Verletzungen der Welt. 30. KW: Landraub (Landgrabbing), Privatbesitz an Grund und Boden

Unter der Rubrik Verletzungen der Welt werden die wohl schlimmsten Verletzungen der Welt aufgeführt. Zu Beginn wird die jeweilige Thematik in den Reich-Gottes-Zusammenhang gerückt, es folgen grundsätzliche Informationen, sodann Beispiele für ein sich der entsprechenden Verletzung widmendes heilendes Engagement. Ein letzter Punkt weist schließlich darauf hin, dass die Realisierung unserer Weltverbundenheit bzw. eine Reich-Gottes-Spiritualität dem verletzenden Handeln selbst den Boden entziehen, aber vielleicht auch die stärksten und nachhaltigsten Kräfte zur Heilung der Welt freisetzen würde. Die Seiten werden kontinuierlich überarbeitet und aktualisiert.
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17. April: Internationaler Tag der Landlosen

LANDRAUB (LANDGRABBING), PRIVATBESITZ AN GRUND UND BODEN

Ein Verhältnis, einfach, wunderbar
Aufeinander abgestimmt
Leibverfasst, der Mensch hat Hunger
Des Landes Boden gibt ihm Essen

Dies Urverhältnis wird zerrissen
Zwischen Existenz und Boden
Schiebt sich Leib- und Lebensfremdes
Statt Nahrung soll jetzt Treibstoff wachsen

Kapitalverwertung in der Krise
Investmentfonds, Konzerne, Banken,
Erobern neue Kolonien
Kleine Bauern werden fortgetrieben

Zwischen Boden, Land und Nahrung
Ist der Rendite-Mensch getreten
Baut die Früchte nicht zum Essen an
Spaltet auf, was Lebenseinheit ist

Nahrung brauchen alle Menschen
Macht, Gewinn und Reichtum nicht
Das Urverhältnis einzig ist es
Das gemeinsam alle eng verbindet

Hans Bischlager

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Die Erde ist des Herrn und was sie füllt, / der Erdkreis und die darauf wohnen.  (Psalm 24,1)

Das Gemeinwohl verlangt (…) manchmal eine Enteignung von Grundbesitz, wenn dieser wegen seiner Größe, seiner geringen oder überhaupt nicht erfolgten Nutzung, wegen des Elends, das die Bevölkerung durch ihn erfährt, wegen eines beträchtlichen Schadens, den die Interessen des Landes erleiden, dem Gemeinwohl hemmend im Wege steht. (Paul VI., Enzyklika „Populorum Progressio“, 1967, Nr. 24)

Die Erde soll einen Besitzer haben? Wie das? Kann sie etwa verkauft werden? Kann man sie etwa kaufen? Sie gehört uns doch nicht. Sondern wir gehören ihr. Wir sind ihre Kinder. (Indianisch)

Wie könnt ihr den Himmel oder die Wärme der Erde kaufen oder verkaufen? Diese Vorstellung ist uns fremd. Wenn wir die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers nicht besitzen, wie könnt ihr sie dann von uns kaufen? (…) Dieses wissen wir: Die Erde gehört nicht dem Menschen; der Mensch gehört der Erde. (Aus der „Rede des Häuptlings Seattle, Neuere Version“ [1971/1972])

Die Leute, die sich einbilden, ein Stückchen Erde dieses Planeten durch irgendeine Urkunde besitzen zu können, sind genauso verrückt wie eine gewisse Sorte Amerikaner, die schon heute Grundstücke auf dem Mond erwerben, die ihnen irgendeine extravagante und geschäftstüchtige Agentur verkauft. Einen Wald oder eine Wiese besitzen die Vögel und die Tiere, die sich daran erfreuen oder auch das Liebespaar, das darin spazierengeht oder der Einsiedler, der da lebt, aber auf keinen Fall einer, der nur eine Besitzurkunde darüber hat.
Wir alle besitzen die ganze Natur, den Sternenhimmel und die Erde mitsamt allen ihren Landschaften. Sobald wir aber unser Besitzergefühl auf ein paar Hektar Land beschränken, gehört uns von alledem nichts mehr. Nur wenn wir arm sind, können wir die Welt unser eigen nennen wie die Vögel den Himmel ihr eigen nennen und die Fische das Wasser und der heilige Franz alle irdischen Dinge.(Ernesto Cardenal, Das Buch von der Liebe. Vida en el amor. Aus dem Spanischen von Anneliese Schwarzer de Ruiz, in: Ernesto Cardenal, Die Stunde Null, Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1980, 3. Auflage, 343f.)

Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden. (Art. 15 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland)

 

INFORMATIONEN

 

LAND-GRABBING

Der Begriff Land-Grabbing meint das unmoralische, aber leider oft durch die lokalen Regierungen legalisierte Okkupieren von Land durch wirtschaftlich oder politisch durchsetzungsstarke Akteure in den Ländern der Südhalbkugel. Es winken dabei riesige Gewinne, und meist werden die Geschäfte abgeschlossen, ohne dass die betroffenen Kleinbauern auch nur gefragt werden. Farm-Grabbing meint eine ähnliche Entwicklung, nur dass es dabei um die  Übernahme bäuerlicher Höfe geht. Klassischerweise übernehmen Banken die Betriebe, wenn Kredite nicht mehr bedient werden. Höfe und Flächen werden zu Spekulationsobjekten.

„Weltweit hat der Landraub, das sogenannte land grabbing, durch internationale Investoren eine Fläche von der Größe Westeuropas erfasst – und Millionen Kleinbauernfamilien zum Leben im Slum verurteilt.“ (Tom Koenigs in einem Beitrag für die Frankfurter Rundschau am 22./23. März 2014) Die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam geht davon aus, dass von 2001 bis September 2011 weltweit 227 Millionen Hektar Land von ausländischen Investoren gekauft oder gepachtet wurden. Zum Vergleich: Die EU-Agrarfläche beträgt 178 Millionen Hektar. Besonders betroffen ist Afrika. Auf diesem Kontinent sind bereits fast fünf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in den Händen fremder Konzerne und ausländischer Fonds. Laut dem jüngsten, vom ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan im Mai 2013 vorgestellten „Fortschrittsreport Afrika“ wurden auf diesem Kontinent seit 2000 bis zu 134 Millionen Hektar Land von Investoren aufgekauft – das entspricht in etwa der Größe Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens zusammen. Die von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mitentwickelte internationale Datenbank namens Land Matrix, die nur die offiziell dokumentierten Land-Verträge enthält und die verifizierten Daten online stellt, umfasst bereits (2016) 48 Millionen Hektar bzw. 480.000 Quadratkilometer; das entspricht 134 Prozent der Fläche Deutschlands. Investoren aus den USA liegen dabei laut Land Matrix mit zehn Millionen Hektar mit Abstand vorne, andere große Player sind China, Großbritannien, Saudi-Arabien und Katar.

Nach Recherchen der Internationalen Landkoalition, eines Zusammenschlusses von rund 100 Nichtregierungsorganisationen und Institutionen wie der Weltbank, wird rund die Hälfte der in den vergangenen Jahren von Konzernen weltweit gepachteten Anbauflächen von mehr als 200 Millionen Hektar für die Produktion von Biodiesel verwendet. Ein Großteil der auf den restlichen Gütern angebauten Nahrungsmittel geht in die Herkunftsländer der Konzerne, die wie Südkorea, Indien oder Saudi Arabien auf importierte Lebensmittel angewiesen sind. Und ein verhältnismäßig kleiner Teil wird nicht bebaut, sondern für Zwecke der Landspekulation verwendet. Der mit weitem Abstand geringste Teil der Erzeugnisse bleibt im Ursprungsland: Hungersnöte sind auf diese Weise also kaum zu vermeiden.

Auf der Grundlage einer Studie mit dem Titel „A Right to Food Perspective“ (Das Recht auf Nahrung im Blickpunkt) warnt Misereor vor den Folgen von Landgrabbing in Afrika. Die Hilfsorganisation kritisiert, dass internationale Konzerne in vielen Ländern durch langfristige Pachtverträge und den Ankauf großer Agrarflächen die Einwohner unter Druck setzten und den Zugang der Einwohner zu Nahrung bedrohten. Dies befürchten die Misereor-Experten auch, wenn nun in Tansania auf einer Fläche von der Größe Italiens private Unternehmen und Plantagen angesiedelt werden sollen.

Die Kinder besitzen keine eigene Tasse für den Hustensaft. Nachts schlafen sie bei gerade mal zehn Grad in Lumpen in Bretterverschlägen, die sie ihre Häuser nennen. Kakerlaken und Riesenspinnen an den Wänden der dunklen Hütten, in denen es keinen Strom und keine Heizung gibt, gehören dazu wie auch die Ameisen. Die sogar im Trinkwasser sind.« Wenn sie sich an das Leid der Kinder in den Bergen der philippinischen Insel Mindanao erinnert, schlägt bis heute das Herz von Sabine Redlin »bis zum Hals«. […] Sabine Redlin hat das hautnah erlebt. Denn das Prinzip der Organisation ist, bei den Einheimischen zu leben. Am Morgen dann, wenn die gefragten »German Doctors« mit dem Megafon vom Dorfplatz aus rufen, kommen die Menschen langsam in Reihen die Berge herunter: Kinder mit riesigen Wurm-Bäuchen, Lungenentzündung oder vereiterten Ohren. Erwachsene, die versucht haben, sich mit Insektenvertilgungsmitteln das Leben zu nehmen. Den Jungen, der den riesigen Behälter mit Hustensaft auf einmal austrank, weil er vor allem satt macht, sieht sie noch vor sich. Dabei wächst in dem Land alles, was das Herz begehrt: Bananen, Mangos oder Ananas und Kakao. Nur eben am falschen Ort: in den hermetisch abgeriegelten Plantagen der Amerikaner, die das Land faktisch gepachtet haben. Dort beschäftigen sie die Menschen für einen Hungerlohn, durch die Monokulturen ist der Rest der Erde verbrannt. »Die Ananas oder Mangos der amerikanischen Konzerne landen dann bei uns bei Edeka«, sagt Sabine Redlin. (Aus: Bettina Röder, „Armut ist die Katastrophe“, in: Publik-Forum Nr. 22 vom 22.11.2013, S. 26)

Unter dem Titel Agribusiness-Expansion, Landgrabbing und die Rolle europäischer privater und öffentlicher Gelder in Sambia. Eine Bewertung basierend auf dem Recht auf Nahrung hat die Menschenrechtsorganisation Fian zum „Internationalen Tag der Landlosen“ 2014 eine Studie vorgelegt.

Längst ist Landgrabbing auch in Europa angekommen, wie die für den EU-Abgeordneten der Grünen Martin Häusling erstellte Studie Die Ernte der Heuschrecken. Das weltweite Landgrabbing und die Verantwortung Europas vom Februar 2012 feststellt; sie nennt Rumänien, Russland, die Ukraine und Kasachstan als Zielländer von börsennotierten Gesellschaften und Fonds.
Die Studie der Kleinbauernbewegung La Via Campesina und dem Netzwerk „Hands-off the Land“ mit dem Titel Land concentration, land grabbing and people’s struggles in Europe vom Juni 2013 erläutert anhand von elf europäischen Ländern, in welchem Umfang die traditionelle Landwirtschaft durch die anhaltende Konzentration des Landbesitzes und den Einstieg fremden Kapitals bedroht wird. Die Landkonzentration habe, so die Autoren, auch in Europa Dimensionen erreicht, die denen Brasiliens, Kolumbiens oder der Philippinen ähnelten.
Laut einer Studie des NGO-nahen kanadischen „Oakland Institut“ vom Dezember 2014 sind seit 2002 rund 1,6 Millionen Hektar ukrainische Agrarfläche an multinationale Unternehmen verkauft oder verpachtet worden.
In der EU kaufen und pachten ausländische Großinvestoren immer mehr Agrarland, insbesondere in östlichen Staaten. Das zeigt eine Studie, die das Europaparlament am 17. Juni 2015 in Brüssel vorstellte. Demnach kontrollieren etwa ausländische Investoren in Rumänien derzeit zwischen 30 und 40 Prozent aller Agrarflächen. In Ungarn liegt die Quote bei geschätzten 15 Prozent. Noch dramatischer sei die Situation in Bulgarien, obgleich dort keine offiziellen Informationen zu bekommen seien, schreiben die Autoren, die vom globalisierungskritischen „Transnational Institute“ in Amsterdam stammen. Auch Polen weise eine bedenkliche Bilanz auf, während das Phänomen in kleinerem Umfang auch das Baltikum, Tschechien und die Slowakei betreffe, heißt es. Unter den Investoren sind laut der Studie neben Agrarkonzernen auch Banken, Pensions- und Versicherungsfonds, die vor dem Hintergrund der EU-Finanzkrise nach neuen Anlagemöglichkeiten suchen. Die Geldgeber stammen aus Westeuropa, aber auch aus China, Kuwait, Katar und vielen weiteren Staaten. Die größte Farm Rumäniens ist nach Angaben der Autoren im Besitz einer Holding aus dem Libanon, erstreckt sich über 65.000 Hektar Land und exportiert Fleisch und Getreide nach Nahost und Ostafrika. Deutschland gehört einerseits zu den Investorenländern – etwa über den Allianz-Konzern, der unter anderem in Bulgarien aktiv ist – andererseits sind ausländische Geldgeber wie etwa die belgische KBC-Bank auch in der Bundesrepublik engagiert.

Über die Hälfte der deutschen Ackerflächen sind in der Hand von Großgrundbesitzern mit mehr als 100 Hektar Land. 1,3 Prozent der Agrarbetriebe kontrollieren 24,1 Prozent des Landes. Mittlerweile gibt es in Deutschland nur noch 288.000 Betriebe. In Ostdeutschland kaufen landwirtschaftsfremde Investoren riesige Agrarflächen auf. Allein in Brandenburg beherrschen sie inzwischen bis zu 15 Prozent des Landes, schätzt der Brandenburgische Bauernbund. Mehr als fünf Prozent der brandenburgischen Äcker – 68.000 Hektar der 1,32 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche in Brandenburg – befinden sich im Besitz einer Gruppe von gerade sieben Anlegern. Im Landkreis Märkisch Oderland kontrollieren vier Investoren sogar fast ein Drittel des Bodens. – Die bundeseigene Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG), die Nachfolge-Gesellschaft der Treuhand, hat in den vergangenen Jahren fast 800.000 Hektar ostdeutsches Agrarland an meistbietende Investoren verkauft.

Investoren sind seit der globalen Finanzmarktkrise auf der Suche nach neuen Anlagemöglichkeiten. Das Geschäft mit Ackerland stellt für sie ein Investment mit lukrativen Renditemöglichkeiten dar. Hedgefonds, Banken und Versorgungswerke investieren Geld in Landgeschäfte in der Hoffnung auf große Profite.

Bei vielen Anlageformen können Sparer direkt oder indirekt Formen von Landraub unterstützen. Das geht aus der Studie Nicht zu verkaufen. Agrarland in Entwicklungs- und Schwellenländern als neues Anlageprodukt hervor, die das Südwind Institut für Ökonomie und Ökumene im Dezember 2013 veröffentlichte.

Literatur:

  • Stefano Liberti, Landraub. Reisen ins Reich des neuen Kolonialismus, Rotbuch Verlag, Berlin 2012
  • Wilfried Bommert, Bodenrausch. Die globale Jagd nach den Äckern der Welt, Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2012
  • Fred Pearce, Land Grabbing. Der globale Kampf um Grund und Boden, Antje Kunstmann Verlag, München 2012
  • Thomas Kruchem, Der große Landraub. Bauern des Südens wehren sich gegen Agrarinvestoren, Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt am Main 2012
  • Thomas Kruchem, Land und Wasser. Von der Verantwortung ausländischer Agrarinvestoren im Süden Afrika, Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt am Main 2013
  • Landraub. Der globale Kampf um Boden fordert Opfer, Publik-Forum Dossier vom April 2013
  • Lorenzo Cotula, The Great African Land Grab? Agricultural Investments and the Global Food System, London, New York: Zed Books, 2013
  • Jan Rübel, Geld sucht Land, in: Zeitzeichen 1/2014, 50-54
  • Kurt Langbein, Landraub. Die globale Jagd auf Ackerland, Ecowin Verlag, Salzburg 2015
  • Von ganz unten. Warum wir unsere Böden besser schützen müssen, herausgegeben von Gerd Wessolek, Oekom Verlag, München 2015

Film:

  • Landraub. Ein Film von Kurt Langbein und Christian Brüser (Kinostart Österreich: 18. September 2015. Kinostart Deutschland: 08.Oktober 2015)

 

PRIVATBESITZ AN GRUND UND BODEN

Die Hamburger Vladi Private Islands GmbH ist auf den Verkauf von Privatinseln weltweit spezialisiert.
Ein neuseeländischer Banker hat Anfang Oktober 2013 über die o.g. Firma für 2,9 Millionen Euro die 1,6 Quadratkilometer große Insel Budelli (nördlich von Sardinien) gekauft.

In Brasilien befindet sich etwa die Hälfte der Ackerfläche in der Hand von einem Prozent der Bevölkerung.
In Bolivien befanden sich im Jahr 2006 nach Regierungsangaben 90 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in der Hand weniger Großgrundbesitzer, denen etwa drei Millionen Kleinbauern und Landarbeiter – meist Indios – gegenüberstehen. Bis 2011 wollte der bolivianische Präsident Evo Morales etwa 20 Millionen Hektar an Landlose übereignen. Das entspricht einem Fünftel des Landes und fast der Fläche Großbritanniens.
„In Guatemala besaßen 2013 1,86 Prozent der Bevölkerung 57 Prozent des Ackerlandes. In Guatemala gibt es 47 landwirtschaftliche Großbetriebe mit jeweils 3700 Hektar oder mehr, während 90 Prozent der Bauern mit 1 Hektar oder weniger zurechtkommen müssen.“ (Jean Ziegler, Ändere die Welt! Warum wir die kannibalische Weltordnung stürzen müssen, München 20158, 51)
In Kolumbien gehört einem Prozent der Bevölkerung mehr als die Hälfte des Bodens.
97 Prozent des Landes Papua-Neuguinea sind Gemeinschaftseigentum. (Quelle: Liturgie des Weltgebetstags 2009)
In den Philippinen verfügen nur zwei Prozent der philippinischen Bevölkerung über 36 Prozent des Landes. Hinzu kommen noch die Gebiete, die internationale Bergbaufirmen für den Rohstoffhandel erworben haben. (Quelle: Arbeitshilfe Weltgebetstag 2017: Philippinen)

Deutschland:

Durch den Bau des Münchner Flughafens und der S-Bahn-Strecke sind die Bodeneigentümer in den vergangenen Jahrzehnten um ca. 15 Milliarden Euro reicher geworden – ohne eigene Leistung. Dabei ist dieser Zugewinn zum allergrößten Teil auf Investitionen zurückzuführen, die von der Allgemeinheit finanziert worden sind, die jetzt auch noch die höheren Bodenwerte bedienen muss. (Helmut Creutz in Fairconomy Nr. 1/Juni 2005, 13)

Knapp zwei Drittel der Wälder in Brandenburg sind in privater Hand. Das geht aus den am 30. Juni 2015 in Potsdam veröffentlichten Ergebnissen der Brandenburger Waldinventur hervor. Im Bundesdurchschnitt befindet sich im Vergleich nur knapp die Hälfte (48 Prozent) der Waldflächen in privater Hand. Die Grüne Liga hat Kritik daran geübt, dass es nicht möglich war, Flächen aus dem Eigentum der Treuhand-Nachfolgerin BVVG in das Nationale Naturerbe aufzunehmen. Die BVVG privatisiere weiter wertvolle Natur in Ostdeutschland, warnt die Umweltschutzorganisation.

 

ENGAGEMENT

 

  • Am 11. Mai 2012 hat der Ausschuss für Welternährungssicherung (CFS) der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) Freiwillige Leitlinien für die verantwortungsvolle Verwaltung von Boden- und Landnutzungsrechten, Fischgründen und Wäldern im Kontext nationaler Ernährungssicherheit beschlossen, die vorgeben, wie Investitionen in Land, Wälder und Fischgründe „verantwortlich“ abgewickelt werden sollen. Der Verabschiedung gingen dreijährige Verhandlungen voraus, an denen neben Regierungen auch Repräsentanten der Wissenschaft, des Privatsektors und der Zivilgesellschaft beteiligt waren. Die Leitlinien sind das erste völkerrechtliche Instrument, das den gerechten und nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen regeln soll. Sie enthalten Empfehlungen, um lokale Gemeinschaften vor Landgrabbing zu schützen. Allerdings sind sie nur freiwillig, in bestehende nationale Gesetzgebung können die UN nicht eingreifen. Ob und wie sie umgesetzt werden, bleibt den jeweiligen Staaten und Regierungen überlassen. Auch auf ein Begleitverfahren zur Überwachung der Schutz-Regeln konnte sich der CFS nicht einigen – Grund zur Sorge für viele Nichtregierungsorganisationen.
  • Genetic Resources Action International (GRAIN), ist 2011 mit dem Right Livelihood Award dafür ausgezeichnet worden, das Landgrabbing zum internationalen Thema gemacht zu haben. In den letzten Jahren hat GRAIN einen entscheidenden Beitrag zur Dokumentation und Kritik des rapide wachsenden Phänomens „Landgrabbing“ geleistet.
  • Hilfsorganisation Oxfam.
  • Menschenrechtsorganisation Fian.
  • Misereor warnt vor Folgen von Landgrabbing in Tansania.
  • Rights and Resources Initiative (RRI), Washington.
  • International Land Coalition (ILC), eine globale Allianz aus Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen.
  • Amnesty International (AI); Schwerpunktthema in „Amnesty Journal. Das Magazin für die Menschenrechte“ 06/07 2013 (S. 16-35).
  • Rettet den Regenwald e.V.
  • Slow Food.
  • Inkota Netzwerk e.V.
  • Der Verein Christen für eine gerechte Wirtschaftsordnung (CGW) setzt sich dafür ein, dass der Boden als endliche Ressource in Gemeineigentum überführt wird und darin bleibt. Das soll sukzessive geschehen: Immer wenn Boden zum Verkauf ansteht, soll ein öffentlicher Träger das Land erwerben und es danach dem Meistbietenden verpachten. Der Weg dorthin soll über die Gesetzgebung erreicht werden.

Die Ökumenische Initiative Reich Gottes – jetzt! erinnert an die Botschaft Jesu von der Gegenwart des Reiches Gottes, von der Heiligkeit der Welt, in die wir eingebunden sind. Diese Weltverbundenheit befreit unmittelbar zu einem Lebensstil der Einfachheit, des Genug, des „Soviel du brauchst“.

 


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