Verletzungen der Welt. 4. KW: Mangelnder Zugang zu Bildung, Analphabetismus

Unter der Rubrik Verletzungen der Welt werden die wohl gravierendsten Verletzungen der Welt aufgeführt. Zu Beginn wird die jeweilige Thematik in den Reich-Gottes-Zusammenhang gerückt, es folgen grundsätzliche Informationen, sodann Beispiele für ein sich der entsprechenden Verletzung widmendes heilendes Engagement. Ein letzter Punkt weist schließlich darauf hin, dass die Realisierung unserer Weltverbundenheit bzw. eine Reich-Gottes-Spiritualität dem verletzenden Handeln selbst den Boden entziehen, aber vielleicht auch die stärksten und nachhaltigsten Kräfte zur Heilung der Welt freisetzen würde. Die Seiten werden kontinuierlich überarbeitet und aktualisiert.
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24. Januar: Internationaler Tag der Bildung
8. September: Welttag der Alphabetisierung

MANGELNDER ZUGANG ZU BILDUNG, ANALPHABETISMUS

Wenn arme Länder nicht
Genügend  Schulen haben
Zeigt der Finger auf die reichen
Die Sozialprogramme gar nicht mögen

Gerechte Verteilung von Gütern des Lebens
Als Bildungsinhalt nicht erwünscht
Achtzig Prozent den Konzernen und zwanzig dem Land
Es lohnt sich, das früh schon zu lernen

Von Bildung reden alle gern
Doch ist die Bildung selber gut?
Welche Welt wird grundgelegt?
Gegen- oder mit-einander?

Mit Wissen füllen, möglichst viel
So wird die Arbeitskraft verwertbar
Des Lebens Horizont ist weiter
Und Bildung hilft ihn zu erschließen

In allen liegt ein Schatz verborgen
Doch wenn es niemand interessiert
Dass er gefunden und entfaltet wird
Dann bleibt das Feuer kalt

Hans Bischlager

(jetzt veröffentlicht in: Hans Bischlager, Entschieden wird im Untergrund. Politische Gedichte, Verlag tredition GmbH, Hamburg 2017, Seite 46) 

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„Bildung soll allen zugänglich sein. Man darf keine Unterschiede machen.“ (Konfuzius, 551–479 v.Chr., chinesischer Philosoph)

„Schulbildung ist damit vergleichbar, einen kleinen Baum zu gießen und sorgfältig aufzuziehen. Wenn er einmal Wurzeln geschlagen hat, dann kann er wachsen und braucht keine Hilfe mehr.“ (Ato Tesfaye, Mitarbeiter der äthiopischen Hilfsorganisation Trampled Rose, die versucht, in verschiedenen Landesteilen Aufklärung zu betreiben, frühzeitige Hochzeiten zu verhindern und vor allem Mädchen solange wie möglich in Schulen zu schicken, nach: Frankfurter Rundschau vom 3.9.2013)

 

INFORMATIONEN

 

MANGELNDER ZUGANG ZU BILDUNG

Weltweit gehen 263 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren nicht zur Schule, darunter 63 Millionen Kinder im Grundschulalter. Das stellt der Unesco-Weltbildungsbericht 2019 fest, der unter dem Titel „Migration, Flucht und Bildung: Brücken bauen statt Mauern“ am 20. November 2018 in Berlin vorgestellt worden ist. Kindern von Geflüchteten sowie Migrantinnen und Migranten wird das Recht auf eine hochwertige Bildung in vielen Ländern der Welt noch immer nicht hinreichend gewährt. Einige Regierungen verweigern dies gänzlich. Der Weltbildungsbericht wird im Auftrag der Unesco seit 2002 jährlich von einem unabhängigen Team verfasst und liefert regelmäßig einen Zwischenstand zur Umsetzung des weltweiten Aktionsprogramms „Bildung für alle“.

Dem anlässlich des 30. Jahrestages der Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention am 18. November 2019 veröffentlichten Unicef Globalen Report „Für jedes Kind, alle Rechte. Die UN-Konvention über die Rechte des Kindes an einem Scheideweg“ zufolge gelang es bis 2007 noch, jedes Jahr mehr Kinder einzuschulen – doch seither ist die Zahl der Mädchen und Jungen im Grundschulalter, die keine Schule besuchen, bei 59 Millionen stehengeblieben (im Jahr 2000 waren es noch rund 100 Millionen).

Jedes dritte Kind im Alter zwischen fünf und 17 Jahren, das in einem von Krieg oder Naturkatastrophen betroffenen Land aufwächst, besucht keinen Schulunterricht; insgesamt seien 104 Millionen Kinder betroffen, heißt es in einem am 19. September 2018 veröffentlichten Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef. Im Jemen haben zwei Millionen Jungen und Mädchen keinen Zugang zu Bildung.

 

ANALPHABETISMUS

Man unterscheidet vor allem zwischen primärem und funktionalem Analphabetismus. Primäre bzw. totale Analphabeten haben nie eine Schule besucht und nie gelernt zu lesen oder zu schreiben. Funktionale Analphabeten können zwar Buchstaben, Wörter und einfache Sätze lesen und schreiben, haben aber Mühe, zusammenhängende Texte zu lesen und zu verstehen. Eine weitere Form ist der Sekundäre Analphabetismus: Er betrifft Menschen, die das Lesen und Schreiben so weit verlernen, dass sie schließlich den schriftsprachlichen Mindeststandard unterschreiten.

Etwa 781 Millionen Menschen sind Analphabeten, rund 496 Millionen, also fast zwei Drittel von ihnen sind Frauen und Mädchen. Auch 250 Millionen Kinder weltweit können nicht lesen und schreiben, obwohl die Hälfte von ihnen mindestens vier Jahr eine Schule besucht hat. In Indien leben mit 287 Millionen die meisten Menschen, die nicht lesen und schreiben können, gefolgt von China und Pakistan. Dem Unesco-Weltbildungsbericht 2015 zufolge ist es nur einem Viertel der Länder gelungen, in den 15 Jahren des Aktionsprogramms „Bildung für alle“ die Analphabetenrate unter Erwachsenen um 50 Prozent zu senken. Zwar fiel die Analphabetenrate unter Erwachsenen in diesem Zeitraum von 18 auf 14 Prozent. Dieser Fortschritt sei aber fast vollständig darauf zurückzuführen, dass besser gebildete junge Menschen das Erwachsenenalter erreichten.

Wie aus der am 7. Mai 2019 in Berlin vorgestellten, vom Bundesbildungsministerium geförderten Studie „Leo 2018 – Leben mit geringer Literalität“ hervorgeht, können 6,2 Millionen Erwachsene in Deutschland nicht richtig Deutsch lesen und schreiben. Für mehr als die Hälfte von ihnen ist Deutsch die Muttersprache. Insgesamt verfügten 2018 demnach 7,3 Prozent aller Erwachsenen mit Deutsch als erster Sprache nur über geringe Lese- und Schreibfähigkeiten.

 

ENGAGEMENT

 

  • Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern, lautet das vierte Hauptziel der am 25. September 2015 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossenen Agenda 2030 für eine weltweite nachhaltige Entwicklung. Unter anderem sei bis 2030 sicherzustellen, dass alle Mädchen und Jungen gleichberechtigt eine kostenlose und hochwertige Grund- und Sekundarschulbildung abschließen, die zu brauchbaren und effektiven Lernergebnissen führt, und dass alle Jugendlichen und ein erheblicher Anteil der männlichen und weiblichen Erwachsenen lesen, schreiben und rechnen lernen.
  • Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will durch die gemeinnützige Stiftung Fair Childhood Kinderarbeit bekämpfen und mithelfen, das Millenniumsziel Nr. 2 zu erreichen: Grundbildung für alle Kinder.
  • Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat am 19. September 2012 unter dem Motto Lesen und Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt eine Alphabetisierungskampagne gestartet.
  • Die Organisation SOS-Kinderdörfer fordert anlässlich des Weltalphabetisierungstags 2017 mehr Bildungsmöglichkeiten, vor allem für Mädchen.
  • Mit einer Auftaktveranstaltung am 28. und 29. November 2016 wurde in Berlin offiziell die „Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung 2016 bis 2026“ gestartet. Sie knüpft an die Ergebnisse der 2012 ins Leben gerufenen „Nationalen Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener 2012 – 2016“ an.
  • Betroffenen hilft der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.
  • Der Alphabund informiert über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener.
  • Der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) hat in den letzten Jahren mehrere Projekte durchgeführt, um die Grundbildungs- und Alphabetisierungsarbeit vor Ort noch besser zu unterstützen und zu einer weiteren Professionalisierung dieses wichtigen Arbeitsbereiches beizutragen. Bundesweit nehmen laut Alphabetisierungsverband 20.000 Menschen an speziellen Kursen teil, die vor allem die Volkshochschulen anbieten.

Die Ökumenische Initiative Reich Gottes – jetzt! erinnert an die Botschaft Jesu von der Gegenwart des Reiches Gottes, von der Heiligkeit der Welt, in die wir eingebunden sind. Diese Weltverbundenheit befreit unmittelbar zu einem Lebensstil der Einfachheit, des Genug, des „Soviel du brauchst“.

 


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