16. Kalenderwoche (13.–19. April 2020)

 

Morgenröte
 Moore  Niagarafälle  Anemonen  Sandlückenfauna  Löwe  Aufrechter Gang

 

 

Montag

Morgenröte

 

Unterdessen begannen bereits tausenderlei bunte Vöglein auf den Bäumen zu trillern und schienen mit ihren mannigfachen frohen Gesängen Willkomm und Gruß zu bieten der frischen Morgenröte, die bereits an den Pforten und Erkern des Ostens die Reize ihres Angesichts enthüllte und aus ihren Locken eine unzählige Menge feuchter Perlen schüttelte, in deren süßem Nass sich die Pflanzen badeten und nun auch aus ihrem Schoße weißen, feinen Perlenstaub auszustreuen und niederzuregnen schienen. Die biegsamen Weiden tröpfelten erquickliches Manna, die Brünnlein lachten plätschernd, die Bäche murmelten, die Wälder wurden heiter, und die Wiesen schmückte reicher der Glanz des kommenden Morgens.

Cervantes, Don Quijote II, Deutsch von Ludwig Braunfels, Bechtermünz Verlag im Weltbild Verlag, Augsburg 1996, 134f.

Am 15. April um 5 Uhr sieht man knapp über dem Südosthorizont den abnehmenden Halbmond zwischen Jupiter und Saturn.

 

Dienstag

Moore

 

Moore sind oft die letzten naturnahen Reste der nacheiszeitlichen Urlandschaften und ökologisch besonders wertvolle Lebensräume. Diese Feuchtgebiete erfüllen wichtige Funktionen als globale Wasser-, Kohlenstoff- und Nährstoffspeicher und sind somit auch für die Sicherung unseres Trinkwassers von großer Bedeutung. Wenn heftiger Niederschlag ungedämpft in die Flüsse und Bäche gelangt, steigt dort der Wasserspiegel rasch an, und es drohen Überschwemmungen. Moore können dagegen wie ein Schwamm Niederschläge zurückhalten. Lebende Moore zeichnen sich durch ihren Wasserüberschuss, bis zu mehrere Meter tiefe Torfschichten und eine torfbildende Vegetation aus. Moore sind bedeutsame Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen, die sich auf diese besondere Landschaft spezialisiert haben.

In Mooren herrscht eine ständige Übersättigung mit Wasser, was einen Sauerstoffmangel bewirkt. Er führt dazu, dass abgestorbene Reste von Pflanzen nur unvollständig abgebaut werden. So entsteht Torf, der abgelagert wird. Es vergehen allerdings rund 1000 Jahre, bis sich ein Meter Torf bildet. Durch das stetige Anwachsen der Torfschicht entziehen Moore der Atmosphäre riesige Mengen an Treibhausgas CO2. Eine zehn Zentimeter dicke Torfschicht enthält etwa gleich viel Kohlenstoff wie ein 100-jähriger Wald! Moore speichern am meisten Kohlenstoff. Obwohl sie nach Angaben des Moorzentrum Greifswald mit vier Millionen Quadratkilometern nur drei Prozent der gesamten Landfläche der Erde ausmachen, binden sie schätzungsweise 500 Milliarden Tonnen Kohlenstoff (etwa ein Fünftel des gesamten Kohlenstoffs der Erde), doppelt so viel wie die gesamte Waldmasse unseres Planeten, die 30 Prozent der Fläche bedecken. Moore gelten als eine der wichtigsten Kohlenstoffsenken der Erde. In Europa speichern diese Ökosysteme fünfmal mehr CO2 als Wälder.

Seit dem 17. Jahrhundert werden Moore in Deutschland entwässert und abgebaut. Jeder Hektar entwässertes Moor setzt die gleiche Menge CO2 frei wie ein Mittelklasse-Pkw, der 20.000 Kilometer im Jahr fährt. Neben Kohlendioxid wird vor allem Lachgas freigesetzt, das rund 300-mal klimaschädlicher ist als CO2. Insgesamt werden durch trockengelegte Moore hierzulande so viele Treibhausgase frei wie durch den Flugverkehr. Laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) sind 99 Prozent aller Moore in Deutschland durch Entwässerung geschädigt. Davon gelten fünf bis sieben Prozent als nur gering geschädigt und „naturnah“. Ein Prozent ist intakt. Ursprünglich bedeckten Moore mit 1,5 Millionen Hektar rund vier Prozent der Fläche Deutschlands.

Eine von Greenpeace im Jahr 2017 ausgerichtete Expedition bestätigte die Vermutung, dass sich das Torfmoor entlang des Kongo-Flusses bis weit in die Demokratische Republik Kongo (DRC) erstreckt und eine Fläche von 150.000 Quadratkilometern bedeckt. Dies entspricht  annähernd der Hälfte Deutschlands. Bislang war die Existenz des Moores nur für die Republik Kongo nachgewiesen worden. Es handelt sich somit nach bisherigen Analysen um das weltweit größte zusammenhängende tropische Torfmoor. Insgesamt schätzen die Wissenschaftler der Universität Leeds und Kisangani die Menge des im Kongobecken in Torf gespeicherten Kohlenstoffs auf 30 Milliarden Tonnen. Das entspricht der Menge an klimaschädlichem CO2, die weltweit innerhalb von drei Jahren durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas ausgestoßen wird.

Die Hälfte der weltweiten Emissionen aus Mooren stammt aus Südostasien. Dort treiben Trockenlegung, Entwaldung und häufige Brände die Emissionen nach oben. Eine globale Moorschutz-Inititive („Global Peatlands Initiative“), die federführend vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) koordiniert wird, soll Abhilfe schaffen.

Laut einer 2016 erstmals erstellten Roten Liste gefährdeter Lebensräume in Europa sind Moore die am stärksten gefährdeten Biotope in Europa. Viele der noch vorhandenen Moore werden aber durch Wiedervernässung und Renaturierung wirksam geschützt.

Eine Info-Plattform zum Thema Moor und Klimaschutz finden Sie hier.

 

Mittwoch

Niagarafälle

 

„Niagara“ ist die indianische Abkürzung für „donnerndes Wasser“. Die Flussverbindung zwischen dem Erie- und dem Ontariosee ist 40 Kilometer lang und bildet an einer dolomitischen Schichtstufe die Niagarafälle an der Grenze zwischen den USA und Kanada. Der den Eriesee mit dem Ontariosee verbindende Niagara River, der zugleich die östliche Begrenzung der Niagara-Halbinsel bildet, stürzt 58 Meter in die Tiefe, 2,6 Millionen Liter pro Sekunde. Dabei werden die Fälle durch die oben gelegene Insel Goat Island (Ziegeninsel) in zwei Teile gespalten. Der US-amerikanische Teil hat eine Kantenlänge von 363 Metern, der kanadische eine von 792 Metern. Das Wasser des US-amerikanischen Teils fällt nach 21 Metern auf eine Sturzhalde, die bei einem Felssturz 1954 entstand. Der kanadische Teil, der wegen seiner Krümmung nach einem Hufeisen benannt ist („Horseshoe Falls“), hat eine freie Fallhöhe von 57 Metern.

1885 deklarierte der Bundesstaat New York die Niagarafälle als Naturpark, die Kanadier folgten ein Jahr später.

 

Donnerstag

Anemonen

 

Wie körperlose Wesen fremder Art,
die irgendwo auf lichten Sternen wohnen,
erblühn am Waldesrande scheu und zart
die Blütensterne blasser Anemonen.

Siegfried von Vegesack (1888–1974, deutscher Schriftsteller und Übersetzer)

 

Freitag

Sandlückenfauna

 

Der Terminus Sandlückenfauna bezeichnet einen speziellen Lebensraum in den Lücken zwischen den Sandkörnern vieler Meeres-, Fluss- und Seeböden. Haben die Sandkörner eine bestimmte Korngröße, stehen die Lücken zwischen den Körnern unter Wasser und bilden ein stabiles Kanalsystem. In diesen Kanälen findet man eine Vielzahl tierischer Bewohner, bis zu 5000 einzelne Organismen pro Liter Sand. Meist handelt es sich um mikroskopisch kleine Lebewesen verschiedener systematischer Zugehörigkeit. Darunter sind Einzeller, Borstenwürmer, Fadenwürmer, Krebse und sogar Milben. Die Tiere ernähren sich von Bakterien und mikroskopisch kleinen Algen. Wer seinen Fuß auf den Küstensand setzt, hat in diesem Augenblick etwa 100.000 mehr oder weniger muntere Tierchen unter seiner Sohle, und unter einem ausgebreiteten Badetuch dürften es bis in einen Meter Tiefe sogar zehn Millionen sein.

 

Samstag

Löwe – „König der Tiere“

 

Der Löwe ist durch die Mähne des Männchens gekennzeichnet und ist heute in Afrika sowie im indischen Bundesstaat Gujarat beheimatet. Nach dem Tiger ist der Löwe die zweitgrößte Katze und damit das größte Landraubtier Afrikas. Ein Löwenmännchen hat eine Kopfrumpflänge von 170 bis 250 Zentimetern, eine Schulterhöhe von bis zu 123 Zentimetern und eine Schwanzlänge von rund einem Meter. Ausgewachsene männliche Tiere kommen auf ein durchschnittliches Körpergewicht von 190 Kilogramm.

Im Unterschied zu anderen Katzen lebt der Löwe in Rudeln. Ein solches Rudel besteht vor allem aus untereinander verwandten Weibchen und deren Nachkommen, die von einer „Koalition“ aus einigen ausgewachsenen Männchen verteidigt werden. Die Größe des Reviers und die Anzahl der Beutetiere korreliert mit der Rudelgröße, die zwischen drei und 30 Exemplaren liegen kann. Das Revier eines Löwenrudels umfasst 20 bis 400 Quadratkilometer.

Während in den 1950er Jahren noch rund 400.000 Löwen in Afrika gezählt wurden, soll ihre Zahl inzwischen auf 25.000 zurückgegangen sein. Die meisten Raubkatzen leben außer in Kenia und Tansania im Südlichen Afrika, in Südafrika soll es noch rund 3000 wilde Löwen geben.

Der vom Aussterben bedrohte Asiatische Löwe, eine Unterart des Löwen, ist etwas kleiner als der afrikanische Löwe. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet reichte bis nach Südosteuropa sowie in den Mittleren und den Nahen Osten. Durch die Jagd wurde er fast ausgerottet, 1913 waren nur mehr 20 Individuen nachweisbar. Die indische Regierung verbot 1955 die Löwenjagd, zehn Jahre später wurde der im Gir-Nationalpark auf der Halbinsel Kathiawar im westindischen Bundesstaat Gujarat gegründet. Nur noch dort kommt der Asiatische Löwe in freier Wildbahn vor. Sein Vorkommen wird auf etwa 300 Tiere geschätzt.

 

Sonntag

Aufrechter Gang

 

Der Zielinhalt, das Zielbild im Naturrecht ist nicht das menschliche Glück, sondern aufrechter Gang, menschliche Würde, Orthopädie des aufrechten Gangs, also kein gekrümmter Rücken vor Königsthronen usw., sondern Entdeckung der menschlichen Würde, die eben gleichwohl zum großen Teil nicht aus den Verhältnissen abgeleitet wird, denen man sich anpaßt, sondern (…) von dem neuen, stolzen Begriff des Menschen als einem nicht kriecherischen, reptilhaften, vielmehr einem mit hoch erhobenem Kopf…

Ernst Bloch im Gespräch mit José Marchand 1974, in: Tagträume vom aufrechten Gang, herausgegeben von Arno Münster, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1977, Seite 83


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