Die Jesusüberlieferung

Jesusworte

 

Die im Folgenden aufgeführten Worte dürften auf Jesus von Nazaret selbst zurückgehen.

Die Aufzählung erfolgt in rein formaler Reihenfolge:

An erster Stelle stehen Traditionen im Markusevangelium, des ältesten schriftlich erhaltenen neutestamentlichen Evangeliums Sowohl der Verfasser des Matthäus- als auch des Lukasevangeliums haben bei der Komposition ihres jeweiligen Evangeliums auf Texte des Markusevangeliums zurückgegriffen.

An zweiter Stelle stehen die Traditionen der sogenannten Logienquelle, ein nicht mehr erhaltenes Evangelium, das die Verfasser des Matthäus- und des Lukasevangeliums ebenfalls gekannt haben müssen. Beide Evangelien enthalten nämlich über die Texte hinaus, die sich auch bei Markus finden, Überlieferungen, die dort fehlen, aber sowohl bei Matthäus als auch bei Lukas vorkommen und deshalb wohl aus derselben Quelle stammen (es sind so gut wie ausschließlich Worte, daher die Bezeichnung Logien- oder Spruchquelle).

Schließlich werden die Jesustraditionen des sogenannten Sonderguts des Matthäus und des sogenannten Sonderguts des Lukas aufgeführt. Dies sind Texte, die ausschließlich vom Matthäus- bzw. ausschließlich vom Lukasevangelium überliefert werden.

„Können denn die Hochzeitsgäste fasten?“

Markus 2,19a

 

„Niemand näht einen aus einem neuen Stoffstück bestehenden
Flicken auf ein altes Gewand.
Andernfalls reißt das Füllstück von ihm ab,
und der Riss wird schlimmer.
Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche.
Andernfalls wird der Wein die Schläuche zerreißen,
und der Wein geht verloren mitsamt den Schläuchen.“

Markus 2,21-22

 

„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht,
und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“

Markus 2,27

 

„Siehe, ein Sämann ging aus, um zu säen.
Beim Säen geschah folgendes:
Einiges fiel auf den Weg;
und es kamen die Vögel
und fraßen es auf.
Anderes fiel auf Steine;
und als die Sonne aufging,
wurde es versengt.
Wieder anderes fiel unter Dornpflanzen;
und die Dornpflanzen wuchsen auf
und erstickten es.
Alles Übrige aber fällt auf guten Boden;
und es gibt Frucht,
nachdem es aufgegangen und gewachsen ist,
und trägt dreißigfach.“

Markus 4,3-8 (ohne nachträgliche Erweiterungen)

 

„Mit dem Reich Gottes verhält es sich so,
wie wenn ein Mensch Samen auf die Erde gestreut hat,
und er schläft ein und er erwacht, Nacht und Tag,
und der Same sprosst und wird groß –
er weiß selbst nicht wie.
Von selbst bringt die Erde Frucht:
zuerst den Halm,
dann die Ähre,
schließlich das voll ausgereifte Korn in der Ähre.“

Markus 4,26-28

„Wem gleicht das Reich Gottes? Womit soll ich es vergleichen?
Es ist gleich einem Senfkorn,
wenn es auf die Erde gesät ist,
kleiner als alle Samenkörner auf Erden:
Wenn es gesät ist,
wächst es und wird größer als alle Gartengewächse
und bildet große Zweige,
so dass unter seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.“

Markus 4,30-32

„Amen, ich sage euch:
Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind,
der kommt bestimmt nicht hinein.“

Markus 10,15

 

„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr,
als dass ein Reicher ins Reich Gottes gelangt.“

Markus 10,25

 

„Wer unter euch groß sein will, soll euer Diener sein,
und wer unter euch Erster sein will, soll der Knecht aller sein.“

Markus 10,43b-44

 

„Selig sind die Armen!
Ihnen gehört das Reich Gottes.“

Matthäus 5,3 = Lukas 6,20b

 

„Dem, der dich auf die Wange schlägt,
halte auch die andere hin!“

Matthäus 5,39b = Lukas 6,29a

 

„Lass die Toten ihre Toten begraben;
du aber geh und verkünde das Reich Gottes!“

Matthäus 8,22 = Lukas 9,60

 

„Das Gesetz und die Propheten – bis Johannes.
Von da ab setzt sich das Reich Gottes machtvoll durch,
und Gewalttätige reißen es an sich.“

Matthäus 11,12f. = Lukas 16,16 (zum Teil rekonstruiert)

 

„Wenn ich mit dem Finger Gottes die Dämonen austreibe,
dann ist das Reich Gottes zu euch gekommen.“

Matthäus 12,28 = Lukas 11,20

„Mit dem Reich Gottes ist es wie mit einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis er das Ganze durchsäuert hatte.“

Matthäus 13,33 = Lukas 13,21

 

„Ein Mensch veranstaltete ein großes Gastmahl, lud viele dazu ein und schickte, als es soweit war, seinen Diener aus, der den Eingeladenen sagen sollte:
‚Kommt, denn es ist schon bereit!‘
Da fingen alle ohne Ausnahme an sich zu entschuldigen.
Der erste sagte zu ihm:
‚Ich habe einen Acker gekauft
und muss ihn unbedingt besichtigen gehen;
ich bitte dich: Betrachte mich als entschuldigt.‘
Der nächste sagte:
‚Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft
und bin gerade auf dem Weg, um sie mir genauer anzusehen;
ich bitte dich: Betrachte mich als entschuldigt.‘
Der dritte sagte:
‚Ich habe geheiratet
und kann deshalb nicht kommen.‘
Der Diener kehrte zurück und berichtete seinem Herrn davon.
Da wurde der Hausherr zornig und sagte zu seinem Diener:
‚Geh schnell hinaus auf die Plätze und Straßen der Stadt
und bring die Armen hierher.‘“

(Matthäus 22,1-9) = Lukas 14,16-21a

„Mit dem Reich Gottes ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker verborgen war. Ein Mensch fand ihn und verbarg ihn wieder. Und in seiner Freude geht er hin, verkauft alles, was er besitzt, und kauft jenen Acker.“

Matthäus 13,44

 

„Mit dem Reich Gottes verhält es sich so:

Ein Gutsbesitzer ging gleich am frühen Morgen hinaus, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Nachdem er mit den Arbeitern um einen Tageslohn von einem Denar übereingekommen war, schickte er sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Marktplatz stehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: ‚Geht auch ihr in den Weinberg. Ich werde euch geben, was recht ist.‘ Und sie gingen hin. Um die sechste und um die neunte Stunde ging er nochmals hinaus und tat genauso. Als er um die elfte Stunde hinausging, fand er andere dastehen und sagte zu ihnen: ‚Was steht ihr hier den ganzen Tag ohne Arbeit?‘ Sie antworteten ihm: ‚Weil uns niemand angeworben hat.‘ Da sagte er zu ihnen: ‚Geht auch ihr in den Weinberg.‘

Als es Abend geworden war, sagte der Weinbergbesitzer zu seinem Verwalter: ‚Rufe die Arbeiter und zahle ihnen ihren Lohn aus. Beginne bei den Letzten bis zu den Ersten.‘ Da kamen die, die um die elfte Stunde eingestellt worden waren, und erhielten jeweils einen Denar. Als dann die Ersten kamen, meinten sie, dass sie mehr erhalten würden. Aber auch sie erhielten jeweils einen Denar. Als sie ihn erhielten, empörten sie sich über den Gutsbesitzer und sagten: ‚Diese letzten haben eine einzige Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgemacht, die wir die Last des Tages und die Hitze ertragen haben.‘ Er aber antwortete einem von ihnen: ‚Mein Freund, ich tue dir kein Unrecht. Bist du nicht um einen Denar mit mir übereingekommen? So nimm das Deine und geh. Ich will diesem Letzten das gleiche geben wie dir. Kann ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder sieht dein Auge böse drein, weil ich gütig bin?‘“

Matthäus 20,1-15

„Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.“

Lukas 9,62

 

„Ich sah den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen.“

Lukas 10,18

 

„Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte;
man wird auch nicht sagen: siehe, hier! oder: dort!
Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“

Lukas 17,20b-21


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