Basiskurs Basileiologie. 12. Woche: Kinder – Lehrmeister im Reich Gottes

 

„Reich Gottes“ ist der Zentralbegriff des jesuanischen Evangeliums.
Im griechischen Urtext des Neuen Testaments lautet er „basiléia tou theoú“.
„Basileiologie“ bedeutet hier also „Lehre bzw. Rede vom Reich Gottes“.

 

Das gesamte Jahresprogramm finden Sie hier.

Kinder – Lehrmeister im Reich Gottes

 

„Kinder kooperieren“, so ist ein eigenes Kapitel in dem Buch „Das kompetente Kind“ des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul aus dem Jahr 1997 überschrieben. Kinder interagieren von allem Anfang an mit ihrer offenbar ebenfalls von allem Anfang an als solcher empfundenen Mit-Welt. Was vor ihrer Geburt der Uterus war, der sie nährend und wärmend umgab, das ist jetzt für sie die Welt, deren Wärme und Nähe sie zunächst und in erster Linie in der Gestalt ihrer nächsten Bezugspersonen verspüren – verspüren wollen und verspüren müssen.

Sie möchten in einer freundlichen Mitwelt weiterleben, möchten in ihr verbleiben. Ohne den dauernden Kontakt zu ihr, ohne den beständigen Austausch mit ihr wäre ihr Leben beeinträchtigt, ginge ihnen Lebensqualität verloren, würde verkümmern, was sich doch gerade entfalten will. Und Kinder reagieren darauf, wenn etwas nicht (mehr) stimmt. Sie geben es (noch) zu verstehen. „Wenn Kinder aufhören zu kooperieren, geschieht das entweder, weil sie zu lange zuviel kooperiert haben oder weil ihre Integrität lädiert wurde. Es geschieht niemals, weil sie nicht zusammenarbeiten wollen.“ (Jesper Juul a.a.O.) Ja noch mehr: „Kinder kooperieren kompetent mit jeglicher Form von Erwachsenenverhalten, unabhängig davon, ob das für ihr eigenes Leben konstruktiv oder destruktiv ist. Kinder geben den Eltern verbale und nonverbale Rückmeldungen, die gleichzeig kompetente Hinweise auf emotionale und existenzielle Probleme der Eltern sind. Kurz gesagt: Kinder sind am wertvollsten für das Leben ihrer Eltern, wenn die sie am beschwerlichsten finden!“ (A.a.O.)

Das aber heißt: Alles, was die Kinder irritiert und zu Verhaltensauffälligkeiten führt, sollte uns, weil es in den meisten Fällen nicht oder jedenfalls nicht nur persönlich, sondern gesellschaftlich bedingt ist, sehr hellhörig machen. Es muss bearbeitet und abgestellt werden. Wenn es den Kindern nicht gut geht, kann es auch uns, kann es auch der Gesellschaft nicht gut gehen. Die Sorge für das Wohlergehen der Kinder ist mit der Sorge für das eigene Wohlergehen und das Wohl der Welt gekoppelt. Das Glück der Kinder ist das Glück der Gesellschaft und der Welt.

Kinder leben als Kinder, weil sie es (noch) gar nicht anders können, im Reich Gottes. Sie sind (noch) mit der Welt verbunden. Wir spüren es, wenn wir beobachten, wie sie sich bewegen, wie sie spielen, wie sie sich freuen oder wenn sie uns ihre Bedürfnisse mitteilen. Und noch signalisieren sie uns, wo „aus ihrer Sicht“ etwas nicht mehr im Lot ist. Verwundert es, dass Jesus so nachdrücklich betont, dass Kinder als Kinder im Reich Gottes leben und dass man es nur und immer nur so annehmen kann wie ein Kind, dass sie, und zwar genau so, wie sie sind, immer wieder neu den Zugang zu einem Weltempfinden öffnen, für das die Welt nicht Gegenstand, Objekt, Fremdkörper ist, sondern Teil, unverzichtbarer Teil der eigenen Existenz? Und dass also, wenn Kinder dieses Weltempfinden abtrainiert, gleichsam ausgetrieben wird, es auch für uns in immer weitere Ferne rücken muss?

„Wir wollen, dass unsere Kinder ihre Kindheit in Frieden genießen.“ (Hanan al-Hroub, palästinensische Grundschullehrerin, die von der internationalen Jury der mit der Unesco kooperierenden Varkey-Stiftung zur „Lehrerin des Jahres 2016“ gewählt worden ist.


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