Flucht und Vertreibung, Staatenlosigkeit: Information – Regionen

 

Das Mittelmeer bleibt Experten zufolge die mit Abstand tödlichste Route nach Europa für Migranten und Flüchtlinge. Am 18. April 2015 ereignete sich die größte Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer seit Ende des Zweiten Weltkriegs: Ein Schiff mit mehr als 800 Migranten kenterte; nur 28 Menschen überlebten. Der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge sind im Jahr 2022 im Mittelmeer  mindestens 2000 Menschen gestorben. Die IOM registrierte zudem insgesamt einige Hundert Tote zwischen Westafrika und den Kanaren, in der Sahara, im Ärmelkanal, auf der Balkanroute und an der Grenze zu Belarus. Einem am 29. April 2022 veröffentlichten Bericht des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) zufolge wurden im Jahr 2021 1.924 Menschen auf der zentralen und westlichen Mittelmeerroute als tot oder vermisst gemeldet. Weitere 1.153 Menschen kamen auf der nordwestafrikanischen Seeroute zu den Kanarischen Inseln ums Leben oder werden vermisst. Im Jahr 2020 wurden für beide Routen insgesamt 1.544 Todesfälle verzeichnet. Seit 2014 sind laut IOM bislang (Stand vom 16. September 2022) im Mittelmeer bislang (Stand vom 27. September 2022) 24.674 Menschen vermisst und wahrscheinlich ertrunken.

Wie die Internationale Organisation für Migration (IOM)  am 1. Juli 2022 in Genf mitteilte, sind seit 2014 mehr als 20.000 Migrant*innen beim Durchqueren der Sahara ums Leben gekommen. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, hieß es.

Wie aus einem Bericht hervor, den UNHCR, das UN-Flüchtlingshochkommissariat, und das Mixed Migration Center (MMC) des Danish Refugee Councils am 29. Juli 2020 veröffentlicht haben, sterben Tausende Flüchtlinge und Migranten auf ihrer Reise Richtung afrikanischer Mittelmeerküste und von West- nach Ostafrika. Der Bericht mit dem Titel “On this journey, no one cares if you live or die” (auf Deutsch „Auf dieser Reise kümmert es niemanden, ob man lebt oder stirbt“) kommt zu der Erkenntnis, dass in den Jahren 2018 und 2019 mindestens 1750 Menschen auf dieser Route ums Leben gekommen sind. Mit mindestens 72 Toten pro Monat wäre diese Strecke eine der tödlichsten Routen der Welt für Flüchtlinge und Migranten. Diese Todesfälle kommen zu den Tausenden hinzu, die in den letzten Jahren bei verzweifelten Versuchen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, ums Leben kamen oder vermisst sind.

Daten über auf der Flucht ums Leben gekommene oder vermisste Flüchtlinge finden Sie hier.

Die syrische Flüchtlingskatastrophe ist die größte humanitäre Krise der Gegenwart: Nahezu zwölf Millionen Syrer sind auf der Flucht (2018).  Die Zahl der hauptsächlich in Ländern wie der Türkei, dem Libanon, Jordanien, dem Irak und Ägypten registrierten syrischen Flüchtlinge liege inzwischen bei 5,018 Millionen, teilte das UN-Flüchtlingswerk UNHCR am 30. März 2017 in Genf mit. Außerdem sind von den insgesamt 22 Millionen Syrern mehr als sechs Millionen innerhalb des Landes auf der Flucht. Wie die UN am 20. Juli 2018 in Genf mitteilten, kehrten im ersten Halbjahr 2018 schätzungsweise 750.000 Binnenflüchtlinge in ihre Heimatorte zurück. Aus dem Ausland kehrten in diesem Zeitraum rund 13.000 Menschen zurück.

Im Verlauf der brutalen Militäroffensive in Myanmar vom 25. August 2017 sind mehr als 740.000 Rohingyas ins überwiegend muslimische Nachbarland Bangladesch geflohen. Das Flüchtlingscamp Kutupalong im Südosten Bangladeschs an der Grenze zu Myanmar ist mit über 700.000 Flüchtlingen mittlerweile das größte Flüchtlingslager der Welt.

Mehr Menschen denn je versuchen, aus dem Armuts- und Gewaltdreieck von El Salvador, Guatemala und Honduras über Mexiko in die USA zu gelangen. Im Jahr 2019 könnten es 800.000 werden.

Der Bürgerkrieg im Südsudan hat bereits mehr als 1,5 Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Zusätzlich seien durch die Kämpfe 2,1 Millionen Menschen zu Vertriebenen im eigenen Land geworden, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am 10. Februar 2017 in Genf. Nach Angaben des UNHCR ist dies eine der größten Flüchtlingskrisen weltweit, nur in Syrien und Afghanistan ist die Lage noch schlimmer. In Bidibidi im Norden Ugandas befindet sich das größte Flüchtlingslager der Welt. Bislang hat Uganda dort 270.000 Flüchtlinge aufgenommen, in erster Linie aus dem Südsudan.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR ruft zu einer stärkeren Unterstützung der Nachbarstaaten des Südsudan auf. Die sechs umliegenden Länder hätten insgesamt rund 2,5 Millionen Flüchtlinge aufgenommen, sagte der Koordinator für den Südsudan, Arnauld Akodjenou, am 17. Juni 2018 dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin. Gut eine Million von ihnen seien in Uganda, rund 800.000 im Sudan und Hunderttausende in Äthiopien, in Kenia, dem Kongo und der Zentralafrikanischen Republik. Fast zwei Drittel der Flüchtlinge seien Kinder. Die Geflüchteten seien in abgelegenen und ohnehin schon vernachlässigten Regionen auf die Hilfe der lokalen Bevölkerung angewiesen.

Das zweitgrößte Flüchtlingslager der Welt ist die Stadt Dadaab in der Wüste von Garissa in Kenia. Es wurde im Jahr 1992 gegründet, als Hunderttausende Somalier vor dem Bürgerkrieg flohen. Was einst als Provisorium gedacht war, ist heute Heimat von 300.000 Menschen.


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