Basiskurs Basileiologie. 14. Woche: Reichtum oder Reich Gottes

 

„Reich Gottes“ ist der Zentralbegriff des jesuanischen Evangeliums.
Im griechischen Urtext des Neuen Testaments lautet er „basiléia tou theoú“.
„Basileiologie“ bedeutet hier also „Lehre bzw. Rede vom Reich Gottes“.

 

Das gesamte Jahresprogramm finden Sie hier.

Reichtum oder Reich Gottes

 

„Wasser nimmt nicht mehr Platz ein, als es wirklich bedarf.“ (Konfuzius) Es braucht ein Bett, das es sich gräbt, es braucht Auen, um sich in sie hinein auszubreiten, wenn das Bett es nicht mehr fassen kann, in das es sich aber wieder zurückzieht, sobald es die Umstände zulassen.

Auch wir Menschen brauchen „Platz“, brauchen „Welt“, ohne deren Ressourcen wir nicht leben könnten. Wir sind existenziell angewiesen auf die Luft, auf das Wasser, auf die Erde, die uns Nahrung schenkt und mit Hilfe menschlicher Arbeit auch Kleidung und Wohnung. Eingefügt in den großen Weltzusammenhang dürfen, ja sollen wir nehmen, was wir brauchen. Dadurch, durch diese Kommunikation mit der Welt, „leben“ wir ja unsere Verbundenheit mit ihr, nur auf diese Weise kann sie uns „Reich Gottes“ sein.

Alles aber würde verkehrt, zerstört, ginge verloren, löste sich auf, wenn wir mehr von der Welt beanspruchten und in unseren Besitz brächten, als wir brauchen. Unser Leben wäre nicht mehr von der Weltverbundenheit getragen, sondern stellte sich außerhalb der Welt, benutzte sie, verfügte über sie. Ein solches Verhalten zerstörte gerade diejenige Beziehung, die allein uns das Leben und „volle Genüge“ schenkt.

Darum: Wer nicht mehr hat, als er braucht, ist „selig“, ist des Reiches Gottes teilhaftig. Wer aber mehr besitzt, als er bedarf, ist vom Reich Gottes, vom wahren Leben unüberbrückbar getrennt, kommt so wenig hinein wie ein Kamel, das versucht, sich durch ein Nadelöhr zu zwängen – es ist absolut unmöglich.


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