Zum 13. Juli 2017

Das norwegische Nobelkomitee zeichnete Liu Xiaobo  im Jahr 2010 für „seinen langen und gewaltlosen Kampf für fundamentale Menschenrechte in China“ mit dem Friedensnobelpreis aus. 70 Jahre nach Carl von Ossietzky war er der zweite Regimekritiker, der den Nobelpreis in Haft zugesprochen bekam.

Liu Xiaobo hatte als junger Akadamiker im Jahr 1989 am Tor des Himmlischen Friedens für Demokratie demonstriert. Das brachte ihm eine erste, noch kurze Gefängnisstrafe ein. Zum 60. Jahrestag der UN-Menschenrechtserklärung verfasste er mit anderen die Charta 08, in der er und viele weitere Intellektuelle die Vision einer anderen Volksrepublik entwarfen. Wegen „Untergrabung der Autorität des Staaates“ wurde er am 25. Dezember 2009 zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Bis kurz vor seinem Tod war er in einem 500 Kilometer von seiner Heimatstadt Peking entfernten Gefängnis in der Provinz Liaoning inhaftiert. Weil er an Leberkrebs in einem späten Stadium litt, wurde er am 26. Juni 2017 in ein Krankenhaus verlegt, wo er weiter unter strenger Überwachung stand. Eine Behandlung außerhalb der VR China wurde ihm verwehrt. Er starb am 13. Juli 2017 im Alter von 61 Jahren.

„…Luis Anstrengungen waren nicht vergebens. Sein Leben und sein Werk bleiben ein Stachel im Fleisch der Mächtigen. Schon als er während der Lagerhaft den Friedensnobelpreis erhielt, wüteten die offiziellen Stellen, ließen ihre Propagandisten starke Worte absondern: Lui sei bloß ein gewöhnlicher Verbrecher, rechtskräftig verurteilt. Aber Lui war kein Verbrecher. Er war ein hilfsbereiter, hochmoralischer Mensch.“ (Schluss des Nachrufs von Finn Mayer-Kuckuk in: Frankfurter Rundschau vom 14. Juli 2017 unter dem Titel „Chinas Gewissen ist tot“)

Typisch für den Bürgerrechtler war dieser Satz: „Ich habe keine Feinde und keinen Hass.


RSS