2. Kalenderwoche

 

Urknall  Grube Messel  Arktis  Ginkgo  Delfine  Eisbär  Atmen

 

 

Montag

Urknall

 

Astrophysiker haben errechnet, dass sich der Kosmos während des sogenannten Big Bang (Urknall) vor 13,7 Milliarden Jahren innerhalb einer Minute aus einem „Fast-Nichts“ zu einem Raum mit einem Durchmesser von einer Million Milliarden Kilometern aufgebläht hat.

„Am unglaublichsten ist die Erkenntnis, dass alles, was es im Universum gibt, von einem gemeinsamen Ursprung herkommt. Die Materie deines Körpers und die Materie meines Körpers sind innigst miteinander verwandt, weil sie aus einem einzigen Energiegeschehen hervorgegangen sind und noch immer mit ihm zusammenhängen. Unsere Ahnenreihe reicht über die verschiedenen Lebensformen zurück bis zu den Sternen, zurück bis zu den Anfängen des urzeitlichen Feuerballs.“ (Brian Swimme, Das Universum ist ein grüner Drache. Ein Dialog über die Schöpfungsgeschichte oder von der mystischen Liebe zum Kosmos, Claudius Verlag, München 1991, 23)

Nach dem Urknall ist keine neue Materie mehr entstanden, sodass jedes Atom, das die Zelle eines Menschen bildet, eines Tieres oder Baumes, seit 13,7 Milliarden Jahren zum Universum gehört.

 

Dienstag

Fossilien-Lagerstätte Grube Messel

 

Vor 47 Millionen Jahren muss hier am Rande des Odenwalds bei Darmstadt ein Vulkan explodiert sein. Heute kann man 65 Meter tief in diesen Krater hinabsteigen. Die Grube Messel ist eine der reichsten Fossilien-Lagerstätten der Welt. Hier ist ein ganzes Ökosystem rund um einen tropischen Waldsee erhalten. Im See lebten Krokodile und seltsame Fische, an seinem Ufer krochen riesige Würgeschlangen durchs Unterholz, gewaltige flugunfähige Raubvögel gingen hier auf die Jagd. Im Urwald lebten unscheinbare Pelztierchen – sie sind die eigentliche Sensation der Grube Messel, das, was aus ihr eine Schatzkammer der Paläontologie macht: Hier finden Wissenschaftler immer neue Arten von Säugetieren. Weltberühmt ist das Urpferd, Vorfahr der Pferde: Mehr als 60 Exemplare wurden hier geborgen. Auch Urtapir, Urschwein und zahllose Fledermäuse sind hier schon ausgegraben worden. Die vielleicht spektakulärste Entdeckung in der Grube Messel machte 2009 Schlagzeilen, „Ida“ (Darwinius masillae), ein perfekt erhaltener versteinerter Primat, könnte der älteste bisher entdeckte Vorfahr des Menschen sein.

Die Grube Messel hat eine bewegte Geschichte: Ab dem 19. Jahrhundert wurde hier zunächst Erz, dann Ölschiefer zur Gewinnung von Erdöl abgebaut. Dabei stieß man auf das Skelett eines Alligators, dann auf viele weitere Zeugnisse früherer Lebewesen, die bereits damals von Wissenschaftlern aus Gießen gesammelt und untersucht wurden. In den 1970er-Jahren aber wurde die Grube Messel plötzlich zur Mülldeponie erklärt. Eine lokale Bürgerinitiative lief jedoch dagegen Sturm, alarmierte die Öffentlichkeit, klagte und gewann den Prozess. Am 8. Dezember 1995 wurde die Grube Messel durch die Unesco zum Weltnaturerbe erklärt – und die Mitglieder der früheren Bürgerinitiative haben lebenslangen freien Eintritt in diesem Museum.

 

Mittwoch

Die Arktis – eine der letzten noch unberührten Gebiete der Erde

 

Die Arktis ist die nördliche zirkumpolare Erdregion und bedeckt die nördlichen Teile der drei Kontinente Nordamerika, Asien und Europa, ferner das großenteils von Eis bedeckte Nordpolarmeer; sie ist eine der beiden irdischen sogenannten Polkappen. Die geografische Ausdehnung der Arktis ist nicht genau bestimmt. Als zentrales Merkmal gelten je nach Definition der nördliche Polarkreis, Kriterien der Vegetation wie die Baumgrenze oder klimatische Kriterien wie die Juli-Isotherme von zehn Grad Celsius. Das bedeutet, dass dort die mittlere Temperatur im Monat Juli zehn Grad Celsius nicht übersteigt. Sie ist eine der wunderbarsten Landschaften unseres Planeten. „Es gibt auf der ganzen Erde nichts Vergleichbares. Ich habe es mir zur Lebensaufgabe gemacht, die Geschichte dieser wunderschönen Wildnis in meinen Fotos zu erzählen.“ (Norbert Rosing, deutscher Fotograf, in: National Geographic, Mai 2008)

Das arktische Meereis ist ein faszinierendes Gebilde. Es ist keine statische Fläche, sondern pulsiert wie ein Organismus im Takt der Jahreszeiten. Im Sommer zieht sich das Eis nach Norden zurück, im Winter breitet es sich wieder aus. Weil die helle, weiße Oberfläche 85 Prozent der einfallenden Sonnenstrahlen reflektiert, stabilisiert das arktische Meereis die weltweiten Temperaturen. Wissenschaftler nennen die Polarregion nicht umsonst den „Kühlschrank der Erde“. Schmilzt das Meereis dauerhaft weg, absorbiert das dunkle Meer nahezu die komplette einfallende Wärme.

Vom 8. bis 10. Mai 2007 fand in Paris ein Kongress statt, der das Internationale Polarjahr eröffnete. Der Kongress verabschiedete eine Erklärung, deren Sinn sich so zusammenfassen lässt: „Wir hoffen von ganzem Herzen, dass sich vor den Augen der Welt ein hoher Norden durchsetzt, der unseren gewagtesten Utopien entspricht. Ein geschützter ökologischer Raum. Ein Raum des Friedens am nördlichsten Punkt der Erde im Gegensatz und Gegenzug zu den Atom-U-Booten, die dort stumm unter dem Eis patrouillieren. Ein Raum, der die ursprüngliche Biodiversität respektiert, und ein Raum der Freiheit für unsere Mutter Erde, die überall sonst, an allen Enden der Welt, geknechtet wird.“ (Jean Malaurie, Zorn der Erde. Kultur und Natur der arktischen Völker müssen gerettet werden, in: Lettre International 81, Sommer 2008, 24-27.24)

Am 1. Dezember 2017 haben sich die arktischen Länder und große Fischerei-Nationen auf ein Fischfang-Moratorium für die Arktis geeinigt. Kommerzieller Fischfang soll dort erst stattfinden, wenn die Region ausreichend erforscht sei. Zunächst solle ermittelt werden, wie und ob der Fischfang im Arktischen Meer überhaupt mit dortigen Ökosystemen vereinbar sei. Das Moratorium soll mindestens 16 Jahre lang gelten und eine Fläche von 2,8 Millionen Quadratkilometer abdecken.

Infolge der Klimaveränderung wird das Gesicht der Arktis vermutlich schon bald nicht mehr wiederzuerkennen sein.

 

Donnerstag

Der Ginkgo – ein wahres Fossil

 

Ginkgo biloba (Ginkgobaum/Fächerbaum), der in China heimische Ginkgobaum, ist ein wahres Fossil. Schon seit 250 Millionen Jahren ist er auf der Erde zu finden und damit die älteste noch lebende Pflanzenart. Er wird bis zu 30 Meter hoch, wird nicht von Krankheiten befallen und kann über 1000 Jahre alt werden. Er ist der einzige lebende Vertreter der Ginkgoales, einer ansonsten ausgestorbenen Gruppe von Samenpflanzen. Natürliche Populationen sind nur aus den Provinzen Chongqing und Guizhou im Südwesten Chinas bekannt.

Eine Besonderheit in der Pflanzenwelt stellen die sehr charakteristischen fächerförmigen, breiten Laubblätter dar. Sie sind in der Mitte mehr oder weniger stark eingekerbt, und die Blattform variiert je nach der Stellung am Trieb und der Wuchskraft des Baumes, weshalb kaum ein Ginkgoblatt dem anderen gleicht.

 

Freitag

Delfine

 

Delfine sind die vielfältigste und mit rund 40 Arten größte Familie der Wale. Sie gehören zu den Zahnwalen und sind in allen Meeren verbreitet. Delfine erfüllen alle Voraussetzungen, um als Individuen definiert zu werden. Sie haben positive und negative Empfindungen, Emotionen, Selbstbewusstsein und sind in der Lage, ihr Verhalten zu steuern. Sie erkennen einander und begegnen sich mit Respekt, meist mit offener Zuneigung. Sie nehmen sich im Spiegel wahr – eine Leistung, die außer ihnen nur Menschen und Menschenaffen vollbringen –, gehen analytisch und planmäßig vor und lösen komplexe Aufgaben. Außerdem haben sie die Kapazität, körperlich und gefühlsmäßig intensiv und lang anhaltend zu leiden. Nach traditionellem Verständnis ist diese Kombination von geistiger Kapazität und Verletzlichkeit allein dem Menschen zu eigen.

Wie australische Forscher im Mai 2018 im Fachmagazin „Current Biology“ berichten, gehen männliche Delfine in Gruppen langjährige Freundschaften mit anderen Männchen ein – und kennen sich auch beim Namen; über bestimmte Lautsignale halten sie mit Freunden individuell Kontakt. –

Der kleinste Delfin der Welt, der 1,5 Meter lange Maui-Delfin, lebt nur vor der Westküste Neuseelands in Küstennähe. Laut einem Bericht des neuseeländischen Umweltministeriums vom 27. Oktober 2016 existieren nur noch 63 Exemplare.

Boten der Götter, verehrungswürdig und unantastbar waren Delfine für die Griechen der Antike…

 

Samstag

Eisbär – König der Arktis

 

Herrscher der Arktis ist der Eisbär. Eisbären leben vor allem auf dem küstennahen Treibeis des Nordpolarmeers und in den angrenzenden arktischen Regionen. Zu finden sind Populationen unter anderem in Spitzbergen, in Grönland, Alaska und dem nördlichen Kanada. Eisbären gehören mit Kodiakbären zu den größten Landraubtieren der Erde. Das schneeweiße Raubtier kann ein Gewicht von bis zu 600 Kilogramm und eine Länge von zwei bis drei Metern erreichen.

Einen der faszinierendsten Momente seiner Laufbahn erlebte Alastair Fothergill (gilt als der Steven Spielberg der Naturfilmbranche), als er aus dem Helikopterfenster 300 Meter unter sich einen Eisbären durch arktische Gewässer schwimmen sah. Ein Bild vollkommener Harmonie, wie er später sagte.

Der Eisbärenbestand beläuft sich nach Schätzungen auf 20.000 bis 25.000 Tiere in 19 Populationen, verteilt auf Kanada (dort leben zwei Drittel der gesamten Eisbärenpopulation), Alaska, Grönland, Dänemark und Spitzbergen.

Das Überleben der Eisbären wird nach Angaben der Weltnaturschutzunion (International Union für Conservation of Nature and Natural Resources, IUCN) immer stärker durch die Klimaerwärmung gefährdet. Um fast ein Drittel drohe der Bestand von derzeit geschätzt 26.000 dieser Raubtiere in den kommenden vier Jahrzehnten zu schrumpfen. Im Süden Alaskas wird es nicht mehr genug Eis geben. Nur noch an den höchsten Stellen des kanadischen Archipelagos und im nördlichen Grönland dürften dann überhaupt noch Eisbären leben. Die entscheidende Frage wird laut Bärenforscher Andrew Derocher von der University of Alberta (Kanada) dann lauten: „Haben dort genügend Tiere Platz, um die Spezies zu erhalten, bis der Planet Erde wieder abkühlt?“

 

Sonntag

Atmen

 

Mit jedem Atemzug füllen sich unsere tausende von Lungenbläschen mit Luft. Ausgebreitet ergeben sie eine Fläche von 80 Quadratmetern: Ein- und Ausatmen ist der umfassendste und größte Kontakt, den wir Menschen zur Welt um uns ununterbrochen erleben. Was lebt, braucht Luft. Alles, was lebt. Menschen, Pflanzen, Tiere. Luft ist der Stoff, mit dem wir uns ununterbrochen austauschen, mit dem wir „unseren Stoff wechseln“. Luft ist, wie Wasser, für uns Menschen, für Pflanzen und Tiere die Essenz zum Lebendigsein.

„Jahwe Gott bildete den Menschen aus Staub vom Erdboden und blies in seine Nase den Atem des Lebens. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.“ (1. Mose 2,7)

„Der Atem ist der Puls des Lebens.“ (Werbeslogan)


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