41. Kalenderwoche (5.–11. Oktober 2020)

 

Sonnenaufgang Wasserfall
Iguazú-Wasserfälle
 Hohenesters Mehlbeere  Schnecken Regenbogenfalter  Frühe Kindheit

 

 

Montag

Sonnenaufgang

 

Oft ist es der Sonnenaufgang, der magische Moment zwischen Tag und Nacht, in der die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt aufs Neue erwacht. Der Anbruch eines neuen Tages ist ein besonders bewegender Augenblick – und häufig ein Schlüsselmoment im natürlichen Gleichgewicht, der die unglaubliche Komplexität und das Zusammenspiel von Flora und Fauna vor Augen führt.
Ob im nebelverhangenen Amazonas-Regenwald, in den weiten Wüstentälern des mexikanischen Bundesstaats Baja California, in der sonnendurchfluteten afrikanischen Savanne, in der eisigen Tundra Norwegens oder in den schneebedeckten Wäldern der kanadischen Provinz British Columbia – überall bestimmt die aufgehende Sonne das Leben der Tiere und Pflanzen, die an unterschiedlichste klimatische Bedingungen angepasst sind. Der Dokumentarfilm zeigt die Landschaften dieser faszinierenden Lebensräume im magischen Licht der Morgendämmerung.
Wenn die ersten Lichtstrahlen am Horizont erscheinen und die Nacht zum Tag wird, erwacht auch die Natur zu neuem Leben. Tagaktive Arten kommen zum Vorschein, während nachtaktive Geschöpfe in ihren Verstecken verschwinden. Dieser Schlüsselmoment im natürlichen Gleichgewicht beeinflusst seit jeher das Verhalten, die Überlebensstrategien und die Symbiose von Tieren und Pflanzen. Die Sonne bestimmt den kompletten Lebenszyklus auf der Erde, was sich in den arktischen Regionen am deutlichsten zeigt. Und jeder der faszinierend gefilmten Naturschauplätze wirkt im ersten Sonnenlicht des Tages besonders majestätisch.
(Zum Film Wie die Welt erwacht auf Arte)

„Kein Sonnenaufgang, auch nicht der im Hochgebirge, ist pompös, triumphal, herrschaftlich, sondern jeder geschieht schwach und zaghaft wie die Hoffnung, es könne einmal noch gut werden, und gerade in solcher Unscheinbarkeit des mächtigsten Lichtes liegt das rührend Überwältigende.“ (Theodor W. Adorno, Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, 72. Aphorismus)

 

Dienstag

Wasserfall

 

Ein Wasserfall ist ein Abschnitt eines Fließgewässers (Fluss, Bach), an dem die Strömung, bedingt durch die Formung des Gesteinsuntergrundes, mindestens teilweise in freien Fall übergeht. In der Vielfalt der Formen ist der klassische freie, senkrechte Absturz eher die Ausnahme. Meistens befinden sich gleitende Abschnitte in der Fallstrecke, die oft durch Bildung von Gumpen in stufige Absätze umgeformt werden. Je nach Steilheit der Talstufe können daraus treppenartige Kaskaden oder weitständige Abfolgen mehrerer Wasserfälle entstehen. Ein Wasserfall ist ein Ort besonders aktiven Naturgeschehens. Je nach Größe wirkt das Wasser unterschiedlich stark auf seine Umgebung ein. (Quelle: Wikipedia)

Im Salto Ángel im Südosten Venezuelas, dem mit 979 Metern Fallhöhe höchsten freifallenden Wasserfall der Erde, zerstäuben sich die Fluten auf halbem Weg zu Wolken. In der Sprache der indigenen Pemón heißt er „Kerepakupai Vena“, was etwa „Ort des tiefsten Sprunges“ bedeutet.

Mit einer Fallhöhe von insgesamt 470 Metern ist der Röthbachfall im Nationalpark Berchtesgaden der höchste Wasserfall Deutschlands.

Der Fell Beck, ein kleines Flüsschen, fällt 105 Meter tief in den Gapping Gill, einen Schacht des Berges Ingleborough im britischen North Yorkshire – und ist damit der höchste unterirdische Wasserfall.

Es war eine wilde Verfolgungsjagd, die sich da im Gombe-Nationalpark in Tansania vor Jahren abspielte. Oben, im grünen Dach des Urwalds, hangelte sich ein alter Schimpanse von Ast zu Ast. Unten im dichten Gestrüpp kämpfte sich eine junge Frau dem Tier immer hinterher. Plötzlich öffnet sich der Wald. Und die Primatenforscherin Jane Goodall stand vor einem riesigen Wasserfall. Gleich vor ihr schaukelte ihr Forschungsobjekt wie in Trance von einem Bein aufs andere, griff immer wieder nach dünnen Luftwurzeln, schwang sich raus in die Gischt, um dann wieder ganz still zu sitzen und nur den Wasserfall anzuschauen. „In diesem Moment lag es so nahe, sich vorzustellen, dass – hätten sie nur eine Sprache, um ihren Gefühlen Ausdruck zu geben – sich aus so einem Gespräch eine frühe Religion oder ein Gebet an Wasser oder Sonne hätte entwickeln können“, erinnert sich die Forscherin an diesen unvergesslichen Moment.

 

Mittwoch

Iguazú-Wasserfälle

 

Die Wasserfälle des Flusses Iguaçu/Iguazú an der Grenze zwischen dem brasilianischen Bundesstaat Paraná und der argentinischen Provinz Misiones sind die größten der Welt, beeindruckender noch als die Niagara-Fälle, mächtiger als die Victoria-Fälle. Die Fälle sind durch mehrere größere und kleinere Inseln voneinander getrennt. Von den 2700 Meter Ausdehnung fließt über ungefähr 900 Meter kein Wasser. Der Name Iguaçu stammt aus der Sprache der Guarani-Indianer und bedeutet „das Große Wasser“. Hinter den Wasserfällen leben und brüten die Rußsegler im Fels, der einzigartige Schutz des Wassers bewahrt sie vor allen natürlichen Feinden.

Die Fälle liegen sowohl im argentinischen Nationalpark Iguazú als auch im brasilianischen Nationalpark Iguaçu. Diese wurden 1984 (Argentinien) und 1986 (Brasilien) zum Unesco-Weltnaturerbe ernannt. Sie schützen einen der letzten Reste Atlantischen Regenwaldes.

 

Donnerstag

Hohenesters Mehlbeere

 

Die Hohenesters Mehlbeere, auch Leutenbacher Mehlbeere genannt, ist wahrscheinlich der seltenste Baum auf der Welt. Von ihm gibt es in der Natur nur noch sieben Exemplare, alle versammelt auf einem Hügel in der Nähe von Leutenbach am Walberla bei Forchheim. Benannt wurde die Rarität vom kartierenden Mehlbeerenspezialisten Norbert Meyer nach seinem verstorbenen Botanik-Professor an der Universität Erlangen, Prof. Dr. Adalbert Hohenester. Sorbus hohenesteri gehört zur Gattung der Mehlbeeren und ist eng verwandt etwa mit der Vogelbeere. Die größten Exemplare erreichen ca. fünf Meter Höhe.

Der Landkreis Forchheim gehört zu den Schwerpunktgebieten in Deutschland für endemische Arten. Das sind Tiere und Pflanzen, die weltweit nur in einem sehr begrenzten Areal vorkommen, z.B. auf kleine Inseln oder hohen Berggipfeln, die von anderen isoliert sind. Populationen der Mehlbeere waren wohl auf einigen Felskuppen isoliert und entwickelten sich so über viele tausend Jahre zu eigenen Arten. Eine Art unterscheidet man dann, wenn sie mit Exemplaren anderer Arten nicht fortpflanzungsfähig ist. Die Gebiete mit Vorkommen endemischer Mehlbeeren im Landkreis Forchheim liegen im Bereich der Nördlichen Frankenalb, in der Regel auf Felsköpfen, an Waldrändern und in lichten Wäldern, vor allem solchen, die aktuell oder früher als Nieder- oder Mittelwald bewirtschaftet werden bzw. wurden.

 

Freitag

Schnecken

 

Mit 110.000 Arten sind die Schnecken nach den Insekten die artenreichste Tiergruppe überhaupt. Ohne Frage gehören sie zu den faszinierendsten Tiergruppen in unserer Landschaft. Bizarr gewundene Spiralen, um die sich kunstvoll Linien schlängeln, mal kräftig, mal fein, in warmem Braun, zartem Gelb oder leuchtendem Türkis: Auf den Gehäusen von Schnecken gehen Form, Farbe und Muster eine perfekte Harmonie ein. Schnecken bilden die artenreichste der acht Klassen der Weichtiere und die einzige, die auch landlebende Arten hervorgebracht hat. Es gibt 43.000 Schneckenarten, in einer Größenordnung zwischen weniger als einem Millimeter und 75 Zentimeter Größe. Schnecken leben nicht nur an Land, sondern auch im Meer und im Süßwasser. Die Vorläufer der heutigen Arten lebten schon in den Meeren des Erdaltertums. Sie lassen sich seit dem Kambrium (vor mehr als 500 Millionen Jahren) nachweisen. Schnecken sind maßgeblich am Abbau organischer Substanz beteiligt, und sie sind eine wichtige Nahrung für viele Tiere. So füttern wohl alle unsere Singvögel – aber auch größere Arten – ihre Jungen mit Schnecken(-häusern), damit diese genug Kalk bekommen, um ihre Knochen ausbilden zu können.

Die Weinbergschnecke hat 40.000 Zähne auf ihrer Raspelzunge, im Durchschnitt 33 pro Reihe. Während sich die vordere Reihe abnutzt, wächst von hinten eine neue nach. Wird es ihr zu trocken bzw. im Winter zieht sie sich in ihr Gehäuse zurück, verschließt es mit einer dicken Schleimschicht und verfällt in eine Trockenstarre, aus der sie erst eine längere Feuchtperiode weckt.

 

Samstag

Regenbogenfalter

 

Der Regenbogenfalter (Urania ripheus) ist in Madagaskar beheimatet und vermutlich der bunteste Schmetterling: Seine Flügel glänzen in sämtlichen Tönen, die das physikalische Farbspektrum zu bieten hat. Dies geschieht nicht auf Grund einer Pigmentierung, sondern wegen der besonderen Oberflächenstruktur seiner Flügel, durch die das Licht auf unterschiedlichste Weise gebrochen wird. Die Raupen des Regenbogenfalters fressen an den Blättern des Götterbaums (Ailanthus), aber auch an Rhododendron oder Liguster.

 

Sonntag

Frühe Kindheit

 

In den ersten Lebensjahren tragen Kinder ihr gesamtes Rüstzeug für das weitere Leben zusammen. Wie auf einer Baustelle hängt die Stabilität ganz entscheidend vom Fundament ab. Damit Kinder zu selbstständigen Persönlichkeiten heranreifen, müssen sie bestimmte Fähigkeiten entwickeln. Dazu zählen in erster Linie Vertrauen und Hilfsbereitschaft, Gestaltungsfreude und Begeisterungsfähigkeit. Eltern können ihre Kinder beim Schaffen dieser elementaren Grundlagen unterstützen.
Jedes Kind kommt mit einer unglaublichen Lust am eigenen Entdecken und Gestalten zur Welt. Nie wieder ist es so neugierig darauf, das Leben kennenzulernen, wie in seiner frühen Kindheit. Diese unglaubliche Offenheit der Kinder ist der eigentliche Schatz der frühen Kindheit, den wir wieder bewusster wahrnehmen und hüten müssen. (Gerald Hüther)


RSS