11. Kalenderwoche (15.–21. März 2021)

 

Nachthimmel  Donau  Amazonas  Weidenkätzchen  Kraniche  Orang-Utans  Schmecken

 

 

Montag

Nachthimmel

 

„Warum ist es nachts dunkel?“ Die meisten von uns haben als Kind diese Frage an die Eltern gerichtet – heute empfinden wir dies vielleicht als naiv. Der Astronom Olbers stellte Mitte des 19. Jahrhunderts dazu ein Gedankenexperiment auf: Stellen wir uns außerhalb der Erde und relativ weit weg eine Kugel vor, die man vergrößern kann. Verdoppelt man den Durchmesser, so erfasst man – bei einer gleichmäßigen Verteilung der Sterne – die vierfache Anzahl der Sterne und damit mehr Licht; gleichzeitig würde das Licht von dort wegen der größeren Entfernung viermal schwächer als vorher. Da sich beide Effekte (Vergrößerung der Zahl der Sterne und Abschwächung des Lichtes) gegenseitig aufheben, käme von jeder dieser Kugelschalen gleich viel Licht. Wäre unser Weltall unendlich groß (vielleicht ist auch diese Vorstellung naiv?), dann wäre es in der Nacht also taghell. Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage heißt also: „Weil unser Weltall endlich ist!“ Endlich bedeutet nicht: begrenzt! Wir können uns auf unserer Erde – unter Verwendung geeigneter Transportmittel – in jeder Richtung beliebig weit bewegen, ohne an eine Grenze zu stoßen, und doch hat die Oberfläche der Erde einen endlichen Wert.

Beobachtung des Nachthimmels
Viele von uns besitzen ein Fernglas, das man vielleicht zu Naturbeobachtungen verwendet. Richtet man das Fernglas auf den Nachthimmel, so erfasst man von einem Stern wegen der im Vergleich zur Pupille des menschlichen Auges größeren Auffangfläche mehr Licht; gleichzeitig wird der erfasste Flächenbereich der Hintergrundhelligkeit kleiner. Ein Fernglas erhöht also den Kontrast, wir sehen die Sterne als funkelnde Diamanten vor dem samtschwarzen Hintergrund. Tipp: Sternhaufen, z.B. Plejaden (Hilfe zur Suche: Internet).

Text: Rupert Schlösinger

Samstag, 20. März 2021, 10:37 Uhr: astronomischer Frühlingsanfang

 

Dienstag

Donau – Fluss, der verbindet, Lebensader Europas

 

Mehr als 28.000 Kilometer legt die Donau auf ihrem Weg von der Quelle im Schwarzwald bis zum Delta an der rumänisch-ukrainischen Schwarzmeerküste zurück und ist damit nach der Wolga der zweitlängste Fluss Europas. Dabei durchfließt sie unterschiedlichste Landschaften und Klimazonen und ändert mehrmals ihren Charakter. Hochwasser und Dürreperioden bestimmen das Leben am Strom ebenso wie die Jahreszeiten. Entlang der Donau herrscht nie Stillstand. Alles steht unter dem Einfluss des Wetter- und Klimageschehens. Hochwasser und Dürreperioden bestimmen das Leben am Strom ebenso wie die Jahreszeiten. Sie steuern Vogelzug, Paarungs- und Brutperioden, Jagdsaison und Winterruhe. Wo die Donau fließt, beeinflusst sie maßgeblich die Natur und das Leben der Menschen.

Im Mündungsgebiet der Donau in das Schwarze Meer befindet sich das Biosphärenreservat Donaudelta. Es stellt nach dem Wolgadelta das zweitgrößte Delta Europas dar und umfasst ein Gebiet von 5800 Quadratkilometern, wovon 72 Prozent mit einer Fläche von 4178 Quadratkilometern unter Naturschutz stehen. Gut drei Viertel des Gebiets stehen ständig oder zeitweise unter Wasser. Das riesige Delta der Donau in Rumänien und der Ukraine gilt als eines der größten Naturreservate Europas und ist trotz aller Umweltprobleme bis heute weitgehend intakt. Es ist ein einzigartiges Labyrinth aus Bächen, Seen, Wäldern, Sümpfen und Dünen. Das Reservat beherbergt das mit einer Ausdehnung von etwa 1800 Quadratkilometern weltweit größte zusammenhängende Schilfrohrgebiet und ein bedeutendes Vogelschutzreservat mit der größten Pelikankolonie Europas. In dem Biosphärenreservat konnten bisher etwa 5200 Tier- und Pflanzenarten katalogisiert werden. Über 320 Vogelarten (davon nisten etwa 200 im Delta, der Rest sind Zugvögel) und 45 Fischarten haben hier ihren Lebensraum – auch bedrohte Arten wie die Rothalsgans, der Zwergkormoran oder der große Beluga-Stör. Die Unesco nahm das Gebiet 1993 in die Weltnaturerbeliste auf.

14. März: Internationaler Aktionstag gegen Dämme, für Flüsse, Wasser und Leben (International Day of Action for Rivers)

 

Mittwoch

Amazonas

 

Das riesige Amazonas-Flusssystem mit einer unübersichtlich großen Zahl von Nebenflüssen nimmt etwa die Hälfte Brasiliens ein und Flächen von acht weiteren südamerikanischen Ländern. Es ist das größte Flusssystem der Erde, weit größer als die Fläche Europas. Der Amazonas ist der mit Abstand wasserreichste Fluss der Erde und befördert mehr Wasser als die sechs nächstkleineren Flüsse zusammen, insgesamt ein Fünftel des gesamten Süßwassers der Erde. In den Amazonas münden etwa 10.000 Flüsse. Von den 1100 größeren Nebenflüssen sind allein 17 über 1600 Kilometer lang und damit länger als der Rhein. In seinem 4600 Kilometer langen Lauf hat er nur ein Gefälle von knapp einem halben Zentimeter pro Kilometer. Das Flusssystem gleicht deshalb in weiten Teilen einem Binnensee. Der Amazonas wird deshalb häufig als Wasserlandschaft bezeichnet. Die Breite des Flusses beträgt in Brasilien meist mehrere Kilometer und variiert jahreszeitlich bedingt durch die schwankenden Niederschläge an den Oberläufen. In den Zeiten größter Wassermengen kann er die angrenzenden Wälder auf einer Breite von bis zu 100 Kilometern überschwemmen. Die betroffenen Überschwemmungswälder bilden die Várzea, ein einzigartiges Ökosystem. Im Mündungsbereich des Amazonas liegt die Flussinsel Marajó. Wird diese 49.000 Quadratkilometer große Insel sowie die südlich von ihr mündenden Flüsse hinzugerechnet, hat das Mündungsdelta des Amazonas eine Breite von mehreren hundert Kilometern. Nach Erkenntnissen von Forschern der Universität Amsterdam ist der Amazonas-Strom bereits elf Millionen Jahre als. Seitdem besteht er als transkontinentaler Fluss.

14. März: Internationaler Aktionstag gegen Dämme, für Flüsse, Wasser und Leben (International Day of Action for Rivers)

 

Donnerstag

Weidenkätzchen

 

In diesen Tagen blühen sie vielerorts: Weidenkätzchen. Das sind die bis zu fünf Zentimeter langen weiblichen Blütenstände der Sal-Weide. Die sogenannten Kätzchen bestehen aus vielen kleinen Einzelblüten. Sie wachsen ohne Stiel direkt am Stängel, sind zunächst wollig-silbrig behaart und blühen schon im März leuchtend gelb auf – lange bevor die ersten Blätter erscheinen. Weil sie so früh blühen, sind die Weidenkätzchen eine wichtige Futterquelle für die ersten Bienen und Hummeln. Deshalb ist es auch in fast allen Bundesländern verboten, blühende Weidenzweige für die Vase zu pflücken.

 

Freitag

Kraniche

 

Laute trompetenartige Rufe, ein V-förmiger Formationsflug und eindrucksvolle Tänze – Kraniche sind dem Menschen vertraut und gelten in vielen Kulturen als fliegende Frühlingsboten und Glückssymbole. Sie ziehen in Höhen von bis zu 2000 Meter, in vielen Mythen gelten sie deshalb als Himmelsboten. Fünfzehn Kranicharten gibt es weltweit, darunter den in Europa brütenden Graukranich.

Aus Spanien und Frankreich kommend, überqueren immer neue Kranichverbände auf ihrer Reise in die Brutreviere Deutschland, insgesamt ungefähr 300.000 Tiere. Überflogen wird ein rund 150 Kilometer breiter Korridor, ausgehend von den Rastplätzen vor allem in der spanischen Region Extremadura, über Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bis nach Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. In der Region Rügen und nördlich von Berlin befinden sich die wichtigsten Zwischenrastplätze auf dem Weg in die Brutgebiete in Skandinavien und dem Baltikum. Nur ein kleiner Teil der Kraniche brütet in Deutschland. Hauptbrutgebiete in Deutschland sind Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Mit rund 4500 Brutpaaren zieht etwa die Hälfte aller Kraniche in Deutschland ihre Jungen zwischen der Mecklenburgischen Seenplatte und der Ostseeküste auf. Seinen Höhepunkt erreicht der Frühjahrszug der Kraniche in Normaljahren in der zweiten Märzhälfte. Der Frühlingszug geht viel schneller vonstatten als der Herbstzug, denn die Vögel wollen möglichst schnell zurück in ihre Brutgebiete. Im Herbst verweilen sie deutlich länger an den Rastplätzen.

Rund 8000 Brutpaare leben heute in den verbliebenen Bruchwäldern, Feldsöllen und Auen Nord- und Mitteldeutschlands. Kraniche sind die größten in Deutschland heimischen Vögel. Ausgewachsen messen sie in der Höhe 1,30 Meter. Ihre Flügel spannen sich über mehr als zwei Meter. Diese Flügel tragen die Kraniche sehr weit, manchmal ohne Landung 1200 Kilometer, bei starkem Rückenwind schaffen sie 130 Kilometer pro Stunde. Im Flug ist der Kranich an seinem langen, gerade vorgestreckten Hals zu erkennen, und die Beine sind so lang, dass sie den Schwanz beim Fliegen deutlich überragen.

Mehr zum Thema Kraniche finden Sie hier und hier.

 

Samstag

Orang-Utans

 

Die Bezeichnung Orang-Utan stammt von den malaiischen Wörtern „orang“ (Mensch) und „utan“ oder „hutan“ (Wald) und bedeutet demzufolge „Waldmensch“. Tatsächlich stimmen das Genom des Orang-Utans und das des Menschen zu 97 Prozent überein. Das ist viel – gleichwohl ist der Orang-Utan evolutionsgeschichtlich unter den Menschenaffen der am weitesten entfernte Verwandte des Menschen. Die gemeinsame Evolution endete vor zwölf bis 16 Millionen Jahren. Seit zehn Millionen Jahren gehen die Gorillas eigene Wege. Vor 6,5 Millionen Jahren spaltete sich die Linie der Schimpansen von der des Menschen ab.

Orang-Utans sind die größten heute noch lebenden Baumsäugetiere der Welt, sowie die einzigen überlebenden Großen Menschenaffen Asiens. Früher bevölkerten Orang-Utans weite Teile Südostasiens. Heute leben sie nur noch auf den indonesischen Inseln Borneo und Sumatra. Sie werden von Wissenschaftlern in mittlerweile drei Arten unterschieden: Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii), den Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus) und den im Jahr 2017 im Norden der indonesischen Insel Sumatra als eine neue Orang-Utan-Art identifzierten Tapanuli-Orang-Utan (Pongo tapanuliensis), der mit rund 800 Tieren nun als die seltenste Menschenaffenart der Erde gilt. Nach einer in „Science Advance“ vorgestellten Studie sollen auf Sumatra doppelt so viele der Tiere leben wie bisher angenommen, nämlich mehr als 14.600. Den Bestand der Borneo-Orang-Utans schätzt die Umweltstiftung WWF auf rund 54.000 Tiere. Der Borneo-Orang-Utan wird in drei seit etwa 176.000 Jahren geografisch isolierte Unterarten unterteilt, die im Laufe Zehntausender Jahre abgewandelte Merkmale entwickelt haben.

Bedroht sind die Orang-Utans vor allem durch die Zerstörung von Regenwäldern sowie durch den illegalen Handel mit Jungtieren, die als Haustiere enden, und durch die Jagd auf ausgewachsene Tiere als sogenanntes Wildfleisch. Der Lebensraum des Borneo-Orang-Utans wurde in den vergangenen 20 Jahren vor allem durch die Umwandlung von Regenwald in Brachland und Ölpalmen-Plantagen, intensiven kommerziellen Holzeinschlag und Waldbrände um mindestens 55 Prozent reduziert. Insgesamt wird für den Borneo-Orang-Utan in den letzten 60 Jahren ein Bestandsrückgang von über 50 Prozent angenommen. Im Jahr 2016 hat die Weltnaturschutzunion (IUCN) den Borneo-Orang-Utan auf ihrer Roten Liste wegen stark schwindender Bestände als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft – das ist die höchste Gefährdungsstufe. Die Art sei nur noch „einen Schritt vom Artentod entfernt“, betonte die IUCN. „Die Situation für den Orang-Utan war noch nie so ernst“, mahnte die Tierschutzorganisation Borneo Orangutan Survival (BOS) vor dem Welt-Orang-Utan Tag am 19. August 2017. Nach einer aktuellen, im Januar 2018 im Wissenschaftsmagazin Current Biology veröffentlichten Auswertung verringerte sich die Zahl der ohnehin schon seit Jahrzehnten geschrumpften Orang-Utan-Population auf der Insel Borneo zwischen 1999 und 2015 um fast 150.000 auf nicht mehr als 50.000 bis 100.000. Die große Mehrheit der Menschenaffen starb demnach eines unnatürlichen Todes – entweder durch Wilderer oder dadurch, dass sie ihren Lebensraum verloren. Am schlimmsten war der Rückgang in Gebieten, die abgeholzt oder in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt wurden. Indonesien und Malaysia, zu denen Borneo gehört, sind die weltweit größten Palmöl-Produzenten.

Samstag, 20. März 2021, 10:37 Uhr: astronomischer Frühlingsanfang

 

Sonntag

Schmecken

 

Von süß, sauer, bitter und salzig hat jede und jeder eine konkrete Vorstellung, während der fünfte Geschmack, „umami“, nicht so leicht zu fassen ist. Der Begriff wird beispielsweise mit „fleischig“, „käsig“, „erdig“ oder „rauchig“ übersetzt. Das Wort geht auf den japanischen Chemiker Kikunae Ikeda (1864–1936) zurück. Er extrahierte aus essbaren Algen kristallines Mononatriumglutamat und nannte die geschmacksverstärkende Wirkung „Umami“ – ein Kunstwort aus den japanischen Begriffen für „köstlich“ und „Geschmack“.

Am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke untersuchen Biologen die Geschmackszellen der Zunge: Neben süß, sauer, bitter, salzig und umami soll als sechstes Erkennungsmerkmal der feinen Sinneszellen „fettig“ dazukommen. Psychologen des Instituts haben herausgefunden, dass schon Babys im Mutterleib lernen können, was „gut schmeckt“: Über das Fruchtwasser bekommen sie mit, was Mama mag – und lieben den Geschmack dieser Lebensmittel im Babyalter dann ebenfalls.

 


RSS