Basiskurs Basileiologie. 25. Woche: Das Gleichnis vom Sauerteig (Matthäus 13,33 / Lukas 13,21)

 

„Reich Gottes“ ist der Zentralbegriff des jesuanischen Evangeliums.
Im griechischen Urtext des Neuen Testaments lautet er „basiléia tou theoú“.
„Basileiologie“ bedeutet hier also „Lehre bzw. Rede vom Reich Gottes“.

 

Das gesamte Jahresprogramm finden Sie hier.

 

Die Botschaft Jesu vom Reich Gottes

Basiskurs Basileiologie

 

 

Das Gleichnis vom Sauerteig

 

„Mit dem Reich Gottes ist es wie mit einem Sauerteig, den eine Frau nahm und in drei Sat Weizenmehl mengte, bis er das Ganze durchsäuert hatte.“

(Matthäus 13,33 / Lukas 13,21)

 

„Das Ganze“ steht im griechischen Text betont am Schluss: Die im Verhältnis zu der gewaltigen Menge Mehl sehr geringe Masse an Sauerteig durchsäuert das gesamte Weizenmehl – ähnlich wie aus dem kleinen Saatkorn wie von selbst Halm, Ähre und Frucht entstehen oder sich das winzige Senfkorn zu einer gewaltigen Staude auswächst. Sicher kommt es auch hier auf den richtigen Zeitpunkt an, in dem nämlich der Sauerteig genau die richtige Reife erlangt hat, um mit dem Weizenmehl in Verbindung treten und es durchsäuern zu können. Von grundlegender Bedeutung ist es allerdings, dass die Frau überhaupt den Weizen im Blick hat und ihr Handeln gewissermaßen an ihm orientiert. Die gewaltige Menge Weizenmehl signalisiert vermutlich, dass es hier nicht lediglich um das Backen eines Laibes Brot geht, sondern um mehr, nämlich um die „Welt“: Wer sich für die Welt öffnet, „vollzieht“ in seinem Handeln, das sich eben auf die Welt bezieht, seine Weltverbundenheit und erfährt gleichzeitig deren „göttliche“ Qualität: Er bzw. sie erlebt das Wunder, dass dieser Akt der Weltverbundenheit eine ganz ungeahnte Dynamik und Kraft aus sich selbst heraus freisetzt. Die Welt enthüllt in diesem Moment ihren „Reich-Gottes-Charakter“, hervorgerufen, gleichsam geweckt durch das sich aus ihrer Weltverbundenheit direkt ergebende, ja diese Weltverbundenheit unmittelbar vollziehende Handeln. Dadurch verändert sich die Welt – das Weizenmehl wird zu Brot, zum Lebensmittel –, aber eben „wie von selbst“, aus sich selbst heraus, aus der – hier nicht der Erde („von selbst bringt die Erde Frucht“ [Markus 4,28]), sondern – dem Mehl innewohnenden verwandelnden Kraft.

Matthäus und Lukas schöpfen diese Tradition aus der Logienquelle, das Markusevangelium hat sie nicht überliefert. Auch im Johannesevangelium und in den übrigen Schriften des Neuen Testaments hat sie keine Spuren hinterlassen.

 


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