36. Kalenderwoche (31. August – 6. September 2020)

 

Sirius  Das Grüne Band Pantanal
 Disteln  Vogelschwarm Jaguar Riechen

 

 

Montag

Sirius

 

Knapp östlich von Orion strahlt in einem intensiven, bläulichen Licht Sirius, der hellste Fixstern am irdischen Himmel (nur die Planeten Venus und Jupiter übertreffen Sirius an Helligkeit), Hauptstern im Sternbild Großer Hund. Mit nur neun Lichtjahren Entfernung zählt er zu den Nachbarsternen unserer Sonne. Die alten Ägypter nannten ihn Sothis. Mit seiner Hilfe bestimmten sie die Länge eines Sonnenjahres und bemerkten dabei, dass das Jahr um einen Vierteltag länger dauert als 365 Tage.

Nach Einbruch der Dunkelheit dominieren weiterhin Jupiter und Saturn, die beiden größten Planeten des Sonnensystems, das Himmelsgeschehen. Am späteren Abend erscheint der rötliche Mars am Osthimmel. Er wird deutlich heller und übertrifft im Laufe des Monats sogar Jupiter an Glanz. Am 6. September zieht der abnehmende Mond an Mars vorbei. Die Venus strahlt in den Stunden vor Sonnenaufgang als Morgenstern am Osthimmel.

Dienstag, 1. September 2020: Meteorologischer Herbstanfang auf der Nordhalbkugel

Mittwoch, 2. September 2020, 07:22:06: Vollmond

 

Dienstag

Das Grüne Band – einst Todesstreifen, jetzt unvergleichliche Lebenslinie

 

Das 1393 Kilometer lange Grüne Band Deutschland an der ehemaligen innerdeutschen Grenze von der Ostsee bei Travemünde bis zum Dreiländereck bei Hof ist der größte zusammenhängender Biotopverbund Deutschlands und bietet heute über 1200 auf der Roten Liste als gefährdet eingestuften Tier- und Pflanzenarten Zuflucht. Wie eine Perlenkette ziehen sich die verschiedensten Lebensräume am ehemaligen Grenzstreifen entlang: In der Elbtalaue, wo auch der Biber seine Burgen baut, brüten die Schwarzstörche, in der Altmark haben Seeadler, Singschwan und Kranich ihr Revier, durch den Harz stromert die scheue Wildkatze, und in der thüringischen Heidelandschaft haben Birkhuhn und Heidelerche einen Überlebensraum gefunden. Mit seinen 177 Quadratkilometern ist das Grüne Band Deutschland fast doppelt so groß wie Sylt. Bis heute sind entlang des Grünen Bandes 150 Naturschutzgebiete ausgewiesen worden, 40 befinden sich in Planung. Nur hier sind über einhundert verschiedene Lebensräume, darunter seltene Magerrasen und strukturreiche Feuchtgebiete, miteinander verbunden. Als relativ naturnah gilt das Band noch auf vier Fünftel seiner Länge und 85 Prozent seiner Fläche. Die Realisierung des Grünen Bandes Deutschland stellt einen der größten Erfolge deutscher Umweltverbände dar.

Geburtsstunde der Idee zum Grünen Band war ein Treffen, zu dem der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am 9. Dezember 1989, also schon wenige Wochen nach dem Mauerfall, nach Hof eingeladen hatte. In einer Resolution forderten die Teilnehmer, den Grenzverlauf in seiner gesamten Länge als Lebensraumverbund unter Schutz zu stellen.

Das Grüne Band Deutschland könnte eines Tages Teil eines Grünen Bandes Europa werden, das vom Nördlichen Eismeer über  12.500 Kilometer bis zum Schwarzen Meer reichen und den längsten Lebensraumverbund der Welt darstellen würde.

1. September 2020: Meteorologischer Herbstanfang auf der Nordhalbkugel

 

Mittwoch

Pantanal

 

Das südamerikanische Pantanal (portugiesisch für Sumpf) ist das größte Sumpfgebiet der Welt. Mit etwa 230.000 Quadratkilometern Fläche ist es fast genauso groß wie die Bundesrepublik Deutschland vor der Wiedervereinigung. Es liegt durchschnittlich nur knapp 95 Meter über dem Meeresspiegel. Das Pantanal besteht aus einem verzweigten System von Flüssen und Seen und erstreckt sich von dem brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul auch auf den Mato Grosso und die Nachbarländer Bolivien und Paraguay. Darin hat sich ein artenreiches Feuchtgebiet entwickelt.

Durchquert, gespeist und entwässert wird das Gebiet vom Río Paraguay. Auf seinem 600 Kilometer langen Weg durch die Tiefebene des Pantanal hat er nur ein Gefälle von 30 Metern. Deshalb kann das Wasser, das aufgrund der Niederschläge im nördlichen Hochland über zahlreiche Flüsse in das Becken abfließt, das Gebiet nur sehr langsam wieder Richtung Süden verlassen. Einmal im Jahr, während der Regenzeit von November bis März, werden weite Teile der Tiefebene überschwemmt; zwei Drittel des Gebietes stehen teilweise metertief unter Wasser. So entsteht ein komplexes System aus Savannen, riesigen überschwemmten Wasserflächen, regenwaldartigen Flussgaleriewäldern und Trockenwäldern, ebenso wie ein Mosaik aus Flüssen, Seen und seichten Lagunen, deren Ausdehnung und Größe vom jährlichen Wechselzyklus von Regen- und Trockenzeit bestimmt werden. Während der Regenzeit zieht sich das Vieh – aber auch die wilden Tiere – in die Trockenwälder und auf die Uferdämme der Flüsse zurück, die jeweils durch Sedimentablagerungen entstanden und entstehen.

In diesem einzigartigen Naturparadies gibt es mit geschätzten 665 Arten von Vögeln mehr als im gesamten Europa, und Ornithologen bezweifeln, dass schon alle entdeckt werden konnten. Das Pantanal hat das größte Vorkommen von Hyazinth-Aras in Brasilien und es ist ein sehr wichtiges Rückzugsgebiet für den vom Aussterben bedrohten Riesenotter geworden. Unter den etwa 123 Säugetierarten befinden sich die Raubtiere Jaguar, Puma und Ozelot und ihre Beutetiere wie Sumpfhirsche, Pekaris und Capybaras, die größten Nagetiere der Welt, die bis zu 70 Kilogramm schwer werden. Weiterhin gibt es mindestens 2000 Pflanzenarten, 269 Fischarten, unzählige Reptilien und Amphibien sowie eine Vielzahl von Insekten. Der Vogel Jabiru, der Riesenstorch, ist das Symbol des Pantanals. Kaimane bevölkern mit 35 Millionen Exemplaren dieses Gebiet. Wenn der Río Paraguay das Pantanal überflutet, ist das Sumpfgebiet mit riesigen Seerosen, Victoria, bedeckt.

Durch Industrialisierung und Rodung ist das Pantanal akut gefährdet. Eine Studie der Umweltorganisation Conservation International do Brasil kommt zu dem Schluss, dass die natürliche Pflanzenwelt schon im Jahr 2050 komplett ausgelöscht sein könnte, wenn die Zerstörung im gleichen Tempo weitergeht wie bisher.

Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro hat am 6. November 2019 ein Verbot des Zuckerrohranbaus für die Feuchtgebiete am Amazonas und im Pantanal aufgehoben. Es war vor zehn Jahren von der linksgerichteten Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva per Dekret verhängt worden. Umwelt- und Klimaschützer kritisierten die Entscheidung der brasilianischen Regierung scharf.

Im Jahr 2000 ernannte die Unesco den Nationalpark Pantanal Matogrossense und drei angrenzende private Schutzgebiete der brasilianischen Umweltschutzorganisation Ecotrópica (Gesamtfläche: 1878 Quadratkilometer) zum Weltnaturerbe.

2. September 2020, 07:22:06: Vollmond

 

Donnerstag

Disteln

 

Als Disteln werden umgangssprachlich mit Dornen bewehrte, „stachelige“ Pflanzen bezeichnet. Gut 2700 verschiedene Distelarten gibt es auf der Welt, die meisten davon gedeihen in Asien und Europa. In Deutschland gibt es rund 120 Distelarten, und insbesondere Hummeln und Bienen finden in den pollen- und nektarreichen Blüten über viele Monate hinweg einen überreich gedeckten Tisch. Von den Samenanlagen lebt eine Vielzahl von Larven, die reifen Früchte lassen sich Stieglitze (oder eben Distelfinken, die die Samen mit den Flugschirmchen über alles schätzen) und andere Körner fressende Vögel schmecken. Im Mark der Stängel leben bis zu 20 verschiedene Insektenlarven. Und selbst die vertrockneten Köpfe der Pflanzen werden als schützende Überwinterungsplätze noch gerne benutzt. Für einige Schmetterlingsarten sind die Pflanzen lebensnotwendig, da sie sich auf sie spezialisiert haben. So legt der Distelfalter seine Eier, wie der Name erahnen lässt, auf verschiedenen Distelarten sowie auf Brennnesseln ab. Die grau-schwarzen Raupen mit den gelben Rückenlinien und kurzen gelblichen bis grauen Dornen leben den Juni über in einzeln zusammengesponnenen Blättern. Nach etwa vier Wochen verpuppen sie sich in ihren Blatttüten. Nach einer Puppenruhe von ca. zwei Wochen entschlüpft aus der grau-braunen Puppe schließlich der Falter.

Disteln sind wahre Überlebenskünstler. Die vielen tausend Samen, die der Korbblütler alljährlich produziert, können kilometerweit vom Wind getragen werden – und sie haben eine grandiose Keimfähigkeit: Auch nach 40 Jahren, so fand man in England heraus, treiben noch 96 Prozent der Samen.

 

Freitag

Vogelschwarm

 

Wie ein dunkler, transparenter Chiffonschal im Wind schwebt der Schwarm am Abendhimmel, ballt sich zu einer schwarzen Kugel, stürzt in Form eines Tornadowirbels dem Erdboden entgegen und schwingt sich wieder als leichte Wolke empor. Nachdem die Stare tagsüber in kleineren Trupps auf Nahrungssuche geflogen sind, sammeln sie sich abends, bevor sie ihre Schlafplätze aufsuchen, oft zu riesigen Schwärmen und vollführen rasch wechselnde, halsbrecherisch anmutende Flugübungen. Dann erscheinen sie wie ein einziges großes Lebewesen.

Im Herbst kann man beeindruckende Schwarmformationen von Tausenden Staren beobachten: perfekt aufeinander abgestimmt, gleiten sie in hohem Tempo durch die Luft. Im Jahr 2016 wurden bei Freiburg in Baden-Württemberg Schwärme vom 100.000 Staren gesehen, in Schleswig-Holstein bei Gotteskoogsee zwischen Niebüll und der deutsch-dänischen Grenze waren es 220.000 Stare. Die größten Schwärme von über einer Million Stare gibt es in Rom und anderen Orten ihrer Überwinterungsgebiete.

In der Biologie bezeichnet der Begriff „Vogelschwarm“ eine Gruppe von Vögeln, deren Mitglieder sich untereinander nicht individuell kennen, die aber gemeinsam einen Superorganismus bilden. Wissenschaftler auf der ganzen Welt versuchen, hinter das Geheimnis der sogenannten Schwarm-Intelligenz zu kommen.

 

Samstag

Jaguar

 

Der Jaguar ist nach dem Tiger und dem Löwen die drittgrößte Katze und größte Raubkatze Amerikas. Dieses Raubtier sieht dem Leoparden ähnlich, der in Afrika und Asien lebt. Früher reichte das Verbreitungsgebiet der Jaguare vom Südwesten der USA bis in die Graspampas Argentiniens. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts haben die Großkatzen fast die Hälfte ihrer Reviere verloren. Sie wurden immer tiefer in Dschungelgebiete zurückgedrängt. Heute kommt der Jaguar fast nur noch in Mittel- und Südamerika vor.

Im Vergleich mit einem Leoparden hat der Jaguar einen massiveren Körperbau, ist wesentlich schwerer und wirkt in seiner Erscheinung sehr „kompakt“ und kraftvoll. Besonders charakteristisch sind die muskulösen Beine, die etwas kürzer als beim Leoparden sind, der breitere und rundere Kopf der Großkatze und die extrem kräftigen Kieferknochen und die äußerst starke Kiefermuskulatur. Der Schädel ist sehr robust.

Wie alle Bestandsangaben zu Wildtieren sind auch die zum Jaguar nur ungefähre Angaben, die zwischen 15.000 und 25.000 Exemplaren liegen, wobei sich die größte Populationsdichte auf das Amazonasbecken und vor allem auf das südlich davon gelegene durch die Unesco zum Welterbe erklärten Pantanal beschränkt, einer der letzten sicheren Rückzugsorte für die einzigen Großkatzen Amerikas. Die Wildkatzen-Schutzorganisation Panthera hat sich zum Ziel gesetzt, die Jaguare vor dem Aussterben zu bewahren, ihre Lebensräume und Wanderungswege zu schützen, aber auch die Legenden, die sich um sie ranken. Alle Jaguarpopulationen in Amerika sind durch Migration miteinander verbunden. Die Raubkatzen durchwandern jedoch nur widerwillig unbekannte Regionen. Umso wichtiger ist es, die Verbindungen zwischen den Kernpopulationen durch Korridore aufrechtzuerhalten und ihren Lebensraum nicht noch mehr zu zerstückeln. Jaguare gelten als gute Indikatoren für ein intaktes Ökosystem.

In Mexiko gibt es derzeit rund 4800 Exemplare der bedrohten Jaguare, wie die Umweltorganisation WWF am 18. Juni 2018 mitteilte. Damit sei die Zahl der Tiere in den vergangenen acht Jahren um 20 Prozent gestiegen. Dies sei ein großer Erfolg für Mexikos Naturschutz. Grund für die Zunahme der Population sei unter anderem die Aufforstung zerstörter Wälder.

 

Sonntag

Riechen

 

Wir Menschen atmen etwa 24.000 Mal am Tag ein. Im Gegensatz zum Hörsinn und Sehsinn schläft der Riechsinn nie. Pausenlos saugt unsere Nase Geruchs-Moleküle ein. Die größte Genomgruppe des Menschen, etwa ein Prozent der Gene, dient dem Geruchssinn. Forscher nennen ihn unseren Ur-Sinn. Das Riechhirn, wo die Geruchsmoleküle entschlüsselt werden, ist direkt mit dem limbischen System verbunden. Hier entstehen Erinnerungen und Emotionen. Deshalb ist die unmittelbare Reaktion auf einen Geruch ein Gefühl. Die wesentliche Bedeutung des Geruchssinns belegt auch die Evolution: Er gilt als erste Sinneswahrnehmung überhaupt, die sich schon bei Einzellern ausbildete.

Jede duftende Substanz sondert Moleküle in die Luft ab. Diese Duft-Moleküle enthalten einen Code, der nur riechend entschlüsselt werden kann. Durch die Nase landet das Duftmolekül auf der Riechschleimhaut, wo sich 350 verschiedene Rezeptoren befinden, die wie komplexe Zahlenschlösser funktionieren. Jeder Rezeptor ist auf ein bestimmtes Duftmolekül spezialisiert. Die meisten Gerüche sind komplexe Kombinationen. Kaffee zum Beispiel enthält etwa 100 verschiedene Düfte.

Theoretisch kann unser Geruchssinn über eine Billion verschiedener Düfte auseinanderhalten, wie der Wissenschaftler Andreas Keller von der Rockefeller University in New York im Fachjournal „Science“ schreibt. Das sind deutlich mehr als bislang bekannt. Bisher waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass die Nase 10.000 Gerüche unterscheiden kann. Das Gehör erkennt Schätzungen zufolge etwa 340.000 unterschiedliche Töne. Die Augen können 2,3 bis 7,5 Millionen Farben unterscheiden. Die Nase kann also weit mehr Reize wahrnehmen.

Am 6. September zieht der abnehmende Mond an Mars vorbei.


RSS