17. Kalenderwoche (20.–26. April 2020)

 

Merkur  Sand  Salzseen  Kirschblüte  Regenwurm  Riesenkalmar  Arbeit

 

 

Montag

Merkur

 

Wie die Erde zählt Merkur zu den Gesteinsplaneten und wird damit als „erdähnlicher Planet“ bezeichnet. Mit nur 4878 Kilometer Durchmesser, das entspricht einem Drittel des Erddurchmessers, ist er der kleinste der acht Planeten unseres Sonnensystems und nur wenig größer als der Erdmond. Und er ist auch der schnellste Planet in unserem Sonnensystem: In knapp 88 Tagen rast dieser sonnennächste Planet einmal um die Sonne. Alle vier Monate überholt der kleine Planet die Erde auf der Innenbahn und wechselt somit vom Abend- auf den Morgenhimmel. Einmal in 59 Tagen dreht er sich um seine Achse. Ein Tag auf Merkur, also die Zeit von einem Sonnenaufgang bis zum nächsten, dauert 176 irdische Tage. Merkur besitzt keine Atmosphäre. Seine kraterübersäte, tote Gesteinsoberfläche ist gnadenlos den Strahlen der Sonne ausgesetzt. Merkur zeigt die größten Temperaturunterschiede aller Planeten. Fast drei Monate lang ist die Merkurnacht, in der die Temperatur bis auf minus 183 Grad Celsius absinkt. Am Merkurtag steigt die Temperatur der Gesteinsoberfläche bis auf 427 Grad Celsius. Die Bahn des Merkur weicht am stärksten von allen Bahnen der Planeten von der Kreisform ab. Merkur kommt der Sonne bis auf 46 Millionen Kilometer nahe, im fernsten Punkt trennen ihn 70 Millionen Kilometer vom Zentralgestirn.
Als einziger Gesteinsplanet besitzt er ein globales Magnetfeld, das jedoch deutlich, nämlich etwa 150-mal schwächer ist als das irdische. Ursache ist der Sonnenwind, berichteten Wissenschaftler der Technischen Universität Braunschweig (publiziert in der Zeitschrift „Science“ vom 22. Dezember 2011). Er wirke dem inneren Dynamoprozess Merkurs entgegen und schwäche auf diese Weise das Magnetfeld ab.
Von allen Planeten unseres Sonnensystems ist Merkur der unbekannteste.

 

Dienstag

Sand

 

Je nach Korngröße wird Gesteinsmaterial von Geologen unterschiedlich benannt. Alles was größer als 6,3 Zentimeter ist, heißt Stein. Material zwischen 6,3 Zentimetern und zwei Millimetern bezeichnen Geologen als Kies. Sand sind Körnchen zwischen zwei Millimetern und 0,063 Millimetern Durchmesser. Von 0,063 Millimetern bis 0,0002 Millimetern spricht man von Schluff. Alles was noch kleiner ist, wird als Ton bezeichnet.

Sand entsteht über Jahrmillionen hinweg in einem Hochgebirge oder Felsmassiv. Sonne, Regen, Frost, Wind und Kleinstlebewesen zersetzen selbst härtestes Gestein – sogar zu feinem Quarzsand. Der wird vom Wind in alle Himmelsrichtungen getragen und lagert sich meist in Senken ab. Auch fließende Gletscher zerreiben Gestein zu Sand, der als Sediment in Flüssen abfließt. Auf seiner Reise flussabwärts Richtung Meer lagert sich das Material entlang der Ufer oder am Grund von Seen ab. Am Meer entstehen Sandstrände, wenn Flüsse große Mengen an verwittertem Gestein in die Ozeane transportieren und am Strand ablagern. Auch im Meer, wenn Korallen und Muscheln zerrieben werden, entsteht Sand.
Auf jedem Sandkorn im Meer siedeln bis zu 100.000 Bakterien. Dies fanden Forscher des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie in Bremen heraus, die erstmals im Detail das Leben der Mikroorganismen auf einzelnen Körnern untersuchten. Die Bakterien besiedeln diese demnach nicht gleichmäßig, sondern ballen sich in winzigen Rissen und Kuhlen. Diese böten Schutz vor gefräßigen Räubern und vor der Kollision mit anderen Sandkörnern, wenn diese im Wasser herumgewirbelt würden. Für ihre am 1. Dezember 2017 in der Fachzeitschrift „The ISME Journal“ veröffentlichte Untersuchung nutzten die Bremer Wissenschaftler Sandproben aus der Nordsee bei Helgoland. Durch die massenhafte Präsenz von Bakterien seien sandige Küsten und Meeresböden riesige natürliche Filter, erklärten die Bremer Forscher. Auf den Körnern lebten verschiedene Arten, die etwa Kohlenstoff und Stickstoff aus dem Meer oder aus dem Wasser von einmündenden Flüssen verarbeiteten. Diese spielten daher eine wichtige Rolle im Ökosystem der Meere und der Erde insgesamt.

 

Mittwoch

Salzseen

 

Salzseen, Binnengewässer mit Salzwasser ohne Abfluss in einen Ozean, befinden sich meistens in Trockengebieten oder Wüsten, so dass sich durch die andauernde Verdunstung der Gehalt von Salzen und Mineralien des Gewässers ständig erhöht. Ist die Verdunstung größer als der Wasserzufluss, entsteht eine Salzwüste. Bei saisonalem Wetter wie sich abwechselnden Regen- und Trockenzeiten ist auch ein stetiger Wechsel zwischen Salzwüste und Salzsee möglich.

Der größte Salzsee der Welt, der Salar de Uyuni in rund 3.600 Metern Höhe in den Anden in Südbolivien, wird während der Regenzeit zum Himmel auf Erden. Denn wenn sich in der nassen, glatten Oberfläche Wolken und Himmelsblau spiegeln, entsteht ein so gleißendes Bild, dass der Horizont nicht mehr auszumachen ist. Bedroht wird die Idylle der 10.500 Quadratkilometer großen Ödnis allerdings von der Minenindustrie. Denn direkt unter der Salzoberfläche befinden sich riesige Vorkommen an Lithium – das Leichtmetell wird in Handys und Computern verbaut. Die Kommerzialisierung der Lithiumproduktion wurde von Bolivien vergleichsweise langsam gestartet, um einen Ausverkauf des Rohstoffs zu vermeiden.

 

Donnerstag

Kirschblüte

 

Ein leichter Wind strich durch den Baum und ließ die weißen Blütenblätter langsam umherwirbeln…
„Wie die Tage unseres Lebens fliegt die Blüte des Kirschbaums“, sagte Ashiko leise. „Es ist ein vergänglicher, wunderbarer Moment. Spürst du nicht die Gegenwart des Göttlichen? Die Blüte erblüht, sie strahlt in ihrem Weiß, und einen Augenblick später gibt es sie schon nicht mehr. Blütenblatt für Blütenblatt stirbt ab, und der Wind verstreut sie genau wie uns.“
“Man muss die Gegenwart lieben“, flüsterte sie.“ Versenk dich in die Pracht der Blüten, Theo…“
Aus: Catherine Clément, Theos Reise. Roman über die Religionen der Welt, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1998, S. 395

Japaner lieben die Kirschblüte als ein Symbol der Wiedergeburt des Lebens, aber auch für dessen Kürze und Zerbrechlichkeit. Jedes Jahr wird in Japan das Kirschblütenfest gefeiert („Hana-mi“). Es geht wohl auf eine Zeit zurück, in der man in Japan nur Wildkirschen kannte, die im Frühjahr über die dunklen Nadelwälder einen hellen Schleier breiteten. An dem frühen oder späten Fallen der Blütenblätter erkannten die Bauern, ob sie eine schlechte oder eine gute Ernte haben werden. „Unter den weißen Kirschblüten werden alle Menschen zu Brüdern“, lautet ein traditionelles japanisches Sprichwort.

Als Zeichen der Freude über das Ende der deutschen Teilung schenkte Japan der deutschen Hauptstadt einst 2000 Kirschbäume. Die Hälfte wurde an der Kirchblütenallee in Lichterfelde/Teltow gepflanzt. Hier sorgen die Bäume im Frühling für eine traumhafte Kulisse – dort, wo einmal der Todesstreifen verlief.

„Wenn du etwas über den Kirschbaum wissen willst, geh zum Kirschbaum.“
Matsuo Bashō (1644–1694, japanischer Dichter)

25. April: Tag des Baumes

 

Freitag

Regenwurm


Regenwürmer können in bestimmten Bereichen einen Anteil von bis zu 90 Prozent der Biomasse der gesamten Bodenfauna ausmachen, wobei die Wurmdichte bis zu 2000 Individuen pro Quadratmeter erreichen kann. Indem sie organische Reste fressen und als wertvollen Humus wieder ausscheiden, nehmen sie als Destruenten eine zentrale Stellung beim Abbau organischer Substanzen ein. Die Rückführung organischen Materials in den Boden ist eine wesentliche Grundlage für das Funktionieren eines Ökosystems. Durch ihre Wühltätigkeit wird der Boden gelockert und kann so mehr Wasser aufnehmen, er wird besser durchlüftet und durchmischt. Ein derart berarbeiteter Boden ist auf natürliche Weise fruchtbarer, besser vor Erosion geschützt und kann Hochwasser zurückhalten. Die lufthaltigen Gänge der Regenwürmer sorgen dafür, dass aerobe Bakterien mit genügend Sauerstoff versorgt werden und sich abgestorbene Pflanzenteile besser zersetzen. Weltweit waren 2008 etwa 670 Arten der Regenwürmer (der Familie Lumbricidae) bekannt. Zusätzlich wird aber eine unbekannte Anzahl morphologisch nicht unterscheidbarer Kryptospezies vermutet.

Laut der 2016 um einen Band zu Bodenlebewesen erweiterten, vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geführten Roten Liste bestandsgefährdeter Tiere in Deutschland sind  hierzulande 47 verschiedene Regenwurmarten nachgewiesen. Zwei Arten – Aporrectodea smaragdina und Octodrilus argoviensis – wurden erstmalig in der Bundesrepublik nachgewiesen. Zwei der 47 Regenwurmarten gelten als im Bestand gefährdet, 14 Arten sind aufgrund extremer Seltenheit gegenüber Bedrohungen wie Versiegelung, intensiver Landwirtschaft oder globalem Klimawandel besonders anfällig und bei drei Arten war ein negativer langfristiger Trend zu beobachten. Die gute Nachricht: Über die Hälfte der gegliederten Würmer sind nach bisherigem Kenntnisstand als ungefährdet anzusehen.

„Ist der menschliche Rasewahn pandemisch geworden, hält er sich für Fortschritt. Sein Preis: Allerwärts plattgewalzter Humus in Form von Asphaltierungen und Betonierungen.
Neben den Plattwalzungen bohrt unverdrossen Seine Majestät Lumbricus terrestris, der Regenwurm, Höhlengänge ins Erdreich, damit dieses weiterhin leben, das heißt atmen und Wasser trinken kann. Wer sagt da noch, das verstehe sich doch von selbst?“
(Kurt Marti, Heilige Vergänglichkeit. Spätsätze, Radius Verlag, Stuttgart 2010, S. 43)

Der Bioland Landesverband Bayern verleiht jedes Jahr symbolisch den „Goldenen Regenwurm“, eine Auszeichnung für „Landwirte, die sich um die Förderung des Bodens und der Bodenfruchtbarkeit verdient gemacht haben“. –

Dominierender Teil der Lebensgemeinschaft im Boden sind die nur wenige Millimeter langen Fadenwürmer. Diese auch Nematoden genannten Tiere sind die weltweit häufigsten Tiere der Erde: Ein Forscherteam hat errechnet, dass auf jeden Menschen der Erde geschätzt 57 Milliarden Fadenwürmer kommen. Sie brächten ein Gewicht von 300 Millionen Tonnen auf die Waage – 80 Prozent der menschlichen Weltbevölkerung.

In einer am 25. Oktober 2019 in der Zeitschrift Science veröffentlichten Studie haben Forscher auf die eminente Bedeutung der unterirdischen Artenvielfalt aufmerksam gemacht und unter anderem eine Verbreitungskarte der Regenwürmer erstellt.

 

Samstag

Riesenkalmar

 

Riesige Tintenfische galten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts als Seemannsgarn. Obwohl seit Jahrhunderten über Sichtungen von Riesenkalmaren und Begegnungen mit diesen Tieren berichtet wurde, wurden die Erzählungen meist ins Reich der Legenden verwiesen. Selbst die Funde gestrandeter Kalmare mit Längen von weit über zehn Metern wurden von der Zoologie nicht ernst genommen. Heute weiß man, dass es diese Tiere tatsächlich gibt.

Der Riesenkalmar ist die höchstentwickelte Art der wirbellosen Tiere. Ausgewachsen ist er vermutlich um die zwölf, 13 Meter lang. Er hat einen gewaltigen Kopf und zehn lange Arme und wird bis zu einer halben Tonne schwer. Die Riesenkalmare orientieren sich wahrscheinlich vor allem durch ihre Augen, die zu den größten im ganzen Tierreich zählen. Lediglich die Augen des Koloss-Kalmars werden noch größer. Die riesigen Augen weisen auch auf den Lebensraum hin – Meerestiefen, in die nur noch eine äußerst geringe Menge Licht vordringt. Der Riesenkalmar lebt in Ozeantiefen, in die kaum ein Mensch jemals vorgedrungen ist. Selten erst ist er lebend gesehen worden, tote Riesenkalmare werden dann und wann angeschwemmt. Der Riesenkalmar ist ein Mysterium, immer noch.

 

Sonntag

Arbeit

 

Industrie, Geschäfts- und Bankenwelt
Das System hat seine eignen Regeln
Ein Block für sich mit Übermacht
Es gilt: Der Mensch ist für die Wirtschaft da

Dafür geeignet ist er nicht so sehr
Leib-haftig, Organismus noch
Auch Müdigkeit und Schwäche
Sie konnten nicht beseitigt werden

Die zwei Welten harmonieren nicht
Dumpinglohn und Leistungsdruck
Für Rechner und Maschinen: ja
Für Kreislauf, Atem, Leben: nein

Mit Kopf und Hand gestalten
Der Antrieb kommt von innen
Sein Selbst zum Ausdruck bringen
Das könnte Leben sein

Hans Bischlager

1. Mai: Tag der Arbeit


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