20. Kalenderwoche (11.–17. Mai 2020)

 

Gezeiten  Lebensraum Salzwiese
 Lebensraum Tiefsee
 Maiglöckchen  Lebensraum Korallenriff II
  Kolibris  Familie

 

 

Montag

Gezeiten

 

Wenn sich am Strand das Wasser ganz langsam zurückzieht, dann hat der Mond seine unsichtbare Hand im Spiel. Doch wie die Höhe und die Dauer der Gezeiten im Einzelnen zustande kommen, ist nur mit dem Zusammenwirken der Anziehungskräfte zwischen Erde und Mond sowie zwischen Erde und Sonne zu erklären. Auch die Neigung der Erdachse, die Neigung der Erdumlaufbahn zur Bahn des Mondes sowie die Geografie beeinflussen die Gezeiten. Das Grundphänomen spielt sich jedoch zwischen Erde und Mond ab. Die Gravitationskraft des Mondes zerrt an der Materie des Planeten. Weil die Stärke dieser Kraft sich mit zunehmendem Abstand verringert, entstehen die Gezeiten.

Auf den Mond bezogen dauert eine Erdumdrehung knapp 25 Stunden. In dieser Zeit gibt es an den meisten Küsten je zweimal Hochwasser und zweimal Niedrigwasser. Bei Voll- und Neumond addieren sich die Gezeitenkräfte von Sonne und Mond zu einer besonders großen Tide, der Springtide, bei Halbmond dagegen ergibt sich eine besonders kleine Tide, die Nipptide. Die Gezeitenkräfte der Sonne betragen etwa 46 Prozent derjenigen des Mondes. Besonders große Gezeitenkräfte und Springtiden ergeben sich, wenn sich zusätzlich der Mond im erdnahen Bereich seiner Umlaufbahn befindet. Durch die zur Erdachse veränderliche Neigung der Mondbahn ergibt sich eine etwa jährliche Variation der Tiden.

Tausende Touristen haben am 21. März 2015 am Klosterberg Mont-Saint-Michel an der nordfranzösischen Küste das Naturspektakel einer „Jahrhundertflut“ bestaunt. Das Wasser stieg am Samstagmorgen rasch an und umschloss schließlich die Weltkulturerbestätte komplett. Der Meeresspiegel stieg vom tiefsten Punkt der Ebbe bis zum höchsten Punkt der Flut um rund 14 Meter. Möglich wird diese sogenannte Jahrhundertflut, die in Wirklichkeit alle 18 Jahre vorkommt, durch die Tatsache, dass Erde, Mond und Sonne seinerzeit auf einer Achse lagen. Dadurch wirken die Anziehungskräfte von Mond und Sonne auf das Meereswasser, die für Flut und Ebbe verantwortlich sind, besonders stark.

Die von Sonne und Mond erzeugten Gezeitenwellen sorgen für eine Durchmischung der Meere. Besonders in der Nähe ausgeprägter Unterwasserlandschaften wie Meeresrücken oder unterseeischen Bergen werden die Wassermassen von oben nach unten umverteilt, schreiben australische und US-Wissenschaftler im Fachblatt „Science“ (Bd. 301). Ein Großteil der Energie, die für diese Prozesse nötig ist, stecke in den Gezeitenwellen.

Ende April leuchtet der Planet Venus abends hoch am Westhimmel in maximalem Glanz. Ende Mai zieht er sich vom Abendhimmel zurück.

 

Dienstag

Lebensraum Salzwiese

 

Salzwiesen bilden den natürlichen Übergang und die biologische Grenze zwischen Land und Meer. Periodisch oder unregelmäßig werden sie vom Meer überflutet. Salzwiesen oder Salzsümpfe finden sich weltweit, in der gemäßigten Klimazone an strömungsarmen Flachküsten im Bereich der mittleren Hochwasserlinien, unter tropischen Klimabedingungen bei entsprechenden geomorphologischen Voraussetzungen als Mangrovenwälder. Die artenreichen Lebensgemeinschaften aus Salzpflanzen und den in Salzwiesen lebenden Tieren sind an die Überflutung und hohe Salzgehalte des Meereswassers und des Bodens in höchstem Maße angepasst. (Quelle: Wikipedia)

Mit allen Tricks gegen das Salz

Die Salzwiesen, in Ostfriesland auch Heller genannt, werden regelmäßig vom Nordseewasser überflutet. Die Pflanzen halten feinste Schwebstoffe aus dem Wasser zurück. Dadurch wächst die Salzwiese allmählich in die Höhe. Je höher der Boden aufwächst, umso seltener wird er überflutet.
Die Salzwiesenpflanzen haben verschiedene Überlebensstrategien gegen das Salzwasser entwickelt. Manche Pflanzen scheiden überflüssiges Salz über Drüsen aus (z.B. der Strandflieder). Andere werfen salzhaltige Blätter oder Haare ab. Viele schützen sich mit einer wachshaltigen Oberhaut gegen den Verlust von Süßwasser und verhindern damit eine zu hohe Salzkonzentration. Der Queller verdünnt das aufgenommene Salz mit Wasser und wird dadurch dick und fleischig – er „quillt“ auf.
In einer naturbelassenen Salzwiese leben bis zu 2000 Tierarten, vor allem Insekten und Spinnen. Sie trotzen Salzeinfluss, Wind und Wellenschlag, indem sie ihre Wohnbauten verschließen oder in hohlen Pflanzenstängeln ausharren.
Etwa 25 Vogelarten brüten in den Salzwiesen, darunter Rotschenkel, Austernfischer und verschiedene Möwen- und Seeschwalbenarten.

Schautafel auf der Insel Juist

 

Mittwoch

Lebensraum Tiefsee

 

Bis heute ist die Tiefsee einer der geheimnisvollsten Orte auf unserem Planeten und gleichzeitig das mit Abstand größte Ökosystem der Erde: Etwa 50 Prozent der gesamten Erdoberfläche liegen unterhalb von 1000 Metern Tiefe im Ozean. Wissenschaftler vermuten, dass sich einige Millionen verschiedener Arten in den Tiefen der Ozeane tummeln, andere sprechen sogar von 100 Millionen. In der Tiefsee, die etwa ab 300 Meter unter der Wasseroberfläche beginnt, herrschen eisige Temperaturen und ein gigantischer Wasserdruck. Trotz der extremen Lebensbedingungen ist die Tiefsee Heimat 3 für Organismen, die sich auf vielfältige Weise angepasst haben: vom Riesenkalmar über den Pelikanaal bis hin zu blaugrün leuchtenden Schlangensternen und der „Alarmqualle“. Das Reich der ewigen Dunkelheit ist von lebenden Fossilien bevölkert. Da sich ihr Lebensraum in Jahrmillionen nur unerheblich verändert hat, waren sie nicht wie andere Wesen auf dem Planeten gezwungen, sich stetig neuen Bedingungen anzupassen. „Die Tiefsee ist so artenreich wie die Regenwälder“, sagt der Meeresbiologe und Gründer der Initiative Deepwave, Onno Groß. Mit Öffentlichkeitsarbeit, wissenschaftlichen Projekten und politischem Druck will er sich für Schutz und Erforschung dieses Ökosystems einsetzen. „Nur ein größeres Wissen kann zu mehr Respekt gegenüber der Tiefsee führen.“

Der Marianengraben im Westpazifik ist mit etwa 11.000 Metern die tiefste Stelle aller Ozeane. Insgesamt gibt es mehr als 30 Meeresgräben, die tiefer als 6000 Meter sind. Aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage enthalten sie viele Lebewesen, die jeweils nur in einem einzigen Graben existieren.

 

Donnerstag

Maiglöckchen

 

Wie aus feinstem Porzellan geformt erscheinen die kugeligen Blütenglocken unseres Maiglöckchens (Convallaria majalis). Trotz dieser Eleganz ist die Pflanze selber robust, und dank sich stark ausbreitender Rhizomwurzeln bildet sie schnell ansehnliche, dichte Bestände. In der Natur tut sie dies vor allem in Eichen- und Buchenwäldern. Von dort ist sie vermutlich schon im frühen Mittelalter in die Klostergärten und später auch in die Hausgärten gewandert. Von ihrem intensiven Duft angezogen, finden sich viele Insekten an den Blüten. Was man auf den ersten Blick kaum glauben kann: Das Maiglöckchen ist unmittelbar mit dem Spargel verwandt. Wer schon einmal die roten Beerenfrüchte beider Arten gesehen hat, kann die Ähnlichkeit sofort bemerken. Einen Wermutstropfen gibt es bei so viel Schönheit aber: Alle Pflanzenteile sind stark giftig. Allerdings schadet es nicht, an den Blüten zu schnuppern!

 

Freitag

Lebensraum Korallenriff II: Kaltwasserkorallen – Juwelen der Tiefsee

 

Korallen gibt es nicht nur in den Tropen, sondern zum Beispiel auch in den Tiefen norwegischer Fjorde. Kaltwasserkorallen umfassen eine große Gruppe von Korallenarten, die in kaltem und/oder tiefem Wasser vorkommen – im Gegensatz zu ihren tropischen Verwandten, die ausschließlich in warmen, oberflächennahen Gewässern zu finden sind. Von den mehr als 5.000 weltweit bekannten Korallenarten kommen etwa 3.400 Arten in Wassertiefen zwischen 50 und 6.000 Metern vor.

Korallenarten, die in kühlerem und kaltem Wasser bei Temperaturen weit unter 20 Grad Celsius und in Wassertiefen von mindestens 40 Metern bis hinab zu 3000 Metern leben, bilden Tiefwasserriffe. Hier herrscht eine konstante Kälte von vier Grad, und kein Lichtstrahl reicht so tief. Ein Gürtel dieser Korallenriffe erstreckt sich entlang des europäischen Kontinentalrands von der iberischen Halbinsel bis zum Nordkap. Kaltwasserkorallen zählen zu den faszinierendsten und auch ökologisch bedeutsamsten Lebewesen unserer Meere.

Während Warmwasserkorallen in einer besonderen Symbiose mit einzelligen Algen stehen und so auch das Sonnenlicht nutzen, sind Kaltwasserkorallen ganz auf die Jagd angewiesen. Um immer genug Nahrung zu haben, leben sie bevorzugt in Gebieten mit starker Wasserströmung, an unterseeischen Bergen und den Abhängen der Festlandssockel. Dort erfüllen sie eine wichtige ökologische Funktion, indem sie Strukturen schaffen, an, auf, unter, zwischen denen andere Organismen einen Lebensraum finden, der ohne die Korallen nicht vorhanden wäre. Sie dienen unter anderem Fischen der Hoch- und Tiefsee als „Kinderstuben“, in denen Jungfische Nahrung und Schutz vor Räubern finden.

Auch diese Kaltwasserriffe sind durch menschliche Einflüsse in ihrer Existenz bedroht. Neben der Versauerung und Verschmutzung der Meere stellen moderne Fischfangmethoden die größte Bedrohung für diesen Lebensraum dar. Ein einziges Grundschleppnetz kann in wenigen Minuten ein Riff zerstören, das über Jahrtausende gewachsen ist. Eine weitere Bedrohung für die Kaltwasserkorallen ist die zunehmende Bebauung der Meere.

 

Samstag

Kolibris – Juwelen der Lüfte

 

Menschen waren schon immer fasziniert von den nur zwei bis 20 Gramm leichten Vögeln. Zum Vergleich: Ein Standardbrief wiegt 20 Gramm. Die Schönheit ihrer ofmals metallisch glänzenden Gefieder kommt in ihren wissenschaftlichen Namen zum Ausdruck: Nymphen, Sylphen, Zwerge oder Feen. Kolibris sind die kleinsten, leichtesten und farbenprächtigsten Vögel der Erde. Ihre Verbreitung ist auf den amerikanischen Kontinent beschränkt; dort kommen sie von Alaska bis hinunter nach Feuerland vor. Der spanische Name „Picaflor“ (Blütenpicker) beschreibt treffend die Ernährungsweise dieser Vögel: Kolibris ernähren sich von Nektar, den sie aus Blüten trinken. Mit ihrem schmalen – und meist langen – Schnabel dringen sie in die Blüten ein, um mit der gespaltenen Zunge an den Nektar am Grund der Blüte zu gelangen. Die Zunge kann dabei bis zu 200-mal in der Minute aus dem Schnabel schnellen. Um während des Trinkens möglichst ruhig vor einer Blüte verharren zu können, vollbringen sie eine enorme Flugleistung. Kolibris bewegen ihre Flügel in einem Winkel von 180 Grad. Dieser erlaubt es ihnen, im Schwirrflug vor einer Blüte zu „stehen“ oder sogar rückwärts (!) zu fliegen. Die Schlagfrequenz der Flügel wird mit bis zu 80 Schlägen pro Sekunde angegeben.

Der kleine, nur wenige Zentimeter große und etwa 20 Gramm schwere Zimtkolibri (Selaphorus Rufus) hat einen gewaltigen Energiebedarf. Seine Flügel schlagen 70- bis 80-mal pro Sekunde, sein Herz mehr als 1000-mal pro Minute. Jedes Jahr wandert er mehr als 3000 Kilometer von seinen Brutplätzen in den kanadischen Rocky Mountains zu seinem Winterquartier in Mexiko und zurück. Kein Vogel wandert im Verhältnis zu seinem Körpergewicht so weit wie dieser Kolibri. Ein Überleben ist nur möglich, wenn die Nahrungsaufnahme sehr effizient vorgenommen und vergebliche Versuche weitgehend ausgeschaltet werden können. Britische und kanadische Forscher fanden heraus, dass sich der Kolibri, dessen Gehirn 7000-mal kleiner ist als das des Menschen, merken kann, wann er welche Blume aufsuchte, um aus ihr Nektar zu saugen. Kolibris müssen täglich hunderte Pflanzen aufsuchen, denen sie den Bruchteil eines Tropfens Nektar entnehmen. Sie kehren zurück, wenn die Pflanze neuen Saft erzeugt hat, merken sich also nicht nur deren Standort, sondern auch, wann genau sie diejenigen Blumen, denen sie Nektar entnommen haben, wieder aufsuchen können, um dadurch überflüssige Besuche zu vermeiden. Das Speichern von Orts- und Zeitinformationen aufgrund bestimmter Ereignisse hat man bisher nur Menschen zugetraut.

Winzige Rubinkehlkolibris können immense Strecken von mehr als 2000 Kilometern nonstop zurücklegen. Das berichten US-Ornithologen, die das Flugverhalten der nur etwa drei Gramm schweren und kaum zehn Zentimeter langen Kolibris Archilochus colubris auf dem Weg in die Winterreviere untersucht haben, im Fachjournal „The Auk: Ornithological Advances“.

 

Sonntag

Familie

 

(…) jemanden zu haben, den du kennst und der ein Auge auf dich hat, der dich die ganze Zeit beobachtet. Das ist eines der Dinge, um die es bei einer Familie geht, nicht nur um Liebe, sondern darum zu wissen, dass jemand da ist, der auf dich aufpasst. Das ist es, was mir so sehr fehlte, als meine Mutter starb – ich nenne es die „spirituelle Sicherheit“ eines Menschen –: zu wissen, dass deine Familie dasein wird und auf dich aufpasst. Es gibt nichts anderes auf der Welt, das dir jenes Gefühl vermitteln kann. Kein Geld. Keine Berühmtheit.

Mitch Albom, Dienstags bei Morrie. Die Lehre eines Lebens, Wilhelm Goldmann Verlag, München 2002 (7. Auflage), S. 108

 


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