16. Kalenderwoche (18.–24. April 2022)

 

Morgenröte
Moore Niagarafälle Kirschblüte Sandlückenfauna Löwe Fühlen

 

 

Montag

Morgenröte

 

„Unterdessen begannen bereits tausenderlei bunte Vöglein auf den Bäumen zu trillern und schienen mit ihren mannigfachen frohen Gesängen Willkomm und Gruß zu bieten der frischen Morgenröte, die bereits an den Pforten und Erkern des Ostens die Reize ihres Angesichts enthüllte und aus ihren Locken eine unzählige Menge feuchter Perlen schüttelte, in deren süßem Nass sich die Pflanzen badeten und nun auch aus ihrem Schoße weißen, feinen Perlenstaub auszustreuen und niederzuregnen schienen. Die biegsamen Weiden tröpfelten erquickliches Manna, die Brünnlein lachten plätschernd, die Bäche murmelten, die Wälder wurden heiter, und die Wiesen schmückte reicher der Glanz des kommenden Morgens.“

Cervantes, Don Quijote II, Deutsch von Ludwig Braunfels, Bechtermünz Verlag im Weltbild Verlag, Augsburg 1996, 134f.

Der frühe Morgen ist die beste Zeit im April, um Planeten zu beobachten. Den Anfang macht die strahlend helle Venus gegen Viertel vor sechs Uhr, und etwa ab Mitte April taucht links unter ihr der Planet Jupiter auf, zunächst anderthalb Handbreit von ihr entfernt. Jeden Tag geht Jupiter drei bis vier Minuten früher auf und steht so tagtäglich höher (relativ zum Sonnenaufgang). Zugleich nähert sich ihm die Venus mit raschen Schritten. Die beiden werden ein immer auffälligerer Doppelpunkt in der Dämmerung. Ende April ist die Venus nicht mal mehr einen halben Fingerbreit von Jupiter entfernt. Vom 25. bis 27. April wandert der abnehmende Mond mit immer dünner werdender Sichel an den Planeten vorüber und steht am 27. April fast bei Venus und Jupiter. Ein sehr hübscher Anblick in der Morgendämmerung. Vom 14. bis 30. April sind die Lyriden-Sternschnuppen aktiv. Meist sind es nur ein paar Meteore, doch rund um den Höhepunkt des Sternschnuppen-Regens in der Nacht vom 22. auf den 23. April werden es deutlich mehr.

 

Dienstag

Moore

 

In der Geschichte der Erde entstanden Moore, als sich auf undurchlässigen Bodenschichten über Jahrtausende Wasser sammelte. Zu riesigen Speichern von Kohlenstoff wurden sie durch die Pflanzen, die unter diesen nassen, nährstoffarmen Bedingungen gedeihen. Torfmoos, Wollgras, Heidekraut und andere Moorspezialisten verbrauchen, wie alle Pflanzen, für ihr Wachstum Kohlenstoff aus der Luft. Aber wenn sie verwelken, sinken sie ins feuchte Nass und vermodern dort ohne Kontakt zur Luft. So werden beim Verfall ihre Kohlenstoffverbindungen im Boden gehalten und nicht an die Luft abgegeben. Das Wachsen von Mooren kann Jahrtausende dauern: Ein gesundes Hochmoor beispielsweise wächst pro Jahr nur etwa einen Millimeter. Für eine ein Meter dicke Torfschicht braucht es also etwa tausend Jahre. Torf ist ein fossiler Rohstoff. Moore sind oft die letzten naturnahen Reste der nacheiszeitlichen Urlandschaften und ökologisch besonders wertvolle Lebensräume. Diese Feuchtgebiete erfüllen wichtige Funktionen als globale Wasser-, Kohlenstoff- und Nährstoffspeicher und sind somit auch für die Sicherung unseres Trinkwassers von großer Bedeutung. Wenn heftiger Niederschlag ungedämpft in die Flüsse und Bäche gelangt, steigt dort der Wasserspiegel rasch an, und es drohen Überschwemmungen. Moore können dagegen wie ein Schwamm Niederschläge zurückhalten. Lebende Moore zeichnen sich durch ihren Wasserüberschuss, bis zu mehrere Meter tiefe Torfschichten und eine torfbildende Vegetation aus. Moore sind bedeutsame Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen, die sich auf diese besondere Landschaft spezialisiert haben.

Laut Bundesamt für Naturschutz entziehen Moore der Atmosphäre weltweit jedes Jahr 150 bis 250 Millionen Tonnen CO2. Moore speichern doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Welt. Ein Hektar Moor bindet sechsmal so viel CO2 wie die gleiche Fläche Wald. In Deutschland enthält eine 15 Zentimeter mächtige Torfschicht auf gleicher Fläche in etwa gleich viel Kohlenstoff wie ein 100-jähriger Wald. Nach Angaben des Greifswald Moor Centrums (GMC) sind vier Millionen Quadratkilometer der Erde mit Mooren bedeckt, drei Millionen davon sind noch intakt. Obwohl sie nur drei Prozent der gesamten Landfläche der Erde ausmachen, binden sie schätzungsweise 500 Milliarden Tonnen Kohlenstoff (etwa ein Fünftel des gesamten Kohlenstoffs der Erde), doppelt so viel wie die gesamte Waldmasse unseres Planeten, die 30 Prozent der Fläche bedecken. Moore gelten als eine der wichtigsten Kohlenstoffsenken der Erde. In Europa speichern diese Ökosysteme fünfmal mehr CO2 als Wälder.

Die heimischen Moorlandschaften bedeckten ursprünglich mit 1,5 Millionen Hektar eine Fläche von 4,2 Prozent der Landfläche Deutschlands. Heute sind sie zu 95 Prozent entwässert, abgetorft, bebaut oder landwirtschaftlich und forstwirtschaftlich genutzt. Bis ins 17. Jahrhundert waren sie weitgehend unberührte Wildnis. Seit dem 17., vor allem seit dem 18. Jahrhundert wurden sie für Torfabbau, Landwirtschaft und als Siedlungsgebiete trockengelegt. Jeder Hektar entwässertes Moor setzt im Jahr 30 bis 40 Tonnen CO2 frei, die gleiche Menge wie ein Mittelklasse-Pkw, der 20.000 Kilometer im Jahr fährt. Neben Kohlendioxid wird vor allem Lachgas freigesetzt, das rund 300-mal klimaschädlicher ist als CO2. Obwohl entwässerte Moorböden in Deutschland nur etwa sieben Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche ausmachen, sind sie für 37 Prozent der CO2-Emissionen in der Landwirtschaft verantwortlich. Im Jahr 2019 stammten in Deutschland 6,7 Prozent (rund 53 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente) der Treibhausgasemissionen aus der Zersetzung von Moorböden infolge von Entwässerungsmaßnahmen und Torfnutzung. Das sind so viele, wie der innerdeutsche Flugverkehr verursacht. Das Umweltministerium legte eine am 1. September 2021 Nationale Moorschutzstrategie vor, mit der dieser Wert bis 2030 um mindestens fünf Millionen Tonnen gesenkt werden soll. Laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) sind 99 Prozent aller Moore in Deutschland durch Entwässerung geschädigt. Davon gelten fünf bis sieben Prozent als nur gering geschädigt und „naturnah“. Ein Prozent ist intakt. Weltweit sind bisher rund 50 Millionen Hektar Moorlandschaft durch menschliche Aktivitäten zerstört worden. Der größte Teil wurde zu Äckern, Wiesen und Weiden. Das am 9. Oktober 2019 beschlossene Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung zur Umsetzung des Klimaschutzplans 2050 sieht für den Freizeitgartenbau in den nächsten sechs bis acht Jahren einen vollständigen und im Erwerbsgartenbau bis 2030 einen weitgehenden Torfverzicht vor. Durch den Verzicht von Torf für gartenbauliche Anwendungen soll der Torfabbau und damit die Freisetzung von Treibhausgasen aus entwässerten Torfmooren reduziert werden.

Eine von Greenpeace im Jahr 2017 ausgerichtete Expedition bestätigte die Vermutung, dass sich das Torfmoor entlang des Kongo-Flusses bis weit in die Demokratische Republik Kongo (DRC) erstreckt und eine Fläche von 150.000 Quadratkilometern bedeckt. Dies entspricht annähernd der Hälfte Deutschlands. Bislang war die Existenz des Moores nur für die Republik Kongo nachgewiesen worden. Es handelt sich somit nach bisherigen Analysen um das weltweit größte zusammenhängende tropische Torfmoor. Insgesamt schätzen die Wissenschaftler der Universität Leeds und Kisangani die Menge des im Kongobecken in Torf gespeicherten Kohlenstoffs auf 30 Milliarden Tonnen. Das entspricht der Menge an klimaschädlichem CO2, die weltweit innerhalb von drei Jahren durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas ausgestoßen wird.

Die Hälfte der weltweiten Emissionen aus Mooren stammt aus Südostasien. Dort treiben Trockenlegung, Entwaldung und häufige Brände die Emissionen nach oben. Eine globale Moorschutz-Initiative („Global Peatlands Initiative“), die federführend vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) koordiniert wird, soll Abhilfe schaffen.

Laut einer 2016 erstmals erstellten Roten Liste gefährdeter Lebensräume in Europa sind Moore die am stärksten gefährdeten Biotope in Europa. Viele der noch vorhandenen Moore werden aber durch Wiedervernässung und Renaturierung wirksam geschützt.

Eine Info-Plattform zum Thema Moor und Klimaschutz finden Sie hier.

 

Mittwoch

Niagarafälle

 

„Niagara“ ist die indianische Abkürzung für „donnerndes Wasser“. Die Flussverbindung zwischen dem Erie- und dem Ontariosee ist 40 Kilometer lang und bildet an einer dolomitischen Schichtstufe die Niagarafälle an der Grenze zwischen den USA und Kanada. Der den Eriesee mit dem Ontariosee verbindende Niagara River, der zugleich die östliche Begrenzung der Niagara-Halbinsel bildet, stürzt 58 Meter in die Tiefe, 2,6 Millionen Liter pro Sekunde. Dabei werden die Fälle durch die oben gelegene Insel Goat Island (Ziegeninsel) in zwei Teile gespalten. Der US-amerikanische Teil hat eine Kantenlänge von 363 Metern, der kanadische eine von 792 Metern. Das Wasser des US-amerikanischen Teils fällt nach 21 Metern auf eine Sturzhalde, die bei einem Felssturz 1954 entstand. Der kanadische Teil, der wegen seiner Krümmung nach einem Hufeisen benannt ist („Horseshoe Falls“), hat eine freie Fallhöhe von 57 Metern.

1885 deklarierte der Bundesstaat New York die Niagarafälle als Naturpark, die Kanadier folgten ein Jahr später.

 

Donnerstag

Kirschblüte

 

Ein leichter Wind strich durch den Baum und ließ die weißen Blütenblätter langsam umherwirbeln…
„Wie die Tage unseres Lebens fliegt die Blüte des Kirschbaums“, sagte Ashiko leise. „Es ist ein vergänglicher, wunderbarer Moment. Spürst du nicht die Gegenwart des Göttlichen? Die Blüte erblüht, sie strahlt in ihrem Weiß, und einen Augenblick später gibt es sie schon nicht mehr. Blütenblatt für Blütenblatt stirbt ab, und der Wind verstreut sie genau wie uns.“
“Man muss die Gegenwart lieben“, flüsterte sie.“ Versenk dich in die Pracht der Blüten, Theo…“
Aus: Catherine Clément, Theos Reise. Roman über die Religionen der Welt, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1998, S. 395

Japaner lieben die Kirschblüte (Sakura) als ein Symbol der Wiedergeburt des Lebens, aber auch für dessen Kürze und Zerbrechlichkeit. Jedes Jahr wird in Japan das Kirschblütenfest gefeiert („Hana-mi“). Es geht wohl auf eine Zeit zurück, in der man in Japan nur Wildkirschen kannte, die im Frühjahr über die dunklen Nadelwälder einen hellen Schleier breiteten. An dem frühen oder späten Fallen der Blütenblätter erkannten die Bauern, ob sie eine schlechte oder eine gute Ernte haben werden. „Unter den weißen Kirschblüten werden alle Menschen zu Brüdern“, lautet ein traditionelles japanisches Sprichwort.

Als Zeichen der Freude über das Ende der deutschen Teilung schenkte Japan der deutschen Hauptstadt einst 2000 Kirschbäume. Die Hälfte wurde an der Kirchblütenallee in Lichterfelde/Teltow gepflanzt. Hier sorgen die Bäume im Frühling für eine traumhafte Kulisse – dort, wo einmal der Todesstreifen verlief.

„Nördlich von Tokio, in Hokuto, eingeschmiegt in eine Hügellandschaft liegt der Tempel Jisso-ji, in dessen Garten ein Juwel der Natur steht: ein mehr als tausendjähriger Kirschbaum, der älteste des Landes. Jährlich pilgern Millionen Japaner hierher, um die Blüte des Baumriesen als Beweis für seine Unsterblichkeit zu bewundern. Die Blüte dauert im Durchschnitt nur eine Woche. Der Name des Kirschbaums Yamataka Jindai Sakura bedeutet, dass er seit der Epoche der Götter existiert; die Gläubigen sind überzeugt, dass in dem Baum eine Gottheit wohnt. Der Kirschbaum wurde am 12. Oktober 1922 zu einem der ersten Naturdenkmäler Japans ernannt.“ (Zum Film „Ein Traum von Baum“ auf arte)

„Wenn du etwas über den Kirschbaum wissen willst, geh zum Kirschbaum.“
Matsuo Bashō (1644–1694, japanischer Dichter)

 

Freitag

Sandlückenfauna

 

Der Terminus Sandlückenfauna bezeichnet einen speziellen Lebensraum in den Lücken zwischen den Sandkörnern vieler Meeres-, Fluss- und Seeböden. Haben die Sandkörner eine bestimmte Korngröße, stehen die Lücken zwischen den Körnern unter Wasser und bilden ein stabiles Kanalsystem. In diesen Kanälen findet man eine Vielzahl tierischer Bewohner, bis zu 5000 einzelne Organismen pro Liter Sand. Meist handelt es sich um mikroskopisch kleine Lebewesen verschiedener systematischer Zugehörigkeit. Darunter sind Einzeller, Borstenwürmer, Fadenwürmer, Krebse und sogar Milben. Die Tiere ernähren sich von Bakterien und mikroskopisch kleinen Algen. Wer seinen Fuß auf den Küstensand setzt, hat in diesem Augenblick etwa 100.000 mehr oder weniger muntere Tierchen unter seiner Sohle, und unter einem ausgebreiteten Badetuch dürften es bis in einen Meter Tiefe sogar zehn Millionen sein.

 

Samstag

Löwe – „König der Tiere“, Wahrzeichen Afrikas

 

Der Löwe ist durch die Mähne des Männchens gekennzeichnet und ist heute in Afrika sowie im indischen Bundesstaat Gujarat beheimatet. Nach dem Tiger ist der Löwe die zweitgrößte Katze und damit das größte Landraubtier Afrikas. Ein Löwenmännchen hat eine Kopfrumpflänge von 170 bis 250 Zentimetern, eine Schulterhöhe von bis zu 123 Zentimetern und eine Schwanzlänge von rund einem Meter. Ausgewachsene männliche Tiere kommen auf ein durchschnittliches Körpergewicht von 190 Kilogramm.

Im Unterschied zu anderen Katzen lebt der Löwe in Rudeln. Ein solches Rudel besteht vor allem aus untereinander verwandten Weibchen und deren Nachkommen, die von einer „Koalition“ aus einigen ausgewachsenen Männchen verteidigt werden. Die Größe des Reviers und die Anzahl der Beutetiere korreliert mit der Rudelgröße, die zwischen drei und 30 Exemplaren liegen kann. Das Revier eines Löwenrudels umfasst 20 bis 400 Quadratkilometer.

Während in den 1950er Jahren noch rund 400.000 Löwen in Afrika gezählt wurden, ist ihre Zahl inzwischen (2022) auf rund 20.000 zurückgegangen sein. Schrumpfender Lebensraum, Rückgang der Beute aufgrund der Nachfrage nach Buschfleisch, unkontrollierte Trophäenjagd und der illegale Handel mit Löwenknochen haben dazu geführt, dass sich Afrikas Löwenpopulation in den vergangenen 25 Jahren halbiert hat. Die Weltnaturschutzorganisation ICUN hat die Spezies als „gefährdet“ eingestuft, die Zahl der Löwen geht dennoch alarmierend zurück. Tierschützerinnen und Tierschützer wollen die Zahl der Raubkatzen in den nächsten drei Dekaden verdoppeln.

Der vom Aussterben bedrohte Asiatische Löwe, eine Unterart des Löwen, ist etwas kleiner als der afrikanische Löwe. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet reichte bis nach Südosteuropa sowie in den Mittleren und den Nahen Osten. Durch die Jagd wurde er fast ausgerottet, 1913 waren nur mehr 20 Individuen nachweisbar. Die indische Regierung verbot 1955 die Löwenjagd, zehn Jahre später wurde der im Gir-Nationalpark auf der Halbinsel Kathiawar im westindischen Bundesstaat Gujarat gegründet. Nur noch dort kommt der Asiatische Löwe in freier Wildbahn vor. Sein Vorkommen wird auf etwa 300 Tiere geschätzt.

 

Sonntag

Fühlen

 

„Vögel fliegen, Fische schwimmen, Menschen – fühlen.“

Haim G. Ginott (1922–1973, israelischer Psychologe, der sich mit der Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern befasste)


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