Die einundzwanzig Jesusworte

 

Lediglich diese einundzwanzig Worte stammen hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich von Jesus von Nazaret. Der eigenständige Charakter seiner Botschaft erschließt sich nur dann, wenn man sie aus dem Kontext, in den sie später gestellt worden sind, herausnimmt und ausschließlich in ihrem eigenen inneren Zusammenhang betrachtet.

Am Anfang stehen die Traditionen des Markusevangeliums. Es folgen die Texte, die ausschließlich sowohl im Matthäus- als auch im Lukasevangelium vorkommen, also der Logienquelle entnommen worden sind. Den Abschluss bilden diejenigen Überlieferungen, die nur in einem dieser beiden Evangelien enthalten sind, also ihrem jeweiligen Sondergut entstammen.

 

 

Wer Hochzeit feiert, der kann doch nicht fasten.

Markus 2,19aβ, ohne einschränkenden, christologischen Zusatz

 

Niemand näht einen Flicken von neuem Stoff auf ein altes Gewand.
Sonst reißt das Füllstück von ihm ab,
und der Riss wird schlimmer.
Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche.
Sonst zerreißt der Wein die Schläuche,
und der Wein geht verloren mitsamt den Schläuchen.

Markus 2,21–22, ohne verstärkenden Zusatz

 

Der Sabbat ist für den Menschen da
und nicht der Mensch für den Sabbat.

Markus 2,27

 

Siehe, ein Sämann ging aus, um zu säen.
Beim Säen geschah Folgendes:
Einiges fiel auf den Weg;
und es kamen die Vögel
und fraßen es auf.
Anderes fiel auf Steine;
und als die Sonne aufging,
wurde es versengt.
Wieder anderes fiel unter Dornpflanzen;
und die Dornpflanzen wuchsen auf
und erstickten es.
Alles Übrige aber fällt auf guten Boden;
und es gibt Frucht,
nachdem es aufgegangen und gewachsen ist,
und trägt dreißigfach.

Markus 4,3–8, ohne erklärende Zusätze

 

Mit dem Reich Gottes verhält es sich so,
wie wenn ein Mensch Samen auf die Erde gestreut hat,
und er schläft ein und er erwacht, Nacht und Tag,
und der Same sprosst und wird groß –
er weiß selbst nicht wie.
Von selbst bringt die Erde Frucht:
zuerst den Halm,
dann die Ähre,
schließlich das voll ausgereifte Korn in der Ähre.

Markus 4,26–28

 

Womit könnte man das Reich Gottes vergleichen
oder in welchem Gleichnis könnte man es darstellen?

Es ist wie ein Senfkorn,
das, wenn es auf die Erde gesät wird,
kleiner ist als alle Samen auf der Erde,
und, wenn es gesät wird, aufgeht
und größer wird als alle Gartengewächse

und große Zweige treibt,
sodass unter seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.

Markus 4,30–32

 

…solcher [der Kinder] ist das Reich Gottes.
Amen, ich sage euch:
Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind,
der kommt nicht hinein.

Markus 10,14b–15

 

Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr,
als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt.

Markus 10,25

 

Wer groß sein will bei euch, der soll euer Diener sein,
und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.

Markus 10,43b–44

 

Selig sind die Armen, denn ihrer ist das Reich Gottes.

Matthäus 5,3 / Lukas 6,20b

 

Dem, der dich auf die Wange schlägt, halte auch die andere hin!

Matthäus 5,39b / Lukas 6,29a

 

Lass die Toten ihre Toten begraben;
du aber mach das Reich Gottes bekannt!

Matthäus 8,22 / Lukas 9,60, ohne näherbestimmenden Zusatz

 

Das Gesetz und die Propheten: bis Johannes.
Von da an setzt sich das Reich Gottes machtvoll durch (?).

Matthäus 11,12f.* / Lukas 16,16*

 

Wenn ich mit dem Finger Gottes die Dämonen austreibe,
dann hat euch doch das Reich Gottes erreicht.

Matthäus 12,28 / Lukas 11,20

 

Das Reich Gottes gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und in drei Sat Weizenmehl verbarg, bis es ganz durchsäuert war.

Matthäus 13,33 / Lukas 13,20f.

 

Ein Mensch veranstaltete ein großes Festmahl, lud viele dazu ein und schickte, als das Fest beginnen sollte, seinen Diener aus, um den Eingeladenen zu sagen:
„Kommt, denn es ist schon bereit!“
Da fingen alle ohne Ausnahme an sich zu entschuldigen.
Der erste sagte zu ihm:
„Ich habe einen Acker gekauft
und muss ihn unbedingt besichtigen gehen;
ich bitte dich: Betrachte mich als entschuldigt.“
Der nächste sagte:
„Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft
und bin gerade auf dem Weg, um sie mir genauer anzusehen;
ich bitte dich: Betrachte mich als entschuldigt.“
Der dritte sagte:
„Ich habe geheiratet
und kann deshalb nicht kommen.“
Der Diener kehrte zurück und berichtete seinem Herrn davon.
Da wurde der Hausherr zornig und sagte zu seinem Diener:
„Geh schnell hinaus auf die Plätze und Straßen der Stadt und führ die Armen herein!“

(Matthäus 22,1–9) / Lukas 14,16–21, ohne ergänzenden Zusatz in V. 21

 

Mit dem Reich Gottes ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker verborgen war. Ein Mensch fand ihn und verbarg ihn wieder. Und in seiner Freude geht er hin, verkauft alles, was er besitzt, und kauft jenen Acker.

Matthäus 13,44

 

Mit dem Reich Gottes verhält es sich wie mit einem Gutsbesitzer, der gleich am frühen Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Nachdem er mit den Arbeitern um einen Tageslohn von einem Denar übereingekommen war, schickte er sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Marktplatz stehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: „Geht auch ihr in den Weinberg. Ich werde euch geben, was recht ist.“ Und sie gingen hin. Um die sechste und um die neunte Stunde ging er nochmals hinaus und tat genauso. Als er um die elfte Stunde hinausging, fand er andere dastehen und sagte zu ihnen: „Was steht ihr hier den ganzen Tag ohne Arbeit?“ Sie antworteten ihm: „Weil uns niemand angeworben hat.“ Da sagte er zu ihnen: „Geht auch ihr in den Weinberg.“
Als es Abend geworden war, sagte der Weinbergbesitzer zu seinem Verwalter: „Rufe die Arbeiter und zahle ihnen ihren Lohn aus. Beginne bei den Letzten bis zu den Ersten.“ Da kamen die, die um die elfte Stunde eingestellt worden waren, und erhielten jeweils einen Denar. Als dann die Ersten kamen, meinten sie, dass sie mehr erhalten würden. Aber auch sie erhielten jeweils einen Denar. Als sie ihn erhielten, empörten sie sich über den Gutsbesitzer und sagten: „Diese Letzten haben eine einzige Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgemacht, die wir die Last des Tages und die Hitze ertragen haben.“ Er aber antwortete einem von ihnen: „Mein Freund, ich tue dir kein Unrecht. Bist du nicht um einen Denar mit mir übereingekommen? So nimm das Deine und geh. Ich will diesem Letzten dasselbe geben wie dir.“

Matthäus 20,1–14

 

Seine Hand an den Pflug legen und zurückblicken, das passt nicht zum Reich Gottes.

Lukas 9,62

 

Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.

Lukas 10,18

 

Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte;
man wird auch nicht sagen: siehe, hier! oder: dort!
Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Lukas 17,20b–21


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