Verletzungen der Welt. 12. KW: Schädigung und Zerstörung der Wälder

Unter der Rubrik Verletzungen der Welt werden die wohl gravierendsten Verletzungen der Welt aufgeführt. Zu Beginn wird die jeweilige Thematik in den Reich-Gottes-Zusammenhang gerückt, es folgen grundsätzliche Informationen, sodann Beispiele für ein sich der entsprechenden Verletzung widmendes heilendes Engagement. Ein letzter Punkt weist schließlich darauf hin, dass die Realisierung unserer Weltverbundenheit bzw. eine Reich-Gottes-Spiritualität dem verletzenden Handeln selbst den Boden entziehen, aber vielleicht auch die stärksten und nachhaltigsten Kräfte zur Heilung der Welt freisetzen würde. Die Seiten werden kontinuierlich überarbeitet und aktualisiert.
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21. März: Internationaler Tag des Waldes
14. September: Tag der Tropenwälder

SCHÄDIGUNG UND ZERSTÖRUNG DER WÄLDER

Eine Portion Regenwald
Auf dem Teller hier
Aufgefressen von dem Fleisch
Jetzt gegessen von dem Mensch

Eine Ladung Regenwald
Füllt den Tank vor Ort
Ölpalmbäume nun an seiner Stelle
Der Mensch braucht Energie

Dem so verstellten Blick
Entgeht das eigne Fundament
Leib-Natur und Regenwald-Natur
Eng verwandt, sogar verwoben

Sauerstoff und Wasser, Lebensraum
Alles war schon vor uns da
Was uns trägt und hält
Können wir nicht selbst erschaffen

Hans Bischlager

(jetzt veröffentlicht in: Hans Bischlager, Entschieden wird im Untergrund. Politische Gedichte, Verlag tredition GmbH, Hamburg 2017, Seite 51)

 

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Der Waldbestand unseres Planeten stellt sich aus der Sicht der modernen Wissenschaft nicht als Summe einzelner, abgegrenzter Lebensgemeinschaften dar, sondern als einheitliches System, sozusagen als Weltwald, ähnlich wie die Gesamtheit aller Meere und Ozeane das Weltmeer bildet (Deutsches Pfarrerblatt 84, 1984, Nr. 11)  „Wälder sind höchst komplexe Ökosysteme, die in ihrer biologischen Produktivität von keinem anderen Landökosystem übertroffen werden. Dies gilt vor allem für tropische Regenwälder. Aber auch die Waldbiodiversität – der Artenreichtum – in den kalten bis gemäßigten Erdregionen gehört zweifelsfrei zu den größten Wundern der Schöpfung. Die Wälder der Erde sind jedoch nicht nur eine natürliche Arche für den größten Teil der terrestrischen Flora und Fauna. Sie sind auch für die Zusammensetzung der Atmosphäre, unserer Atemluft, und für die Stabilität des Weltklimas unentbehrlich. Sie sind die wichtigste Sauerstoffquelle und zugleich auch die einzig wirksame Kohlendioxidsenke, die sich der Mensch nutzbar machen kann.“ (Reinhard Lassek, Kein Spaziergang für den Wald, in: Zeitzeichen 8/2008, 30-32.31) In keinem anderen landgebundenen Ökosystem ist so viel Kohlenstoff gebunden wie in den Wäldern.

Endloses Grün, exotische Geräusche, betörende Düfte, drückende Schwüle und Dämmerlicht umschreiben nur unvollständig den tropischen Regenwald als eines der faszinierendsten Ökosysteme der Welt. Zwölf Millionen Quadratkilometer Regenwald bedecken etwa acht Prozent der Erdoberfläche und bieten Lebensraum für mehr als die Hälfte aller bekannten Tier- und Pflanzenarten auf unserem Planeten. Tropischer Regenwald bedeckt die Erde auf einer Gesamtfläche von 1.681 Millionen Hektar, davon befinden sich rund 900 Millionen Hektar in Südamerika, 500 Millionen in Afrika und 260 Millionen in Asien. Da diese Regionen von den letzten Eiszeiten kaum betroffen waren, ist die biologische Vielfalt hier so groß wie nirgendwo sonst auf der Welt. Schätzungsweise 70 Prozent aller landgebundenen Arten dieser Erde leben in der tropischen Regenwaldzone. Sechs Quadratkilometer Urwald enthalten ca. 1500 verschiedene blühende Pflanzen, 750 Bäume, 400 Vogelarten, 150 Schmetterlingsarten, 100 Reptilienarten und 42.000 Insektenarten.

Wälder gehören zu den vielfältigsten Ökosystemen der Erde. Die Wälder in den Tropen sowie in den gemäßigten und nördlichen Erdgebieten bedecken fast 30 Prozent der Erdoberfläche, beherbergen aber über 80 Prozent aller landlebenden Tier-, Pflanzen- und Insektenarten.

 

INFORMATIONEN

 

Die Fläche tropischer Regenwälder hat sich gegenüber 1950 halbiert.

Nach dem am 27. Oktober 2016 veröffentlichten „Living Planet Report 2016“ der Umweltstiftung WWF ist weltweit in den vergangenen 25 Jahren eine Fläche von 239 Millionen Hektar an Naturwäldern vernichtet worden, eine Fläche, die mehr als sechseinhalbmal so groß ist wie Deutschland.

Laut dem am 7. September 2015 vorgestellten neuen Weltwaldbericht der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) sind die Wälder weltweit in den letzten Jahren nicht mehr so schnell abgeholzt worden. Demnach verringerten sich die Waldflächen weltweit in den 90er Jahren um jährlich 0,18 Prozent. In den vergangenen fünf Jahren betrug der Nettoverlust noch 0,08 Prozent pro Jahr. Im Jahr 2015 gab es noch 3,999 Milliarden Hektar Wald auf der Welt. Das entspricht 30,6 Prozent der Landfläche des Planeten. Dies bedeutete einen Netto-Rückgang zwischen 1990 und 2015 um 129 Millionen Hektar (1,29 Millionen Quadratkilometer) seit 1990 – so groß ist etwa das Staatsgebiet Südafrikas.

Im Jahr 2014 hat die Erde rund 18 Millionen Hektar Waldfläche verloren. Dies entspreche der doppelten Fläche Portugals und sei der größte Waldverlust seit 2001, wie die US-Online-Plattform Global Forest Watch (GFW) am 3. September 2015 mitteilte. Vor allem Tropenwälder seien betroffen. Die größten Flächen gingen demnach wider Erwarten im vietnamesischen Mekongdelta und in Westafrika verloren und nicht in den für zügellose Abholzung berüchtigten Staaten Brasilien und Indonesien. Nach Angaben des Weltressourceninstituts (WRI), die die Initiative GFW einberufen hat, werden Wälder vor allem gerodet, um Flächen zur Gewinnung von Rohstoffen wie Gummi und Palmöl sowie für Rinderfarmen und Sojaanbau zu schaffen. Am schnellsten schritt der Waldverlust laut GFW-Studie in Kambodscha voran. Darauf folgten Sierra Leone, Madagaskar, Uruguay, Paraguay, Liberia, Guinea, Guinea-Bissau, Vietnam und Malaysia. Die Plattform Global Forest Watch ist eine vom Weltressourceninstitut einberufene Initiative mit mehr als 70 Partnern. Die Untersuchungen wurden nach GWF-Angaben mit Hilfe öffentlicher Satellitenbilder gemacht.

Nicht allein der Wald von heute, sondern auch der Wald von morgen ist in Gefahr: Wenn der Mensch in den Wald eingreift, wirkt sich das negativ auf die Bestäubung und Samenausbreitung der in diesen Wäldern vorkommenden Pflanzen, und das heißt, auf die langfristige Fähigkeit des Waldes aus, sich zu regenerieren, wie Wissenschaftler der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität Frankfurt im Fachjournal „Scientific Reports“ berichten.

Dem 34. Bericht an den Club of Rome (Endspiel. Wie wir das Schicksal der tropischen Wälder noch wenden können. Der neue Bericht an den Club of Rome, oekom Verlag, München 2015) zufolge sind allein durch Holzeinschlag Tropenwälder von mehr als der Größe Indiens verschwunden. Nach jahrzehntelangem Raubbau umfassen die verbliebenen Flächen am Amazonas, in Afrika und Asien noch eine Fläche, die größer ist als die der USA. Wird die Abholzung nicht gestoppt, werden bis 2050 voraussichtlich Waldgebiete von der doppelten Größe Spaniens verschwinden. (Die Regenwälder sind gigantische Klimamaschinen, die das Wetter weiträumig durch den von ihnen ausgelösten permanenten Wechsel von Verdunstung und Niederschlag beeinflussen. Sie gelten als „grüner Ozean“, und sie sind enorme Kohlenstoffspeicher, was für die globale CO2-Bilanz von entscheidender Bedeutung ist.)

Bei der Abholzung von natürlichen Tropenwäldern und der Umwandlung des Landes in Palmöl-, Kautschuk- oder Kakaoplantagen werden große Mengen von Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt. Wissenschaftler der Universität Göttingen haben in einer im Jahr 2015 veröffentlichten Studie nachgewiesen, dass die Kohlenstoffvorräte im Boden bei einer derart veränderten Landnutzung um bis zu 50 Prozent reduziert werden.
670 Fußballfelder werden jeden Tag gerodet, um Ölplantagen darauf anzubauen.

Die Umwandlung von tropischen Tieflandregenwäldern in Ölpalmplantagen hat große Auswirkungen auf Umwelt und Menschen. Ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Göttingen, des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig sowie der indonesischen Bogor Agricultural University hat erstmals eine vollständige und multidisziplinäre Bewertung aller Ökosystemfunktionen in Ölpalmplantagen im Vergleich zu Tieflandregenwäldern vorgenommen. Dabei fanden die Forscher laut einer Presseinformation der Georg-August-Universität Göttingen vom 15. August 2016 heraus, dass in Ölpalmplantagen elf von 14 Ökosystemfunktionen rückläufig sind, einige mit irreversiblen globalen Folgen.
Laut Umweltbundesamt (UBA) landete jeder fünfte Baum, der auf der Welt gefällt wird, in der Papierherstellung. Betrachtet man nicht das Brennholz, sondern nur das industriell genutzte Holz, so landet sogar fast die Hälfte in Papierprodukten. Schätzungsweise 20 Prozent davon stammen aus Urwäldern. (Quelle: Papier. Wald und Klima schützen, 2012) Im Schnitt hat jeder Deutsche im Jahr 2012 nach Branchenangaben 244 Kilogramm Papier verbraucht.
Immer noch ist der Amazonas-Regenwald der größte zusammenhängende Regenwald der Erde. 50 Millionen Jahre ist er alt, doch in nur einem halben Jahrhundert sind 20 Prozent dieses Waldes abgeholzt worden. Das entspricht einer etwa zwei Kilometer breiten Straße, die von hier bis zum Mond reicht. Das Gebiet Amazoniens erstreckt sich über eine Fläche von 6,7 Millionen Quadratkilometern, verteilt auf neun Länder. Es ist damit deutlich größer als alle 28 Mitgliedsstaaten der EU zusammen. Etwa zehn Prozent aller uns bekannten Tier- und Pflanzenarten kommen hier vor. Keine andere Region auf unserem Planeten verfügt über eine so hohe Artenvielfalt. Auch die deutsche Tierproduktion bedroht den Regenwald. In Lateinamerika wird auf etwa drei Millionen Hektar Soja angebaut. Zwar werden die Hülsenfrüchte nicht direkt im Amazonas-Gebiet gezogen, aber ihre Erzeugung ist so lukrativ, dass andere landwirtschaftliche Produktionen dorthin verlagert werden, um Platz für neue Sojabohnen-Plantagen zu schaffen.

Laut der Organisation SOS Mata Atlântica (die wegen ihres Artenreichtums bekannte Mata Atlântica gehört  zu den bedrohtesten Regenwäldern der Welt und erstreckte sich einst über die gesamte Ostküste Brasiliens) bedeckte der Regenwald früher 15 Prozent Brasiliens, des fünftgrößten Landes der Erde. Heute sei es nur noch ein Prozent. Nur noch rund acht Prozent der ursprünglichen Fläche sind erhalten. 2015 betrug die Abholzung 6207 Quadratkilometer, einem Anstieg von 24 Prozent im Vergleich mit 2014. Zwischen August 2015 und Juli 2016 ist nach Angaben des Nationalen Instituts für Weltraumforschung (INPE) In Brasilien eine Regenwaldfläche von 7989 Quadratkilometern zerstört worden – eine Fläche halb so groß wie Thüringen. Es handelt sich um den größten Waldverlust seit 2008. Wie die brasilianische Regierung am letzten Novemberwochenende 2018 bekanntgab, wurden zwischen August 2017 und Juli 2018 im brasilianischen Amazonasgebiet 7900 Quadratkilometer Wald abgeholzt (was in etwa der Fläche von einer Million Fußballfeldern entspricht), rund 14 Prozent mehr als im Erhebungszeitraum davor. Seit 2008, als 12.900 Quadratkilometer gerodet wurden, lagen die Zahlen stets deutlich niedriger.

Vom geplanten Bau des Nicaragua-Kanals wäre eine Fläche von ungefähr 4000 Quadratkilometern betroffen, was der Größe des Ruhrgebiets entspricht. Betroffen wären neben großen Urwaldflächen auch mehrere Naturschutzgebiete und der Nicaragua-See. 278 Kilometer lang, bis zu 530 Meter breit und rund 30 Meter tief soll der Kanal werden.

In Mexiko werden pro Jahr 1500 bis 4000 Hektar Wald gerodet, um Platz für Avocado-Felder zu schaffen. Zwischen 2000 und 2010 vergrößerte sich die Anbaufläche in dem Land von 95.000 auf mehr als 134.000 Hektar. Etwa die Hälfte der Plantagen wurde auf Waldflächen gepflanzt, die auf zweifelhafte Weise den Besitzer wechselten, wie die Agrar- und Umweltorganisation Gira betont. Im Bundesstaat Michoacán werden ganze Wälder für weitere Avocado-Bäume illegal abgeholzt.

In Indonesien wird der Regenwald noch schneller abgeholzt als in Brasilien, nach einer neuen Studie der US-amerikanischen Universität von Maryland in College Park durchschnittlich fast 50.000 Hektar im Jahr, das entspricht in etwa der Fläche des Bodensees. Seit 1990 hat das Land 31 Millionen Hektar Wald verloren – eine Fläche fast so groß wie Deutschland. Von den ursprünglichen Waldgebieten Borneos, die einmal 95 Prozent der Insel bedeckten und nach dem Amazonas-Wald der zweitgrößte zusammenhängende Regenwald der Erde waren, ist nicht einmal mehr die Hälfte übrig geblieben. Sumatra ist heute sogar nur noch zu 30 Prozent mit Wald bedeckt. Wissenschaftler schätzen, dass in den zwölf Jahren zwischen 2000 und 2012 insgesamt mehr als sechs Millionen Hektar Wälder von den Inseln Indonesiens verschwunden sind – eine Größenordnung, die ungefähr der Landfläche Kroatiens entspricht. Indonesien ist der größte Palmölproduzent der Welt (der Verbrauch von Palmöl hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt, in Deutschland werden jährlich rund 1,3 Millionen Tonnen Palmöl verbraucht): Auf 13,5 Millionen  Hektar – einer Fläche drei Mal so groß wie die Schweiz – wachsen Ölpalmen, bis 2020 soll sich die Fläche verdoppeln. Palmölplantagen sind die am schnellsten wachsenden Monokulturen der Welt und dafür verantwortlich, dass Indonesien Brasilien als Waldvernichter Nummer ein abgelöst hat. Ölpalmen wachsen weltweit fast ausschließlich auf Flächen, auf denen einst Regenwald stand. Nach Auskunft der Welternährungsorganisation wurden im Jahr 2012 235 Millionen Tonnen Palmölfrüchte produziert, viermal so viel wie 20 Jahre zuvor, zwei Drittel davon in Indonesien und Malaysia. Malaysia verlor laut oben genannter Studie zwischen 2000 und 2012 14,4 Prozent seiner Waldoberfläche. Laut der Umweltstiftung WWF sind seit 1980 in Indonesien und Malaysia mehr als 3,5 Millionen Hektar Wald gerodet worden, um Platz für Palmöl-Plantagen zu schaffen.

Ein im Juli 2017 veröffentlichter Report der internationalen Waldschutzorganisation „Rainforest Action Network“ (RAN) zeigt, dass eine Reihe bekannter Unternehmen, darunter Pepsico, Unilever und Nestlé, indirekt weiterhin in die illegale Abholzung von Regenwald in Indonesien verwickelt sind. Ein Bericht von Greenpeace International während des jährlichen Roundtable von Industrievertretern in Bali zu „Subtainable Palm Oil“ vom 27. bis 30. November 2017 macht deutlich, dass Lieferanten der weltweit größten Verbrauchermarken immer noch nicht garantieren können, dass ihr Palmöl aus Produktionen stammt, für die kein Wald vernichtet wird. Keines der Unternehmen konnte nachweisen, dass es in seiner Palmöl-Lieferkette keine Abholzungen gab.

In Papua-Neuguinea sind zwischen 2010 und 2016 rund 1,26 Millionen Hektar Wald gerodet worden, um Palmölplantagen zu errichten.

Weltweit wurden 2015 auf einer Gesamtfläche halb so groß wie Deutschland rund 60 Millionen Tonnen Palmöl produziert, Tendenz steigend. Nach Deutschland werden laut einer Studie des WWF vom August 2016 jährlich etwa 1,8 Millionen Tonnen des Öls eingeführt.

Vgl. auch 24. KW: (Klima-)Killer Auto

Birma hat eine der höchsten Abholzungsraten weltweit: Zwischen 1990 und 2010 hat das Land 20 Prozent seiner Waldflächen verloren. Doch die Menschen, die in diesen Gebieten leben, haben auf das Schicksal der Wälder, von denen sie abhängig sind, so gut wie keinen Einfluss. Sie sind bedroht durch das Ziel, ausländische Investitionen anzuziehen, um ökonomisches Kapital zu erzeugen. Das Land ist heute einer der „heißesten“ Märkte für Investoren überhaupt.

In der Mekong-Region in Südostasien droht Abholzung die letzten bewaldeten Rückzugsgebiete zahlreicher Arten zu zerstören. Darauf verweist die Umweltstiftung WWF in einer Studie. Die Organisation zählt zu der Region fünf Länder. In Kambodscha sei zwischen 1973 und 2009 ein Fünftel der Wälder abgeholzt worden, in Laos und Birma fast ein Viertel, in Thailand und Vietnam 43 Prozent. Wenn das Abholztempo nicht gedrosselt werde, dürften 2030 nur noch 14 Prozent der Waldflächen so intakt sein, dass Arten darin überleben können, so die Naturschützer.

Ecuadors Staatspräsident Rafael Correa hat im Jahr 2007 vor den UN der Weltgemeinschaft ein Abkommen zum Schutz des Yasuní-Naturparks vorgeschlagen. Das Weltnaturerbe am Amazonas ist so artenreich wie kaum ein Flecken auf der Erde – auf einem Hektar gibt es hier mehr Baumarten als in ganz Nordamerika zusammen. Doch befindet sich unter der Erde dieses Naturparks das größte noch unangetastete Ölfeld des Landes. Die Regierung Ecuadors hat sich verpflichtet, 846 Millionen Barrel Erdöl im Boden zu lassen, um die einzigartige biologische Vielfalt und die indigenen Völker, die in diesem Gebiet leben, zu schützen, wenn die internationale Gemeinschaft 50 Prozent der entgehenden Öl-Einnahmen (3,6 Milliarden US-Dollar, 2,7 Milliarden Euro) aufbringt. Bis Mitte August 2013 kamen jedoch lediglich 13,3 Millionen Dollar, nicht einmal ein Prozent der erwarteten Summe, zusammen, so dass Correa das Abkommen am 15. August 2013 in einer Fernsehansprache für gescheitert erklärte; er werde das Parlament um die Erlaubnis für Bohrungen in dem Gebiet bitten. Im Mai 2014 erteilte das zuständige Ministerium die Umweltlizenz für die Ölfelder Tiputini und Tambacocha, die im Norden des Yasuní-Nationalparks liegen.
Das Yasuní-Modell beruhte auf der Idee von globaler Klimagerechtigkeit. Bliebe das Öl im Boden, würden dadurch Emissionen von 407 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden. Vor allem die Staaten und Eliten des globalen Nordens sollten als Hauptverursacher des Kohlendioxidausstoßes in die moralische Pflicht genommen werden, ihre Umweltschulden gegenüber dem Süden auszugleichen. (Vgl.  Alberto Acosta, Öl für zehn Tage. Die Schäden der Förderung aber bleiben, in: Le Monde diplomatique, März 2011)
Seit Anfang Januar 2018 wird im Yasuni-Nationalpark nach Öl gebohrt, im Februar soll das erste Öl gefördert werden. Allerdings plant der neue Staatspräsident Ecuadors, Lenin Moreno, einen Volksentscheid über die Ausweitung von Schutzzonen, in denen indigene Völker leben. In diesen Schutzzonen soll nicht nach Öl gebohrt werden dürfen. Eine andere Hoffnung ruht auf den Klimakonferenzen. Dort wurde ein Klimafonds beschlossen, der mit mehr als 100 Milliarden Dollar gespeist werden soll. Einen Teil dieses Geldes könnten Regierungen als Entschädigung dafür erhalten, dass sie fossile Rohstoffe im Boden lassen.

30 Prozent der Gesamtfläche der Bundesrepublik Deutschland sind von Wald bedeckt. Laut Umweltbundesamt erstreckt er sich auf rund 109.000 Quadratkilometern. Mehr als die Hälfte ist Nadelwald, nur noch 15 Prozent sind Buchenwälder, zehn Prozent sind Eichenwald. Insgesamt sank der Anteil aller Laub- und Nadelbäume mit deutlichen Kronenschäden von 25 auf 23 Prozent, wie die Waldschadenserhebung 2013 ergab. Gar keine Schäden hatten nun 38 (Vorjahr: 39) Prozent aller Bäume. Wie dicht Laub oder Nadeln sind, gilt als ein Indikator für den Gesundheitszustand. Als „deutlicher“ Schaden wird bei den Stichproben eingestuft, wenn mehr als ein Viertel der Krone licht ist. Hauptschadensfaktor sind nicht mehr die Schwefeldioxidabgase, sondern ist die Stickstoffbelastung. Das liegt an den Dieselfahrzeugen und an der gewaltigen Stickstoffemission aus der landwirtschaftlichen Massentierhaltung. „Die Gülle killt den Wald“, resümiert Rudolf Fenner von der Umweltschutzorganisation Robin Wood.
Laut der am 8. Oktober 2014 vorgestellten dritten Bundeswaldinventur ist die Gesamtfläche des Waldes in Deutschland im Vergleich zur zweiten Waldinventur 2002 um 50.000 auf 11,4 Millionen Hektar Gesamtfläche gewachsen. Die Dichte des Waldes ist größer geworden, sein Bestand durchschnittlich älter und dicker, die Biodiversität, also die Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten, hat zugenommen und die Monokulturen wurden von einem größeren Mischwaldanteil abgelöst.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat am 29. Januar 2016 den Waldreport 2016. Schatten und Licht – 20 Fallbeispiele vorgestellt.

 

Literatur:

  • Claude Martin, Endspiel. Wie wir das Schicksal der tropischen Regenwälder noch wenden können, Oekom Verlag, München 2015
  • Kathrin Hartmann, Aus kontrolliertem Raubbau. Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren, Karl Blessing Verlag, München 2015
  • Benni Over, Henry rettet den Regenwald, Papierfresserchens MTM-Verlag, 2017
  • Madarejúwa Tenharim und Thomas Fischermann, Der letzte Herr des Waldes. Ein Indianerkrieger aus dem Amazonas erzählt vom Kampf gegen die Zerstörung seiner Heimat und von den Geistern des Urwalds, Verlag C.H.Beck, München 2018

 

ENGAGEMENT

 

  • Beim jüngsten Klimagipfel am 23. September 2014 in New York City haben mehr als 30 Länder sowie zahlreiche Unternehmen und Organisationen die New Yorker Walderklärung unterschrieben. Danach sollen die Abholzung bis 2030 gestoppt und 350 Millionen Hektar (das entspricht der zehnfachen Fläche Deutschlands) aufgeforstet werden. Doch diese Erklärung wurde zwar von Deutschland, den USA und auch Indonesien unterzeichnet, nicht aber von Brasilien, wo zuletzt wieder mehr Wald abgeholzt wurde.
  • Alle sechs Jahre, zuletzt im Oktober 2009, findet der UN World Forestry Congress (WFC) statt, die UN-Konferenz für den Schutz der Weltwälder.
  • Brasilien hat sich auf der Klima-Konferenz in Kopenhagen 2009 verpflichtet, bis 2020 die jährliche Abholzung des Regenwaldes auf 3907 Quadratkilometer zu drosseln. Peru hat sich dazu verpflichtet, die Abholzung bis 2021 auf null zu senken. Kolumbien hat sich dasselbe Ziel bis 2020 gesetzt. Guyana hat sich vorgenommen, die Abholzung auf einem sehr niedrigen Niveau zu halten. Bolivien, Ecuador und andere haben ebenfalls wichtige Programme zur Reduktion der Abholzung aufgelegt.
  • Brasiliens führende Supermärkte wollen zukünftig auf den Verkauf von Rindfleisch aus dem Regenwald verzichten. Mit der Selbstverpflichtung wollen die großen Ketten helfen, den Kahlschlag in der Amazonasregion zu stoppen. Dazu unterzeichnete die Vereinigung der Supermärkte Abras eine Vereinbarung mit der Regierung.
  • China will in großem Stil Wälder aufforsten. Peking plant, dass bis zum Jahr 2050 auf 26 Prozent der Landesfläche Wald steht, 2005 waren es 18 Prozent.
  • Am 3. März 2013 trat die EU-Holzhandelsverordnung (EUTR) in Kraft. Nach dieser ist es verboten, Holz und Holzerzeugnisse aus illegalem Einschlag auf dem EU-Binnenmarkt in Verkehr zu bringen. Die Verordnung gilt für Holz und Holzerzeugnisse, die erstmals auf den EU-Markt gebracht werden.
  • In der EU darf Sprit noch bis 2030 Palmöl enthalten. Offenbar auf Druck des größten Palmöl-Erzeugers Indonesien beschloss die EU einen Aufschub des vom EU-Parlament verlangen Endes der Beimischung zum Jahr 2020. Indonesien hatte angekündigt, eine größere Anzahl von Airbus-Jets zu bestellen.
  • Seit 1984 gibt das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft jährlich den Bericht über den Zustand des Waldes, auch Waldzustandsbericht, früher Waldschadensbericht genannt, heraus.
  • In Deutschland sollen zumindest fünf Prozent aller Waldflächen und zehn Prozent der Wälder in Staatsbesitz ab 2020 völlig unbewirtschaftet bleiben, wenn die von der Bundesregierung unterzeichnete Konvention über die Biologische Vielfalt in Kraft tritt. – Eines der ältesten Waldgebiete Deutschlands, die Hohe Schrecke in Thüringen, soll wieder ein naturbelassener Urwald werden. In dem Gebiet sollen sich 1700 Hektar Wald ohne menschliches Zutun wieder in einen Urwald entwickeln. Zudem soll auf einer weiteren Fläche von bis zu 4000 Hektar künftig nur noch besonders naturnahe Forstwirtschaft betrieben werden.
  • Die Bonn Challenge ist die umfassendste Initiative zur Renaturierung weltweit. Sie zielt darauf, bis zum Jahr 2020 insgesamt 150 Millionen Hektar und bis 2030 mindestens 350 Millionen Hektar degradierter und entwaldeter Landfläche wiederherzustellen. Für 60 Millionen Hektar gibt es bisher feste Zusagen, diese Fläche „sei im Wiederaufbau begriffen“, so Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Die Bonn Challenge wurde im September 2011 auf einem Ministertreffen initiiert, das die deutsche Regierung gemeinsam mit der IUCN (International Union for Conservation of Nature) und der GPFLR (Global Partnership on Forest and Landscape Restoration) ausrichtete.
  • Im Anschluss an den Umweltgipfel wurde 1993 in Toronto der FSC (Forest Stewardship Council) gegründet, die internationale Zertifizierungsorganisation für Waldwirtschaft. Diese Organisation erarbeitet weltweit Standards für eine ökologisch verträgliche und sozial gerechte Forstpraxis und vergibt das FSC-Siegel. Leitbild des FSC ist die natürliche Waldgesellschaft mit einem großen Artenreichtum. So ist der Einsatz von Pestiziden grundsätzlich verboten, Kahlschläge sind tabu und alte (Biotop-)Bäume werden vermehrt erhalten. – Robin Wood hat sich nun nach langen Diskussionen in den Wald- und Tropenwald-Fachgruppen entschieden, die Mitgliedschaft im internationalen FSC zu beenden. Der Grund dafür ist vor allem, dass auch industrielle Großplantagen in südlichen Ländern wie Brasilien, Uruguay oder Südafrika das FSC-Siegel erhalten. Solche riesigen Monokulturen tragen – auch wenn sie zertifiziert sind – nach Ansicht von Robin Wood oftmals zur Verdrängung der Landbevölkerung bei und kommen nicht ohne den Einsatz von Pestiziden aus. Die Mitgliedschaft und Mitarbeit in der deutschen FSC-Arbeitsgruppe wird Robin Wood beibehalten. (Newsletter 68 vom 2.4.2009)
  • Greenpeace
  • Rainforest Action Network (RAN).
  • Robin Wood.
  • Die Umweltstiftung WWF.
  • Die Organisation Rettet den Regenwald setzt sich für die Bewohner der Regenwälder in aller Welt ein; Schwerpunkt der Kampagnenarbeit ist der Protest gegen den Raubbau an Tropenholz.
  • Palmöl als Inhaltsstoff in Lebensmitteln muss EU-weit auf Verpackungen ausgewiesen werden. Zu vielen Produkten gibt es palmölfreie Alternativen.

Die Ökumenische Initiative Reich Gottes – jetzt! erinnert an die Botschaft Jesu von der Gegenwart des Reiches Gottes, von der Heiligkeit der Welt, in die wir eingebunden sind. Diese Weltverbundenheit befreit unmittelbar zu einem Lebensstil der Einfachheit, des Genug, des „Soviel du brauchst“.


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