Verletzungen der Welt. 27. KW: Bodendegradation, Desertifikation

Unter der Rubrik Verletzungen der Welt werden die wohl gravierendsten Verletzungen der Welt aufgeführt. Zu Beginn wird die jeweilige Thematik in den Reich-Gottes-Zusammenhang gerückt, es folgen grundsätzliche Informationen, sodann Beispiele für ein sich der entsprechenden Verletzung widmendes heilendes Engagement. Ein letzter Punkt weist schließlich darauf hin, dass die Realisierung unserer Weltverbundenheit bzw. eine Reich-Gottes-Spiritualität dem verletzenden Handeln selbst den Boden entziehen, aber vielleicht auch die stärksten und nachhaltigsten Kräfte zur Heilung der Welt freisetzen würde. Die Seiten werden kontinuierlich überarbeitet und aktualisiert.
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17. Juni: Welttag für die Bekämpfung der Wüstenausbreitung und der Dürre

BODENDEGRADATION, DESERTIFIKATION

Der Boden und wir, aus dem gleichen Stoff
Entsprungen aus ihm, mit dem Leben beschenkt
Das Laufen gelernt und Erfahrung gemacht
Mit Greifen, Berühren, Begreifen und Fühlen

Boden, der alles, gar alles enthält
Nahrung und Wachstum und Schätze hergibt
Achtung und Liebe erfährt er nicht viel
Schadstoffe, Müll und Asphalt, das bekommt er zurück

Monsanto, Roundup, Bayer, Gift
Entwurzeltes Denken glaubt besser zu wissen
Wie Leben so geht, wie es Technik versteht
Finanzmarktbesessen, Rendite im Kopf

Viel blieb dem irren Geist erspart
Könnt er den Boden tief erfahren
Der trägt und nährt und schenkt und heilt
Ist Grund, Be-Gründung, Fundament

Hans Bischlager

(jetzt veröffentlicht in: Hans Bischlager, Entschieden wird im Untergrund. Politische Gedichte, Verlag tredition GmbH, Hamburg 2017, Seite 12) 

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INFORMATIONEN

 

Als Bodendegradation bezeichnet man die Verschlechterung der Ökosystemdienstleistungen des Bodens bis hin zu deren völligem Verlust, unter Desertifikation versteht man die fortschreitende Wüstenbildung [vom lateinischen desertus (= wüst) und facere (= machen)] durch störende Eingriffe des Menschen in das jeweilige Ökosystem.

Die Erzeugung von drei Zentimetern für Landwirtschaft und Gartenbau geeigneten Bodens dauert 1000 Jahre, und wenn die derzeitigen Degradationsraten weitergehen, könnte der gesamte fruchtbare Mutterboden der Welt innerhalb von 60 Jahren verschwunden sein, sagte ein Vertreter der Welternährungsorganisation FAO am Welternährungstag, dem 16. Oktober 2017, in Rom. Wenn keine neuen Ansätze vorgenommen werden, wird der globale Umfang an Mutterboden und produktiver Fläche pro Person schon im Jahr 2050 nur ein Viertel des Umfangs von 1960 betragen, teilte die FAO mit.

Mehr als 250 Millionen Menschen sind direkt von Wüstenbildung betroffen. Zusätzlich ist der Lebensunterhalt von einer Milliarde Menschen gefährdet, die, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, von Land abhängig sind, und meist sind es die Ärmsten der Welt in mehr als einhundert Ländern. Nach Schätzungen der Experten der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) verschlingt die „Desertifikation“, wie Experten diesen schleichenden Prozess nennen, jedes Jahr etwa zwölf Millionen Hektar Grün in den Trockengebieten der Erde. Das entspricht der gesamten Ackerfläche Deutschlands. Rund 20 Millionen Tonnen Getreide hätte man auf diesem verlorenen Land anbauen können, hat die Organisation ausgerechnet. Den Menschen in den betroffenen Regionen entgehen durch die Zerstörung jedes Jahr geschätzte 42 Milliarden US-Dollar an Einkommen. Insgesamt sind nach UN-Angaben 3,6 Milliarden Hektar Land in 110 Ländern gefährdet – also etwa ein Viertel der gesamten Landoberfläche der Erde. 23 Hektar Wüste produziert der Mensch laut Angaben der UN pro Minute, oft durch eine falsche Bewirtschaftung. Allein im 20. Jahrhundert ging ein Drittel der globalen Landfläche infolge von Dürre und Versalzung verloren.

„Die Agrarindustrie ist ein wichtiger Verursacher der Bodendegradation. Mehr als 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche gelten derzeit als geschädigt, wobei die Degradation mit der alarmierenden Geschwindigkeit von zwölf Millionen Hektar pro Jahr fortschreitet – das ist so viel wie etwa die gesamte Agrarfläche der Philippinen.“ (Konzernatlas. Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie, 2017, S. 33)

Städtebau, Winde und Wüstenbildung bedrohen nach Angaben des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam weltweit immer mehr landwirtschaftlich nutzbare Bodenflächen. Ein Viertel der globalen Landoberfläche sei dafür bereits nicht mehr verwendbar, teilte das IASS am 17. Oktober 2013 mit. Jährlich gingen schätzungsweise 24 Milliarden Tonnen Boden durch Erosion verloren, was auch die intensive Landwirtschaft befördere.

Kein Land hat so heftig mit der Wüstenbildung zu kämpfen wie China. Mehr als ein Viertel des chinesischen Territoriums, gigantische 2,6 Millionen Quadratkilometer, sind bereits verwüstet oder kurz davor, zur Wüste zu werden. Mehr als 400 Millionen Menschen sind mittel- oder unmittelbar gefährdet. (Quelle: Felix Lee, Chinas Verwüstung, Le Monde diplomatique, September 2016)

Die Böden auf etwa 30 Prozent der Landfläche weltweit verschlechtern sich der am 11. Februar 2016 in Berlin vorgestellten Studie „Die weltweite Degradierung von Land und Böden. Die Kosten und Konsequenzen für nachhaltige Entwicklung“ des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZFE) und des International Food Policy Research Institute (IFPRI) zufolge deutlich. Fruchtbarkeit und Produktivität verringerten sich demnach in den vergangenen 30 Jahren auf Weide- und Ackerland ebenso wie auf Waldflächen. Betroffen seien arme wie reiche Länder, insgesamt ein Lebensraum von 3,2 Milliarden Menschen.

Im Juli 2011 haben das Zentrum für Entwicklungsforschung und das International Food Policy Research Institute die Studie The Economics of Desertification, Land Degradation and Drought herausgegeben, die sich mit der Ausbreitung von Wüsten, der Bodenverschlechterung und der Dürre beschäftigt.

 

ENGAGEMENT

 

  • Vor allem auf Druck der afrikanischen Länder beschlossen die Staaten der Welt im Juni 1992 auf dem UN-Erdgipfel in Rio de Janeiro das UN-Übereinkommen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD), das einzige internationale Abkommen, das sich explizit auf Böden bezieht, jedoch auf die Trockengebiete beschränkt ist. Bestrebungen, das Abkommen auf andere Klimazonen auszudehnen, scheitern am Widerstand einiger Mitgliedsstaaten. Das Sekretariat des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) befindet sich in Bonn.
  • Durch systematische Aufforstung erobern sich Bauern im Niger Teile der Sahara zurück: In den vergangenen 20 Jahren sei ein Gebiet von drei Millionen Hektar wieder begrünt worden, berichtet das britische Magazin New Scientist. Auf 250.000 Hektar sei bereits wieder Landwirtschaft möglich. Das entspricht der Größe des Saarlandes. (Frankfurter Rundschau vom 12.10.2006)
  • In der Kubuqi-Wüste unweit der chinesischen Hauptstadt Peking wird erfolgreich die Verwüstung zurückgedrängt. So hat ein Unternehmen tausend Quadratkilometer dieser Wüste mit Bäumen bepflanzt und dürrebeständige Pflanzen wie Süßholz weiterentwickelt. Nach Ansicht von Forschern beginnt sich die Begrünung der Kubuqi-Wüste auszuwirken. So hat sich die durchschnittliche Niederschlagsmenge in den vergangenen Jahren von jährlich 70 Millimeter auf 300 Millimeter erhöht. Gab es in der Wüste früher bis zu 80 Sandstürme pro Jahr, so haben die grünen Barrieren dafür gesorgt, dass es nur noch vier sind. Jetzt wollen die Chinesen die gesamte Wüstenfläche von 13.000 Quadratkilometern bewalden. (Publik-Forum Nr. 17 vom 13.9.2013)
  • Der in Hamburg ansässige „Welt-Zukunftsrat“ (World Future Council, WFC) zeichnete im Jahr 2017 sieben internationale Projekte zur Bekämpfung der Wüstenbildung aus.

Die Ökumenische Initiative Reich Gottes – jetzt! erinnert an die Botschaft Jesu von der Gegenwart des Reiches Gottes, von der Heiligkeit der Welt, in die wir eingebunden sind. Diese Weltverbundenheit befreit unmittelbar zu einem Lebensstil der Einfachheit, des Genug, des „Soviel du brauchst“.

 


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