Der Skandal des Reichtums (15. Januar 2021)

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Selig sind die, die nicht mehr haben, als sie wirklich brauchen,
denn ihrer ist das Reich Gottes.

Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr,
als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt.

Jesus von Nazaret

 

In einer Welt, die nach den Spielregeln des Reiches Gottes eingerichtet ist,
in einer Welt, in der die Menschen weltverbunden leben,
steht jedem Menschen zur Verfügung, was er zum Leben braucht – nicht weniger, aber auch nicht mehr.
Es ist eine Welt, in der niemand mehr arm zu sein braucht und in der niemand mehr reich sein möchte.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 15. Januar 2021

 

In aller Objektivität müssen wir zugeben, dass der Kapitalismus oft eine Kluft von Überfluss und Armut aufgerissen hat. Er schuf Bedingungen, die den Massen das Notwendigste vorenthielten, um den Luxus der wenigen zu ermöglichen.

Martin Luther King Martin Luther King (1929–1968, US-amerikanischer Baptistenpastor und Bürgerrechtler); am dritten Montag im Januar wird seit 1986 in allen US-Staaten jedes Jahr zum Gedenken an den Geburtstag Martin Luther Kings am 15. Januar 1929 der Martin Luther King Day begangen.

 

Enorme Kursgewinne der Tesla-Aktien haben Firmenchef Elon Musk laut dem Milliardärsranking »Bloomberg Billionaires Index« zum reichsten Menschen der Welt gemacht. Sein Vermögen ist demnach am 7. Januar 2021 auf 188,5 Milliarden US-Dollar (153,7 Milliarden Euro) gestiegen und lag damit zuletzt etwa 1,5 Milliarden über dem des Amazon-Gründers Jeff Bezos.

 

Informationen zur Gesamtthematik finden Sie hier.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 8. Januar 2021

 

Um zweierlei bitte ich dich,
versag es mir nicht, bevor ich sterbe:
Falschheit und Lügenwort halt fern von mir;
gib mir weder Armut noch Reichtum.

Sprüche 30,7–8a

 

Nach Berechnungen der DZ Bank dürfte das Geldvermögen der privaten Haushalte im Jahr 2020 um 393 Milliarden Euro auf den Rekordwert von 7,1 Billionen Euro zugenommen haben. Pro Haushalt wären das gut 173.000 Euro. Studien haben jedoch mehrfach die sehr ungleiche Verteilung der Vermögen in Deutschland aufgezeigt. So kam das Deutsche Institut der Wirtschaft (DIW) zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens (56 Prozent) besitzen. Die ärmere Hälfte habe dagegen nur einen Anteil von 1,3 Prozent.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 30. Dezember 2020

 

Wir mögen Demokratie haben oder Reichtum in den Händen der wenigen, aber wir können nicht beides haben.

Louis Brandeis (1856–1941, US-amerikanischer Jurist)

 

Die im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung erstellte Studie von Christoph Trautvetter „Wem gehört die Stadt? Analyse der Eigentümergruppen und ihrer Geschäftspraktiken auf dem Berliner Immobilienmarkt“ vom Oktober 2020 kam zu dem Ergebnis, dass fast die Hälfte des Berliner Wohnungsbestandes wenigen tausend Multimillionären und Multimillionärinnen gehört.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 23. Dezember 2020

 

Heilige Nacht

So war der Herr Jesus geboren
Im Stall bei der kalten Nacht.
Die Armen, die haben gefroren,
Den Reichen war’s warm gemacht.

Sein Vater ist Schreiner gewesen,
Die Mutter war eine Magd.
Sie haben kein Geld nicht besessen,
Sie haben sich wohl geplagt.

Kein Wirt hat ins Haus sie genommen;
Sie waren von Herzen froh,
Daß sie noch in Stall sind gekommen.
Sie legten das Kind auf Stroh.

Die Engel, die haben gesungen,
Daß wohl ein Wunder geschehn.
Da kamen die Hirten gesprungen
Und haben es angesehn.

Die Hirten, die will es erbarmen,
Wie elend das Kindlein sei.
Es ist eine G’schicht’ für die Armen,
Kein Reicher war nicht dabei.

Ludwig Thoma (1867–1921, bayerischer Schriftsteller)

 

Im Dezember ist die neue Mercedes S-Klasse an den Start gegangen. Als „Einstiegsmodel“ fungiert der Diesel, der ab Januar 2021 mindestens 97.000 Euro kostet. Das Top-Modell, der Maybach, dessen Vorgängermodell zuletzt mindestens 146.757 Euro gekostet hat, dürfte knapp unter 160.000 Euro liegen. Von der aktuellen Generation der rund um den Globus meistverkauften Luxuslimousine wurden seit 2013 rund eine halbe Million Exemplare an Regierungsvertreter, Vorstände, Promis und die Reichen der Welt verkauft.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 18. Dezember 2020

 

Er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.

Lukas 1,52–53, aus dem „Lobgesang der Maria“ (Magnifikat)

 

Die Corona-Krise verschärft die Ungleichheit zwischen hohen und niedrigen Einkommen. Dem am 19. November 2020 veröffentlichten Verteilungsbericht 2020 des Wissenschafts- und sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung zufolge sind Erwerbspersonen mit schon vorher niedrigen Einkommen im bisherigen Verlauf der Corona-Krise fast doppelt so häufig von Einbußen betroffen wie Menschen mit hohen Einkommen und haben zudem relativ am stärksten an Einkommen verloren: Je niedriger ihr Einkommen schon vor der Krise war, desto häufiger haben Befragte im Zuge der Pandemie an Einkommen eingebüßt. Zudem steigt mit abnehmender Einkommenshöhe der Anteil, um den sich das Einkommen reduziert hat: Wer weniger hatte, hat also relativ auch noch besonders viel verloren. Konkret haben im Durchschnitt aller Befragten bis Juni 2020 knapp 32 Prozent Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. In den Gruppen mit niedrigen Haushaltseinkommen unter 1500 Euro netto monatlich lag der Anteil aber deutlich über 40 Prozent. Von den Befragten mit hohen Haushaltsnettoeinkommen über 4500 Euro berichteten dagegen lediglich rund 26 Prozent über Einbußen.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 11. Dezember 2020

 

Wenn alle Dinge in den Städten Gemeingut wären, wären auch Herren und Jedermann gemein. Wenn niemand die Interessen seiner Nachbarn verletzte, wenn ein jeder für das gemeinsame Wohl arbeitete, würde es nicht Kampf und Zwietracht geben (…) Tretet herzu und helft alle Ungleichheiten zu zerstören, durch die die ganze Welt in Trümmern liegt.

Aus der „Reformatio Sigismundi“ (ab 1476 in immer neuen Auflagen gedruckt; eine der verbreitetsten Flugschriften der deutschen Bauernkriege und des Reformationszeitalters)

 

Recherchen der Verbraucherorganisation Finanzwende zufolge, die am 9. Dezember 2020 veröffentlicht wurden, hat die Finanzlobby in Deutschland 1.500 Mitarbeiter und ein Budget von mindestens 200 Millionen Euro. Besonders deutlich zeigt sich die Schieflage bei den Stellungnahmen zu Referentenentwürfen: Auf eine Kommentierung aus der Zivilgesellschaft kommen neun von der Finanzlobby. Finanzwende-Vorstand Gerhard Schick ordnet die Ergebnisse wie folgt ein: „Kein Wunder, dass angesichts dieser gefährlichen Schieflage die Interessen der Finanzlobby so oft über die der Bürgerinnen und Bürger gestellt werden. In der Realität siegt eben doch meist der Goliath und viel zu selten ein David.“ Die Übermacht der Finanzlobby steht laut Schick einer bürgerfreundlichen Finanzmarktpolitik im Weg: „Wenn die Interessen weniger so überrepräsentiert sind, dann stellt dies eine immense Gefahr für unsere demokratische Gesellschaft dar. Die Interessen der Bürgerinnen und Bürger werden in der Finanzmarktpolitik vernachlässigt. Dies muss sich schleunigst ändern.“ Finanzwende fordert neben mehr Lobbytransparenz eine Korrektur des Ungleichgewichts. Zum einen solle die Politik auf eine gleichmäßige Vertretung unterschiedlicher Interessen achten. Zum anderen müsse die Stimme der Zivilgesellschaft stärker werden.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 4. Dezember 2020

 

einfacher leben – einfach überleben – Leben entdecken

Motto der 1977 vom evangelischen Hilfswerk „Brot für die Welt“ ausgerufenen „Aktion e“, die zu einer Veränderung des Lebensstils der reichen Nationen anregen wollte

 

Laut einer Pressemitteilung des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY vom 16. November 2020 haben die Vorstände deutscher börsennotierter Unternehmen im Jahr 2019 durchschnittlich 1,99 Millionen Euro verdient. In der obersten Börsenliga der 30 Dax-Konzerne verdiente ein weibliches DAX-30-Vorstandsmitglied im Mittel 2,93 Millionen Euro, bei den Männern waren es 2,9 Millionen Euro. Bei den 60 Firmen im M-Dax lag ihr Gehalt mit 1,44 Millionen Euro durchschnittlich um etwa 115.000 Euro und damit 8,7 Prozent höher.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 27. November 2020

 

Ebenso wie das Gebot “Du sollst nicht töten” eine deutliche Grenze setzt, um den Wert des menschlichen Lebens zu sichern, müssen wir heute ein “Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen” sagen. Diese Wirtschaft tötet.

Aus dem am 24. November 2013 veröffentlichten Apostolischen Schreiben “Evangelii gaudium” (“Freude des Evangeliums”) von Papst Franziskus (Absatzziffer 53)

 

Während sich die Pandemie und mit ihr der Hunger über die ganze Welt ausbreitete, schütteten laut Oxfam die acht größten Nahrungsmittel- und Getränkeunternehmen ihren Aktionär*innen von Januar bis Anfang Juli 2020 über 18 Milliarden Dollar aus.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 20. November 2020

 

Wir werden uns bemühen, so zu leben, wie die Menschen um uns her üblicherweise leben, im Hinblick auf Wohnung, Essen, Verkehrsmittel und allem, was sich daraus ergibt (vgl. Mt 5,3; 6,33–34; 8,20).

Wir verzichten ein für alle Mal darauf, als Reiche zu erscheinen wie auch wirklich reich zu sein, insbesondere in unserer Amtskleidung (teure Stoffe, auffallende Farben) und in unseren Amtsinsignien, die nicht aus kostbarem Metall – weder Gold noch Silber – gemacht sein dürfen, sondern wahrhaft und wirklich dem Evangelium entsprechen müssen (vgl. Mk 6,9; Mt 10,9; Apg 3,6).

Wir werden weder Immobilien oder Mobiliar besitzen noch mit eigenem Namen über Bankkonten verfügen und alles, was an Besitz notwendig sein sollte, auf den Namen der Diözese bzw. der sozialen oder caritativen Werke überschreiben (vgl. Mt 6,19–21; Lk 12,33–34).

Die ersten drei von insgesamt 13 Verpflichtungen des sogenannten Katakombenpakts „Für eine dienende und arme Kirche“, den 40 Bischöfe der römisch-katholischen Kirche am 16. November 1965, drei Wochen vor dem Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils, in den Domitilla-Katakomben außerhalb Roms beschlossen haben (Übersetzung: Norbert Arntz)

 

Weil die Erträge traditioneller Investitionen zurückgegangen sind, legen reiche Privatpersonen ihr Kapital zunehmend im Agrarsektor an und tragen dadurch direkt zur Entwaldung im globalen Süden bei, insbesondere in den Tropen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die von Graziano Ceddia am Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern durchgeführt wurde. Sie untersuchte erstmals, wie sich die Landwirtschaftsinvestitionen von Superreichen auf die Ausdehnung von Anbauflächen für die Produktion von Zuckerrohr, Soja oder Palmöl im globalen Süden auswirken. Die Studie, die sich über den Zeitraum von 1991 bis 2014 auf 21 Länder in Lateinamerika und Südostasien konzentriert, belegt: Stiegen die Vermögen der Superreichen um ein Prozent, wuchsen die Anbauflächen in den untersuchten Ländern um 2,4 bis zehn Prozent.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 13. November 2020

 

Nemo ibi quicquam proprium habebat, omnia in medium conferebantur.
Keiner besaß dort irgendetwas Eigenes, alles kam der Allgemeinheit zugute.

Sulpicius Severus, Vita sancti Martini (Das Leben des heiligen Martin), 10,6 [von der Lebensweise Martins und seiner Gemeinschaft]

 

Wie am 4. November 2020 aus Pflichtmitteilungen an die amerikanische Börsenaufsicht SEC hervorging, hat Amazon-Chef Jeff Bezos Aktien seines Unternehmens im Wert von mehr als 3,0 Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) verkauft. SEC-Daten zufolge hat er in diesem Jahr bereits Amazon-Anteile im Wert von mehr als 10,2 Milliarden Dollar (8,7 Milliarden Euro) zu Geld gemacht. Bezos ist bis heute größter Einzelaktionär des weltgrößten Internethändlers. Mit einem geschätzten Vermögen von rund 190 Milliarden Dollar ist er laut „Forbes“ und „Bloomberg Billionaires“ der reichste Mensch der Welt.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 6. November 2020

 

Martinus hatte eine rohgezimmerte Zelle, ebenso auch viele seiner Brüder. Manche hatten den Fels des überhängenden Berges ausgehöhlt und sich so eine Wohnstätte geschaffen. Es waren ihrer gegen achtzig Jünger. Diese suchten sich nach dem Vorbild des heiligen Meisters zu bilden. Keiner besaß dort Eigentum, alles war Gemeingut. (Nemo ibi quicquam proprium habebat, omnia in medium conferebantur.) Keiner durfte etwas kaufen oder verkaufen, wie dies bei den Mönchen vielfach üblich ist.

Sulpicius Severus, Vita sancti Martini (Das Leben des heiligen Martin), 10,4–6 [Das Datum des Martinstages am 11. November ist von der Grablegung des Bischofs Martin von Tours am 11. November 397 abgeleitet]

 

Während vor einem Jahr lediglich der Turbo (Preis: ab 149.158 Euro) und der Turbo S des Porsche-Taycan zur Verfügung standen (Preis: ab 181.638 Euro), wird jetzt auch das Basismodell angeboten (Preis: ab 103.802 Euro). Im eigens für diese Luxus-Limousinen gebauten Werk in Stuttgart-Zuffenhausen laufen täglich inzwischen 150 Autos vom Band.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 30. Oktober 2020

 

Die Erde ist für alle da, denn wir Menschen kommen alle mit der gleichen Würde auf die Welt. Unterschiede in Hautfarbe, Religion, Fähigkeiten, Herkunft, Wohnort und vielen anderen Bereichen können nicht als Rechtfertigung für die Privilegien einiger zum Nachteil der Rechte aller geltend gemacht oder genutzt werden. Folglich sind wir als Gemeinschaft verpflichtet, dafür zu sorgen, dass jeder Mensch in Würde leben kann und angemessene Möglichkeiten für seine ganzheitliche Entwicklung hat.

Papst Franziskus, Enzyklika Fratelli Tutti. Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft, unterschrieben und veröffentlicht am 3. Oktober 2020 am Grab von Franziskus von Assisi (Nr. 118)

 

SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner hat den Kurssturz der Aktien des Softwareherstellers zu einem Großeinkauf genutzt. Anfang der Woche deckte sich der Mitgründer des Dax-Unternehmens für insgesamt rund 248,5 Millionen Euro mit Papieren ein. Laut einer Stimmrechtsmitteilung des Konzerns kaufte er demnach zu Kursen von durchschnittlich um die 101 Euro. Zur Wochenmitte erwarb Plattner für 49,7 Millionen Euro weitere Aktien, wie aus einer Stimmrechtsmitteilung vom 29. Oktober 2020 hervorgeht. Je Aktie zahlte er im Schnitt einen Preis von 93,48 Euro. Plattner ist vor Gründungskompagnon Dietmar Hopp der größte Einzelaktionär des wertvollsten deutschen börsennotierten Unternehmens und hielt zuletzt laut jüngsten Stimmrechtsmitteilungen rund sechs Prozent der Anteile. Als Gründungsaktionär der Firma verdient er laut „Vermögenmagazin“ Jahr für Jahr Millionen allein dank der Dividendenausschüttungen. Das geschätzte Vermögen von Hasso Plattner beträgt 11,78 Milliarden Euro.

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Beispiele für das Jahr 2019/2020 finden Sie hier.


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