Basiskurs Basileiologie. 49. Woche: „Jesus hat das Reich Gottes verkündet; gekommen ist die Kirche.“ Weitere Zitate

 

„Reich Gottes“ ist der Zentralbegriff des jesuanischen Evangeliums.
Im griechischen Urtext des Neuen Testaments lautet er „basiléia tou theoú“.
„Basileiologie“ bedeutet hier also „Lehre bzw. Rede vom Reich Gottes“.

 

Das gesamte Jahresprogramm finden Sie hier.

 

Die Botschaft Jesu vom Reich Gottes

Basiskurs Basileiologie

 

 

„Jesus hat das Reich Gottes verkündet; gekommen ist die Kirche.“ Weitere Zitate

 

Folgende Zitate unterstreichen die grundlegende Bedeutung und Eigenständigkeit des Evangeliums Jesu von der Gegenwart des Reiches Gottes

 

„Nicht der Sohn, sondern allein der Vater gehört in das Evangelium, wie es Jesus verkündigt hat, hinein.“

Der berühmteste Satz in Adolf von Harnacks Vorlesung über „Das Wesen des Christentums“, zu der sich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Berlin die gebildete Welt der Hauptstadt einfand. Man müsse „nicht an Jesus glauben, sondern wie er glauben, nämlich an die Vaterliebe Gottes und den unendlichen Wert der Menschseele“. „Harnack spricht vom Evangelium, das Jesus verkündigt hat, und stellt damit indirekt fest, dass auch ein anderes Evangelium verkündigt wird, nämlich das Evangelium, das den Sohn – gekreuzigt und auferweckt und dann später ‚wahrer Gott und wahrer Mensch’ – verkündigt. Ist die Frage nicht berechtigt? Berufen wir uns bei dem, was allgemein Evangelium genannt wird, zu Recht auf Jesus…?“ (Leserbrief von Christian Voß, Pastor i.R., in Zeitzeichen Nr. 11/2011, S. 58) – Adolf von Harnack (1851–1930) gilt als bedeutendster protestantischer Theologe und Kirchenhistoriker des späten 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts.

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„Jésus annonçait le royaume, et c’est l’Église qui est venue.“
„Jesus hat das Reich Gottes verkündet; gekommen ist die Kirche.“

Alfred Loisy (1857–1940, französischer Theologe), in: L’évangile et l’église, Paris 1902; Bellevue, 19084; unveränderter Nachdruck: Frankfurt am Main, 1973

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Jesus ist „der einzige uns bekannte antike Jude, der nicht nur verkündet hat, dass man am Rande der Endzeit steht, sondern gleichzeitig, dass die neue Zeit des Heils schon begonnen hat“.

David Flusser (1917–2000, jüdischer Religionswissenschaftler), Jesus, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg 1968, S. 87. 

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Die „besondere Bedeutung Jesu (wird) in Q (= Spruch- oder Logienquelle; C.P.) ohne Passions- und Auferstehungserzählung ausgedrückt; Kreuzestod und Auferstehung werden nicht – wie etwa bei Paulus und Markus – in ihrer Bedeutung für das Heil der Menschen gewürdigt und reflektiert.“ „Für die Sicht der Heilsgeschichte in Q spielen ‚das Gesetz und die Propheten’ keine zentrale Rolle. Wichtig ist vielmehr der Anbruch, die Nähe der Gottesherrschaft.“

Die Spruchquelle Q. Studienausgabe Griechisch und Deutsch. Herausgegeben und eingeleitet von Paul Hoffmann und Christoph Heil, Darmstadt/Leuven 2002, S. 24.25. (Die sogenannte Spruch- oder Logienquelle ist ein nicht mehr erhaltenes Evangelium, das die Verfasser des Matthäus- und des Lukasevangeliums bei der Komposition ihrer Evangelien verwendet haben. Sie enthält so gut wie ausschließlich Worte Jesu, keine Erzählungen über ihn, daher die Bezeichnung Logien- oder Spruchquelle.)

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„Während etwa die Logienquelle (Lk 17,2237!) oder Paulus (1 Kor 15,2328; Röm 8,19) überwunden geglaubte apokalyptische Konzepte, wenn auch christologisch gebrochen, wieder aufleben lassen und folglich die Durchsetzung der Gottesherrschaft erst in der Zukunft erwarten, und während Lukas (vgl. Lk 23,42f) oder auch die Deuteropaulinen das Reich Gottes im Himmel lokalisieren, hält das Thomasevangelium am präsentischen und diesseitigen Charakter des Reiches Gottes fest!“

Bernhard Heininger, Das „Königreich des Vaters“. Zur Rezeption der Basileiaverkündigung Jesu im Thomasevangelium, in: Bibel und Kirche 62 (2007), S. 98–101 (99). (Auch das apokryphe Thomasevangelium aus dem späten 1. oder frühen 2. Jahrhundert enthält ausschließlich – teils synoptischer Tradition entstammende, teils apokryphe – Worte Jesu, spricht Jesus keine christologischen Hoheitstitel zu und schweigt von Tod und Auferstehung nahezu völlig.)

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 „Die Wahrheit eines Christentums, das der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu folgt, ist aus sich überzeugend. Diese Wahrheit muss nicht geglaubt, nicht bewiesen und nicht verteidigt werden. Sich auf sie einzulassen, verlangt kein Verstandesopfer, sondern Sensibilität, Mitmenschlichkeit und Mitgefühl für alles Leben.“

„Das ‚Vermächtnis’ Jesu sehen wir nicht mehr im vermeintlich ‚Letzten Abendmahl’, sondern in seiner Übung offener Tischgemeinschaft. Wer die Mahlgleichnisse Jesu von der Abendmahlsdeutung trennt, kann sich zwar auf eine frühe liturgische Entwicklung stützen, er verfehlt aber die zentrale Botschaft Jesu. Deren Kern war es, mit Menschen, die gesellschaftlich nicht harmonieren, an einem Tisch zusammenzukommen, um konkret erfahrbar zu machen, wie der Himmel auf Erden sein kann.“

Aus: Hubertus Halbfas (geboren 1932, bis 1987 Professor für katholische Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Reutlingen), Glaubensverlust. Warum sich das Christentum neu erfinden muss, Patmos Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2011, S. 29.116f.

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„Jesus strebte eine völlige Umwälzung der herrschenden Verhältnisse und eine egalitäre Gesellschaftsordnung an und versuchte dies ausschließlich mit dem Mittel radikaler und konsequenter Gewaltfreiheit zu erreichen. Dies alles tat er mit dem Ziel, alle Menschen auf die ihnen offenstehende Möglichkeit hinzuweisen, im Hier und Jetzt in das ‚Reich Gottes’ einzutreten.“

Aus: Sebastian Kalicha, Dimensionen libertärer Exegese. Reflexionen zum Verhältnis von Anarchismus und Christentum, in: Christlicher Anarchismus. Facetten einer libertären Strömung, herausgegeben von Sebastian Kalicha, Verlag Graswurzelrevolution, Heidelberg 2013, S. 13–47.


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