Basiskurs Basileiologie. 16. Woche: „Gleichheit ist Glück“

 

„Reich Gottes“ ist der Zentralbegriff des jesuanischen Evangeliums.
Im griechischen Urtext des Neuen Testaments lautet er „basiléia tou theoú“.
„Basileiologie“ bedeutet hier also „Lehre bzw. Rede vom Reich Gottes“.

 

Das gesamte Jahresprogramm finden Sie hier.

 

Die Botschaft Jesu vom Reich Gottes

Basiskurs Basileiologie

 

„Gleichheit ist Glück“

 

Unmittelbare Folge und erstes Symptom einer Entfremdung von der Welt, des Verlustes der Weltverbundenheit ist die Abkehr von der Egalität allen Seins. Wenn alles andere zum fremden Gegenüber und damit zum Gegenstand wird, muss sich das Ich ins Verhältnis dazu setzen. Es hat keinen selbstverständlichen Platz mehr im Universum des Lebens, sondern muss sich ihn immer wieder neu erringen. Das Ich steht allein gegen die Welt. Es will sich aus sich selbst heraus aufbauen und gegen die Welt durchsetzen. Dazu muss es sich möglichst größer, stärker und mächtiger machen. Es muss sich ausdehnen. Und so sichert es sich den Zugriff auf möglichst viele Dinge, Geräte, Erlebnismöglichkeiten, beansprucht sie als seinen Besitz und sein Eigentum, das es nun einzuhegen und vor dem Zugriff anderer zu sichern gilt. Es ist gezwungen, sich zu positionieren. Es zergliedert und ordnet die zum Objekt gewordene Welt. Es entsteht eine Rangordnung, eine Hierarchie. Es gibt jetzt ein Mehr und es gibt ein Weniger, ein Zuviel und ein Zuwenig. Der Mitmensch wird zum Konkurrenten, den man übertrumpfen möchte oder mit dem man allenfalls ein Zweckbündnis eingeht. Die Tiere werden zu „Gegenständen“, die nur deshalb und in nahezu maschineller Weise ins Leben geholt und nur solange am Leben gehalten werden, bis ihr Fleisch, bis ihr Fell, denen allein das Interesse gilt, verwertet werden kann. Die Welt wird zur Sache, die man beobachten, bearbeiten, verändern kann. Wir „halten sie uns“, dabei ist sie es ja, die uns hält und erhält. Um wieder zu leben, aufzuleben, aufzublühen, damit das Leben wieder lebendig wird, gilt es also, den Kontakt mit der Welt wieder aufzunehmen, in die „Reich-Gottes“-Welt hineinzugelangen. Dann aber wird in diesem Universum des Lebendigen die Egalität ganz selbstverständlich als Glück empfunden und gelebt werden: „Gleichheit ist Glück“, so der Titel des sehr überzeugend argumentierenden Buches von Richard Wilkinson und Kate Pickett (Untertitel: „Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind“). Aus dem Englischen von Edgar Peinelt und Klaus Binder, Zweitausendeins im Versand, Frankfurt am Main 20102.

Mit der Welt als dem „Reich Gottes“ verbunden, ist es nicht möglich, sich über einen anderen Menschen zu stellen, der Erste sein zu wollen, andere durch die eigene Kraft und Leistung zu besiegen. Vielmehr gilt in dieser Welt des Miteinanders, eines Lebens, das nur Leben in Fülle sein kann durch die Fülle und Vielfalt des Lebens um es her, genau das Gegenteil: Dieses Leben erfüllt sich immer wieder und wird beschenkt durch die aufmerksame Zuwendung zu anderem Leben – seien es Menschen, seien es Tiere –, es kommt zu sich gerade durch das, was es anderem Leben sein kann (vgl. Markus 10,43b–44). Hierarchien, Herrschaftsverhältnisse, Macht zerstören dieses Heil, zersetzen die Sakralität der Weltverbundenheit von ihrer Mitte her und von Grund auf.


RSS