10. Kalenderwoche (2.–8. März 2020)

 

Himmelsblau  Golfstrom  Mineralien  Baobab  Kormoran  Primaten  Unsere Füße

 

 

Montag

Himmelsblau

 

Sonnenlicht ist nicht weiß, sondern besteht aus vielen Farben, genauer gesagt einem ganzen Farbspektrum, wie man am bunten Regenbogen sieht. Auf seinem Weg durch die Atmosphäre trifft das Licht auf Staub- und Wasserteilchen und wird gestreut. Die Stärke der Streuung hängt von seiner Wellenlänge ab. Da blaues Licht kurzwelliger ist als rotes, wird es stärker gestreut und der Himmel wird blau. In noch intensiverem Blau leuchtet der Himmel, wenn die Luft besonders trocken und sauber ist, also wenig Staub oder Wassertropfen darin schweben. Das ist meist an sehr kalten Tagen der Fall. Wenn es feucht und die Luft schmutzig ist, werden auch die langwelligen Anteile des Lichts stärker gestreut – der Himmel wird weißlich-trüb.

„Ich, der ich das Blau des Himmels betrachte, stehe nicht ihm gegenüber als ein weltloses Subjekt, ich bin nicht gedanklich in seinem Besitz, entfalte nicht ihm zuvor eine Idee von Blau, die sein Geheimnis mir entschlüsselte; ich überlasse mich ihm, ich versenke mich in dieses Geheimnis, es ‚denkt sich in mir‘, ich bin der Himmel selbst, der sich versammelt, zusammennimmt und für sich zu sein sich anschickt, mein Bewusstsein ist verschlungen von diesem grenzenlosen Blau.“ (Maurice Merleau-Ponty, Phänomenologie der Wahrnehmung. Aus dem Französischen übersetzt und eingeführt durch eine Vorrede von Rudolf Böhm, Berlin 1966, Seite 252)

 

Dienstag

Golfstrom

 

Das Klima in Europa wird stark von der Umwälzströmung im Nordatlantik – umgangssprachlich auch als Golfstrom bezeichnet – beeinflusst. Sie transportiert enorme Mengen warmen Wassers aus den Tropen nach Europa – eine gigantische Energiemenge, die der Leistung von einer Million Atomkraftwerken entspricht. Rund 100 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde führt der Strom mit sich – mehr als alle Flüsse auf der Welt zusammen. Seine Verlängerung, der Nordatlantikstrom, führt noch so viel Wärme mit sich, dass es in Europa im Schnitt rund fünf Grad wärmer ist, als es nach der geografischen Breite zu erwarten wäre. In Kanada und den nördlichen USA, die ähnlich weit vom Nordpol entfernt liegen, ist es deutlich kälter. Der Golfstrom ist ein Strom der Superlative: Er legt 10.000 Kilometer zurück – von den Tropen bis in die eisige Arktis – und führt durch fantastische Welten, die sich erst jetzt, dank modernster Meerestechnik und Unterwasser-Roboter, erleben lassen.

Kleinste Störungen allerdings könnten die Strömung aus dem Nordatlantik bereits aus dem Fluss bringen. Für Aufsehen sorgte eine im Januar 2017 publizierte Studie des US-amerikanischen Wissenschaftlers Wei Liu von der Yale-Universität. Demnach könnte die Umwälzströmung infolge der Erderwärmung deutlich instabiler werden als bislang angenommen. Die Strömung ist heute schwächer als je zuvor in den vergangenen 1000 Jahren. Wissenschaftler um Levke Caesar vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) konnten in einer am 11. April 2018 in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlichten Studie anhand von Temperaturdaten zeigen, dass sich die Umwälzströmung im Atlantik seit 1950 um 15 Prozent verlangsamt hat.

 

Mittwoch

Mineralien Juwelen der Natur

 

Ein Mineral ist ein Element oder eine chemische Verbindung, die im Allgemeinen kristallin und durch geologische Prozesse gebildet worden ist. Etwa 4000 Mineralien gibt es auf der Erde. Die Charakterisierung der Steine erfolgt nach ihrer chemischen Zusammensetzung. Mineralien wuchsen über Jahrtausende in Gesteinsblasen, die sich in erkalteter Lava gebildet hatten. Wässrige Lösungen drangen ein, verdunsteten, und chemische Elemente, Schwefel, Eisen oder Silizium, kristallisierten aus – ein Jahrtausende dauerndes Wachstum, bis die Pracht vollendet war.

Man kann verstehen, dass ihnen magische Kräfte nachgesagt werden, wenn man die Wunder der Natur bestaunt. Da zeigt ein Natrolith seine feinnadeligen, winzigen Härchen, die wie ein weicher, weißer Pelz aussehen, tatsächlich aber hart und pieksig sind. Weiße Kugeln aus Dolomit wirken wie Pilze, ein grüner Malachit in amorpher Form sieht aus wie Brokkoli. Farben leuchten. Dunkelrote Granate aus Ostfinnland, leuchtendgrüner Smaragd aus dem Ural oder das dunkle Blau des Lapislazuli aus Afghanistan.

(Quelle u.a. der Artikel „Magische Steine“ von Regine Seipel über die Dauerausstellung „Juwelen der Natur“ im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt)

 

Donnerstag

Baobab – magischer Baum des Lebens

 

Der Baobab, auch Affenbrotbaum genannt, gehört zu den bekanntesten und charakteristischsten Bäumen des tropischen Afrika. Mit ihren kleinen Kronen und mächtigen Stämmen sind sie unverkennbar. Der Baobab gilt als das älteste Lebewesen Afrikas. Mit einem Stammumfang von bis zu 30 Metern und seiner Lebenserwartung von mehr als 1000 Jahren ist der Riese zum Symbol für Stärke und Überlebenskraft geworden. Neben seiner Fähigkeit, während der Regenzeiten hunderte Liter Wasser zu speichern, um Dürreperioden zu trotzen, bietet er Menschen und Tieren lebenswichtige Rohstoffe. Die Frucht, genannt „Affenbrot“, ist essbar und voll von Vitamin C. Aus seinen Samen und der Rinde lassen sich wertvolle Nahrung, Getränke, Schmerzmittel und sogar Wirkstoffe gegen Malaria gewinnen. Ältere Bäume sind in der Regel hohl und bieten Tieren wie Menschen Lebensraum. Und als Lebensbaum ist er bis heute Mittelpunkt vieler Dorfgemeinschaften Afrikas.

In der modernen westafrikanischen Literatur steht der Baobab häufig als ein Symbol des traditionellen afrikanischen Lebens und der unberührten, ewigen Natur. Orte mit „heiligen“ Baobabs werden oftmals als Sinnbild des Gartens Eden verwendet.

Zwischen 2006 und 2018 sind neun der 13 ältesten und fünf der sechs umfangreichsten Affenbrotbäume verendet. Der rumänische Biochemiker Adrian Patrut schreibt in seiner vom Magazin „Nature Plants“ am 11. Juni 2018 veröffentlichten Studie von einer „dramatischen und schockierenden“ Erfahrung. Das Baobab-Sterben sei ein „Ereignis von beispiellosem Ausmaß“. Es könne unmöglich eine Zufälligkeit sein, dass so viele uralte Bäume in vergleichsweise kürzester Zeit einer nach dem anderen „aus natürlichen Gründen“ sterben. Patrut geht davon aus, dass die Klimaveränderung zumindest eine wesentliche Rolle spielt. (Quelle: Johannes Dietrich, Das Ende der Riesen, Frankfurter Rundschau vom 13. Juni 2018)

Vgl. auch „Wüste Wurzeln, starke Stämme. Der Affenbrotbaum“ (arte)

 

Freitag

Kormoran

 

Der deutsche Name dieser Vogelart kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Meerrabe (corvus marinus). So wurden diese Vögel genannt, weil sie fast schwarz sind und am Meer leben. Kormorane sind etwa so groß wie eine Gans. Ihr Federkleid ist fast schwarz. Im Sonnenlicht können die Federn metallisch bläulich schimmern. Der bis zu einem Meter große und bis drei Kilo schwere Vogel gilt als Meistertaucher. Er kann bis zu 90 Sekunden lang und 30 Meter tief tauchen. Charakteristisch sind seine grünen Augen. Wenn sein Gefieder nach Tauchjagden voller Wasser ist, lässt er es oft stundenlang von Wind und Sonne trocknen. Dazu breitet der Großvogel die Flügel auf einem Ruheplatz aus – ein einzigartiges Verhalten in der Vogelwelt. Anders als bei fast allen anderen Wasservögeln sind die Federn der Kormorane nicht wasserabweisend. Sie werden also beim Schwimmen und Tauchen nass und müssen anschließend wieder getrocknet werden.

Bestand und Verbreitung der Art wurden in Europa durch massive menschliche Verfolgung stark beeinflusst, im mitteleuropäischen Binnenland war die Art zeitweise fast ausgerottet. In den letzten Jahrzehnten ist eine deutliche Bestandserholung zu verzeichnen.

 

Samstag

Primaten

 

Die Primaten sind eine Ordnung innerhalb der Unterklasse der Höheren Säugetiere. Primaten werden in die beiden Unterordnungen der Feuchtnasenprimaten und Trockennasenprimaten eingeteilt, wobei letztere auch die Menschenaffen (Hominidae) inklusive des Menschen (Homo sapiens) mit einschließen. Der Ausdruck „Affen“, der bisweilen für diese Ordnung verwendet wird, ist missverständlich, da Affen nur eine Untergruppe darstellen.

Die Primaten sind eine der artenreichsten Gruppen unter den Säugetieren. Bekannt sind 504 Arten, die sich auf 79 Gattungen und 16 Familien verteilen. Die kleinste Primatenart – der Madame Berthes Mausmaki – wiegt gerade einmal 30 Gramm. Am größten und schwersten sind die Gorillas mit etwa 200 Kilogramm Körpergewicht. Zwei Drittel aller Arten leben in nur vier Ländern: in Brasilien, Madagaskar, Indonesien und der Demokratischen Republik Kongo.

60 Prozent aller Primaten-Arten sind derzeit vom Aussterben bedroht, bei 75 Prozent schrumpfen die Populationen, berichtete ein internationales Wissenschaftler-Team im Fachblatt Science Advances vom 4. Januar 2017. Verantwortlich dafür sei in erster Linie der Mensch, der immer tiefer in die Lebensräume der Tiere eindringt, diese zerstört und Jagd auf die Tiere macht. Die nur im Inselstaat Madagaskar vorkommenden Lemuren bezeichnet die internationale Artenschutzbehörde IUCN als die weltweit am stärksten bedrohten Säugetiere.

 

Sonntag

Unsere Füße

 

Auf unsere Füße achten.
Die Füße tragen uns durchs Leben. Sie tun – in der Regel – selbstverständlich ihren Dienst. (…) Füße übernehmen ständig Funktionen, über die wir gar nicht nachdenken: Sie tragen beim Gehen oder Laufen eine Belastung, die das Dreifache unseres Körpergewichts ausmachen kann. Sie müssen dafür sorgen, dass wir das Gleichgewicht halten. Sie federn Sprünge ab. Sie tragen uns im Laufe unseres Lebens Tausende von Kilometern. Der Leistungsausweis des menschlichen Fußes liest sich so spannend wie das Guinnessbuch der Rekorde – denn die Anatomie unseres Fußes ist eine ausgeklügelte Konstruktion von Knochen und Sehnen und Muskeln, die sich perfekt den Gegebenheiten anpassen, auch dann noch, wenn unglaubliche Kräfte auf sie einwirken.  (Aus: Arbeitsbuch zum Weltgebetstag 2015. Ideen und Informationen, S. 101)

Das aus 28 Knochen zusammengesetzte Grundgerüst des Fußes ist als stabiler Bogen gestaltet, der wie eine Brücke hohe Lasten aushalten kann und gleichzeitig noch elastisch reagiert. Der Fuß ist das Organ, das den Menschen entwicklungsbiologisch am stärksten von seinen nächsten Verwandten, den Menschenaffen, unterscheidet. Die Entwicklung vom Greiforgan zum Lauforgan vor mindestens dreieinhalb Millionen Jahren optimierte den aufrechten Gang des Menschen.


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