12. Kalenderwoche (21.–27. März 2022)

 

Frühling Lebensraum Wald Wüste Alt- und Totholz Hummeln Gorillas Hand

 

 

Montag

Frühling

 

Die Jahreszeiten sind der geheime Motor allen Lebens auf der Erde. Seit Ende der Eiszeit prägen sie den Rhythmus der Natur. Menschen, Tiere und Pflanzen richten sich nach ihnen.

Frühling – nüchterne Betrachtungsweise: Tag- und Nachtgleiche, Deklination der Sonne (= einer der beiden Koordinaten am Himmel) hat den Wert 00 und nimmt positive Werte an, das heißt, die Sonne überquert den Himmelsäquator in Richtung Norden. Etwas weniger nüchtern: Blickt man am Nachmittag im Garten nach unten, sieht man einen Krokus, schaut man nach Einbruch der Dunkelheit nach oben, sieht man den Löwen: Es ist Frühling!

Der Frühlingsanfang erinnert an den Ablauf der Jahreszeiten. Man mag dies manchmal als störend empfinden (zum Beispiel beim Schneeräumen im Winter), insgesamt ist dies jedoch bedeutsam für das Leben auf unserer Erde. Den präzisen Ablauf der Jahreszeiten verdanken wir der Tatsache, dass unser Mond die Stellung der Erdachse im Raum (Neigung gegen die Bahnebene: etwa 23º) enorm stabilisiert – ohne den Mond würde die Achse ständig taumeln, die Entwicklung des Lebens wäre wohl nicht so verlaufen, wie wir es jetzt wahrnehmen. Der Mond bewirkt die Gezeiten – der Wechsel des Wasserstands hat die Evolution, den Übergang vom Leben im Wasser auf das Festland erst ermöglicht. Wenn die Erdachse senkrecht auf der Bahnebene stehen würde, gäbe es keine Jahreszeiten – also auch keinen Frühling –, aber gerade die Abfolge der Jahreszeiten hält das Leben in Gang. Auch der Wert der Neigung (23º) ist für die richtige „Dosierung“ verantwortlich. Mit schlauen Computerprogrammen kann man auch die Auswirkung von anderen Neigungen simulieren und die Auswirkung auf die Lebensbedingungen studieren – wir können geradezu dankbar sein, dass die Neigung genau den „richtigen“ Wert hat.

Text: Rupert Schlösinger

Wenn die Vögel anfangen, ihre Nester zu bauen, ist das ein so untrügliches Zeichen für den Frühlingsbeginn wie die ersten zarten Blätter an den Bäumen. Wie eine am 24. März 2022 im Fachmagazin „Journal of Animal Ecology“ veröffentlichte Studie zeigt, brüten viele Vögel allerdings heute früher als noch vor hundert Jahren. Die Forschenden sehen darin eine Folge der Klimaveränderung, die dazu geführt hat, dass viele Pflanzen früher blühen und entsprechend früher als noch vor Jahrzehnten Insekten anziehen, von denen sich diese Vögel ernähren. Der Frühling beginnt auf der Nordhalbkugel immer früher, und zwar vor allem in der Polarregion. In der Arktis starte das Frühjahr heute bis zu 16 Tagen früher als noch vor zehn Jahren, berichteten US-Forscher im Jahr 2018 im Fachmagazin „Scientific Reports“. Auslöser für den Trend sei vermutlich die Temperatur, die im hohen Norden stärker ansteige als in niedrigeren Breitengraden. Die Forscher fürchten, dass die Veränderungen wandernde Tierarten beeinträchtigten – etwa Zugvögel, die zum Brüten in die Arktis kommen. Es gebe bereits einzelne Studien, die gezeigt haben, dass die Natur zunehmend früher aus dem Winterschlaf erwacht, schrieben die Forscher um Eric Post von der University of California in Davis. Eine solche Entwicklung ist auch in Deutschland feststellbar. „Seit etwa Ende der 1980er Jahre beobachten wir, dass der Frühling deutlich früher beginnt“, sagt Anja Engels vom Deutschen Wetterdienst.

Die ersten Lichter, die Sie abends am Sternenhimmel funkeln sehen, sind oft keine Sterne, sondern Planeten. Denn die meisten Planeten strahlen viel heller als alle Sterne, weil sie uns vergleichsweise nah sind und das Sonnenlicht stark reflektieren. Der März bietet wunderschöne Planetenkonstellationen. Morgens strahlt tief im Südosten die helle Venus in enger Begleitung von Mars, der allerdings immer noch schwer zu sehen ist. Ende März taucht auch noch Saturn als dritter Planet auf, ein strahlendes Dreieck über dem Horizont, an dem zugleich noch die Mondsichel vorbeizieht.

 

Dienstag

Lebensraum Wald

 

Laut Definition der Vereinten Nationen muss eine Fläche ab einem halben Hektar zu mindestens zehn Prozent aus Bäumen bestehen, die drei bis sieben Meter hoch gewachsen sind, um als Wald zu gelten. Bereits in einem kleinen Wald bilden sich Ansätze eines Waldbinnenklimas heraus, das von ausgeglicheneren Temperaturen, geringerer Lichtintensität und höherer Luftfeuchtigkeit geprägt ist als das Offenland.

„Wälder sind höchst komplexe Ökosysteme, die in ihrer biologischen Produktivität von keinem anderen Landökosystem übertroffen werden. Dies gilt vor allem für tropische Regenwälder. Aber auch die Waldbiodiversität – der Artenreichtum – in den kalten bis gemäßigten Erdregionen gehört zweifelsfrei zu den größten Wundern der Schöpfung. Die Wälder der Erde sind jedoch nicht nur eine natürliche Arche für den größten Teil der terrestrischen Flora und Fauna. Sie sind auch für die Zusammensetzung der Atmosphäre, unserer Atemluft, und für die Stabilität des Weltklimas unentbehrlich. Sie sind die wichtigste Sauerstoffquelle und zugleich auch die einzig wirksame Kohlendioxidsenke, die sich der Mensch nutzbar machen kann.“ (Reinhard Lassek, Kein Spaziergang für den Wald, in: Zeitzeichen 8/2008, S. 30–32 [31])

Wälder produzieren Sauerstoff, speichern Wasser und sind Klimaschützer, denn sie binden beim Wachstum durch die Photosynthese Kohlendioxid. Wälder nehmen weltweit rund ein Drittel des freigesetzten Kohlendioxids auf – jährlich mehr als drei Milliarden Tonnen.
Derzeit (2020) sind rund 38 Prozent der Fläche der Europäischen Union mit Wald bedeckt. Die Bäume nehmen durch die Photosynthese rund zehn Prozent der Treibhausgase auf, die unionsweit ausgestoßen werden.
In Deutschland nehmen die wachsenden Bäume pro Jahr rund 52 Millionen Tonnen CO2 neu aus der Atmosphäre auf und lagern Kohlenstoff im Holz und im Waldboden ein. Damit kompensieren sie etwa sechs Prozent der Emissionen in Deutschland. Doch wenn er weiter so genutzt wird wie bisher, wird dieser Wert sinken, prognostizieren Forscher des Freiburger Öko-Instituts in einer am 28. Februar 2018 veröffentlichten Greenpeace-Studie. Laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts (Destatis) vom 5. Oktober 2021 speichert der Wald deutschlandweit rund 3,1 Milliarden Tonnen Kohlenstoff – das entspricht umgerechnet 11,5 Milliarden Tonnen CO2. Dabei ist der Waldboden der größte Kohlenstoffspeicher: Knapp die Hälfte (46,8 Prozent) des gesamten Kohlenstoffs in deutschen Wäldern bindet der Waldboden mit seiner Streu- und Humusauflage, gefolgt vom sogenannten stehenden Holz (28,9 Prozent), der sonstigen Holzbiomasse wie Sträucher oder Büsche (16,0 Prozent) und der sonstigen Biomasse mit 8,3 Prozent.

Laut der Umweltorganisation WWF leben zwei Drittel aller weltweit bekannten Tier- und Pflanzenarten im Wald. In Deutschland sind es allein 1215 Pflanzenarten, darunter 90 Baum- und Straucharten.

Der 1997 gegründete Nationalpark Kalkalpen in Oberösterreich ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas.

Der Waldbestand unseres Planeten stellt sich aus der Sicht der modernen Wissenschaft nicht als Summe einzelner, abgegrenzter Lebensgemeinschaften dar, sondern als einheitliches System, sozusagen als Weltwald, ähnlich wie die Gesamtheit aller Meere und Ozeane das Weltmeer bildet. Deshalb ist hier jegliche, noch dazu undurchdachte Einmischung mit ernsthaften Folgen verbunden. Wissenschaftler haben ermittelt, dass der Wald Einfluss auf die Strahlungsbalance, die atmosphärische Zirkulation und den Feuchtigkeitshaushalt hat, das heißt ein klimabildender Faktor von großer Bedeutung ist.

Der Wald ist in Schichten aufgebaut, dauerhaft mit Gehölzen bewachsen und durch ein komplexes Zusammenwirken von Pflanzen, Tieren und Kleinstlebewesen gekennzeichnet. Damit ist der Wald mehr als nur eine Ansammlung von Bäumen verschiedener Arten und Größen. Bei optimaler Ressourcennutzung ist er das produktivste Landökosystem. Wenn es regnet, filtert und speichert der Waldboden den Niederschlag und gibt ihn langsam unterirdisch an die Trinkwasserquellen ab. Wälder treten weltweit überall dort auf, wo eine bestimmte minimale Niederschlagsmenge gewährleistet ist. Fällt weniger Niederschlag, gehen die Wälder in eine Savanne, Steppe oder Wüste über.

Einige Wochen vor dem Tag des Baumes am 25. April 2017 stellte die Organisation Botanic Gardens Conservation International (BGCI) eine Online-Datenbank vor, die erstmals alle bekannten Baumarten auf der Welt auflistet. Demnach gibt es rund um den Globus 60.065 verschiedene Baumarten, die meisten davon in Brasilien, Kolumbien und Indonesien.

Als Urwälder werden Waldökosysteme bezeichnet, die niemals durch menschliche Eingriffe verändert wurden. Urwälder haben seit ihrem Entstehen nach der letzten Eiszeit, die vor rund 12.000 Jahren endete, eine ununterbrochene, natürliche Entwicklung durchlaufen. Die Bäume sind teils mehr als 500 Jahre alt. Viele „Urwald-Arten“ wie seltene Käfer, Vögel, Pilze, Flechten oder Bodenorganismen haben hier ihre letzten Überlebensinseln. Naturschützer schätzen die unberührten Reste nacheiszeitlicher Wälder auf wenige 10.000 Hektar innerhalb der Europäischen Union. Sie stehen in Rumänien und in Polen an der Grenze zu Weißrussland. Die Kampagne „Save Paradise Forests“ von Euronatur und Agent Green setzt sich für die Bewahrung der rumänischen Urwälder ein.

Um auf die Funktionen und Gefährdungen dieses Ökosystems aufmerksam zu machen, wird seit dem Jahr 2012 vom Bund Deutscher Forstleute der Titel Waldgebiet des Jahres verliehen. Waldgebiet des Jahres 2022 sind die Erdmannwälder.

Jedes Jahr im Oktober wird von der „Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung“ (vormals Menschen für Bäume) und durch deren Fachbeirat, das „Kuratorium Baum des Jahres“ (KBJ), für das darauffolgende Jahr der Baum des Jahres bestimmt. Baum des Jahres 2022 ist die Rot-Buche Fagus sylvatica.

Am 5. Oktober 2019 ist eine dicke Linde aus dem Emsland als Deutschlands erster „Nationalerbe-Baum“ ausgezeichnet worden. Mit dem Titel will die Deutsche Dendrologische Gesellschaft laut eigener Mitteilung das Bewusstsein für besonders alte, außergewöhnliche Bäume schärfen. Die Dendrologie beschäftigt sich mit der Lehre von den Bäumen und Gehölzen. Die Sommerlinde in Heede im Emsland hat einen Stammumfang von 17 Metern. Ihr Alter kann nur geschätzt werden – es liegt nach Angaben der Gesellschaft bei etwa 600 bis 800 Jahren.

Bestimmte Bäume können in Einzelfällen mit Hilfe raffinierter Mechanismen mehrere Tausend Jahre alt werden. Mit etwa 4800 Jahren gilt die Langlebige Kiefer (Pinus longaeva) Methuselah im US-amerikanischen Inyo National Forest als einer der ältesten Bäume der Welt. Die Zypresse von Abarqu im Iran ist mehr als 4000 Jahre alt. Ginkos können mehr als 1000 Jahre alt werden. Einer der ältesten Bäume in Europa ist der Kastanienbaum der hundert Pferde, eine Edelkastanie (Castanea sativa) am Osthang des Vulkans Ätna auf Sizilien, die auf ein Alter von 2000 bis 4000 Jahren geschätzt wird. „Old Tjikko“, eine Gemeine Fichte (Picea abies) in der schwedischen Provinz Dalarna im Nationalpark Fulufjället gilt mit laut wissenschaftlicher Analysen 9550 Jahren als ältester Baum der Welt.

„In der mexikanischen Provinz Oaxaca steht in dem Dorf Santa María del Tule eine riesige Zypresse. Der „Baum von Tule“ mit seinem Stammdurchmesser von 14 Metern gilt als dickster Baum und größtes Lebewesen der Erde. Einer lokalen Zapoteken-Legende nach wurde der Baum vor 1.400 Jahren von Pechocha, einem Priester des aztekischen Gottes Ehecatl, gepflanzt. Der Baum hat den Namen „Baum des Lebens“ bekommen. Dem rund 1.500 Jahre alten Riesen wird alljährlich ein religiöses Fest zur Feier seiner Langlebigkeit gewidmet.“ (Zum Film „Ein Traum von Baum“ auf arte)

Laub raschelt unter den Füßen, Äste knacken, es duftet nach Tannennadeln und Erde – ein Spaziergang im Wald ist ein leicht erreichbares Naturvergnügen für jedermann!

  • Esther Gonstalla, Das Waldbuch. Alles, was man wissen muss, in 50 Grafiken, Oekom Verlag, München 2021

21. März: Internationaler Tag der Wälder

 

Mittwoch

Wüste – Lebensraum der Extreme

 

Die Erde ist nicht nur ein Wasser-, sondern auch ein Wüstenplanet. Ein Fünftel ihrer Landfläche wird von Sand-, Stein- oder Eiswüsten bedeckt. Mit 14 Millionen Quadratkilometern ist die Antarktis mit Abstand die größte Wüste der Erde, es folgt mit neun Millionen Quadratkilometern die Sahara. Teile der Atacama-Wüste in Südamerika sind am trockensten – hier fällt noch nicht einmal 0,1 Millimeter Regen pro Jahr, mancherorts ist seit Jahrhunderten kein Tropfen gefallen.

„Wüsten zählen zu den lebensfeindlichsten Gebieten der Erde. Dennoch behaupten sich geniale Anpassungskünstler in diesen extremen Arealen.“ (Eine Erde – viele Welten (2/6) Wüsten | 3sat)

Natürliche Wüsten prägen in manchen Regionen der Welt seit Jahrtausenden das Gesicht der Landschaft. Diese Ökosysteme entstehen überall dort, wo im Jahr weniger als 200 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fallen und Wind und Sonne das wenige Wasser rasch verdunsten lässt. In Wüsten bedeckt die Vegetation weniger als fünf Prozent der Oberfläche. Es gibt heiße Dünen und eisige Hochebenen; einige Wüsten dehnen sich durch den Klimawandel aus, andere schrumpfen durch menschliche Besiedlung. All diese Veränderungen haben wiederum Folgen für den Rest der Welt. Doch wenn man erst selbst durch die Endlosigkeit einer Wüste wandert, scheinen sämtliche düsteren Prognosen weit entfernt. Das mag der Trost sein, nach dem Reisende suchen. „Die Wüste erscheint ihren Bewohnern unvergänglich“, schrieb der Tuareg-Philosoph Mano Dayak, „und wer diese Landschaft liebt, kann an dem Gefühl der Unsterblichkeit teilhaben.“ (National Geographic, Juni 2008, 148)

Die zum größten Teil in Saudi-Arabien liegende Rub Al Khali ist die größte zusammenhängende Sandwüste der Erde. Die fast menschenleere Wüste bedeckt das südliche Drittel der Arabischen Halbinsel. Sie misst 780.000 Quadratkilometer, eine Fläche eineinhalb Mal so groß wie Spanien, und besteht weitestgehend aus Dünen, die bis zu 300 Meter hoch sein können. Die Temperaturen reichen von nachts 0 bis 60 Grad tagsüber. „Rub Al Khali“ heißt übersetzt so viel wie „Leeres Viertel“.

  • Gerald Mansberger, Markus Eisl, Wüsten. Lebensraum der Extreme. Bildband mit Texten, Verlag eoVision, Salzburg 2019

 

Donnerstag

Alt- und Totholz – voller Leben

 

Als artenreiche Trittsteine im Biotopverbund gelten Uraltbäume und Totholz. Totholz nennt man durch Krankheit abgestorbene, überalterte oder vom Sturm entwurzelte Bäume und abgeworfene Äste. In einem naturbelassenen Wald liegt der Anteil an Totholz bei bis zu 30 Prozent (in einem Wirtschaftswald ist es nur ein geringer einstelliger Prozentsatz). Naturwälder beherbergen 50 bis 300 Kubikmeter liegendes und stehendes Totholz je Hektar. Dieses Holz ist für die Natur äußerst wichtig. Es bietet Lebensraum für Insekten, Mäuse, Fledermäuse und höhlenbrütende Vögel wie Specht, Kleiber, Star, Meise, Feldsperling, Gartenrotschwanz oder Trauerschnäpper. Totholz wird durch eine unglaubliche Vielzahl von Organismen zersetzt und letztlich zu wertvollem Humus. Neben mikroskopisch kleinen Organismen sind es vor allem Pilze und Insekten (hauptsächlich Käfer), die daran beteiligt sind. Allein 1300 Käfer- und 1500 Großpilzarten haben sich auf abgestorbene Äste, hohe Stämme oder modrige Wurzelstöcke spezialisiert. Je nach Standort und Lage entsteht eine spezifische Lebensgemeinschaft. Ein Mangel an Totholz bedeutet Lebensraum- und Nahrungsverlust zahlreicher Totholzbesiedler und letztlich auch eine Verarmung des Waldbodens.

Forschungen haben gezeigt, dass es weniger auf die Menge des im Wald belassenen Totholzes ankommt – viel wichtiger ist die Vielfalt: Es braucht Holz verschiedener Baumarten mit unterschiedlichen Durchmessern und Zersetzungsstadien, und das an möglichst unterschiedlichen Standorten.

21. März: Internationaler Tag der Wälder

 

Freitag

Hummeln – Bienen im Pelz

 

Hummeln entwickelten sich aus den Bienen: In einer etwas kühleren Periode der Erdgeschichte wurden einige Bienenarten etwas größer und pelziger: Wahrscheinlich vor 30 bis 40 Millionen Jahren bevölkerten die ersten Hummeln die Erde. Weltweit gibt es etwa 250 Hummelarten. Von den 70 europäischen Arten leben 36 in Deutschland. Während Honigbienen erst bei Außentemperaturen ab etwa zehn Grad Celsius so richtig munter werden, sind Hummeln durchaus schon bei sechs Grad Celsius unterwegs. Die Königinnen lassen sich sogar blicken, wenn die Wiesen leicht von Reif bedeckt sind.

Hummeln fliegen bis zu 20 Stundenkilometer schnell. 1996 entdeckten Forscher nach Aufnahmen mit einer Superzeitlupenkamera, dass sich ihre Flügel bis zu 200-mal pro Sekunde kreisförmig bewegen. Erst vor wenigen Jahren wurde ein weiteres erstaunliches Phänomen entdeckt: In der Mittel der Flügel befindet sich ein kleines Gelenk, dass dafür sorgt, dass Hummeln mindestens das Doppelte ihres Körpergewichts tragen können.

Jede Hummel fliegt im Sommer von vier Uhr morgens bis 22 Uhr am Abend etwa 1000 Blüten an. Bei ihrer Nahrungssuche finden sie zwischen Tausenden von Blüten automatisch die kürzeste Wegstecke und schlagen bei der Berechnung derselben selbst modernste Hochleistungs-Computer. Obwohl die Insekten beim Nektarsammeln ihre Quellen in zufälliger Reihenfolge anfliegen, lernen sie innerhalb kurzer Zeit, die optimale Route zu fliegen. Sie lösen damit eine in der Wirtschaft als „Problem des Handelsreisenden“ bekannte Aufgabe schneller als jeder Supercomputer, haben Forscher der Queen Mary Universität in London festgestellt. Die Nektarsammler stellen in ihrem winzigen Gehirn Verbindungen zwischen Hunderten von Blüten mit einer minimalen Flugdistanz her und finden ihren Weg wieder zurück. Sie seien das einzige bekannte Tier mit dieser spezifischen, mathematischen Fähigkeit, konstatieren die Londoner Wissenschaftler.

Hummeln erkennen mit Hilfe ihrer Haare nektarreiche Blüten. Biologen der Universität Bristol in England haben herausgefunden, dass nicht nur Duft und Farbe der Blumen die Insekten anziehen. Ihr dicker Pelz registriert die schwache negative Ladung von prall gefüllten Blüten, woraufhin die vielen Härchen förmlich anfangen zu vibrieren, was wiederum die Nerven der Haarwurzeln anregt. Dadurch wissen die Tiere, ob es sich lohnt, eine Blüte anzufliegen oder nicht. (PNAS 2016)

Britische Forscher um Richard Pearce haben herausgefunden, dass Hummeln eine persönliche Duftnote hinterlassen, wann immer sie sich niederlassen. „Hummeln sondern eine Substanz ab, wann immer ihre Füße eine Oberfläche berühren – ganz ähnlich wie wir einen Fingerabdruck an allem Hinterlassen, was wir berühren“, erläutert Pearce. Die Hummeln können so feststellen, ob eine Blüte von einem Tier aus dem eigenen oder einem fremden Nest besucht wurde oder ob sie selbst dort schon waren. So können sie kürzlich geleerte Blüten meiden oder einschätzen, ob andere Hummeln im gleichen Revier fliegen. Die Wissenschaftler haben darüber im Jahr 2017 in der Zeitschrift „Scientific Reports“ berichtet.

  • Dave Goulson, Und sie fliegt doch. Eine kurze Geschichte der Hummel, Hanser Verlag, München 2014

 

Samstag

Gorillas

 

Gorillas sind nach dem Menschen die größten und schwersten Affen in der Familie der Menschenaffen (die Familie der Menschenaffen gliedert sich heute in vier Gattungen mit sieben Arten: Westlicher Gorilla, Östlicher Gorilla; Bonobo oder Zwergschimpanse, Gemeiner Schimpanse; Sumatra-Orang-Utan, Borneo-Orang-Utan; Mensch). Aufrecht stehend misst ein ausgewachsenes Männchen bis zu zwei Meter und bringt 220 Kilogramm auf die Waage; Berggorilla-Männchen können sogar noch schwerer werden. Die Weibchen sind deutlich kleiner und leichter: Sie werden nur etwa 140 Zentimeter groß. Gorillas haben meist ein schwarzes Fell, lange Arme, kurze, kräftige Beine und sehr große Hände und Füße. Typisch für Gorillas sind die dicken Augenbrauenwülste.

Wurden früher alle Tiere zu einer Art zusammengefasst, so unterscheiden jüngere Systematiken zwei Arten mit jeweils zwei Unterarten: den Westlichen Gorilla, der in den Westlichen Flachlandgorilla und den Cross-River-Gorilla aufgeteilt wird, und den Östlichen Gorilla, bei dem zwischen dem Östlichen Flachlandgorilla und dem Berggorilla unterschieden wird

Gorillas leben nur in den tropischen Regionen Zentralafrikas. Sie sind ausgesprochene Waldbewohner, lieben offene Regenwälder mit Lichtungen und halten sich deshalb vor allem an Berghängen und entlang von Flüssen auf. Wichtig ist ein dicht bewachsener Boden aus vielen Pflanzen und Büschen, damit die Tiere genügend Nahrung finden. Gorillas sind die ausgeprägtesten Blätterfresser unter den Menschenaffen.

Bis vor kurzem war kein Werkzeuggebrauch bei freilebenden Gorillas bekannt. Im Jahr 2005 wurden allerdings erstmals Tiere fotografiert, die mit Hilfe eines Stockes die Tiefe eines Gewässers ausloteten, bevor sie es durchquerten, und die ein Holzstück als Brücke auf sumpfiges Gelände legten, um es leichter passieren zu können.

Gorillas sind seit 1975 im Washingtoner Artenschutzübereinkommen gelistet. Somit ist der internationale kommerzielle Handel mit den Tieren oder ihren Teilen verboten. 2008 trat das Abkommen zur Erhaltung der Gorillas und ihrer Lebensräume in Kraft. Das Abkommen wurde bislang von der Zentralafrikanischen Republik, der Republik Kongo, Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda und Gabun unterzeichnet. Es soll dem Schutz aller Gorilla-Arten dienen. Die Gesamtpopulation der Gorillas wird auf rund 100.000 Tiere geschätzt. Am 4. September 2016 stufte die Weltnaturschutzunion (IUCN) beide Unterarten des Östlichen Gorilla in die höchste Gefährdungskategorie der Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten ein.

Der Westliche Flachlandgorilla besiedelt ein Gebiet vom Süden Nigerias bis zum Kongo-Fluss. Er ist stark gefährdet, einige Populationen sind vom Aussterben bedroht.

Cross-River-Gorillas, die zweite Unterart des Westlichen Gorillas und seltenste aller Gorilla-Unterarten, kommen ausschließlich in der Grenzregion zwischen Nigeria und Kamerun vor und sind nach dem dort verlaufenden Fluss Cross River benannt. Sie sind akut vom Aussterben bedroht. Laut der Weltnaturschutzunion (IUCN) gibt es nur noch etwa 300 Exemplare. Lange galten die Tiere als ausgestorben, bis sie in den 1980ern wieder entdeckt wurden.

Um die größte Gorilla-Unterart, die Östlichen Flachlandgorillas, auch Grauergorillas genannt, steht es nach Angaben von Tierschützern schlechter als bisher angenommen. Die Bestände seien in den vergangenen 20 Jahren um mehr als 77 Prozent gefallen, berichtete am 6. April 2016 der WWF. Der WWF bezieht sich auf eine Studie der Wildlife Conservation Society und von Fauna & Flora International. Derzeit lebten nur noch 3800 Tiere in Wäldern im Osten der Demokratischen Republik Kongo. 1995 habe ihre Zahl noch bei 17.000 gelegen. Verantwortlich seien unter anderem bewaffnete Konflikte, Wilderei und Bergbau. Einer der Hauptgründe für den Bestandsschwund ist laut WWF die mit dem vermehrten Abbau von Coltan einhergehende Lebensraumzerstörung.

Berggorillas bewohnen nur zwei kleine Gebiete im östlichen Afrika: die Hänge der Virunga-Vulkane im Grenzgebiet der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda und Uganda und den Bwindi Impenetrable National Park im südwestlichen Uganda. Der Virunga-Nationalpark ist der älteste Nationalpark in Afrika. Er ist rund 7800 Quadratkilometer groß – fast neun Mal die Fläche Berlins. Laut einer Mitteilung des WWF von 16. Dezember 2019 ist die Zahl der stark gefährdeten Berggorillas erneut gestiegen. Dies gehe aus einer aktuellen Erhebung in Uganda und der Demokratischen Republik Kongo hervor. In zwei länderübergreifenden Schutzgebieten habe die Population der seltenen Menschenaffen von 400 im Jahr 2011 auf nun 459 Tiere zugenommen, was einem Zuwachs von fast 15 Prozent entspricht. Zusammen mit der zweiten Population um den Nationalpark Virunga im Grenzgebiet der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda und Uganda, wo 604 Individuen zuhause sind, erhöhe sich die Gesamtzahl der Berggorillas damit auf 1.063 Tiere. Im Virunga-Nationalpark befindet sich seit 2009 auch das Senkwekwe-Zentrum, das weltweit einzige Waisenhaus für Berggorillas. Der US-amerikanischen Zoologin und Verhaltensforscherin Dian Fossey, die sich der Erforschung des Verhaltens sowie dem Schutz der Berggorillas widmete, ist es zu verdanken, dass die Berggorillas die einzigen Menschenaffen der Erde sind, deren Population wächst. Die Tiere waren und sind vor allem durch Wilderei bedroht. – Die Demokratische Republik Kongo will künftig erlauben, dass in Teilen des östlichen Virunga-Nationalparks und des zentralen Salonga-Parks (beide Parks sind wegen ihrer einzigartigen Ökosysteme Unesco-Welterbestätten) nach Öl gebohrt werden darf. U.a. soll ein Fünftel des östlichen Virunga-Nationalparks für Ölprobebohrungen freigegeben werden, heißt es in dem am 29. Juni 2018 bekanntgewordenen Beschluss des Ministerrats.

Evolutionsgeschichtlich ist der Orang-Utan unter den Menschenaffen der am weitesten entfernte Verwandte des Menschen; die gemeinsame Evolution endete vor 12 bis 16 Millionen Jahren. Seit zehn Millionen Jahren gehen die Gorillas eigene Wege. Vor 6,5 Millionen Jahren spaltete sich die Linie der Schimpansen von der des Menschen ab.

 

Sonntag

Hand

 

Mit ihren 27 Knochen befindet sich etwa ein Viertel der Knochen des menschlichen Körpers in den Händen. Die Handwurzel wird bei ihm aus den acht Handwurzelknochen (Kahnbein, Mondbein, Kopfbein, Großes Vieleckbein, Kleines Vieleckbein, Dreieckbein, Erbsenbein, Hakenbein) gebildet, die gelenkig miteinander verbunden sind. die Handwurzel schließt sich die Mittelhand an, die aus fünf langgestreckten Mittelhandknochen gebildet wird. Den frei beweglichen Teil der menschlichen Hand stellen die Finger mit ihren insgesamt 14 Fingerknochen (zwei für den Daumen und je drei für die anderen vier Finger) dar. Die Muskulatur der Hand ist sehr komplex. Ein Großteil der 33 Muskeln liegt im Unterarm und entsendet lediglich seine Sehnen in die Hand. Gruppen von kräftigeren Muskeln in der Hand selbst bilden den Thenar auf der Daumenseite und den Hypothenar auf der Seite des kleinen Fingers. Kleine Muskeln liegen zwischen den Mittelhandknochen. Die Handfläche bzw. der Handteller ist durch eine robuste Sehnenplatte geschützt und erlaubt somit einen kraftvollen Griff. Die Haut der Hand und besonders der Fingerenden ist sehr reich mit verschiedenen Rezeptoren besetzt und gestattet eine hohe haptische Sensibilität. In der Handinnenfläche nehmen 17.000 Fühlkörperchen Druck-, Bewegungs- und Vibrationsreize auf. (Quelle: Wikipedia)

„Das Organ der Liebkosung ist die Hand: die Hand, die berührt, die Hand, die streichelt, die Hand, die eine Beziehung herstellt, die Hand, die Wärme spendet, die Hand, die beruhigt. Hier ist die Hand mehr als nur Hand. Sie ist die ganze Person, die mithilfe der Hand und in der Hand eine Seinsweise der zärtlichen Zuwendung verkörpert. Die Liebkosung reicht an die Tiefe des Menschen heran, an seine Personmitte. Damit die Liebkosung wirklich echt ist, müssen wir das Tiefen-Ich kultivieren und nach dem Innersten und Wahrhaftigen in uns suchen, nicht nur nach dem oberflächlichen bewussten Ich, das stets voller Sorgen und Widersprüche ist.“ (Leonardo Boff, Herzenssache. Warum uns die Vernunft allein nicht weiterbringt. Aus dem Portugiesischen übersetzt von Bruno Kern, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer 2016, S. 85)


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