Der Skandal des Reichtums (3. Dezember 2021)

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Selig sind die, die nicht mehr haben, als sie wirklich brauchen,
denn ihrer ist das Reich Gottes.

Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr,
als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt.

Jesus von Nazaret

 

In einer Welt, die nach den Spielregeln des Reiches Gottes eingerichtet ist,
in einer Welt, in der die Menschen weltverbunden leben,
steht jedem Menschen zur Verfügung, was er zum Leben braucht – nicht weniger, aber auch nicht mehr.
Es ist eine Welt, in der niemand mehr arm zu sein braucht und in der niemand mehr reich sein möchte.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 3. Dezember 2021

 

einfacher leben – einfach überleben – Leben entdecken

Motto der 1977 vom evangelischen Hilfswerk „Brot für die Welt“ ausgerufenen „Aktion e“, die zu einer Veränderung des Lebensstils der reichen Nationen anregen wollte

 

„Das Kakaobarometer 2020 macht am Beispiel des Familienkonzern Ferrero (Nutella) folgende Rechnung auf: Die Familie schüttete sich 2020 eine Dividende von 642 Millionen Euro aus. Um den geschätzt 90.000 Bauern, die den Kakao für sie anbauen, ein existenzsicherndes Einkommen zu bezahlen, müsste der Konzern 450 Millionen Euro mehr für den Rohstoff ausgeben. Es blieben immer noch 192 Millionen Euro Gewinn für die Familie Ferrero übrig – und Nutella müsste nicht teurer werden. Doch die Konzerne weigern sich seit 20 Jahren, diesen Weg zu gehen…“ (aus Schrot&Korn 09/2021).

 

Informationen zur Gesamtthematik finden Sie hier.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 26. November 2021

 

Ebenso wie das Gebot “Du sollst nicht töten” eine deutliche Grenze setzt, um den Wert des menschlichen Lebens zu sichern, müssen wir heute ein “Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen” sagen. Diese Wirtschaft tötet.

Aus dem am 24. November 2013 veröffentlichten Apostolischen Schreiben “Evangelii gaudium” (“Freude des Evangeliums”) von Papst Franziskus (Absatzziffer 53)

 

Statt ausreichend in den Klimaschutz zu investieren, schütten 30 DAX-Konzerne insgesamt einen zunehmenden Teil ihrer Gewinne an Aktionäre und Aktionärinnen aus oder bauen damit Finanzreserven auf. Dabei hätten viele den finanziellen Spielraum für die Investitionen, die laut EU erforderlich sind, um bis 2050 klimaneutral zu werden. Darauf macht ein Bericht der Nichtregierungsorganisation Oxfam und der Bürgerbewegung Finanzwende aufmerksam, der unter dem Titel „Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit. Wie Konzerne Aktionärsinteressen bedienen, statt Klima und Menschenrechte zu schützen“ am 4. November 2021 veröffentlicht wurde. Der Studie zufolge stiegen die Ausschüttungen der untersuchten 30 Unternehmen, die im Berichtszeitraum mindestens fünf Jahre zum DAX30 gehört haben, von 20,3 Milliarden im Jahr 2009 auf 41,97 Milliarden im Jahr 2020, haben sich also mehr als verdoppelt.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 19. November 2021

 

Wir werden uns bemühen, so zu leben, wie die Menschen um uns her üblicherweise leben, im Hinblick auf Wohnung, Essen, Verkehrsmittel und allem, was sich daraus ergibt (vgl. Mt 5,3; 6,33–34; 8,20).

Wir verzichten ein für alle Mal darauf, als Reiche zu erscheinen wie auch wirklich reich zu sein, insbesondere in unserer Amtskleidung (teure Stoffe, auffallende Farben) und in unseren Amtsinsignien, die nicht aus kostbarem Metall – weder Gold noch Silber – gemacht sein dürfen, sondern wahrhaft und wirklich dem Evangelium entsprechen müssen (vgl. Mk 6,9; Mt 10,9; Apg 3,6).

Wir werden weder Immobilien oder Mobiliar besitzen noch mit eigenem Namen über Bankkonten verfügen und alles, was an Besitz notwendig sein sollte, auf den Namen der Diözese bzw. der sozialen oder caritativen Werke überschreiben (vgl. Mt 6,19–21; Lk 12,33–34).

Die ersten drei von insgesamt 13 Verpflichtungen des sogenannten Katakombenpakts „Für eine dienende und arme Kirche“, den 40 Bischöfe der römisch-katholischen Kirche am 16. November 1965, drei Wochen vor dem Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils, in den Domitilla-Katakomben außerhalb Roms beschlossen haben (Übersetzung: Norbert Arntz)

 

„Nach der Fusion der Universitätskliniken Marburg und Gießen 2005 wurden alsbald 95 Prozent der Geschäftsanteile für 112 Millionen Euro an den Rhön-Klinikkonzern verkauft. Während bundesweit Krankenhäuser rote Zahlen schrieben, versprachen die Rhön-Kliniken ihren Aktionären eine Rendite von zehn Prozent. Und sie hielten ihr Versprechen! Woher kommen diese zehn Prozent? Dazu muss man Tarifverträge mit Füßen treten, unrentable Abteilungen schließen, auf Teufel komm raus Personal einsparen und Fremdleistungen von Lohndrücker-Firmen in Anspruch nehmen.“ (Aus dem Artikel „Grün war die Hoffnung“ von Dr. Bernd Hontschik in der Frankfurter Rundschau vom 6./7. November 2021)

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Zum Börsenschluss am Freitag, 12. November 2021

 

»Sie leben im Reichtum«, sagte Aljoscha leise.
»Ist es denn besser, wenn man arm ist?«
»Es ist besser.«

Fjodor M. Dostojewski (1821–1881, russischer Schriftsteller), aus: „Die Brüder Karamasow“ (1880); Übersetzung: Swetlana Geier

 

„Mit einem einzigen Weltraumflug verursacht ein Milliardär mehr Emissionen, als jemand aus der ärmsten Milliarde Menschen in einem ganzen Leben zusammenbringt“, sagte Nafkote Dabi, Klimaexpertin der Entwicklungsorganisation Oxfam, am 5. November 2021 bei der Vorstellung einer Oxfam-Studie auf der Weltklimakonferenz in Glasgow. Danach wird das reichste Prozent der Menschheit bis 2030 für 16 Prozent der weltweiten Gesamtemissionen verantwortlich sein. Ihre Pro-Kopf-Emissionen würden dann den für das 1,5-Grad-Ziel verträglichen Wert um das 30-Fache übersteigen. Wollten sie ihre Emissionen in die Nähe der Paris-Verträglichkeit bringen, müssten sie sie um 97 Prozent reduzieren. Im Gegensatz dazu werden die Pro-Kopf-Emissionen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung im Jahr 2030 deutlich unter der angestrebten 1,5-Grad-Grenze für die globale Erwärmung bleiben. Der Report basiert nach Angaben der Entwicklungsorganisation auf Studien des Instituts für Europäische Umweltpolitik (IEEP) und des Stockholm Environment Institute (SEI). Tim Gore, Autor der Studie am IEEP, betonte, dass die Regierungen ihre Politik auf die extrem Reichen ausrichten müssen. „Dazu gehören Maßnahmen zur Begrenzung des CO2-Verbrauchs für Luxusgüter wie Megayachten, Privatjets und private Raumfahrt sowie zur Begrenzung klimaintensiver Investitionen wie Beteiligungen an der fossilen Brennstoffindustrie.“

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Zum Börsenschluss am Freitag, 5. November 2021

 

„Solidarität ist ein Wort, das nicht immer gut ankommt, ja, ich würde sagen, dass wir es manchmal sogar zu einem unanständigen Wort gemacht haben, das man nicht sagen darf. Aber es ist ein Wort, das viel mehr meint als einige sporadische großherzige Gesten. Es meint, dass man denkt und handelt im Sinne von Gemeinschaft, dass das Leben aller wichtiger ist als die Güteranhäufung einiger weniger.“

Aus der Ansprache von Papst Franziskus am Dienstag, 28. Oktober 2014, vor den Teilnehmern am Welttreffen der Sozialen Bewegungen in der Alten Synodenaula in Rom

 

Wie aus der neuen Reichenliste hervorgeht, die das Shanghaier Magazin „Hurun“ am 27. Oktober 2021 vorlegte, ist die Zahl der Dollar-Milliardäre und Dollar-Milliardärinnen in China im vergangenen Jahr um 307 auf 1185 gestiegen, fünfmal mehr als vor zehn Jahren. Der reichste Chinese ist demnach der 67-jährige Mineralwasserunternehmer Zhong Shanshan mit einem Vermögen von 60,6 Milliarden Dollar.

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Zum Börsenschluss am Freitag, 29. Oktober 2021

 

Von unseren derzeitigen globalen Ausgaben fließt viel Geld in die Beeinflussung von Gruppenverhalten. Disziplinen wie Marketing und Betriebswirtschaft, Politik und Werbung werden in der ganzen Welt gelehrt. In diesen Kursen wird den Studentinnen und Studenten beigebracht, eine Zielgruppe zu definieren, indem man eine Population anhand einer Reihe demografischer Merkmale segmentiert. Die Bedürfnisse dieser Population werden dann manipuliert, wobei der Zweck der Manipulation nicht das Wohl der betroffenen Personen oder die Verbreitung von Frieden ist, sondern etwas zu maximieren, das wir Profit nennen. Dieser kann finanzieller, politischer, sozialer oder anders gearteter Profit sein.

Doch diese Sache, die wir Profit nennen, gibt es nicht. Absolut gesehen ist das Konzept des Profits ein Trugschluss. In menschlicher Hinsicht und in der Welt, in der wir physisch leben, sind Ereignisse und Dinge in Zeit und Raum verortet. Wert, der zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort erscheint, ist der Wert, der aus einer anderen Zeit und von einem anderen Ort abgezogen wurde. Ein System, das auf Profit basiert – darauf, mehr zu erhalten, als man gibt – ist ein System der Ausbeutung. Ein System, das einerseits Konzentration und andererseits ein Defizit erzeugt, ist ein System des Ungleichgewichts. So ein System ist notwendigerweise instabil und deshalb auch nicht nachhaltig. Wie ist es möglich, dass wir in ein instabiles, nicht nachhaltiges System investieren, das uns zwangsläufig in den Untergang führt?

Aus der Dankesrede von Tsitsi Dangarembga anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels am 24. Oktober 2021 in der Paulskirche in Frankfurt am Main (Aus dem Englischen von Anette Grube)

 

„Durch den Einstieg von Investoren ändert sich oftmals die bisherige Logik im Pflegesektor. Es geht immer weniger um das Wohl der Patientinnen und Patienten. Der Gewinn für die Anteilseigner des Fonds rückt dagegen immer mehr in den Fokus. Anders geht es auch nicht, wenn man mitunter zweistellige Renditen erzielen will. Die Folgen dieses Agierens sind dramatisch.“ (Aus der am 14. Oktober 2021 veröffentlichten Studie „Private-Equity-Investoren in der Pflege“ der Bürgerbewegung Finanzwende)

Nach Daten des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2019 von 15.380 Pflegeheimen in Deutschland 6570 Häuser, also gut 40 Prozent, in den Händen von Finanzinvestoren – doppelt so viele wie noch vor zwei Jahrzehnten.

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Beispiele für das Jahr 2020/2021 finden Sie hier.


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