Kapitel 26

 

RICHTIG LEBEN – HIER UND JETZT

DIE WELT-RELIGION JESU

BASISKURS BASILEIOLOGIE

 

 

 

 

„…ihrer ist das Reich Gottes“

Die Seligpreisung der Armen (Matthäus 5,3 / Lukas 6,20b)

Das zehnte der 21 Jesusworte

 

Nachdem wir die Durchsicht des Markusevangeliums abgeschlossen haben und dabei auf neun Texte gestoßen sind, die gemäß unserer Arbeitshypothese als Jesusworte in Frage kommen beziehungsweise als solche gelten können, wenden wir uns nun der sogenannten Logienquelle zu, also denjenigen Überlieferungen, die im Markusevangelium nicht vorkommen, jedoch sowohl im Matthäus- als auch im Lukasevangelium. Sie gehen aller Wahrscheinlichkeit nach auf eine gemeinsame Quelle zurück, eben die Logien- oder Spruchquelle. Wir folgen, was die Reihenfolge angeht, dem Matthäusevangelium und stoßen dort als erstes auf einen Satz, der sowohl das „Reich Gottes“ erwähnt als auch ganz klar zum Ausdruck bringt, dass es sich dabei um etwas in der Gegenwart, im Hier und Jetzt Erfahrbares handelt. Die Rede ist von der ersten sogenannten Seligpreisung (eine antike Sprachform, die immer mit dem Prädikat „selig“ einsetzt, dann die Person oder Personengruppe nennt, der das „selig“ gilt, und im Anschluss daran diesen Zuspruch begründet). Wie sich noch zeigen wird, ist diese Seligpreisung die einzige, die tatsächlich auf Jesus von Nazaret zurückgehen dürfte. Wahrscheinlich lautete sie ursprünglich:

 

Selig sind die Armen, denn ihrer ist das Reich Gottes.*

 

Das Sternchen (*) nach einem Bibeltext, der aus der Logienquelle stammt, bedeutet, dass zwar die einzelnen Wörter zumindest in einem der beiden neutestamentlichen Evangelien vorkommen, aus denen sich die Logienquelle erschließen lässt, aber der Satz selbst eine Rekonstruktion darstellt.

 

Rekonstruktion des ursprünglichen Wortlauts

 

Im Matthäusevangelium lautet diese Seligpreisung: „Selig sind die Armen im Geist, denn ihrer ist das Himmelreich“, im Lukasevangelium: „Selig seid ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes.“ „Matthäus“ spiritualisiert die Armut bereits, indem er die Worte „im Geist“ hinzufügt (jetzt ist nicht mehr von materieller Armut die Rede, sondern von einer Armut in einem wie auch immer zu verstehenden übertragenen Sinn), ansonsten stimmt der erste Teil der Seligpreisung im griechischen Text der beiden Evangelien überein (auf das „selig“ folgt dort sofort das Nomen „die Armen“). Da vermutlich Lukas die Seligpreisung insgesamt in eine direkte Anrede umgewandelt hat, was im Griechischen lediglich am Nebensatz erkennbar ist („denn euer ist das Reich Gottes“), wäre im Deutschen auch der Hauptsatz entsprechend umzuformulieren („Selig seid ihr Armen“).

 

„Reich der Himmel“ statt „Reich Gottes“ im Matthäusevangelium

 

„Matthäus“, der wahrscheinlich aus der jüdischen Tradition stammte, verfasste sein Evangelium wiederum für Judenchristen. Aus Gründen der Ehrfurcht war es jüdischer Brauch, das Wort „Gott“ durch andere Begriffe zu umschreiben. Deshalb hat „Matthäus“ in den meisten Fällen und so auch hier den Begriff „Reich Gottes“ durch den Ausdruck „Reich der Himmel“ ersetzt. Auch wenn dieser im Neuen Testament nur im Matthäusevangelium vorkommt, hat er gleichwohl die Vorstellung darüber, was „Reich Gottes“ bedeutet, stark beeinflusst – sicher auch deshalb, weil das Neue Testament mit dem Matthäusevangelium beginnt. Allen späteren Leser*innen oder Hörer*innen dieses Evangeliums, denen der Grund für diese bewusste Abänderung ja nicht mehr bekannt war, legte sich durch diese Formulierung die Annahme nahe, dass damit – im Gegensatz zum Verständnis Jesu! – der Himmel, das Jenseits gemeint sein müsse.

 

Wen meint Jesus mit den „Armen“?

 

Betrachten wir also jetzt diese Seligpreisung, wie sie ursprünglich gelautet haben dürfte: „Selig sind die Armen, denn ihrer ist das Reich Gottes.“ Sie, die „Armen“, sind – neben den Kindern (siehe Kapitel 20) – die zweite Menschengruppe, der Jesus das „Reich Gottes“ unmittelbar zuspricht: „ihrer ist das Reich Gottes“, griechisch autōn estín hä basilëia tou theou. Normalerweise, wenn es, wie an dieser Stelle, um eine Zuordnung geht, entfällt im Griechischen das Wörtchen estín („ist“). Es heißt dann einfach: „ihrer das Reich Gottes“. Das „ist“ wird stillschweigend ergänzt. Die Tatsache aber, dass es hier ausdrücklich im Text erscheint, zeigt, dass gerade der zeitliche Aspekt mit Nachdruck hervorgehoben werden soll: Die „Armen“ haben tatsächlich – jetzt schon! – am „Reich Gottes“ teil. Für sie ist es Gegenwart, voll und ganz.

Und Jesus nennt sie, sicherlich genau aus diesem Grund, gleich zu Beginn „selig“. Das ist ein außergewöhnliches, nicht alltägliches Wort, eine nicht mehr zu steigernde, höchstmögliche Qualifizierung des Lebens. Wer „selig“ ist, dem fehlt es grundsätzlich an nichts mehr. Es ist noch mehr als Glück, es meint, dass alles richtig, dass alles gut ist. Genau dies macht die Teilhabe am „Reich Gottes“ aus. Sie ist denen gewiss, die „arm“ sind. Eben deshalb sind sie „selig“ – dann aber kann Jesus mit den Armen nicht, wie man vielleicht zunächst annimmt, Menschen meinen, die zu wenig zum Leben haben, die im Elend leben. Das wäre blanker Zynismus. Das „arm“ muss hier eine durch und durch positive Bedeutung haben. Armut muss hier geradezu ein Ideal bedeuten. Es könnte so ähnlich zu verstehen sein wie das Armutsideal in Ordensgemeinschaften oder die Selbstverpflichtung zu einem einfachen Leben aus sozialen oder ökologischen Beweggründen. Es meint nicht ein Zuwenig, sondern ein Genug. Selig spricht Jesus diejenigen, die nur von dem und mit dem leben, was sie tatsächlich brauchen.

Der griechische Wortlaut dieser Seligpreisung steht dieser Interpretation nicht entgegen. Zwar bezeichnet der hier für „arm“ verwendete Begriff (ptōchós) im klassischen Griechisch einen Menschen als völlig mittellos, sodass er gezwungen ist, fremde Hilfe anzunehmen („bettelarm“). Es gibt im Griechischen allerdings noch ein weiteres Adjektiv für „arm“, pénäs. Dies meint nicht die absolute Armut, also das Elend, sondern charakterisiert einen Menschen, der gerade das Lebensnotwendigste besitzt, entspräche also genau unserer Deutung. Zur Zeit Jesu werden beide Begriffe jedoch bereits synonym verwendet: Beide, sowohl ptōchós als auch pénäs, können sowohl einen Mangelzustand als auch ein „Nicht-mehr-als-Nötig“ bezeichnen. Nur in diesem letzteren Sinn kann das ptōchós hier gemeint sein: Jesus preist diejenigen selig und spricht ihnen das „Reich Gottes“ unmittelbar zu, die nicht mehr haben, als sie wirklich brauchen.

Den Reichen, denen, die zu viel besitzen, spricht Jesus, wie wir gesehen haben, das „Reich Gottes“ kategorisch ab (Kapitel 22). Den Armen spricht er es zu und nennt sie „selig“. Aus der Überlieferung ist uns kein weiteres Jesuswort bekannt, in dem dieses „selig“ noch einmal begegnet. Dies zeigt, welch entscheidende Bedeutung in den Augen Jesu den Besitzverhältnissen zukommt. Nur die Armen nämlich leben im Einklang mit der Welt. Für sie ist sie nicht Gegenstand, Ressource, Mittel zur Bereicherung, nicht „Außen-“, sondern Mit-Welt. Sie entnehmen ihr nur das, was sie tatsächlich für ein gutes Leben benötigen und gehen davon aus, dass ihnen dies zeitlebens möglich ist, leben also mit ihr verbunden und nicht neben ihr dahin.

Sehr klar und deutlich also geht allein aus dieser einen Seligpreisung der Armen hervor, dass das „Reich Gottes“ hier und jetzt erfahrbar ist. „… ihrer ist das Reich Gottes“, das ist die eine ganz zentrale Aussage. Und das ist dann, und zwar immer dann, der Fall – zweiter, sehr bedeutsamer Punkt –, wenn man nichts besitzen, kein Eigentum, keine Reichtümer anhäufen will, sondern die Erde, ihre Produkte und die Erzeugnisse menschlicher Arbeit lediglich nutzt, gebraucht, verbraucht, so weit es für ein gutes Leben nötig ist. Dem Fluch des Zuviel in dem Jesuswort vom Kamel und dem Nadelöhr kontrastiert die Seligkeit des Genug. Nur dieses ist Ausdruck und Gewähr eines richtigen Lebens, weil es unsere Beziehung zu unserer Mitwelt ausbalanciert und lebendig erhält, mithin diejenige Existenzweise darstellt, die am „Reich Gottes“ teilhaben lässt. So – im Grunde nur so – kann diese Seligpreisung gemeint gewesen sein und fügt sich damit auch hervorragend den Jesusworten an und ein, auf die wir bisher gestoßen sind.

 

Das traditionelle Verständnis der Seligpreisung der Armen

 

Umso verwunderlicher ist es, dass sich diese hier vorgelegte Interpretation von dem üblichen Verständnis dieses Verses grundlegend unterscheidet. Danach besagt er in etwa, dass hier diejenigen seliggepriesen werden, die im Elend leben, weil sie dereinst im Reich Gottes sein werden. Wie ist das möglich? – Wieder einmal liegt es daran, dass diese jesuanische Seligpreisung mit Texten verbunden worden ist, die eine völlig andere Sprache sprechen, nicht mehr die Sprache des jesuanischen Evangeliums, sondern der nachjesuanischen beziehungsweise der alten, vorjesuanischen Religiosität.

Diese Umdeutung beginnt bereits in der Logienquelle. Diese enthält nämlich nicht nur diese eine, eindeutig präsentische, auf die Gegenwart bezogene Seligpreisung der Armen, sondern auch noch zwei weitere, die der ersten jesuanischen Seligpreisung unmittelbar folgen und bislang praktisch von allen Wissenschaftler*innen ebenfalls für jesuanisch erklärt werden. Sie lauten:

Selig sind die Hungernden,
denn sie werden satt werden.

Selig sind die Weinenden,
denn sie werden lachen.

„Lukas“ formuliert die Seligpreisung wieder in Form einer direkten Anrede und verstärkt den Gegensatz zwischen dem jetzigen Zustand des Hungerns beziehungsweise Weinens und der Zusage seiner späteren Umkehrung durch die jeweilige Hinzufügung des Wörtchens „jetzt“: „die, die jetzt hungern“, „die, die jetzt weinen“. „Matthäus“ nimmt umfangreichere Veränderungen vor: Er stellt die Reihenfolge dieser beiden Seligpreisungen um und fügt noch die Seligpreisung der Sanftmütigen ein, spricht statt von den Weinenden, die einmal lachen werden, von den Leidenden, die einmal getröstet werden, und transformiert den leiblichen Hunger zum Hungern und Dürsten nach der Gerechtigkeit. Dies alles hat seinen Grund darin, dass er die bereits um zwei Seligpreisungen erweiterte Vorlage der Spruchquelle nochmals auf mehr als die doppelte Anzahl, nämlich acht Seligpreisungen ausbaut. Diese lassen sich in zwei Strophen unterteilen, die jeweils aus genau 36 Wörtern bestehen. In der ersten Strophe beginnt jede Bezeichnung der Seliggepriesenen mit dem griechischen Buchstaben Pi. (deswegen statt der Weinenden die Leidenden, das Wort beginnt im Griechischen mit diesem Buchstaben). Sowohl den zuerst Seliggepriesenen als auch den zuletzt Genannten wird das „Reich der Himmel“ zugesprochen. Außerdem begegnet in der jeweils letzten Seligpreisung sowohl der ersten als auch der zweiten Strophe der für das Matthäusevangelium besonders wichtige und charakteristische Begriff „Gerechtigkeit“ (deshalb die Umstellung, die Erweiterung und die Abänderung der Seligpreisung der Hungernden in der Logienquelle). Schließlich wurde sowohl im Matthäus- als auch im Lukasevangelium noch später die Seligpreisung derer ergänzt, die um Jesu willen verfolgt werden.

Warum diese Einzelheiten? Weil sie noch einmal unterstreichen, dass diese Worte von vornherein in griechischer Sprache formuliert worden sind, also gar nicht von Jesus stammen können, der ja nicht Griechisch, sondern Aramäisch gesprochen hat.

Zurück also zu den drei Seligpreisungen der Logienquelle, die bisher immer als eine Einheit betrachtet und insgesamt auf Jesus zurückgeführt werden. Betrachten wir die zweite und dritte Seligpreisung etwas genauer. Beide sind sprachlich genau gleich aufgebaut, und auch inhaltlich ist ihnen zweierlei gemeinsam: Angesprochen werden jeweils Menschen, die unter einem negativen Zustand leiden: zum einen die Hungernden, zum anderen die Weinenden, und sowohl die einen als auch die anderen werden deshalb seliggepriesen, weil sie, ohne dass dies näher begründet wird, einmal das genaue Gegenteil erfahren werden: Sie werden satt werden, sie werden lachen (was ihre gegenwärtige Situation allerdings um nichts verbessert, es handelt sich um reine Vertröstung). Ganz anders, nicht nur sprachlich, sondern auch inhaltlich, die erste Seligpreisung. Am gravierendsten: Die Armen werden nicht aufgrund eines Zukunftsversprechens seliggepriesen, sondern weil sie, und zwar jetzt schon, wie es ausdrücklich heißt, am Reich Gottes teilhaben – hier also Gegenwart, in der zweiten und dritten Seligpreisung Futur. Und eben deshalb kann es sich natürlich bei der Armut nicht um einen negativen Zustand handeln wie in der zweiten und dritten Seligpreisung, sondern um einen durch und durch positiven: Die „Armut“ ist es ja, die das Größtmögliche überhaupt gewährleistet: die Teilhabe am „Reich Gottes“.

Doch was geschieht jetzt? Man erkennt nicht etwa anhand der genauen Analyse der ersten Seligpreisung den völlig neuen Akzent, den Jesus mit ihr setzt, und entlarvt mit geschärftem Blick umso sicherer den ganz traditionellen und absolut nichtjesuanischen Charakter der zweiten und dritten Seligpreisung, sondern man überträgt genau umgekehrt die Struktur der zweiten und dritten Seligpreisung auf die erste und beraubt sie damit vollkommen ihrer Qualität. Weil zum einen in der zweiten und dritten Seligpreisung die Hungernden und die Weinenden auf die Zukunft vertröstet werden, nimmt man ohne weiteres – gegen den eindeutigen Wortlaut! – an, dass auch den Armen in der ersten Seligpreisung das Reich Gottes für die Zukunft verheißen wird.

Einige Beispiele aus der wissenschaftlichen Literatur: In allen drei Seligpreisungen interessierte „ausschließlich die Zukunft, welche die Gegenwart überwindet“, meint Helmut Merklein, Die Gottesherrschaft als Handlungsprinzip. Untersuchung zur Ethik Jesu, Würzburg 19812, S. 50. „Auch in der ersten Seligpreisung Lk 6,20 par ist die Basileia eine zukünftige Größe, wie die Futura in V. 21 bestätigen“ (ebd. S. 116). „Die Herrschaft Gottes wird als zukünftig erwartet“; Begründung: „die Hungernden werden gesättigt werden“ (Hervorhebung im Original), heißt es bei Luise Schottroff und Wolfgang Stegemann (Jesus von Nazareth – Hoffnung der Armen, Stuttgart 19812, S. 31). „Die Apodosis des ersten Makarismus führte im Aramäischen wohl kein Verb. Also ist gemäß der zweiten und dritten Seligpreisung eine futurische Aussage zu ergänzen“, spekuliert Jürgen Becker (Jesus von Nazaret, Berlin/New York 1996, S. 197) und übersetzt: „denn eurer (wird) die Gottesherrschaft (sein)“ (ebd. S. 196). – Zu bedenken ist noch, dass auch die „Seligkeit“ all derer, die in den von „Matthäus“ der Logienquelle noch angehängten Seligpreisungen wie auch in der noch einmal später sowohl im Matthäus- als auch im Lukasevangelium hinzugefügten lediglich in einem Versprechen besteht, nicht aber in einer direkten Zusage wie in der ersten Seligpreisung. Da sie allesamt bedenkenlos Jesus in den Mund gelegt werden, lässt man ihn gleichsam sich selbst von seiner eigenen Botschaft immer weiter distanzieren.

Und da sich die zweite und die dritte Seligpreisung jeweils auf Menschen beziehen, die unter einem negativen Zustand leiden, zieht man daraus ohne alle Bedenken den Schluss, dass dies infolgedessen auch für die in der ersten Seligpreisung genannten Armen gelten müsse, mit ihnen also die „Bettler und Sünder“ gemeint seien.

Auch dazu einige Belege: Joachim Jeremias interpretiert: „Die Armen“ (er denkt dabei an „Bettler und Sünder“, Neutestamentliche Theologie. Erster Teil: Die Verkündigung Jesu, Gütersloh 1971, S. 118) „stehen Gott nahe. Denn die eschatologische Umkehr der Verhältnisse beginnt sich zu realisieren: die Armen werden reich.“ (!) (Ebd. S. 213) Nach Helmut Merklein haben alle drei Seligpreisungen „eine Aufhebung des im ersten Glied genannten Zustandes zum Inhalt“ (Die Gottesherrschaft als Handlungsprinzip. Untersuchung zur Ethik Jesu, Würzburg 19812, S. 50). Genauso Luise Schottroff und Wolfgang Stegemann: „Dieses elende Leben kommt nicht aus der Hand Gottes. Gott macht demnächst Schluss mit dieser Unordnung. Er wird herrschen, dann sind der Hunger und das Leiden an der Armut vorbei.“ (Jesus von Nazareth – Hoffnung der Armen, Stuttgart 19812, S. 32) Jürgen Becker bemerkt zu Lukas 6,20f.: „alle sonstigen Mangelsituationen (werden) ein Ende haben (…): Armut, Nahrungsmangel und alle Lebenserfahrung, auf die der Mensch mit Weinen zu reagieren pflegt, werden von der Gottesherrschaft überwunden und ins Gegenteil gekehrt“ (Jesus von Nazaret, Berlin/New York 1996, S. 173); ähnlich Gerd Theißen und Annette Merz, Der historische Jesus. Ein Lehrbuch, Göttingen 20013, S. 233: „Armut, Hunger und Leid sind keine positiven Qualitäten. Vielmehr greift Gott (…) zugunsten der Armen und Schwachen ein, so dass sich ihr Geschick bald zum Guten wenden wird.“

 

Jetzt also noch einmal die jesuanische Seligpreisung der Armen ohne den verfälschenden biblischen Kontext, der die Botschaft Jesu letztlich auf den Kopf stellt, mit eingeschobenen aktualisierenden Zwischenzeilen:

 

SELIG SIND DIE ARMEN,

die, die nicht mehr haben und haben wollen, als sie brauchen,
die, für die das Genug das Höchste und Größte ist
und die den allgegenwärtigen Verlockungen des Reichtums absagen,

DENN IHRER   I S T   DAS REICH GOTTES.

 

Claus Petersen


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