40. Kalenderwoche (3.–9. Oktober 2022)

 

Plattentektonik
Nationalpark Bayerischer Wald
Tasmanien
Pflanzen Tiere Kraken Stillen

 

 

Montag

Plattentektonik

 

Die markanten Umrisse der Kontinente im Blaugrün des Wassers – sie prägen das Bild unseres Planeten. Doch die Erde sah keineswegs immer so aus: Einst existierte nur eine zusammenhängende riesige Landfläche, der Urkontinent Pangaea. Vor Hunderten Millionen Jahren zerbarst er, und aus seinen Hauptbruchstücken Gondwana und Laurasia entstanden die aktuellen Kontinente. Damit ist der Prozess indes noch nicht abgeschlossen: Auch die heutigen Kontinente bewegen sich noch, mit 20 bis 80 Millimetern jedes Jahr. Ein ruckartiger Abbau von Spannungen, die sich durch Reibungen von Erdplatten aneinander oder durch das Abtauchen der einen Platte unter eine andere ergeben können, verursachen Erdbeben unterschiedlicher Intensität, wobei der deutlich größte Anteil aufgezeichneter Erdbeben zu schwach ist, um von Menschen wahrgenommen zu werden. (Die Erdoberfläche ist im Übrigen nie absolut ruhig, sondern ständig in leichter Bewegung. Dieses für Menschen nicht spürbare „seismische Rauschen“ wird durch natürliche Ursachen wie Meereswellen und Wind verursacht, aber auch durch menschliche Quellen wie Verkehr, Bauarbeiten und Industrie.)

Wie das Wissenschaftsmagazin „Science“ berichtete, hätten Gesteinsproben in Südafrika und Australien klare Nachweise dafür erbracht, dass vor 3,47 Milliarden Jahren ein ungeheuer großer Meteorit von 20 Kilometer Durchmesser die junge Erde verwüstet, gigantische Flutwellen erzeugt, möglicherweise aber auch jene Spalten gerissen hat, die die Erdkruste in tektonische Platten zerlegt hat. So wurde die Wanderung der Erdplatten möglich, die vor drei bis 2,5 Milliarden Jahren begann, wie jüngst durch Gesteinsproben nachgewiesen wurde. Eine 2016 im Fachblatt „Science“ veröffentlichte US-Studie liefert deutliche Belege dafür, dass die Plattentektonik vor etwa drei Milliarden Jahren einsetzte. 2017 berichteten US-Forscher im Fachblatt „Science“ nach Messungen an Schiefergestein, dass die Plattentektonik bereits vor 3,5 Milliarden Jahren in Gang war. Der Beginn der Plattentektonik ist ein wichtiges Datum, um die Entwicklung der Erde zu rekonstruieren.

Die Plattentektonik war vermutlich die Grundvoraussetzung für die Aufrechterhaltung eines geeigneten Lebensraums für höhere Lebewesen, und zwar vor allem durch die Bildung und Stabilisierung eines Magnetfeldes, ohne das die Erde der kosmischen Strahlung schutzlos ausgeliefert wäre.

Sonntag, 9. Oktober 2022, 22:55:00 Uhr: Vollmond

 

Dienstag

Nationalpark Bayerischer Wald – das „wilde Herz Europas“

 

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist ein Nationalpark im Hinteren Bayerischen Wald direkt an der Grenze zu Tschechien. Er wurde am 7. Oktober 1970 als erster Nationalpark Deutschlands gegründet. Seit der Erweiterung vom 1. August 1997 hat er eine Größe von 24.250 Hektar. Fast drei Viertel der Fläche (72 Prozent) des gesamten Parks zählen bereits zur unberührten Naturzone. In Tschechien schließt sich an den Nationalpark Bayerischer Wald unmittelbar das Gebiet des Nationalparks Šumava an, der 68.064 Hektar groß ist. Die beiden Nationalparks bilden die größte zusammenhängende Waldfläche in Mitteleuropa, sozusagen das grüne Dach. – Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Nationalparks Bayerischer Wald wurde dieser um rund 630 Hektar erweitert. Mit den neuen Flächen an der Grenze zum tschechischen Nationalpark Šumava erstreckt sich der Nationalpark Bayerischer Wald jetzt über knapp 25.000 Hektar.

Staatsminister Dr. Hans Eisenmann hat mit seinem vielzitierten Ausspruch: „Ein Urwald für unsere Kinder und Kindeskinder“ dem Nationalpark die Leitidee „Natur Natur sein lassen“ vorgegeben. Seine Entscheidung nach dem Gewittersturm im August 1983, die Windwurfflächen in der damaligen Reservatszone des Nationalparks nicht aufzuarbeiten, sondern der natürlichen Waldentwicklung zu überlassen, stellte noch in seiner Amtszeit die Weichen für die Naturwaldentwicklung im Nationalpark. Und in der Tat, nirgendwo sonst zwischen Atlantik und Ural dürfen sich die Wälder, Moore, Bergbäche und Seen auf so großer Fläche nach ihren ureigenen Gesetzen zu einer einmaligen wilden Waldlandschaft entwickeln. Der Wald im Nationalpark Bayerischer Wald geht seinen eigenen Weg, nicht vorhersehbar, vielfältiger als vorstellbar und immer wieder überraschend neu. Dieser Nationalparkwald zeigt ein wahrhaft unabhängiges, selbstbewusstes Leben, er zeigt seine Vergänglichkeit und das neue Werden und offenbart gerade darin seine von uns unabhängige Eigenständigkeit. Windwurf, Borkenkäfer, Schneebruch, Rotwild, Luchs und Wolf, Weidenröschen und Soldanelle, Zunderschwamm, Zusammenbruch und undurchdringliche junge Waldwildnis, all dies ist dem Wald nicht fremd, sondern gerade dies ist der wilde Wald im Nationalpark. Staunend, erschrocken, verunsichert stehen wir Menschen diesem Wald gegenüber, tasten uns an ihn heran, lernen, uns auf ihn einzulassen, ihn zu verstehen und zu begreifen. Schritt für Schritt folgt so unser eigener Entwicklungsprozess der Entwicklung des Waldes, suchend und lernend. Wenn wir alle unsere Sinne öffnen für diesen wilden Wald im Herzen Europas, beginnt er, eine ganz besondere Faszination auszustrahlen. Er zeigt uns die Vielfalt seiner Ausdrucksmöglichkeiten, seiner eigenständigen Farben- und Formensprache, Endlichkeit und Unendlichkeit dieser Waldnatur werden sichtbar, erlebbar und verstehbar. Der Nationalpark wird damit zu einer Herausforderung an alle, die diesen Wald besuchen und kennenlernen wollen.

2020, 50 Jahre nach der Gründung des Nationalparks, sind etwa 11.000 Tier-, Pilz- und Pflanzenarten im Bayerischen Wald nachgewiesen worden, darunter alleine 16 Urwaldrelikt-Käferarten. Diese sind auf von Menschen ungestörte Waldstrukturen angewiesen.

 

Mittwoch

Tasmanien – das grüne Geheimnis Australiens 

 

Tasmaniens wilde und sorgfältig bewahrte Schönheit gilt bei Wanderern und Naturliebhabern als wahres Paradies. Die Hälfte der herzförmigen, durch eine Meerenge, die Bass-Straße, vom Festland getrennte Insel des gleichnamigen australischen Bundesstaats, der über die Hauptinsel Tasmanien hinaus mehrere kleine, meist unbewohnte Inselgruppen in der Region umfasst, ist von Wäldern bedeckt.

Tasmanien hat sich vor Jahrtausenden vom australischen Kontinent abgespalten und beherbergt seither eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Die Vegetation stammt aus einer Zeit vor den Dinosauriern. Eine der weltweit größten gemäßigten Urwälder ist Lebensraum einer nur dort beheimateten Fauna und Flora. Auf Tasmanien gibt es Baumfarne und riesige uralte Bäume. Hier leben so seltsame Tiere wie der Wallaby (eine mittelgroße Känguruart), das Schnabeltier und der Tasmanische Beutelteufel.

45 Prozent der Inselfläche Tasmaniens ist als Nationalpark ausgewiesen. Dort liegt auch das Unesco-Weltnaturerbe Tasmanische Wildnis, mit 13.800 Quadratkilometern das größte Schutzgebiet Australiens. Die australische Regierung beabsichtigte 2014, die Fläche des Schutzgebiets um 74.000 Hektar zu verringern, damit der Wald für die Holzgewinnung gerodet werden kann. Dies wurde von der UN zurückgewiesen. Die Tasmanische Wildnis umfasst etwa 20 Prozent der Fläche Tasmaniens.

 

Donnerstag

Pflanzen

 

Die Tiere nutzen Rohstoffe und Energiereserven, die von Pflanzen erzeugt werden. Die Pflanzen nutzen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse die Sonne. Die Tiere sind von den Pflanzen, die Pflanzen von der Sonne abhängig.

Aus dieser Beobachtung leitet sich eine neue Einschätzung des Pflanzenreichs und seiner Rolle in der Biosphäre ab: Das Pflanzenreich nimmt eine Mittlerrolle zwischen Sonne und Tierreich ein, das heißt, Pflanzen oder besser gesagt ihre einzigartigen Zellorganellen, die Chloroplasten, in denen die Fotosynthese stattfindet, bilden das Bindeglied zwischen der organischen Welt (also all dem, was wir Leben nennen) und dem Energiezentrum unseres Sonnensystem. Pflanzen spielen für das Leben auf unserem Planeten eine fundamentale Rolle. Tiere nicht.

Stefano Mancuso, Alessandra Viola, Die Intelligenz der Pflanzen. Aus dem Italienischen von Christine Ammann, Verlag Antje Kunstmann, München 2015, S. 149f. und S. 33

Weltweit gibt es über 380.000 Pflanzenarten. Wir essen und trinken sie. Sie heizen, kühlen und beleuchten unsere Welt. Ohne sie gäbe es kein Leben auf, in und um die Erde.

Laut einer am 5. August 2020 im Fachblatt „Nature“ veröffentlichten Studie verfügt die Pazifikinsel Neuguinea mit 13.634 Pflanzenarten über die reichste Inselflora der Welt. 68 Prozent der Pflanzen sind endemisch, das heißt sie kommen nur auf dieser Insel vor.

Eine noch junge Wissenschaft beschäftigt sich mit Zoopharmakognosie, das heißt mit „Verhaltensweisen, bei denen Tiere Selbstmedikation durch die Einnahme von Pflanzen, Böden oder Insekten betreiben“. Sie kennt immer mehr Beispiele für Tiere, die sich mit Pflanzen selbst heilen.

 

Freitag

Tiere

 

„… Tiere sind doch viel richtiger als die Menschen.“
„Was ist ‚richtig‘? Wie meinst du das?“
„Nun, sieh dir doch ein Tier an, eine Katze, einen Hund, einen Vogel oder gar eins von den schönen großen Tieren im Zoologischen, ein Puma oder eine Giraffe! Du musst doch sehen, dass sie alle richtig sind, dass gar kein einziges Tier in Verlegenheit ist oder nicht weiß, was es tun und wie es sich benehmen soll. Sie wollen dir nicht schmeicheln, sie wollen dir nicht imponieren. Kein Theater. Sie sind, wie sie sind, wie Steine und Blumen oder wie Sterne am Himmel. Verstehst du?“
Ich verstand.

Aus: Hermann Hesse, Der Steppenwolf, 1927

Zum Tier des Jahres 2021 hat die Deutsche Wildtierstiftung (DWS) den Fischotter erkoren.

4. Oktober: Welttierschutztag

 

Samstag

Kraken

 

Zweifellos zählen Kraken zu den faszinierendsten Geschöpfen des Meeres. Vielleicht sind sie sogar die komplexesten Lebewesen in unserer Galaxie. Sie haben drei Herzen und acht Arme, der Aufbau ihres Gehirns ähnelt dem des Menschen, und ihre schnelle Art der Fortbewegung wird durch ein Rückstoßprinzip ermöglicht, das dem Raketenantrieb gleicht. Und über noch einen Superlativ verfügen die Oktopusse, die mit über einhundert Arten die größte Gattung innerhalb der Familie der Echten Kraken bilden (der Octopus vulgaris ist die häufigste Tintenfischart Europas), die wiederum mit über 40 Gattungen die größte Familie in der Ordnung der Kraken bilden: Sie sind die größten Tarnkünstler der Meere und gelten als die intelligentesten wirbellosen Tiere. Manche Wissenschaftler sprechen den Kraken sogar eine individuelle Persönlichkeit und einen Spieltrieb zu. Die Entwicklung der Intelligenz war für die Kraken überlebenswichtig: Im Laufe der Evolution haben sie ihre schützende Schale, wie sie der Nautilus noch besitzt, völlig verloren. Nun müssen sie sich Tricks einfallen lassen, um sich zu verstecken.

Mit einem ganz besonderen Blaulicht warnt die nur einige Zentimeter große Krake Hapalochlaena lunulata ihre Feinde. Wenn es gestört wird, lässt das giftige Tier blitzschnell bis zu 60 schillernde blaue Ringe auf seiner Oberfläche erscheinen. Amerikanische Biologen haben herausgefunden, wie es diese schnelle Warnreaktion zustande bringt: Der Trick ist eine Kombination von Muskelbewegungen mit einer bereits fertigen, aber verdeckten Farbstruktur. Das leuchtende Blau der Ringe entsteht durch Lichtreflexion in vielen dicht gepackten Gewebeschichten. Die Methode, mit der der Krake innerhalb einer Drittelsekunde seinen Warnhinweis zeigt, ähnelt nach Angaben der Forscher der Blende einer Kamera. Die Licht reflektierenden Zellen sitzen in einer Gruppe in der Haut des Tieres und werden in Ruhe von einer ringförmigen Hautfalte bedeckt. Bei einer Störung entspannen sich ruckartig Muskeln in der Haut über der Gruppe, andere Muskeln am Rand kontrahieren, und der leuchtende Ring tritt schlagartig hervor – noch akzentuiert durch dunkle Hautpartien im Zentrum und um den Ring herum. Diese Signalmethode wurde bislang noch nie gesehen. Die Technik ist freilich eine sinnvolle Warnung: Die blaugeringelte Krake ist eines der giftigsten bekannten Tiere. Mit einem Biss kann sie ein Nervengift injizieren und damit sogar einen Menschen töten.

8. Oktober: Welttag der Kraken

 

Sonntag

Stillen

 

„Ein weiterer Stoff, aus dem die Liebe ist, heißt Oxytocin. Bei der Geburtshilfe wird es schon länger eingesetzt, da das Hormon die Wehen einleitet. Beim Stillen steigen dann die Oxytocin-Werte sowohl der Mutter als auch des Säuglings. ‚Oxytocin bewirkt auch etwas im Gehirn: Die Mutter verliebt sich unsterblich in den kleinen Knirps‘, erklärt der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer. Die Kinder bauen ebenfalls eine starke Bindung zur Mutter auf. Funktioniert das nicht, sind sie ihr ganzes Leben eher scheu, verschlossen und wenig neugierig.“ (Aus: Margit Mertens, Wo die Liebe wohnt, in: Frankfurter Rundschau vom 27./28.6.2009)
Es ist erwiesen, dass das Stillen von Kindern positive Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Beziehung hat und auch gesünder ist als jedes Muttermilch-Ersatzprodukt.
Ein Baby sollte abgepumpte Muttermilch zu der Tageszeit bekommen, zu der sie auch gebildet wird, empfehlen spanische Forscher. Der Grund: Die tagsüber produzierte Milch ist anders zusammengesetzt als die nachts gebildete. Letztere enthält beispielsweise größere Mengen an Substanzen, die den Schlaf fördern, während in ersterer eher anregende Inhaltsstoffe zu finden sind. Es sei also nicht sinnvoll, morgens abgepumpte Milch bis abends aufzuheben und den Säugling dann damit zu füttern, schließen die Forscher um Cristina Sánchez von der Universität in Extremadura. Die Zusammensetzung der Milch verändert sich mit dem Heranwachsen des Babys.

Immer in der 40. Kalenderwoche, analog den 40 Schwangerschaftswochen, findet in Deutschland die Weltstillwoche statt.

Sonntag, 9. Oktober 2022, 22:55:00 Uhr: Vollmond


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