch als der rote Planet bezeichnet. Diese Färbung geht auf Eisenoxid-Staub (Rost) zurück, der sich auf der Oberfläche und in der dünnen CO2-Atmosphäre verteilt hat. Da die Rotationsachse des Mars ähnlich wie die der Erde um 25 Grad zur Senkrechten auf seiner Bahnebene geneigt ist, kommt es auf dem Planeten ebenfalls zu Jahreszeiten. Sie dauern allerdings etwa doppelt so lange wie die irdischen, da Mars zwei Jahre benötigt, um einmal um die Sonne zu gelangen.
Der über 24 Kilometer hohe Mars-Vulkan Olympus Mons ist der höchste Berg und der gewaltigste Vulkan unseres Sonnensystems. An seiner Basis hat er einen Durchmesser von etwa 600 Kilometern. Die Caldera – die runden Einsturzkrater in der Mitte – erreicht eine Tiefe von drei Kilometern. Die gewaltige Höhe von Olympus Mons wurde möglich, weil die Anziehungskraft auf dem Roten Planeten geringer ist als auf der Erde.
Olympus Mons liegt in der sogenannten Tharsis-Aufwölbung, einer Vulkanprovinz, die so groß wie ganz Europa ist. Am östlichen Rand von Tharsis beginnt eine zweite geologische Struktur von gewaltigen Dimensionen: das Talsystem der Valles Marineris. Mit den Valles Marineris, einem insgesamt mehr als 4000 Kilometer langen und bis zu sieben Kilometer tiefen, oft auch Grand Canyon des Mars bezeichneten Graben besitzt der Mars das größte Grabenbruchsystem des Sonnensystems. Im Jahr 2017 haben Wissenschaftler von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften auf dem Grund der Valles Marineris ein Gebiet mit 130 kleinen Vulkanen entdeckt – wo einst vielleicht sogar Leben existiert haben könnte. Im Osten des Talsystems stießen die Wissenschaftler auf Minerale mit einem hohen Siliziumanteil und an einem Kegel sogar auf opalartige Substanzen. Opale sind amorphe, wasserhaltige Silikatminerale, die keine Kristallstruktur ausgebildet haben. Diese Zusammensetzung kann entstehen, wenn Minerale aus übersättigten heißen Lösungen ausfallen und mineralisieren. Auf der Erde bildet eine solche warme, energiespendende und mineralreiche Umgebung den optimalen Lebensraum für Mikroorganismen.
Der Mars besitzt zwei kleine, unregelmäßig geformte Monde, die 1877 entdeckt wurden: Phobos und Deimos (griechisch für Furcht und Schrecken).

Forscher haben nach eigenen Angaben erstmals einen See aus flüssigem Wasser auf dem Mars gefunden. Der rund 20 Kilometer breite See liegt demnach rund 1,5 Kilometer unter dem Eis des Mars-Südpols. Das berichtet ein Team um Roberto Orosei vom italienischen Nationalen Institut für Astrophysik in Bologna am 24. Juli 2018 im US-Fachblatt Science.

Detaillierte Informationen zum Sternenhimmel im Mai 2022 finden Sie zum Beispiel hier.

 

Dienstag

Dünen

 

Dünen sind ein empfindliches Stück Natur, und die kleine Berglandschaft schützt die Küste auf natürliche Weise. Sie entsteht durch den Wind. Er bläst den Sand zusammen, und auf den Sandhügeln wachsen dann robuste Pflanzen, die an diesen Lebensraum angepasst sind.

Den festen spröden Stängeln und Blättern der Dünengräser kann der heiße Sandwind nichts anhaben. Dem starken Wind widerstehen sie durch ihre meterlangen Wurzeln. Damit halten sie den Sand unter sich fest. Wenn der Wind sie mit Sand zuschüttet, wachsen sie oben wieder heraus. Erst durch die langen Wurzeln und Sprosse der Dünengräser kann sich aus losem Sand eine Düne bilden. Wenn aus abgestorbenen Teilen der Gräser Humus entsteht, können auch andere Pflanzen dort Fuß fassen. Je älter die Düne wird, umso mehr ändern sich die Pflanzendecke und der farbliche Eindruck.

„Wie mannigfaltig ist der Aufbau der Dünen, diese wunderbaren Gebilde von Sandstürmen und Fluten, die eigenartigen Täler, von welchen eins kaum dem anderen gleicht, der außerordentliche Reichtum der Pflanzenwelt, mehr als 800 Arten aus allen Formationen, außer den eigentlichen Dünenpflanzen solche der Geest (Wald, Wiesen, Heide Sumpf), des Moores und der Marsch, auf den Hellern, die dem Binnenland fehlenden Salzpflanzen dem sinnigen Naturfreunde Bewunderung, dem Forscher reiche Anregungen bietend.“ (Otto Leege, 1862–1951, deutscher Pädagoge und Naturwissenschaftler)

Sie sind vielleicht das puristischste aller Naturschauspiele, kilometerweite Sandwogen in monochromem Beige.

 

Mittwoch

Vatnajökull-Nationalpark

 

Vatnajökull ist der größte Gletscher Islands und zudem außerhalb des Polargebiets auch der größte Europas. Seine Fläche beträgt rund 8100 Quadratkilometer, was etwa acht Prozent der Fläche Islands entspricht. Das Eisvolumen wird auf über 3.000 Kubikkilometer geschätzt. Eine seiner Gletscherzungen kalbt an der Südküste in die Lagune Jökulsarlon: Zum Teil über tausend Jahre altes, hochkomprimiertes und reines Eis treibt dann im Gletschersee. An warmen Tagen tauen die Eisberge, die Oberfläche wird glatt und reflektiert strahlendes Blau. Die anderen Farbtöne des Lichtspektrums werden verschluckt und für unser Auge unsichtbar. In den Vertiefungen sammelt sich schmutziges Gletscherwasser, denn immer wieder fällt Asche aus einem der vielen Vulkane Islands auf die Gletscher herab. Mit Schmelzwasser vermischt entsteht so ein schmutzig-grauer Cocktail in tausendjährigem Eis.

Am 7. Juni 2008 wurde das Gebiet des Gletschers in den neu gegründeten Vatnajökull-Nationalpark eingegliedert. Er nimmt mit 13.000 Quadratkilometern etwa 13 Prozent der Fläche Islands ein und ist damit der größte Nationalpark in Europa. Vulkanisches Feuer, Gletschereis, Wassermassen und Wind haben ein Areal von wilder Schönheit geschaffen. Majestätisch zeigt sich die Mischung aus Lava-Formationen, Sanddünen, Bergen und Gletschern. Eines der spektakulärsten Naturschauspiele ist der sogenannte „jökulhlaup“, ein Gletscherlauf: Durch Vulkanaktivitäten unter der Eisdecke stauen sich große Mengen Schmelzwasser in subglazialen Seen an, die bei einem neuerlichen Ausbruch in Form von Flutwellen austreten können und die umliegenden Ebenen und Täler überschwemmen. Dadurch entstehen einzigartige Sanderflächen, verzweigte Flusssysteme und tief eingeschnittene Schluchten. Das Grundwasser der vulkanischen Gebiete ist zudem Lebensraum für endemische Tierarten, die die letzte Eiszeit überlebt haben.

Im Jahr 2019 wurde der Nationalpark Vatnajökull in das Weltnaturerbe der Unesco aufgenommen.

 

Donnerstag

Wiesenschaumkraut

 

Das Wiesenschaumkraut ist noch nicht wirklich selten. Im April und Mai verwandelt es feuchte Wiesen oft noch in ein weißrosa Blütenmeer. Das freut den Aurorafalter, dessen Raupen an den Blättern nagen – und nur dort. Das freut auch den Naturkostler, denn die Blätter und jungen Sprossen schmecken ähnlich wie Kresse würzig und gut. Indes: Feuchtwiesen sind schwer zu bewirtschaften und werden daher oft drainiert. Mit dem Grundwasser verschwindet das Wiesenschaumkraut. Und mit ihm der Aurorafalter und die Wiesenschaumzikaden, die dem Kraut den Namen gegeben haben. In Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern ist es schon so weit. Dort steht das Wiesenschaumkraut bereits auf der Roten Liste.

 

Freitag

Lebensraum Korallenriff II: Kaltwasserkorallen – Juwelen der Tiefsee

 

Korallen gibt es nicht nur in den Tropen, sondern zum Beispiel auch in den Tiefen norwegischer Fjorde. Kaltwasserkorallen umfassen eine große Gruppe von Korallenarten, die in kaltem und/oder tiefem Wasser vorkommen – im Gegensatz zu ihren tropischen Verwandten, die ausschließlich in warmen, oberflächennahen Gewässern zu finden sind. Von den mehr als 5.000 weltweit bekannten Korallenarten kommen etwa 3.400 Arten in Wassertiefen zwischen 50 und 6.000 Metern vor.

Korallenarten, die in kühlerem und kaltem Wasser bei Temperaturen weit unter 20 Grad Celsius und in Wassertiefen von mindestens 40 Metern bis hinab zu 3000 Metern leben, bilden Tiefwasserriffe. Hier herrscht eine konstante Kälte von vier Grad, und kein Lichtstrahl reicht so tief. Ein Gürtel dieser Korallenriffe erstreckt sich entlang des europäischen Kontinentalrands von der iberischen Halbinsel bis zum Nordkap. Kaltwasserkorallen zählen zu den faszinierendsten und auch ökologisch bedeutsamsten Lebewesen unserer Meere.

Während Warmwasserkorallen in einer besonderen Symbiose mit einzelligen Algen stehen und so auch das Sonnenlicht nutzen, sind Kaltwasserkorallen ganz auf die Jagd angewiesen. Um immer genug Nahrung zu haben, leben sie bevorzugt in Gebieten mit starker Wasserströmung, an unterseeischen Bergen und den Abhängen der Festlandssockel. Dort erfüllen sie eine wichtige ökologische Funktion, indem sie Strukturen schaffen, an, auf, unter, zwischen denen andere Organismen einen Lebensraum finden, der ohne die Korallen nicht vorhanden wäre. Sie dienen unter anderem Fischen der Hoch- und Tiefsee als „Kinderstuben“, in denen Jungfische Nahrung und Schutz vor Räubern finden.

Auch diese Kaltwasserriffe sind durch menschliche Einflüsse in ihrer Existenz bedroht. Neben der Versauerung und Verschmutzung der Meere stellen moderne Fischfangmethoden die größte Bedrohung für diesen Lebensraum dar. Ein einziges Grundschleppnetz kann in wenigen Minuten ein Riff zerstören, das über Jahrtausende gewachsen ist. Eine weitere Bedrohung für die Kaltwasserkorallen ist die zunehmende Bebauung der Meere.

 

Samstag

Papageien

 

Papageien leben in der geologischen Gegenwart auf allen Kontinenten mit Ausnahme von Europa und Antarktis. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Tropen und Subtropen. Allen Papageien gemeinsam ist die aufrechte Körperhaltung und der kräftige Schnabel. Sie ernähren sich von Samen, Beeren, Früchten, Blüten und Knospen sowie Wurzeln. Viele Arten fressen auch Insekten und deren Larven. Die Herkunft des Wortes „Papagei“ ist nicht ganz klar. Die wissenschaftliche Bezeichnung Psittaciformes leitet sich vom antiken Psittacus oder Sittacus ab, das wiederum eine Übernahme aus dem Altindischen ist. Weitere Bezeichnungen wie Kakadu oder Ara stellen ebenso Übernahmen aus Sprachen der jeweiligen Herkunftsgebiete dar oder besitzen geografische Bezüge. Fast 50 Prozent aller Papageienarten sind bedroht, fast 25 Prozent der Arten sehr stark gefährdet. Die Hauptgründe hierfür sind die anhaltende Lebensraumzerstörung, wie etwa durch Brandrodung oder Besiedelung auf der einen Seite, aber auch nach wie vor der Vogelhandel, der immer noch Wildfänge anbietet.

Der Kakapo, der nur in Neuseeland vorkommt, sei der „größte, fetteste und flugunfähigste Papagei der Welt“, schrieb der britische Zoologe Mark Carwardine einmal. Kakapos leben auf dem Waldboden, legen dort ihre Eier und haben keinerlei Verteidigungsstrategien. Der Nachtpapagei („Kakapo“ bedeutet „Nachtpapagei“) wäre vor wenigen Jahren fast ausgestorben, weil ihn Ratten, Marder, Frettchen, Katzen und andere Tiere bedrohten, die Siedler eingeschleppt hatten. Am Tiefpunkt der Artbestands in der 1990er Jahren gab es weniger als 50 Exemplare. Heute sind es – dank des Einsatzes von Experten aus vielen Ländern – wieder dreimal so viele. Wie die neuseeländische Naturschutzbehörde im August 2019 mitteilte, gebe es jetzt wieder 200 der Tiere, die aus der Küken-Phase herausgewachsen seien. Das sei wohl der höchste Wert seit mindestens 70 Jahren. Vor Beginn der Brutsaison lebten weniger als 150 der Vögel auf den Inseln Codfish Island und Anchor Island.

Neuseeländische Papageien stecken sich durch bestimmte Schreie gegenseitig mit Spielfreude an, schrieben Forscher um Raoul Schwing von der Veterinärmedizinischen Universität Wien in der Fachzeitschrift „Current Biology“ (März 2017) Demnach gelingt es Keas mit einem speziellen Laut, ihre Artgenossen zum Spielen zu animieren. Bislang seien solche „emotional ansteckenden“ Töne nur bei Säugetieren bekannt gewesen. „Keas verfügen nicht nur über erstaunliche kognitive Fähigkeiten, etwa beim Umgang mit Gegenständen, sondern auch über ein komplexes Spielverhalten“, berichtet Schwing. „Dabei stoßen sie spezielle Laute aus.“ In einem Experiment spielten die Forscher wildlebenden Keas fünf Minuten lang Spiellaute von anderen Keas vor, die sie zuvor aufgenommen hatten. Einige der Vögel begannen dann spontan zu spielen. Als Kontrolle dienten andere Rufe der Papageien sowie des Südinsel-Rotkehlchens. Durch diese Laute wurde aber kein Kea zum Spielen gebracht. „Das zeigt, dass das Trällern einen ähnlich ansteckenden Effekt hat wie das Lachen bei uns Menschen“, sagte Schwing. „Wenn Tiere lachen können, dann sind wir nicht so anders als sie.“ Die Keas – benannt nach ihrem Ruf „Kea Kea“ – werden etwa 45 Zentimeter groß. Die Papageien mit ihrem olivfarbenen Federkleid gelten nicht nur als spielverliebt, sondern auch als schlau und neugierig. Nach Angaben der Tierschutzorganisation Kea Conservation Trust gibt es auf Neuseelands Südinsel davon heute allerdings nur noch etwa 5000 Exemplare.

 

Sonntag

Spielen

 

Spiele haben einen Selbstzweck. Man spielt um des Spielens willen. Genauer gesagt spielen wir, um einen gewissen „flow“ zu erleben beziehungsweise eine optimale Beanspruchung von Körper und Geist zu erfahren, ohne dass wir uns dafür – und das ist der Knackpunkt – konzentrieren müssen. Wir gehen quasi im Spiel auf, nehmen es nicht mehr als eine bestimmte Tätigkeit wahr, sondern vergessen uns und die Zeit im Spiel.

Das zweckfreie Spiel erwächst unmittelbar aus dem Spieltrieb. Das Kind verfolgt dabei nicht die Absicht zu lernen oder gesund zu werden. Der zweckfrei Spielende lebt die reine Funktionslust der Bewegung, der Phantasie, der Kreativität oder der Sprache aus. Er bedarf dazu keiner weiteren Begründung oder Rechtfertigung. Die Wissenschaft spricht von primärmotiviertem Spielen. Auch das Spiel der Tiere folgt weitestgehend der Funktionslust, nicht bestimmten Lernabsichten.

Diese originäre Art des Spiels hat Friedrich von Schiller mit seinem viel zitierten Satz im Blick: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ (Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen, 1795, 15. Brief)

Das Spiel „ist Ausdruck einer Freiheit ohne jeglichen Zwang, es wird darin eine Welt ohne jeglichen praktischen Nutzen erschaffen, in der es keinen Profit und keine persönlichen Vorteile gibt“. (Leonardo Boff, Herzenssache. Warum uns die Vernunft allein nicht weiterbringt, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer 2016, 114)

28. Mai: Weltspieltag


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