Verletzungen der Welt. 21. KW: Schwund der Biodiversität

Unter der Rubrik Verletzungen der Welt werden die wohl schlimmsten Verletzungen der Welt aufgeführt. Zu Beginn wird die jeweilige Thematik in den Reich-Gottes-Zusammenhang gerückt, es folgen grundsätzliche Informationen, sodann Beispiele für ein sich der entsprechenden Verletzung widmendes heilendes Engagement. Ein letzter Punkt weist schließlich darauf hin, dass die Realisierung unserer Weltverbundenheit bzw. eine Reich-Gottes-Spiritualität dem verletzenden Handeln selbst den Boden entziehen, aber vielleicht auch die stärksten und nachhaltigsten Kräfte zur Heilung der Welt freisetzen würde. Die Seiten werden kontinuierlich überarbeitet und aktualisiert.
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2011-2020: UN-Dekade für die biologische Vielfalt *
3. März: Internationaler Tag des Artenschutzes
22. Mai: Internationaler Tag für die Erhaltung der biologischen Vielfalt
16./17. Juni 2018: GEO-Tag der Natur

SCHWUND DER BIODIVERSITÄT

Artenvielfalt, nicht im Trend
Uniformität dagegen schon
Die Städte weltweit gleichen sich
Kultur wird so zur Unkultur

Wird die Welt ein Einerlei
Den Profiteuren ist es Recht
Vom Regenwald zur Agro-Wüste
Man sieht, wie Vielfalt Einfalt wird

Vielfalt ist zwar schön und bunt
Aber vieles scheint verzichtbar
Zur Produktion für unsre Zwecke
Ist nur wenig von Bedeutung

Doch sind die vielen Lebensformen
Nicht etwas wie ein Haufen Steine
Sie bilden ein System, das lebt
Gewebe, Netz, Geflecht, ein Ganzes

Jede Art kann ihre Rolle
Nur in ihrem Medium spielen
Zusammen ein umfassend Eines
Und wir selber mittendrin

Hans Bischlager (jetzt veröffentlicht in: Hans Bischlager, Entschieden wird im Untergrund. Politische Gedichte, Verlag tredition GmbH, Hamburg 2017, Seite 14) 

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Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume auf Erden, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist. Und es geschah so. Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringt, ein jedes nach seiner Art, und Bäume, die da Früchte tragen, in denen ihr Same ist, ein jeder nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war… Und Gott schuf große Walfische und alles Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und alle gefiederten Vögel, einen jeden nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war… Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so. Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. (1. Mose 1,11-12.21.24-25)

„Jede Form des Lebens ist einzigartig und verlangt Respekt ungeachtet ihres Wertes für den Menschen.“ (Aus der „World Charta for Nature“ der UNO von 1982)

„Doch es genügt nicht, an die verschiedenen Arten nur als eventuelle nutzbare „Ressourcen“ zu denken und zu vergessen, dass sie einen Eigenwert besitzen. Jedes Jahr verschwinden Tausende Pflanzen- und Tierarten, die wir nicht mehr kennen können, die unsere Kinder nicht mehr sehen können, verloren für immer. Die weitaus größte Mehrheit stirbt aus Gründen aus, die mit irgendeinem menschlichen Tun zusammenhängen. Unseretwegen können bereits Tausende Arten nicht mehr mit ihrer Existenz Gott verherrlichen, noch uns ihre Botschaft vermitteln. Dazu haben wir kein Recht.“ (Papst Franziskus in der Enzyklika „Laudato si“, 2015, Nr. 33)

Am 1. September 1914 kurz vor 13 Uhr starb Martha – und wurde zu einem Symbol der Ausrottung. Martha war die letzte Wandertaube der Welt. Sie wurde 29 Jahre alt und sie starb in einem Käfig des Zoos von Cincinnati/Ohio. Diese letzte Wandertaube, deren Vorfahren den Kontinent überflogen hatten, war schon im Zoo geschlüpft. Sie kannte nur die Welt ihres Käfigs. Ein Jahrhundert zuvor hatten drei, vielleicht fünf Milliarden Wandertauben den nordamerikanischen Kontinent durchstreift, hatten die Sonne verdunkelt, wenn gigantische Schwärme aus mehreren Millionen Vögeln über das Land zogen. Einmal habe es volle drei Tage gedauert, bis ein einziger Schwarm über ihn hinweggezogen sei, schrieb der Naturforscher James Audubon. Dem Menschen gelang es, diese scheinbar unerschöpfliche Zahl binnen weniger Jahrzehnte auf null zu bringen. Mehr zur Wandertaube im Internet.

 

INFORMATIONEN

 

Biodiversität umfasst die Vielfalt der Lebensräume und Arten sowie die genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Alle drei Aspekte sind eng verknüpft und beeinflussen sich wechselseitig. Die biologische Vielfalt, das kunstvolle Netzwerk der Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensräume, stützt alles Leben auf dieser Erde. Extinktion ist der Fachbegriff für den Vorgang, dass Arten von der Erde verschwinden. Laut UN sterben jeden Tag etwa 130 Tier-und Pflanzenarten aus.

Nach neuesten Schätzungen leben rund 8,7 Millionen verschiedene Arten auf der Erde – plus/minus 1,3 Millionen. Das zeigt eine Untersuchung amerikanischer und britischer Forscher. Bei ihrer Analyse zählten sie nur die auf der Welt existierenden Lebewesen, die einen Zellkern haben, also sogenannte Eukaryoten. Lebewesen ohne Zellkern, etwa Bakterien und Viren, wurden nicht mit aufgenommen. Der mit Abstand größte Teil der auf der Welt lebenden Arten seien Tiere (knapp 7,8 Millionen), gefolgt von Pilzen (rund 610.000) und Pflanzen (knapp 300.000). Rund ein Viertel aller Arten lebe in den Ozeanen. Ein Großteil dieser Organismen sei heute der Wissenschaft noch völlig unbekannt, schreiben die Forscher im Fachmagazin PloS Biology.
Allein an Tieren, Pflanzen und Pilzen sind weltweit zurzeit etwa 1,8 Millionen Arten bestimmt. Davon leben in Deutschland rund 71.500 Arten. Am artenreichsten ist es in den Tropen oder Subtropen. Im Verhältnis zu seiner Größe ist Costa Rica weltweit das Land mit der größten Artenvielfalt. Wegen seiner Vielfalt an unterschiedlichen Lebensräumen auf engstem Raum gilt Ecuador weltweit als das Land mit der größten Biodiversität pro Quadratkilometer.

Einer im Jahr 2013 im Magazin „Science“ veröffentlichten Studie zufolge leben auf einem Sechstel der Landoberfläche zwei Drittel aller Pflanzenarten weltweit; gleichzeitig beheimaten diese Regionen 89 Prozent aller Vogel-, 80 Prozent der Amphibien- und 74 Prozent der Säugetierarten. Doch nur sechs Prozent dieser Gegenden stehen unter Schutz – obwohl weltweit 13 Prozent der Landoberfläche als schützenswert ausgewiesen sind.
Weltweit gibt es 34 sogenannte Hotspots der biologischen Vielfalt, Regionen, in denen eine große Zahl von Pflanzen- und Tierarten ausschließlich vorkommt und deren Natur in besonderem Maße bedroht ist.

Informationen zur Entdeckung bislang unbekannter Arten finden Sie hier.

Die Biodiversität nimmt weltweit rapide ab. Allein von den fünf bis neun Millionen Tierarten gehen jährlich 11.000 bis 58.000 verloren – das Verschwinden von Arten lediglich in begrenzten Regionen ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. 41 Prozent der Amphibienarten und 17 Prozent der Vogel-Spezies sind bedroht. Eine am 23. Juli 2010 auf der ersten globalen Konferenz für Artenvielfalt und Biodiversität in London veröffentlichte Studie des UN-Umweltprogramms UNEP kommt zum Ergebnis, dass die Arten heute 100 Mal schneller aussterben, als es die Evolution vorgibt. „Der Mensch verursacht gerade das größte globale Artensterben seit Verschwinden der Dinosaurier“, warnte der Geschäftsführende Vorstand des WWF Deutschland, Eberhard Brandes, Ende 2014.

Im Jahr 2018 haben die Vereinten Nationen zum ersten Mal neben dem Weltklimabericht auch einen Weltbiodiversitätsbericht vorgelegt, in dem unabhängig von Interessengruppen und mit wissenschaftlichen Methoden der Zustand und die Bedrohungen für die Natur auf unserem Planeten aufgearbeitet worden ist. Verantwortlich dafür ist der im Jahr 2012 gegründete Weltbiodiversitätsrat IPBES, ein dem Weltklimarat (IPCC) ähnliches zwischenstaatliches Gremium unter dem Dach der Vereinten Nationen, das seinen Sitz in Bonn hat. In der kolumbianischen Metropole Medellín wurden am 23. März 2018 die ersten vier regionalen Teilberichte des Weltbiodiversitätsberichtes verabschiedet und präsentiert. Das Ergebnis ist ernüchternd: Es gibt weltweit praktisch keine Region mehr, in der die Artenvielfalt nicht deutlich abnimmt. „Die Biodiversität der Welt geht verloren – und das untergräbt auch das Wohlergehen der Menschen“, sagte der IPBES-Vorsitzende Robert Watson.

Nach dem am 27. Oktober 2016 veröffentlichten „Living Planet Report 2016“ der Umweltstiftung WWF, eine alle zwei Jahre erscheinende globale Bestandsaufnahme über den Zustand der Welt, sind die Bestände bei mehr als 14.000 der weltweit untersuchten Wirbeltierarten zwischen 1970 und 2012 im Schnitt um knapp 60 Prozent zurückgegangen, die Bestände der Tiere in Flüssen und Seen sogar um durchschnittlich 81 Prozent.

Die Weltnaturschutzunion (International Union for the Conservation of Nature, IUCN) veröffentlicht seit 1962 in unregelmäßigen Abständen die Rote Liste gefährdeter Arten („Red Data Book“). Darin sind die weltweit vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten aufgeführt. Jane Smart, Leiterin der Abteilung Artenvielfalt im IUCN-Hauptquartier im schweizerischen Gland, wo alle Informationen für die Rote Liste seit nunmehr 50 Jahren zusammenlaufen, nennt die Liste gern „das Barometer des Lebens“. 1962 standen 211 Säugetiere und 312 Vogelarten darauf, 2007 waren es bereits 16.308 bedrohte Arten. Auf der UN-Artenschutzkonferenz im Dezember 2016 im mexikanischen Cancún stellte die Weltnaturschutzunion die aktuelle Rote Liste vor, für die 85.604 Tier- und Pflanzenarten untersucht wurden. 24.307 davon sind bedroht. Unter anderem rückte die Giraffe von der Kategorie ungefährdet auf gefährdet.

Im Jahr 2012 haben Wissenschaftler der IUCN erstmals auch die hundert am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten der Erde auf einer Liste zusammengefasst. Zu den Säugetieren in der Liste gehören zum Beispiel das Zwergfaultier, das nur noch auf einer kleinen Insel vor der Küste von Panama vorkommt, der in China lebende Hainan-Gibbon, von dem nur noch weniger als 20 Exemplare existieren, oder die als asiatisches Einhorn bekannte Saola-Antilope, die in Vietnam lebt. Von vielen Spezies ist nicht einmal bekannt, wie viele Exemplare überhaupt noch existieren.

Biotope stellen das „ökologische Rückgrat“ der biologischen Vielfalt dar. Ein internationales Forscherteam hat 2016 erstmals eine europäische Rote Liste gefährdeter Lebensräume in Europa erstellt. Insgesamt seien trotz eingeleiteter Schutzmaßnahmen bereits mehr als ein Drittel aller Lebensräume gefährdet. An erster Stelle stehen die Moore. Drei Viertel gelten als bedroht. Dramatisch ist danach aber auch die Lage bei den artenreichen Wiesen sowie von Seen-, Fluss- und Küsten-Biotopen.

Hierzulande hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) zuletzt 2006 eine „Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen“ veröffentlicht. Damals wurden 72,5 Prozent aller vorkommenden Biotoptypen als gefährdet eingestuft.

Die vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn herausgegebenen Roten Listen gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands werden derzeit aktualisiert.

16 von 20 typischen Feldvogelarten in Deutschland sind laut „Roter Liste“ der Weltnaturschutzorganisation in ihrem Bestand gefährdet, darunter die Feldlerche, das Braunkehlchen oder der Grauammer. Die Kiebitz und das Rebhuhn gelten in Deutschland sogar als „stark gefährdet“. Zwischen 1990 und 2013 verschwanden in Deutschland 35 Prozent aller Feldlerchen, 80 Prozent aller Kiebitze und 84 Prozent aller Rebhühner, wie aus einer am 4. Mai 2017 veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag hervorging. Hauptgrund ist die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft. „Geht man in Zukunft von einer Fortführung dieser Bewirtschaftungsintensität beziehungsweise sogar von einer Erhöhung aus, könnten ganze Agrarlandschaften vogelleer werden“, heißt es in einer im Juni 2017 veröffentlichten Überblicksstudie, die das Forschungsinstitut für Ökosystemanalyse und -bewertung an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion erstellte. Die Bestandsentwicklung der Feldvogelarten sei „besorgniserregend“.

Anfang 2017 hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) eine neue Rote Liste der Großpilze veröffentlicht. Nur von jedem zweiten weiß man genug, um den Grad der Gefährdung zu bewerten. Von diesen finden sich über die Hälfte in der Roten Liste: 808 Arten gelten als bestandsgefährdet und weitere 728 Arten als extrem selten und daher latent bedroht.

Anlässlich des weltweiten Tags des Artenschutzes am 3. März 2015 warnte die Umweltschutzorganisation WWF vor dem größten Artensterben seit Verschwinden der Dinosaurier.  Von den rund 76.000 wissenschaftlich untersuchten Tier- und Pflanzenarten seien über 22.000  in ihrer Existenz akut bedroht. „Verursacher dieser Katastrophe ist der Mensch“, erklärte der WWF.

Derzeit ist die weltweite Artenvielfalt weniger von Klimaveränderungen als von altbekannten Gefahren wie Waldrodungen und der Landwirtschaft bedroht, betonen Wissenschaftler um Sean Maxwell von der University of Queensland in Brisbane (Australien) im August 2016 in einem Beitrag im Fachjournal Nature.

Weltweit stellen invasive gebietsfremde Arten eine der wichtigsten Gefährdungsursachen für die biologische Vielfalt dar.

Der Irawadi-Delfin ist zum Symbol der schwindenden Artenvielfalt in Südostasien geworden. Es wird befürchtet, dass er das Schicksal des Chinesischen Flussdelfins (Baiji) teilen könnte: 2002 starb das wohl letzte dieser Tiere im Jangtse-Fluss.

In Australien ist die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte ausgestorben; dies sei der erste dokumentierte Fall eines Säugetiers, das aufgrund des vom Menschen verursachten Klimawandels ausgestorben sei, sagte Luke Leung von der Universität Queensland.

Am 12. Januar 2016 erschien die im Auftrag des grünen Europaabgeordneten Martin Häusling vom Wissenschaftsautor Stephan Börnecke erstellte Studie: Wir sind dann mal weg – Die (un-)heimliche Arten-Erosion. Eine agroindustrielle Landwirtschaft dezimiert unsere Lebensvielfalt. Dass in der Agrarlandschaft praktisch alle Tier- und Pflanzengruppen von einem eklatanten Schwund betroffen sind, ist auch das Ergebnis des am 20. Juni 2017 veröffentlichten Agrar-Reports zur biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft des Bundesamts für Naturschutz (BfN).

Eine am 18. Oktober 2017 veröffentlichte Studie des renommierten Wissenschaftsjournals PLOS ONE bestätigt erstmals, dass der Insektenbestand in einigen Regionen Deutschlands in den letzten 27 Jahren um 76 bis 82 Prozent zurückgegangen ist. Wie Wissenschaftler der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Technischen Universität München nachgewiesen haben, sind davon nicht nur in erster Linie spezialisierte Arten betroffen, vielmehr würden auch derzeit noch weitverbreiteten Insekten künftig hohe Verluste drohen. Weiterführende Informationen zum Rückgang der Insekten finden Sie hier.

BirdLife International, die Dachorganisation des Naturschutzbundes Nabu, ist bei der jährlichen Aktualisierung der weltweiten Roten Liste im Jahr 2015 zu dem Ergebnis gekommen, dass etwa ein Achtel der auf der Erde vorkommenden rund 10.000 Vogelarten vom Aussterben bedroht ist. Von den in Deutschland lebenden Vogelarten gelten mittlerweile 22 als vom Aussterben bedroht – die Hälfte steht neu auf der weltweiten Roten Liste.

Laut dem am 3. März 2015 veröffentlichten Umweltbericht der EU-Kommission und der Europäischen Umweltagentur (EEA) ist in Europa fast jede dritte Vogelart vom Aussterben bedroht oder steht auf der Warnliste. Der NABU-Dachverband BirdLife International hat im Juni 2015 eine neue Rote Liste der bedrohten Vogelarten in Europa vorgelegt. 18 Prozent der 451 Vogelarten der EU wurden als gefährdet eingestuft und könnten damit innerhalb der nächsten 100 Jahre komplett aus der EU verschwinden. Elf Arten, darunter die Schnee-Eule, der Balearensturmtaucher und die Weidenammer, werden als kritisch gefährdet eingestuft. Auf kontinentaler Ebene wurden 13 Prozent von 533 europäischen Vogelarten als gefährdet eingeschätzt, zehn Prozent dieser Arten gelten sogar auf globaler Ebene als vom Aussterben bedroht.

Zwischen 1990 und 2013 sind in Deutschland 84 Prozent aller Rebhühner, 80 Prozent der Kiebitze und 35 Prozent der Feldlerchen verschwunden, wie aus einer Anfang Mai 2017 veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag hervorgeht.

Von den 1082 Heuschreckenarten in Europa sind nach Expertenangaben 25,7 Prozent gefährdet. Die Zahlen nannte Axel Hochkirch, Biogeograf an der Universität Trier, im Januar 2017. Unter seiner Leitung hatten gut 150 Heuschrecken-Experten die Daten für die europäische Rote Liste erstellt.

Am 20. Mai 2015 stellte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) zum ersten Mal einen umfassenden Artenschutz-Report vor. Danach gilt inzwischen knapp ein Drittel der in Deutschland heimischen 48.000 Tierarten, 9500 Pflanzen- und 14.400 Pilzarten als bestandsgefährdet, vier Prozent davon sind bereits ausgestorben. Besonders gravierend ist die Situation bei den wirbellosen Tieren, zu denen beispielsweise die Insekten gehören. Hier gelten sogar 45,8 Prozent der bislang 6057 untersuchten Arten und Unterarten als bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben. Besonders bei den Brutvogelarten hat sich die Situation in den letzten Jahren spürbar verschlechtert: Über die letzten zwölf Jahre nahmen 34 Prozent in ihrem Bestand mehr oder weniger stark ab. Über 23 Prozent der Zugvogelarten sind bestandsgefährdet und stehen auf der Roten Liste der wandernden Vogelarten.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat im August 2016 eine neue Rote Liste Brutvögel Deutschlands veröffentlicht. Rund 30 der insgesamt etwa 200 Vogelarten, die es in Deutschland gibt, sind vom Aussterben bedroht. Heute bevölkern 80 Prozent weniger Vögel Deutschlands Wälder, Wiesen und Gärten als noch im Jahr 1800.

Am 10. März 2014 wurde vom Deutschen Rat für Vogelschutz (DRV) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) zum ersten Mal eine Rote Liste der wandernden Vogelarten in Deutschland präsentiert. 500 Millionen Zugvögel ziehen jährlich über Deutschland – knapp 25 Prozent der Arten stehen auf der Roten Liste. Die Ergebnisse zeigen die hohe internationale Bedeutung Deutschlands für wandernde Vogelarten. Deutlich wird ebenso die Abhängigkeit der nationalen Zugvogelbestände von effektiven internationalen Schutzmaßnahmen auf den Flugrouten, Rast- und Brutplätzen.

Mit jedem Grad Erwärmung infolge der Klimaveränderung wird sich das Artensterben beschleunigen. Zu diesem Schluss kommt der US-Ökologe Mark Urban nach der Neubewertung von mehr als 130 Studien zum Thema. Folge die Welt dem bisherigen „business-as-usual“-Pfad, sei etwa jede sechste Art vom Aussterben bedroht, schreibt er im Journal „Science“ vom 1. Mai 2015. Am stärksten sei die Vielfalt der Tiere und Pflanzen in Südamerika, Australien und Neuseeland gefährdet.

Neben der Klimaveränderung sei das Verschwinden der großen Raubtiere einer der bedeutendsten Einflüsse des Menschen auf die Natur – allerdings ohne vergleichbare Beachtung der Öffentlichkeit zu finden, mahnt ein Forscherteam im Fachblatt Science (Vol. 343 vom 10. Januar 2014).

Ein internationales Forscherteam macht in einer umfassenden Übersicht im Fachblatt „Science Advances“ vom 1. Mai 2015 auf die Bedrohung der großen Pflanzenfresser der Welt und die damit einhergehenden ökologischen und sozialen Folgen aufmerksam. Viele Arten könnten in den nächsten Jahrzehnten ganz von der Erde verschwinden – mit weitreichenden Folgen für andere Tier- und Pflanzenarten und nicht zuletzt für den Menschen. Weltweit gebe es 74 Arten von Pflanzenfressern mit mehr als 100 Kilogramm Körpergewicht. Sie gehören zu elf Tiergruppen, darunter die der Elefanten, Nashörner, Flusspferde, Giraffenartigen, Hornträger, Tapire und Hirsche. 44 der Arten sind laut IUCN schon jetzt vom Aussterben bedroht.

Im kenianischen Wildtierreservat Ol Pejeta lebten bislang die letzten drei Nördlichen Breitmaulnashörner, der Bulle Sudan, seine Tochter Najin und seine Enkelin Fatu. Sudan und mit ihm das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn musste am 19. März 2018 eingeschläfert werden. Vor 60 Jahren hatte es in den ost- und zentralafrikanischen Wildgebieten noch mindestens 20.000 Exemplare des Nördlichen Breitmaulnashorns gegeben, zwanzig Jahre später waren es gerade noch hundert. Im Jahr 2010 waren sämtliche Exemplare in der Wildnis ausgestorben. Vor allem Wilderer hatten die Unterart nahezu komplett ausgerottet. Nur noch in Zoos gab es über die halbe Welt verteilt ein Dutzend Nördliche Breitmaulnashörner, darunter Sudan, Najin und Fatu im tschechischen Dvur-Králowé-Zoo.

Als „selten, kaum bekannt und mutmaßlich in ihrer Existenz bedroht“ beschreiben Forscher im Journal Science im Oktober 2013 mehr als 10.00 Baumarten im Amazonasbecken. Von mehr als der Hälfte der seltenen Bäume gebe es weniger als 1000 Exemplare. Die Autoren der Studie fürchten, dass manche Pflanzen so rar sind, dass sie aussterben, bevor sie entdeckt werden.

Bienen sind in Mitteleuropa die wichtigsten Pflanzenbestäuber und deshalb für die Biodiversität unerlässlich. Mehr als 80 Prozent aller angebauten Pflanzen werden von Bienen bestäubt. Unbemerkt von der Öffentlichkeit haben aber in den letzten Jahrzehnten die Bestände der Bienen rapide abgenommen. Knapp die Hälfte der in Deutschland vorkommenden Arten an Wildbienen gilt in ihrem Bestand als gefährdet. Der Grund hierfür ist in erster Linie die Verschlechterung der Lebensräume.

Innerhalb von 20 Jahren ist in Europa die Hälfte der Wiesen-Schmetterlinge verschwunden, ergab eine Untersuchung der Europäischen Umweltagentur (EUA). Von den heimischen Großschmetterlingsarten gelten über 40 Prozent als gefährdet, bei den Tagfaltern rund 50 Prozent. Als wichtige Ursache des Artenschwunds gilt die Intensivlandwirtschaft.

82 von 451 Vogelarten stehen auf einer Roten Liste, die die Organisation Birdlife International gemeinsam mit der Europäischen Kommission und der Weltnaturschutzunion IUCN am 4. Juni 2015 veröffentlicht hat. Demnach ist mehr als jede sechste Vogelart in der Europäischen Union vom Aussterben bedroht. Erst vor wenigen Wochen hatte das Bundesamt für Naturschutz jede dritte Art in Deutschland als bedroht eingestuft.

Weltweit sind fast 50 Prozent aller Papageienarten bedroht, fast 25 Prozent der Arten sind sogar sehr stark gefährdet. Neben der Lebensraumzerstörung etwa durch Brandrodung oder Besiedelung ist auch der Vogelhandel einer der Gründe dafür.

Die Bestände vieler in Europa fast ausgerotteter Tierarten haben sich wieder erholt. Laut NABU nehmen die Brutbestände von neun bedrohten Vogelarten erstmals seit 25 Jahren wieder zu. Zu diesen Arten gehören Rohrdommel, Großtrappe, Zippammer, Flussuferläufer, Ortolan, Purpurreiher, Raubwürger, Zwergdommel und Steinrötel. Zudem habe der Abwärtstrend von Steinadler, Großem Brachvogel und Knäkente gestoppt werden können. Der NABU führt das insbesondere auf die Ausweisung von europäischen Vogelschutzgebieten und die Artenschutzbestimmung der EU zurück. (Frankfurter Rundschau vom 7.4.2014) Die Zahl der Singvögel in Europa ist in den letzten 30 Jahren um 400 Millionen gesunken.

Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa. In einer Untersuchung, die das Umweltministerium von Rheinland-Pfalz in Auftrag gegeben hatte, wurden kürzlich 2391 Arten nachgewiesen. (Frankfurter Rundschau vom 26./27.4.2014)

Ackerwildkräuter sind laut Bund Naturschutz (BN) die am stärksten zurückgegangene Pflanzengruppe in Mitteleuropa. Mehr als 30 Prozent der 270 Spezies sind in ihrem Bestand bedroht. Bundesweit steht jede zweite Art mindestens in einem Bundesland auf der Roten Liste.

Für den am 26. März 2014 vorgestellten Bericht Die Lage der Natur in Deutschland haben Naturschützer und Behörden in 12.000 Stichproben bundesweit Tiere, Pflanzen und Lebensräume erforscht. Danach sind nur 25 Prozent der Arten in einem günstigen Zustand, darunter der Biber, die Kegelrobbe oder der Steinbock. 29 Prozent befinden sich in einem schlechten Zustand – vor allem Schmetterlinge, Amphibien und Wanderfische. Das größte Problem stellt die Entwicklung der Grünflächen dar: Die Zahl von Wiesen und Weiden, die nicht von intensiver Landwirtschaft genutzt, mit Monokultur bepflanzt oder mit Dünger berieselt werden, sinkt zusehends.

Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft ist nach wie vor der Artenkiller Nummer eins in Europa. Dies ergab eine groß angelegte Studie des Instituts für Agrarökologie der Universität Göttingen zusammen mit Wissenschaftlern aus acht europäischen Ländern auf 1.300 Testfeldern in ganz Europa. Während auf einem ökologisch bearbeiteten Feld rund 1000 verschiedene Arten vorkommen, sind es auf einem mit Pestiziden behandelten Acker nur noch rund halb so viele. Zoologen schätzen, dass von den etwa 1200 Tierarten der Äcker seit 1950 ca. 90 Prozent stark dezimiert oder ganz verschwunden sind. Informationen zur ökologischen Landwirtschaft finden Sie hier.

Literatur:

  • Mario Markus, Unsere Welt ohne Insekten? Ein Teil der Natur verschwindet, Kosmos Verlag, Stuttgart 2014
  • Elizabeth Kolbert, Das sechste Sterben – Wie der Mensch Naturgeschichte schreibt. Aus dem Englischen von Ulrike Bischof, Suhrkamp Verlag, Berlin 2015
  • Peter Berthold, Unsere Vögel. Warum wir sie brauchen und wie wir sie schützen können, Ullstein Verlag, Berlin 2017

 

ENGAGEMENT

 

  • Das 1975 in Kraft getretene Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, kurz: Cites), nach dem Ort seiner Erstunterzeichnung am 3. März 1973 in Washington, D.C. auch Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) genannt, ist das wichtigste Instrument zum Schutz von wilden Tier- und Pflanzenarten. Es kontrolliert und begrenzt den weltweiten Handel mit geschützten Tieren und Pflanzen wie deren Produkten. Alle drei Jahre treffen sich die inzwischen 183 Mitgliedsstaaten des Abkommens zu einer Welt-Artenschutzkonferenz, um darüber zu entscheiden, welche Arten als besonders schützenswert gelten sollen. Insgesamt sind etwa 5600 Tier- und knapp 30.000 Pflanzenarten gelistet. Die EU-Artenschutzverordnung setzt das WA sowie weitere europäische Schutzbestimmungen um.
  • Auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung wird am 5. Juni 1992 die Konvention über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) beschlossen. Sie ist am 29. Dezember 1993 völkerrechtlich in Kraft getreten. 189 Vertragsparteien sind bisher diesem erfolgreichsten internationalen Naturschutzabkommen beigetreten. Seitdem tagt alle zwei Jahre eine UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt.
  • Am 29. Oktober 2010 haben sich 193 Staaten auf der zehnten UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt (COP 10) im japanischen Nagoya auf ein 20-Punkte-Programm zur Sicherung der Biodiversität geeinigt. Zentrale Punkte sind die Ausweitung der Naturschutzgebiete auf 17 Prozent des Landes und zehn Prozent der Ozeane, um insbesondere Regenwälder und Korallenriffe zu bewahren. Zudem sollen 15 Prozent der beschädigten und bedrohten Ökosysteme bis 2020 wiederhergestellt und Äcker, Wälder und Meere nachhaltig bewirtschaftet werden. Im Einklang damit hat die Europäische Kommission im Mai 2011 ein sektorenübergreifendes Konzept formuliert, um die Biodiversitätsverluste in den Mitgliedsstaaten bis 2020 zum Stillstand zu bringen. Die Bundesregierung hat diese Ziele zu den ihren gemacht.
  • Auf der elften UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt (COP 11) im indischen Hyderabad einigten sich die Delegierten aus über 190 Staaten am 20. Oktober 2012 auf eine Finanzierung für die Beschlüsse zum Stopp des Artensterbens, die 2010 im japanischen Nagoya gefasst worden waren: Bis 2015 wollen die Industriestaaten die Hilfen an die Entwicklungsländer für die Erhaltung der Artenvielfalt auf zehn Milliarden Dollar (rund 7,7 Milliarden Euro) verdoppeln. Ob die Transferleistungen danach weiter erhöht werden, soll auf dem nächsten Gipfel 2014 in Südkorea festgelegt werden.
  • Zum Auftakt der 13. UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt (COP 13) vom 4. bis 17. Dezember 2016 im mexikanischen Cancún verabschieden die Umweltminister am 3. Dezember 2016 eine sechsseitige Cancún-Erklärung, die den Artenschutz stärker im Regierungshandeln verankern und finanzielle Fehlanreize stoppen soll.
  • Nach dem Vorbild des Weltklimarates IPCC wurde im April 2012 offiziell der Weltrat für Biologische Vielfalt (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES) beschlossen. Er kam am 21. Januar 2013 in Bonn zu seiner ersten Plenarsitzung zusammen.
  • Am 6. April 1979 trat die EU-Richtlinie über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (EU-Vogelschutzrichtlinie) in Kraft. Artikel 1 führt 190 europäische Arten und Unterarten auf. Die EU-Länder sind verpflichtet, für diese Vögel Lebensräume in ausreichender Vielfalt und Flächengröße zu erhalten oder wiederherzustellen – innerhalb und auch außerhalb von Schutzgebieten.
  • Durch einstimmigen Beschluss im Europäischen Rat und im Europäischen Parlament trat am 10. Juni 1992 die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) in Kraft. Die Richtlinie hat zum Ziel, wildlebende Arten, deren Lebensräume und die europaweite Vernetzung dieser Lebensräume zu sichern und zu schützen.
  • Die Reservate as beiden Richtlinien ergeben zusammen das Schutzgebietsnetz „Natura 2000„. Etwa 920 Tier- und Pflanzenarten genießen in den über 27.500 Gebieten von Natura 2000 gezielten Schutz. Es gilt heute als das größte Schutzgebietssystem der Welt.
  • Die Europäische Union hat am 29. April 2013 die Pestizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiametoxam (sogenannte Neonicotinoide), die für das massenhafte Sterben von Bienen verantwortlich gemacht werden, vom 1. Dezember an für das Beizen von Saatgut (mit Ausnahme der Futter- und Zuckerrübe) und als Spritzmittel in blühenden Kulturen verboten, andere Anwendungen sind gedoch noch erlaubt. Nachdem lange Zeit die Honigbiene im Mittelpunkt der Forschung stand, zeigten Wissenschaftler im Jahr 2016, dass vermutlich auch Wildbienen und Schmetterlinge unter Neonicotinoiden zu leiden haben. Die Bedenken gegen den Einsatz von Neonicotinoiden betreffen vor allem drei Eigenschaften: Die mobilen Moleküle werden in alle Pflanzenteile, auch die Blüten und Pollen, aufgenommen und verbreiten sich zudem in der Umwelt; die Wirkstoffe bleiben sehr lange in der Natur; und sie sind schon in geringen Mengen wirksam. Am 27. April 2018 haben die EU-Mitgliedsstaaten den Freilandeinsatz dieser Pestizide untersagt (ausgenommen sind Gewächshäuser). Das Verbot tritt genau 20 Tage nach Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft; den Mitgliedsstaaten bleiben dann nochmals drei Monate für die Umsetzung. Ab März 2014 ist auch das Präparat Fipronil verboten. – Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass auch Thiacloprid das Navigationsgedächtnis von Honigbienen beeinträchtigt, ihre Kommunikation stört und die Pollen-Sammelaktivität reduziert.
  • Die  2011 gegründete internationale Umweltstiftung Rewilding Europe will bis 2020 zehn unterschiedliche Landschaften in Europa verwildern lassen. Fünf Gebiete sind bereits im Programm, drei weitere Bewerbungen stehen in der engeren Auswahl.
  • Deutschland leitete aus dem UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt von 1993 eine „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“ (NSB) ab, um das Artensterben zu bremsen und den Trend umzukehren. Sie wurde am 7. November 2007 verabschiedet und sieht vor, bis 2020 auf zwei Prozent der Landfläche in Deutschland wieder Wildnis entstehen zu lassen, unzerschnittene, nutzungsfreie und vom Menschen unbeeinflusste Gebiete. Derzeit sind es nur etwa 0,6 Prozent. Was den Lebensraum Wald anbelangt, sollen sich bis zum Jahr 2020 fünf Prozent der Gesamtfläche und zehn Prozent der Staatswälder ohne menschliches Zutun entwickeln dürfen. Laut einer Mitteilung der Nordwestdeutschen Versuchsanstalt in Göttingen vom Oktober 2013 liegt der Anteil urwaldnaher Flächen in Deutschland derzeit bei lediglich 1,9 Prozent. Mit einer gemeinsamen Presseerklärung haben das Bundesumweltministerium (BMU) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) am 15. Februar 2011 das Bundesprogramm Biologische Vielfalt offiziell gestartet. Das Förderprogramm soll die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt unterstützen. 15 Millionen Euro werden dafür jährlich im Bundeshaushalt bereitgestellt.
  • Das Projekt 100 Äcker für die Vielfalt zielt auf die Errichtung eines bundesweiten Schutzgebietsnetzes für Ackerwildkräuter. Mit dem Projekt, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert wird, besteht die realistische Chance, dem voranschreitenden Schwund der Ackerwildkräuter durch ein Netz von Schutzflächen langfristig zu begegnen.
  • Tierschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF).
  • Die Organisation Traffic wurde 1976 von der Umweltstiftung WWF und der Weltnaturschutzunion IUCN gegründet, um den nachhaltigen Handel mit wildlebenden Tier- und Pflanzenarten sicherzustellen.
  • Netzwerk Nationales Naturerbe, ein Zusammenschluss von 42 gemeinnützigen und öffentlichen Eigentümern von Grundstücken, auf denen die Ziele des Naturschutzes dauerhaft Vorrang haben sollen.
  • Das wirksamste Mittel zur Rettung der Arten sind Nationalparks (sie gehören zur höchsten Kategorie; die Natur muss auf mindestens 7500 Hektar Fläche ihren ungestörten Lauf nehmen können), Naturschutzgebiete (sie dienen dem Schutz von Tieren und Pflanzen; der Mensch darf aber zur Pflege eingreifen und teilweise auch Forst- und Landwirtschaft betreiben) und Biosphärenreservate (der Begriff stammt von der Unesco; in ihnen muss sich die Natur auf einem Flächenanteil von mindestens 3,0 Prozent ohne Eingriff des Menschen wildnisartig zu weitgehend natürlichen Ökosystemen entwickeln können, ansonsten sollen in diesen Gebieten vom Menschen geprägte Kulturlandschaften durch nachhaltiges Wirtschaften mit der Natur in Einklang gebracht werden). Auf Betreiben internationaler Organisationen haben die unter dem Titel „Naturschutzgebiet“ geschützten Bereiche im Laufe der letzten drei Jahrzehnte weltweit beträchtlich zugenommen. Von den insgesamt 173.463 Naturschutzgebieten sind 137 für die Erhaltung der Artenvielfalt auf der Erde völlig unersetzlich: Auf diesen wenigen Gebieten mit einer Fläche von 1,7 Millionen Quadratkilometern leben Tiere, die es sonst nirgends ein zweites Mal gibt. – In Deutschland gibt es 16 Nationalparks (mit einer Gesamtfläche von über 10.000 Quadratkilometern – inklusive Wattenmeer, das einen Großteil dieser Fläche ausmacht – umfassen sie lediglich 0,60 Prozent der Landfläche des Bundesgebiets), tausende, wenn auch oft nur winzige Naturschutzgebiete (sie nehmen rund ein Viertel der deutschen Landesfläche ein) sowie 15 Unesco-Biosphärenreservate. – Als Nationales Naturmonument kann ein Gebiet aufgrund seiner Seltenheit, Eigenart oder Schönheit geschützt werden, wenn es für Wissenschaft, Naturgeschichte oder Kulturhistorie herausragende Bedeutung hat. Sein Status gleicht dem eines Naturschutzgebietes. Erstes und bisher einziges Nationales Naturmonument sind die „Tausendjährigen Ivenacker Eichen“.
  • Wer gezielt Bio-Produkte kauft, unterstützt die pestizidfreie Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen, die wiederum die Artenvielfalt fördert.

Die Ökumenische Initiative Reich Gottes – jetzt! erinnert an die Botschaft Jesu von der Gegenwart des Reiches Gottes, von der Heiligkeit der Welt, in die wir eingebunden sind. Diese Weltverbundenheit befreit unmittelbar zu einem Lebensstil der Einfachheit, des Genug, des „Soviel du brauchst“.

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* Die Staatengemeinschaft ruft mit der UN-Dekade für die biologische Vielfalt die Weltöffentlichkeit auf, sich für die biologische Vielfalt einzusetzen. Die UN-Dekade zeichnet jeden Monat ein Projekt aus, das einen besonderen Beitrag zur Erhaltung, Nutzung und Vermittlung der biologischen Vielfalt leistet. Bewerben können sich sowohl Einzelpersonen oder -initiativen als auch institutionelle Projektträger.

 


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