38. Kalenderwoche (19.–25. September 2022)

 

Neptun  Grasland Kruger-Nationalpark
Lianen Fliegen Nashorn Dunkelheit

 

 

Montag

Neptun

 

Die Planeten Uranus und Neptun haben während der Kindheit unseres Sonnensystems ihre Plätze getauscht: In den ersten 650 Millionen Jahren nach dessen Entstehung folgten auf den Gasriesen Saturn – von innen nach außen – die kleineren Gasplaneten Neptun und Uranus. Erst vor rund vier Milliarden Jahren rückte dann Neptun auf die äußerste Position im Sonnensystem vor.

Neptun ist etwa 4,5 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt, dreißigmal weiter als die Erde. Das Sonnenlicht ist vier Stunden und zehn Minuten zu Neptun unterwegs. Niemand erlebt einen vollen Umlauf des Neptuns, denn der Planet ist 165 Jahre unterwegs, um mit seinen 14 Monden einmal um die Sonne zu laufen. Mit vierfachem Erddurchmesser (49.424 Kilometer) zählt er zu den Riesenplaneten, die allesamt von dichten Atmosphären aus Wasserstoff, Helium, Methan und Ammoniak eingehüllt sind. Im irdischen Teleskop erscheint er aber selbst bei starker Vergrößerung nur als winzige blaue Murmel. Der Neptunglobus rotiert recht schnell. Ein Neptuntag dauert nur sechzehn Stunden. Im August 1989 passierte Voyager 2 als bisher einziger irdischer Späher den Planeten. 2013 hat das Weltraumteleskop „Hubble“ den 14. und zugleich mit 20 Kilometer Durchmesser kleinsten bekannten Mond des Neptuns entdeckt. Nachdem Pluto im Jahr 2006 in die neu geschaffene Kategorie der Zwergplaneten aufgenommen wurde, ist Neptun der sonnenfernste Planet.

„Die Geschichte Neptuns ist die eigenartigste in der Naturwissenschaft. Nachdem der Hannoveraner Astronom Wilhelm Herschel 1781 Uranus entdeckt hatte, ergründete die Astronomie die physikalischen und bewegungstechnischen Elemente des neuen Objektes. Schon bald stellte sich in der Bahn des Uranus eine merkwürdige Unstimmigkeit heraus. Er hielt nicht den Lauf um die Sonne inne, den er der Berechnung nach hätte haben müssen. Irgendetwas war also nicht in Ordnung. Die Gelehrten stutzten. Bessel, der Leiter der Königsberger Sternwarte, sprach – man schrieb gerade 1823 – als erster den Verdacht aus, dass ein anderer, jenseits der Uranusbahn laufender Planet die Ursache dieser sonderbaren Störung sei.
In den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts griff man den Gedanken erneut auf. Die Störungen in der Uranusbahn wurden immer augenfälliger, geradezu ein Ärgernis für die Astronomen. Längst war man sich klar, dass ein fremder Himmelskörper unerkannt die Berechnungen des Uranus über den Haufen warf. Wo aber steckte dieser Koloss? Wieder war alles Suchen vergeblich, und man sah ein, dass jedes weitere Forschen umsonst sein musste, wenn man nicht wenigstens den ungefähren Ort des geheimnisvollen Planeten angeben konnte. Da holten die Astronomen zu einem kühnen Schlage aus. Wenn man die normalen Elemente des Uranus hatte, musste sich da nicht aus den beobachteten Störungen, aus Bahnen, Geschwindigkeiten und Anziehungskräften zwischen Sonne und Planeten der Ort des unsichtbaren Weltkörpers errechnen lassen?
Dutzende, meist junge Astronomen, machten sich an die Arbeit. Die älteren schwiegen; sie hielten nicht viel von jugendlichen Phantastereien. Wer garantierte auch dafür, dass sich monatelange mathematische Arbeit überhaupt lohnen würde? Zuletzt blieben nur zwei Astronomen übrig, der Engländer Adams und der Franzose Leverrier. Aber auch Adams schied bald aus; man wies seine Arbeiten höflich aber entschieden zurück. Leverrier stand allein. Sollte auch er das große Ziel, die Frucht jahrelanger Mühen preisgeben? Er zögerte. Misslang der große Wurf, dann wurde er zum Gespött der Welt. Da kam ihm der Gedanke, den Berliner Astronomen Galle aufzufordern, nach dem fremden Stern an der Stelle, die er, Leverrier, errechnet hatte, zu suchen.
Des weltweiten Gedankens bewusst, griff Galle den Plan entschlossen auf. Nacht für Nacht richtete, er seine Teleskope auf die Tiefen des Weltalls. Der Erfolg schien auszubleiben. Aber zäh verfolgte der Berliner seine Aufgabe. Gerade kamen die neuen akademischen Sternkarten aus der Druckerei. Galle fieberte, als er am 23. September 1846 das entscheidende Blatt in die Hand bekam und mit ihm ans Fernrohr eilte. Noch ehe der neue Tag graute, hatte er, was er, was die Welt seit Jahrzehnten suchte: der Störenfried war, kaum einen Grad von der von Leverrier bezeichneten Stelle entfernt, gefunden, das Rätsel gelöst, der geheimnisvolle Schleier gefallen. Neptun war entdeckt! Die glänzendste Tat auf astronomischem Gebiet war vollbracht. Es war der größte Triumph, den rechnerischer Scharfsinn je gefeiert. Beobachtende und rechnende Astronomie reichten einander die Hand.“ (Auszug aus: Werner Heybrock, Die Entdeckung des Planeten Neptun, in Zeit online)

Freitag, 23. September 2022, 03:03 Uhr: astronomischer Herbstanfang auf der Nordhalbkugel der Erde. Die Sonne durchschreitet den Herbstpunkt – ihre Bahn schneidet den Himmelsäquator und sie wechselt auf seine südliche Seite. An diesem Tag verläuft die Bahn der Sonne exakt senkrecht über unserem Äquator. Die Sonne geht genau im Osten auf und im Westen unter. Der Mittelpunkt der Sonne ist an diesem Tag genauso lange über wie unter dem Horizont: Tagundnachtgleiche.

 

Dienstag

Grasland

 

Etwa 40 Prozent der weltweiten Landfläche sind Grasland. Dazu zählen die Prärien Nordamerikas, die Pampa in Südamerika, die Eurasische Steppe, die Graslandschaften Australiens sowie die Trockensavannen im gesamten Tropengürtel, die Wiesentundren in einigen arktischen Regionen und die Hochlandsteppen in den amerikanischen Kordilleren und den asiatischen Hochgebirgen wie etwa in Anatolien oder Tibet.

Graslandschaften gelten als Oasen biologischer Vielfalt. In ihrer Vegetation und vor allem im Boden speichern sie große Mengen an Kohlenstoff, liefern Nahrungsmittel und halten Hochwasser zurück. Ihre Bedeutung – gerade auch für den Klimaschutz – wird oft unterbewertet. Die weltweiten Graslandschaften, die zu fast drei Vierteln landwirtschaftlich genutzt werden, sind stark bedroht. Laut einer am 7. September 2021 im Fachjournal „Nature Reviews Earth & Environment“ erschienenen Studie muss die Hälfte von ihnen als degradiert angesehen werden. In einigen Regionen liegt der Grad der Landverödung bei 60 Prozent (Brasilien) oder sogar, wie in Europa, bei 90 Prozent. Die Forschenden sprechen von einer „Graslandkrise“.

 

Mittwoch

Kruger-Nationalpark

 

Der Kruger-Nationalpark ist das größte Wildschutzgebiet Südafrikas und gehört mit einer Fläche von knapp 20.000 Quadratkilometern zu den größten Nationalparks in Afrika. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwa 350 Kilometer, in Ost-West-Richtung ist der Park durchschnittlich 54 Kilometer breit. Das Schutzgebiet wurde am 26. März 1898 unter dem Präsidenten Paul Kruger als „Sabie Game Reserve“ zum Schutz der Wildnis gegründet. 1926 erhielt das Gebiet den Status Nationalpark und wurde in seinen heutigen Namen umbenannt.

Der Park beherbergt insgesamt 147 Säugetierarten, 492 Vogelarten, 118 Arten von Reptilien, 34 Amphibienarten und 49 Arten von Süßwasserfischen. Die Pflanzenwelt umfasst 404 Arten von Bäumen, Büschen und Sträuchern, 224 Grasarten und 1275 andere Pflanzenarten. Das mit Abstand häufigste größere Wildtier des Parks ist die Impala, eine afrikanische Antilopenart, deren Bestand im Jahr 2003 mit 150.000 Tieren angegeben wurde. Die danach zahlreichsten großen Wildtierarten sind Elefanten mit 11.700 Tieren, Südliche Streifengnus mit 17.000 Tieren, Kaffernbüffel mit 25.000 Tieren und Steppenzebras mit 32.000 Tieren (Stand 2003). Ebenfalls häufig sind Giraffen mit 9000 Tieren (Stand 2003). Große Kudus (5000-8000), Ellipsen-Wasserböcke (5000), Warzenschweine (3800) und Flusspferde (etwa 2500) sind weitere häufige große Pflanzenfresser.

Seit die Grenzen im Osten nach Mosambik und im Norden nach Simbabwe geöffnet sind, hat sich der Lebensraum der Wildtiere um über 16.000 Quadratkilometer erweitert. Insgesamt soll der im Länderdreieck Republik Südafrika, Mosambik und Simbabwe geplante Great Limpopo Transfrontier Park zusammen mit dem Kruger-Nationalpark ein Wildschutzgebiet von über 100.000 Quadratkilometern umfassen, ein Tierreservat mit einer Fläche fast so groß wie Holland, Belgien und die Schweiz. Da es sich um einen grenzüberschreitenden Park handelt, wird er zu den Peace Parks gezählt.

 

Donnerstag

Lianen

 

Typisch für tropische Regenwälder ist eine Vielzahl von Lianen. Im Kampf um Licht haben sie eine besondere Strategie entwickelt. Sie wurzeln im Boden, verzichten aber auf den aufwendigen und langwierigen Aufbau eines kräftigen Stammes, der die gesamte Krone tragen kann. Stattdessen nutzen sie andere benachbarte Bäume, an denen sie sich auf verschiedene Arten festhalten. Manche klettern, indem sie sich um den Stamm eines Baums winden, andere haben Haftwurzeln wie unser Efeu, und zuweilen sind ihre Ranken von kleinen Dornen bedeckt, die nach unter weisen, so dass sie nur auf-, aber nicht absteigen können. Einmal in der Wipfelregion angelangt, breiten sich die Lianen in der Sonne aus und blühen auf.

 

Freitag

Fliegen

 

Welchen Bedeutung Fliegen bei der Bestäubung von Pflanzen zukommt, wird häufig unterschätzt: 15 Prozent aller tierbestäubten Pflanzen sind weltweit ausschließlich auf Fliegen angewiesen, der zweite Platz nach den Bienen mit 20 Prozent. Dazu kommen Pflanzenarten, die nicht auf eine bestimmte Bestäubergruppe spezialisiert sind.

Wenn es um ihre Augen geht, setzen Fliegen auf Masse. Bei den größeren Arten besteht jedes der beiden Facettenaugen aus bis zu 3000 Einzelaugen und etwa 24.000 Fotorezeptoren. Selbst eine winzige Fruchtfliege bringt es noch auf zweimal 600 Einzelaugen. Damit erkennen Fliegen vor allem bewegte Objekte. Scharfsehen können sie dagegen nicht.

„Kein Thier – das kann wohl ohne Übertreibung behauptet werden – ist dem Menschen ohne sein Zuthun und ohne ihn selbst zu bewohnen, ein so treuer, in der Regel recht lästiger, unter Umständen unausstehlicher Begleiter, als die Stubenfliege“, schrieb Alfred Brehm in seinem Werk Brehms Thierleben von 1884. Die Stubenfliege lebt, je nach Umgebungstemperatur und Nahrungsangebot, sechs bis 42 Tage. Ihre Fluggeschwindigkeit beträgt ungefähr 2,9 Meter pro Sekunde (rund 10 km/h), die Fliege schlägt dabei etwa 180 bis 330-mal pro Sekunde mit ihren Flügeln. Die Stubenfliege ist eine wahre Flugkünstlerin: Um an der Decke zu landen, vollzieht sie eine akrobatische Übung und macht eine halbe Rolle rückwärts. Kleine Hafthaare an ihren Füßen und ein Sekret sorgen dafür, dass sie selbst an spiegelglatten Flächen sitzen bleiben kann.

Freitag, 23. September 2022, 03:03 Uhr: astronomischer Herbstanfang auf der Nordhalbkugel der Erde. Die Sonne durchschreitet den Herbstpunkt – ihre Bahn schneidet den Himmelsäquator und sie wechselt auf seine südliche Seite. An diesem Tag verläuft die Bahn der Sonne exakt senkrecht über unserem Äquator. Die Sonne geht genau im Osten auf und im Westen unter. Der Mittelpunkt der Sonne ist an diesem Tag genauso lange über wie unter dem Horizont: Tagundnachtgleiche.

 

Samstag

Nashorn

 

Die Nashörner oder auch Rhinozerosse bilden eine Familie der Unpaarhufer mit heute noch fünf lebenden Arten. Sie sind durch einen kräftigen Körper und kurze Gliedmaßen mit drei Zehen sowie einen großen Kopf charakterisiert, der bei allen heute lebenden Vertretern eine markante Bildung, bestehend aus einem oder zwei – für die Familie namengebenden – Hörnern, trägt. Die Familie stellt eine der vielfältigsten und erfolgreichsten in der Geschichte der Säugetiere dar und war während ihrer vor nahezu 50 Millionen Jahren beginnenden Entwicklungsgeschichte über weite Teile Eurasiens, Afrikas und Nordamerikas verbreitet. Überlebt haben die heute noch bestehenden Nashornarten Breitmaul- und Spitzmaulnashorn im Afrika südlich der Sahara sowie Panzer-, Java- und Sumatra-Nashorn im süd- bis südöstlichen Asien.

Das britisch-australische Künstlerduo „Gillie and Marc“ will mit einer Skulptur auf das Schicksal der letzten drei Nördlichen Breitmaulnashörner aufmerksam machen: Seit Anfang 2018 stehen der im kenianischen Wildtierreservat Ol Pejeta lebende Bulle Sudan und die beiden Weibchen Najin und Fatu aufeinandergetürmt als fünf Meter hoher Bronzeabguss in New York; Nachtrag: Am 19. März 2018 musste der Bulle Sudan eingeschläfert werden.

Beim Nördlichen Breitmaulnashorn handelt es sich um eine so genannte Schlüsseltierart: Bevor die Tiere vom Aussterben bedroht waren, zogen sie in großer Zahl durch Ost- und Zentralafrika, wo sie die Samen Hunderter Pflanzenarten verteilten. Vögel ernährten sich von den Parasiten in ihrer Haut, Antilopen nutzten die Schneisen, welche die Nashörner durch den Dschungel schlugen.

Während der Vertreter der größten Art, das Breitmaulnashorn, bis zu 3500 Kilogramm wiegen kann, ist das Sumatra-Nashorn mit einer Schulterhöhe von 100 bis 150 Zentimetern und einem Gewicht von „nur“ 600 bis 950 Kilogramm die kleinste und urtümlichste der fünf Nashornarten. Sumatra-Nashörner existieren seit 20 Millionen Jahren und sind die engsten Verwandten der eiszeitlichen Wollnashörner: Als einzige Nashornart ist es mit einer Behaarung, einem rostbraunen Haarkleid, ausgestattet. Die Nashornart lebt weitgehend einzelgängerisch in tropischen Regenwäldern, ernährt sich von weicher Pflanzenkost und für seine umfangreiche Lautkommunikation bekannt.
Das Sumatra-Nashorn zählt zu den am meisten bedrohten Tierarten überhaupt. Einst waren diese Tiere von Assam in Nordostindien über Indochina bis auf die malaiische Halbinsel und die Großen Sundainseln verbreitet. Bis vor kurzem war ihr Lebensraum auf wenige kleine, isolierte Gebiete auf Borneo und Sumatra geschrumpft. Am 23. November 2019 ist das letzte Sumatra-Nashorn in Malaysia auf Borneo eines natürlichen Todes gestorben, wie die Umweltstiftung WWF am 24. November 2019 mitteilte. Damit ist die Art in Malaysia ausgestorben. Letzte Hoffnung ist jetzt Indonesien. Derzeit streifen nach WWF-Schätzungen nicht einmal mehr 80 Tiere, verteilt auf neun isolierte Populationen, durch die Regenwälder auf Sumatra.

Mit einem Meter dreißig Schulterhöhe und 500 bis 600 Kilogramm Gewicht können Sabah-Nashörner, eine Unterart des Sumatra-Nashorns, den Titel „Kleinstes Nashorn der Welt“ beanspruchen. Die Weibchen, wie Petra Kretzschmar vom Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin herausfand, singen. „Das Tier badete in einem Schlammloch und sang dabei ununterbrochen vor sich hin“, schildert die Biologin die ungewöhnliche Darbietung. Minutenlang hingen auf- und absteigende Töne in der Luft, die an Walgesänge erinnerten. Für wen sie singen, ist bislang unbekannt. „Vielleicht dient er der Verständigung zwischen Mutter und Kind“, vermutet Petra Kretzschmar. Dafür spricht, dass bisher nur Weibchen durch entsprechendes Liedgut aufgefallen sind. Nach bisherigen Schätzungen anhand von Trittspuren trotten nur noch etwa 50 Exemplare des bedrohten Tiers in den Tieflandregenwäldern des malaysischen Bundesstaates Sabah im Norden Borneos. Der Rest ihres einst viel größeren Lebensraums musste den allgegenwärtigen Ölpalmenplantagen weichen.

Zwei Drittel der auf dem indischen Subkontinent beheimateten vom Aussterben bedrohten einhörnigen Nashörner bzw. Panzernashörner leben in dem 845 Quadratkilometer umfassenden Nationalpark Kaziranga im Bundesstaat Assam in Indien. Ihre Zahl ist jetzt um zwölf Tiere gestiegen – von 2401 auf 2413.

Derzeit leben in Afrika noch etwa 25.000 Nashörner in freier Wildbahn, rund 20.000 davon in Südafrika. Wie die Welttierschutzunion (IUCN) am 19. März 2020 berichtete, wuchs die Population des Spitzmaulnashorns in Afrika in der Wildnis zwischen 2012 und 2018 von geschätzten 4845 auf 5630 Exemplare. Die Unterart Südwestliches Spitzmaulnashorn hat sich so weit erholt, dass die IUCN sie von „gefährdet“ auf die Kategorie „potenziell gefährdet“ herabstufte. Die Zahl der Breitmaulnashörner ist zwischen 2012 und 2017 um 15 Prozent auf 18.000 gesunken. Das nördliche Breitmaulnashorn sei womöglich in der Wildnis bereits ausgestorben. Der Bestand des südlichen Breitmaulnashorns hat sich von wenigen Hundert vor 50 Jahren heute (2021) wieder auf fast 20.000 Exemplare erholt. Zwei Drittel von ihnen leben allerdings auf privaten Wildfarmen.

Nashörner waren in Asien und Afrika einst weit verbreitet. Durch Lebensraumverlust und Wilderei wurden ihre Bestände jedoch drastisch reduziert. Zwar gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch etwa 500.000 Tiere, bis 1970 wurde die Population jedoch auf 70.000 Nashörner dezimiert. Laut einer Pressemitteilung des Naturschutzbundes Deutschland e.V. (Nabu) vom 20. Mai 2022 gibt es weltweit noch etwa 27.000 Nashörner in Afrika und Asien, mit den jeweils größten Beständen in Südafrika und Indien.

Das Java-Nashorn ist eine in Asien beheimatete Nashornart mit nur einem Horn. Es ist der seltenste Vertreter der Nashörner und somit eines der seltensten Großsäugetiere der Welt. Die Art ist heute nur noch im Westen der Insel Java, im Ujung-Kulon-Nationalpark, mit etwa 63 bis 67 Individuen anzutreffen. Die Weltnaturschutzorganisation (IUCN) zählt das Java-Nashorn aufgrund dieser Umstände zu den einhundert am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten.

22. September: Welt-Nashorn-Tag

 

Sonntag

Dunkelheit

 

Wie die meisten anderen Lebewesen brauchen auch wir Menschen die Dunkelheit. Der regelmäßige Wechsel von Wachsein und Schlafen – unser täglicher Lebensrhythmus – ist nichts anderes als der hormonelle Ausdruck der regelmäßig wechselnden Lichtverhältnisse auf der Erde. Dieser Rhythmus ist für unser biologisches Dasein von grundlegender Bedeutung. Ihn ändern zu wollen würde einer Manipulation der Schwerkraft gleichkommen.

Seit etwa hundert Jahren machen wir einen gewaltigen Selbstversuch mit ungewissem Ausgang. Wir nehmen Einfluss auf die Helligkeit um uns herum. Auffälliger sind die Auswirkungen gewiss bei weniger anpassungsfähigen Lebewesen – aber auch von uns dürfte die Lichtverschmutzung einen Tribut fordern. Wir haben uns vom ureigenen entwicklungsgeschichtlichen Erbe abgeschnitten. Die Lichtverschmutzung hat überdies zur Folge, dass wir in einem sehr realen Sinn den Blick für unseren Platz im Universum zu verlieren drohen – und für die wahre Größe unseres Daseins, die sich am besten an den Maßstäben der Nacht bemisst. An der Milchstraße, die sich hoch über unseren Köpfen wölbt.

Verlyn Klinkenborg (National Geographic Deutschland)


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