Verletzungen der Welt. 14. KW: Landminen und Streumunition

Unter der Rubrik Verletzungen der Welt werden die wohl gravierendsten Verletzungen der Welt aufgeführt. Zu Beginn wird die jeweilige Thematik in den Reich-Gottes-Zusammenhang gerückt, es folgen grundsätzliche Informationen, sodann Beispiele für ein sich der entsprechenden Verletzung widmendes heilendes Engagement. Ein letzter Punkt weist schließlich darauf hin, dass die Realisierung unserer Weltverbundenheit bzw. eine Reich-Gottes-Spiritualität dem verletzenden Handeln selbst den Boden entziehen, aber vielleicht auch die stärksten und nachhaltigsten Kräfte zur Heilung der Welt freisetzen würde. Die Seiten werden kontinuierlich überarbeitet und aktualisiert.
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4. April: Internationaler Tag der Aufklärung über Minengefahren und der Unterstützung des Humanitären Minenräumens

LANDMINEN UND STREUMUNITION

Die Wörter Krieg und Waffen
Die schlucken wir zu leicht
Denn was sie wirklich meinen
Das würd uns Bauch und Bein zerfetzen

Leib und Fleisch und Haut
Sind gemeinsam allen
Nur der Konstrukteur des Todes
Lässt das Leben außer Acht

Kopf und Hand und Fuß
Sorgen für des Lebens Unterhalt
Mörderische Konkurrenz
Lässt das Leben selbst nicht zu

Leben will leben
Erdboden blühen
Kinder drauf spielen
Glück auch verspüren

Hans Bischlager

(jetzt veröffentlicht in: Hans Bischlager, Entschieden wird im Untergrund. Politische Gedichte, Verlag tredition GmbH, Hamburg 2017, Seite 27)

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INFORMATIONEN

 

6.897 Menschen wurden im Jahr 2018 durch Landminen getötet oder verletzt, wobei die Dunkelziffer immer höher ist. Dem von der Internationalen Kampagne gegen Landminen (International Campaign to Ban Landmines, ICBL) am 21. November 2019 anlässlich der vom 25. bis 29. November in Oslo (Norwegen) stattfindenden Konferenz der Vertragsstaaten des Ottawa-Vertrags zum Verbot von Antipersonenminen vorgestellten Landminen Monitor 2019 zufolge sei besonders auffällig, dass  3.789 Menschen durch improvisierte Minen getötet oder verletzt wurden – die höchste jemals vom Monitor registrierte Zahl. Die hohen Opferzahlen sind hauptsächlich auf bewaffnete Konflikte in Afghanistan, Libyen, Nigeria, Syrien und anderen aktuellen Konfliktgebieten zurückzuführen. Die meisten Menschen, die durch Antipersonenminen getötet oder verletzt werden, stammen aus der Zivilbevölkerung: 2018 waren 71 Prozent dieser Menschen Zivilist/-innen, davon 54 Prozent Kinder. Die meisten neuen Unfälle gab es in Afghanistan (2.234), Myanmar (430), Syrien (1.465), der Ukraine (325) und im Jemen (596). Weltweit wurden in 50 Staaten und Gebieten Unfälle mit Minen und Blindgängern registriert.

Eine Landmine kostet drei Dollar, sie unschädlich zu machen 100 bis 1000 US-Dollar. „Minen zerstören das Vertrauen in die Heimat“, erklärt Bart Weetjens, Gründer des Minenratten-Projekts Apopo in Belgien und in Afrika.

Streubomben verteilen kleine Bomben, sogenannte „Submunitionen“, über weite Flächen. Sie können dabei nicht zwischen militärischen Zielen und der zivilen Bevölkerung unterscheiden. Sie töten und verstümmeln wahllos. Bis zu 40 Prozent dieser Submunitionen explodieren nicht beim Aufprall. Dies gefährdet das Leben der Zivilbevölkerung, manchmal noch Jahrzehnte nach Beendigung eines Konflikts, und behindert das wirtschaftliche und soziale Leben.

Der am 29. August 2019 veröffentlichte Streubomben Monitor 2019 zeigt, dass es weiterhin weltweit Opfer durch Streubomben gibt. In Syrien wurden erneut Angriffe mit diesen menschenverachtenden Waffen verzeichnet. In insgesamt acht Ländern und einem Gebiet wurden Menschen durch explosive Reste getötet oder verletzt. 99 Prozent der Opfer stammten aus der Zivilbevölkerung.

Weitere Informationen zu Landminen und Streubomben finden Sie hier.

 

ENGAGEMENT

 

  • Die Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international initiierte im Jahr 1991 mit der Vietnam Veterans of America Foundation die „Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen“. Sie entwickelte sich zu einer weltweiten Bewegung und erreichte am 3. Dezember 1997 den Abschluss des Vertrages von Ottawa (Ottawa-Konvention). Er verbietet Einsatz, Produktion, Lagerung und Weiterverkauf von Antipersonenminen und schreibt die Vernichtung von Lagerbeständen innerhalb von vier Jahren, die Räumung minenverseuchter Gebiete innerhalb von zehn Jahren sowie die Bereitstellung finanzieller Mittel für die Minenopferhilfe vor. Die von Minen nicht betroffenen Staaten sind verpflichtet, den minenverseuchten Staaten bei der Minenräumung zu helfen. Minensysteme oder Minen, die gegen Fahrzeuge aller Art gerichtet sind – darunter solche, die miteinander kommunizieren und sich hüpfend fortbewegen können – sind nicht verboten. Die Konvention wurde für die Vertragsmitglieder am 1. März 1999 gültig. Bis Dezember 2017 wurde die Konvention von 164 Staaten unterzeichnet. Alle fünf Jahre bestellt der UN-Generalsekretär die Vertragsstaaten zur Beratung ein. Seit der Vertrag in Kraft trat, wurden weltweit mehr als 50 Millionen Sprengkörper zerstört. 27 Staaten haben ihr Land von Minen geräumt. – Am 23. September 2014 teilte das US-Präsidialamt mit, dass die USA ihr Arsenal an Landminen vernichten wollen. Lediglich zur Verteidigung Südkoreas sollten die Waffen noch eingesetzt werden. Mit dem nun angekündigten Schritt sehen die USA weiterhin von der Unterzeichnung der Ottawa-Konvention ab. Die Regierung in Washington hatte 2014 bereits angekündigt, keine Landminen mehr zu produzieren, zu kaufen oder alte zu ersetzen. Am 31. Januar 2020 teilte das Weiße Haus mit, Präsident Donald Trump habe die Vorschriften seines Vorgängers Barack Obama von 2014 gegen den Einsatz von Antipersonenminen aufgehoben.  Damit ist der Einsatz von Landminen wieder erlaubt. Die USA, Russland und China sind dem Ottawa-Vertrag bislang nicht beigetreten.
  • Die Bundesrepublik erhöht von 2012 an die Mittel für die Unterstützung von Minenopfern und die Räumung von Land- und Streuminen von 15,5 Millionen auf 18 Millionen Euro pro Jahr.
  • Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen (International Campaign to Ban Landmines, ICBL), im Jahr 1992 als Internationale Kampagne zum Verbot von Antipersonenminen (ICBL) von sechs Organisationen gegründet (Handicap International, Human Rights Watch, Medico International, Mines Advisory Group, Physicians for Human Rights und die Vietnam Veterans of America Foundation) gegründet, wird von rund 1400 Lobbygruppen getragen.
  • Am 3. Dezember 2008 unterzeichnen mehr als 100 Staaten in Oslo das Übereinkommen über Streumunition (Streubomben-Konvention). Darin verpflichten sich die Teilnehmer, Streumunition nicht einzusetzen oder zu produzieren und die oft sehr hohen Bestände zu vernichten. (Allein die Bundesrepublik verfügt über 25 bis 30 Millionen dieser Sprengkörper.) Doch die größten Rüstungsländer bleiben dem Abkommen fern. Nur rund ein Drittel der weltweiten Bestände sind von dem Verbot umfasst. Unter anderem die USA, Russland, China, Israel, Pakistan und Indien unterstützen das Verbot nicht. Die UN-Konvention ist am 1. August 2010 völkerrechtlich in Kraft getreten. Mit Stand vom November 2014 wurde das Abkommen durch 87 Staaten und den Heiligen Stuhl ratifiziert sowie durch 20 weitere Staaten unterschrieben. Die Bundeswehr hat bereits 2001 begonnen, ihre Bestände an Streumunition zu vernichten. 2015 soll die Vernichtung beendet sein.
  • Cluster Munitions Coalition (CMC), Internationale Kampagne gegen Streumunition, ein Bündnis von 350 Organisationen aus 90 Ländern mit Sitz in London, setzt sich für ein Verbot der Herstellung und des Handels von Streumunition ein. Das seit dem 1. August 2010 völkerrechtlich verbindliche Abkommen zur Ächtung von Streumunition ist der jüngste multilaterale Abrüstungsvertrag und einer der größten Erfolge für die CMC. Weil die Lobby von Bombenproduzenten, Waffenhändlern und Militärs Fortschritte in den traditionellen Verhandlungsgremien jahrelang blockierte, verbündete sich die Kampagne mit abrüstungswilligen Staaten. Am 3. Dezember 2008 wurde der Vertrag in Oslo unterzeichnet.
  • Handicap International Deutschland hat die Kampagne SAGT NEIN ZU STREUBOMBEN! gestartet.
  • Ulmer Forscher wollen in Zusammenarbeit mit Schweizer Wissenschaftlern mit Hilfe von Drohnen Landminen aufspüren. Das Gerät soll dabei 1,50 Meter hoch über verminte Gebiete fliegen und den Boden mittels Radarsensoren nach Sprengkörpern abscannen. Seit Anfang 2016 arbeiten die Forscher an dem Projekt FindMine.

Die Ökumenische Initiative Reich Gottes – jetzt! erinnert an die Botschaft Jesu von der Gegenwart des Reiches Gottes, von der Heiligkeit der Welt, in die wir eingebunden sind. Diese Weltverbundenheit befreit unmittelbar zu einem Lebensstil der Einfachheit, des Genug, des „Soviel du brauchst“.

 


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